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Einen Brief schreiben (Deutsch, Klasse 4)

Unterrichtsentwurf 2007 28 Seiten

Didaktik - Deutsch - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zur Ausgangslage des Unterrichts
1.1 Geschichte der Schule:
1.2 Institutionelle Bedingungen
1.3 Anthropologische und soziale Bedingungen
1.3.1 Sachstruktureller Entwicklungsstand:
1.3.2 Soziale Aspekte in der Klasse
1.3.3 Personale und soziokulturelle Aspekte der einzelnen Schülerinnen und Schüler
1.3.4 Perspektive des Lehrenden

2. Zum Unterrichtsgegenstand: Überlegungen und Entscheidungen
2.1 Klärung des Unterrichtsgegenstands (Wasß)
2.1.1 Begriff:
2.1.2 Historie:
2.1.3 Brieftheorie:
2.1.4 Briefsorten:
2.2 Didaktische Überlegungen (Warum dieser Unterrichtsgegenstand?)

3. Ziele des Unterrichts (Wohin?)

4. Überlegungen zum Lehr-Lernprozess (Wie?)

5. Unterrichtsverlauf (siehe Anhang)

6. Reflexion

7. Anlagen

Experten für die Anrede

Experten für den Gruß

Experten für den Briefumschlag

Tafelbild

Gruppe – Lehrerin – (Frau Lempel)

Gruppe – Schüler oder Schülerin

Gruppe – Weihnachtsmann

Gruppe – Vater (Herr Müller)

1. Zur Ausgangslage des Unterrichts

1.1 Geschichte der Schule:

Zunächst wird ein kurzer Abriss über die Schulentwicklung in G geliefert. Erstmals im Jahre 1607 wurde ein Schulmeister in G namentlich erwähnt. Jedoch musste der Schulbetrieb, unter anderem aufgrund des 30-jährigen Krieges, über mehrere Jahre hinweg still gelegt werden. Erst die Umsetzung von Johann Peter Hebels Plan zur Organisation des deutschen Bildungswesens, im Jahre 1829, macht das Schulwesen in G interessant. Zunächst lag die Schulaufsicht in den Händen der Kirche, die seit 1860 nur noch für die religiöse Unterweisung der Schüler zuständig ist. Seit diesem Zeitpunkt gibt es ein Gesetz, das dem Staat die Obhut der Schulaufsicht erlaubt.

Kleine Räumlichkeiten dienten über viele Jahre hinweg der Lehre, aber da die Schüleranzahl stetig anstieg, errichtete man im Jahr 1960 den Bau der heutigen K-Schule, der es seit 1965 auch Schülern aus Nebenortschaften möglich machte, am Hauptschulbetrieb in G teilzunehmen. 1991 folgte dann die Angliederung der Werkrealschule, die wiederum für steigende Schülerzahlen sorgte.

Der Name „K-Schule“ wurde 1995 eingeführt. Bereits seit 1880 wird reger Austausch zu Frankreich geführt und ein Förderprogramm mit dem Slogan „Lerne die Sprache des Nachbarn“ unterstützt die Partnerschaft zu einer französischen Schule bis heute.

Außerdem unterstützt der Verein „Kernzeitbetreuung e.V.“ die Schule seit 2002, durch das Angebot der Nachmittagsbetreuung. Regelmäßige Erweiterungen und Neuerungen der Pausenhofgestaltung sowie die Einrichtung eines Computerraumes mit Internetzugang zeugen von innovativem Engagement, was selbstverständlich in erster Linie den Schülern zugute kommt und die freie Entwicklungsmöglichkeiten aller fördert.

