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Pressearbeit in der Regionalentwicklung (Beispiel Legoland)

Diplomarbeit 2003 94 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Trend zu künstlichen Erlebniswelten – Methodik und Vorgehen
1.1 Erlebniswelten auf dem Vormarsch – Das Erfolgsrezept
1.1.1 Vergnügungsparks: Ein historischer Rückblick
1.1.2 Erlebnishunger als Motor der Erlebniswelten
1.2 Eine fast positive Bilanz
1.2.1 Amerikanisierung der Themenparks befriedigt die Erlebenissucht
1.2.2 Freizeitparks fördern Gemeinschaftsgefühl
1.2.3 Auf der Suche nach Schwachpunkten
1.3 Fazit

2 Legolands Einzug in Günzburg – Methodik und Vorgehen
2.1 David gegen Goliath – Günzburg setzt sich gegen Tokio durch
2.1.1 Ansiedlungskriterien für den vierten Legoland Park
2.1.2 Standortvorteile im schwäbischen Barockwinkel
2.1.2.1 Lage und Verkehr
2.1.2.2 Das Gelände
2.1.2.3 Unterstützung aus der Politik
2.1.2.4 Unterstützung von Behörden
2.2 Fazit

3 Kommunikationsfahrplan der Behörden – Methodik und Vorgehen
3.1 Politik und Behörden ziehen an einem Strang
3.1.1 Projektverlauf – Arbeit der Projektgruppen
3.1.2 Projektgruppe Bauleitplanung
3.1.2.1 Exkurs: Bauleitplaner auf „Abwegen“
3.1.2.2 Ein Raumordnungsverfahren auf „andere Weise“
3.1.2.3 Bebauungsplan samt Einwänden
3.1.3 Projektgruppe Verkehr
3.1.4 Projektgruppe Entmunitionierung und Altlastensanierung
3.2 Akzeptanz in der Bevölkerung
3.2.1 Legolands Bemühungen um die Gunst der Bevölkerung
3.2.2 Akzeptanz des Großprojekts – Aus der Sicht der Lokalzeitung
3.2.3 Vorurteile lösen sich in Wohlgefallen auf
3.3.3 Fazit

4 Presse- und Öffentlichkeitsarbeit – Methodik und Vorgehen
4.1 Bedeutung von Kommunikation
4.2 Pressearbeit der Günzburger Zeitung
4.3 Bedeutung und Möglichkeiten von Marketingmaßnahmen
4.3.1 Ein Leitbild als Grundlage erfolgreicher Marketingarbeit
4.3.2 Definition des Nutzens fördert die Projektakzeptanz
4.4 Marketingstrategien von Legoland
4.4.1 Das `Preview Center´ weckt Interesse
4.4.2 Pressekonferenzen locken Journalisten
4.4.3 Events erregen Aufmerksamkeit
4.4.4 `Tag der Region´ fördert die Akzeptanz der Landkreisbevölkerung
4.4.5 Klassische Werbemittel ziehen Besucher an
4.4.6 Evaluation deckt Verbesserungsmöglichkeiten auf
4.5 Fazit

5 Regionalmarketing im Landkreis Günzburg – Methodik und Vorgehen
5.1 Vor Legoland: Der Tourismus krankt im Landkreis Günzburg
5.2 Ein Leitbild entsteht
5.2.1 Aufgaben und Ziele des Regionalmarketings
5.2.2 Gründung der Regionalmarketing Günzburg GbR
5.2.3 Öffentlichkeitsarbeit für das Konzept der Regionalentwicklung
5.3 Projekte und Umsetzungsarbeit der Regionalmarketing
5.3.1 Nach Legolands Eröffnung: Der Tourismus boomt in der Region
5.3.2 Informationsservice für die Besucher und Landkreisbewohner
5.3.3 Identifikation fördern durch den `Tag der Region´
5.4 Zukünftige Projekte der Regionalmarketing
5.5 Ausblick
5.6 Fazit

6 Schlussbemerkungen

7 Literaturverzeichnis
7.1 Fachliteratur, Zeitschriften- und Zeitungsartikel
7.2 Internetangaben
7.3 Schriftliche Interviews per E-Mail
7.4 Persönliche Gespräche/Expertengespräche
7.5 Bildmaterial

Einleitung

Das Thema „Pressearbeit in der Regionalentwicklung, am Beispiel Legoland“ wird in der folgenden Diplomarbeit behandelt. Zunächst mag sich die Themenstellung für eine geographische Arbeit etwas fremd anhören, doch wird sich zeigen, dass diese Vorgehensweise durchaus ihre Berechtigung hat.

Für die erfolgreiche Umsetzung eines Projektes – und dabei ist es gleichgültig ob es sich um einen Dorferneuerungsprozess, den Bau einer Umgehungsstraße, die Eröffnung eines Factory-Outlet-Centers oder eben die Ansiedlung eines Freizeitparks handelt – sind der Kommunikationsfluss zwischen den verschiedenen Interessenvertretern, eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt, sowie die Projektbegleitung durch die regionale Presse unabdingbar.

Dabei steht das Erreichen einer größtmöglichen Akzeptanz in der Bevölkerung zumeist unmittelbar im Vordergrund. Denn ohne den Zuspruch der Anwohner scheitern Projekte oft, bevor überhaupt mit ihrer Umsetzung angefangen werden konnte. Bürgerversammlungen, Bürgerbegehren oder gar öffentliche Demonstrationen sind nicht selten das Ergebnis einer falschen Kommunikation, voreingenommener oder fehlender Pressearbeit und dem Einsatz ineffektiver Werbemaßnahmen.

In dieser Arbeit soll die erfolgreiche Umsetzung des Projektes „Die Ansiedlung des Freizeitparks im Landkreis Günzburg“ vorgestellt werden. Unterstützt werden die Ergebnisse dieser Arbeit durch Aussagen von Schlüsselpersonen aus den verschiedenen Bereichen.

