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Wirtschaftspolitik und institutioneller Rahmen

Hausarbeit 2011 12 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Gliederung

1.Einleitung

2.Die polaren Prinzipien ordnungspolitischer Gestaltung
2.1 Reine Marktwirtschaft
2.2 Totale Zentralverwaltungswirtschaft

3. Die gesamtwirtschaftlichen Funktionen polypolitischer Marktpreise
3.1 Prämissen des vollkommenen Marktes
3.2 Die gesamtwirtschaftliche Funktion des Preismechanismus

4. Wirtschaftssysteme im Vergleich
4.1 Vergleich der beiden ordnungspolitischen Idealmodelle

5. Das Grundkonzept der Sozialen Marktwirtschaft
5.1 Ordoliberale Konzeption
5.2 Konstituierende Prinzipien
5.3 Regulierende Prinzipien

6. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Wirtschaftspolitik und dem institutionellen Rahmen von Wirtschaftssystemen. Im ersten Punkt sollen die beiden Grundformen politischer Ordnung, die reine Marktwirtschaft und die totale Zentralerwaltungswirtschaft, dargestellt werden. Im nächsten Punkt erfolgt eine Darstellung der gesamtwirtschaftlichen Funktion polypolitischer Marktpreise. Hierauf wird ein Vergleich der beiden ordnungspolitischen Systeme der Zentralen- und Freien Marktwirtschaft vorgenommen. Den Abschluss bildet die Darstellung des Grundkonzepts der sozialen Marktwirtschaft. Hierbei soll insbesondere ein Schwerpunkt auf die von Walter Eucken entwickelten regulierenden und konstituierenden Prinzipien gelegt werden.

2. Die polaren Prinzipien ordnungspolitischer Gestaltung

Bei den polaren Prinzipien ordnungspolitischer Gestaltung handelt es sich um idealtypische Wirtschaftssysteme. Diese sind lediglich Modellkonstruktionen, die sich in die Wirklichkeit nicht umsetzen lassen. In keiner uns bekannten Volkswirtschaft gibt es eine reine Marktwirtschaft, deren Wirtschaftsprozesse ausschließlich durch dezentrale Planung auf Basis der Marktform vollständiger Konkurrenz und ohne staatliche Beeinflussung gesteuert werden.[1] Ebenso verhält es sich mit dem Modell der totalen Zentralverwaltungswirtschaft, in dem geldlos und lediglich mengenmäßig alle Produktionsmittel und Verteilungsvorgänge zentralplanerisch reguliert werden.[2] Im folgenden Abschnitt sollen nun beide angeführten Modelle näher betrachtet werden. Zuerst soll das idealtypische Modell der reinen Marktwirtschaft vorgestellt werden.

2.1 Reine Marktwirtschaft

Das Modell der reinen Marktwirtschaft[3] zeichnet sich durch die folgenden Grundprinzipien aus: In der Wirtschaft herrscht private und unbeschränkte Verfügung über Produktionsmittel und Ertragsverteilung. Des Weiteren werden die Wirtschaftssubjekte allein von ökonomischen Überlegungen und Eigeninteressen geleitet. Die Festlegung des Wirtschaftsprozesses sowie der Wirtschaftsentwicklung erfolgen durch die ökonomischen Handlungen und Wirtschaftspläne der Unternehmen und Privathaushalte. Letztere erhalten jedwede Güter und Dienstleitungen ausschließlich von den Unternehmungen. Im eigenen Haushalt wird weder produziert noch irgendeine Form handwerklicher Tätigkeit verrichtet. Alle Aktivitäten sowohl der Unternehmungen als auch der Privathaushalte werden durch die Märkte koordiniert. Auf diesen „vollkommenen Märkten“ herrscht die Marktform der vollständigen Konkurrenz im streng markt- und preistheoretischen Sinn.[4] Das Wirtschaftsgeschehen wird weder durch Machtgruppen noch durch den Staat beeinflusst. Dem Staat wird auch keine regulierende Funktion eingeräumt. Vielmehr findet die Gestaltung der Wirtschaftsprozesse durch die dezentrale Planung einer Vielzahl von privaten Unternehmern und Hausalten statt. Das hier vorgestellte Modell der reinen Marktwirtschaft verfügt über einen vollkommen harmonischen Wirtschaftskreislauf, der durch keinerlei Störungen güter- oder geldwirtschaftlicher Form beeinträchtig werden kann.

