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Electricity Consumption Method

Physical Input Method

Hausarbeit 2011 18 Seiten

VWL - Arbeitsmarktökonomik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. EinleitungundDefinition

2. Erste Betrachtung

3. Datenerhebung zur Energieversorgung

4. Electricity consumption Method
4.1 Betrachtung von Kaufmann und Kaliberda
4.2 Betrachtung von Lacko

5. Umgang mit den Erkenntnissen

6. Die Berechnung des BIP in Deutschland

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

4. Electricity consumption Method Abbildung 1: Umfang derSchattenwirtschaft

1. Einleitung und Definition

ln den Bereich der Schattenwirtschaft werden laut dem Bundesministerium der Finanzen1 2 alle Tätigkeiten des privaten Wirtschaftssektors gezählt, die nicht dem privaten Konsum dienen und sich allen staatlichen Statistiken entziehen. Dadurch beeinflussen sie nicht die volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, obwohl sie produktiv tätig sind. Zu den negativen Folgen zählen unter anderem ausfallende Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge, womit die Sozialkassen und öffentlichen Haushalte geschädigt werden.

Die Wertschöpfung, die innerhalb eines Staates durch produktive, schattenwirtschaftliche Aktivitäten erzeugt wird, erhöht aber trotz der Unkenntnis der Behörden das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Daraus ergibt sich die Notwendigkeit alternative Berechnungsmethoden zu finden, um den Umfang der Schattenwirtschaft berechnen zu können.

2. Erste Betrachtung

Jeder wirtschaftlichen Aktivität lässt sich in der Regel ein Stromverbrauch zuweisen. Würde man den Verbrauch mit den staatlich registrierten Wertschöpfungsvorgängen vergleichen, müsste sich daraus der Umfang der Schattenwirtschaft erkennen lassen.

In Deutschland beispielsweise liefert das Statistische Bundesamt Daten bezüglich der Stromerzeugung und des Stromverbrauches. Auf der Inputseite steht der „Monatsbericht über die Elektrizitäts- und Wärmeerzeugung der Stromerzeugungsanlagen für die allgemeine Versorgung“3. Aus diesen Daten geht der Umfang der insgesamt ins Netz eingespeisten Energie hervor. Auf der Outputseite steht der Stromverbrauch des gewerblichen Sektors4, des staatlichen Sektors und der Verbrauch der privaten Haushalte.

Dem Energiebedarfs des gewerblichen Sektors lassen sich Wertschöpfungsprozesse gegenüberstellen. Zeigt sich eine überproportionaler Zusammenhang zwischen Energiebedarf und Wertschöpfung, liese sich auf schattenwirtschaftliche Tätigkeit schließen. Unterstellt man dem staatlichen Sektor die Ablehnung von jeglichen unregistrierten gewerblichen Tätigkeiten, bleiben noch die privaten Haushalte zu untersuchen. Übersteigt bei diesen der aktuelle Stromverbrauch den statistisch zu erwartenden Energiebedarf, wäre auch hier der Bestand einer Schattenwirtschaft zu erwarten.

Es ist aber davon auszugehen, dass in jeder Gesellschaft zu jeder Zeit Schattenwirtschaft existent ist. Es fehlt also an bereinigten Stromverbrauchszahlen, ohne die Abweichungen vom normalen (schattenwirtschaftsfreien) Energiebedarf nicht erkennbar gemacht werden können.

3. Datenerhebung zur Energieversorgung

Zusätzlich zu den fehlenden bereinigten Stromverbrauchszahlen existiert eine weitere Problematik. Um schattenwirtschaftliche Aktivitäten am Stromverbrauch erkennbar zu machen, bedarf es der Erhebung von Daten. Je nach Lokalität bestehen hierzu verschiedene Möglichkeiten. In den europäischen Staaten existiert ein weit entwickelter Energiemarkt, der staatlicher Beobachtung und Kontrolle unterliegt. In Deutschland ist die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen, die eine Abteilung des Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie darstellt, für die Erhebung der Daten zuständig5. Durch den strukturierten Energiemarkt liegen in den Industrieländern6 offiziell verifizierte Zahlen über Energieerzeugung und -verbrauch vor.

In Staaten, die über keinen so stark ausgeprägten Energiemarkt verfügen, fällt die Datenerhebung erheblich schwerer. Unzureichende Daten über den Ausbau des Stromnetzes, des Energieverbrauchs und der Leistung bestehender Kraftwerke können unter Umständen keine oder verfälschte Daten über die Energiebilanz eines Landes liefern. Die International Energy Agency (IEA) gibt an, dass bei großen Mengenangaben in Bezug auf die Elektrizität eine Fehlerquote von unter einem Prozent angestrebt wird7. Um statistisch verwertbare Energiebilanzen unter diesen Vorgaben zu erstellen, werden betreffende Werte aber oft nur geschätzt. Zudem sind Falschangaben von Seiten der Datenquellen nicht auszuschließen, womit die Ergebnisse mit Vorsicht zu betrachten sind.

Zusammenfassend ist zu bemerken, dass es beschwerlich ist, für Staaten, die nicht über einen ausprägten und kontrollierten Energiemarkt verfügen, genaue statistische Angaben zu erhalten.