Ein erfolgreich verlaufender Prozess stützt sich auf mehrere Pfeiler:

Wie wichtig sind Freizeitparks in unserer Gesellschaft, bzw. aus welchen Beweggründen werden Erlebniswelten besucht? Diesen Fragen wird im ersten Kapitel dieser Diplomarbeit nachgegangen. Gestützt werden die Ergebnisse durch eine Studie des Freizeitforschers Prof. Dr. Horst Opaschowski. Außerdem erfolgt eine kurze Einschätzung von Prof. Dr. Ulrike Grabski-Kieron, Leiterin der Arbeitsgruppe Orts-, Regional- und Landesentwicklung/Raumplanung an der Universität Münster und Miro Gronau, Assistent der Geschäftsführung im Europa-Park Rust.

In den darauf folgenden Abschnitten werden Fragen beantwortet, wie: Warum hat sich Legoland für Günzburg entschieden? Welche Standortfaktoren sprachen für die Region? Es folgt die Betrachtung der für die Ansiedlung notwendigen Kommunikationsarbeit der Behörden. In einem wahren Planungsmarathon von Politikern, Vertretern der Behörden und der Legoland Planungs GmbH wurde in 18 Monaten alle von Legoland geforderten Kriterien erfüllt. Wie sah hierfür der Kommunikationsfahrplan aus? Wie wichtig war dabei die Akzeptanz der Bevölkerung und wie wurde sie erreicht? Als Gesprächspartner dienten hierfür Alfred Sauter, Justizminister a.D. und Wilhelm Hofmann, Baudirektor und Leiter des Sachgebietes Siedlungs- und Wohnungsbau der Regierung von Schwaben.

Legoland Deutschland wurde von Anfang an medial begleitet. Nicht nur die regionale, sondern auch die überregionale und nationale Presse interessierte sich für die Ansiedlung des Freizeitparks in Günzburg. Wie wichtig ist dabei der Einfluss der regionalen Tageszeitung? Von Legoland selbst wurden zudem andere Instrumente, wie gezielte Öffentlichkeitsarbeit und klassische Werbemaßnahmen, eingesetzt, um den geplanten Freizeitpark bekannt zu machen. Welche Mittel wurden dabei verwendet um die Gunst der Landkreisbevölkerung zu erhalten? Alfred Schmidt, Redaktionsleiter der Günzburger Zeitung, und Marion Moormann, Leiterin Presse & PR der Legoland Deutschland GmbH, wurden zu diesen Themen befragt.

Im Zuge eines Regionalentwicklungsprozesses erhielt der Landkreis Günzburg das Leitbild der `Familien- und Kinderregion´. Für die Umsetzung verschiedenster Projekte wurde hierfür die Regionalmarketing Günzburg GbR gegründet. Prof. Dr. Klaus Kellner, Professor für Marketing-Management International an der Fachhochschule Augsburg und Günter Reimann, Geschäftsführer der Regionalmarketing Günzburg GbR beantworten Fragen, wie: Welche Entwicklungen finden im Landkreis Günzburg statt? Wie wird das Leitbild der `Familien- und Kinderregion´ von der Bevölkerung angenommen und welche Entwicklungsmaßnahmen werden künftig forciert?

1 Trend zu künstlichen Erlebniswelten – Methodik und Vorgehen

Das Thema „Pressearbeit in der Regionalentwicklung am Beispiel Legoland“ erfordert verschiedene Betrachtungsweisen. Zunächst wird dem allgemeinen Trend der `Freizeitgesellschaft´ nachgegangen, denn verständlicherweise lässt sich ein Produkt wie Legoland nur gut verkaufen, wenn auch die entsprechende Nachfrage vorhanden ist. Zuerst wird ein kurzer Überblick über die Historie der Vergnügungsparks in Deutschland gegeben. In den folgenden Punkten werden vor allem die Ansichten von Prof. Dr. Albrecht Steinecke, Lehrstuhl für Wirtschafts- und Fremdenverkehrsgeographie an der Universität Paderborn, kommentiert sowie die Ergebnisse einer Studie des Freizeitforschers Prof. Dr. Horst Opaschowski vorgestellt. Außerdem erfolgt eine kurze Einschätzung von Prof. Dr. Ulrike Grabski-Kieron, Leiterin der Arbeitsgruppe Orts-, Regional- und Landesentwicklung/Raumplanung an der Universität Münster und Miro Gronau, Assistent der Geschäftsführung im Europa-Park Rust.

1.1 Erlebniswelten auf dem Vormarsch – Das Erfolgsrezept

1.1.1 Vergnügungsparks: Ein historischer Rückblick

Der Besuch von Vergnügungsparks ist nichts Neues. Die ersten städtisch-regionalen Jahrmarktsvergnügen befanden sich entweder in den historischen Stadtzentren, oder auch vereinzelt in fürstlichen Parkanlagen, wie der 1767 erbaute Wiener `Prater´. „Die Angebote konnten aufgrund der geringen und kaum mobilen Mantelbevöl-kerung, und damit einer lokal und zeitlich begrenzten Nachfrage, verständlicherweise nur temporär sein. Diese Form einer Stadtvergnügungskultur hat sich als jährlich wiederholende Kirmes in vielen Orten bis heute gehalten,...“. (Ebert 1998, S. 197)

Im Industriezeitalter verlagerten sich die Erlebniswelten in die ersten großflächigen Stadterweiterungsgebiete. Aufgrund des hohen Siedlungsdruckes im städtischen Bereich errichteten die nun so genannten `Lunaparks´ ihr stationäres Vergnügungs-angebot in der Nähe traditioneller Ausflugsorte. Der aufkommende Nationalsozialis-mus mit seiner vergnügungsfeindlichen Grundeinstellung hemmte die Entwicklung der Erlebniswelten. Außerdem schmälerte der Boom von mehrtägigen Urlaubsreisen die Besucherzahlen. Hohe Arbeitslosigkeit und inflationsbedingte Probleme reduzierten die Massenkaufkraft der Bevölkerung. Geld war oft nur für das Nötigste da, was nicht zuletzt auf Kosten der Parks ging. Die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges führten letztendlich zur Aufgabe der meisten Anlagen.

