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Veränderte Adoleszenz in Gesellschaft und neuerer Literatur unter besonderer Berücksichtigung der Homosexualitätsthematik - interessant auch für den Deutschunterricht?

Examensarbeit 2010 165 Seiten

Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Adoleszenz
1. Adoleszenz: eine neue Lebensphase?
1.1 Begrifflichkeit und Abgrenzung
1.2 Kennzeichen
2. Adoleszenz im soziologisch-psychologischen Brennpunkt
2.1 Veränderte Lebensbedingungen von der Kindheit bis zur Adoleszenz
2.2 Strukturwandel der Lebensphase Adoleszenz
2.3 Die Problematik der Geschlechterrollen
2.4 Scheitern in der Adoleszenz
3. Adoleszenz in der Gegenwartsliteratur – der Adoleszenzroman
3.1 Definition
3.2 Geschichte und Abgrenzung
3.3 Thematik und Merkmale
3.4 Die Initiationsreise – ein literarisches Modell
4. Der Adoleszenzroman im aktuellen Diskurs

II. Homosexualität
1. Homosexualität: Phänomen und Geschichte
1.1 Begrifflichkeit und Erklärungsansätze
1.2 Historische Perspektive
2. Homosexualität im soziologisch-psychologischen Brennpunkt
2.1 Die homosexuelle Identitätskrise
2.2 Der homosexuelle Bewusstseinsprozess – das Coming Out
2.3 Aktuelle Entwicklungen
3. Homosexualität im zeitgenössischen Adoleszenzroman
3.1 Historische Darstellungsweise
3.2 Literarische Darstellungsweise
3.3 Systematische Darstellungsweise

III. Romananalyse
1. Literarische Kritik nach Hans-Heino Ewers
2. Aidan Chambers: „Tanz auf meinem Grab“
2.1 Historische Darstellungsweise
2.2 Literarische Darstellungsweise
2.3 Systematische Darstellungsweise
3. Inger Edelfeldt: „Jim im Spiegel“
3.1 Historische Darstellungsweise
3.2 Literarische Darstellungsweise
3.3 Systematische Darstellungsweise
4. Mirjam Pressler: „Für Isabel war es Liebe“
4.1 Historische Darstellungsweise
4.2 Literarische Darstellungsweise
4.3 Systematische Darstellungsweise
5. Zusammenfassung der Ergebnisse
5.1 Literarische Kritik gestützt auf die Romananalysen
5.2 Kritik an der Vielfalt ästhetischer Gestaltphänomene

IV. Didaktische Analyse
1. Didaktische Relevanz des Themas „Homosexualitätsbewusstsein in der Adoleszenz“ für den Literaturunterricht im Fach Deutsch
1.1 Bildungsplanbezug
1.2 „Literatur begeistert“
1.3 Literaturdidaktische Emanzipation und Aufklärung
2. Didaktische Begründungsansätze
2.1 Pädagogische Bildungsziele
2.1.1 Identitätsentwicklung
2.1.2 Fremdverstehen
Exkurs: Erfahrungsbericht einer 61-jährigen homosexuellen Frau
2.2 Literarische Bildungsziele
2.2.1 Kritisches Lesen
2.2.2 Ästhetische Bildung
2.3 Literarisches Lernen
3. Elf Aspekte literarischen Lernens durchgeführt an Aidan Chambers „Tanz auf meinem Grab“

Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Anhang
1. Werbung entdeckt die Homosexuellen
2. Fragebogen zum Erfahrungsbericht einer homosexuellen Frau

Einleitung

“Wir müssen mehr tun für die Familien von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender. Gleichberechtigung in Fragen der Beziehung, der Familie und beim Recht auf Adoption sei kein abstraktes Konzept, sondern es gehe darum, dass Millionen von Amerikanern endlich ihr Leben mit Würde und in Freiheit leben können. […]

Wir müssen jede Diskriminierung gegen Homo-Familien abschaffen.“[1]

Im Kalenderjahr 2008 setzt sich der heute mächtigste Mann der Welt für ein „Leben in Würde und Freiheit“ aller Menschen ein. Er berücksichtigt in seiner Aussage ganz besonders die sexuellen Minderheiten, die heutzutage immer noch in den meisten Nationen der Erde diskriminiert oder gar verfolgt werden.

Noch vor wenigen Jahren wäre ein solches Anliegen im öffentlichen Diskurs, vor allem von einer so großen Persönlichkeit, undenkbar gewesen. Dieser Einsatz bestätigt, dass die Welt nicht stehen bleibt, sie dreht und entwickelt sich stetig weiter. Doch erst wenn alle Menschen dazu bereit sind, ihre Nächsten anzuerkennen und ihre persönlichen Toleranzgrenzen gegenüber der gesamten Menschheit erweitern, kann Minderheiten mit der Unterstützung staatlicher Übereinkünfte ein Leben in Freiheit und Unabhängigkeit gewährleistet werden. Hierzu gehört es, die tabuisierten Themenkomplexe öffentlich anzusprechen.

Ein Bereich, in dem diese öffentliche Aussprache stattfindet, ist traditionell die Literatur. Alle Menschen werden durch das Rezipieren literarischer Texte direkt als auch indirekt beeinflusst. Diese Tatsache wirkt sich auf die Denkstrukturen oder gar Verhaltensweisen eines jeden aus, die wiederum Einfluss auf gesellschaftliche Prozesse nehmen können. In diesem Zusammenhang kommt der Kinder- und Jugendliteratur eine besondere Funktion zu. Sie leistet „kulturelle Bewertung, ist Durcharbeitung und Reflexion der Veränderung von Kindheit im Prozess der Modernisierung. […] Sie ist Teil eines Diskurses […] immer wieder dazu herausgefordert, in Zustimmung und Abwehr der gesellschaftlichen Veränderungen Anderes und Neues zu entwerfen und zu gestalten.“[2] Je eher Kinder und Jugendliche mit diversen Themenkomplexen durch geeignete Literatur konfrontiert werden, desto eher lernen sie, sich von Vorurteilen zu befreien und eigene Sichtweisen zu entwickeln. Durch eine angemessene Beschäftigung mit Literatur im Unterricht kann die jeweilige Lehrperson diesen Prozess positiv beeinflussen.

Der Philosoph Ludwig Wittgenstein bringt die dafür benötigte Grundvoraussetzung auf den Punkt.

„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“[3]

Wie auch immer er selbst seine Worte gedeutet haben mag, so drücken sie aus, dass eine Welt ohne Sprache[4] explizit nicht existiert. Menschen kommunizieren, sie teilen sich mit, drücken Emotionen aus – erst durch die Repräsentanz der Sprache entsteht ein Bild von der Welt und somit die Existenz einer Sache. Auf diese Weise herrscht immer eine Wechselseitigkeit zwischen der Sprache und der Welt vor. In der Welt geschehen Ereignisse, die zur Sprache gebracht und diskutiert werden. Bringt man Ereignisse nicht zur Sprache, existieren sie theoretisch nicht in der Welt.

Ziehen wir exemplarisch die Geschichte des Holocausts heran. Durch die sprachliche Reflexion dieser Ereignisse entsteht unser Geschichtsbewusstsein. Stirbt die Kommunikation, so stirbt die Thematik. Gäbe es keine Sprache, so gäbe es keine Vergangenheit. Das heißt konkret, Sprache und Themen bedingen sich gegenseitig und bestehen nicht nur nebeneinander. Ebenso wird diese Feststellung durch den aktuellen Skandal der römisch-katholischen Kirche um den sexuellen Missbrauch von Jugendlichen bekräftigt. Erst das Verbalisieren von Erlebnissen seitens der Opfer ermöglicht eine Auseinandersetzung mit der Thematik, die wiederum Reaktionen nach sich zieht. Aktuell beteuert der Kardinalstaatssekretär Bertone „Nicht das Eheverbot für katholische Priester, sondern die Homosexualität habe Schuld an den Missbrauchsfällen.“[5] Wie hoch der Wahrheitsgehalt dieser Äußerung tatsächlich ist, bleibt abzuwarten. Wurde Homosexualität am Beispiel Obamas eben noch als positiv anzuerkennendes Wesensmerkmal bejaht, so wird sie in einem nächsten Atemzug gleich wieder negativ konnotiert. Genau dieses Wechselspiel von Toleranz und Ablehnung spiegelt den aktuellen Stand der Homosexualitätsauffassung in unserer Gesellschaft wieder.

Es gibt Dinge, deren Existenz sich die Menschheit durchaus bewusst ist, Dinge, die aber nicht ins Bewusstsein gerufen werden wollen, die die Menschen nicht wahrhaben wollen. Die häufigste Quintessenz daraus, besteht im Verschweigen potentieller Existenz. Das bedeutet, Themen wie Missbrauch oder Homosexualität sind in der Praxis gegenwärtig, werden theoretisch jedoch verschwiegen, ganz gleich, ob die betroffenen Individuen Schaden davon tragen oder nicht. Sie sind tabu.

„Eigentlich geht es genau darum […] – dass du nicht leben kannst, wenn du dich der Welt nicht öffnest. Wenn du Kommunikation vermeidest, bist du nicht lebensfähig. Dann stirbt etwas in dir ab.“[6]

Allein durch die Vermittlung von Zeichen oder Sprache wird eine Sache (oder gar ein Mensch) zum Leben erweckt und gelangt damit in den öffentlichen Diskurs, wodurch unterschiedliche Blickwinkel gebildet werden können. Eigene Meinungen und Ansichten entwickeln sich beim Sehenden, Fühlenden, Hörenden oder Lesenden. Standpunkte manifestieren sich. Hierzu leistet, neben der Sprache, besonders das Medium Buch bzw. der Text seinen Beitrag. Der Adoleszenzroman ist eine exemplarische Gattung, die in dieser Arbeit als sprachliche und somit existentielle Grundlage der Homosexualitätsthematik dient, diese aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet und den gegenwärtigen Entwicklungsstand beleuchtet.

Als besonders interessant erschien bei der Recherche die Tatsache, dass sich eine enorme Anzahl an Autoren mit der Homosexualitätsthematik befassen. Generell wird das Interesse an diesem Themengebiet stark unterschätzt. Inwiefern diese vielfache Beschäftigung von literarischer Qualität zeugt, wird in dieser Arbeit exemplarisch untersucht.

