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Kreativer Umgang mit einem Gedicht - "Augen in der Großstadt" von Kurt Tucholsky (1930)

Unterrichtsentwurf 2009 14 Seiten

Didaktik - Germanistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Allgemeine Pädagogische Situation
1.1 Anthropologische Bedingungen
1.2 Institutionelle Bedingungen

2 Analytischer Teil
2.1 Sachanalyse
2.1.1 Die Epoche des Expressionismus (1910-1925)
2.1.2 Der Autor
2.1.3 Inhaltsangabe
2.1.4 Interpretation
2.1.5 Sprache und Form
2.1.6 Schwerpunkte im Gedicht
2.2 Didaktische Analyse
2.2.1 Bezug zum Bildungsplan

3 Synthetischer Teil
3.1 Kompetenten und Stundenziele
3.1.1 Fachkompetenzen
3.1.2 Personale und soziale Kompetenzen
3.1.3 Methodische Kompetenzen
3.1.4 Stundenziel
3.2 Methodische Planung
3.2.1 Begrüßung
3.2.2 Einstieg
3.2.3 Vertiefung
3.2.4 Erarbeitung
3.2.5 Präsentation
3.2.6 Weiterführung
3.2.7 Verabschiedung

Literaturverzeichnis

1 Allgemeine Pädagogische Situation

Im Zuge meines Tagespraktikums im Fach Deutsch habe ich die Klasse 8 der in am unterrichtet. Natürlich ist es in der kurzen Zeit, die wir mit der Klasse verbringen können, schwierig, die Klassensituation erschöpfend beurteilen zu können. Deshalb müssen persönliche Entwicklungen der [Schüler und Schülerinnen]1 sowie detaillierte Informationen zur schulischen Ausstattung weitgehend unberücksichtigt bleiben.

1.2 Anthropologische Bedingungen

Die Klasse 8 besteht aus 29 Schülerinnen und Schülern, wobei die Lerngruppe sich aus 12 Jungen und 17 Mädchen zusammensetzt.

Im Allgemeinen lässt sich festhalten, dass es sich bei der 8 um eine sehr lebendige und aufgeschlossene Klasse handelt. Dieses Verhalten äußert sich zwar in häufigen Wortmeldungen und Beiträgen, andererseits ist es aber aufgrund der Geschwätzigkeit oft schwierig die Aufmerksamkeit der Schüler auf den Unterrichtsgegenstand zu richten. Dennoch verfolgen die meisten Schüler den Unterricht mit Interesse und ein effektives Arbeiten ist vor allem bei einem schülerzentrierten Unterricht mit großen Anteilen an selbstständigen Erarbeitungsphasen möglich.

Weiterhin stellt das Zuspätkommen einiger Schüler ein großes Problem dar, da dadurch der Unterricht immer wieder unterbochen werden muss und Unruhe in die gesamte Klasse gebracht wird. Die Klassenlehrerin hat schon oft Versuche unternommen, dieses Verhalten beispielsweise durch Gespräche mit den Eltern zu unterbinden, was aber nur teilweise gelungen ist. Besonders und sind oftmals von diesem Problem betroffen. Bei dem Schüler ist eine Schlafstörung festgestellt worden, wegen der er nun in Behandlung ist. Während des Unterrichts fallen oftmals und aufgrund lautstarker Unterhaltungen negativ auf, was meist eine Zurechtweisung des Lehrers ach sich zieht. Die eben erwähnte Schülerin verhält sich im Unterrichtsgeschehen oft auffällig, da es ihr schwer fällt, sich den im Unterricht herrschenden Regeln zu unterwerfen.

Deshalb ist es wichtig, dass der Lehrer ihr besondere Aufmerksamkeit schenkt, sie zur Mitarbeit ermutigt oder ihr Verhalten reguliert. Noch besonders zu erwähnen ist der ein distanziertes und isoliertes Verhalten aufweist und sich nur selten in andere Gruppen integrieren möchte. Der Schüler ist aber keineswegs als Außenseiter anzusehen, da dieser Zustand von ihm selbst so erwünscht ist. Aufgrund der städtischen Lage der Realschule ist der Migrantenanteil der Schüler ziemlich hoch, was vom unterrichtenden Lehrer auch beachtet werden muss. Die Schülerinnen und Schüler stammen aus und dem nahen Umkreis und erreichen die Schule per Fuß, Bus oder Bahn.

