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Das historische Jugendbuch

Hausarbeit 2007 24 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das historische Jugendbuch
2.1 Definitionsversuch
2.2 Historische Sachverhalte
2.3 Das historische Jugendbuch, eine Abgrenzung

3. Unterschiede zu anderen Medien im Geschichtsunterricht
3.1 Vergleich zwischen historischem Jugendbuch und Quelle
3.2 Vergleich zwischen historischem Jugendbuch und dem Sachtext

4. Der Wahrheitsgehalt von historischerJugendliteratur
4.1. Eine allgemeine Betrachtung
4.2. Untersuchung der historischen Stimmigkeit
4.2.1 Erstes Beispiel
4.2.2 Zweites Beispiel

5. Einsatz im Unterricht
5.1 Erzählte Geschichte früher
5.2. Erzählte Geschichte im Unterricht heute
5.3. Gestaltung einer Stoffeinheit historisches Jugendbuch

6. Fazit

7. Literaturangaben

1. Einleitung

Das Seminar „Bilder und historisches Lernen" war an eine Vorlesung mit dem Thema „Methoden und Medien im Geschichtsunterricht" geknüpft. Innerhalb dieser Vorlesungsreihe wurde den Studenten unter anderem das Thema „Das historische Jugendbuch" vorgestellt. Dessen Einsatzmöglichkeiten, Vorzüge und Nachteile wurden von Herrn Prof. Dr. Dietmar von Reeken kurz umrissen, um allen Studenten das Potenzial dieses im Geschichtsunterricht eher selten eingesetzten Mediums näher zu bringen. Diese Hausarbeit löst sich damit vom eigentlichen Thema „Bilder und historisches Lernen". Sie soll dem Leser einen allgemeinen Überblick über das historische Jugendbuch und seine Möglichkeiten für einen Einsatz im Geschichtsunterricht geben. Deshalb erfolgt in einem ersten Schritt die Klärung der Begrifflichkeiten und deren Bedeutungen. Des Weiteren wird der Versuch einer Einordnung „historischer Jugendliteratur" in eine Altersgruppe und in eine Themengruppe vorgenommen. „Historische Jugendliteratur" wird anschließend mit der Quelle und dem Sachtext verglichen, um zu klären, welchen Informationswert ein solches Medium im Verhältnis zu den alt hergebrachten Textgattungen besitzt. Danach wird der Wahrheitsgehalt in den „ historischen Romanen" analysiert. Dazu wird eine allgemeine Betrachtung vorangestellt und außerdem eine Untersuchung an Jugendbüchern selbst durchgeführt. Dabei geht es vor allem um das Erkennen von Informationen, die eine Verfälschung der eigentlichen Sachlage zur Folge haben. Auch die Perspektive, aus der die Handlung erfolgt, und wie die Personen handeln werden eine Rolle spielen. Die Untersuchung mündet in einem weiteren Schritt in einer Arbeitsempfehlung für den Unterricht. Dazu werden Methoden angeboten, die das historische Jugendbuch nicht in einer Einzelbetrachtung im Unterricht vorsehen, sondern eine Verknüpfungsmöglichkeit mit anderen Medien aufzeigen. Dabei soll das Jugendbuch möglichst im Einklang mit den anderen Medien funktionieren und die Grundlage für die Stoffeinheit bilden.

2. Das historische Jugendbuch

2.1 Definitionsversuch

Um eine verständliche Definition des Begriffs „historisches Jugendbüch" zu gewährleisten, muss unbedingt eine Betrachtung der Einzelbegrifflichkeiten erfolgen. „Historisches Jugendbuch" ist eine Wortgruppe, die sich aus dem Adjektiv historisch und dem Kompositum Jugendbuch zusammensetzt.

Als historisch gelten allgemein Dinge oder Sachverhalte, die aus der Vergangenheit stammen, also gewesen sind.1 Betrachtet man den Begriff in dieser Bedeutung, dann wäre ein „historisches Jugendbuch" ein „Roman" für Jugendliche aus der Vergangenheit. Dem ist aber nicht so. Historisch bezeichnet in der vorliegenden Terminologie ein Buch, welches einen historischen Sachverhalt aus einer gewissen zeitlichen Distanz darstellt.

Als Jugendliteratur werden alle Druckererzeugnisse verstanden, die sich an Mädchen und Jungen im Alter von 10 bis 16 Jahren richten und von diesen konsumiert werden.2 Dabei spielt es keine Rolle, ob der Inhalt der Bücher fiktives Geschehen erzählt oder auf wahren Tatsachen beruht. Der Begriff „historische Jugendliteratur" ist daher aus geschichtsdidaktischer Sicht eher irreführend. Trotzdem hat sich die Terminologie „historisches Jugendbuch" in der Geschichtsdidaktik gegenüber den Bezeichnungen „Geschichtsroman" oder „historischer Roman" durchgesetzt. Also ist ein „historisches Jugendbuch" nicht historisch, sondern ein Hardcover oder Paperback, das versucht einen historischen Sachverhalt einer bestimmten Zielgruppe (den Jugendlichen) anschaulich zu machen.