Im Folgenden soll nun auf das ordnungspolitische Prinzip der Zentralverwaltungswirtschaft eingegangen werden.

2.2 Totale Zentralverwaltungswirtschaft

Das Modell der Zentralverwaltungswirtschaft[5] zeichnet sich durch die nachstehenden Prinzipien aus. Der Staat allein verfügt über die Produktionsmittel und ist der selbstständige Planungsträger der Wirtschaftsprozesse.[6] Alle Bereiche der Produktion und Verteilung von Gütern und Dienstleistungen sowie die Ausbildung und der Einsatz von Arbeitskräften werden von einem staatlichen Monopol geregelt. Es obliegt ausschließlich der Staatsführung Planziele zu formulieren, welche die staatliche Plankommission mithilfe der volkseigenen Betriebe umzusetzen hat. Die zentrale Planbehörde ihrerseits trägt den volkseigenen Betrieben auf, was, wo, wann und in welcher Menge und Qualität zu produzieren ist. Das Produktionssoll regelt die Verteilung der Produktionsfaktoren Arbeit, Sachkapital und Boden auf die diversen volkseigenen Betriebe. „Die Konsumgüter und Gebrauchsgüter werden den Haushalten geldlos mittels eines Rationierungs- und naturalen Verteilungssystems zugeteilt“.[7]

Die beiden vorgestellten Modelle der reinen Marktwirtschaft und der zentralen Verwaltungswirtschaft sind wirklichkeitsfremd. Keines der vorgenannten Modelle ist in einer Volkswirtschaft der Gegenwart realisiert. Die Realitätsferne beider Systeme unterscheidet sich jedoch fundamental. Das Modell der reinen Marktwirtschaft differiert nur in einigen Punkten von der Wirklichkeit marktwirtschaftlich orientierter Systeme.[8] Das Totalmodell der Zentralverwaltungswirtschaft ist jedoch grundlegend von der Systemwirklichkeit entfernt. In einer Volkswirtschaft ist es nicht möglich solch einen immensen Planungsumfang, wie die zentrale Abstimmung aller Produktions- und Verteilungsvorgänge, zu bewerkstelligen. Die real existenten Wirtschaftssysteme sind alles gemischte Systeme, deren Determinanten und Funktionsweise es zu erforschen gilt.[9]

3. Die gesamtwirtschaftlichen Funktionen polypolitischer Marktpreise

Da die Marktbeziehungen im Allgemeinen sehr komplex und in ihren vielfältigen Abhängigkeiten schwer erfassbar sind, erleichtert man sich dieses Problem, indem man sich ein vereinfachtes Abbild der Wirklichkeit, also ein Modell, konstruiert.[10] Der marktwirtschaftliche Preisbildungsprozess lässt sich in idealtypischer Weise an der fiktiven Marktform der vollständigen Konkurrenz, also des vollkommenen Marktes, darstellen.

3.1 Prämissen des vollkommenen Marktes

Auf dem vollkommenen Markt stehen sich eine Vielzahl von Nachfragern (private Haushalte) einer Vielzahl von Anbietern (Unternehmern) gegenüber. Es wird angenommen, dass jeder der beiden Marktteilnehmer in seiner Größe so unbedeutend ist, dass er den Marktpreis nicht beeinflussen kann. Des Weiteren wird unterstellt, dass Anbieter und Nachfrager über alle für sie relevanten Faktoren des Marktgeschehens, wie das Gut und seine Eigenschaften, die angebotene und nachgefragte Menge dieses Gutes sowie die Güterpreise vollständig informiert sind.[11] Es herrscht somit der Zustand vollkommener Markttransparenz. Eine weitere Bedingung stellt die „unendlich schnelle Anpassungsfähigkeit“ der Marktteilnehmer da.[12] Treffen unter diesen Annahmen Angebot und Nachfrage aufeinander, d.h. angebotene Menge und nachgefragte Menge sind gleich, kommt es zu einer Räumung des Marktes. Die Räumung des Marktes wird durch den Gleichgewichtspreis erzielt. Jeder andere Preis würde zu einer Diskrepanz zwischen angebotener und nachgefragter Menge führen.

