Lade Inhalt...

Die christliche Auferstehungshoffnung in heutiger Sicht

Facharbeit (Schule) 2005 13 Seiten

Theologie - Religion als Schulfach

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG
1.1 Begründung und Ziel der Facharbeit
1.2 Gliederung

2. DIE HISTORIZITÄT DER AUFERSTEHUNG
2.1 Das leere Grab
2.2 Erscheinungen Christi nach seinem Tod

3. DEUTUNG UND INTERPRETATION DER AUFERSTEHUNG
3.1 Die Deutung durch Paulus
3.2 Bultmanns existentiale Interpretation
3.3 Die Deutung Dietrich Bonhoeffers
3.4 Gerd Lüdemanns Rekonstruktion der Auferstehung

4. FAZIT

5. LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

1.1 Begründung und Ziel der Facharbeit

Im 1. Halbjahr 2005/06 beschäftigten wir uns im Ev. Religionsunterricht mit dem Thema Christologie. Da sich das Thema der Facharbeit an den Unterricht anschließen sollte, lag es nahe, auch für die Facharbeit ein Thema oder eine Fragestellung aus dem Themenkomplex Christologie zu wählen. Auch aus persönlichem Interesse entschied ich mich dann, das Zentrum des christlichen Glaubens, die Auferstehung Jesu Christi, zu untersuchen. Besonders in einer, zum großen Teil, säkularisierten Welt, in der auf der einen Seite viele Kirchenaustritte, bezogen auf Deutschland, zu verzeichnen sind, aber auf der anderen Seite sich die Kirche als Konsequenz dessen, der Zeit immer mehr anpasst, ist es interessant zu untersuchen, in welchem Licht die heutige Welt ein Ereignis vor zweitausend Jahren betrachtet - die Auferstehung Christi.

Genau damit beschäftigt sich diese Facharbeit. Wie sahen die Menschen vor rund zweitausend Jahren dieses Ereignis und was bedeutet es für die Menschen heute? Wo liegen die Unterschiede und was für eine Entwicklung ist zu verzeichnen? Ist die Auferstehung in einer Welt, die immer moderner und fortschrittlicher, aber auch stressiger wird, überhaupt noch von existentieller Bedeutung?

Ziel der Facharbeit ist es, sich mit diesen Fragestellungen zu befassen und eine Übersicht verschiedener Positionen zu geben.

1.2 Gliederung

Die Facharbeit ist in vier Bereiche gegliedert. Die Einleitung, den ersten Hauptteil, den zweiten Hauptteil und das Fazit. Der erste Hauptteil beschäftigt sich mit der Historizität der Auferstehung und zeigt, dass ein Glaube an die Auferstehung Christi aus histori- scher Sicht möglich ist. Der zweite Hauptteil führt vier unterschiedliche Deutungen bzw. Interpretationen im Zusammenhang mit der Auferstehung an. Dabei vertreten zwei Deutungen eine traditionsgemäße Position und zwei weitere Deutungen eine vornehm- lich kritische Position. Traditionsgemäße Position und kritische Position wechseln sich jeweils ab. Die paulinische Deutung und die Deutung Bonhoeffers sind traditionsgemä- ße Stimmen, bei der Bultmannschen und bei der Lüdemannschen Interpretation handelt es sich um kritische Stimmen zur Auferstehung.

2. Die Historizität der Auferstehung

Bevor näher auf die Deutung und die Interpretation der Auferstehung Christi eingegan- gen wird, erscheint es sinnvoll, kurz auf die Historizität der Auferstehung einzugehen. In 3.1 wird sich zeigen, dass Paulus noch eine weit tiefgehendere Zusammengehörigkeit zwischen Kreuzigung und Auferstehung sieht als einen kausalen Zusammenhang, doch zunächst muss als Bedingung für die Auferstehung erst einmal die Kreuzigung vorher- gegangen sein.

Dass die Kreuzigung stattgefunden haben muss, ist unstrittig, denn neben den biblischen Berichten existieren auch zahlreiche außerbiblische Quellen1, z. T. auch von römischen Autoren, welche als historisch zuverlässig und authentisch gelten.