1.1 Institutionelle Bedingungen

Die wird von 771 Schülern besucht und die 27 Klassen werden von 48 Lehrkräften unterrichtet. Die Realschule ist gut ausgestattet und verfügt auch über eine schuleigene Sozialarbeiterin. Zudem ist ein so genannter ‚Trainingsraum’ installiert worden, in dem Schüler, die vom Unterricht ausgeschlossen werden, mit der Unterstützung eines Lehrers Zeit finden, ihr Fehlverhalten mit Hilfe eines Fragebogens (z.B. „Was ist passiert?“, „Welche regeln hast du verletzt?“) und einer Auswahl an Texte zu reflektieren. Der Vorteil dieses Verfahrens ist, dass der Fachlehrer, der den störenden Schüler seines Unterrichts verweist, seine Aufsichtspflicht dadurch nicht verletzt und die Jugendlichen von dieser Einrichtung aufgefangen werden. Die Betreuung des Trainingsraumes wird schulintern geregelt und fällt in die Verantwortung des Lehrerpersonals.

Das Klassenzimmer der 8 ist mit den üblichen Utensilien wie Tafel und Tageslichtprojektor ausgestattet. Die Stühle und Tische stehen in einer gewissen Anordnung, können aber bei Bedarf (z.B. bei einer Gruppenarbeit) verrückt werden.

2 Analytischer Teil

2.1 Sachanalyse: Augen in der Großstadt, Kurt Tucholsky (1930)

Wenn du zur Arbeit gehst

am frühen Morgen,

wenn du am Bahnhof stehst mit deinen Sorgen:

da zeigt die Stadt dir asphaltglatt

im Menschentrichter Millionen Gesichter:

Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick, die Braue, Pupillen, die Lider -

Was war das? Vielleicht dein Lebensglück...

Vorbei, verweht, nie wieder.

Du gehst dein Leben lang auf tausend Straßen;

du siehst auf deinem Gang, die dich vergaßen.

Ein Auge winkt,

die Seele klingt;

du hast's gefunden, nur für Sekunden...

Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick, die Braue, Pupillen, die Lider -

Was war das? Kein Mensch dreht die Zeit zurück...

Vorbei, verweht, nie wieder.

Du mußt auf deinem Gang durch Städte wandern; siehst einen Pulsschlag lang den fremden Andern.

Es kann ein Feind sein, es kann ein Freund sein, es kann im Kampfe dein Genosse sein.

Er sieht hinüber

und zieht vorüber ...

Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick, die Braue, Pupillen, die Lider - Was war das?

Von der großen Menschheit ein Stück!2

2.1.1 Die Epoche des Expressionismus (1910-1925)

Das Gedicht „Augen in der Großstadt“ von Kurt Tucholsky lässt sich der Epoche des Expressionismus zuordnen. Mit dem Expressionismus beginnt um 1910 eine Phase der Moderne, die vor allem von der antibürgerlichen Kunst des italienischen Futurismus inspiriert ist.3

Der Expressionismus ist auch eine Phase der sprachlichen Revolution: „Bilder stellen sich quer, die Syntax zerbricht, traditionelle Gattungsformen lösen sich auf.“4 Den Vertretern des Expressionismus war die Angst gemeinsam, dass das Wertesystem der Welt durch die neue Technologisierung und Militärgewalt verfallen könnte. Gegen diese Entwicklung stellen die expressionistischen Dichter eine grelle, ausdrucksstarke, komprimierte und explosive Sprache, die sich oftmals in ungewöhnlicher Syntax und normsprengenden Gedichtsformen manifestiert.5 Die jungen Dichter lebten nicht mehr in kleinen Städten, sondern in den neuen tosenden Großstädten, die zugleich anziehend und abstoßend wirken. So attackieren sie in ihren Werken immer wieder die oft bedrohlich wirkende Großstadt. Ein weiteres wichtiges Motiv des Expressionismus ist neben dem des Verfall und Wahnsinns die Leere und Einsamkeit des Menschen.6

