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Vergils 8. Ekloge

Ecloga Octava - Interpretatio Versuum LXXXV ad CIX

Hausarbeit 2010 13 Seiten

Latein

Leseprobe

1. Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung

3. Der Aufbau der Zeilenstruktur

4. Die 8. Ekloge
4.1 Das Intro
4.2 Das Lied des Damon
4.3 Das Lied des Alphesiboeus

5. Fazit

6. Übersetzung der Zeilen 85 bis 109

7. Literaturverzeichnis

2. Einleitung

Mit den Eklogen greift Vergil die Tradition der bukolischen Dichtung auf und variiert dieses Thema in solch geschickter Manier, dass er auch für die Bukolik untypische Elemente einarbeiten kann. Er bezieht ebenso die aktuelle politische Entwicklung mit ein und schafft dank seiner großen dichterischen Fähigkeiten Äein bis ins letzte durchgefeiltes und durchkalkuliertes Stück Wortmusik“ (Von Albrecht 2001, S. 284).

In der achten Ekloge, wie auch in der siebten und zehnten, ist die Darstellung einer verklärten bukolischen Welt charakteristisches Merkmal, Seng bezeichnet diese als Äarkadische Gedichte“ (Seng 1999, S. 51). Doch unterscheidet sich diese von den übrigen Eklogen dadurch, dass sie in zwei Lieder geteilt ist, die beide vom Thema der unglücklichen Liebe handeln. Nach einer Einleitung, die die Ekloge aller Wahrscheinlichkeit nach auf das Jahr 391

v. Chr. datiert, folgt zunächst das Lied des Damon, welches aus zehn Strophen zu je 2-5 Zeilen und von einem Refrain geteilt, besteht. Eine kurze Überleitung kündigt nun das zweite Lied an, das des Alphesiboeus. Dieses teilt sich in zehn Strophen von ebenfalls 2-5 Zeilen auf. Während im Damonlied die unerwiderte Liebe eines Jünglings zu seiner Angebeteten Nysa und dessen Todesbegehr den Handlungshintergrund geben, handelt das Lied des Alphesiboeus von einer jungen Frau, die mit Liebeszauber und alten Riten ihren Geliebten Daphnis zurück nach Hause zu bringen versucht. Vergil schildert in dieser Ekloge nicht nur die Tragik der Liebe, sondern zeigt sogleich die Möglichkeiten der Zauberei als Alternative zum Tod auf. Dabei spielt die magische Kraft der Drei (= Triade) und deren Potenzierung der Neun (3 x 3 = 9) eine wichtige Rolle, sowohl in der verbalen, wie auch in der strukturellen Darstellung in den beiden Liedern. ÄThe sacred number three, when squared, created another sacred number, nine, as well as another number evocative of traditional groupings: the nine muses for example […]” (Matz 1995, S. 58). Ich werde die gesamte Ekloge 8 unter diesem Aspekt betrachten mit dem Schwerpunkt auf dem Alphesiboeuslied und bei der Textanalyse besonderes Augenmerk auf Zeilen 85 bis 109 legen.

3. Der Aufbau der Zeilenstruktur

Wie bei Vergils gesamter Bukolika unterliegt auch die achte Ekloge einem klaren Aufbau. Die Verse in den Zeilen 64 bis 84 sind 4-3-3-2-4 Zeilen lang und beschäftigen sich vorwiegend mit der praktischen Durchführung der Zauberei. Den deutlichsten Einfluss hat beim Aufbau, neben der Numerologie, das zweite Idyll von Theokrit. Vergil entnimmt diesem nicht nur die Struktur aus Vers und Refrain, sondern auch den Refrainwechsel innerhalb des Gedichts2, der aber durch die offenkundige Zweiteilung dem Leser als ungleich nachvollziehbarer erscheint.

Dass die Numerologie für Vergil bei der Strukturierung wichtig ist, belegt der Autor sogar selbst. Dabei heißt es über die Zahl Drei in Zeile 75 Änumero deus impare gaudet“ und nicht zufällig scheint diese Aussage am Ende einer Gruppe aus zwei Versen á drei Zeilen zu stehen. Die Aufteilung in den Zeilen 85 bis 109 lautet 5-3-5-3-5 und damit ist die Drei die Zahl, derer zu Ehren die meisten Verse verfasst sind, nämlich vier. Im Damonlied ist die Aufteilung fast die gleiche mit einer Folge von 4-3-3-2-4-5-3-4-5-3 und ein weiteres Mal wird damit die Wichtigkeit der Zahl Drei in der Achten Ekloge wie auch bei den Zauberliedern bekräftigt.