Ein erster Zugang zu der Thematik erfolgt durch eine ausführliche Klärung der beiden Themenbereiche Adoleszenz und Homosexualität. Innerhalb dieser Darstellungen werden sie zueinander in Beziehung gesetzt und unter Einbezug der literarischen Gattung des Adoleszenzromans zusammengeführt. Als exemplarische Beispiele dienen die Romane „Tanz auf meinem Grab“ von Aidan Chambers, „Jim im Spiegel“ von Inger Edelfeldt und „Für Isabel war es Liebe“ von Mirjam Pressler. Diese werden anhand eines erarbeiteten Kriterienkatalogs auf ihre historische, literarische und systematische Darstellungsweise untersucht und gedeutet. Schließlich soll mit Hilfe einer didaktischen Analyse das literarische Lernpotential dieser Romane erörtert werden. Ob und inwiefern der Deutschunterricht die Homosexualitätsthematik als einen Beitrag zum „Literarischen Lernen“ nutzen kann, wird unter besonderem Einbezug von Aidan Chambers „Tanz auf meinem Grab“ geprüft.

I. Adoleszenz

Die Adoleszenz ist eine Lebensphase, die im Folgenden näher beleuchtet werden soll. Begonnen bei der Begriffsklärung sowie der Einordnung in den menschlichen Lebenslauf folgen anschließend Merkmale, die diese Lebensphase auszeichnen. Anhand eines Abrisses der veränderten lebensweltlichen Bedingungen vom Kindesalter an, wird Adoleszenz in den Kontext der Gesellschaft gesetzt. Mit der Adoleszenz geht stets die endgültige Ausbildung der jeweiligen Geschlechtsrolle einher. Ein kurzer Abriss gibt in einem letzten Punkt Aufschluss darüber, unter welchen Bedingungen ein Mensch in seiner Adoleszenzphase zu scheitern droht.

1. Adoleszenz: eine neue Lebensphase?

1.1 Begrifflichkeit und Abgrenzung

Der Begriff Adoleszenz entstammt der modernen Entwicklungs- und Jugendpsychologie und ist vom Pubertätsbegriff abzugrenzen. Während unter Pubertät ein rein biologischer Prozess verstanden wird, umfasst der Begriff Adoleszenz den fortwährenden soziokulturellen Entwicklungsprozess der Integration Jugendlicher in die Erwachsenenwelt.[7] Die Adoleszenz beschreibt grundlegend eine Lebensphase, eingebettet in mehrere Übergangsphasen, die über das Jugendalter hinaus bis in das Erwachsenenalter anzusiedeln ist. Nach Carsten Gansels Eingrenzung erstreckt sich die Adoleszenz annäherungsweise innerhalb der Zeitspanne zwischen dem elften und dem 25. Lebensjahr[8], überschneidet sich demnach drastisch mit den umgebenden Phasen und impliziert ursprünglich den Gedanken einer Phase des Schonraumes beziehungsweise des Erprobens.[9] Obwohl dieser Eingrenzungsversuch altersmäßig etwas abwegig erscheint, da zehnjährige nicht als Adoleszente eingestuft werden sollten, bezieht sich diese Arbeit weiterhin auf Gansels Ausführungen. In der Sekundärliteratur ist keine allgemeingültige Definition einer konkreten Eingrenzung der Adoleszenzphase nach Alter vorzufinden.

Der Vollzug unterschiedlicher Übergangsphasen ist von Entwicklungsaufgaben geprägt, die sich als psychisch und sozial vorgegebene Anforderungen an Personen in einem bestimmten Lebensabschnitt darstellen.[10] Remschmidt stellt 1992 eine Systematik auf, die die Vielschichtigkeit von Adoleszenz auf dreierlei Ebenen zu erfassen versucht. Deren Mit- und Gegeneinander ist entscheidend für einen gelingenden Sozialisationsprozess. Es handelt sich um das Zusammenwirken von physiologischen, psychologischen und soziologischen Prozessen. Von besonderer Bedeutung ist unter dem Gesichtspunkt physiologisch die Veränderung aller somatischen Entwicklungsgänge während der Adoleszenz, insbesondere die körperliche und sexuelle Reifung. Psychologisch betrachtet, stehen hierbei individuelle Vorgänge, wie die Bewältigung dieser somatischen und sozialen Veränderung sowie psychosomatische Faktoren im Vordergrund. Die Motivation einer verantwortungsvollen, aktiven Teilnahme in gesellschaftlichen Belangen bildet den Kern des soziologisch en Prozesses, wobei hier noch keine institutionelle Absicherung vorausgesetzt wird.[11]

Die Adoleszenz wird erst seit kurzem als eigenständiger Lebensabschnitt definiert, weil Menschen ohne verfügbare Ressourcen zur Lebenssicherung kürzlich noch unweigerlich als jugendlich eingestuft worden sind. Anders als die Abgrenzung Kindheit – Jugend, bei der die Geschlechtsreife den entscheidenden Übergangspunkt in den nachfolgenden Lebensabschnitt markiert, ist eine an das biologische Alter gekoppelte Spanne beim Übergang Jugend – Adoleszenz – Erwachsenenalter nicht gegeben. Die Übergänge sind fließend. Noch vor wenigen Jahren war von der Adoleszenz als Lebensphase keine Rede, weshalb Klaus Hurrelmann noch im Jahr 1997 lediglich drei Lebensphasen, Kindheitsalter – Jugendalter – Erwachsenalter, unterschied.[12] Er sprach jedoch von einem „Nachjugendalter“[13], das vermutlich dem heute verwendeten Begriff „Adoleszenzalter“ entspricht. Eine Berücksichtigung politischer, sozialer oder kultureller Partizipation, die sich zumeist erst nach dem Jugendalter (etwa im Alter zwischen 20-35 Jahren) entwickelt, wurde bis dahin vollständig ausgeblendet. Jedoch obliegt die Jugendphase seit wenigen Jahrzehnten einem Strukturwandel, der kulturhistorische Rahmenbedingungen als Kriterium für eine autonome Adoleszenzphase zulässt.[14]

In erster Linie erfordert die Adoleszenz einen unmittelbaren „Abschied von der Kindheit“[15], um den Sprung in die Erwachsenenwelt meistern zu können. Sie darf jedoch keinesfalls auf eine unbedeutende „Durchgangsphase zum Erwachsenenalter“[16] reduziert werden. Vielmehr „ergeben sich außerordentlich hohe Anforderungen an die biographische Selbstgestaltung der Lebensphase Jugend“[17], die schließlich einen enormen Einfluss auf den Prozess der Individuierung in der Adoleszenz hat. Selbstverantwortung, Selbstbehauptung und Selbstverwirklichung seien hier als Leitmotive für einen gelingenden Identitäts- und Sozialisationsprozess genannt.[18]

Abschließend ist anzumerken, dass eine klare Abgrenzung der Begriffe „Jugend“ und „Adoleszenz“ schwierig ist. Nach Gansels Überlegungen kann vor der Adoleszenzphase quasi nur die Kindheit liegen, so dass sich die Adoleszenz unmittelbar an diese anschlösse und somit die eigenständige Phase „Jugend“ ausbliebe. Anhand der verwendeten Lektüre entsteht der Eindruck, dass „Adoleszenz“ den Begriff „Jugend“ in der Soziologie abgelöst hat, da der Begriff „Jugend“ in diesem Zusammenhang zu unscharf ist. „Jugend“ ist generell ein Begriff, der im gesellschaftlichen Diskurs synonym mit „jung bleiben“ gebraucht wird. Er bildet im alltagssprachlichen Gebrauch keine klare Abgrenzung zu anderen Lebensabschnitten. Somit kann sich eine sechzigjährige Inlineskaterin durchaus als „jugendlich“ bezeichnen, da ihr Verhalten durch diese Freizeitaktivität als ein jugendliches definiert werden könnte. Die Begrifflichkeit „Adoleszenz“ hingegen wird fast ausschließlich in der Fach- und Sachliteratur verwendet und kann beinahe äquivalent mit dem soziologischen Verständnis von „Jugend“ betrachtet werden.

1.2 Kennzeichen

Wie bereits im obigen Abschnitt angedeutet, ist die Adoleszenzthematik stets soziokulturell geprägt. Aus dem „Wechselspiel zwischen dem Verhalten und den Reaktionen des Jugendlichen und der ihn umgebenden Gesellschaft“[19] ergeben sich zwei Grundtendenzen der Rollenfindung: „eine nach innen, auf das eigene Selbst gerichtete, und eine nach außen, auf die Auseinandersetzung mit der soziokulturellen Umwelt bezogene.“[20] Lange geht grundlegend davon aus, dass die nach innen gerichtete Grundtendenz, die Beschäftigung mit psychischen Unsicherheiten aufzuarbeiten versucht und folglich in einen Individuationsprozess mündet. Diese Grundtendenz umfasst beispielsweise Angelegenheiten wie die Verarbeitung körperlicher Veränderungen, die Ablösung von der elterlichen Autorität und das Streben nach Eigenständigkeit, was schließlich ein verstärktes Nachdenken über sich selbst, die eigene Psyche sowie seinen Platz in der Gesellschaft zur Folge hat. Bei dieser nach innen gerichteten Form der Rollenfindung hat die Existenz einer Peergroup tragende Funktion.[21] Voraussetzung für den Erfolg dieses persönlichen Individuationsprozesses ist der Erwerb kognitiver, motivationaler, sozialer und praktischer Kompetenzen.[22] Er beinhaltet nach Klaus Hurrelmann:

a) schulische und berufliche Qualifikationen,
b) Geschlechtsrollenübernahme und soziales Bindungsverhalten zu Gleichaltrigen,
c) Nutzung des Konsumwarenmarktes und des kulturellen Freizeitmarktes,
d) Aufbau eines eigenen Wert- und Normsystems und eines ethischen und politischen Bewusstseins.[23]

Abweichend von den herausgearbeiteten Qualifizierungsleistungen anhand der inneren Merkmale verlangt die äußere Grundtendenz der Rollenfindung vielmehr eine Anpassung an die sich wandelnden Lebensverhältnisse und Veränderungen der Umwelt. Begonnen bei der traditionellen Zeitplanung, die sich üblicherweise an der Rangfolge „Schulzeit, Ausbildung, Berufseintritt, Auszug aus dem Elternhaus, Heirat, Gründung einer eigenen Familie“[24] orientiert, entwickelt sich die Lebensplanung eines Individuums mittlerweile zu zunehmend individuell verlaufenden Übergangsprozessen und ist von veränderten Abfolgen der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben geprägt.[25] Grundlegend bleiben die Inhalte der zu bewältigenden Entwicklungsaufgaben in den jeweiligen Lebensphasen erhalten. Die nachfolgende Grafik wird die jeweiligen Anforderungen veranschaulichen.

