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Adelige Herrschaftsausübung im 18. Jahrhundert und Adelskritik im Zuge der Aufklärung

Hausarbeit 2011 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Der Adel als Herrschaftsstand
2.1Privilegien und Selbstverständnis des Adels
2.2Grund- und Gutsherrschaft: Formen adeliger Herrschaftsausübung

3.Adelskritik im 18. Jahrhundert
3.1Die Aufklärung als Grundlage gesellschaftlicher Kritik
3.2Zeitgenössische Adelskritik

4. Fazit

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wie bereits im Mittelalter, so war auch die Gesellschaft der Frühen Neuzeit ständisch gegliedert. Man unterscheidet gemeinhin zwischen Klerus, Adel und bäuerlichem Stand. Der Begriff „Stand“ selbst bezeichnet eine „in rechtlicher und sozialer Hinsicht abgeschlossene Schicht identischer Herkunft und Abkunft“.[1] Das bedeutet, dass eine Schicht nicht nur durch spezifische soziale Strukturen(wie zum Beispiel bestimmte Verhaltensnormen) gekennzeichnet ist, sondern sich unter anderem auchdurch rechtliche Privilegierung von anderen Schichten unterscheiden kann. Begründet wird diese gesellschaftliche Einteilung noch im 18. Jahrhundert durch die Annahme, dass Menschen von Natur aus ungleich seien und jedem ein fester Platz im Leben zugeteilt ist.[2]

Eine Besonderheit innerhalb der Stände stellte der Klerus dar. Dieser erste Stand war, bezugnehmend auf die eingangs angeführte Definition, eben nicht von identischer Herkunft. Man spricht hier von einem Berufsstand, da ihm sowohl Vertreter des Adels als auch Mitglieder bürgerlicher, ja sogar bäuerlicher, Schichten angehören konnten.[3] Adel und Bauern- bzw. Bürgertum dagegen waren Geburtsstände.

Trotz eines Anteils an der Gesamtbevölkerung des Alten Reichs im 18. Jahrhundert von ungefähr 1 Prozent[4] bildete der Adel die gesellschaftliche und politische Elite, deren herausgehobene Stellung durch zahlreiche Privilegien und Vorrechte unterstrichen wurde und sich überdies in einem ganz besonderen Selbstverständnis der Angehörigen dieses „Herrschaftsstandes“ niederschlug.

Ziel dieser Arbeit wird es daher sein, den Adel als herrschende Schicht durch Darlegung wichtiger Sonderrechte und dessen Selbstauffassung als privilegierten Stand zu charakterisieren sowie die Grundlagen seiner Herrschaftsausübung darzustellen.Im zweiten Teil schließlich soll erörtert werden, welche adeligen Rechte in besonderem Maße von der Adelskritik des 18. Jahrhundert betroffen waren. Darüber hinaus sollen aber auch die Grundzüge der Aufklärung auf politischem, gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Gebiet, auf denen diese Kritik beruht, vorgestellt werden.

2. Der Adel als Herrschaftsstand

2.1 Privilegien und Selbstverständnis des Adels

„Adel, Ist ein Ehrenstand, welcher um vorhergehender Tugenden und Verdienste willen von der höchsten Obrigkeit verliehen wird, und auf die Nachkommen erbet.“[5] Diese Definition aus Zedlers Universal-Lexikon ist beispielhaft für die Wahrnehmung des Adels im 18. Jahrhundert. Sie lässt nicht nur auf die herausgehobene und elitäre Stellung dieses Standes in der Gesellschaft schließen, in weit höherem Maße noch bringt dieser eine Satz die Grundlagen des Selbstverständnisses und somit der Identität des Adels zum Ausdruck.

Ein Fundament adeligerSelbstdefinition sind Ehre und Tugend. Eigenschaften, diediesem Stand in besonderem Maße zugesprochen wurden und die gleichzeitig eine ganz besondere Standesmoral schufen. So beanspruchte mannicht nur für sich, dass „Ehre“ im realen gesellschaftlichen Leben eine dem Adel vorbehaltene Eigenschaft war, sondern man war außerdem verpflichtet, diese Ehre durch angemessene (tugendhafte) Taten ständig zu bestätigen.[6] Hierbei unterschied sich der adelige Begriff der Tugend aber durchaus von dem bürgerlichen. Da der Adel in der Geschichte auch immer ein Kriegerstand gewesen war, äußerte sich Tugend vornehmlich in körperlichen sowie geistigen Fähigkeiten wie Mut, Scharfsinn, Gewandtheit, aber auch im Umgang mit den schönen Künsten.[7]