2.1.2 Der Autor

Kurt Tucholsky wurde 1890 als Sohn eines Bankkaufmanns in Berlin geboren. Nachdem er 1915 zum Dr. jur. an der Universität Jena promoviert hatte, trat er 1918 seinen Posten als Chefredakteur der Wochenbeilage des ‚Berliner Tagesblatts’ an. Der ruhelose Tucholsky siedelte 1924 nach Paris und später im Jahre 1929 nach Schweden über, wo er bis zu seinem Tod lebte. Während Hitlers Regime wurde Tucholsky 1933 die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt und seine Bücher verboten oder sogar verbrannt.7

„Kurt Tucholsky blieb sein Leben lang auf der Suche nach innerem Frieden und Geborgenheit, doch gesundheitliche und psychische Probleme zerstörten ihn langsam.

Depressiv und schwer krank beging Tucholsky 1935 im schwedischen Exil Selbstmord.“8 Lyrik verfasste Tucholsky zumeist unter dem Pseudonym Theobald Tiger. Tucholskys ‚Großstadtgedichte’ beschäftigen sich mit Alltagsmotiven, wobei Berlin sein geographischer, politischer und kultureller Standort war und diese Lyrik, wie sein eigenes Leben, oft von Distanz und Einsamkeit geprägt ist.9 „Augen in der Großstadt ist ein melancholischer Abschiedsgruß Tucholskys an Deutschland vor bzw. aus seinem bereits gewählten Exil […].“10, schreibt Harald Vogel in seinem Buch.

2.1.3 Inhaltsangabe

In dem Gedicht „Augen in der Großstadt“ schildert eine namelose Person ihren Gang durch eine Großstadt und beschreibt neben den Erfahrungen, die sie macht, ihre Gefühle, die durch diese Erlebnisse bei ihr ausgelöst werden. Das lyrische Ich spricht dabei den Leser direkt an und schildert seine Erfahrungen, die es in seinem Alltag gemacht hat.

2.1.4 Interpretation

In dem Gedicht wird in expressionistischer Tradition die Einsamkeit und Distanz beschrieben, die das Großstadtleben bei einem Menschen auslösen kann. Im Verlauf des Gedichts bewegt sich das lyrische Ich zwar zwischen vielen Menschen hindurch, bleibt jedoch in seiner Person unbeachtet und findet keinen Kontakt zu den Mitmenschen. Die immer wiederkehrende Sequenz „Was war das? […] / vorbei, verweht, nie wieder“ unterstreicht die Vergänglichkeit dieses Moments der Kontaktaufnahme zu einem Mitmenschen, das in den Strophen durch „Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick, / die Braue, Pupillen, die Lider“ ausgedrückt wird. Im Gedicht wird eine alltägliche Situation geschildert (Vgl.: „Wenn du zur Arbeit gehst / am frühen Morgen, / wenn du am Bahnhof stehst / mit deinen Sorgen“), die auf jeden beliebigen Besucher einer Großstadt zutreffen könnte. Durch die Ansprache des Lesers mit „Du“ findet eine Verallgemeinerung statt, die den Leser direkt ansprechen soll, damit er sich mit der dargestellten Situation identifizieren kann.

[...]


1 Werden im Folgenden geschlechtsneutral als „Schüler“ bezeichnet. 3

2 Quelle: http://www.yolanthe.de/lyrik/tucho01.htm (eingesehen am: 11.06.09) 5

3 Vgl.: Alkemper, Eke (2004), S. 242f.

4 Ebd.: S. 243.

5 Vgl.: Hofmann, Rösch (1996), S.363f.

6 Vgl.: Ebd., S. 368f.

7 Vgl.: Prescher (1959), S. 95.

8 Göbel (2008).

9 Vgl.: Becker, Maack (2002), S. 174ff.

10 Vogel (1997), S. 99.

Details

Seiten
14
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656064411
ISBN (Buch)
9783656064718
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182727
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
2,0
Schlagworte
kreativer umgang gedicht augen großstadt kurt tucholsky

Autor

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Titel: Kreativer Umgang mit einem Gedicht - "Augen in der Großstadt" von Kurt Tucholsky (1930)