1.2 Institutionelle Bedingungen

In die Klasse 4 b gehen insgesamt 24 Schülerinnen und Schüler. Das Verhältnis von Mädchen und Jungen gleicht sich genau aus, das heißt, es gibt 12 Mädchen und 12 Jungen. Genau vier Kinder bilden den Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund. Zwei Mädchen und ein Junge haben dadurch sprachliche Schwierigkeiten, ein Mädchen hingegen beherrscht die deutsche Sprache gut. Der Junge ist sehr ruhig und beteiligt sich nur gering bis gar nicht am Unterrichtsgespräch, dafür versucht er aber mit schriftlichen Zusatzaufgaben, die schwache mündliche Leistung zu kompensieren. Diese Schwäche sollte beim Unterrichten berücksichtigt werden. Ein anderer Junge, ohne Migrationshintergrund, sollte gut im Auge behalten werden, weil er aus Erfahrungen der Lehrerin, dazu neigt, sich absichtlich Schmerzen zuzufügen. Ich konnte in einer der Hospitationsstunden erkennen, dass er eine Schere in den Mund nahm und diese darin betätigte. Das zeugt nicht unmittelbar von einem Verletzungsdrang, dennoch sollte auf ihn besonders geachtet werden. Er sitzt allein und ist mir nicht weiter negativ aufgefallen. Zudem befinden sich einige „Quatsch-köpfe“ in der Klasse, was aber meines Erachtens nach mit dem Alter zusammenhängt und normal ist. Im Großen und Ganzen ist die Klasse nach meinen Beobachtungen sehr lernwillig und aufmerksam.

Die Lernumgebung lässt sich folgendermaßen erläutern: Das Klassenzimmer ist sehr geräumig, was Platz zum Spielen in den Pausen ermöglicht. Die Schüler und Schülerinnen besitzen einen eigenen Tisch und bilden eine klassische Sitzordnung in drei Reihen mit jeweils vier Kindern und einem Mittelgang. Die Wände und Fenster sind sehr schön, mit eigenen Arbeiten der Schülerinnen und Schüler, geschmückt. An der rechten Wand hängen europäische Fahnen und Plakate zu einzelnen EU-Ländern mit den Überschriften: „Wir leben in Europa“ und „Wir sind Kinder der Erde“. Dies symbolisiert ein Miteinander aller und schafft visuell ein Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Klassengemeinschaft. Die weiteren Wände und Fenster sind mit vielen Tieren verziert, Fledermäuse, Drachen, Igeln. Außerdem werden einzelne Fachbereiche visualisiert: Es finden sich Herbstblätter vor, die das vorherige MeNuK-Thema „Herbst“ veranschaulichen, ein Zahlenstrahl vertritt die Mathematik und die erlernten Grammatikregeln aus dem Deutschunterricht sind auch nicht zu vermissen. Zudem befindet sich ein Computer im Klassenzimmer und eine Spielkiste, bei der sich die Schüler in den Pausen bedienen dürfen.

Die Ausstattung der Lernumgebung spielt für meinen geplanten Unterricht nur in geringem Maße eine Rolle. Es wird lediglich Platz für die Gruppenarbeit benötigt. Für die Lehr- und Lernmittel sorgen die Schüler und ich selbst und als Medium benötige ich eventuell die Tafel.

Die Pauseneinteilung ist in der K-Schule wie folgt geregelt: Die Schüler haben spätestens nach der dritten Unterrichtsstunde, um 9.55, eine große Pause, die mit einem Gong eingeleitet wird. Zwischen den einzelnen Stunden findet in der Regel eine fünf-minütige Pause statt, wobei hier kein Pausengong ertönt. Das schafft Flexibilität für die Lehrpersonen.

1.3 Anthropologische und soziale Bedingungen

1.3.1 Sachstruktureller Entwicklungsstand:

Im Hinblick auf das Thema „Einen Brief schreiben“, haben die Schüler erst wenig Vorerfahrung. Eingeleitet wird das Thema direkt eine Stunde vor meinem Unterricht, anhand eines Kapitels aus Pippi Langstrumpf, in dem Pippi einen Brief schreibt und die Schüler diesen, mit Fehlern überhäuften Brief, korrigieren. Ich vermute, dass dies die erste Erfahrung im Umgang mit Briefen sein wird und die Schüler sich deshalb neugierig und offen auf das Thema einlassen werden.