2.2 Historische Sachverhalte

Nachdem die „historische Jugendliteratur" definiert wurde, bedarf es einer inhaltlichen Konkretisierung. An diesem Punkt sollte davon ausgegangen werden, dass die historischen Sachverhalte nicht generell den gleichen Charakter haben müssen. Die verwendeten „Fakten" sind immer unterschiedlicher Art und Qualität, was sich wiederum auf den Grad der Historizität eines Jugendbuches auswirkt, da nicht jedem Buch eine gleiche fundierte Recherche voraus geht. Die Möglichkeiten für Darstellungen eines historischen Sachverhaltes in einer Romanform sind sehr unterschiedlich. Die Romanhandlung wird in die Vergangenheit projiziert. So etwas kann z.B. durch das Auftreten von historisch belegten Personen geschehen, die die Zuordnung zu einer bestimmten Zeit möglich machen. Des Weiteren kann der Bau eines historisch belegten Gebäudes in der Handlung erwähnt werden. Manchmal wird auch nur ein Milieu für das Romangeschehen genutzt. Z.B. kann hier eine mittelalterliche Stadt oder die Situation auf einer alten Burg als ein Ausgangspunkt der erzählten Handlung dienen. Die Städte und Burgen, aber auch die literarischen Figuren müssen nicht zwangsläufig historisch belegt sein. So könnte z.B. eine historisch belegte Person in einer historisch nicht belegten Örtlichkeit am Rande auftreten oder direkt in die Handlung eingreifen und sich historisch be- oder unbelegt äußern. Genau darin liegt auch einer der wichtigsten Streitpunkte (die Objektivität) in der historischen Jugendliteratur, auf den an späterer Stelle noch verwiesen werden soll. Durch die schnelle Nutzung des Wortes historisch ist der Grad der verwendeten historisch belegten Fakten nie im Voraus zu ersehen. Die Quintessenz aus diesem Abschnitt muss also lauten. Ein „historisches Jugendbuch" kann historisch belegte Sachverhalte in der Handlung beinhalten. Dies ist aber nicht zwingend notwendig. Es gibt sogar gegenteilige Bücher, die gar keine Sachverhalte aufgreifen, die einer gründlichen Recherche entspringen, sondern frei erfunden sind. Trotzdem können beide Buchtypen den Blick auf einen vergangenen Sachverhalt werfen.

