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Bericht über ein Schulpraktikum - Studien I

Praktikumsbericht (Schule) 2010 29 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Erwartungen, Hoffnungen, Wünsche, Ängste

2. CJD Christophorus-Schule

3. Phasen des Praktikums
3.1 Die erste Phase - Eingewöhnung
3.1.1 Mein erster Tag an der Schule
3.1.2 Beobachtungen in den ersten Stunden
3.2 Die zweite Phase – Unterricht beobachten
3.2.1 Die Klasse 7
3.2.2 Der Unterrichtstag eines Lehrenden
3.2.3 Beobachtungsprotokoll
3.3 Die dritte Phase – eigener Unterricht
3.3.1 Der erste Unterrichtsversuch
3.3.2 Der Unterrichtsbesuch
3.3.2.1 Zur Lerngruppe
3.3.2.2 Zum Unterrichtszusammenhang
3.3.2.3 Didaktisch-methodische Überlegungen zur Stunde
3.3.2.4 Lernziele
3.3.2.5 Geplante Unterrichtsverlauf
3.3.2.6 Reflexion

4. Beobachtungsschwerpunkte
4.1 Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht
4.1.1 Warum dieses Thema?
4.1.2 Warum handlungs- und produktionsorientierter Unterricht?
4.1.3 Was ist handlungs- und produktionsorientierter Unterricht?
4.1.4 Gründe für die seltene Nutzung
4.1.5 Hilfestellung – Bewertung der Schülerproduktionen

5. Beurteilung, Nachbereitung und Würdigung

6. Literatur- und Abbildungsverzeichnis

1. Erwartungen, Hoffnungen, Wünsche, Ängste

Die Schulpraktischen Studien I an der Christophorus-Schule in Oberurff, Bad Zwesten in der Zeit vom 30.08.2010 – 01.10.2010 sollen mir viele Einblicke in das Schulleben aus der Sicht des Lehrers/der Lehrerin ermöglichen. Bisher war mir der Schulalltag nur aus der Schülerperspektive vertraut, da ich mein Orientierungspraktikum in einer Kindertagesstätte absolvierte. So möchte ich nun in der Zeit des Praktikums die vielfältigen Anforderungen, denen Lehrkräfte ausgesetzt sind, kennen lernen, selbst „versuchen“ zu unterrichten, den Schritt „hinter das Pult“ zu schaffen und so die Perspektive zu wechseln und mich in die Rolle als Lehrerin einfinden. Ich hoffe, dass ich mich schnell in der Schule zurechtfinde, die Kollegen und Kolleginnen mich freundlich aufnehmen und integrieren und man nicht nur die lästige Praktikantin ist, die im Weg steht und Zeit raubt. Des Weiteren möchte ich auf der einen Seite natürlich guten Unterricht besuchen, den ich mir als Vorbild nehmen kann, und wünsche mir aber ebenso, auch bei nicht gelungenen Unterrichtsstunden dabei zu sein. Hier möchte ich erkennen, was mögliche Probleme einer Unterrichtsstunde sein können und wie man diese auf professionelle Art und Weise lösen kann bzw. dafür sorgen kann, dass solche Probleme gar nicht erst auftreten. Insbesondere möchte ich viele verschiedene Lehrertypen kennen lernen und sie im Unterricht und im Umgang mit Schülerinnen und Schüler verschiedener Alterstufen erleben. Hier möchte ich die Wirkung der Lehrkräfte auf die Schülerinnen und Schüler analysieren, um eigene Schlüsse zu ziehen, Erfahrungen für meine eigene spätere Lehrerlaufbahn zu sammeln und elementare Tipps für meine eigenen Unterrichtsversuche zu bekommen. Natürlich verband ich auch gewisse Ängste und Sorgen mit dem anstehenden Praktikum. Ich machte mir viele Gedanken darüber, wie ich wohl bei den Schülerinnen und Schülern ankommen würde und ob sie mich in der Lehrerrolle akzeptieren würden. Besonders groß war meine Unsicherheit beim Gedanken daran eventuell vor einer Klasse der Oberstufe zu stehen und mit Fragen konfrontiert zu werden, die ich nicht beantworten könnte. Eine weitere Angst war, dass sich mein Berufswunsch, den ich eigentlich schon immer hege, ändert und ich merke, dass es doch nicht das Richtige für mich ist. Jedoch konnte ich mir diese Angst selbst ein bisschen nehmen, denn genau um solche Fragen zu klären und um sich selbst auszuprobieren ist ein solches Praktikum doch da - wenn man hier keine Fehler machen darf und zu neuen Erkenntnissen in Bezug auf sich kommen darf, wann dann? Und so freute ich mich trotz mancher Ängste und Sorgen sehr auf das Praktikum, um endlich all das, was wir im Vorbereitungsseminar besprochen und geübt hatten, in der hoffentlich abwechslungsreichen Praxis auszuprobieren.

