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Johann Wolfgang von Goethes "Willkommen und Abschied" im Diskurs von Forschung und Literatur

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 16 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der biographische Hintergrund Goethes zur Entstehungszeit des Gedichtes

2. Allgemeine Thesen zum inhaltlichen Verlauf

3. Ausgewählte inhaltliche Aspekte
3.1 Der Gegensatz von Tradition und Freiheit
3.2 Der Dualismus von Mensch und Natur
3.3 Die Botschaft des Glückes (K)eine Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Anhang

Einleitung

Johann Wolfgang von Goethe – geboren am 28. August 1749 in Frankfurt am Main, gestorben am 22. März 1832 in Weimar – zählt zu den größten Autoren unserer Zeit und ist literarisch von ausgesprochen großem Interesse.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es daher das Gedicht ‚Willkommen und Abschied’ von Johann Wolfgang von Goethe anhand der literarischen Forschung im Allgemeinen und unter spezifisch gesetzten Schwerpunkten zu interpretieren. Beginnend mit der kurzen Erläuterung der biographischen Hintergründe zur Entstehungszeit des Gedichts, nach Christoph Perels „Dichterwege – Eine kleine Goethe-Biographie“, dient dieser erste Schritt auch der knappen Darstellung der Neuartigkeiten, welche Goethes Gedichte, die zu jener Zeit in Straßburg entstanden, von seinen bisherigen Werken unterscheiden. Die Ausführungen zu den Allgemeinen Thesen, den inhaltlichen Verlauf betreffend, stützen sich vorwiegend auf die Interpretationen Gerhard Kaisers aus seinem Werk „Augenblicke deutscher Lyrik“, aus dem Jahr 1987. Auf einer übergeordneten Ebene werden dann diese allgemeinen Aspekte durch ausgewählte Perspektiven ergänzt. Dabei ist vor allem die Betrachtung des Gegensatzes zwischen Tradition und Freiheit, des Dualismus von Mensch und Natur und der abschließenden Botschaft des Glückes für die Interpretation stützend. Wichtigster Aufsatz für diese Spezifizierung ist „Drei Goethesche Gedichte interpretiert“ und stammt aus der Feder von Karl May. Schließlich folgt auf den gewonnenen Erkenntnissen basierend (k)eine Schlussbetrachtung. Diese wurde in ihrer Art gewählt, da das Gedicht eine Vielzahl von Interpretationen zu lässt und die vorliegende Arbeit recht spezifische, keinesfalls vollständige Aspekte darzustellen sucht.

Bevor jedoch der biographisch-historische Kontext Goethes zur Schaffenszeit des Gedichts erläutert wird, soll zunächst eine literarisch-historische Einordnung folgen.

In der ersten Hälfte des Jahres 1771 ist, am Dreikönigsabend, „Willkommen und Abschied“ als eines von drei Gedichten entstanden und wurde mit ihnen gemeinsam im „Sesenheimer Liederbuch“ zusammengefasst. Das erste Gedicht „Kleine Blumen, kleine Blätter“ entstand bereits im März 1771 und ist seit 1789 unter dem Namen „Mit einem gemalten Bande“ bekannt. Es hat die typische Form eines Liedes. Während „Willkommen und Abschied“ die Form einer episch lyrischen Ballade aufweist, ist das dritte Gedicht „Mailied“, welches im Mai 1771 verfasst wurde, eine lyrische Hymne. 1775 wurden alle drei Gedichte in der Zeitschrift „Iris“ veröffentlicht.[1]

Alle drei Gedichte versinnbildlichen das neue Menschenbild, die neue Auffassung über das Liebesleben und das neue Naturgefühl und sie sind in ihrer Entstehung verbunden mit der Bekanntschaft um Friederike Brion.[2]