Erst in den 70er Jahren kam es wieder zu einer nennenswerten Neugründung von Themenparks, wie Märchen- und Tierparks. Nach dieser Wiedergeburt der Vergnügungsparks zählte man im Jahr 1995 bereits 45 große und 60 kleinere Parks in Deutschland. „In Deutschland überwiegt der vorwiegend junge Bestand der Parks am Ballungsrand oder im ländlichen Raum; diese Altersstruktur ist stark kriegsbedingt. Aufgrund der Zerstörungen fehlen in Deutschland die Anlagen aus den 20 er Jahren. In Städten anderer Länder sind diese Entwicklungsbausteine der Vergnügungsparks noch vorhanden; z.B. in Barcelona, Buenos Aires und Stockholm, weshalb dort vermutlich auch weniger neue Anlagen im Umland errichtet worden sind.“ (Ebert 1998, S. 206-207)

Heutzutage gelten Erlebnisanlagen als „Immobilie der Zukunft“. (vgl. Opaschowski 2000, S. 40) Rund 60 Millionen Besucher nehmen jährlich das vielfältige Angebot der deutschen Parks wahr. Zu den Größten mit mehr als einer Million Besucher zählen Europa Park Rust, Heidepark Soltau, Hansa-Park Sierksdorf, Phantasialand Brühl, Holiday Park Haßloch und nun auch Legoland in Günzburg. Der größte Themenpark in Deutschland ist der Europa Park in Rust. Etwa 2,7 Millionen Besucher vergnügen sich während der siebenmonatigen Saison im Park. 300 festangestellte Mitarbeiter und 1.550 Teilzeitbeschäftigte finden dort einen Arbeitsplatz. Rund 8.000 Arbeitsplätze wurden durch Zulieferfirmen in der Region geschaffen. (vgl. Kreft 2000, S. 136-139)

„Freizeitforscher sind sich darin einig, dass es seit Jahren einen gewaltigen Boom auf dem Gebiet der Freizeiteinhegung gibt. Noch nie sind – und zwar überall auf der Welt – dermaßen viele `Themenparks´ in so kurzer Zeit gebaut worden. Wir erleben eine Epoche geradezu barocker Stadtgründungen. Man kann dazu auch sagen: Vergnügungsoasen, Freizeitdorados, Lunaparks, Erlebniswelten, Movieworlds, Disneylands, Freizeitparadiese, Autostädte, Spaceparks, Indooranlagen, Abenteuerüberdachungen...“. (Matzig 23.04.2002)

1.1.2 Erlebnishunger als Motor der Erlebniswelten

Bereits im Punkt 1.1.1 wurde ein Überblick über die Vielfalt an neuen Namen für den inzwischen eher altertümlichen Begriff „Vergnügungspark“ gegeben. In der Geographie hat sich der Begriff „Erlebniswelt“ durchgesetzt, den Prof. Albrecht Steinecke folgendermaßen definiert: „Bei den Erlebniswelten handelt es sich um komplexe, multifunktionale Einrichtungen an der Schnittstelle von Freizeit, Unterhaltung, Kultur, Konsum, Sport und Tourismus. Sie verfügen über ein breites, vielfältiges und standardisiertes Angebotsspektrum, aus dem sich die Konsumenten ihre individuelle Mischung selbst zusammenstellen können.“ (Steinecke 2000, S. 42) Der Fortschritt und die Entwicklung der Parks stecken bereits in dem Begriff: Die Besucher von heute wollen sich nicht nur „vergnügen“, sondern sie wollen vor allem etwas „erleben“.

Die Konsumenten hegen den Wunsch nach Abwechslung, Entertainment, Thrill und Spaß. Über den Kernnutzen des Produkts oder der Dienstleistung hinaus erwarten die Parkbesucher einen Zusatznutzen, der materieller Art – etwa Events, einzigartige Attraktionen – oder emotionaler Art (Staunen, Status etc.) sein kann. In den Themenparks der Gegenwart manifestieren sich die Freizeit- und Konsumwünsche der Nachfrager, wie

- Sucht nach Erlebnissen,
- Wunsch nach Wahlfreiheit,
- Hoffnung auf Geselligkeit,
- Interesse am Zusatznutzen,
- Bedürfnis nach Markttransparenz,
- Suche nach dem Besonderen.

Der Konsument will sich für die Dauer seines Parkbesuchs in einer Traum- und Gegenwelt zu seinem Alltag wiederfinden, in die er temporär abtauchen kann. Er ist auf der Suche nach einer „Bühne“, auf der er sich in einer selbstgewählten Rolle präsentieren kann, oder er sucht nach einem „Schauplatz“, auf dem er etwas Ungewöhnliches erleben kann. (vgl. Steinecke 2000, S. 42-45)

Verschiedene Faktoren in unserem alltäglichen Leben mussten sich ändern, damit sich der Stellenwert der Freizeit in solch einem Maße entwickeln konnte. Zum einen hat sich die Freizeit von einer reinen Erholungszeit zu einer aktiven Freizeit gewan-delt. Das brachte die Zunahme der arbeitsfreien Zeit in Form von Arbeitszeitver-kürzungen, mehr Urlaubstagen und frühere Verrentung mit sich. Die Art der Freizeitgestaltung hat sich in unserer Gesellschaft zu einem Statussymbol entwickelt, so können auch die Freizeitaktivitäten als Ausdrucksmittel unterschiedlicher Lebensstilgruppen betrachtet werden. Der Wunsch nach einer gefahrlosen, aber dennoch abwechslungsreichen und interessanten Erlebniswelt für die gesamte Familie ist gestiegen. Die hohen Besucherzahlen deutscher Vergnügungsparks ist ein Beweis für die gestiegene Mobilitätsfähigkeit und –bereitschaft weiter Bevölkerungskreise.

