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Zur Bedeutung des Übergangs von der Schule ins Berufsleben

Seminararbeit 2010 18 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Psychologische und soziologische Aspekte zum Übergang zwischen Schule und Beruf
1.1 Der Übergang vom Schüler zum Arbeitnehmer
1.2 Die Transition als Entwicklungsaufgabe

2 Überblick zur Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt
2.1 Verbleib der Schulabgänger nach dem Abschluss
2.2 Die Struktur des Ausbildungsstellenmarktes
2.2.1 Der Ausbildungsstellenmarkt im regionalen Vergleich
2.2.2 Zur zeitliche Entwicklung des Ausbildungsstellenmarktes
2.2.3 Neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge nach Berufsgruppen
2.3 Die aktuelle Verteilung der Berufsausbildungsstellen und deren Bewerber im Jahr

Schluss

Literatur- und Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Mit der Erfüllung der Schulpflicht stellt sich für Jugendliche im Alter zwischen 15 und 20 Jahren die Frage nach ihrer weiteren (Aus-)Bildung. Jedes Jahr starten dann bundesweit um die 500.000 Jugendlichen ihr neues Leben in der Arbeitswelt.1 Die vorliegende Arbeit hat es sich zum Ziel gesetzt, den Prozess des Übergangs von der Schule in die Arbeitswelt von unterschiedlichen Warten aus zu beleuchten:

Das erste Kapitel dieser Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, welche grundlegende Veränderungen und neuen Anforderungen auf einen jungen Menschen zukommen, wenn er nach dem Schulabschluss in ein Arbeitsverhältnis eintritt. Dabei werden in erster Linie psychologische und soziologische Denkansätze herangezogen.

Im zweiten Abschnitt soll dann ein kurzer Überblick über die allgemeine Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt in Deutschland gegeben werden. Dabei spielen die Struktur des Ausbildungsmarktes sowie die Relation zwischen dem Angebot an Ausbildungsstellen und der Anzahl der Bewerber für die jeweiligen Berufsgruppen eine wichtige Rolle.

1 Psychologische und soziologische Aspekte zum Übergang zwischen Schule und Beruf

1.1 Der Übergang vom Schüler zum Arbeitnehmer

Die Entwicklung eigener Berufs- und Lebensvorstellungen findet bei Jugendlichen meist schon vor Beendigung ihrer Schulkarriere statt. Doch schon diese Stufe der Berufsorientierung ist mit vielen Unsicherheiten und Fragen verbunden. Erst später wird sich jedoch herausstellen, ob die eigenen Wünsche auch zu realisieren sein werden.2

Für Schulabgänger bedeutet der Übergang von der Schule in ein Ausbildungsverhältnis in erster Linie ein Herausgelöstwerden aus einem Umfeld, das ihnen aus sozialer und räumlicher Sicht bekannt ist. Dabei findet nicht nur eine Loslösung von gewohnten Lebensmustern, sondern auch ein Hineinwachsen in eine völlig neue Lebensaufgabe statt:

Der Auszubildende muss sich in seinem neuen Umfeld eigenständig orientieren seine Identität und auch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe neu definieren. Die Rolle, die der Jugendliche in seinem bisherigen Leben vor allem im Kontext der Schule behauptete hat, wird hinfällig. Am Arbeitsplatz wird verlangt, dass sich der neue Mitarbeiter seinem Vorgesetzten unterordnet, die betrieblichen Regeln befolgt und sein Können durch gute Leistungen jeden Tag neu unter Beweis stellt. Diese Problematik wird mit dem Begriff der beruflichen Sozialisation überschrieben.3

Des Weiteren unterscheidet sich das schulische Erfahrungsfeld auch unter dem Aspekt des Lernens enorm von dem der Ausbildungsstätte. „Schulisches Lernen“ bedeutet weitgehend reaktives und passives Lernen, das in weiten Bereichen fremdbestimmt wird und situativ orientiert abläuft. Dabei werden thematisch unterschiedliche Wissensgebiete angeeignet und für eine bestmöglichste Leistungsbewertung reproduziert. Hier erfolgt das Lernen unter Konkurrenz im Klassenverband mit Gleichaltrigen.

Die größte Umstellung besteht beim betrieblichen Lernen in der zeitlichen Ausdehnung des Arbeitstages. Bei einem durchgängigen, achtstündigen Arbeitstag steht der Auszubildende ständig unter hohem psychischen und physische. Zudem werden neue Anforderungen an die Arbeitsleistungen gestellt, die sich mit den Reproduktionsleistungen des schulischen Wissens nicht vergleichen lassen Im Gegensatz zur Schulzeit ist auch eine freie Zeiteinteilung des Alltags nicht mehr uneingeschränkt möglich. Als Auszubildender trägt man auch für seine Kollegen und den ganzen Betrieb eine hohe Verantwortung, da bei einem Fernbleiben von der Arbeitsstelle sofort eine Vertretung gefunden werden muss und dadurch sogar eine Verzögerung des betrieblichen Ablaufs hervorgerufen werden kann. Dieser Druck wächst mit der Verantwortung, die einem Auszubildender im Laufe seiner Arbeitstätigkeit übertragen wird. Bei der Bewältigung dieser neuen Situation stellen für Sardei-Biermann vor allem Unsicherheit, Anpassungs- und Ordnungsdruck, sowie die Abhängigkeit vom Vorgesetzten die größten Probleme der Jugendlichen dar.4