Die Schüler haben bereits alle Arbeits- und Organisationsformen im Unterricht kennengelernt, woraus ich schließen kann, dass die geplante Gruppenarbeit rein organisatorisch gelingen wird.

Das Spektrum der Leistungsmöglichkeiten sowie das Lerntempo empfinde ich als äußerst schwierig einzuschätzen, da es die erste Gruppenarbeit ist, die in meinem Beisein mit der Klasse durchgeführt wird. Zudem denke ich, dass auch die Gruppenzusammenstellung eine wichtige Rolle spielt. Schüchterne Schüler werden sich im Hintergrund halten, Kinder, die gern Blödsinn machen sind vielleicht unkonzentrierter als andere und lernen deshalb nicht so viel und andere wiederum, deren Muttersprache nicht deutsch ist, werden schon Schwierigkeiten bekommen, innerhalb der Gruppe, ihr Expertenwissen aus der vorigen Unterrichtsphase zu erklären. Dies sind alles Faktoren, die das Lerntempo sowie die Lernmöglichkeit stark beeinflussen.

1.3.2 Soziale Aspekte in der Klasse

Das soziale Klima in der Klasse ist mir nicht negativ aufgefallen. Die Jungen und Mädchen bilden Gruppen innerhalb ihres Geschlechts, eine Art „Feindschaft“ oder Bündnisse gegen andere Gruppenbildungen gibt es eher nicht. Wenn es zu Konflikten kommt, dann vorwiegend aufgrund einzelner Schüler, die Schwierigkeiten haben, sich zu integrieren und durch kleine Hänseleien Aufmerksamkeit erregen. Im Unterricht selbst finden Hänseleien aber nicht statt. Mindestens ein Schüler ist gern etwas vorlaut und frech, dies kann auch gegenüber dem Lehrer der Fall sein, indem zum Beispiel eine Arbeitsverweigerung laut formuliert wird. Dieser Fall ist aber erst einmal aufgetreten. Solche Äußerungen können die Lernsituation der unmittelbar Nebensitzenden durchaus beeinflussen. Ein anderer Schüler kommt häufig unpünktlich zum Unterricht. Diese Art Störungen beeinflussen die allgemeine Lernsituation.

1.3.3 Personale und soziokulturelle Aspekte der einzelnen Schülerinnen und Schüler

Eventuell kann es von Vorteil sein, die familiäre Lebenssituation oder das sozio-kulturelle Umfeld einzelner Schüler zu kennen und diese Bedingungen beim Unterrichten zu beachten. Zum Beispiel, wenn Familienangehörige oder Kinder von Krankheiten geprägt sind oder einzelne Kinder zuhause schlecht behandelt werden, was sich innerhalb des Umgangs mit Klassenkameraden widerspiegeln kann. Mir ist dies aber nicht möglich, da ich wegen der kurzen Zeit in dieser Klasse keinen Einblick über außerunterrichtliche Gegebenheiten habe.

1.3.4 Perspektive des Lehrenden

Ich sehe bezüglich des Unterrichtsthemas „Einen Brief schreiben“ inhaltlich keine Schwierigkeiten. Vorerfahrungen habe ich durch meine eigene Schulzeit und vielerlei Aufsätzen, in denen Briefe ein Thema waren, gesammelt. Beispielsweise habe ich im schriftlichen Abitur zum Thema „Effi Briest“ zwei Briefe aus verschiedenen Sichtweisen verfasst. Zudem habe ich selbstverständlich auch private Briefe sowie Briefe an verschiedene Behörden verfasst.

2. Zum Unterrichtsgegenstand: Überlegungen und Entscheidungen

2.1 Klärung des Unterrichtsgegenstands (Wasß)

2.1.1 Begriff:

„Brief“: lateinisch: brevis = kurz

Der Brief ist eine auf Papier festgehaltene Nachricht, die meist von einem Boten übermittelt wird und eine für den Empfänger gedachte persönliche Botschaft enthält.