Der Theologe und Philosoph Dr. Heinzpeter Hempelmann urteilt folgendermaßen über den Tod bzw. die Kreuzigung Jesu:

„Er [der Tod Jesu] ist eines der bestbezeugten Ereignisse der Antike. Es gibt keinerlei Anhaltspunkte für einen wissenschaftlich begründeten Zweifel. Wiederum gilt, dass die Zeugen für diesen Sachverhalt nicht nur aus dem Jüngerkreis stammen. Auch die jüdi- sche Kultusbehörde, die im Übrigen jedes Interesse an dem tatsächlichen und ord- nungsgemäßen Vollzug der Hinrichtung haben musste, hat sich bezeichnenderweise den - doch so nahe liegenden - Einwand eines bloßen Scheintodes nicht zu Eigen ge- macht.“2

Fakt ist, die Kreuzigung, als Bedingung für die Auferstehung, hat stattgefunden. Doch wie sieht es mit der Auferstehung selbst aus? Hierfür liegen keine historischen Beweise vor, es gibt jedoch zahlreiche Hinweise (Indizien), die für eine Auferstehung sprechen. Neben den Konsequenzen, die aus einem Glauben an die Auferstehung resultieren (und die keinesfalls so ‚krass’ ausgefallen wären, wären die frühen Christen nicht von der Auferstehung völlig überzeugt gewesen), wie die Entwicklung der Kirche, aber auch wie das Märtyrertum im Zusammenhang mit den Christenverfolgungen in den ersten Jahrhunderten nach Christus, gelten besonders zwei Ereignisse als nahezu existenziell in Bezug auf die Auferstehung, zum einen das leere Grab, zum anderen die Erscheinungen Christi nach seinem Tod.

2.1 Das leere Grab

Eben weil das leere Grab unter Christen als eines der Hauptbelege für die Auferstehung angesehen wird, geriet es oft in den Mittelpunkt kritischer Diskussionen, woraus sich einige Theorien entwickelten, die das leere Grab ohne eine Auferstehung Christi erklä- ren sollen. Die drei am meisten verbreiteten Theorien werden nun im Folgenden kurz dargestellt und widerlegt. Der erste Erklärungsversuch ist am ältesten und wird als Ein- ziger in der Bibel erwähnt, in Mt. 28, 11-15, wo die Hohepriester Soldaten bestechen, das Gerücht zu verbreiten, die Jünger selber hätten Jesu Leichnam gestohlen. Die Tatsa- che, dass Matthäus dies erwähnt und nicht widerlegt, vermutlich weil es für ihn schlichtweg offensichtlich war, dass es nicht der Wahrheit entsprach, widerlegt diesen Erklärungsversuch. Analysiert man in den vier Evangelien das Verhalten der Jünger, so wird zudem deutlich, dass dieses unterstellte Handeln gegen ihr Wesen spricht. Auch die Theorie, die römischen Behörden hätten den Leichnam gestohlen, ist schlichtweg Unsinn, gerade sie waren am wenigsten an einem Aufruhr interessiert, nicht umsonst haben sie das Grab bewachen lassen. Ein anderer besonders seit Ende des achtzehnten Jahrhunderts verbreiteter Erklärungsversuch besagt, Jesus war gar nicht tot, sondern nur scheintot oder ohnmächtig. Ganz simpel lässt sich hier entgegensetzen, dass die Wahr- scheinlichkeit, eine Kreuzigung zu überleben, sehr gering war, und angenommen je- mand hätte sie überlebt, so wäre es ihm niemals möglich gewesen, nach drei Tagen ei- nen schweren Grabstein weg zu schieben.