Nicht zuletzt trägt der heutige Stand unserer Informationsgesellschaft, also die mediale Verbreitung durch Presse, Fernsehen, Radio, Werbung und Internet zu einer gesteigerten Akzeptanz und Nachfrage der Bevölkerung bei. (Ebert 1998, S. 203)

Nach Opaschowski wächst das Bedürfnis der Konsumenten nach emotionaler Anregung, d.h. konkret nach emotionalen Konsum-Erlebnissen: Einkaufszentren werden zu Erlebnisinseln, Freizeitorte zu Erlebnisbühnen und Freizeitgüter zu Vehikeln des Erlebniskonsums. (vgl. Opaschowski 2000, S. 24)

Miro Gronau, Assistent der Geschäftsführung, vom Europapark Rust sieht vor allem im reichhaltigen und abwechslungsreichen Angebot eines Freizeitparks den Erfolgsgaranten. „Die Mischung aus Spaß, verschiedenen Kulturen der europäischen Länder, Großevents, TV-Sendungen und eine abwechslungsreiche Parklandschaft mit Ruhezonen und Aufregendem sind der Erfolgsfaktor, warum 78 Prozent aller Besucher Wiederholungsgäste sind. Auf hohem Niveau gibt es etwas für Jeden in der Familie ohne eine spezielle Gruppe zu bevorzugen. Mit 3,55 Millionen Besuchern ist der Europa-Park der größte saisonale Freizeitpark der Welt. (Miro Gronau, 10.02.2003)

Prof. Grabski-Kieron, Leiterin der Arbeitsgruppe Orts-, Regional- und Landesent-wicklung/Raumplanung an der Universität Münster, sieht ebenfalls in der Angebotsvielfalt den Schlüssel zum Erfolg: „Die Rolle der Freizeitparks hat weniger tatsächlich mit dem Phänomen Freizeitgesellschaft zu tun, als vielmehr mit der Bequemlichkeit in der Wahrnehmung des überaus großen Angebots an einem Standort. Man muss sich dieses Angebot nicht selbst `erschließen´.“

(Prof. Dr. U. Grabski-Kieron, 12.02.2003)

1.2 Eine fast positive Bilanz

1.2.1 Amerikanisierung der Themenparks befriedigt die Erlebenissucht

Wie bereits unter 1.1.2 erwähnt verlangen die anspruchsvollen Erlebniskonsumenten in Zeiten gesättigter Märkte nach einem emotionalen und/oder realen Zusatznutzen. Petra Probst gliedert eine Reihe von Zusatznutzen unter den Begriff `Tainments´. Sie versteht unter `Happytainment´ Spaß, Erlebniskitzel, Familienunterhaltung. `Entertainment´ ist Unterhaltung und Kunstgenuss, `Edutainment´ die Vermittlung von Bildungsinhalten. Eine unterhaltsame Berichterstattung und Information wird als `Infotainment´ bezeichnet, die gastronomische Versorgung als `Eatertainment´ und die Möglichkeit einkaufen zu gehen als `Shopotainment´. (vgl. Probst 2000, S. 110)

Die Rahmenbedingungen müssen stimmen, so gelten Attraktion, Perfektion und Professionalität als Gütezeichen. Nach den amerikanischen Walt-Disney-Parks sind folgende Richtlinien für einen Themenpark unbedingt einzuhalten, wie etwa

- überdurchschnittlich freundliches Dienstleistungspersonal und intensive Schulung des Personals,
- eine saubere, „fast hundertprozentig“ hygienische Umwelt,
- problem- und konfliktfreie Unterhaltungsangebote für die gesamte Familie sowie
- eine fast zwanghafte Tendenz zum Null-Fehler-Prinzip.

So sollen die Erlebniswelten bewusst eine „andere Welt“ schaffen. (vgl. Opaschowski 2000, S. 34) „Dabei sieht das „Wohlfühlmangement“ der Erlebnisparks vor, dass das Personal die Rolle des Gastgebers übernimmt: Worte, Ton, Haltung, Gesten, Augenkontakt spiegeln persönliche Anteilnahme am Wohl des Gastes wieder. Positive Stimmung schafft eine atmosphärische angenehme Umgebung, in der sich der Gast willkommen fühlt, während der Gastgeber Geschichten und Träume inszeniert.“ (Rohmeder 2000, S. 12)

Die Zukunft sieht Opaschowski indes in den Erlebniswelten, die Firmennamen oder bestimmte Produkte demonstrativ in den Mittelpunkt stellen. Im Zeitalter des Events sind neuerdings Freizeitorte zunehmend als Konsumorte, Unterhaltungsorte, Erlebnisorte, Lernorte oder Bildungsorte konzipiert worden. Die Grenzen zwischen Freizeitzentren, `Shopping Centern´ und `Entertainment Centern´ werden immer fließender. Gleichzeitig entdeckte die Wirtschaft, dass die erlebnisorientierte Inszenierung von Markenwelten (`brand lands´) und Unternehmenswelten (`corporate lands´), wie etwa `Nike Town´, `VW Erlebnisstadt´, `Swarowski Kristallwelt´, `World of Coca Cola´ oder eben auch `Legoland´ dem Konsumenten das Unternehmen sinnlicher und emotionaler näher bringt. Diese Konzepte sollen den Markenaufbau und die unternehmenskulturelle Identität stützen helfen. (vgl. Opaschowski 2000, S. 37) Auch Steinecke sieht durch ein perfektioniertes Merchandising eine Attraktivitätssteigerung der Parks. (vgl. Steinecke 2002, S. 45)