2.3 Das historische Jugendbuch, eine Abgrenzung

Wie bereits unter 2.1. erwähnt, schließt der Begriff jugendbuch die Leser ¡m Alter von 10 bis 16 Jahren ein. Diese Einteilung ist nur ein grober Richtwert und soll nicht diejenigen ausklammern, die schon sehr früh Literatur konsumieren, die nicht explizit für ihr Alter bestimmt ist. Die Altersfestlegung ist eine Grundvoraussetzung für eine logische Betrachtung. Die Teens stellen natürlich auch in diesem kleinen Altersbereich eine äußerst heterogene Gruppe dar. Das „historische Jugendbuch" grenzt sich also auf einer Seite durch eine Altersgruppeneinteilung vom Kinderbuch und von der Erwachsenenliteratur ab. Monika Rox-Helmer führt dazu drei Definitionen für Jugendliteratur aus der Literaturwissenschaft an. Das wäre im Einzelnen. „1. Die Gesamtheit der von Jugendlichen rezipierten fiktionalen und nicht-fiktionalen Texte[...]" kann „als Jugendlektüre bezeichnet [.]" werden. „2. Die Gesamtheit der für Jugendliche als geeignet empfundenen Literatur wird als intentionale Jugendliteratur bezeichnet.[...] 3. Die Gesamtheit der speziell für Jugendliche geschriebenen fiktionalen und nicht- fiktionalen Texte gilt als spezifische Jugendliteratur.[...]"3 Damit ist eine Abgrenzung für das Jugendbuch zu Kinder- und Erwachsenenliteratur vollzogen. Auf der anderen Seite grenzt sich das „historische Jugendbuch" natürlich durch seine Inhalte von anderer Literatur ab. Doch auch hier sind „die Übergänge zwischen den einzelnen Genres [...] fließend."4 5 Eine ganz klare Trennlinie lässt sich zwar zu Jugendbuchreihen wie „Drei Fragezeichen" oder „Sternenschweif" erkennen, dennoch entstehen in vielen Bereichen Überschneidungen. Eine Ursache könnte dabei die Einbettung des historischen Stoffs in eine Rahmenhandlung sein, die sich rückblickend mit dem Vergangenen beschäftigt. Eine andere Ursache wäre vielleicht die Form der Darstellung, also erzählte Geschichte.5 Beide Gestaltungsformen werden mit den heutigen Mitteln und mit unserem momentanen Verständnis von Jugendliteratur und Geschichte eingesetzt. Michael Sauer stellt in seinem Artikel „Jugendliteratur und Geschichtserzählung" eine andere Art der gestalterischen Überschneidung fest. Mit den Worten „ Für beide Gattungen g[e]lten letztlich auch dieselben klassischen Methodenrezepte („dramatisiere", „motiviere", „personifiziere", „lokalisiere", „kostümiere")."6 bringt er zum Ausdruck, wie dicht zwei Literaturgattungen miteinander verwandt sein können. Und genau das macht eine klare inhaltliche Trennung von „historischer Jugendliteratur" so schwer. Die dramatischen Szenen in einer Jugendbuchreihe, wie „TKKG" und deren Erzählperspektive sind mit denen von „historischen Jugendbüchern", wie z.B. „Gib mir meine Legionen wieder" identisch und für die Heranwachsenden der jetzigen Zeit mit den gleichen sprachlichen Wendungen geschrieben. Äußerst schwierig gestaltet sich deshalb auch die Verwendung der gleichen zeitlichen Epochen in verschiedenen Genres. Eine solche Vermischung gibt es z.B. sehr häufig in Fantasyliteratur. Der Hintergrund der Fantasyerzählung ist normalerweise eine fiktive Welt. Allerdings orientiert sich die Fantasy oft an den Gesellschaftsstrukturen von historischen Epochen. Häufig spielt das europäische Mittelalter eine entscheidende Rolle, seltener die Eisenzeit oder die Renaissance. In der Kinder- und Jugendliteratur ist jedoch in den meisten Fällen das europäische Mittelalter Vorbild. Dadurch ist die Welt der Fantasygeschichten technologisch und kulturell gesehen, meist auf einem Stand, der heutzutage als rückständig bezeichnet wird. Häufig bedient sich die Fantasy auch des Feudalismus, der politischen Ordnung des europäischen Mittelalters. Und genau deshalb rücken Fantasyromane in der Erzählhaltung meist in die Nähe der historischen Romane. Besonders auffällig ist auch, dass Politik und Religion in der Fantasy oftmals eine Einheit bilden und somit einer verherrlichten Form der mittelalterlichen Ordnung nahe kommen."7 Mit diesem Beispiel für die große Schnittmenge zweier Textgattungen sollen die Ausführungen in Bezug auf eine Abgrenzung zu anderen Genres an dieser Stelle enden. Es sollte klar geworden sein, dass eine generelle Kategorisierung weder von der äußeren Form noch vom Inhalt möglich ist. Es gibt „historische Jugendbücher", die hier idealtypisch angeführt werden könnten. Die Schnittmengen zwischen verschiedenen Genres und die vielen Mischformen sind aber sehr groß und bedürfen einer genauen Betrachtung.