2.1.2 Historie:

Bereits im 15. und 16. Jahrhundert finden Briefwechsel im abendländischen Mittelalter ihren Ausgang, natürlich nur zwischen denjenigen, die des Lesens und Schreibens mächtig waren. Er diente von Beginn an zur Informationsvermittlung. Ertsmals interessant wird der Brief im 18. Jahrhundert, und zwar dahingehend, weil erstmals ein gesteigertes Mitteilungsbedürfnis aufkommt, begründet durch eine Kultivierung des „geselligen Betragens“ (Schleiermacher). Die Leseforschung sieht zudem die Chance einer Verbesserung der allgemeinen sprachlichen Ausdrucksfähigkeit. Somit werden Lesegesellschaften zu Zentren einer neuartigen Konversationskultur.

„Hand in Hand mit der Zunahme und Bereicherung der Lektüre ging die Zunahme und Bereicherung des Ausdrucksvermögens. Die Leserevolution hatte eine Revolution der Mitteilung von Erfahrungen, Erfindungen, Gedanken und Empfindungen sowohl zur Voraussetzung wie zur Folge.“[1]

In Privatbriefen, der Teil dieser Konversationskultur ist, bringen Personen in sprachlich selbstdarstellender Form ihre individuelle Erfahrungs- und Erlebniswelt zur Geltung. Man spricht nun beim Briefverkehr von „Literaler Kommunikation“ (Koschorke). Indem sich der Brief an der Logik des zwischenmenschlichen Umgangs und den Themen mündlichen Austauschs orientiert, klassifiziert man den Brief als „eine Nachahmung des guten Gesprächs“ (Gellert). Der Briefverkehr allgemein betrachtet, findet in erster Linie zu prosaischen Zwecken statt, gelegentlich zu Privatzwecken.

Im Verlauf gesellschaftlicher Fortschritte entwickelt sich der Brief hin zu einem Medium der Intimität und auch seine poetischen Qualitäten steigen. Man differenziert heute zwischen Privatbriefen und Geschäftsbriefen, doch dazu im Folgenden mehr.

2.1.3 Brieftheorie:

Die Brieftheorie orientiert sich am literarischen Dialog, setzt sich aber mit folgender Argumentation von dieser Gattung ab. Der schriftliche Dialog ist eine nachahmende Vergegenwärtigung einer mündlichen Unterredung, wohingegen der Brief bereits die Hälfte eines schriftlichen Gesprächs darstellt. Das heißt, vorausgesetzt der Brief wird an einen Leser adressiert, der wiederum zum Schreibmaterial greift und somit eine phasenverschobene Kommunikation ermöglicht.

Der Brief ist eine schriftliche Form der Rede und hebt als Kommunikationsmedium eine räumliche Distanz zwischen Gesprächspartnern auf, pflegt aber dennoch den persönlichen Kontakt mindestens zweier Personen.

Er besitzt eine so elementare Funktion, dass die Unterschiede zwischen persönlichen und unpersönlichen, interaktionsnahen und und sachbezogenen Schreiben nicht eigens wahrgenommen werden müssen. Zudem garantiert er eine unmittelbare und authentische Form der Kommunikation und ermöglicht das mehrfache rezipieren. Dies impliziert gleichzeitig, dass der Schreibende, seine Formulierungen präziser wählt als es in der mündlichen Kommunikation nötig wäre.

Der Brief ist gewöhnlich darum bemüht, den Gestus und die Bewegung des Sprechens mimetisch festzuhalten, um dadurch die reflexive Qualität der Kommunikation zu erhöhen. Der Nachteil eines Briefes besteht also darin, dass weder die Mimik noch die Körpersprache einer Interaktion schriftlich festgehalten werden können und sich der Leser somit mit der verbalen Information der Rede, in Form der reduzierten Schrift, begnügen muss.

[...]


[1] Zit.n. Robert Vellusig: Schriftliche Gespräche. Briefkultur im 18. Jahrhundert. Verlag Böhlau, Wien, 2000

Details

Seiten
28
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783668176263
ISBN (Buch)
9783668176270
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182487
Schlagworte
Gruppenarbeit Handlungs- und Produktionsorientierung

Autor

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