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Modernisierungsbestrebungen in den ersten Regierungsjahren Karls I. von Rumänien

Hausarbeit 2011 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.„Modernisierung“ – Probleme der Anwendbarkeit des Begriffs

3.Modernisierungsbestrebungen unter Karl I.
3.1Erste Modernisierungsansätze unter Fürst Cuza
3.2Die Militärreform
3.3Der Eisenbahnbau

4.Der Agrarsektor und die Lage der Bauern

5. Fazit

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts standen die Moldau und die Walachei, die sozusagen den Kern des heutigen Rumänien bilden, unter Oberhoheit des Osmanischen Reichs. Und obwohl Russland nach dem Frieden von Adrianopel (1829) seinen Einfluss in der Region bis hin zur Errichtung eines Protektorats über beide Gebiete ausdehnte, so blieb dessen ungeachtet der türkische Sultan Oberherr derDonaufürstentümer. Jedoch abgesehen von den Tributen an die Pforte, die auch weiterhin geleistet werden mussten, waren die Fürstentümer de facto autonom und verfügten seit 1830 auch über ein eigenes Grundgesetz.[1]

Nachdem schließlich die russische Dominanz nach dem Krimkrieg 1856 endete, übernahmen die europäischen Großmächte zusammen mit dem Osmanischen Reich die Verantwortung für die beiden Fürstentümer und legten in der Pariser Konvention von 1858 den Zusammenschluss der Moldau und der Walachei, weiterhin unter osmanischer Oberhoheit und auch mit getrennten Parlamenten, fest. Die eigentliche Vereinigung der Donaufürstentümer erfolgte schließlich durch die Wahl Alexandru Ion Cuzas zum Fürsten der Moldau und der Walachei in Personalunion (1859) und der Erlaubnis des Sultans zum Zusammenlegen der Verwaltungen und beider Parlamente.

1866, nach dem erzwungenen Rücktritt Cuzas, wurde durch das Parlament Prinz Karl von Hohenzollern-Sigmaringen zum Fürsten gewählt. Die Entscheidung für einen ausländischen Monarchen sollte wohl hauptsächlich dazu dienen, internationales Prestige zu erlangen und um Streitigkeiten untereinander, welche die eben erst erlangte Union gefährden könnten, zu vermeiden.[2]

Wie schon sein Vorgänger sah sich Karl der dringenden Aufgabe einer grundlegenden Modernisierung des Landes und dessen Annäherung an westeuropäische Lebensverhältnisse gegenüber.

Diese Arbeit wird im Folgenden die für Karl I. wichtigsten Modernisierungsmaßnahmen, nämlich den Eisenbahnbau und die Militärreform, sowie die problematische Lage der rumänischen Bauern darlegen und die Bedeutung der Reformen im Kontext der angestrebten Modernisierung erörtern. Weiterhin soll aber auch problematisiert werden, inwieweit die in den Sozialwissenschaften gebräuchliche Definition von „Modernisierung“ für geschichtswissenschaftliche Betrachtungen angewandt werden kann und in welchem Maße die Modernisierungsmaßnahmen Karls dieser entsprechen.

2. „Modernisierung“ – Probleme der Anwendbarkeit des Begriffs

„Modernisierung ist die Entwicklung von einfachen und armen Agrargesellschaften zu komplexen, differenzierten und reichen Industriegesellschaften“[3] Diese klassische Definition von Modernisierung stellt noch immer eine anerkannteLesart von gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Umwandlungsprozessen seitens der Sozialwissenschaften dar. Betrachtet man diese aber unter geschichtswissenschaftlichen Gesichtspunkten, stellt man fest, dass eine derart allgemein gehaltene Aussage vielschichtigen historischen Entwicklungen nicht gerecht werden kann und auch, zum Beispiel, kulturelle Aspekte gänzlich außer Acht lässt.

Das größte Problem dieser Begriffsbildung ist zweifelsfrei ihre Konzentration auf die Entwicklung der westlichen Industriestaaten seit der Industriellen Revolution sowie die Übertragung dieser auf andere Gesellschaften, teils mit vollkommen anderem kulturellen Hintergrund.