Abbildung 1: Entwicklungsaufgaben in drei Lebensphasen und dazwischenliegende Statuspassagen[26]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Würde man von Carsten Gansels Definition von „Adoleszenz“ ausgehen, so könnte man diesen Lebensabschnitt in dieser Grafik direkt anknüpfend an die Entwicklungsaufgaben des Kindesalters bis zum Erwachsenenalter ansetzen. Die Phase der Adoleszenz würde die dazwischenliegenden Statuspassagen mit einbeziehen.

Insgesamt herrscht eine Individualisierung und Pluralisierung von Lebensstilen vor. Eine ausgeprägte Vielfalt von Lebensentwürfen, Weltbildern und Gruppengefügen ist zu entdecken[27], die allesamt dazu auffordern, sich einer Auseinandersetzung mit seiner jeweiligen soziokulturellen Umwelt zu stellen. Dieser Anspruch erschwert die mit der Adoleszenzsphase einhergehende Entscheidung über die Form der Lebens- und Zukunftssicherung enorm.[28] Doch hierzu folgt im Abschnitt „Strukturwandel der Lebensphase Adoleszenz“ (I. 2.2) eine genauere Erläuterung.

Eine jüngere Spezifikation von Entwicklungsaufgaben, die sowohl die innere als auch die äußere Grundtendenz berücksichtigt, liefern außerdem die Entwicklungspsychologen Eva Dreher und Rolf Oerter im Jahr 1998.

- Aufbau eines Freundeskreises: Zu Altersgenossen beiderlei Geschlechts werden neue, tiefere Beziehungen hergestellt.
- Akzeptieren der eigenen körperlichen Erscheinung: Veränderung des Körpers und des eigenen Aussehens annehmen.
- Sich das Verhalten aneignen, das man in unserer Gesellschaft von einem Mann bzw. einer Frau erwartet.
- Aufnahme intimer Beziehungen zum Partner (Freund/Freundin).
- Von den Eltern unabhängig werden bzw. sich vom Elternhaus loslösen.
- Wissen, was man werden will und was man dafür können (lernen) muss.
- Vorstellungen entwickeln, wie der Partner und die zukünftige Familie sein sollen.
- Über sich selbst im Bild sein: Wissen, wer man ist und was man will.
- Entwicklung einer eigenen Weltanschauung: sich darüber klar werden, welche Werte man hoch hält und als Richtschnur für eigenes Verhalten akzeptiert.
- Entwicklung einer Zukunftsperspektive: Sein Leben planen und Ziele ansteuern, von denen man glaubt, dass man sie erreichen kann.[29]

2. Adoleszenz im soziologisch-psychologischen Brennpunkt

2.1 Veränderte Lebensbedingungen von der Kindheit bis zur Adoleszenz

Bis in die 1980er Jahre hinein lag die Erziehung und Bildung von Kindern fast ausschließlich in den Händen der Familie. Sie diente nahezu als alleinige soziale Schutzzone. Neben der Erziehungs- und Bildungsinstanz Schule, die schon damals beachtlichen Einfluss auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen nahm, sind heute unzählige weitere einflussreiche Einrichtungen vorhanden, insbesondere im Konsum- und Freizeitmarkt[30], denke man an die enorme Anzahl an Vereinen oder Musikschulen. Zudem sind das Verhalten und die Anpassung aller vorwiegend von sozio-ökologischen und kulturellen Veränderungen geprägt, deren wichtige Auffälligkeiten und Faktoren im Folgenden skizziert werden. Angefangen bei der Kindheit bis über die Adoleszenz hinaus soll ein Überblick über den aktuellen Strukturwandel unserer Lebenswelt geliefert werden. Dabei muss unbedingt berücksichtigt werden, dass es sich um Entwicklungen handelt, die individuell sehr unterschiedlich zu betrachten sind.

Unsere Gesellschaft ist geprägt von einer Vielzahl unterschiedlicher Entwicklungen, die zu Einschränkungen unserer Lebenswelt führen. Es erfolgte im Lauf der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine tendenzielle Angleichung kindspezifischer und erwachsenenspezifischer Lebens- und Verkehrsformen. Der zunehmende KFZ-Verkehr zum Beispiel, mit dem unmittelbar veränderte Siedlungsstrukturen einhergehen, sorgt für eine Verinselung der Kindheit.[31] Dies führt unmittelbar zur Einschränkung der kindlichen Lebensbereiche, in dem Sinne, dass sich Kinder nicht mehr gefahrlos frei auf den Straßen bewegen können und sich alternativ häufig zuhause oder in öffentlichen Räumen treffen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Verinselung der Lebenswelt von Kindern (nach Zeiher 1996).[32]

Diese Tatsache wirkt sich auf die Veränderung von kindlichen und jugendlichen Kontaktstrukturen aus. Anders, als noch vor zehn bis zwanzig Jahren, als junge Menschen Kinder jeden Alters auf der Straße antrafen, entwickelte sich bis heute eine Art „Verabredungsgeflecht“, bei dem die Kinder und Jugendlichen nach Vereinbarung meist nur gleichaltrige Freunde treffen. Dadurch entstehen sehr einseitige Kontakte, bei denen notwendige Kompetenzen wie zum Beispiel Durchsetzungsvermögen kaum mehr in dem Maße geschult werden können wie noch vor wenigen Jahren.[33] Kinder behaupten sich innerhalb von Gruppen immer weniger durch die Fähigkeit des kooperativen Umgangs miteinander. Man braucht sich vor Älteren oder Stärkeren nicht zu schützen und auch mit keine Kontakte zu pflegen.

Der individuelle Status hängt mittlerweile stark vom Konsum neuester Trends ab, seien es Spielsachen oder auch Kleidung. Vieles ist dadurch bequemer geworden, die Persönlichkeitsentwicklung im Sinne der Ausbildung eines starken Charakters hingegen wird auf diese Weise auf eine harte Probe gestellt. Desweiteren ist die Zahl der Ehescheidungen und der drastische Geburtenrückgang in den letzten Jahrzehnten exemplarisch dafür, dass Kinder immer seltener unter Geschwistern aufwachsen. Dadurch bedingt leidet die Ausbildung sozialer Kompetenzen enorm. Es ist keine geschwisterliche Konkurrenz vorhanden. Folglich stehen Einzelkinder häufig im Mittelpunkt und sind zum Teil „überbehütet“, wodurch der Anspruch an elterliche Liebe auf Seiten der Kinder enorm hoch ist. Eine geschwisterliche Solidarität gegenüber den Eltern ist ausgeschlossen. Ebenso fehlt die Erfahrung, dass man sich gegenseitig hilft oder füreinander sorgt. Darüberhinaus müssen sich Jugendliche ihre Freiheiten allein erkämpfen. Die Anzahl der Einzelkinder hat sich in den letzten 50 Jahren verdoppelt, so dass beispielsweise in Klassenverbänden immer häufiger der Fall eintritt, dass solche Schülerinnen oder Schüler nur schwerlich Konkurrenz oder Kritik ertragen können oder sogar bei Nichtbeachtung extrem verletzt reagieren.[34] An dieser Stelle sei jedoch erwähnt, dass Autoren oftmals dazu neigen, veränderte Faktoren in Verhaltensweisen und Umgangsformen von Kindern und Jugendlichen zu generalisieren, weshalb in Veröffentlichungen häufig kulturpessimistische Haltungen publiziert werden, die nicht immer empirisch nachgewiesen worden sind.[35] Zum anderen kann nicht geleugnet werden, dass sich grundlegende Verhältnisse weltweit immer weiter entwickeln und bereits bei Betrachtung der Kindheitsphase eine Veränderung der gesamten Gesellschaft und deren Struktur unverhüllt ans Licht kommt.

Die Expertisierung der Kinder und Jugendlichen ist ein weiteres Merkmal veränderter Strukturen. Eltern glauben, sich in einer Art Wettbewerb zu befinden, dessen Ziel es ist, den Anforderungen der Gesellschaft in höchstem Maße Stand zu halten. Sehr früh erhalten Kinder spezifische Förderung, damit sie in manchen Bereichen anderen überlegen sind, um auf diese Weise einen möglichst hohen Rang in der Gesellschaft zu erlangen. Die Konsumorientierung ist hierbei ein ebenso relevantes Resultat. Kinderzimmer werden zu individuellen Spiellandschaften oder Lernbüros ausgestattet, so dass kaum mehr Raum und Zeit für Kreativität geschaffen wird. Der Aufbau sozialer Beziehungen leidet darunter drastisch. Während Kinder zu früheren Zeiten die Welt, das heißt ihre Umgebung, noch entdecken und erkunden konnten, spricht man heutzutage vielmehr von einer „Terminkindheit“ oder auch „Medienkindheit“, die eine Freizeit im Sinne von freier Zeit kaum mehr bieten.

Den Umweltbeschränkungen geschuldet, wird auch die kindliche Zeitstruktur mit der der Erwachsenen durchsetzt. Kindgemäße Lebensbereiche werden durch erwachsenenspezifische Mediengewohnheiten ersetzt, womit eine Nivellierung des Kindheits- und Erwachsenenstatus einhergeht.[36] Der frühzeitige Erwerb von Statusmerkmalen Erwachsener im Freizeit-, Konsum- und Medienbereich tritt bereits im Alter von etwa 10 Jahren ein.[37] Postman spricht sogar vom „Verschwinden der Kindheit“ (Postman, 1983).[38]

Die vielfache Berufstätigkeit beider Elternteile führt zu Organisationsproblemen. Nach der Schule überbrücken viele Jugendliche und zum Teil auch Kinder ihre Zeit allein zuhause. Sie sind für die sorgfältige Erledigung ihrer Hausaufgaben selbst verantwortlich, was nicht bei allen Schülerinnen und Schülern funktioniert und sie müssen auch häufig ihre Versorgung selbst gewährleisten. Übermäßiger Fernsehkonsum kann als ein Argument für die Verhäuslichung der Kindheit geltend sein. Oftmals wissen die Eltern weder über die Nachmittagsbeschäftigung und den Spielort noch über die Freunde ihrer Kinder Bescheid. Diese Kinder lernen normalerweise sehr früh Eigenverantwortung zu tragen, andererseits weisen sie auch vermehrt Verhaltens- und Lerndefizite auf.