Zwar gehen unter anderem Clausen (1994, S. 238) und Von Albrecht (2001, S. 188 ff.) jeweils neun Strophen von 3-5 Zeilen aus, jedoch halte ich die Erklärung von Coleman (1994, S. 233f.) für wahrscheinlicher, dass Vergil die gleiche Anzahl von Versen in beiden Liedern im Sinn gehabt hat und dass eine Interpolation des Refrains in Zeile 76 weniger wahrscheinlich ist als ein Fehler in der Abschrift in Zeile 28a.

4. Die 8. Ekloge

4.1 Das Intro

Die Ekloge beginnt mit einem Ausblick auf das zu Erwartende und der Ankündigung auf die Lieder des Damon und des Alphesiboeus. Dabei sind die ersten fünf Zeilen bereits so aufgebaut, dass die Botschaft der Lieder bei näherer Betrachtung gleich dem Leser vermittelt wird. Die erste und die fünfte Zeile sind sich nicht nur vom Anblick her fast gleich, ihr Metrum ist sogar vollkommen gleich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Pastorum Musam Damonis et Alphesiboei, (8,1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Damonis Musam dicemus et Alphesiboei. (8,5)

In den drei Zeilen dazwischen werden drei Wirkungen der Zauberlieder aufgeführt, die sinnbildlich von natürlicher Verwunderung bis zum übernatürlichen Wunder (Von Albrecht 2001, S. 188) zeugen. Sogleich ist unbewusst die Drei als die magische Zahl dem Leser zum ersten Mal vorgestellt; sie erscheint im Inhalt mit der dreifachen Bedeutung und im Aufbau durch die drei Zeilen, welche gerahmt werden von den beiden strophenartigen Zeilen 1 und 5. Die anschließende Widmung unterliegt ebenfalls der Dreiteilung. Zunächst werden die Taten (6-8) und dann die Werke (9f.) Pollios gelobt. Dem folgt die Erklärung, dass das Werk selbst auf dessen Aufforderung (11-13) erst entstanden ist. Es gibt also drei gute Gründe für die Entstehung der achten Ekloge und Vergil umhüllt so bereits die Entstehung der Ekloge mit einer magischen Aura. Dass sich die Widmung sehr wahrscheinlich an Asinius Pollio richtet, erklären u.a. Clausen und Von Albrecht damit, dass eine Widmung an Augustus von diesem nur als äußerst ironisch zu verstehen gewesen wäre, da er selbst seinen Tragödienversuch Aiax seiner Unzulänglichkeit wegen vernichtet hatte.

Zum Abschluss der Einleitung gibt Vergil den Zeitpunkt der Erzählung an, wobei er poetisch die Dunkelheit periphrasiert (14) um sogleich die Stimmung und das Umfeld damit näher zu beschreiben; danach stellt der Erzähler den Damon vor (16), von dessen Persona aus er im ersten Lied sein Leid klagen wird.