Modernisierung wird laut dieser Definition als Überwindung ökonomischer, gesellschaftlicher und kultureller „Rückständigkeit“[4] beschrieben, wobei diese Rückständigkeit primär aus der Sicht westlicher Gesellschaften definiert wird und sich auch nur an deren Vorstellungen und Zielen orientiert. Von den vermeintlich „Rückständigen“ muss diese Andersartigkeit ja noch nicht einmal als Nachteil empfunden werden. Ebenso ist die Annahme, Agrargesellschaften seien grundsätzlich einfach und arm, Industriegesellschaften dagegen komplex,differenziert und reich bei geschichtswissenschaftlicher Betrachtungsweise nicht haltbar. Sicher, Industriegesellschaften mögen mitunter differenzierter sein als ihr vorindustrielles Pendant, aber dass sie generell komplexeroder gar reicher seien, möchte ich verneinen. Als Beispiel sei die westeuropäische Gesellschaft der Frühen Neuzeit, eine Agrargesellschaft, genannt. Diese war in ihrem Miteinander der einzelnen gesellschaftlichen Gruppen höchst komplex, man bedenke nur die Interaktion der drei Stände untereinander oder die erhebliche Rolle der persönlichen Ehre auf die eigene Stellung in der Gesellschaft. Und durchaus noch mehr als in den modernen Gesellschaften konnte diese nur funktionieren, wenn sich jedes Mitglied den allgemeinen Konventionen unterordnete.

Ob nun eine Gesellschaft arm oder reich ist, kann man wohl am wenigsten an ihrer wirtschaftlichen und sozialen Ausprägung festmachen. Weder sind alle modernen Industriegesellschaften besonders reich, noch kann man bei Agrargesellschaften von arm sprechen, da auch diese das haben und erwirtschaften, was sie zu ihrem Funktionieren benötigen.

In der Realität zeigt sich, dass Modernisierung, anders als unsere Definition implizieren mag, nicht als geradliniger Prozess abläuft.[5] Ebenso muss man unterscheiden, ob es sich um eine originäre oder vielmehr um eine nachholende Entwicklung handelt, deren Prozesse bestimmten Vorbildern nachempfunden sind.[6] Im Fall von Rumänien orientierten sich die Modernisierungsbestrebungen besonders an Frankreich und Preußen. Der Vorteil einer solchen nachholenden Entwicklung besteht darin, dass erprobte Institutionen zeit- und ressourcensparend eingeführt werden können. Ein weiteres Merkmal derartiger Modernisierung ist die führende Rolle der Eliten, die den Prozess zielgerichtet von oben in Gang setzten.[7] Die Nachteile eines so gearteten Vorgehens, und auch das zeigt das Beispiel Rumänien, liegen zum einen in der Konzentration auf als besonders modern empfundene Bereiche (z. B. Eisenbahn und Militär) und der daraus resultierenden Überforderung der Lernfähigkeit einer Gesellschaft, dem Ausbleiben von Rückkoppelungen in eben dieser und somit der Verschwendung knapper Ressourcen. Zum anderen beginnen die Eliten aufgrund ihres Strebens nach Erhalt ihrer erworbenen Positionen mit der Zeit die Entwicklung zu blockieren, die sie eigentlich vorantreiben wollten.[8]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es keine allgemeingültige Definition zur Erklärung von „Modernisierung“ gibt und dass Modernisierungsbemühungen, wie das Beispiel Rumänien zeigen wird,auch gesellschaftliche und wirtschaftliche Probleme nach sich ziehen können.

3. Modernisierungsbestrebungen unter Karl I.

3.1 Erste Modernisierungsansätze unter Fürst Cuza

Schon bevor Karl I. 1866 zum rumänischen Fürsten gewählt wurde, setzten unter seinem Vorgänger Alexandru Ion Cuza zahlreiche Reformbemühungen ein, die darauf abzielten, die Verwaltung beider Länder zu vereinheitlichen, die staatlichen Institutionen westeuropäischen Vorbildern anzupassen, die Sanierung der Staatsfinanzen einzuleiten und nicht zuletzt um die wirtschaftliche Situation großer Teile der Bevölkerung zu verbessern.

[...]


[1] Ekkehard Völkl: Rumänien: Vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart, Regensburg u.a. 1995, S. 25.

[2] Ebd., S. 35.

[3] Nina Degele/Christian Dries:Modernisierungstheorie: Eine Einführung, München 2005, S. 16.

[4] Vgl. Holm H. Sundhaussen: Wandel ohne Modernisierung: Theorien nachholender Entwicklung unter besonderer Berücksichtigung Südosteuropas, in: Krista Zach (Hg.): Modernisierung auf Raten in Rumänien: Anspruch, Umsetzung, Wirkung, München 2004, S. 28.

[5] Sundhaussen, Wandel ohne Modernisierung, S. 28.

[6] Ebd., S. 28.

[7] Ebd.

[8] Ebd., S. 29.

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656066439
ISBN (Buch)
9783656066781
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182841
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2,0
Schlagworte
modernisierungsbestrebungen regierungsjahren karls rumänien

Autor

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Titel: Modernisierungsbestrebungen in den ersten Regierungsjahren Karls I. von Rumänien