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Eine kreative und spielerische Auseinandersetzung mit dem Alltagsmaterial Zeitung

Unterrichtsentwurf im Fach Sport in Klasse 5

Unterrichtsentwurf 2010 20 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zur Ausgangslage des Unterrichts
1.1. Institutionelle Bedingungen
1.2. Zur Situation der Klasse
1.3. Lern- und Leistungssituation der Klasse
1.4. Unterrichtsorganisatorische Aspekte

2. Überlegungen und Entscheidungen zum Unterrichtsgegenstand
2.1. Klärung der Sache
2.2. Didaktische Überlegungen
2.3. Einordnung in den Bildungsplan
2.4. Einordnung in die Unterrichtseinheit

3. Intentionen des Unterrichts

4. Überlegungen zum Lehr-Lernprozess – Methodische Überlegungen

5. Verlaufsplanung des Unterrichts

6. Literaturverzeichnis

1. Zur Ausgangslage des Unterrichts

1.1. Institutionelle Bedingungen

Die … ist eine zweizügige Werkrealschule. Der Ausländeranteil im Einzugsgebiet ist recht hoch, weshalb verhältnismäßig viele Schüler[1] mit Migrationshintergrund und aus den verschiedensten Nationen die Schule besuchen.

1.2. Zur Situation der Klasse

Die Klasse 5 besteht aus 22 Schülern, die sich aus 10 Mädchen und 12 Jungen zusammensetzen. Bezüglich des motorischen Entwicklungsstandes befinden sich die Schüler im Alter von 10-13 Jahren teilweise noch in der motorischen Phase des „späten Schulkindalters“, aber auch schon in der ersten Phase der Reifungszeit (Pubeszenz). Ersteres zeichnet sich aus als die Phase des besten motorischen Lernalters, zweiteres als die Phase der Umstrukturierung motorischer Fähigkeiten und Fertigkeiten. In diesen Phasen der Entwicklung lassen die Schüler demnach schnelle Fortschritte in der motorischen Lernfähigkeit und in der Entwicklung koordinativer Fähigkeiten erkennen.

In der Klasse 5 herrscht ein lebendiges Unterrichtsklima. Das Sozialverhalten der Klasse ist grundsätzlich positiv geprägt. Demokratische und soziale Verhaltensweisen, wie zum Beispiel gegenseitige Rücksichtnahme, Hilfestellung und Gruppenbewusstsein sind zwar vorhanden, können aber noch weiter ausgebaut werden. Die Schüler gehen in der Regel hilfsbereit miteinander um und nehmen die gemeinsam mit der Lehrperson vereinbarten Regeln ernst. Auch bei Gruppen- oder Partnerübungen sind die Schüler in der Lage eigenständig und ohne Streitereien ihre jeweilige Gruppe zu organisieren und kooperativ zusammenzuarbeiten. Jedoch führen Freundschaftsstrukturen innerhalb der Klasse zeitweise zu Unruhen im Sportunterricht, wenn diese keine Berücksichtigung finden bzw. kurzzeitig „gestört“ sind.

Sollte ein Schüler im Unterricht durch unangemessenes Verhalten auffallen und dadurch den Stundenverlauf beeinträchtigen, werde ich an unsere gemeinsam vereinbarten Sport-Regeln erinnern.

1.3. Lern- und Leistungssituation der Klasse

Wie dies für Kinder dieses Alters typisch ist, zeigen die Schüler der Klasse 5 einen großen Bewegungsdrang und eine hohe Bewegungsbereitschaft. Insgesamt lässt sich in der Klasse ein großes Interesse und Freude am Sportunterricht feststellen. Ausdruck für die Sportbegeisterung und das Interesse am Fach Sport ist die Motivation und das Engagement der Schüler bezüglich nahezu aller Inhalte im Sportunterricht. Die Schüler nehmen motiviert am Unterricht teil und zeigen sich sowohl gegenüber bekannten als auch gegenüber neuen Unterrichtinhalten aufgeschlossen. Besonders beliebt sind Übungen, die spielerisch umgesetzt werden.