4.2 Das Lied des Damon

Das Lied ist durch seinen Aufbau aus Vers und Refrain deutlich an Theokrits zweites Idyll angelehnt. Es sind auch weitere Parallelen zu den Idyllen Theokrits erkennbar: so hat Damons Ziegenhirte nichts von Daphnis heroischen Trotz im ersten Idyll; die Stimmung ist dem erfolglosen Verehrer der Amaryllis in Id. 3 näher (Coleman 1994, S. 234). Er beklagt den Verlust seiner geliebten Nysa, die er sogleich als Braut kennzeichnet. Vergil stellt dabei die Begriffe coniugis, Nysae und amore in eine Reihe, macht damit deren enge Beziehung zueinander deutlich, die sie für Damon haben. Unterbrochen werden die drei Worte durch das Adjektiv indigno und das Partizip deceptus, die im Kontrast den Klagenden bzw. seine Einstellung zu dem zu Beklagenden charakterisieren3. Die Braut, die Frau und die Liebe, das hatte Damon sich selbst gewünscht, doch stattdessen ist er darum betrogen worden; nicht nur die Liebe scheint ihm unwürdig ihrer Bezeichnung zu sein, er charakterisiert damit ebenfalls die Braut Nysa und, wie seine Taten danach verdeutlichen werden, auch sich selbst. Sowohl mit nascere und moriens, als auch mit dem Anrufen des Morgensterns und der Erwähnung der für ihn letzten Stunde stellt Vergil dem Liederreigen gleich zwei Antithesen voran. Klagend richtet sich Damon an die Götter, die ihn zu verlassen haben scheinen. In der nächsten Strophe, so meint Von Albrecht, werden nun durch die Musik verschiedene Naturreiche verbunden. Er spricht von der Natur, dem Menschen und Gott (2001, S. 190); eine Triade die das Leben des Menschen bestimmt und sein Schicksal lenkt. Dem folgen in der dritten Strophe zwei Adynata, Äillustriert durch Bilder aus der Tierwelt“ (Von Albrecht 2006, S. 32). Wie auch in der Georgica (4, 481-484) und weiteren Eklogen (u.a. 4, 42-45 & 5,60f.) scheinen diese sich zu bewahrheiten, da die unmögliche Bedingung der Hochzeit der Nysa mit Mopsus sich eben erfüllt. Ganz klar ist nun der innere Aufruhr und die Abscheu des Damon gegen diese für ihn unnatürlich erscheinende Verbindung. Er ruft darauf den Mopsus persönlich an; Vergil grenzt diesen direkten Anruf vom übrigen Lied ab, indem er die beiden Zeilen - die einzige zweizeilige Strophe - darüber hinaus mit Imperativen versieht.

Damon beschreibt hierauf die Braut mit den Worten Ädumque tibi est odio mea fistula dumque capellae hirsutumque supercilium promissaque barba, nec curare deum credis mortalia quemquam” (33-35) um zu zeigen, wie sehr sie gegen die Triade aus Natur, Mensch und Gott einen Hass verspürt. Sie ist demzufolge für den Sänger der Kraft der Carmina nicht empfänglich, was ihm schlussendlich nur einen Ausweg offenzulassen scheint, seinen Ämalus error“ (41) - seine Liebe zu ihr, die er seit seiner Kindheit regt - zu korrigieren. Er hat nun selbst den Glauben verloren und verdammt nun Amor für das, was er den Menschen antut. Er stellt diesen darauf in einen Vergleich mit Medea und kommt zu dem Entschluss, dass Amor ebenso grausam ist wie die Taten, welche um seiner Willen geschehen. Vergil kündigt durch die indirekte Andeutung einer Bluttat aus verletzter Liebe heraus den Tod des Damon an. Die Liebe macht zwar manche glücklich, jedoch stürzt sie damit andere ins Unglück. Damon wird sich jedoch nicht des Mordes schuldig machen, wie einst Medea, sondern sich selbst vom Hang hinunter in den Tod stürzen. Er ist verzweifelt und nach einer zweiten Serie von Adynata nimmt er Abschied von den Wäldern um sich nun in die Wellen zu Stürzen. Ihm ist nun die Welt egal, da er seine Nysa nicht haben kann, kann sie doch ruhig nach seinem Willen im Meer versinken, wie auch er es beabsichtigt.

[...]


1 E.A. Schmidt datiert die achte Ekloge auf das Jahr 35v.Chr. (1974, S. 9ff.), dem widersprechen jedoch u.a. Coleman (1994, S. 253), Von Albrecht (2006, S. 31; 2001, S. 189) und Otis (1966, S. 131, 143).

2 Zunächst lautet der Refrain im zweiten Idyll “ἶυγξ, ἕλκε τὺ τῆνον ἐμ୑ν ποτὶ δῶμα τ୑ν ἄνδρα“ (2.17) und wechselt dann zu ͣφράζεό μευ τ୑ν ଜρωθ', ὅθεν ἵκετο, πότνα Σελάνα“ (2.69).

3 Der Inhalt des ersten Liedes der Ekloge wird von einigen anhand der Zeile 18 zusammenfassen mit amor indignus beschrieben, so auch Otis: ͣ8 shows the baneful consequences of amor indignus” (1966, S. 142)

Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656074335
ISBN (Buch)
9783656074267
Dateigröße
821 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v183230
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,3
Schlagworte
vergils ekloge ecloga octava interpretatio versuum lxxxv

Autor

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Titel: Vergils 8. Ekloge