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Didaktische Analyse zum Roman „Gullivers Reisen“

Kleine Seminararbeit

Seminararbeit 2008 7 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Werk und Autor

2. Die phantastischen Welten
2.1 Lilliput
2.2 Brobdingnag

3. Didaktische Überlegungen

4. Methodische Verfahren

1. Werk und Autor

Jonathan Swift, geboren im Jahre 1667 und gestorben 1745, seiner Zeit ein politisch sehr engagierter Aktivist und genialer Rhetoriker, beginnt im Jahre 1720 ein Werk zu schreiben, das das traditionelle Menschenbild zu damaliger Zeit sehr infrage stellt. Die Geschichte dieses Meisterwerkes dreht sich um den hartnäckigen Überlebenswille Gullivers, von Beruf Schiffsarzt, der mehrere Male der Ursituation menschlicher Existenz ausgesetzt wird und dem es gelingt, diese Art Schwierigkeiten hervorragend zu meistern. Dabei trifft er in den ersten beiden Teilen auf Zwerge und Riesen, deren Politik er anzweifelt und daraufhin er diesbezüglich Hilfestellungen zur Verbesserung leistet. In der zweiten Hälfte des Reiseromans, den Teilen drei und vier, trifft Gulliver auf menschenartige Tiergestalten, die Yahoos und die Houyhnhnms, welche Swift dahingehend funktionalisiert, die Laster des Menschen aufzuzeigen1.

Veröffentlicht wurden die ersten beiden Reisen, nach Lilliput und Brobdingnag 1726 in England, ein Jahr später erschienen aufgrund des großen Erfolgs ebenfalls Exemplare in Frankreich und Deutschland, jedoch noch nicht als Jugendschrift. Jonathan Swift gilt als bedeutendster englischer Satiriker, dessen beißende Ironie sich im Werk widergespiegelt und dem Reiseroman reichlich Ausdruck verleiht. Die klare Sprache und der große Reichtum an Phantasie verleiht dem Roman Lebendigkeit, weshalb die ersten beiden, der vier Bücher, in denen die Geschichten von den Liliputanern und Riesen erzählt werden, unvorhergesehen zu den beliebtesten Kinderbüchern weltweit zählen. Gleichzeitig aber stellt das gesamte Werk, in Form einer bitteren Satire, eine Abhandlung über die Unvollkommenheit eines jeden Menschen dar2. Rousseaus Theorie, der Mensch sei von Natur aus vernünftig, wird in dem Reiseroman „Gullivers Reisen“ mit einer grandiosen aphoristischen Einzigartigkeit widerlegt, so dass die Erzählungen des Protagonisten Gullivers ein böses Spiegelbild der damaligen Gesellschaftsstruktur beleuchten.

Swift, dessen gesamtes Leben erfüllt war von der Politik, greift erstmals eine Verbindung von politischer Realität und einer klassischen Märchenerzählung auf. Eine gekonnte Verbindung aus Phantastischem und Wirklichem ist kennzeichnend für das Werk, wobei interessanterweise hier nicht das Anormale als grotesk erscheint, sondern einzig und allein die Verhältnisse der Menschenwelt.

Das Buch „Gullivers Reisen“ stellt eine Art Tagebuch dar, das vier Welten, für jede Welt ein Buch, zusammen mit dem schiffbrüchigen Protagonisten übersteht. Erlebnisse, Gefahren, Ängste, aber auch eine interessante Weltsicht werden wiedergegeben werden. Ein episches Ich bestimmt daher das Erzählverhalten, das sich durch das ganze Buch zieht. Zum Teil erfolgen direkte Ansprachen an den Leser („Alles in allem war ich sechzehn Jahre und mehr als sieben Monate unterwegs, geneigter Leser,…). Der größte Teil des Buches ist im Präteritum verfasst, jedoch ist sehr auffällig, dass häufig Gefühle des Protagonisten oder explizite Gegenstands- und Handlungsbeschreibungen im Präsens wiedergegeben sind. Der Handlungsverlauf verläuft schleifenförmig und umfasst über 16,5 Jahre, was impliziert, dass die erzählte Zeit deutlich länger als die Erzählzeit ist.3

2. Die phantastischen Welten

Nachdem Gulliver das Landleben satt hatte, wird er zu seinem Glück als Schiffsarzt empfohlen und reist auf der „Schwalbe“ in viele Gegenden der Welt, kommt regelmäßig nach Hause, wo er ein vermeintlich idyllisches Leben führt, bis die nächste Fahrt der „Schwalbe“ ansteht.

2.1 „Lilliput“

Gullivers Reisewelle in verschiedene fantastische Welten beginnt mit dem Erleiden eines Schiffbruchs. Gulliver schwimmt um sein Leben und rettet sich auf Lilliput, wo er schließlich aufgrund einer Gefangenschaft ins Landesinnere gelangt. Dort angekommen, lebt er unwillkürlich in einer Miniaturwelt, umgeben von Lilliputanern. Er erfährt wichtige Lebensweisheiten sowohl im sozialen als auch im politischen Bereich und bewahrt die Insel vor einer Invasion. Später wird er als Hochverräter angeklagt und flieht in seine Heimat zurück.

2.2 „Brobdingnag

Nach einem weiteren Schiffbruch gelangt Gulliver in eine Welt der Riesen, kontrastierend zu der vorigen. Dort erlebt er die Welt aus einer absolut gegensätzlichen Perspektive als zuvor, sowohl die Proportionen der Menschen und der Umgebung betreffend als auch im Hinblick auf seine Position. Er gewinnt die besondere Gunst der Königin und muss mit Widerwillen als Marionette zur Belustigung des Volkes agieren. Zudem gerät er in vielerlei Gefahren seiner Größe wegen, so muss er sich beispielsweise häufig vor Angriffen verschiedener Tiere schützen. Anders als in Lilliput herrscht in Brobdingnag eine Beschränktheit und Unvollkommenheit in Wirtschaft und Politik. Schließlich kehrt er auch nach dieser Reise wieder zurück in seine Heimat.

