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Intergenerationale Solidarität in Bezug auf Unterstützungsleistungen

Veränderungen im Zeitraum 1996 bis 2008 in Deutschland

Hausarbeit 2011 17 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
Solidarität
Ambivalenz
Bedingungen für intergenerationale Solidarität
Opportunitätsstrukturen
Familiale Strukturen
Bedürfnisstrukturen
Kulturell-kontextuelle Strukturen
Monetäre Hilfeleistungen
Instrumentelle Hilfeleistungen

3. Die Veränderung intergenerationaler Solidarität in Bezug auf
Unterstützungsleistungen in Deutschland
Der Alterssurvey (DEAS)
Entwicklungen der Transfers
Entwicklungen der instrumentellen Transfers
Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Vergabe von Transfers an Familienmitglieder und Freundinnen und Freunde

Abbildung 2: Vergabe von instrumentellen Hilfen an Familienmitglieder und Freundinnen und Freunde

Abbildung 3: Wohnentfernung zum nächst wohnenden Kind

Abbildung 4: Betreuung der Enkelkinder durch die Großeltern nach Alter

1. Einleitung

Aufgrund der im Zuge des demographischen Wandels zunehmenden Veränderung der Altersstruktur in unserer heutigen Gesellschaft wird es immer wichtiger, den Fokus auf Generationenbeziehungen zu legen. Besonders ersichtlich wird dies, wenn man sich den Funktionskatalog dieser Art der persönlichen Beziehungen betrachtet. Vor allem Pflege und gegenseitige seelische Unterstützung sind grundlegende Erfordernisse, auf die eine Gesell- schaft in hohem Maße angewiesen ist. Doch diese Anforderungen können stark davon abhän- gen, wie ausgeprägt die Solidarität zwischen den Generationen im Einzelnen ist. Aber was ist überhaupt mit Solidarität gemeint? „Eine allgemeine Theorie der familialen Generationenbeziehungen existiert bislang nicht und kann aufgrund der gegenwärtigen For- schungslage hier auch nicht entwickelt werden“1. Es gibt jedoch Ansätze, welche Solidarität neben Markt und hierarchischer Organisation als eine dritte Form sozialer und gesellschaftspolitischer Steuerung ansieht2 Nach dieser Auffassung ist sie ein Regelmechanismus, welche als Bedingung kooperativer Verhaltensweisen gilt. Solidarische Steuerung meint nicht nur die eigene und gemeinsame Interessenverfolgung, sondern auch den Einbezug fremder Interessen in die Gestaltung von Handlungszusammenhängen. Krite- rien der Handlungsbeurteilung erscheinen daraus als Balance von unterschiedlichen Normen und Interessen3. Um Solidarität zu operationalisieren und zu messen, werden phänomenologi- sche Merkmale vorgeschlagen. Damit ist räumliche und soziale Nähe, Übereinstimmung, Ähnlichkeit des Denkens und Handeln gemeint4. Es werden bei dieser Herangehensweise jedoch unterschiedliche Kräfte der Beziehungsdynamik ausgelassen und in der Operationalisierung nicht berücksichtigt5. Somit wird impliziert, dass nur diese Muster auf die Gestaltung der Generationenbeziehung wirken. Generationensolidarität lässt sich daher, wie anfangs dargelegt, nicht wie eine Theorie verstehen, sondern als Versuch, das Verhältnis zwi- schen den Generationen zu erklären. Aus dieser Begriffseinführung wird unschwer klar, dass es einer sorgfältigen Analyse bedarf, um Generationensolidarität genauer zu skizzieren. Inso- fern liegt der Fokus des ersten Teils dieser Arbeit zunächst einmal darauf, was überhaupt mit Generationensolidarität im engeren Sinne gemeint ist und nach welchen Dimensionen unterschieden werden kann. Nachfolgend soll darauf eingegangen werden, wie es möglich ist, den Begriff zu operationalisieren und ihn empirisch messbar zu machen. Vor allem aber geht es vorrangig um die Auseinandersetzung mit der Frage, ob es in dem Zeitraum von 1996 bis 2008 einen Rückgang intergenerationaler Solidarität in Bezug auf Unterstützungsleistungen in Deutschland gegeben hat. Es wird zwischen Unterstützungsleistungen monetärer und instrumenteller Art unterschieden. Als Datenbasis wird der Alterssurvey herangezogen, wel- cher hauptsächlich eine detaillierte Beschreibung der Situation älterer Menschen liefert. Auch der siebte Familienbericht wird als Quelle verwendet, der 2005 von der Bundesregierung veröffentlicht wurde und einen präzisen Überblick über die allgemeine Familiensituation in Deutschland gibt.