1.2 Die Transition als Entwicklungsaufgabe

„Wenn man als Schüler den Schulabschluß [sic!] macht und geht dann in die Lehre, dann findet man doch eine ganz andere Welt vor, auf die uns keiner ausreichend vorbereit hat […].“, sagt ein Auszubildender im ersten Lehrjahr rückblickend über den Übergang von der Schule in die Erwerbstätigkeit. Wie im vorherigen Kapitel schon beschrieben ist auch diesem Zitat zu entnehmen, dass sich die Arbeitswelt sehr vom schulischen Umfeld unterscheidet. Welche Unterschiede genau zwischen dem Leben als Schüler und dem Leben als Arbeiter bestehen und welche neuen Anforderungen an einen Jugendlichen gestellt werden soll im Folgenden geklärt werden.

Der Übergang von der Schule in den Beruf lässt sich unter dem Begriff Transition zusammenfassen. Zur Bewältigung dieses Überganges benötigen die Jugendlichen vor allem soziale Kompetenzen wie Selbstvertrauen, Problemlösefertigkeiten, körperliche Gesundheit und die Fähigkeit zur Bewältigung von Stress.5 Dieser Prozess kann als Entwicklungsaufgabe verstanden werden, bei der die Jugendlichen in bestimmte Anforderungen hineinwachsen müssen. Die Anforderungen können nach Griebel auf einer individuellen, interaktionalen oder kontextuellen Ebene entstehen. Im nächsten Abschnitt sollen die einzelnen Ebenen kurz erklärt werden:

Individuelle Ebene:

- Veränderung der Identität: Vom Schüler zum Arbeitnehmer
- Bewältigung starker Emotionen, z.B. Vorfreude und Neugier oder Unsicherheit und Versagensängste
- Kompetenzerwerb: Zugewinn von Selbstständigkeit, Kulturtechniken und neuen Verhaltensweisen

Interaktionale Ebene:

- Aufnahme neuer Beziehungen, z.B. zwischen Ausbilder und Schüler
- Veränderung und Loslösung aus bestehenden Beziehungsverhältnissen, z.B. von Mitschülern, Familie und Freundeskreis
- Rollenzuwachs: Zur Rolle des Kindes in der Familie und des Freundes kommt die des Arbeitnehmers

Kontextuelle Ebenen:

- Integration von mehreren Lebensbereichen: Familie, Freunde und Arbeit
- Wechsel des Curriculums: Geregelte Arbeitszeiten (z.B. Schichtarbeit) anstelle des Stundenplans6

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Übergang von der Schule in den Beruf und in die Arbeitswelt für Jugendliche in erster Linie den Wechsel von einem Leben als Schüler zu einem Leben als Berufstätige(r) auf der Basis von Lohnarbeit bedeutet. Im sozialen Kontext inkorporiert dies gleichzeitig die Ablösung von der Herkunftsfamilie und eine davon unabhängige Beschaffung des eigenen Lebensunterhaltes.7

2 Überblick zur aktuelle Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt

2.1 Verbleib der Schulabgänger nach dem Abschluss

Bevor im folgenden Teil dieser Arbeit hauptsächlich auf den Übergang von Schulabgängern in eine Erwerbstätigkeit bzw. Ausbildung eingegangen wird, soll ein kurzer Blick auf alle Schulabgänger und deren Verbleib im Weiterbildungssystem geworfen werden.

Nach einem gelungenen Schulabschluss bietet sich den Abgängern eine Vielzahl an Möglichkeiten um ihr weiteres Leben zu gestalten. Je nach Schulabschluss sind neben der Aufnahme eines Studiums oder Praktikums auch der Einstieg in die Berufsausbildung oder einer sich an die Schulbildung anschließenden Maßnahme möglich. Auffällig ist dabei, dass von den 534.605 gemeldeten Bewerbern immerhin 263.797 Personen eine Berufsausbildung bzw. Bewerbstätigkeit anstreben. Für Schule, Praktikum oder Studium entscheiden sich demnach nur insgesamt 70.688 Aspiranten. Bei den Gemeinnützigen und sozialen Diensten sind es 6.742 Bewerber, während sich bei den Fördermaßnahmen wie beispielsweise den berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen immerhin 19.771 Bewerber melden.8 Die folgende Grafik stellt die Verteilung der [Bewerber und Bewerberinnen]9 im Berichtsjahr 2009/2010 noch einmal anschaulich dar:

[...]


1 Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2010), S.17. 3

2 Vgl. Sardei-Biermann (1984), S. 1.

3 Vgl. Jungmann (2004), S. 171ff.

4 Vgl. Sardei-Biermann (1984), S.191ff.

5 Vgl., Ebd. 38.

6 Vgl. Griebel (2004), S. 34.

7 Vgl. Sardei-Biermann (1984), S.2.

8 Vgl. Ebd., S. 8.

9 Werden im Folgenden geschlechtsneutral als Bewerber bezeichnet.

Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656067788
Dateigröße
581 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182791
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
1,0
Schlagworte
bedeutung übergangs schule berufsleben
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