Untersuchungen des Deutschen Jugendinstituts aus dem Jahr 2000 widerlegen wiederum die These, die eine drastische Verhäuslichung, Verplanung und Verinselung moderner Kindheit unterstellt. So halten sich mindestens 60% der Städtekinder mehrmals die Woche im Freien auf. Jungen gehen dabei vorwiegend sportlichen Aktivitäten nach, Mädchen eher sozialen, indem sie Freundinnen besuchen. Freunde treffen, Sport treiben (insbesondere Radfahren) und Fernsehen sind die Lieblingsbeschäftigungen aller Kinder und Jugendlichen am Nachmittag. Häufig treffen sie sich in öffentlichen Räumen, Haupttreffpunkt bleibt dennoch die Wohnung. Eine sogenannte „verplante Kindheit“ trifft insgesamt nur auf einen Teil der Kinder und Jugendlichen zu. Ganze 80% nehmen institutionelle Freizeitaktivitäten an, meist in den Bereichen Sport und Musik.[39] Noch nie zählten die Sportvereine so viele und so junge Mitglieder wie heute. Kinder lernen immer früher komplexe Sportarten wie Schwimmen oder Skifahren und doch ist die Anzahl der motorisch Auffälligen höher denn je. Probleme mit den Grundfertigkeiten wie Laufen, Springen oder Klettern sind vermutlich darauf zurückzuführen, dass Spiel- und Bewegungsangebote zumeist institutionalisiert und organisiert sind.[40] Eigentätigkeit bleibt auf der Strecke und die Umwelt wird mithilfe der Technisierung erfahren, bedenke man zum Beispiel den Einsatz von Fernsteuerungen bei Spielzeugautos. Dadurch werden den Kindern unmittelbare Erfahrungen des Körpers mit den Dingen vorweggenommen, die ihnen bisher ein Verständnis über Ursache-Wirkungsverhältnisse liefern konnten.

„Die Wirksamkeit des eigenen Handelns, eine Erfahrung, die sich auf das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl des Menschen auswirkt, wird immer häufiger in der Betätigung von Knöpfen und Steuertasten erfahren. Dies führt dazu, dass immer mehr Kinder gelebt werden, anstatt selbst zu leben.“[41]

Übermäßiger Fernseh- und Computerkonsum kann demnach eine Gefahr der kindlichen Entwicklung darstellen. Durch die rasant fortschreitende Technisierung entwickeln sich die Medien enorm schnell, was deren Attraktivität deutlich steigert. Der Markt an neuen Computerspielen beispielsweise ist kaum zu bremsen und das Interesse der Jugend wird somit von der Straße in die Kinder- und Wohnzimmer verlagert. ´Die heutige Kindheit entspricht einer Medienkindheit´. Thesen dieser Art sind in den Medien nahezu alltäglich, doch sollte man solche Aussagen immer vor dem Hintergrund einer objektiven Betrachtungsweise hinterfragen. Negative Konnotationen diesbezüglich sind die Regel. Zwar ist es wahr, dass bereits eine große Anzahl an Grundschülern mehrere Stunden am Tag, ihre Zeit mit neuen Medien verbringen, allerdings sollten auch Chancen, die diese bieten, nicht unbeachtet bleiben. Junge Heranwachsende haben bei der Rezeption qualitativ hochwertiger Sendungen die Möglichkeit, ihren Horizont zu erweitern. In der Schule ist man ein Teil des Ganzen, wenn man über die neuesten Serientrends Bescheid weiß und mitreden kann. Selbst Werbespots haben positiven Einfluss auf die Entwicklung eines Kindes, da sie aufgrund ihrer Kürze ein schnelles Orientierungslernen unterstützen.[42]

Die genannten Ausführungen zur veränderten Kindheit verdeutlichen, dass es kein stereotypisches Muster des Aufwachsens mehr gibt. Kindheit verläuft hochgradig individuell. Die aufgeführten Bedingungen des Aufwachsens sind extrem widersprüchlich, beispielsweise die Aspekte Überbehütung versus Eigenverantwortung. Sie sind nicht allein abhängig von den veränderten Umweltbedingungen, sondern vielmehr vom sozialen und beruflichen Stand der Familie. Die sich daraus ergebenden Chancen und Folgen haben enormen Einfluss auf die darauffolgende Lebensphase.

2.2 Strukturwandel der Lebensphase Adoleszenz

Betrachtet man zunächst gesondert die sich wandelnden Lebensbedingungen der Industriegesellschaften im Kindes- und Jugendalter, kann davon ausgegangen werden, dass sich der Strukturwandel bis ins hohe Alter ausdehnt und erheblichen Einfluss auf alle Lebensphasen eines Menschen nimmt. Die Veränderung des zeitlichen Musters in der Adoleszenzphase hat sich insofern gewandelt, als eine berufliche Sicherung oftmals erst zwischen dem 25. und dem 30. Lebensjahr erfolgt. In vielen Fällen geht damit eine langjährige Abhängigkeit von elterlicher Unterstützung einher, was eine Beeinträchtigung eines gefestigten gesellschaftlichen Status bis dahin zur Folge hat.[43] Die zeitliche Ausdehnung der Jugend- und Adoleszenzphase, die keine klare Abgrenzung mehr zwischen Kindheit, Jugend und Erwachsensein zulässt, hat mitunter völlig verschiedene Lebensentwürfe zur Folge. Erdheim spricht dabei von sogenannten „heißen Gesellschaften“, die Jugendlichen ein Ausleben der „Antagonismen zwischen Familie und Kultur“ sowie ein Ausprobieren der Kreativität gewährleistet.[44] Somit entstehen aus der traditionellen „Normalbiographie“ „Bastel“- oder gar „Risikobiographien“, die ständig eine Neudefinition der jeweiligen Familien- oder Berufsrolle erfordern.[45]

2.3 Die Problematik der Geschlechterrollen

Nicht allein die gelingende Auseinandersetzung eines autonomen Menschen mit sich und seinem sozialen Umfeld führt zu einer erfolgreichen Sozialisation. Vielmehr tragen sozialisatorische Vorgaben zu einem Vergesellschaftungsprozess bei, durch die Adoleszente gezwungen werden, bestimmten geschlechtstypischen Sozialisations-anforderungen zu entsprechen.[46] Unsere Gesellschaft wird zwar durch die fortwährende Aufforderung zu einer Geschlechtsnivellierung geprägt, bestärkt durch den Einfluss der Bildungseinrichtungen und Medien. Die Wirklichkeit zeigt jedoch weiterhin klare Anforderungsmuster, denen Männer und Frauen unterworfen sind, wenn sie Achtung und Anerkennung in der Gesellschaft erfahren wollen.

An dieser Stelle soll die Problematik der spezifischen Geschlechtsanforderungen für eine Zukunftssicherung anhand des männlichen Geschlechts näher erörtert werden, weil sich die nachfolgende Romananalyse ebenfalls vorwiegend mit männlichen Protagonisten beschäftigen wird.

Männer unterliegen stets einem Vereinnahmungsdruck durch die Ökonomie, die eine berufliche Dominanzposition vor allem im Bereich Wirtschaft und Technik für den Mann vorsieht. Oftmals bleibt das traditionelle familiäre Rollenverteilungsmuster, bei dem die Frau für die Versorgung der Kinder und den Haushalt zuständig ist, während der Mann das Geld verdient, erhalten.[47] Trotz zaghafter Versuche der `Väterpolitik` sind kaum alternativ funktionierende Rollenbilder, wie es sie mittlerweile in einer Vielzahl für Frauen gibt, für das männliche Geschlecht vorhanden. Dadurch herrscht eine gewisse Orientierungslosigkeit bei vielen heranwachsenden Männern vor, die es mit der Zeit zu überwinden gilt. Die Suche nach einem Platz in der Gesellschaft obliegt dem sozialen Statusdruck und ist eng verbunden mit dem persönlichen Reifeprozess. In der Zeit unserer Elterngeneration, also bis zu Beginn des letzten Viertels des 20. Jahrhunderts, war die Identitätsfindung mit dem Erreichen der Adoleszenz längst abgeschlossen.[48] Eine Begründung hierfür liefert unter anderem die damalige Absicherung einer Berufsperspektive und ein damit verbundenes geregeltes Leben. Heute ist es normal, wenn ein 30-jähriger bereits mehrere Jobs hatte, mehrfach den Wohnort wechseln musste und mehrere Auslandsaufenthalte vorzuweisen hat. Er verfügt natürlich im Vergleich zu seiner Elterngeneration über einen großen Erfahrungsreichtum[49], dennoch bleibt eine langfristige Absicherung ungewiss und die Angst vor Versagen groß.

„Die Lebenszeit der jungen Erwachsenen wird so zur Schlüsselphase der biographischen Suche nach personaler Identität und sozialer Integration.“[50]

Aus diesem Grund ist es nur verständlich, wenn Jungen bereits in der frühpubertären Phase einen Selbstbehauptungstrieb entfalten, um den Übergang von der emotionalen Geborgenheit der Familie zur rationalen Selbstständigkeit der gesellschaftlichen Kultur zu meistern.[51] Jugendliche sind im Alltag jugendkulturell gepolt und verbringen ihre Zeit meistens in Peergroups. Der aktuelle Statusdruck, zukünftig den Gesellschaftsnormen zu entsprechen, bringt jedoch eine Vielzahl an Bewältigungsaufgaben mit sich, anhand derer bereits Jugendliche in die Welt der Erwachsenen eingestuft werden können. Es findet eine Entgrenzung von Statusübergängen statt. Angefangen bei der Bildungskonkurrenz Schule, der Suche nach einer Ausbildung, dem damit verbundenen Problem der Übernahme bis hin zu Erfahrungen mit Arbeitslosigkeit[52], spüren Jugendliche die Risiken der Arbeitsgesellschaft und wissen, dass sie Zukunftsoptionen im Sinne einer Erfolgskultur der Erwachsenen entwickeln müssen, wofür sie selbst Verantwortung tragen.[53]

Jungen werden immer noch zu „starken Männern“ erzogen, auch wenn es dem Wesen mancher widerspricht. Das männliche Bedürfnis nach Sehnsucht und Geborgenheit wird durch unsere Kultur erschwert.[54] Maskuline Antriebe sind häufig jugendkulturell überformt und treten meist nur dann ein, wenn Frustration oder Konkurrenzdruck ihnen das Leben erschweren. Überzogene Konflikt- und Stärkeverhalten darf in keiner Weise über das Bedürfnis nach Schutz hinwegtäuschen. Dieses Verhalten spiegelt lediglich den Zwang, dem männlichen Rollenverständnis zu entsprechen, wider, auch wenn er unbewusst ist.[55] Aus dem Vorangegangenen lässt sich schließen, dass eine Berufsintegration und eine damit verbundene Lebensperspektive in der Gegenwart erst nach dem Jugendalter gesichert werden.