2. CJD Christophorus-Schule

Die Jugenddorf Christophorus Schule (kurz: CJD) ist eine Gesamtschule mit einem Realschul-, sowie einem Gymnasialzweig, im kleinen Ort Oberurff, welcher ein Teil der ländlich geprägten Großgemeinde Bad Zwesten ist. Derzeit wird die Schule von ca. 1200 Schülerinnen und Schülern aus den benachbarten Gemeinden besucht; 120 wohnen im integrierten Internat.

Abbildung 1: Das Schloss

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Während die Internatsschülerinnen und -schüler in zwei Gebäuden sowie dem alten Schloss, am oberen Rand des Schulgeländes untergebracht sind, erstrecken sich die Klassenräume, Verwaltungsgebäude (Lehrerzimmer und Sekretariat) und die neu gebaute Cafeteria über das sehr weitläufige Gelände des Schlossparks.

Abbildung 2 - Lehrerzimmer und Sekretariat

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Des Weiteren gehört zu der Schule eine eigene Sporthalle mit integriertem Kraftraum, Weitsprunganlage und ein Hartplatz, welcher für die unterschiedlichsten Sportarten genutzt werde kann. Im sportlichen Bereich liegt der Schwerpunkt der Schule im Ausdauer- bereich und gilt als Triathlonstützpunkt. Des Weiteren hat das CJD Oberurff eine Damen-Volleyballmannschaft in der Bezirksoberliga Nord gemeldet.

Abbildung 3 - Die Außensportanlage

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine Besonderheit, die die Schule bietet, ist ein Therapiezentrum für Legastheniker. Daher liegt ein weiterer Schwerpunkt der Schule in der Hilfe für Schülerinnen und Schüler mit Leserechtschreibschwäche (kurz: LRS). Hier belegen Schülerinnen und Schüler mit LRS im Pavillon des Legastheniezentrums am Nachmittag Kurse, in denen sie eine spezielle Förderung durch ausgebildete Therapeuten erhalten. Angesichts dieses Therapiezentrums besuchen sehr viele Schülerinnen und Schüler mit LRS die CJD Oberurff. Als besonders erwähnenswert finde ich, dass die Schule, da sie einen privaten Träger hat, den Schülerinnen und Schülern seit dem Schuljahr 2004/2005 den verkürzten gymnasialen Bildungsweg (kurz: G8) anbietet. In der 5. Klasse entscheiden sich die Lernenden, ob sie diesen verkürzten Bildungsweg gehen möchten oder weiterhin neun Jahre unterrichtet werden möchten. Das unterscheidet die CJD Oberurff von den vielen anderen hessischen Gymnasien.

3. Phasen des Praktikums

In den folgenden Unterkapiteln werden drei Phasen beschrieben, die ich während meiner Praktikumszeit an der Schule durchlaufen habe. Im ersten Kapitel wird mein erster Tag an der Schule beschrieben sowie die ersten Beobachtungen im Unterricht. Nach dieser Eingewöhnungsphase folgt das Kapitel über die Unterrichtsbeobachtung. Hier geht es primär um die Tage, die ich an der Seite eines bestimmten, von mir gewählten Schülers bzw. einer Lehrerin verbracht habe. Ein weiteres Thema ist das Beobachtungsprotokoll. Im dritten Kapitel, in dem es dann um mich vollends in der Rolle als Lehrerin geht, berichte ich von meinem ersten Unterrichtsversuch, sowie um die Stunde, die meine Seminarleiterin, Frau S besuchte. Meine Vorbereitung, die Durchführung und die Reflexion der Unterrichtsstunde bilden einen Schwerpunkt.

3.1 Die erste Phase – Eingewöhnung

In diesem Teil des dritten Kapitels möchte ich von meinen ersten Eindrücken an der Schule berichten. Einen Schwerpunkt bildet das folgende Unterkapitel mit einem ausführlichen Bericht über den ersten Praktikumstag. Im Folgenden werden dann das Geschehen der ersten Woche sowie erste Beobachtungen dargestellt.