1. Der biographische Hintergrund Goethes zur Entstehungszeit des Gedichts

Im Frühjahr 1770 ging Goethe im Zuge seines Studiums für drei weitere Semester nach Straßburg. Neben zahlreichen Bekanntschaften mit seinen Kommilitonen sowie Jakob Michael Reinhold Lenz und Johann Gottfried Herder war für den jungen Goethe vor allem die Begegnung mit Frederike Brion, einer achtzehnjährigen Pfarrerstochter aus Sesenheim, bedeutsam, welche er im Oktober 1770 kennenlernte. Beide fanden in einander ihre erste große Liebe. Mit seiner Heimreise im August 1771 endet ihre Beziehung.[3] Dies jedoch offenbart Goethe ihr erst zwei Tage später in einem Brief, auf welchen Frederike ihm antwortete. Goethe schriebt dazu: "Die Antwort Friederikens auf meinen schriftlichen Abschied zerriß mir das Herz. Es war dieselbe Hand, derselbe Sinn, dasselbe Gefühl, die sich zu mir, die sich an mich heran gebildet hatte. Ich fühlte nun erst den Verlust, den sie erlitt, und sah keine Möglichkeit ihn zu ersetzen, ja ihn nur zu lindern. Sie war mir ganz gegenwärtig; stets empfand ich, daß sie mir fehlte, und, was das Schlimmste war, ich konnte mir mein eigenes Unglück nicht verzeihen. (…) ich hatte das schönste Herz in seinem Tiefsten verwundet, und so war die Epoche einer düsteren Reue, bei dem Mangel einer gewohnten erquicklichen Liebe, höchst peinlich, ja unerträglich."[4] Aus Goethes Worten ist zu erkennen, dass dieser von Schuldgefühlen geplagt war, welche er wohl nie ganz überwand. Die Begegnung mit Friederike soll Goethe auch in späteren Lebensjahren noch beschäftigen, schließlich wird das Gedicht 1789 noch einmal überarbeitet. Erst Jahre später besucht Goethe Frederike im Herbst 1779 erneut, ob es damals zu einer Aussöhnung gekommen ist, bleibt unbekannt. Sicher jedoch ist, dass Friederike zeitlebens unverheiratet blieb.[5]

Rückblickend scheint Goethe in der Natur, in der Idylle von Sesenheimer auf literarischer Ebene das Volksliedhafte zu finden, wobei es sich hierbei mehr um eine Dichtung nach dem Muster von Goldsmith‘s „Landpriester von Wakefield“ handelt.[6]

Bereits Gerhard Kaiser formulierte, dass im Gegensatz zu den Gedichten Goethes aus seiner Zeit in Leipzig, welche vorwiegend geprägt wären von virtuoser Liebeslyrik, aus seiner Zeit in Straßburg Gedichte mit einem epochalen neuen Ton überliefert seien. Signifikant ist dabei, wie durch seinen Stimmungsgehalt ein Ereignis, welches nur ein Ich und ein Du beherberge, hervorgerufen werde. Durch den Ausschluss Dritter, lässt ‚Willkommen und Abschied’ dem Rezipienten nur die Identifikation mit dem sprechenden Ich als Zugang zu dem Gedicht übrig, dies ermöglicht schließlich den Eintritt in die Sprech- und Erlebnissituation.[7]

Mit ‚Willkommen und Abschied‘ gelingt Goethe die Herausbildung eines neuen Typus, eines Gedichts der Erlebnislyrik, welches poetisch und philosophisch neue Anschauungen offenbart.[8]

[...]


[1] Vgl. May, Kurt: Drei Goethesche Gedichte interpretiert. In: Gestaltprobleme der Dichtung. Hrsg.: Alewyn, Richard / Hass, Hans-Egon / Heselhaus, Clemens. Bonn 1957. S. 127-132.

[2] Vgl. Ebd. S. 127.

[3] Vgl. Perels, Christoph: Dichterwege. Eine kleine Goethe Biographie. Stuttgart 1999. S. 29- 32.

[4] Goethe, Johann Wolfgang von: Dichtung und Wahrheit. Dritter Teil, Buch 12. In: Johann Wolfgang von Goethe. Werke Kommentare und Register. Autobiographische Schriften I. Hamburger Ausgabe in 14 Bd., Bd. 9. Hrsg: Blumenthal, Lieselotte / Trunz, Erich. München 1981. S. 520.

[5] Vgl. Perels, Ch.: Dichterwege. Stuttgart 1999. S. 32.

[6] Vgl. Ebd. S. 32.

[7] Vgl. Kaiser, Gerhard: Was ist ein Erlebnisgedicht? Johann Wolfgang Goethe: „Es schlug mein Herz…“ In: G.K.: Augenblicke deutscher Lyrik. Frankfurt am Main 1987. S.117-119.

[8] Vgl. Feldt, Michael: Lyrik als Erlebnislyrik. Zur Geschichte eines Literatur- und Mentalitätstypus zwischen 1600 und 1900. Heidelberg 1990. S. 178.

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656075172
ISBN (Buch)
9783656075578
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v183294
Note
2,3
Schlagworte
johann wolfgang goethes willkommen abschied diskurs forschung literatur

Autor

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