Der Begriff ´Jugend´ wird zum Leitbild für alle Generationen und gilt trotz aller Bewältigungsaufgaben als Sinnbild einer modernen Erlebnisgesellschaft. Die Grenzen der Generationen verlaufen fließend, der Erfahrungsvorsprung Erwachsener gegenüber den Kindern weicht auf oder verkehrt sich sogar – man bedenke beispielsweise den Umgang mit Computern. Der Zugang Jugendlicher zur Erwachsenenwelt hat sich weit geöffnet, weshalb in der Fachliteratur häufig der Begriff ´Früherwachsenheit´ angewandt wird.[56] Lothar Böhnisch ist ein Kritiker dieser unhinterfragten Tatsache. Er bestätigt durchaus diesen Wandel und zeigt Akzeptanz bezüglich der Wortwahl. Dennoch betont er deutlich die Unfreiwilligkeit dieser Eingemeindung junger Menschen in die Erwachsenenwelt und weist gesondert auf die Schwierigkeit einer Anpassung hin, der Jugendliche ausgesetzt sind. Im Spannungsfeld zwischen jugendkultureller Stilisierung und erwachsenengerechter Integration suchen sie ihr Gleichgewicht.[57] Weit entfernt von konservativen Verhaltensmustern wird Adoleszenz zum „Produkt eines Prozesses von gesellschaftlicher Modernisierung“[58]. Ulrich Beck fasst diesen Begriff folgendermaßen auf:

„Modernisierung meint die „technologischen Rationalisierungsschübe und die Veränderung der Arbeitswelt und Organisation, umfaßt darüber hinaus aber auch sehr viel mehr: den Wandel der Sozialcharaktere und Normalbiographien, der Lebensstile und Liebesformen, der Einfluss- und Machtstrukturen, der politischen Unterdrückungs- und Beteiligungsformen, der Wirklichkeitsauffassungen und Erkenntnisnormen.“[59]

Dieses Zitat veranschaulicht, dass bereits zu Ende der 80er Jahre neue Ideale der Lebensauffassung vorherrschen. Traditionelle Muster der Lebensgestaltung werden überholt. Adoleszente beginnen an Überliefertem zu zweifeln, gesellschaftliche Strukturen zu hinterfragen und versuchen mit viel Euphorie, neue gesellschaftliche Ideale zu verwirklichen, um ihrem Lebensgefühl Ausdruck zu verleihen.[60] Die veränderten Bedingungen des Aufwachsens bieten eine Vielfalt an Wahloptionen, die den Personwerdungsprozess erheblich beeinflussen und sowohl Gewinne als auch Verluste implizieren. Das Risiko von Desorientierung und Destabilisierung liegt demnach sehr nahe.

2.4 Scheitern in der Adoleszenz

Untersuchungen der modernen Jugendsoziologie begründen die Annahme einer immer problematischer werdenden Adoleszenzzeit damit, dass Jugendliche mehr und mehr auf sich allein gestellt sind.[61] Diese Feststellung wurde unter 2.1 bereits näher beleuchtet.

Mehrere veränderte Bedingungen des Aufwachsens erschweren die Selbstfindung junger Leute. Zwar werden stets Möglichkeiten und Chancen geboten, die eine äußerst flexible Lebensgestaltung ohne zeitlichen Druck ermöglichen, gleichwohl wächst die Anzahl derer, denen „die soziale Desintegration und die Gefährdung einer psychisch-gesundheitlich befriedigenden Persönlichkeitsentwicklung droht“[62], kontinuierlich. Carsten Gansel spricht von „Modernisierungsgewinnern“ oder „Modernisierungsverlierern“[63], je nachdem inwieweit die Belastungsstrukturen der Adoleszenten ausreichen, um die Verknüpfung des Individuations- und Integrationsprozesses zu meistern.

Klaus Hurrelmann, der sich nicht Adoleszenzbegriffs bedient, erstellt 8 Maximen, die auf sozialisationstheoretischen Konzepten beruhen und die die zu bewältigenden Aufgaben und Entwicklungen in der Jugendphase zusammenfassen. Er unterstützt außerdem die Annahme, „dass es einen wechselseitigen Zusammenhang zwischen individueller und gesellschaftlicher Entwicklung gibt. Die Persönlichkeitsentwicklung im Jugendalter wird in einen gesellschaftlichen und ökologischen Kontext gestellt, der subjektiv aufgenommen und verarbeitet wird, in diesem Sinn auf das Individuum einwirkt, immer auch durch das Individuum beeinflusst, verändert und gestaltet wird.“[64] Wie bereits erwähnt, kommt es nicht selten vor, dass Heranwachsende mit der Selbstgestaltung ihres Lebens überfordert sind und an dem Prozess der sozialen Integration oder aber am Prozess des Aufbaus einer eigenen Persönlichkeitsstruktur scheitern.[65] Insgesamt kann von einem gelungenen Sozialisationsprozess erst dann die Rede sein, „wenn eine Synthese von Individuation und Integration erreicht wird.“[66]

Abbildung 3: Das Spannungsverhältnis zwischen Individuation und Integration[67]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hurrelmanns vierte Maxime bringt diese Gefahr des Scheiterns zum Ausdruck:

„Der Sozialisationsprozess im Jugendalter kann krisenhafte Formen annehmen, wenn es Jugendlichen nicht gelingt, die Anforderungen der Individuation und der Integration aufeinander zu beziehen und miteinander zu verknüpfen.“[68]

Die Phase der Adoleszenz ist letztlich geprägt von mannigfaltigen Entwicklungen in allen Lebensbereichen. Anders als zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als Familien das Zentrum allen Geschehens bildeten, wird heutzutage verschiedenen Sozialisationsinstanzen eine große Verantwortung bei der Herausbildung des Individuations- und Integrationsprozesses zugesprochen. Abgesehen von der Schutzzone Familie gibt es dank der wachsenden Pluralisierung der Lebensbereiche ein großes Unterstützungsnetzwerk, das neben dem Freundeskreis und der Nachbarschaft, auch die Schule sowie professionelle Jugendhilfen einbindet.

Abbildung 4: Die typische Struktur des Unterstützungsnetzwerkes im Jugendalter[69]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es erfolgt stückweise eine Öffnung nach außen, wodurch Heranwachsende einen immer höheren Autonomiegrad ihres eigenen Handelns erlangen, vor allem im Partnerschafts-, Freundschafts-, Freizeit- und Konsumbereich. Dies begünstigt die Tatsache, erwachsenenähnliche Verhaltens- und Orientierungsmuster anzunehmen.[70] Die vorhandene Chancenstruktur bietet Entfaltungsmöglichkeiten, die der homogenen Jugend von gestern verwehrt blieb. Heute resultiert aus der vorherrschenden „Entstrukturierung“ der Jugendphase „eine fortschreitende Öffnung der Schere zwischen soziokultureller und sozioökonomischer Selbstständigkeit“[71], die eine Fremdbestimmung im traditionellen Sinne längst überwunden hat und die Jugendphase als eine heterogene erfahrbar macht. Statuspassagen unterliegen keiner strengen Rangfolge mehr, was der Jugend von heute schließlich eine eigenständige Koordination divergierender Handlungsmuster abverlangt. Das unwillkürliche Eindringen der Unterhaltungs- und Massenmedien trägt zu einer Schwächung der eigenen Rolle bei, bietet aber vielerlei Bildungschancen. Dennoch gibt es eine Minderheit, die die Kosten der modernen Lebensweise als Last tragen, indem sie aufgrund der unzureichenden Auseinandersetzung mit den neuen Strukturbedingungen ihres Lebensabschnittes an persönlichen Entwicklungsproblemen scheitern.[72]

„Die Adoleszenz kann in der Sackgasse von persönlicher wie gesellschaftlicher Entfremdung enden oder zu einer Zeit werden, in der es zur Ausbildung einer einzigartigen, multiplen Persönlichkeit kommt.“[73]

Die eigenproblematische Lebenszeit junger Erwachsener ist gezeichnet von einem hohen individuell erfahrbaren Bewältigungsdruck[74], der sich vorwiegend auf innerpsychischer und sozialkultureller Ebene abzeichnet. Trotz der Optionsvielfalt an selbstgestalterischen Lebensbiographien und dem hohen Ausmaß an Flexibilität bei der Berufswahl sowie der Familienform, benötigen junge Menschen private, soziale wie politische Unterstützung, um bei all dem Erwartungsdruck in unserer Gesellschaft eines Auffangnetzes vergewissert zu sein.