3.1.1 Mein erster Tag an der Schule

Was piept hier denn andauernd?“, fragte ich mich am 30.08.2010 so gegen 05.30 Uhr. Es war mein Wecker, der mich mitten in der Nacht aus dem Schlaf klingelte – Frechheit! Aber jegliches Gefluche nutzte nichts, ich musste aufstehen, denn um 06.30 Uhr sollte es von Marburg aus los Richtung Bad Zwesten, nach Oberurff zum Praktikum gehen. Im Jugenddorf Christophorus kamen wir dann eine ¾ Stunde zu früh an und mein erster Gedanke war: „Mann, da hätte ich auch 45 Minuten länger schlafen können!“, denn wir fanden ein leeres Schulgelände vor. Meine ersten Eindrücke waren, dass es ein doch recht weitläufiges, sauberes Grundstück ist mit vielen kleineren Gebäuden. Wir machten einen kleinen Rundgang und begaben uns auf die Suche nach dem Lehrerzimmer, welches wir glücklicherweise schnell fanden. Es war jedoch noch niemand da, so dass wir uns wegen des Regens und der Kälte zurück in das Auto verkrochen. Dort warteten wir und beobachteten, wie so langsam aber sicher doch die ein oder anderen Schülerinnen und Schüler auftauchten. Um kurz vor acht – wir konnten erkennen, dass auch einige Lehrkräfte eingetroffen waren – gingen wir zurück zum Lehrerzimmer und warteten dort. Der nächste Lehrer, der den Vorraum betrat, begrüßte uns freundlich und nahm uns sogleich mit in das Lehrerzimmer, wo sofort ein nettes Gespräch zustande kam und wir uns vorstellen konnten. Nebenbei bastelte einer der Praktikanten unser Vorstellungsplakat fertig, was weitere Lehrerinnen und Lehrer neugierig an unseren Tisch lockte. Sofort begann ein reger Austausch über die Fächerkombinationen der einzelnen Praktikanten und ich bekam das Gefühl, dass wir an der Schule gut aufgehoben sind. Durch diese Freundlichkeit senkte sich auch fühlbar bei allen Praktikanten die Nervosität. Kurz nachdem die erste Stunde begonnen hatte und der ganze Trubel im Lehrerzimmer sich aufgelöst hatte, begrüßte uns unser Kontaktlehrer mit den Worten: „Na, dann kann’s ja jetzt losgehn. Ich würd’ sagen, ich zeig euch erstmal die ganzen Gebäude und im Anschluss lad ich euch auf nen Kaffee in der Mensa ein!“. Es begann also im Grunde alles ganz gemütlich und Herr F. führte uns zu den einzelnen Gebäuden und Räumen und erzählte uns dabei einiges über die Schule und „wie es hier so abläuft...“. Nach diesem kleinen Rundgang setzten wir uns gemeinsam in die Mensa und uns wurde ein weiteres Mal gesagt - und darüber bin ich sehr froh gewesen -, dass wir uns unseren Stundenplan jeden Tag selbst zusammenstellen, jederzeit, wenn wir nicht wüssten, wohin, in eine Stunde von unserem Kontaktlehrer kommen könnten und dieser uns natürlich bei der Kontaktaufnahme mit den einzelnen Lehrerinnen und Lehrern behilflich sei. Nachdem wir unseren Kaffee bzw. ich meinen Kakao getrunken hatte, versammelten wir Praktikanten uns vor dem Raumplan und jeder suchte sich eine Lehrkraft aus, bei der er in der nächsten Stunde mit in den Unterricht gehen wollte. Ich entschied mich in der Oberstufe eine Erdkundestunde bei Herrn E. zu besuchen. Sicherlich war man zu Beginn etwas unsicher und stellte sich einige Fragen: Wo sollte man sich am besten hinsetzten, so dass man niemanden stört? Wie wirkt es auf den Lehrer, wenn ich mir während des Unterrichts Notizen machen? Was lohnt überhaupt aufgeschrieben zu werden? Worauf sollte ich achten? Und lauter solche Fragen tauchten auf, die sich aber schon innerhalb der ersten Woche von selbst bzw. zum Teil auch durch Selbstversuche beantworteten. (Auf diesen Punkt werde ich zu einem späteren Zeitpunkt in meinem Bericht genauer eingehen – hier soll es vorerst bei einer reinen Beschreibung des ersten Tages bleiben.) Nachdem die Doppelstunde zu Ende war, ging es zurück zum Lehrerzimmer, wo sich alle Praktikanten trafen, wir die Anwesenheit aller durchgingen und zufrieden feststellten, dass alle überlebt hatten. Nachdem wir uns von unserem Kontaktlehrer verabschiedet hatten, ging es zurück zum Auto und wir fuhren, vertieft in rege Gespräche über die Schule, unsere ersten Eindrücke, die Lehrer und alles, was uns auf dem Herzen lag, zurück nach Marburg. In meiner Wohnung angekommen, ließ ich alles stehen und liegen und legte mich, geplättet von den unzähligen Eindrücken, ins Bett, um eine Runde zu schlafen. In zwei Stunden sollte ich in meinen neuen Job in einem Fitnessstudio eingearbeitet werden - der aufregende Tag war also noch lange nicht zu Ende!