Das zweite Fundament der Selbstwahrnehmung dieses Standes besteht in der adeligen Geburt. Das bedeutet, dass man nicht nur in diesen Stand hineingeboren sein muss, um wirklich adelig zu sein, man verfügt auch gleichzeitig über die dem Adel zugesprochenen Eigenschaften. Die daraus abgeleitete biologisch-soziale Sonderexistenz betrachtete man als natur- bzw. gottgegeben.[8]

Entsprechend seinem sozialen und gesellschaftlichen Status verfügte der Adel über zahlreiche Vorrechte und Privilegien. Diese äußerten sich unter anderem durch die Vergabe hoher Positionen bei Hofe, in der Staatsverwaltung, der Kirche und dem Militär bevorzugt an Mitglieder des Adelsstandes.[9] Des Weiteren verfügten Adelige über persönliche Privilegien auf dem Gebiet des Rechts. Bezeichnend sind hierfür der ihnen zugestandene Gerichtsstand, der lediglich ein Verfahren vor besonderen Gerichten erlaubte,[10] sowie das Recht auf Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit im Falle des landsässigen Adels.[11]

Ökonomische Vorrechte besaß dieser Stand in Form verschiedener Nutzungs- und Monopolrechte unter anderem auf dem Gebiet der Jagd oder auch im Zoll- und Mautwesen. Das Recht, welches den Adel aber in besonderem Maße aus der Masse der Gesellschaft heraushob, war das der Steuerbefreiung auf adelige Güter. Zurückzuführen war dieses Privileg auf die ursprüngliche Pflicht zum persönlichen Kriegsdienst durch den Adel, der diesem durch das Einkommen aus seinen als Lehen übertragenen Ländereien ermöglicht wurde.[12] Da diese Verpflichtung im Verlauf der Frühen Neuzeit aber zunehmend wegfiel, entzündete sich besonders an diesem Vorrecht die Adelskritik im 18. Jahrhundert (vgl. Kap. 3.2).

2.2 Grund- und Gutsherrschaft: Formen adeliger Herrschaftsausübung

Der Anspruch des Adels auf soziale Autorität und gesellschaftliche Exklusivität stützte sich in bedeutendem Maße auf seine autonomen Herrschaftsrechte.[13] Diese übte er in Form von Grundherrschaft oder, was besonders im ostelbischen Raum verbreitet war, in Form von Gutsherrschaft aus.Beide Herrschaftsarten definieren sich durch eine Bündelung verschiedener Herrschaftsrechte in Verbindung mitadeligem Grundbesitz. Man spricht also von Herrschaft über Land und den darauf lebenden Leuten.[14]

Wie bereits im vorhergehenden Kapitel angeklungen war, gehört unter anderem das Recht auf Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit durch den landsässigen Adel zu den grundlegenden Herrschaftsrechten, die mit der Grundherrschaft verknüpft sind. Gemeint sind in diesem Zusammenhang Fälle mit geringerer Straferwartung.[15] Ein weiteres elementares Recht eines Grundherren stellt derAnspruch auf Erhalt bäuerlicher Abgaben dar. Diese Einnahmen bildeten zusammen mit den Gebühren aus der Wahrnehmung spezieller Hoheitsrechte (zum Beispiel dem Ausüben der Gerichtsbarkeit) und der Verwertung diverser Monopolrechte, wie beispielsweise der Betrieb von Mühlen oder Brauereien, die finanzielle Basis eines niederen Adeligen.[16] Da dieses Einkommen letztendlich nur über die Inanspruchnahme fremder Arbeitsleistungen und ohne einen produktiven Anteil des Grundherren erzielt wird, setzte auch hier die Adelskritik an (siehe Kapitel 3.2).