4. Electricity consumption Method

Auch diese Methode fußt auf der Annahme, das wirtschaftlichen Aktivität Stromverbrauch erzeugt. Um die genannten Probleme zu bewältigen, setzen Daniel Kaufmann und Aleksander Kaliberda in ihrer Untersuchung das erwirtschaftete Bruttoinlandsprodukt mit dem Energiebedarf des untersuchten Landes in Verbindung. Bei Staaten mit unzureichenden oder geschätzten Daten wird davon ausgegangen, dass die Differenzen zu den realen Bedingungen vernachlässigt werden können. Mária Lacko betrachtet mathematisch formulierte Annahmen über den Stromverbrauch einzelner Haushalte. Beide Ansätze liefern differenzierte Möglichkeiten der Berechnung der Schattenwirtschaft.

4.1 Betrachtung von Kaufmann und Kaliberda

Daniel Kaufmann und Aleksander Kaliberda nahmen sich 1996 der Problematik der Schattenwirtschaft an. In ihrem working Paper ,,Integrating the Unofficial Economy into the Dynamics of Post-Socialist Economies“ beschäftigen sie sich unter anderem mit der Bestimmung des Umfangs der Schattenwirtschaft innerhalb des gewerblichen Sektors8.

Die Electricity Consumption Method bietet als physikalischer Indikator eine gute Möglichkeit, alle wertschöpferischen Tätigkeiten innerhalb einer Ökonomie zu messen. Als Wert für die gesamtwirtschaftlich erlangte Wertschöpfung dient das Bruttoinlandsprodukt. Da sich fast alle Tätigkeiten der zu untersuchenden Region im Energiebedarf niederschlagen, ist auch die Schattenwirtschaft darin erfasst. Im BIP hingegen wird diese dank fehlender Beobachtbarkeit vernachlässigt. Gelingt es das richtige Verhältnis zwischen dem Stromverbrauch und dem real erwirtschafteten BIP (inklusive der Wertschöpfung innerhalb der Schattenwirtschaft) zu finden, liese sich aus der Differenz zwischen dem offiziellen und dem realen BIP der Umfang der Schattenwirtschaft erkennen (siehe Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Das Verhältnis zwischen Energiebedarf und Wertschöpfung ist bei detaillierter Betrachtung starken Schwankungen unterlegen. In folgenden Fällen erhöht sich der Stromverbrauch ohne dass mehr erwirtschaftet wird:

1. Wenn Produktionsmaschinen auf niedrigerem Produktionsniveau gefahren werden, können sinkenden Produktionsmengen gleichbleibend hohe Fixbeträge an Energiekosten entgegen stehen (zum Beispiel während wirtschaftlich angespannter Phasen).
2. Bei einem erhöhter Energiebedarf von Maschinen aufgrund unterlassener Wartungsarbeiten.
3. Bei Substitution von nicht-elektrischen Energieträgern durch Elektrizität (zum Beispiel das Austauschen einer Gas- gegen eine Elektroheizung).

Diesen Verzerrungen stehen Erhöhungen der Wertschöpfung entgegen, bei denen der Energiebedarf gleich bleibt oder sinkt:

1. Eine Verringerung des Stromverbrauches durch Energieeinsparung (zum Beispiel stromsparende Maschinen oder Arbeitsprozesse)
2. Eine Erhöhung der Strompreise und damit einhergehende Substitution der Energiegewinnung.
3. Ein Wechsel von stromverbrauchintensiven Geschäfts- oder Produktionsmodellen hin zu Alternativen (zum Beispiel Produktionsmodellwechsel bei Start-Up-Unternehmen).
4. Die Falschangabe von Energieverbrauchszahlen.

Kaufmann und Kaliberda gehen in ihrer Betrachtung davon aus, dass sich diese Verzerrungseffekte gesamtwirtschaftlich betrachtet gegenseitig weitgehend aufheben. Damit können diese Effekte vernachlässigt werden.

[...]


1 Vgl.: Bundesministerium der Finanzen: Glossar, Schattenwirtschaft. Online im Internet: http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_39848/DE/BMF___ Startseite/Service/Giossar/S/

2 ____ Schattenwirtschaft.htmi (Stand: 13.06.2011)

3 Vgl.: Statistisches Bundesamt Deutschland: Monatsbericht über die Elektrizitäts- und Wärmeerzeugung der Stromerzeugungsanlagen für die allgemeine Versorgung, Bilanz der Elektrizitätsversorgung. Online im Internet: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/ destatis/lnternet/DE/Content/Statistiken/Energie/Tabellen/Content75/BilanzElektrizitaetsversorgung ,templateld-renderPrint.psml (Stand: 13.06.2011)

4 Beispiel Industrie, vgl.: Statistisches Bundesamt Deutschland: Energieverwendung in der Industrie. Online im Internet: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/lnternet/DE/Content/ Statistiken/Energie/Tabellen/Content100/Verwendunglndustrie,templateld-renderPrint.psml (Stand: 13.06.2011)

5 Vgl.: Bundesnetzagentur: Überdie Agentur, Status der Bundesnetzagentur. Online im Internet: http://www.bundesnetzagentur. de/ctn_1931/DE/DieBundesnetzagentur/UeberDieAgentur/UeberDie Agentur_node.html (Stand: 13.06.2011 )

6 Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und Russland

7 Vgl.: International Energy Agency: Energy Statistics Manual - German version, Kapitel 7.2

8 Vgl.: Kaufmann, D./ Kaliberda, A. (1996): Integrating the unofficial economy into the dynamics of post-socialist economies: A framework of analysis and evidence

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656067771
ISBN (Buch)
9783656067535
Dateigröße
584 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182834
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Lehrstuhl für Arbeitsmarktökonomik
Note
2,0
Schlagworte
Schattenwirtschaft Electricity Consumption Arbeitsmarktökonomik

Autor

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Titel: Electricity Consumption Method