3.2 Die gesamtwirtschaftliche Funktion des Preismechanismus

Neben der bereits angeführten Ausgleichsfunktion von Angebot und Nachfrage erfüllt der Preis weitere wesentlichen Aufgaben. Er stellt eine wichtige Informationsfunktion für die Produzenten und Konsumenten da. Steigt die Nachfrage nach einem Gut, weil es besonders begehrt ist, so entsteht zum alten Preis ein Nachfrageüberhang, der den Preis in die Höhe treibt.[13] Hieraus entstehen höhere Gewinnmöglichkeiten, die die Unternehmen anreizen mehr zu produzieren. Darüber hinaus werden weitere Anbieter auf den Markt gelockt. Gleichzeitig steigt die Nachfrage der Unternehmen nach Produktionsfaktoren, die für die vom Verbraucher gewünschten Güter notwendig sind.[14] Somit kommt dem Preis auch eine Lenkungsfunktion zugute, da er den „bedarfsgerechten Faktoreinsatz“[15] steuert. Gleichermaßen ist der Preis ein Indikator für die Knappheit eines Gutes und zeigt die Veränderung der Marktdaten an. Somit wird sichergestellt, dass die Produktionsfaktoren an die Stelle optimaler Verwendung geleitet werden.[16] Als weitere Aufgabe des Preises ist die Anreizfunktion zu nennen. Diese bezieht sich sowohl darauf, dass ein höherer Preis die Unternehmen anreizt, sich von einem vorhandenen Gut zu trennen (z.B. Lagerbestände zu leeren) als auch darauf, durch den Einsatz zusätzlicher Produktionsfaktoren zusätzliche Gütermengen zu produzieren.[17]

Die hier aufgeführten idealtypischen Eigenschaften der vollständigen Konkurrenz gelten vielfach als das Leitbild einer freien Marktwirtschaft.[18] In dieser Marktform kann kein Marktteilnehmer eine spürbare Machtposition entfalten. Die hierfür notwendigen Bedingungen, wie viele Anbieter und Nachfrager, Homogenität und Transparenz, sind in der Realität jedoch selten gegeben. Die meisten Märkte sind unvollkommene Märkte, da sie von der Dominanz einiger Anbieter und Nachfrager geprägt sind.

4. Wirtschaftssysteme im Vergleich

Die Begriffe des Wirtschaftssystems und der Wirtschaftsordnung werden in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur meist synonym verwendet. Nach Sombart ist das Wirtschaftssystem „die Wirtschaftsweise einer Gesellschaft, determiniert durch Wirtschaftsgesinnung (Zwecksetzung und Verhalten der Wirtschaftssubjekte), Ordnung und Organisation des Wirtschaftslebens (Rechts-, Sitten- Konventionalordnung) und realisierte Produktionstechnologien“.[19] Eucken hingegen definiert das Wirtschaftssystem als eine „idealtypische Art und Weise der Lenkung des Wirtschaftens“.[20] Euckens entscheidendes Kriterium ist, ob die Planung des Wirtschaftsgeschehens dezentral von den einzelnen privaten und öffentlichen Haushalten oder von einer Zentralinstanz durchgeführt wird.[21] Er stellt also auf die Zahl der selbstständig planenden Wirtschaftseinheiten ab.[22]