J. N. D. Anderson, Rechtsanwalt und Professor für orientalisches Recht an der Universität London, erläutert zusammenfassend:

„Haben Sie beachtet, dass sämtliche Hinweise auf das leere Grab in den Evangelien vorkommen, die ja geschrieben wurden, um der christlichen Gemeinde die Tatsachen zu liefern, die sie wissen wollte? In der öffentlichen Predigt an Ungläubige dagegen, wie sie die Apostelgeschichte berichtet, haben wir eine starke Betonung der Tatsache der Auferstehung, aber keinen einzigen Hinweis auf das leere Grab. Warum wohl? Für mich gibt es nur eine Antwort: Es nützte nichts, über das leere Grab zu debattieren. Jeder, ob Freund oder Feind, wusste, dass es leer war. Die einzigen Fragen, die es sich zu erörtern lohnte, waren, warum es leer war und was dieses Leersein bewies.“3

2.2 Erscheinungen Christi nach seinem Tod

Die zahlreichen Erscheinungen Christi nach seiner Kreuzigung gelten neben dem leeren Grab als Hauptindizien für die Auferstehung. In der Zeit nach seinem Tod bis zur Him- melfahrt, 40 Tage danach, ist Christus verschiedenen Menschen an unterschiedlichen Orten und in unterschiedlichen Weisen immer wieder erschienen. An verschiedenen Stellen in der Bibel wird davon gezeugt. Die Frauen am Grab (Mt. 28, 1-10; Mk. 16, 1- 10; Lk. 24, 1-10; Joh. 20, 1-18), die Emmausjünger (Mk. 16, 12-13; Lk. 24, 13-35), der zweifelnde Thomas, welcher Jesu Narben berühren konnte (Joh. 20, 24-31), die übrigen Jünger (Mt. 28; Mk 16; Lk. 24; Joh. 20+21) und fünfhundert weitere Augenzeugen, die ihn zur selben Zeit gesehen hatten (1. Kor. 15, 1-11), sind alle Zeugen des auferstande- nen Christus, die für ihren Glauben auch ihr Leben einsetzten. Die Behauptung, dass die Erscheinungen nur Halluzinationen seien, kann nicht gehalten werden, wenn man sich näher mit den medizinischen Ursachen von Trugwahrnehmungen befasst. Schaut man sich die große Zahl der Menschen an, die Jesus Christus nach seinem Tod gesehen ha- ben wollen, und bedenkt man, dass dies an verschiedenen Orten, über eine Zeit von 40 Tagen lang geschah, z. T. auch gegen den Willen der betroffenen Personen (Maria glaubte erst, sie sähe den Gärtner; die Emmausjünger bemerkten es erst, nachdem Jesus wieder verschwunden war; Thomas zweifelte), so kann es sich nicht um Halluzinationen gehandelt haben. Zudem konnte Thomas den Auferstandenen sogar berühren. Paul Litt- le führt außerdem auch Ämoderne, persönliche Belege“ für die Auferstehung an, die Menschen, die bezeugen, Jesus Christus habe ihr Leben verändert4. Zusammenfassend bemerkt der britische Theologe B. F. Westcott: ÄIn der Tat, wenn man alle Beweise zu- sammenfasst, kann man sagen, daß kein historisches Ereignis besser oder verschieden- artiger bewiesen ist als die Auferstehung Christi.“5.

[...]


1 Verschiedene außerbiblische Quellen sind im Anhang beigefügt

2 Hempelmann, Heinzpeter: Jesus lebt - das Grab ist leer! Wie glaubhaft ist die Auferstehung?, Wuppertal (Brockhausverlag), 2002, S. 17

3 Anderson, J. N. D.: The Resurrection of Jesus Christ, in: Christianity today, 29.März 1968, S.4 ff.; Übersetzung von Rall, C.

4 Vgl. Little, P.: Ich weiß, warum ich glaube, Neuhausen-Stuttgart (Hänssler), 1977, S. 55 f.

5 Westcott, B. F., zit. bei Little, P.: Ich weiß, warum ich glaube, Neuhausen-Stuttgart (Hänssler), 1977, S. 56

Details

Seiten
13
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783656067757
ISBN (Buch)
9783668110908
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182879
Institution / Hochschule
Kreisgymnasium Halle
Note
1,3
Schlagworte
Auferstehung Hoffnung leeres Grab Christus Paulus Bultmann Bonhoeffer Lüdemann

Autor

Zurück

Titel: Die christliche Auferstehungshoffnung in heutiger Sicht