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Die Außenpolitik Konrad Adenauers: Präferenz für die Westintegration (1949-1955)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 20 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1 Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg
1.1 Deutschlands geopolitische Mittellage
1.2 Teilung Deutschlands

2 Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland 1949-1955
2.1 Petersberger Abkommen
2.2 Gegenkonzepte der Adenauer Ära
2.2.1 Jakob Kaiser und der „Dritte Weg"
2.2.2 Kurt Schumacher und der Primat der Wiedervereinigung
2.3 Konrad Adenauer
2.4 Der Beitritt zum Europarat und die Saar-Frage
2.5 Der Schuman Plan und EGKS

3 Adenauers Konzept der Sicherheit
3.1 Korea-Krieg und Wiederbewaffnung
3.2 Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG)
3.3 NATO und EWG

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Ein jeglicher versucht sein Glück,

Doch schmal nur ist die Bahn zum Rennen,

Der Wagen rollt, die Achsen brennen,

Der Held dringt kühn voran, der Schwächling bleibt zurück,

Der Stolze fällt mit lächerlichem Falle.

Der Kluge überholt sie alle." (Schiller 1968: 309; zit. nach: Schwarz 1991: 105)

Diese Schillersche Maxime gilt dem Kampf zwischen Übermut und Klugheit. Die Verse können besser als lange Ausführungen charakterisieren, wie sich der erste Bundeskanzler Adenauer bei dem Bestreben leiten ließ, den Rang Deutschlands in der Staatengesellschaft wiederherzustellen (vgl. Schwarz 1991: 105). In dieser Hausarbeit beschäftige ich mich mit der Westintegrationsphase unter Konrad Adenauer nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1955. Als Frage stellt sich die Arbeit, ob die Westintegration für Deutschland der beste Weg war oder nicht? Wie Adenauer die Westbindung und Westintegration vorangetrieben hatte, wird in dieser Arbeit analysiert.

1 Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg

Mit der Kapitulation der Wehrmacht am 7. und 8. Mai 1945 endete in Europa ein Krieg, der großes Leid, Tod und Zerstörung über die beteiligten Staaten gebracht hatte. Die materiellen, politischen und moralischen Folgen waren kaum abzuschätzen. Angesichts der aggressiven Expansions- und Eroberungspolitik des Dritten Reiches hatten die Alliierten bereits Anfang 1943 die Forderung nach „unconditional surrender“ erhoben1. Deutschland war zum Objekt der Alliierten geworden (vgl. Recker 2002: 12).

1.1 Deutschlands geopolitische Mittellage

Deutsche Machtposition wurde durch Besatzungsstatus, Demontagen und Zerstörung geschwächt. Das verursachte ständige Sicherheitsbedrohung zwischen dem Westen und Osten. Adenauer begriff den Kalten Krieg als ein Machtkampf zwischen der Sowjetunion und den freien Völkern des Westens (Küsters 2001: 175), was er auch in Wirklichkeit war. Die Gründe des Kalten Krieges waren die höchst widersprüchliche politische, geopolitische und ideologische Systeme (Hanrieder 1995: 148) des Westen und Sowjetunion. Unbeschadet aller weltanschaulichen Fundierung begriff Adenauer sich als Realpolitiker, der seine eigene Außenpolitik nicht weltanschaulich geostrategisch begründet hatte. Am 18. Oktober 1952 vor dem 3. Bundesparteitag der CDU sagte er, dass als Deutschland schon eine der ersten Großmächte der Welt war, zu Zeiten Bismarcks, hat Bismarck sich bemüht, Freunde für das Land zu finden und führt hinzu, dass: „da nach seiner Meinung [Bismarck] schon damals Deutschland wegen seiner geographischen Lage dauernde Sicherheit nur im Zusammengehen mit anderen Mächten finden konnte. Heute ist die Lage Deutschlands unendlich viel schlechter, als sie damals war, weil es ja doch völlig hilflos mitten in einem Spannungsfeld liegt" (zit.nach: Schwarz 2004: 83). Unter diesen Umständen war Adenauer überzeugt, dass nur eine Westbindung Deutschland aus seiner unbequemen geopolitischen Situation der Mittellage „befreien könnte" (vgl. Tetzlaff 2001: 169).

1.2 Teilung Deutschlands

Mit der Potsdamer Konferenz 1945 wurde die Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen vereinbart, wobei die Gebiete jenseits von Oder und Neiße sowie das Saarland unter einen Sonderstatus fielen. Auf dieser Konferenz einigten sich die Besatzungsmächte auf Grundregeln einer gemeinsamen Besatzungspolitik (Geppert 2002: 39). Nach den Beschlüssen der S iegermäc ht e so llt e Deut schla nd vo llst änd ig und dauerhaft entwaffnet und sein wirtschaftliches Kriegspotential zerstört werden. Den Nationalsozialismus wollte man ausrotten und diejenigen Deutschen verfolgen und bestrafen. Nach e iner sc ho n ze it genö ssis ch verbre it et en Fo rmu lierung war die Besatzungspolitik der Alliierten von den „vier D' s": Demilitarisierung, Denazifizierung, Dekartellisierung, Demontage und Demokratisierung (Recker 2002: 12) bestimmt.