3.1.2 Beobachtungen in den ersten Stunden

Nun, da klar ist, an welchem Ort unser fünfwöchiges Abenteuer stattfindet und vom ersten Tag berichtet wurde, wird es nun etwas ernster.

Wie bereits erwähnt, sollten wir uns unseren Stundenplan selbst zusammenstellen. Dies führte dazu, dass insbesondere in der ersten Woche unser erster Gang an jedem Morgen zum Raumplan führte und wir uns unseren Tag zusammenstellten. Dadurch, dass wir immer erst morgens entscheiden konnten welche Stunden wir besuchen möchten, da nur der Raumplan für den jeweiligen Tag aushing und wir noch keine Stundenpläne von den Lehrerinnen und Lehrern hatten, war es meist sehr schwierig die jeweiligen Lehrerinnen oder Lehrer vorher anzusprechen und zu fragen, ob es in Ordnung ist, dass man mitkomme. Für die meisten Lehrerinnen und Lehrer stellte dies jedoch kein Problem dar. Mein Stundenplan in der ersten Woche sah folgendermaßen aus:

Da saß man nun und befand sich ganz plötzlich wieder in der eigenen Schulzeit, die ja noch nicht so lange her ist. Mit den Gedanken nicht wirklich bei den Sachen, die jetzt eigentlich wichtig sein sollten, sondern eher dem Bedürfnis sich mit seinem Nachbarn auszutauschen und bei den Unterrichtsstörungen mitzumachen, anstatt für Ruhe zu sorgen, schien man dennoch die Situationen auf eine gewisse Art und Weise zu analysieren. Blicke ich auf diese erste Woche zurück und betrachte meinen Aufzeichnungen über die einzelnen Stunden, so ist auffällig, dass ich oftmals den Ablauf der Stunde, die Besonderheiten der Lehrerinnen und Lehrer und verschiedene Verhaltensauffälligkeiten bestimmter Schülerinnen und Schüler notierte. Ohne böse Absicht schob man Lehrende und Lernende in bestimmte Schubladen, die sich an den Mitschülerinnen und Mitschülern, die man in der eigenen Schulzeit erlebt hatte, orientierten. Gegen Ende der ersten Woche begann ich mich zu hinterfragen: „Warum schreibst du hier alles Mögliche auf? Was hat das für einen Zweck?“ Und die Antwort lautete, dass ich so fleißig mitschrieb, weil ich unsicher war. Es sollte weder auf die Lernenden, noch auf die Lehrenden wirken, als würde ich nur rumsitzen und überhaupt nichts tun. Ich hörte also auf, mir jede Kleinigkeit aufzuschreiben, begann dem Unterricht bewusst zu folgen und notierte nur noch Besonderheiten.

Am Mittwoch besuchte ich eine Sportstunde bei Frau U. und sofort war die typische Sportlermentalität spürbar: ich wurde direkt in den Unterricht miteinbezogen und Frau U. erklärte mir immer, wenn die Kinder beschäftigt waren, was es zu beachten gilt. Am Ende der Stunde fragte sie mich, ob ich sie bei weiteren Stunden in der Klasse unterstützen möchte und ich willigte sofort ein. Des Weiteren fragte sie mich, ob ich am nächsten Montag mit ihrer Schwimmklasse mitfahren könnte, da sie auf Grund eines Elterngespräches nicht konnte und die andere Sportlehrerin keine zwei Klassen alleine beaufsichtigen konnte. Auch hier willigte ich zwar sofort begeistert ein, fragte mich und Frau U. jedoch schon im nächsten Moment verunsichert, was ich denn mit der Klasse dann überhaupt machen sollte. Mit den Worten: „Mir ist wichtig, dass sich die Kinder viel im Wasser aufhalten, bewegen und Spaß haben“ nahm sie mir meine Unsicherheit auch schon wieder.

[...]

Details

Seiten
29
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656079613
ISBN (Buch)
9783656079859
Dateigröße
719 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182712
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
2
Schlagworte
bericht schulpraktikum studien

Autor

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