Miro Gronau weiß von der enormen Anziehungskraft der Brand-Parks, sieht die Umsetzung allerdings kritisch: „Brand-Parks wie Legoland, Warner Bros. Movie World oder Disneyland haben einen hohen Marken-Faktor. Besucher fühlen sich angezogen ohne dies auf die genauen Angebote des Parks zu beziehen. Der Wert der Marke schlägt sich jedoch oft auch in den Preisen nieder und die Erwartungshaltung, die Marke dem Image entsprechend zu erleben, ist sehr hoch. Dieser Anspruch an die Betreiber ist nicht zu unterschätzen.“ (Miro Gronau, 10.02.2003)

1.2.2 Freizeitparks fördern Gemeinschaftsgefühl

Das B.A.T.-Freizeitforschungsinstitut, dessen Vorsitzender Horst W. Opaschowski ist, befragte 1998 etwa 3.000 Personen ab 14 Jahre. Die Ergebnisse bestätigen die zuvor behandelten Ansätze.

So ist das wichtigste beim Besuch eines Erlebnisparks das Gemeinschaftsgefühl: 70 Prozent der Besucher kommen mit der Familie, 14 Prozent mit Freunden, 15 Prozent mit Partnerin oder Partner und nur ein Prozent vergnügt sich allein. Hauptanreisemittel ist das Auto mit 87 Prozent. Nur ein Prozent derjenigen, die einen Vergnügungspark besuchten, reisten mit der Bahn an. Im Durchschnitt legt der Besucher 198 Kilometer zurück, um einen Park zu besuchen. Fast ein Viertel nimmt sogar einen einfachen Anfahrtsweg von 300 Kilometer auf sich. (vgl. Opaschowski 1998, S. 20-31)

Die Beweggründe, einen Vergnügungspark zu besuchen, sind recht individuell. So assoziieren 47 Prozent der Befragten den Parkbesuch mit einem Vergnügen mit Familie und Freunden, 34 Prozent halten diese Einrichtungen für Attraktionen und Sehenswürdigkeiten, 29 Prozent loben die anregende Atmosphäre, 25 Prozent finden dort Ablenkung vom Alltag und 19 Prozent sind von der perfekten Illusion begeistert. Zwischen 19 und 41 Prozent der Befragten haben in den letzten Jahren einen Erlebnsipark besucht. (vgl. Opaschowski 1998, S. 32)

1.2.3 Auf der Suche nach Schwachpunkten

Selten gehen die Meinungen in der Literatur so wenig auseinander wie bei dem Thema Erlebniswelten. Im Vordergrund steht zumeist positives, wie außergewöhn-liche Attraktionen, vergnügliche Stunden im Kreis der Familie und ein Mehrwert für die Freizeitgestaltung. Obwohl es auch kritische Ansätze gibt, gehen diese meistens im Chor der Befürworter unter.

Trotzdem lassen sich einige Probleme der Vergnügunsparks zusammenfassen:

Zu den negativen Umweltauswirkungen zählen der enorme Flächenverbrauch im Außenraum und damit ein hohes Maß an Flächenversiegelung durch den ständigen Ausbau der Angebotspalette und der großen Anzahl an Parkplätzen. Durch die Lage der meisten Erlebnsiparks außerhalb der Ballungszentren, sowie dem bevorzugten Anreisemittel (Auto) wird zusätzlicher Freizeitverkehr erzeugt. Künstlich angelegte Seen, Hügel und oftmals fremd wirkende Gebäude führen häufig zu Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes. Die technischen Infrastruktursysteme müssen auf höhere, jedoch selten erzielte Spitzenbelastungen dimensioniert werden, z.B. bei der Wasserver- und entsorgung. (vgl. Ebert 1998, S. 208)

Kritische Stimmen in der Presse werden zitiert mit „Kulturelles Tschernobyl“ (Ariane Mnouchkine, französische Regisseurin), „Kollektive Schizophrenie“ (Jean-Pierre Chevènement, französicher Politiker) und Zeitungen machen Stimmung mit Äußerungen, wie „Ferien-Wackersdorf“ (Die Zeit), „Urlaub auf der Intensivstation“ (Stern) oder „Erlebniswelten von Mack und Meck“ (FAZ). (vgl. Opaschowski 2000, S. 53).

Ermittelte Krititkpunkte der in 1.2.3 behandelten Befragung sind: 21 Prozent der Befragten halten Erlebniswelten für Geschäftemacherei, 13 Prozent für anspruchslos, ebenfalls 13 Prozent für fantasielos, zwölf Prozent für Kitsch und neun Prozent für steril. (Opaschowski 2000, S. 60) Opaschowski bewertete seine 1998 vorgenommene Repräsentativumfrage als „Traumnote für Traumwelten“. Hier muss allerdings angefügt werden, dass 63 Prozent der Befragten noch nie eine künstliche Erlebniswelt besucht haben. Verschiedene Gründe wurden für das Nichtbesuchen angegeben. 41 Prozent sagten: „Das ist nichts für mich!“, 18 Prozent hätten kein entsprechendes Angebot in Wohnortnähe, neun Prozent ist der Besuch zu teuer und lediglich sechs Prozent haben sich einen Besuch in absehbarer Zeit vorgenommen. (Opaschowski 1998, S. 35)