3. Unterschiede zu anderen Medien im Geschichtsunterricht

3.1 Vergleich zwischen historischem Jugendbuch und Quelle

Im Unterschied zur Quelle erhebt das historische Jugendbuch nicht zwangsläufig den Anspruch auf Authentizität. Der Literat braucht nicht zwangsläufig auf die Richtigkeit seiner Fakten achten und muss auch nicht auf die logische Verknüpfung von historischen Begebenheiten sein Augenmerk richten. Dass eine lange Recherche, ein fundiertes Sachwissen etc. doch äußerst häufig zum Tragen kommen, soll an anderer Stelle weiter vertieft werden. Es muss dem Leser nur klar sein, dass das „historische Jugendbuch" in erster Linie für den Verkauf produziert wird. Der wesentliche Unterschied zwischen dem „historischen Jugendbuch" und der Quelle ist der zeitliche Abstand. Während der „historische Roman" auf ein geschichtliches Ereignis reflektiert, ist die Quelle selbst Geschichte. Damit ist der eigentliche Unterschied benannt. Es gibt verschiedene Quellencharaktere. Rosemarie Günther unterteilt diese in zwei Kategorien.8 Auf der einen Seite gibt es die schriftlichen Quellen, die sich in unmittelbare (Überrest) und mittelbare (Tradition) Quellen unterteilen. Auf der anderen Seite nennt sie die schriftlosen Quellen, die sich wiederum in gegenständliche und abstrakte Quellen untergliedern. Diese Quellen haben natürlich eine ganz andere Aussagekraft als ein historischer Roman. Leider sind solche historischen Quellen nur teilweise zugänglich und eine historische Handlung, die sich um ein solches Relikt rankt, kann oft nur in unserer eigenen Phantasie entstehen. Im historischen Jugendbuch wird die Story gleich mit den Geschichtsdaten geliefert. Das macht es den Jugendlichen leichter, Licht in ihr „Geschichtsdunkel" zu bringen. Die Möglichkeit, historische Zusammenhänge kompakter und verständlicher aufgearbeitet zu bekommen, verstärkt sich noch zusätzlich durch den Fakt, dass die alten schriftlichen Quellen in anderen Sprachen oder auf Grund der Sprachentwicklung der deutschen Sprache sowie der Sprachlandschaften in dem heutigen Leser schwer zugänglicher Form verfasst wurden. Die gegenständlichen Quellen weisen meist einen hohen Verwitterungsgrad auf und die eigene Phantasie streikt, wenn außer ein paar „Knochen und einer Haarspange" nichts für die Rekonstruktion einer „Geschichte" da ist. Die Erkenntnis aus diesem Kapitel lautet, dass eine Quelle im Gegensatz zu einem Geschichtsroman aus der Zeit stammt, auf die der Roman reflektiert. Wenn es keine Fälschung aus einer späteren Zeit ist (die dann auch nicht als Quelle aus der Zeit bezeichnet werden darf), handelt es sich um eine echte Quelle. Die Aussagekraft einer Quelle (der Inhalt) kann von einer unterschiedlichen Art sein. Häufig haben bestimmte Alltäglichkeiten ungeplant die Zeit überdauert und liegen nun ohne direkte Aussage vor. Es gibt aber auch Inhalte, die bewusst anderen Generationen zugänglich gemacht werden sollen. Diese beabsichtigten und nicht beabsichtigten zu „Papier" gebrachten Inhalte des Verfassers verändern die Quellen in ihrem Charakter. Nur die Wahl der korrekten Fragestellung kann in diesem Fall eine zum Thema passende Aussage durch die Quelle garantieren. Wenn man z.B. den Brief eines Kaufmanns an seinen Bruder findet und in diesem etwas über die Geschäfte steht, dann hat diese Quelle Aussagekraft über den Handel in der Zeit X. Ist es jedoch einen Brief, in dem sich ein Kaufmann seiner selbst lobt, dann muss die Fragestellung eher auf die Sichtweise dieser Person gerichtet sein. Eine „realistische" Aussage über den Handel in der Zeit X zu treffen ist dann nicht direkt gegeben. Aber, es besteht die Möglichkeit eine Aussage über den Handel aus der Sicht des Kaufmanns in der Zeit X zu machen.

3.2 Vergleich zwischen historischem Jugendbuch und dem Sachtext

Der Sachtext ist eine „Mischform" zwischen der Quelle und dem „historischen Jugendbuch". Er besitzt einige Merkmale beider Textsorten. Was ist eigentlich ein Sachtext? Ein Sachtext soll jemanden mit sehr vielen Informationen zu einem bestimmten Sachverhalt versorgen. Die Fakten werden aber nicht einfach aufgezählt, sondern in einem Text gebunden transferiert. Bei den Informationen eines Sachtextes im Geschichtsunterricht handelt es sich im Normalfall um Schriftstücke mit historisch belegbaren Fakten. Das sollte zumindest das oberste Gebot sein.

[...]


1 Vgl. Rox-Helmer, M.: Jugendbücher im Geschichtsunterricht, S.12.

2 Vgl. Veit, G.: Historische Jugendliteratur, S.440.

3 Rox-Helmer, M.: Jugendbücher im Geschichtsunterricht, S.12.

4 Rox-Helmer, M.: Jugendbücher im Geschichtsunterricht, S.13, zweiter Absatz.

5 Sauer, M.: Geschichte lernen 71, S. 18 Arten des Erzählens.

6 Sauer, M.: Geschichte lernen 71, S. 18

7 Vgl. http://library.thinkquest.org/4155/fantasy.html u. http://lexikon.meyers.de/meyers/Fantasy .

8 Vgl. Günther, Rosemarie: Einführung in das Studium der Alten Geschichte, S.64.

Details

Seiten
24
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656066590
Dateigröße
622 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182816
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Geschichte
Note
2,0
Schlagworte
Jugendbuch historisches Jugendbuch Geschichtsunterricht Prof. Dr. Dietmar von Reeken Bilder und historisches Lernen Geschichte

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Titel: Das historische Jugendbuch