Eine verschärfte Form adeliger Herrschaftsausübung stellte die Gutsherrschaft dar. Anders als die Grundherrschaft ist diese von einer intensiven Eigenwirtschaft des Adels und einer noch größeren Konzentration von Herrschaftsrechten in der Hand des Gutsherrn geprägt.[17] Das bedeutet, dass hier das Einkommen eines Gutsbesitzers nicht über die Abgaben der ihm unterstellten Bauern erzielt wird, sondern dass dieser seine in Eigenregie und unter Ausnutzung bäuerlicher Fronarbeit produzierten landwirtschaftlichen Erzeugnisse selbst vermarktet.[18]

Die herrschaftlichen Rechteeines Gutsherrn beinhalten nicht mehr nur die Privilegien einer Grund- und Gerichtsherrschaft, sondern auch die der Leibherrschaft und oftmals auch des Kirchenpatronats. Zum Teil erhebliche Frondienste der Bauern, Leibzins, Heiratsgebühren und Gesindezwang der Kinder, der mehrere Jahre Gutsdienst vorsah, sind Beispiele für die gutsherrliche Herrschaftspraxis.[19]

Grund- wie Gutsherrschaft dienten in ihrem Kern dazu, den Lebensunterhalt des Adels (gemeint ist auch hier wieder der landsässige Adel) zu gewährleisten. Denn entsprechend ihrem Selbstverständnis war Adeligen nur der Verkauf ihrer Eigenprodukte gestattet. Handel mit Fremdprodukten dagegen galt als anstößig und unehrenhaft.[20] Wie Kapitel 3.2 zeigen wird, forderte aber gerade diese ablehnende Haltung gegenüber einer Handelstätigkeit und dadurch letztlich dem Verzicht auf Leistung eines Beitrags zum gesellschaftlichen Einkommen adelskritische Äußerungen heraus.

3. Adelskritik im 18. Jahrhundert

3.1 Die Aufklärung als Grundlage gesellschaftlicher Kritik

Um die Adelskritik des 18. Jahrhunderts verstehen zu können, muss man zunächst jene Bildungsbewegung, die dieser zugrunde liegt, näher betrachten. Allerdings soll die Aufklärung an dieser Stelle nicht in ihren sämtlichen Ausprägungen erörtert werden. Vielmehr wird sich dieses Kapitel auf die Grundzüge aufklärerischen Gedankenguts im Bereich des Staates, der Wirtschaft und der Gesellschaft beschränken,wie sie von den Kameralisten der Zeit vertreten wurden.

[...]


[1] Horst Möller: Fürstenstaat oder Bürgernation. Deutschland 1763-1815, Berlin 1994, S. 94-95.

[2] Michael Sikora: Der Adel in der Frühen Neuzeit, Darmstadt 2009, S. 1-2.

[3] Möller: Fürstenstaat, S. 104.

[4] Ebd.: S. 100.

[5] Johann Heinrich Zedler: Art. Adel, in: Großes vollständiges Universal-Lexikon, 1, Sp. 467.

[6] Johannes Rogalla von Bieberstein: Adelsherrschaft und Adelskultur in Deutschland, Limburg a. d. Lahn 31998, S. 167.

[7] Ebd.: S. 165.

[8] Ebd.: S. 178.

[9] Ebd.: S. 13.

[10] Sikora: Adel, S. 5.

[11] Rudolf Endres: Adel in der Frühen Neuzeit (EdG 18), München 1993, S. 3-4.

[12] Vgl. Carl Friedrich Häberlin: Etwas über die Steuerfreyheit des Adels in Deutschland, in: Deutsche Monatsschrift 1 (1793), 257-267.

[13] Ronald G. Asch: Der Adel als Herrschaftsstand zwischen Dreißigjährigem Krieg und Französischer Revolution, in: H. Düselder (Hg.): AdelaufdemLande. KulturundHerrschaftdesAdelszwischenWeserundEms, 16. bis18. Jahrhundert, Cloppenburg 2004, S. 280.

[14] Möller: Fürstenstaat, S. 138.

[15] Sikora: Adel, S. 7.

[16] Ebd.: S. 39.

[17] Ronald G. Asch: Europäischer Adel in der Frühen Neuzeit. Eine Einführung, Köln u.a. 2008, S. 57.

[18] Sikora: Adel, S. 40.

[19] Möller: Fürstenstaat, S. 141-142.

[20] Rogalla von Bieberstein: Adelsherrschaft, S. 15.

Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656066453
ISBN (Buch)
9783656066804
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182839
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,7
Schlagworte
adelige herrschaftsausübung jahrhundert adelskritik zuge aufklärung

Autor

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Titel: Adelige Herrschaftsausübung im 18. Jahrhundert und Adelskritik im Zuge der Aufklärung