1.3 Fazit

Rund 60 Millionen Besucher nehmen jährlich das vielfältige Angebot der deutschen Freizeitparks wahr. Ein Zeichen dafür, dass die Nachfrage nach Erlebniswelten vorhanden ist und die Investition in einen Freizeitpark – selbst in wirtschaftlich unsicheren Zeiten – kein Verlustgeschäft sein muss. Im Gegenteil: Im Bereich Freizeit und Vergnügen wird in Deutschlands Haushalten offenbar weniger gespart. In Legolands Eröffnungsjahr 2002 besuchten 1,33 Millionen Besucher den Freizeitpark des dänischen Spielzeugherstellers. Der Eintrittspreis beläuft sich immerhin auf 19 Euro pro Kind (drei bis elf Jahre) und 23 Euro für Erwachsene (vgl. Presseinformation 1). Der Europapark Rust investiert ebenfalls in neue Hotelbetten um die Besucherströme unterbringen zu können. Momentan gibt es auf dem Gelände 1.200 Betten und weitere 1.200 Betten entstehen bis Sommer 2004 in einem neuen, italienischen Hotel.

So bieten gerade Freizeitparks eine einmalige Gelegenheit, zumindest kurzfristig in eine andere Welt einzutauchen. Erlebnisurlaub im Kleinformat sozusagen. Die Besucher hegen den Wunsch nach Abwechslung, Entertainment, Thrill und Spaß. Außerdem sind durch die Zunahme der arbeitsfreien Zeit, die Art der Freizeitgestaltung als Statussymbol, sowie die gestiegene Mobilitätsfähigkeit die Rahmenbedingungen für einen Parkbesuch geschaffen worden.

`Brand-Lands´ oder `Brand-Parks´ wie Legoland einer ist, sind stark im Kommen und werden von den Besuchern mehr und mehr nachgefragt. Bei dieser Art von Freizeitpark schafft ein perfektioniertes Merchandising eine Attraktivitätssteigerung anderen Parks gegenüber. Das Produkt Lego ist allseits bekannt: Über 200 Milliarden Plastikklötzchen wurden in den vergangenen 50 Jahren in 130 Ländern der Welt verkauft. Dabei werden die bunten Plastiksteine von Mädchen und Jungen gleichermaßen angenommen (vgl. Matzig 23.04.2002).

Natürlich gibt es auch negatives über Freizeitparks anzumerken, wie der enorme Flächenverbrauch im Außenraum, das hohe Maß an Flächenversiegelung und die Erzeugung von Freizeitverkehr. Die negativen Aspekte von Freizeiteinrichtungen gehen aber in der Literatur in der Fülle von positiven Eigenschaften unter.

Das Wichtigste scheint zu sein: Erlebniswelten stillen das Bedürfnis der Konsumenten nach emotionaler Anregung und Abwechslung, stärken das Gemeinschaftsgefühl, die Besucher fühlen sich auf hohen Niveau unterhalten und haben während der Dauer ihres Aufenthalts Spaß.

2 Legolands Einzug in Günzburg – Methodik und Vorgehen

Nach einer Überprüfung einer Vielzahl von Standorten blieben 1998 nur noch zwei Möglichkeiten übrig: Entweder der vierte Park des dänischen Spielzeugherstellers würde seine Pforten im japanischen Tokio eröffnen oder in Günzburg. Das Ergebnis ist allseits bekannt. In diesem Abschnitt werden die von Legoland erstellten Standortanforderungen skizziert. Außerdem wird ein kurzer Überblick über die Standortvorteile Günzburgs gegeben, die der Stadt letztendlich die Zusage sicherten.

Erläuterungen und Einschätzungen nehmen Schlüsselpersonen vor, wie Alfred Schmidt, Redaktionsleiter der Günzburger Zeitung, Baudirektor Wilhelm Hofmann, Leiter des Sachgebietes Siedlungs- und Wohnungsbau der Regierung von Schwaben und Alfred Sauter, Justizminister a.D..

2.1 David gegen Goliath – Günzburg setzt sich gegen Tokio durch

2.1.1 Ansiedlungskriterien für den vierten Legoland Park

Lego verfolgt das Ziel, bis zum Jahr 2005 die stärkste Marke der Welt bei der Zielgruppe „Familien und Kinder“ zu sein. (vgl. Schaffer; Poschwatta 2001, S. 297) Das bis heute in Familienbesitz geführte Unternehmen gehört mit seinen über 8.000 Angestellten zu den größten Spielzeugherstellern weltweit. In mehr als 130 Ländern können Konsumenten Lego Produkte erwerben. Der erste Legoland Park wurde 1968 im dänischen Billund eröffnet. Erst 1996 folgte der zweite Park im westlich von London gelegene Windsor. 1998 eröffnete der Legoland Park in Carlsbad (Kalifornien) seine Pforten. (vgl. Presseinformation 2)

Danach stand die Eröffnung eines vierten Parks an und 300 Städte und Gemeinden rund um den Globus bewarben sich. Zwei Standorte kamen in die engere Auswahl: Günzburg und Tokio. (vgl. Schmalz 1999)

Alfred Sauter erinnert sich an den Beginn: „Legoland ist damals folgendermaßen vorgegangen: Sie haben einfach die jeweils zuständigen Landes- und Regionalregierungen von Barcelona bis nach Budapest und von München bis nach Bologna angeschrieben. Im europäischen Bereich suchten sie einen Standort von Nordspanien, über Südfrankreich, Norditalien, den Norden des ehemaligen Jugoslawiens, Österreich und Ungarn nach Süddeutschland.“

(Sauter, 12.03.2003)

Entscheidend bei der Auswahl der Standorte waren verschiedene Kriterien:

- Der neue Park sollte mindestens 800 Kilometer von einem bestehenden Legoland Park entfernt sein, um neue Besucherpotentiale zu erschließen.
- In einem Radius von zwei Stunden Fahrtzeit sollten mindestens zehn Millionen Einwohner leben.
- Eine funktionierende Anbindung an das Straßenverkehrsnetz und das Bahn-Netz musste möglich sein.
- Eine Unterstützung von politischer und behördlicher Seite musste gegeben sein.
- Das Gelände musste mindestens 50 bis 60 Hektar groß sein, ohne größeres Gefälle.
- Eine witterungsbedingte Öffnungszeit von mindestens sechs Monaten musste gegeben sein.
- Das Gelände musste bis zum Entscheidungszeitpunkt im August 1999 baureif sein.
- Die Einwohner rund um den Standort müssen Legoland positiv gegenüberstehen.
- Das Gelände sollte idealerweise nur einem Eigentümer gehören.
- Die Region sollte touristisch bereits erschlossen sein.
- Die Zufahrt zum Park sollte nicht durch einen Ort führen.