Das lange Telegramm von George F. Kennan2, das der Botschaftsrat der US-Botschaft in Moskau an das Weiße Haus verschickte, legte den Grundstein zur amerikanischen Politik der Eindämmung der UdSSR, die unter der Bezeichnung „ containment policy" bekannt wurde. Auch in Großbritannien bereitete man sich inzwischen auf die Möglichkeit einer Teilung Deutschlands in eine sowjetisch dominierte und eine westliche Zone (Geppert 2002: 4) vor. Die entscheidenden Weichen zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurden im Frühjahr 1948 auf einer Sechs-M ä chte-Konferenz in London gestellt. Die drei Westalliierten sowie die Benelux-Staaten einigten sich darauf, die westdeutschen Ministerpräsidenten zu autorisieren, eine verfassungsgebende Versammlung einzuberufen. Gleichzeitig sollten die Beziehungen zwischen diesem Staat und den Westmächten durch ein Besatzungsstatus geregelt werden, in dem die Befugnisse der künftigen westdeutschen Regierung festgeschrieben und von den Rechten abgegrenzt würde, die nach wie vor den Alliierten zustehen sollten (Recker 2002: 20).

Mit dem Grundgesetz (8. Mai 1949) war die Basis für eine parlamentarische Demokratie in Deutschland gelegt. Allerdings stand die junge Bundesrepublik noch immer unter der Vormundschaft der Alliierten Hohen Kommission, die im September 1949 an die Stelle der Miilitärgouverneure getreten war. Nach dem Besatzungsstatus verfügten die drei Westmächte nicht nur über die Souveränität, sondern bestimmten auch die Au ß en- und Au ß enhandelspolitik des neuen Staates. Darüber hinaus garantierten sie dessen Sicherheit und übten auch eine generelle Kontrolle über die Politik der Bundesregierung aus. Bis 1955 konnten diese Vorbehaltsrechte schließlich in mehreren Schritten abgebaut werden. Parallel zur Konstituierung der Bundesorgane in Bonn war am 7. Oktober 1949 auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone die „Deutsche Demokratische Republik" gegründet worden. Mit dem Doppelschritt der westlichen und östlichen Staatsgründung war die deutsche Frage bis auf weiteres im Sinne von zwei Teilstaaten entschieden, wenn auch der Wiedervereinigugnsanspruch in West und Ost hochgehalten wurde (Recker 2002: 24).

2 Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland 1949-1955

Nach der Gründung und Bildung der ersten Bundesregierung hatte die Bundesrepublik Deutschland zunächst keine außenpolitische Handlungsfähigkeit. Die außenpolitische Handlungsfähigkeit der Bundesrepublik hatten die Besatzungsmächte vorbehalten. Adenauer wollte durch die Westbindung und -integration, dass die Bundesrepublik zu einem gleichberechtigten souveränen Staat wird. Die Vormundschaft der Siegermächte dauerte bis 1955. Andererseits konnte die westliche Vormacht USA durch Westbindung Deutschland Sicherheit gewährleisten (Sontheimer 1991: 159). Für Adenauer war der einzige Weg zur Freiheit „der, dass wir im Einvernehmen mit der Hohen Alliierten Kommission unsere Freiheiten und unsere Zuständigkeiten Stück für Stück zu erweitern versuchen" (Schwarz 1975: 153 f.). Wie aus dem Zitat zu verstehen ist, er sah als einziger Weg zur Freiheit die Westintegration der Bundesrepublik.

2.1 Petersberger Abkommen

Die beiden konfliktreichsten Aspekte der Beziehungen zu den Westmächten waren die eng miteinander verwobenen Fragen der Demontage und der Entsendung deutscher Vertreter in die Ruhrbehörde. Die Amerikaner, die offenen Aufruhr und Verschlechterung der Beziehungen fürchteten, drängten die Regierungen in London und Paris zur Beendigung der Demontagepolitik. Auch aus Adenauers Sicht war ein Erfolg in dieser Frage zentral. Die deutsche Bevölkerung maß seine Regierung nicht zuletzt daran, welche Fortschritte sie in diesem Punkt erzielte. Die Westintegration der Bundesrepublik würde kaum Zustimmung finden, wenn schon hierbei keine Einigkeit mit den Alliierten zu erzielen war. Nachdem der br it isc he Auß enminist er Erne st Bevin (1881-1951) auf die amerikanische Linie ein geschwenkt war, einigte man sich auf einen Kompromiss: Die Demontagen wurden nicht völlig beendet, aber drastisch reduziert (Geppert 2002: 38). Mit dem Petersberger Abkommen- zwischen der Bundesrepublik und den westlichen Siegerm ä chten vom 22. November 1949 wurden einige Demontagen gestoppt. Die Kontrolle der Schwerindustriellen Produktion wurde unter der Beteiligung der Bundesrepublik vereinbart. Dieser Schritt war erster wichtige Schritt in Richtung Westintegration.