Dies ist lediglich eine kurze Schilderung zweier kontrastierender Welten, deren politische Eigenheiten und Lebensweisen sich sehr stark unterscheiden. Gulliver lernt, sich den verschiedenen Umständen, Gegebenheiten und Mächten anzupassen und erfährt eine drastische Persönlichkeitsentwicklung. Die beiden letzteren Welten drehen sich zum einen um eine fliegende Welt, die insbesondere von mathematischen Wissenschaften geprägt ist und einer Welt von Houyhnhnms und Yahoos, in der Gulliver glaubt, die einzigen absoluten Charaktere auf „Erden“ getroffen zu haben. Diese beiden letzteren Welten sind in ihrer Struktur sehr komplex, weshalb es kaum realistisch ist, diese neben den ersten beiden Teilen im Unterricht zu behandeln. Zudem wäre der Textumfang deutlich zu groß. Für lesebegeisterte und interessierte Schülerinnen und Schüler böte sich hier aber die Möglichkeit, die Lektüre privat weiterzulesen.

3. Didaktische Überlegungen

Dieser phantastische Roman eignet sich für Schülerinnen und Schüler erst ab Klassenstufe 9, eher noch Klasse 10, da es innerhalb dieser Lektüre darauf ankommt, zu Lernen, das vordergründige offensichtliche Lesen zu überwinden und auf einer Metaebene beispielsweise politische Strukturen und Menschenverhältnisse zu begreifen und bestenfalls zu transferieren. Im Unterricht sollte Schlüsselszenen behandelt werden, die beispielsweise den Unterschied der beiden Welten zu der realistischen aufzeigen. Im ersten Teil des Buches, der Reise nach Lilliput sollten unbedingt die Kapitel drei und sechs behandelt werden, weil es darin um die Verhältnisse von Lilliput in Politik und Erziehung geht. Diese Schwerpunkte tragen eine gewichtige in Bezug auf das Verständnis der Lektüre. Die Kapitel vier und fünf sind ebenfalls sehr zentral, doch eignen sich diese auch zur Privatlektüre, weil spannende Handlungsabläufe, wie das Verhindern einer feindlichen Invasion, berichten.

Im zweiten Teil des Buches würde sich zunächst die Bearbeitung des ersten Kapitels lohnen. Hier erfährt Gulliver die erste Konfrontation mit den Riesen und jeglichen Gefahren, die im gesamten Teil „Brobdingnag“ wieder aufgegriffen werden. Zudem erfährt man einiges über die Gefühle und Ängste des Protagonisten, die in dieser Welt von sehr großer Bedeutung sind. Auch liegt eine sehr starke Zentrierung auf die Angewiesenheit auf seine Schutzpersonen vor, als Gulliver in Kapitel drei und fünf Streit mit dem Zwerg der Königin bekommt oder von verschiedenen Tieren angegriffen wird. Das Verhältnis zu der Gouvernante Glumdalclitsch, die zu seinem persönlichen Schutz großen Beitrag leistet sollte auch zum Thema des Unterrichtsgeschehens werden. Kapitel sechs bietet einen interessanten Einblick in die Verhältnisse Europas anfangs des 18. Jahrhunderts aus der Sicht des Protagonisten. Das Kapitel sieben eignet sich nun hervorragend, um die unterschiedlichen politischen Verhältnisse von Lilliput und Brobdingnag aufzuzeigen und zu diskutieren. Abgesehen von der Kapiteleinteilung wäre eine ausgiebige Interpretation verschiedener Illustrationen sehr zu empfehlen. Sehr geeignet wäre beispielsweise ein Vergleich der Illustrationen von Grandville und Horst Lemke.

4. Methodische Verfahren

Generell sollten die Schülerinnen und Schüler in der Lage sein, die umfassende Lektüre eigenständig zu lesen, da die ersten beiden Welten 225 Seiten umfassen. Im Unterricht wird nur Zeit sein kurze zentrale Textpassagen laut zu lesen. Die Lehrperson sollte selbstverständlich einen Grundvorschlag angeben, damit die Schülerinnen und Schüler den zeitlichen Ablauf der zu bearbeitenden Lektüre einschätzen können. Die Kapitel, die nicht im Unterrichtbesprochen werden können, sollten wenigstens kurz angesprochen und zusammengefasst werden, damit die Schülerinnen und Schüler dem Handlungsverlauf der Geschichte folgen können. Es böte sich an, die Schülerinnen und Schüler ein Lesetagebuch anfertigen zu lassen.

[...]


1 Die Inhaltsangabe basiert auf folgender Ausgabe: Jonathan Swift: Reisen in verschiedene ferne Länder der Welt von Lemuel Gulliver, erst Schiffsarzt, dann Kapitän mehrerer Schiffe, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1985

2 Vgl. Alfred Kröner: Lexikon der Weltliteratur, Verlag Stuttgart, 1963, S. 1295

3 Vgl. Jonathan Swift: Reisen in verschiedene ferne Länder der Welt von Lemuel Gulliver, erst Schiffsarzt, dann Kapitän mehrerer Schiffe, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1985

Details

Seiten
7
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656061168
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182495
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Schlagworte
didaktische analyse roman gullivers reisen kleine seminararbeit

Autor

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