(vgl. Rohmeder 2000, S. 31-32)[1]

2.1.2 Standortvorteile im schwäbischen Barockwinkel

Am 8. September 1999 wurde in der Günzburger Stadthalle vor rund 70 Journalisten von verschiedenen deutschen Agenturen, Tageszeitungen, Fachzeitschriften, Fernseh- und Radiosendern, sowie einem dänischen Fernsehsender das Ergebnis bekannt gegeben: Die Verantwortlichen der Lego Gruppe hatten sich für Günzburg entschieden. Während der Pressekonferenz legte John Jakobsen, Geschäftsführer der Legoland Planungs GmbH, die Gründe für die Entscheidung dar:

- Die vorteilhafte Verkehrslage an der Autobahn A 8 mit einem Einzugsgebiet von 16 Millionen Einwohnern in zwei Stunden.
- Ein geeignetes Gelände, das nur 500 Meter von der Autobahnausfahrt entfernt liegt.
- Die Akzeptanz der Günzburger Bevölkerung.
- Die unbürokratische Unterstützung des Projekts durch alle Behörden.
- Das Einstehen der Politik für das Projekt.

(vgl. Rohmeder 2000, S. 75-76)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Legoland kommt!“ nach Günzburg wurde auf der Pressekonferenz am 8.09.1999 bekannt gegeben. Foto: Ulrich Wagner

In den folgenden Punkten wird kurz auf jedes Entscheidungskriterium eingegangen.

2.1.2.1 Lage und Verkehr

Mit einer Fläche von 762 km² und einer Einwohnerzahl von 122.289 (Stand: 30.06.2002) gehört der Landkreis Günzburg zu den kleineren Kreisen im Regierungsbezirk Schwaben und in Bayern. (Internet 1) Von Günzburg – 19.856 Einwohner (Stand: 1.1.2002) aus ist die Landesgrenze zu Baden-Württemberg rund 20 Kilometer entfernt. (Internet 2)

Im Landesentwicklungsprogramm Bayern (LEP) ist der Mittelbereich Günzburg/ Leipheim als allgemeiner ländlicher Raum und der Mittelbereich Krumbach als ländlicher Raum klassifiziert, dessen Entwicklung nachhaltig gestärkt werden soll.

Verkehrsinfrastrukturell ist Günzburg sehr gut erschlossen. Günzburg liegt an der Autobahn A 8, der West-Ost-Magistrale Süddeutschlands (Stuttgart – Ulm/Neu-Ulm – Augsburg – München) und hat eine eigene Autobahnausfahrt. Rund 15 Kilometer von Günzburg entfernt befindet sich der unmittelbare Anschluss der A 8 an die A 7 mit der Verbindung zu den nördlichen Wirtschaftsräumen. Rückgrat der innerregionalen Verkehrserschließung ist die parallel zur A 8 verlaufende B 10 (Ulm/Neu-Ulm – Leipheim – Günzburg – Burgau – Augsburg), die in nord-südlicher Richtung geführte B 16 (Dillingen – Günzburg – Ichenhausen – Krumbach – Mindelheim) und die im Süden in west-östlicher Richtung querende B 300 (Memmingen – Krumbach – Thannhausen – Augsburg).

Die Nähe zum Regionalflugplatz Augsburg, sowie der IC-Bahnhof Günzburg komplettieren das Verkehrsangebot. (vgl. Schaffer; Poschwatta 2001, S. 41-42)

2.1.2.2 Das Gelände

Bei dem 140 Hektar großen Gelände handelt es sich um ein ehemaliges Munitions-lager der Wehrmacht (Muna-Gelände). Es wurde 1934/35 erbaut und ging 1935 in Betrieb. Dort wurde vor allem Luftwaffenmunition gelagert und z.T. auch zusammen-gebaut. Die US-Armee nahm das Muna-Gelände am 26.04.1945 ein. Ab 1951 nutzte die US-Armee das Gelände für Schieß- und Geländeübungen. Durch den Rückzug der Streitkräfte endete die Nutzung durch die US-Amerikaner 1991. Das Gelände ging 1992 in das Allgemeine Grundvermögen über und lag bis 1996 brach. (vgl. Albrecht 1999, S. 92-93)

Nachdem das Schreiben Legolands den Referenten für Wirtschaftsförderung in Augsburg erreichte und Alfred Sauter davon in Kenntnis gesetzt wurde, reagierte er sofort: „Ich überlegte mir, welches Grundstück im Landkreis Günzburg dafür in Frage kommen würde. Als Vorgabe galt, dass Grundstücke müsse relativ nah an der Autobahn liegen, so dass man Legoland sehen könne, aber vom Freizeitpark aus die Autobahn nicht hört. Mir fielen drei Lösungsvorschläge ein, wobei mir das Muna-Gelände von Anfang an am sinnvollsten erschien.