Adenauer hatte das Parlament bei den Verhandlungen nicht eingeschaltet. Die Opposition kritisierte ihn scharf und bewertete das Abkommen als Sieg für Frankreich. Laut Opposition kam er den Siegermächten bei der Frage der Ruhrkontrolle unnötig entgegen. Schumacher beschimpfte Adenauer in einem wütenden Zwischenruf in der Bundestagsdebatte vom 24. November als „ Kanzler der Alliierten", was ihm eine mehrtägige Verbannung aus dem Parlament einbrachte. Der Vorwurf war ungerecht und überzogen, da Adenauer von einer Position der Schwäche aus verhandeln sollte. Er konnte kaum Zugeständnisse erreichen, die über das hinausgingen, was die westlichen Außenminister zuvor unter sich vereinbart hatten. Mit dem Vertrag wurde beabsichtigt, „die Beziehungen auf der Grundlage gegenseitigen Vertrauens fortschreitend zu entwickeln", gleichzeitig versprach man „die Zusammenarbeit Deutschlands mit den westeuropäischen Ländern auf allen Gebieten" zu fördern (Geppert 2002: 39). Laut Tetzlaff (2001: 176) war Adenauer mehr als „Kanzler der Alliierten", wie die Opposition spottete. Die Wiedervereinigung Deutschlands - sein übergeordnetes Fernziel - wäre durch bilaterale Politik, welcher Art auch immer, damals nicht zu erreichen gewesen.

2.2 Gegenkonzepte der Adenauer Ära

Die Ära Adenauer gehört zu den umkämpftesten und umstrittensten Perioden in der Geschichte der Bundesrepublik, sagt Sontheimer . Er hat der Zeit, in der er als Bundeskanzler wirkte, seinen Namen gegeben (Sontheimer 1991: 8, 16).

2.2.1 Jakob Kaiser und der „Dritte Weg"

Bevor sich seit 1947 der Kalte Krieg verschärfte, dachten viele darüber nach, wie man mit der sowjetischen Zustimmung ein geeintes Deutschland bewahren bzw. wiederherstellen könnte. Naturgemäß beschäftigte diese Frage besonders Politiker, die in der SBZ (Sowjetische Besatzungszone) wirkten und darauf angewiesen waren, sich mit der Besatzungsmacht zu arrangieren (Geppert 2002:34). Der profilierteste unter ihnen war Jakob Kaiser (1888-1961)3. Er formulierte 1946 „ Brücke zu sein zwischen Ost und West".

[...]


1 Damit verlangten sie vom besiegten Gegner nicht nur eine militärische Übergabe, sondern eine staatliches ihnen ermöglichen würde, dessen Territorium zu besetzen und eine Friedensregelung nach eigenem Gutdünken zu treffen (Recker 2002: 12).

2 In seinem Langen Telegramm beschrieb Kennan, der sich seit Anfang 1945 für ein Ende der Zusammenarbeit mit der Sowjetunion ausgesprochen hatte, die UdSSR als eine von ihrer polizeistaatlichen Struktur und ihrer asiatischen Tradition her notwendigerweise misstrauische und aggressive Macht. Sie sei darauf aus, „die innere Harmonie unserer Gesellschaft, unsere traditionellen Lebensgewohnheiten und das internationale Ansehen unseres Staates zu zerstören". Die westliche Welt müsse wegen der sowjetischen Ausdehnungsbedrohung unter amerikanischer Führung stabilisiert werden. Zwei Wochen später dehnte der Diplomat seine Analyse in einem zweiten Telegramm auf die sowjetische Deutschlandpolitik aus. Als deren Ziel glaubte er den Aufbau einer „antifaschistischen deutschen Republik" und langfristig eines sozialistischen deutschen Staates nach sowjetischem Vorbild zu erkennen. (Geppert 2002:.4)

3 Nachdem ihn die SMAD knapp 1947 abgesetzt und seine politische Tätigkeit in der SBZ unmöglich gemacht hatte, saß er war die CDU im Parlamentarischen Rat und später von 1949 bis 1957 im Bundestag. In den ersten beiden Kabinetten Adenauer war Kaiser Minister für Gesamtdeutsche Fragen.

Details

Seiten
20
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783656066729
ISBN (Buch)
9783656066293
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182752
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Institut für Politische Wissenschaft
Schlagworte
außenpolitik konrad adenauers präferenz westintegration

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