2. Theoretische Grundlagen

Um zu verstehen, was mit Solidarität in Bezug auf Generationenbeziehungen gemeint ist, bedarf es einer genaueren Analyse des Begriffs und der Klärung weiterer Begrifflichkeiten, wie bspw. die Ambivalenz, die als Grundlage der Analyse erforderlich sind. Besonders hervorzuheben sind dabei die Dimensionen, welche sich in der Art und Weise des Transfers in den monetären und instrumentellen Hilfeleistungen niederschlagen6.

Solidarität

„Solidarität ist, ähnlich wie Generationen, ein schillernder Begriff. Er wird ebenso häufig ge- braucht wie selten definiert“7. Die Forschergruppe um Vern L. Bengston macht den Versuch einer Definition: „Fort the sake of clarity, we employ solidarity as a metaconstruct subsuming characteristics of intergenerational bonds in families“8. Bengston und Robertson gehen zu einem späteren Zeitpunkt nicht genauer auf diese Definition ein, sondern liefern sechs Dimensionen, welche es möglich machen, intergenerationale Solidarität zu konzeptualisieren. Nachfolgend werde ich diese Dimensionen dennoch kurz skizzieren. Dazu gehört die assozia- tive, affektive, konsensuelle, funktionale, normative und strukturelle Solidarität.

Mit affektiver Solidarität sind gemeinsame Aktivitäten und Interaktionen zwischen den Angehörigen gemeint. Es dient der Feststellung, ob die Familienmitglieder grundsätzlich Kontakt miteinander pflegen. Auch wird nach der Art des Kontaktes gefragt, bspw. ob telefonischer Kontakt oder regelmäßige Treffen stattfinden9.

Die affektive Generationensolidarität beschreibt das Vorhandensein und den Grad an positiven Gefühlen füreinander sowie die Gegenseitigkeit dieser Gefühle. Enthalten sind auch Elemente der emotionalen Nähe und Zuneigung sowie subjektive Zusammengehörigkeits- und Verbundenheitsgefühle10.

Der Begriff konsensuelle Solidarität meint Gemeinsamkeiten der Individuen in Bezug auf Einstellungen, Ansichten und Meinungen. Es wird nach Übereinstimmungen der Familienangehörigen in politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Wertorientierungen ge- fragt. Doch ein Konsens muss kein Indikator für eine bessere Generationensolidarität sein. Ungewiss ist auch, ob entsprechende Ansichten in der Familie je besprochen worden sind.11

Im Zentrum der Dimension der normativen Solidarität stehen allgemeine Überzeugungen und Einstellungen der Familienmitglieder gegenüber der Familie. Diese müssen aber nicht mit konkreten Hilfeleistungen verknüpft sein. Es liegt nur ein Potential zur Solidarität vor. Bei der funktionalen Solidarität geht es um Hilfe und Austauschprozesse, die zwischen den Generationen stattfinden. Es gibt drei Unterkategorien: instrumentelle Hilfeleistungen, räumliche und monetäre Transfers. Man kann jedoch nicht immer die drei Währungen trenn- scharf voneinander abgrenzen. Instrumentelle Hilfeleistungen sind bspw. in finanzielle Trans- fers übersetzbar und umgekehrt.

Strukturelle Solidarität umfasst die Möglichkeiten für intergenerationale Solidarität. Wohnentfernung, Anzahl der Angehörigen und deren Gesundheitszustand sind einfließende Faktoren. Es ist jedoch problematisch, eine solche Dimension zu bestimmen, da auch hier nur ein Potential für Solidarität vorliegt12.

Doch sei erwähnt, dass eine Aufteilung in sechs Dimensionen schwierig ist, da dabei nicht zwischen dem Potential für Solidarität und der Solidarität an sich differenziert wird.13 Um diesem Problem der Unterscheidung zwischen Potential zur Solidarität und der Solidarität zu begegnen, schlägt Szydlik eine Reduktion auf drei Dimensionen vor. Funktionale und assoziative Solidarität beschreiben Handlungen zwischen den Generationen, während affektive Solidarität Gefühle der Verbundenheit beinhaltet.