Das Arbeitsverhalten der Klasse befindet sich auf einem recht hohen Niveau. Auch schwierigere Aufbauten können die Kinder durch eine vorherige Einführung und genaue Erklärung selbstständig und sachgerecht bewältigen. Sie probieren und finden eigene Bewegungslösungen, arbeiten kooperativ zusammen und halten sich bei Gesprächsanlässen sowie in den Bewegungsphasen meistens an die vereinbarten Regeln. Auch der Umgang mit den Regeln für freie Explorationsphasen und die Gesprächsphasen im Sitzkreis sind den Schülern bekannt und dürften keine Schwierigkeiten bereiten.

Hinsichtlich des sportlichen Leistungsniveaus, sowie der Koordination weisen die Kinder der Klasse 5 unterschiedliche Ausprägungen auf. Im Gesamtbild beurteile ich die sportliche Leistungsfähigkeit der Klasse als gut. Die meisten Schüler besitzen eine recht gute konditionelle Leistungsfähigkeit, Bewegungskoordination und Beweglichkeit.

Meinem Kenntnisstand zufolge haben die Schüler bisher noch keine bis kaum Erfahrungen mit Alltagsmaterialien im Sportunterricht gesammelt. Dementsprechend ist das Ausgangsniveau aller Schüler bezüglich des Unterrichtsinhaltes annähernd gleich.

Meine Aufgabe sehe ich darin, die Schüler zu beobachten, sie zu motivieren, ihnen gegebenenfalls gezielt Hilfestellung zu geben und – wenn möglich – ihnen auch differenzierte Übungsangebote zur Verfügung zu stellen, um so den unterschiedlichen Leistungsniveaus der Kinder gerecht zu werden, damit sich letztlich alle Kinder gleichermaßen am Sportunterricht beteiligen können.

Vor allem … benötigen immer wieder einen Motivationsschub seitens der Lehrperson, da sich – meiner Einschätzung nach – beide als nicht sehr sportlich einschätzen, dementsprechend nur geringe Anstrengungsbereitschaft zeigen und bei Übungen, die nicht sofort klappen, sehr schnell aufgeben.

1.4. Unterrichtsorganisatorische Aspekte

Dem ausgeprägten Bewegungsdrang der Schüler kommt die Hallensituation leider nicht wirklich entgegen. Der Sportunterricht findet zwar in der großen Sporthalle statt, die sich direkt auf dem Schulgelände befindet, den Schülern der Klasse 5a steht in dieser großen Halle allerdings nur ein Hallendrittel zur Verfügung, was bei der Anzahl der Schüler eine deutliche Beeinträchtigung darstellt. Auch die Geräte- und Materialauswahl ist sehr eingeschränkt, da in dem entsprechenden Hallendrittel die Materialien und Geräte zahlenmäßig nur beschränkt zur Verfügung stehen. Gleichzeitig haben zur selben Zeit wie die Klasse 5a noch drei weitere Schulklassen – davon zwei in den anderen beiden Hallendritteln und eine Grundschulklasse aus Platzmangel im Gymnastikraum – Sportunterricht, so dass es sein kann, dass auch diese Klassen die für die Stunde benötigten Geräte nutzen. Weiterhin ist es bei drei Klassen in der Halle oft so laut, dass bestimmte Sportinhalte – beispielsweise Entspannungs- und Ruhephasen – kaum sinnvoll durchführbar wären.

Die Klasse 5 hat – neben einer Einzelstunde Schwimmunterricht – eine Doppelstunde Sportunterricht. Zwischen den zwei Doppelstunden liegt eine kleine Pause, während der ich den Schülern in der Regel eine Trinkpause gewähre. Da die Schulglocke in der Sporthalle aber nach den – von der Werkrealschule abweichenden – Unterrichtszeiten der Realschule gestellt ist, signalisiere ich den Schülern diese Trinkpause. Dies hat für die Lehrperson den Vorteil, dass die Pause nicht auf die Minute genau eingehalten werden muss, sondern von der Lehrperson an der Stelle eingeschoben werden kann, an der es für den Unterrichtsverlauf günstig erscheint – zum Beispiel vor Beginn einer neuen Übungsphase, nach einem anstrengenden Spiel oder nach dem Geräteabbau.