3. Adoleszenz in der Gegenwartsliteratur – der Adoleszenzroman

3.1 Definition

Der Adoleszenzroman gehört zu den jüngsten Subgattungen auf dem Literaturmarkt, „die seit den 1970ern im Handlungs- und Symbolsystem der Kinder- und Jugendliteratur entstanden ist“[75], sich in den 1980er Jahren als eigenständige Kategorie entwickelt[76], und schließlich gegen Ende der 1990er endgültige Anerkennung erfahren hat. Der Begriff Adoleszenzroman entstammt dem angloamerikanischen „adolescent novel“ und wird vorwiegend auf Romane des 20. Jahrhunderts, die sich mit der Thematik des Erwachsenwerdens beschäftigen, verwendet.[77] Vor dem Hintergrund des kulturellen Wandels von Werten und Normen sowie der Pluralisierung der Risiko- und Erlebnisgesellschaft[78] sorgt die Ablösung traditioneller Klassenbindungen durch eine Herauslösung des Individuums für großes Interesse in der Literaturbranche, wodurch die neue Form von Adoleszenz vielfach literarische Berücksichtigung findet.[79] Das Erfassen einer gattungstypologischen Ausdifferenzierung ist erforderlich, um einen Adoleszenz thematisierenden Roman von einem Adoleszenzroman zu unterscheiden. Hierzu ist eine Untersuchung der literarischen Gestaltung von Adoleszenz in den jeweiligen Romanen sowohl in historischer wie aktueller Perspektive obligatorisch.[80]

3.2 Geschichte und Abgrenzung

In einer Veröffentlichung von Reiner Wild stellt Hans-Heino Ewers in einem Beitrag klar, dass das moderne Konzept des Adoleszenzromans längst vor seiner eigenständigen Zeit in der Erwachsenenliteratur erprobt worden sei. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein habe sich die offizielle Jugendliteratur, die sich bis dahin hauptsächlich mit der Verteidigung vormoderner Strukturen des Aufwachsens beschäftigte, indem beispielsweise das „Nesthäkchenprinzip“ verfolgte wurde, deutlich von der Erwachsenenliteratur abgegrenzt. Diese Polarität sei seit den 1970er Jahren allmählich aufgeweicht, als die offizielle

Jugendliteratur das moderne Konzept der Adoleszenzthematik akzeptierte und den Adoleszenzroman als eigenständige Form im Zuge der jugendliterarischen Modernisierung aufnahm.[81]

Seinen literaturhistorischen Ursprung findet der Adoleszenzroman bereits im Jahre 1774 unter dem Titel „Die Leiden des jungen Werthers“ von Johann Wolfgang Goethe.[82] Deutschland wird im nachfolgenden Jahrhundert geprägt vom Bildungsroman, der eine Weiterentwicklung des Adoleszenzromans zunächst bremst. Erst mit Jerome D. Salingers „The catcher in the rye“[83], der 80 Jahre nach Goethes Erfolg große Aufmerksamkeit in Deutschland erfährt, wird der Weg für einen Neuanfang des Adoleszenzromans geebnet. Obwohl der Roman ursprünglich für Erwachsene bestimmt ist, findet eine Annahme durch jugendliche Leser schnell statt. Eine Rückbesinnung auf den ersten deutschen Adoleszenzroman mit Ulrich Plenzdorfs „Die neuen Leiden des jungen Werthers“ aus dem Jahr 1972 stellt sich ebenfalls ein. Die verstärkte literaturwissenschaftliche Beschäftigung mit Übersetzungen nordamerikanischer und später auch skandinavischer Adoleszenzromane führt schließlich eine Revolution herbei. Deutsche Jugendbuchverlage bringen solche Bücher auf den deutschen Markt, wodurch der für Erwachsene konzipierte Adoleszenzroman zu einem jugendliterarischen Genre wird.[84] Obwohl die Grenze der Erwachsenen- und Jugendliteratur durch diese Entwicklung endgültig aufgeweicht ist[85], betont Günter Lange, „dass die jugendlichen Adoleszenzromane nicht die realistische Härte der Romane für Erwachsene aufweisen, die die psychische Ver- und Zerstörung ihrer Protagonisten und ihr Scheitern in unverblümter Deutlichkeit und Härte schildern.“[86] Diese Feststellung gilt heute jedoch nicht mehr uneingeschränkt. Jack Katchums „Evil“ aus dem Jahr 1989 widerlegt Langes Behauptung.

Beispielhaft für den Paradigmenwechsel seit den 1970er Jahren sei an dieser Stelle jeweils ein prägender Titel für jedes Jahrzehnt genannt: Christine Nöstlinger „Stundenplan“ (1975), Inger Edelfeldt „Kamalas Buch“ (1988), Kirsten Boie „Nicht Chicago, nicht hier“ (1999) und Andreas Steinhöfel „Die Mitte der Welt“ (2004).

Der Adoleszenzroman lässt sich wie der Bildungs-, Erziehungs- und Entwicklungsroman mithilfe von inhalts- und stoffgebundenen Kriterien kategorisieren, die grundlegend den psychologisch-intellektuellen Werdegang eines Protagonisten umfassen.[87] Dennoch grenzt er sich strukturell und stilistisch eindeutig von ihnen ab. Während zuletzt genannte Gattungstypen ihren Fokus auf die Entwicklung eines Protagonisten in einem zeitlich ausgedehnten Rahmen legen oder sich mit dem aufklärerischen Glauben beschäftigen, beschränkt sich der Adoleszenzroman einzig auf die Entwicklungsphase der Adoleszenz[88] und ist diesbezüglich eher grenzüberschreitend mit der Jeansliteratur zu vergleichen. Diese wiederum bildet auf thematischer, struktureller und sprachlicher Ebene ein Pendant zum Adoleszenzroman, dessen Abgrenzung allein einem historischen Begriffsproblem obliegt.[89] Auch haben der problemorientierte Jugendroman sowie der emanzipatorische Mädchenroman thematisch einiges mit dem Adoleszenzroman gemein, sofern überwiegend eine Auseinandersetzung mit sozialkritischen Themenfeldern stattfindet. Insgesamt entstand aus dem einst typisch männlichen Gattungsmerkmal, das Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ und Salingers „The catcher in the rye“ exemplarisch bestätigen, in den letzten beiden Jahrzehnten eine emanzipatorische Wendung des Adoleszenzromans.[90] Kulturell bedingte Veränderungen seit den 1990er Jahren prägen vor dem Hintergrund der postmodernen Gesellschaftsstruktur den Begriff „postmoderner Adoleszenzroman“.[91]

Abbildung 5: Schaubild der Gattungsübergänge[92]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3 Thematik und Merkmale

Im Zeichen des kulturellen Modernisierungsumbruchs, ausgehend von den westlichen Industrienationen, wird eine radikale Subjektkonzeption für den Adoleszenzroman kennzeichnend.[93] Der bisher vorgeworfenen Kritik, die problemorientierte Jugendliteratur habe nahezu austauschbare Protagonisten, weil es ihnen an Individualität fehle[94], ist mit der Weiterentwicklung des Adoleszenzromans Abhilfe geleistet. Eine neue Figurengestaltung stellt ein Wechselspiel von Außen- und Innenwelt ins Zentrum.

„Die jugendlichen Helden sind als Individualitäten gestaltet, die selbstreflexiv ihre widersprüchliche Rolle, ihre krisenhafte Entwicklung und innere Zerrissenheit bedenken.“[95]

Inhaltlich dreht sich der Adoleszenzroman zumeist um eine Darstellung krisenhafter Lebenssituationen junger Menschen. Widersprüche zwischen autonomen Wertvorstellungen der jungen Generation stehen häufig dem Normgefüge der Gesellschaft gegenüber. Nicht selten werden misslingende Lebensschicksale, speziell von Außenseitern, ausgewählt, die gleichzeitig zur Verarbeitung von Identitätskonflikten eines Individuums einladen.[96]

„Das Scheitern an der Umwelt, der Rückzug aus der Gesellschaft oder die innere Veränderung in einer neuen zwischenmenschlichen Beziehung sind Konfliktlösungsmuster eines Außenwelt-Realismus, der zwar soziale Probleme thematisiert, diese aber kanalisiert und privaten, positive Ausblicke gewährenden Lösungen zuführt.“[97]

Dabei werden schwerpunktmäßig die sozialen Problemthemen Liebe, Partnerschaft, Sexualität, Identität oder Eltern-Kind-Beziehungen behandelt. Weitaus weniger Berücksichtigung finden Themenfelder wie Rechtsextremismus, Straffälligkeit, Sucht, Alkohol- und Drogenkonsum, gefolgt von Beruf, Arbeit und Arbeitslosigkeit.[98] Vermutlich spielen zuletzt genannte Themenbereiche im Leben Jugendlicher eine untergeordnete Rolle. Scheiner spricht im Jahr 2000 von einem „Trend zur Segmentierung der Realität in einzelne Problemfelder.“[99] Obwohl er mit dieser Aussage implizieren könnte, es handele sich bei der modernen Jugendliteratur um eine verallgemeinernde Abarbeitung oberflächlicher Problemthemen, erscheint im gleichen Jahr folgende positiv zu bewertende Aussage:

„In einem wichtigen Teil der Jugendliteratur wird das Erzählmodell einer Segmentierung aktueller Realität abgelöst von dem ganzheitlichen Modell historisch oder biographisch bedingten Prozessen von Realitätserfahrungen […] Sie sucht nach ganzheitlicheren Entwürfen menschlicher Existenz für die Jugendlichen. Die JL findet damit Anschluss an den modernen Adoleszenzroman, der bisher eine Domäne der Erwachsenenliteratur war.“[100]

Stärker noch als die Problematisierung von Inhalten wird in Adoleszenzromanen das Lebensgefühl von Jugendlichen zum Ausdruck gebracht. Demnach sind Entwicklungsprozesse und Initiationserfahrungen den (meist gesellschaftlichen) Problemerörterungen immer noch übergeordnet.[101] Das bedeutet jedoch nicht, dass individuelle und soziale Veränderungen in keinem Zusammenhang stehen, im Gegenteil, sie sind untrennbar miteinander verbunden.[102] Alles in allem orientieren sich Adoleszenzromane an der Prämisse moderner Subjektivität. Thematisiert wird die „Suche nach einem festen Wesenskern, nach einer unverwechselbaren Persönlichkeit, Handlungsautonomie und sozialer Verantwortung.“[103]

Abschließend werden die Hauptmerkmale des zeitgeschichtlichen Adoleszenzromans nach Carsten Gansel der Übersicht halber aufgeführt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Typen des Adoleszenzromans im Vergleich[104]

Häufig enden Adoleszenzromane offen, die Protagonisten bleiben auf der Suche, eine Identitätsfindung im Sinne eines festen Wesenskerns muss nicht erfolgen und auch nicht angestrebt sein.[105]

Die Analyse über die Thematik von Adoleszenzromanen gibt letztlich Aufschluss darüber, dass im Kern dieser Gattung immer ein Individuations- und Sozialisationsprozess des jeweiligen Protagonisten beziehungsweise Individuums steht. Im Jahr 1971 hat Peter Freese nach zahlreichen Untersuchungen moderner amerikanischer Romane ein literarisches Modell erarbeitet, das genau die Thematik des psychischen und sozialen Reifeprozesses aufgreift und systematisiert.