4.1 Vergleich der beiden ordnungspolitischen Idealmodelle

Dennoch ist zu beachten, dass in jeder Volkswirtschaft geplant wird und somit der Ausdruck Planwirtschaft für die Zentralverwaltungswirtschaft irreführend sein kann. Die entscheidende Frage ist, wer plant und was geplant wird. Die zentrale Planungs- und Lenkungsform (monistisches Planen) ist eine Eigenschaft der Zentralverwaltungswirtschaft.[23] Hingegen ist die dezentrale Planung (pluristisches Planen) der Wirtschaftssubjekte und die Koordination dieser unzähligen Pläne über den Markt ein Merkmal der Marktwirtschaft. Ein weiteres Differenzierungskriterium ist die Eigentumsform. Bei der Unterscheidung zwischen Staats- oder Gesellschaftseigentum ist auf die unterschiedliche Verteilung von Verfügungs- und Kontrollrechten über die Produktionsmittel abzustellen. In einer Marktwirtschaft werden die Entscheidungen über die Produktion, den Einsatz der Produktionsfaktoren und die Verteilung des Produktionsergebnisses individuell und durch freiwillige Vereinbarungen zwischen den Wirtschaftssubjekten getroffen.[24] In der Zentralverwaltungswirtschaft hingegen gilt das Prinzip der Über- bzw. Unterordnung. Alle Entscheidungen werden zentral gefällt und in Form von Produktionssollvorgaben an das Plankomitee weitergeben. Ein weiteres Kriterium stellt die Preisbildung in beiden Systemen dar. Bei den Preisbildungsformen unterscheidet man zwischen der Marktpreisbildung und der staatlichen Marktpreisfestsetzung.[25] In der Marktwirtschaft erfolgt die Marktpreisbildung auf Grund des Zusammenspiels von Angebot und Nachfrage als das Ergebnis einzelwirtschaftlicher Pläne. Die Marktpreise fungieren somit als Knappheitsindikator in diesem Informationssystem.[26] „Demgegenüber haben staatlich festgesetzte Preise in der Zentralverwaltungswirtschaft nur die Funktion von Verrechnungseinheiten, über Knappheiten geben die Mengensalden aufwendiger güterwirtschaftlicher Bilanzierungen Auskunft (Zentralisierung von Informationen)“.[27] Die Effizienz ist ein weiterer, zu beachtender Aspekt. Die Marktwirtschaft verfügt über eine wesentlich höhere Effizienz, da es im Wesentlichen die Konsumenten sind, die mit ihren Marktenscheidungen dafür sorgen, dass die von ihnen geforderten Güter produziert werden. In der Zentralverwaltungswirtschaft hingegen besteht das Problem, dass durch die zentrale Planung die individuellen Wirtschaftsinteressen nicht wahrgenommen werden können. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal dieser idealtypischen Wirtschaftssysteme bildet der Bezug zum politischen System. „Die Zentralverwaltungswirtschaft ist durch die Einheit von politischer und wirtschaftlicher Führung geprägt, in der Marktwirtschaft sind diese beiden Systeme getrennt“.[28]

[...]


[1] Peters, Ordnungspolitik, S. 19.

[2] Peters, Ordnungspolitik, S. 19.

[3] Peters, Ordnungspolitik, S. 19.

[4] Peters, Ordnungspolitik, S. 19.

[5] Vgl. Peters, Ordnungspolitik, S. 23.

[6] Vgl. Peters, Ordnungspolitik, S. 23.

[7] Peters, Ordnungspolitik, S. 23.

[8] Peters, Ordnungspolitik, S. 25.

[9] Peters, Wirtschaftssysteme, S. 132.

[10] May, S. 138.

[11] Vgl. May, S. 138.

[12] Vgl. May, S. 139.

[13] Sperber, S. 75.

[14] Sperber, S. 75.

[15] Sperber, S. 75.

[16] Vgl. Siebert, S. 90.

[17] Siebert, S. 90.

[18] Vgl. Sperber, S. 75.

[19] Gabler, S. 4450

[20] Gabler, S. 4450

[21] Gabler, S. 4450

[22] Lachmann, VWL 1, S. 24.

[23] Lachmann, VWL 1, S. 24.

[24] Vgl. Lachmann, VWL 1, S. 25.

[25] Vgl. Lachmann, VWL 1, S. 25.

[26] Lachmann, VWL 1, S. 25.

[27] Lachmann, VWL 1, S. 25

[28] Lachmann, VWL 1, S. 25

Details

Seiten
12
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656074656
ISBN (Buch)
9783656074847
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v183173
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
Schlagworte
wirtschaftspolitik rahmen

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Titel: Wirtschaftspolitik und institutioneller Rahmen