Für die heutige Einzelstunde bietet sich deshalb auch die Möglichkeit an, – falls nötig – noch einige Minuten an die reguläre Unterrichtszeit anzuhängen, da sich für die Schüler nach der heutigen Sportstunde kein regulärer Unterricht anschließt.

Rituale

Die Stunde beginnt stets im Sitzkreis – dieser ist ein wichtiges Element des Sportunterrichts, da alle Schüler und die Lehrkraft sich untereinander gut sehen und verstehen können. Das Signal für den Sitzkreis ist ein Handzeichen seitens Lehrkraft.

Ein kurzer Pfiff signalisiert den Schülern, stehen zu bleiben, alles festzuhalten und zur Lehrkraft zu schauen. Dies ermöglicht es, kurze Hinweise oder Aufgabenstellungen zu geben, ohne die Schüler in den Kreis holen zu müssen.

Zum Abschluss einer Unterrichtsstunde wird darauf geachtet, dass eine gemeinsame Verabschiedung im Sitzkreis stattfindet, während der die Schüler der Lehrperson auch Rückmeldungen zur Stunde geben können.

2. Überlegungen und Entscheidungen zum Unterrichtsgegenstand

2.1. Klärung der Sache

Alltagsmaterialien im Sportunterricht

Sport mit Alltagsmaterialien meint das Umfunktionieren gewöhnlicher Alltagsmaterialien in außergewöhnliche Sportgeräte. Dies ermöglicht es, „Übungen und Wettkämpfe darzubieten, die aus dem üblichen Rahmen fallen und die Kinder mit ungewöhnlichen Bewegungsaufgaben konfrontieren“[2]. Hierdurch werden Neuartigkeit, Kreativität und motorische Inspiration möglich. Dem natürlichen Kinderwunsch nach Neuem und nach Abwechslung kann man so gerecht werden.

In der Literatur findet sich für ‚die Alltagsmaterialien’ keine eindeutige Definition – nahezu alle Dinge des täglichen Gebrauchs können im Sportunterricht Verwendung finden. Eine Eingrenzung ist daher nicht möglich. Besonders häufig werden jedoch Bierdeckel, Eierkartons, Joghurtbecher, Luftballons, Teppichfliesen, Tücher, Wäscheklammern und Zeitungen eingesetzt. Der Kreativität sind diesbezüglich keine Grenzen gesetzt.

Alltagsmaterialien sind einfach und kostengünstig herzustellen beziehungsweise zu erwerben. Sie lassen sich vielfältig kombinieren und einsetzen. Somit können sie auch in bereits bekannte Spiel- und Bewegungsformen integriert werden.

Alltagsmaterialien im Sportunterricht haben den Vorteil, dass sie keinen typischen, geradezu unübersehbaren Bewegungsmustern unterliegen – so etwa beim Fußball, bei dem ohne Nachzudenken typischerweise ‚einfach drauf los gekickt wird’. Erhalten Kinder oder Jugendliche zum Sporttreiben jedoch einen alltäglichen Gegenstand, sind Kreativität, Erprobungsphasen und Eigeninitiative unerlässlich. Nur so können außergewöhnliche Handlungen entstehen und die Trennung zwischen Schule und alltäglichem Leben aufgehoben werden.[3]

Neben Kreativität haben Alltagsmaterialien auch einen hohen Aufforderungscharakter, eröffnen demnach vielfältige Bewegungsherausforderungen und gewährleisten auf diese Weise eine vielseitige sportmotorische Entwicklungsförderung. So können sie unter anderem für die Verbesserung von sportmotorischen Fähigkeiten, Schulung der Wahrnehmungsfähigkeit, Förderung des kreativen Handelns, Förderung von sozialen Fähigkeiten, zum Motivationsaufbau und zur Förderung der ästhetischen Erziehung genutzt werden.[4]

Ein weiterer Vorteil ist – so Mertens – der, dass das Verletzungsrisiko mit Alltagsmaterialien beim Spielen und Bewegen sehr gering gehalten wird.