Es gab zuvor schon etliche Überlegungen für eine Konversion, denn es war ein ehemals militärisch genutztes Gelände, mit eventuellen Altlasten und Tonnen an Munition und Munitionsteilen. Unsere Befürchtungen war, dass das Grundwasser schon in Mitleidenschaft gezogen sein könnte. Es drohte mit der Zeit ein Biotop zu werden. Gegen Biotope ist natürlich nichts einzuwenden, aber wenn es aufgrund der Munition nicht betretbar ist, dann ist es eine unkalkulierbare Katastrophe. Außerdem wurde der um das Gelände gezogene Zaun von der Bevölkerung nicht ernst genommen. Es gab kein Risikobewußtsein, weil bis dahin noch nie etwas passiert war. So mißachteten viele den Zaun und gingen im Muna-Gelände spazieren. Theo Waigel, als Bundesfinanzminister Eigentümer des Grundstückes, und ich waren uns sehr schnell einig, dass wir das Muna-Gelände Legoland vorschlagen würden. Er sagte damals, dass ich jegliche Unterstützung, die möglich und zulässig ist, bekommen würde.“ (Sauter, 12.03.2003)

Im Jahr 1996 schlugen der Bund und der Freistaat Bayern dem Lego Konzern das Muna-Gelände als möglichen Standort für ihren geplanten Park vor. Das Angebot: Das Gelände sollte komplett auf Kosten des Bundes entmunitioniert und von Altlasten bereinigt werden. Wilhelm Hofmann, Leiter des Sachgebietes Siedlungs- und Wohnungsbau der Regierung von Schwaben, leitete zu dem Zeitpunkt die Ortsplanungsstelle für Schwaben und war im späteren Verlauf Projektleiter der Arbeitsgruppe Bauleitplanung. Seiner Meinung nach war das Gelände ausschlaggebend für Legos Entscheidung nach Günzburg zu gehen. „Das Muna-Gelände scheint mir der entscheidende Vorteil gewesen zu sein. Es gehörte nur einem Eigentümer, der bereit war, es abzugeben.“ (Hofmann, 26.02.2003)

Während der 18-monatigen Untersuchungsphase der beiden Standorte Günzburg und Tokio wurde der westliche Teil des Geländes – 105 Hektar – von Munition und Altlasten befreit. Insgesamt 213,4 Tonnen Munition wurden an das Sprengkom-mando München übergeben. (vgl. Rohmeder 2000, S. 39)[2]

Der Kaufpreis für das Areal betrug 17 Millionen Mark (8.691.962 Euro) für 140 Hektar. Die aus dem Gesamtbetrag resultierenden zwölf Mark (6,14 Euro) pro Quadratmeter sind ein Mischpreis: Ein Teil des Geländes ist im Bebauungsplan als Gewerbefläche ausgeschrieben, ein Teil bleibt Wald. Für den Gewerbeteil wurden 25 Mark (12,78 Euro) pro Quadratmeter angesetzt, für den Waldteil sieben Mark (3,58 Euro) pro Quadratmeter. Die Oberfinanzdirektion München mit Sitz in Nürnberg hatte mit der Legoland Planungs GmbH Gespräche über den Kaufpreis geführt. Der Haushaltsaus-schuss des Deutschen Bundestages, der bei Verkäufen aus Bundesbesitz bei mehr als zehn Millionen Mark (5.112.919 Euro) Verkaufssumme gehört werden muss, hat dem Verkauf zugestimmt. (vgl. Rohmeder 2000, S. 40)[3]

2.1.2.3 Unterstützung aus der Politik

Die damalige politische Ausgangssituation sah in Günzburg folgendermaßen aus: Oberbürgermeister war Dr. Rudolph Köppler (SPD), der diese Position bereits seit 1970 inne hatte. Stärkste Fraktion im Stadtrat seit den Kommunalwahlen 1996 war die SPD mit acht Sitzen. Die CSU besaß sieben Sitze, der Unabhängige Wählerblock (UWG) vier Sitze, die Freie Wählergemeinschaft (FWG) drei Sitze und die Günzburger Bürgerliste (GBL) zwei Sitze. (vgl. Rohmeder 2000, S. 37)

Als Legoland ins Gespräch kam, begrüßten alle Parteien die Wahl des Lego Konzerns und betonten ihr Bemühen, die Entscheidung für Günzburg durch kooperative und effektive Zusammenarbeit während der folgenden 18 Monate zu erleichtern. Nur zwei Gegenstimmen – von der ökologisch orientierten GBL – erhielt der Bebauungsplan Nr. 80, der das Legoland-Gelände und ein benachbartes Gewerbegebiet beinhaltet. Dieselben Signale sendete der Landkreis Günzburg mit CSU-Landrat Hubert Hafner und die Regierung von Schwaben als oberste Planungsbehörde. Die bayerische Staatsregierung sicherte ebenso ihre Unterstützung zu. (vgl. Imminger 1999)

Baudirektor Hofmann erinnert sich: „Es bestand unter den Behörden ein allgemeiner Konsens, dass man dieses Projekt realisierbar machen möchte. Man wollte Legoland.“ (Hofmann, 26.02.2003)

[...]


[1] Die Angaben der Autorin basieren auf ein persönliches Gespräch mit John Jakobsen, Geschäftsführer Legoland Parks in Günzburg, vom 27. Oktober 1999.

[2] Die Angaben der Autorin basieren auf ein persönliches Gespräch mit Joachim Beyer, Projektleiter Entmunitionierung, vom 5. Januar 2000.

[3] Die Angaben der Autorin basieren auf ein Telefonat mit Oberregierungsrätin Petra Mönkemann, Pressestelle des Bayerischen Ministeriums des Innern, vom 17.11.1999.

Details

Seiten
94
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638226967
Dateigröße
2.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v18325
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie
Note
1,7
Schlagworte
Pressearbeit Regionalentwicklung Legoland)

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Titel: Pressearbeit in der Regionalentwicklung (Beispiel Legoland)