3.4 Die Initiationsreise – ein literarisches Modell

Der Begriff Initiation findet in der Alltagssprache wenig Gebrauch. Um seiner Bedeutung etwas näher zu kommen, wird er nun mit Hilfe des Dudens auf seine ursprüngliche Bedeutung überprüft.

Initiation die; -,-en [durch bestimmte Bräuche geregelte] Aufnahme eines Neulings in eine Standes- od. Altersgemeinschaft, einen Geheimbund o.Ä., bes. die Einführung der Jugendlichen in den Kreis der Männer od. Frauen bei Naturvölkern; vgl. …ation/ …ierung[106]

Ausgehend von dieser Definition geht es um die Eingliederung eines Individuums in eine Gemeinschaft. Modern ausgedrückt, handelt es sich bei der Initiation um den persönlichen Sozialisationsprozess eines Jugendlichen. Die weitere Beschäftigung mit dieser Thematik wird jedoch verdeutlichen, dass der Initiationsprozess der Romanfiguren nicht so eindimensional beleuchtet werden darf.

Peter Freese analysiert in seinen Studien ausschließlich amerikanische Entwicklungsromane. Die Ergebnisse lassen sich aber ausnahmslos auch auf andere Adoleszenzromane übertragen.

Zunächst einmal seien zwei Elemente genannt, die für den Ablauf einer Initiation in Romanformen grundlegend sind. Zum Ersten zerfällt die Initiation immer in drei Phasen Ausgang, Übergang und Eingang. Zum Zweiten wird der Wandlungsvorgang eines Helden immer als existentielle Änderung verstanden, die nicht stufenweise erfolgt[107], sondern „als ein Tod des alten und eine Wiedergeburt des neuen Menschen versinnbildlicht wird.“[108] Häufig kommt zu den beiden ein dritter Prozess hinzu, nämlich der einer Offenbarung gegenüber einer höheren Instanz wie beispielsweise Gott.[109] Genannte Prozesse konkretisieren sich schließlich in äußeren Vorgängen des Romangeschehens sowie einer Versinnbildlichung des Initiationsvorgangs. Der Einfachheit wegen wird auf eine detaillierte Beschreibung weiterer Elemente verzichtet. Erwähnenswert ist zuletzt die Tatsache, dass dem Initianden fast immer ein Initiationshelfer als eine Art Mentor zur Seite steht.[110] Obwohl dieser bedeutenden Thematik weitaus mehr Aufmerksamkeit entgegen gebracht werden sollte, allein wegen der unzähligen erläuterungswürdigen Zusammenhänge von Initiation aus der Historie, Mythologie und der Theologie, soll es zunächst bei diesem schemenhaften Abriss der Begriffsklärung bleiben.

Im Folgenden wird nun erläutert, inwiefern der Initiationsprozess literarischer Figuren mit Peter Freeses literarischem Modell der „Initiationsreise“ konform geht. Die „Initiationsreise“ orientiert sich an folgenden mythischen Motiven[111], die bei gegenwärtiger Betrachtung als ein symbolisches Sinnbild für den Reifeprozess literarischer Protagonisten dienlich sind:

„Regressus ad uterum“ meint das Erfolgen einer Verwirklichung der dreiteiligen Initiationsreise durch das Verlassen des bisherigen Lebens, gefolgt von einer oftmals gefährlichen Rückkehr in den Schoß der lebensspendenden Mutter und die damit verbundene Neugeburt zu einem gewandelten Menschen.

„Descendus ad inferos“ ist eng gekoppelt an die erste Vorstellung und rückt den Vorgang von Tod und Wiedergeburt, also speziell den lebensgefährlichen Abstieg in die Unterwelt ins Zentrum. Dieser wird zur Vorbedingung ewigen Lebens. Durch das Gelingen einer Rückkehr aus dem Reich der Toten erwacht neue Fruchtbarkeit und ein damit verbundenes neues Leben.

„Nachtmeerfahrt“ versinnbildlicht konkret den Aufenthalt im Bauch eines Riesenfisches, dessen Notwendigkeit, wie oben bereits erwähnt, in der Selbstzerstörung als Voraussetzung einer höheren Seinsweise begründet liegt.

„Paradoxer Durchgang“ symbolisiert einen gefahrvollen Durchgang, beispielsweise durch die Zahnreihen des Ungeheuers, meist gefolgt von weiteren Hürden, der als Sinnbild für die vielfältigen Schwierigkeiten des Übergangs von der einen in die andere Welt wurzelt.

Alle genannten Sinnbilder sind eng miteinander verknüpft und oftmals sogar schwer voneinander zu trennen. Sie bedingen sich in gewisser Weise gegenseitig und sind daher wechselseitig zu betrachten.

4. Der Adoleszenzroman im aktuellen Diskurs

Die aktuellste Überarbeitung im gattungsspezifischen Diskurs des Jugend- und Adoleszenzromans liefert Ernst Seibert. Allerdings ist die Überarbeitung noch nicht hundertprozentig ausgereift, weshalb sich die vorliegende Arbeit in entwicklungsspezifischen Fragen auf dem Kriterienkatalog Gansels aus dem Jahr 1999 stützt. Der Aktualität halber sollen Seiberts Erarbeitungen an dieser Stelle auch Berücksichtigung finden. Er fasst präzise zusammen, dass innerhalb des Formenwandels in der Jugendliteratur eine zunehmende Koppelung von Jugend- und Adoleszenzliteratur stattgefunden hat, die inhaltlich kaum mehr voneinander trennbar ist. Historisch verzeichnet er eine Entwicklung des Adoleszenzromans, die im frühen 20. Jahrhundert als impressionistisch und psychoanalytische Reaktion auf den Naturalismus beginnt, sich im Laufe der Zeit zu einer Literatur mit massiven pädagogischen Zielsetzungen entwickelt und heute von einer Welle autobiographischer Inhalte überrollt wird. Seibert kritisiert die Systematik der Gattungsbezeichnungen in der Kinder- und Jugendliteratur, die sich auf Doderer und Lange stützt. Somit empfindet er deren Ergebnisse als ungangbar und unübersichtlich, da sie nicht genre-, sondern metierbedingt sind. Aus diesem Grund wählt er einen Systematisierungsversuch auf einer getrennten Basis von Themen, Stoffen und Motiven, die seines Erachtens Parameter beinhalten, die anders als bei Lange und Doderer, innerhalb der poetologischen Kategorienbildung situiert sind.[112]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Differenzierung von Thema, Stoff und Motiv[113]

Beispielsweise zählt Seibert zu den Stoffbehandlungen Werke mit symbolbeladenen Figuren, mit historischen oder mythischen Stoffen. Motive gelten dann als gattungskonstituierend, wenn klassische Ansätze wie Eltern-Kind-Konflikte, kriminalistische Handlungen, Initiationsreisen oder auch das Motiv des Außenseiters vorzufinden sind.[114] Die Plausibilität dieser Übersicht ist allerdings zu hinterfragen. Unternimmt man einen Versuch, die Homosexualitätsthematik in sein Schema einzuordnen, stößt man schnell an Grenzübergänge. Motivisch betrachtet, fällt die Homosexualitätsthematik unter das Interesse jener Personen, die sich möglicherweise persönlich damit konfrontiert sehen. Thematisch wiederum ist die Homosexualität heute ein hochaktuelles Themengebiet, das in vielerlei Hinsicht Berücksichtigung im öffentlichen Diskurs findet. Stofflich betrachtet, beinhaltet die Homosexualitätsthematik auch eine bedeutende geschichtliche Dimension und ist daher sehr zeitlos. Es gab schon immer und wird immer homosexuelle Menschen geben. Aus diesen Gründen könnte das Genre der Adoleszenzromane, die das Thema Homosexualität behandeln allen drei Kategorisierungen zugeordnet werden. Allein an diesem Beispiel zeigt sich die Unzulänglichkeit von Seiberts Klassifizierungsversuch. Es stellt sich die Frage, ob seine Kategorisierung nicht eher der Einordnung einzelner Werke dient als der Einordnung nach Themenkreis, denn dann wäre die Einordnung durchaus sinnvoll.

Auf einer weiteren abstrakten Ebene reduziert er Gattungen genrespezifisch, woraus sich folgende fünf Schwerpunkte herauskristallisieren: „Handlungsort, Handlungszeit, Figuren, Geschlecht und Werte.“[115]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Reduktion der Gattungsvielfalt auf ein Gattungsschema[116]

Seiberts Schema des Reduktionsversuchs dient einer Simplifizierung und Übersichtlichkeit der durch die vielen Jahre entstandenen Gattungsvielfalt der Kinder- und Jugendliteratur. Sie kann jedoch eine Polyvalenz von Gattungsbezeichnungen auch nicht vollständig umgehen. Aus dem Schema geht hervor, dass Adoleszenzromane der geschlechtsbezogenen Gattungsbezeichnung einzuordnen sind, wobei eine Grenzüberschreitung zur figurenzentrierten Gattungsbezeichnung äußerst nahe liegt. Insgesamt erscheint dieses Schema in Bezug auf die nachfolgende Beschäftigung mit der Homosexualitätsthematik als gedankenstützend, weshalb ihm zusätzlich zum Aktualitätsaspekt eine gerechtfertigte Rolle hinsichtlich des Arbeitsschwerpunktes beigemessen wird.

[...]


[1] Obama, Barack: In einem Briefwechsel an den Family Equality Council erklärt d er amerikanische Präsidentschaftskandidat in seinem Wahlkampf 2008, dass er Adoptionen durch Homo-Paare unterstützen werde. In: http://www.homonauten.de/20080807/obama-fuer-homo-adoption/ (Stand: 14.04.2010)

[2] Ewers, Hans-Heino: Kinder- du Jugendliteratur im Modernisierungsprozess. In: Wild, Reiner: Gesellschaftliche Modernisierung und Kinder- und Jugendliteratur. Röhrig Universitätsverlag. St. Ingbert, 1997. S.27

[3] Wittgenstein, Ludwig in: http://www.neon.de/kat/sehen/gesellschaft/3430.html (Stand: 10.04.2010)

[4] Hierbei ist nicht ausschließlich die Sprache in Form von Wortlauten gemeint. Jede Sprache, die in irgendeiner Form Ausdruck verleiht, soll Berücksichtigung finden, sei es beispielsweise die Körpersprache oder die geschriebene Sprache etc.