Da für den Sportunterricht das Prinzip der umfassenden Vielseitigkeit gehört, ist der Einsatz von Alltagsmaterialien in ebendiesem wünschenswert.[5] Jedoch gilt es zu beachten, dass „bei einer routinemäßigen Anwendung […] Alltagsmaterialien auch selbst wieder zu alltäglichen Sportgeräten werden“ können.[6]

Alltagsmaterial Zeitung im Sportunterricht

Gerade Zeitungen sind zum Kennenlernen von Alltagsmaterialen im Sportunterricht besonders gut geeignet, da sie problemlos und kostengünstig auch in großen Mengen zu beschaffen sind. Zudem haben sie den Vorteil, dass sie als Altpapier jederzeit angesammelt werden können, so dass benutzte Zeitungen nach dem Sportunterricht auch entsorgt werden können.[7] Die dünnen Zeitungsblätter – Zeitungen sind in der Regel 400 mal 570 Millimeter groß und ein Zeitungsblatt etwa 0,3 Millimeter dick – reagieren auf jede kleine Bewegung und ermöglichen somit das Üben kontrollierter und behutsamer Bewegungsmuster.

2.2. Didaktische Überlegungen

Bedeutung des Sportunterrichts für die Schüler

Kinder haben einen großen Bewegungs- und Betätigungsdrang. Sie entdecken sich und ihre Umwelt durch Bewegung. Nur durch diese kann ein Kind den eigenen Körper und damit sich selbst kennen lernen, sich mit den körperlichen Fähigkeiten auseinander setzten und ein Bild von sich selbst entwickeln.

In unserer heutigen hochtechnisierten, motorisierten Gesellschaft wird der kindliche Bewegungsraum jedoch zunehmend eingeengt. Ständig steigender Medienkonsum und eine Verarmung der unmittelbaren kindlichen Erfahrungswelt trägt dazu bei, dass das Kind in seinem Bedürfnis nach Eigentätigkeit immer mehr eingeschränkt wird.

Durch Bewegungsangebote soll der Sportunterricht das Kind zur Eigenaktivität anregen und versuchen Erfolgserlebnisse zu vermitteln, die wiederum zu einer positiven Einschätzung der eigenen Person führen sollen. Für den Sportunterricht bedeutet dies, den Schülern Bewegungen zu ermöglichen, um so wichtige Erfahrungen mit und über ihren Körper und elementare Erfahrungen in Bezug auf die Gesamtentwicklung zu machen.

Bedeutung des Stundenthemas für die Schüler: Gegenwarts- und Zukunftsbezug

Zeitungen sind ein Material, das allen Kindern bekannt ist und dem sie täglich begegnen. Ein Großteil der Kinder wird eine Zeitung vermutlich schon einmal „zweckentfremdet“ haben – sei es als Malunterlage oder um Papierflieger zu basteln.

In der heutigen Sportstunde lernen die Schüler die Zeitung als ein ‚andersartiges’ Sportgerät kennen. Indem sich die Schüler mit der Zeitung auseinandersetzen, wird das Alltägliche in einem anderen Zusammenhang wahrgenommen. So bieten in erster Linie explorative Phasen unzählige Möglichkeiten, sich mit dem Material zu beschäftigen und verschiedene Bewegungsideen zu finden, die wiederum Kreativität und Koordination fördern.

Des Weiteren können die Schüler durch diese Sportstunde Anregungen und Ideen für die eigene Freizeitgestaltung mit Zeitungen oder anderen Alltagsmaterialien gewinnen. Gerade Zeitungen können – begünstigt durch den Kosten- und Anschaffungsfaktor – ideal und auf vielfältige Weise innerhalb und außerhalb des Schulsports zum Sporttreiben eingesetzt werden.

[...]


[1] Aus Gründen der Vereinfachung wird im vorliegenden Unterrichtsentwurf stellvertretend für den weiblichen und männlichen Plural die maskuline Form verwendet. Der Begriff ‚Schüler’ ist demnach geschlechtsunspezifisch zu verstehen und beinhaltet keinerlei Wertung.

[2] Scherer / Roth (2008), S.25

[3] Ebd., S.26

[4] Mertens, M. (2005), S.7f

[5] Scherer / Roth (2008), S.27

[6] Ebd., S. 28

[7] Mertens, M. (2005), S.285

Details

Seiten
20
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656076063
ISBN (Buch)
9783656076216
Dateigröße
623 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182565
Note
Schlagworte
eine auseinandersetzung alltagsmaterial zeitung unterrichtsentwurf fach sport klasse

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