Ambivalenz

Generationensolidarität bezeichnet nicht nur den Austausch von Hilfeleistungen und Gefühle der Verbundenheit, sondern impliziert sogleich Ambivalenzen. Beziehungen zwischen Generationen sind nicht immer nur harmonisch oder konfliktbeladen, sie können durch beides bestimmt sein14. Man kann drei Aspekte intergenerationaler Ambivalenz unterscheiden. Ers- tens gibt es einen unauflösbaren Widerspruch zwischen Autonomie und Abhängigkeit, wel- cher besonders dann auftritt, wenn man Hilfe benötigt. Zweitens besteht ein Dissens über die Anwendung von Normen, d.h. es ist häufig unklar, wie eine Generationenbeziehung geführt werden soll. Vor allem dann, wenn die Hilfe nur in eine Richtung geht. Und drittens können Ambivalenzen auf Solidarität zurückgeführt werden. Hierbei wird das Beispiel der Misshand- lung von Eltern durch erwachsene Kinder angeführt15. Dies zeigt, dass sowohl instrumentelle als auch finanzielle Hilfeleistungen Möglichkeiten für Auseinandersetzungen bieten16. Die Ambivalenz kann aber nicht nur Gefahr einer Auflösung einer familiären Beziehung stiften, sondern bildet gleichzeitig auch die Möglichkeit einer Stabilisierung des Generationenverhältnisses. Szydlik warnt deshalb davor, den Begriff der Generationensolidarität nicht normativ wertend zu benutzen. Das heißt, dass ein Mehr an Solidarität nicht gleichzeitig der Indikator eines besseren Beziehungsgeflechtes sein muss, sondern vielmehr das Verhältnis von Konflikt und Harmonie zueinander eine wichtige Rolle spielt.

Bedingungen für intergenerationale Solidarität

Die Qualität intergenerationaler Beziehungen hängt von verschiedenen Strukturen ab, welche Potentiale für Solidarität sein können17.Denn „je mehr Möglichkeiten ein Geber hat, desto eher hilft er“18. Nachfolgend werden diese Einflussfaktoren genauer skizziert.

Opportunitätsstrukturen

Das Engagement in intergenerationalen Beziehungen wird durch verschiedene Ressourcen bestimmt. Gesundheit kann bspw. soziale Interaktion fördern oder unterbinden. Szydlik führt Zeit als eine weitere mögliche Determinante an. Doch ist das Vorhandensein von Zeit allein noch kein Indikator für eine größere Generationensolidarität.

Familiale Strukturen

Damit ist generell erst einmal die Existenz der Generationenbeziehungen gemeint. Der intergenerationale Austausch wird aber auch von der geographischen Distanz beeinflusst, da kurze Wohnentfernungen die Opportunitätskosten für zeitliche Transfers deutlich senken19. Weitere Bedeutung wird in diesem Zusammenhang der Anzahl der Kinder und Enkelkinder zugeschrieben, da sich mit zunehmender Anzahl auch mehr Gelegenheiten ergeben, Transferleistungen zu erbringen.

[...]


1 Szydlik 2000: 33-34

2 Kaufmann 1984

3 Lüscher et al. 2000: 267

4 Roberts et al. 1991: 12

5 Lüscher et al. 2000: 269

6 Szydlik 2000: 217

7 Szydlik 2000: 34

8 Roberts et al. 1991: 12

9 Szydlik 2000: 39

10 Igel 2011: 34

11 Szydlik 2000: 37

12 Szydlik 2000: 36

13 Szydlik 2000: 36

14 Szydlik 2000: 40

15 Lüscher 1998: 417

16 Igel 2011: 36

17 Szydlik 2000: 85

18 Brandt 2009: 27

19 Igel 2011: 43

Details

Seiten
17
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656064961
ISBN (Buch)
9783656064763
Dateigröße
812 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182649
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – FB 02 Fachbereich
Note
1,3
Schlagworte
intergenerationale solidarität bezug unterstützungsleistungen veränderungen zeitraum deutschland

Autor

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Titel: Intergenerationale Solidarität in Bezug auf Unterstützungsleistungen