[5] Bertone, Tarcisio in: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,688824,00.html. (Stand: 15.04.2010) In einem Interview mit der deutschen Presseagentur macht der Kardinalstaatssekretär Schuldzuweisungen (Stand: 13.04.2010)

[6] Steinhöfel, Andreas zitiert nach Bütow, Wilfried: Außenseiter und die Mitte der Welt. Gespräch mit Andreas Steinhöfel. In: Deutschunterricht 53. 2000. S.119

[7] Vgl. Lange, Günter: Erwachsen werden. Jugendliterarische Adoleszenzromane im Deutschunterricht. Schneider Verlag. Hohengehren, 2000. S.7

[8] Die durch kulturelle Veränderungen geprägte Postadoleszenz reicht nach Gansel mitunter sogar bis in das vierte Lebensjahrzehnt hinein.

[9] Vgl. Gansel, Carsten (Hrsg. Lange, Günter): Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur. Band 1. Schneider Verlag. Baltmannsweiler, 2000. S.360

[10] Remschmidt zitiert nach Hurrelmann, Klaus: Lebensphase Jugend. Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung. Juventa Verlag. Weinheim und München, 1997. S.33

[11] Vgl. Remschmidt zitiert nach Gansel, Carsten (1992): Moderne Kinder- und Jugendliteratur. Ein Praxishandbuch für den Unterricht. Cornelsen. Berlin, 1999. S.114

[12] Vgl. Hurrelmann, Klaus: Lebensphase Jugend. Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung. Juventa Verlag. Weinheim und München, 1997. S.47

[13] Vgl. ebd. S.23

[14] Vgl. Remschmidt zitiert nach Gansel, Carsten (1992): Moderne Kinder- und Jugendliteratur. Ein Praxishandbuch für den Unterricht. Cornelsen. Berlin, 1999. S.114

[15] Kaplan zitiert nach Gansel, Carsten (1988): Moderne Kinder- und Jugendliteratur. Ein Praxishandbuch für den Unterricht. Cornelsen. Berlin, 1999. S.114

[16] Gansel, Carsten: Moderne Kinder- und Jugendliteratur. Cornelsen. Berlin, 1999. S.114

[17] Hurrelmann, Klaus: Lebensphase Jugend. Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung. Juventa Verlag. Weinheim und München, 1997. S.71

[18] Vgl. Gansel, Carsten: Der Adoleszenzroman. Zwischen Moderne und Postmoderne. In: Lange, Günter: Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur. Band 1. Schneider Verlag. Baltmannsweiler, 2000. S.362

[19] Lange, Günter: Erwachsen werden. Jugendliterarische Adoleszenzromane im Deutschunterricht. Schneider Verlag. Hohengehren, 2000. S.7

[20] Ebd.

[21] Vgl. ebd.

[22] Vgl. Hurrelmann, Klaus: Lebensphase Jugend. Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung. Juventa Verlag. Weinheim und München, 1997. S.194

[23] Ebd.

[24] Gansel, Carsten: Der Adoleszenzroman. Zwischen Moderne und Postmoderne. In: Lange, Günter: Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur. Band 1. Schneider Verlag. Baltmannsweiler, 2000. S.361

[25] Vgl. ebd.

[26] Hurrelmann, Klaus: Lebensphase Jugend. Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung. Juventa Verlag. Weinheim und München, 1997. S.47

[27] Vgl. Gansel, Carsten: Der Adoleszenzroman. Zwischen Moderne und Postmoderne. In: Lange, Günter: Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur. Band 1. Schneider Verlag. Baltmannsweiler, 2000. S.365

[28] Vgl. Lange, Günter: Erwachsen werden. Jugendliterarische Adoleszenzromane im Deutschunterricht. Schneider Verlag. Hohengehren, 2000. S.7

[29] Oerter;Dreher zitiert nach Lange, Günter (1998): Erwachsen werden. Jugendliterarische Adoleszenzromane im Deutschunterricht. Schneider Verlag. Hohengehren, 2000. S.8

[30] Vgl. Lange, Günter: Erwachsen werden. Jugendliterarische Adoleszenzromane im Deutschunterricht. Schneider Verlag. Hohengehren, 2000. S.8

[31] Vgl. Peuckert, Rüdiger: Familienformen im sozialen Wandel. Opladen: Leske und Budrich. Augsburg, 1991. S.95

[32] Zeiher, Helga zitiert nach Krapf, Thomas (1996): Konzeption zur Bewegungs- und Gesundheitsförderung an Gymnasien in Bayern. Verlag Dr. Kovač. Hamburg, 2007. S.33

[33] Vgl. Knörzer, Wolfgang; Grass, Karl; Schumacher, Eva.: Den Anfang der Schulzeit pädagogisch gestalten. Beltz. Weinheim und Basel, 2007 [2000]. S. 52f.

[34] Vgl. Knörzer, Wolfgang; Grass, Karl; Schumacher, Eva.: Den Anfang der Schulzeit pädagogisch gestalten. Beltz. Weinheim und Basel, 2007 [2000]. S.34f.

[35] Ebd. S.33

[36] Vgl. Peuckert, Rüdiger: Familienformen im sozialen Wandel. Opladen: Leske und Budrich. Augsburg, 1991. S.95

[37] Vgl. Lange, Günter: Erwachsen werden. Jugendliterarische Adoleszenzromane im Deutschunterricht. Schneider Verlag. Hohengehren, 2000. S.9

[38] Peuckert, Rüdiger: Familienformen im sozialen Wandel. Opladen: Leske und Budrich. Augsburg, 1991. S.95

[39] Vgl. Knörzer, Wolfgang; Grass, Karl; Schumacher, Eva.: Den Anfang der Schulzeit pädagogisch gestalten. Beltz. Weinheim und Basel, 2007 [2000]. S.49f.

[40] Vgl. Hildebrandt;Landau zitiert nach Krapf, Thomas (1994): Konzeption zur Bewegungs- und Gesundheitsförderung an Gymnasien in Bayern. Verlag Dr. Kovač. Hamburg, 2007. S.34

[41] Krapf, Thomas: Konzeption zur Bewegungs- und Gesundheitsförderung an Gymnasien in Bayern. Verlag Dr. Kovač. Hamburg, 2007. S.34

[42] Vgl. Knörzer, Wolfgang; Grass, Karl; Schumacher, Eva: Den Anfang der Schulzeit pädagogisch gestalten. Beltz. Weinheim und Basel, 2007 [2000]. S.54f.

[43] Vgl. Lange, Günter: Erwachsen werden. Jugendliterarische Adoleszenzromane im Deutschunterricht. Schneider Verlag. Hohengehren, 2000. S.9

[44] Vgl. Gansel, Carsten: Der Adoleszenzroman. Zwischen Moderne und Postmoderne. In: Lange, Günter: Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur. Band 1. Schneider Verlag. Baltmannsweiler, 2000. S.363

[45] Vgl. Beck/Beck-Gernsheim zitiert nach Gansel, Carsten (1994): Moderne Kinder- und Jugendliteratur. Cornelsen. Berlin, 1999. S.104

[46] Vgl. Böhnisch,Lothar: Männliche Sozialisation. Eine Einführung. Juventa Verlag Weinheim und München, 2004. S.81

[47] Vgl. Böhnisch,Lothar: Männliche Sozialisation. Eine Einführung. Juventa Verlag Weinheim und München, 2004. S.188

[48] Vgl. ebd. S.184

[49] Vgl. ebd. S.185

[50] Ebd. S.183

[51] Vgl. ebd. S.93

[52] Böhnisch,Lothar: Männliche Sozialisation. Eine Einführung. Juventa Verlag Weinheim und München, 2004.

[53] Vgl. ebd. S.103

[54] Vgl. ebd. S.186

[55] Vgl. ebd. S.105

[56] Vgl. Gansel, Carsten: Moderne Kinder- und Jugendliteratur. Ein Praxishanduch für den Unterricht. Cornelsen. Berlin, 1999. S.103

[57] Vgl. Böhnisch, Lothar: Männliche Sozialisation. Eine Einführung. Juventa Verlag Weinheim und München, 2004. S.188

[58] Gansel, Carsten: Der Adoleszenzroman. Zwischen Moderne und Postmoderne. In: Lange, Günter: Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur. Band 1. Schneider Verlag. Baltmannsweiler, 2000. S.363

[59] Beck, Ulrich zitiert nach Gansel, Carsten (1986): Der Adoleszenzroman. Zwischen Moderne und Postmoderne. In: Lange, Günter: Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur. Band 1. Schneider Verlag. Baltmannsweiler, 2000. S.363

[60] Vgl. Gansel, Carsten: Der Adoleszenzroman. Zwischen Moderne und Postmoderne. In: Lange, Günter: Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur. Band 1. Schneider Verlag. Baltmannsweiler, 2000. S.363

[61] Vgl. Lange, Günter: Erwachsen werden. Jugendliterarische Adoleszenzromane im Deutschunterricht. Schneider Verlag. Hohengehren, 2000. S.8

[62] Hurrelmann, Klaus: Lebensphase Jugend. Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung. Juventa Verlag. Weinheim und München, 1997. S.293

[63] Vgl. Gansel, Carsten: Der Adoleszenzroman. Zwischen Moderne und Postmoderne. In: Lange, Günter: Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur. Band 1. Schneider Verlag. Baltmannsweiler, 2000. S.361

[64] Hurrelmann, Klaus: Lebensphase Jugend. Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung. Juventa Verlag. Weinheim und München, 1997. S.72

[65] Vgl. ebd. S.74

[66] Ebd.

[67] Hurrelmann, Klaus: Lebensphase Jugend. Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung. Juventa Verlag. Weinheim und München, 1997. S. 75

[68] Ebd.

[69] Hurrelmann, Klaus: Lebensphase Jugend. Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung. Juventa Verlag. Weinheim und München, 1997. S.287

[70] Vgl. Hurrelmann, Klaus: Lebensphase Jugend. Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung. Juventa Verlag. Weinheim und München, 1997. S.287

[71] Ebd. S.289

[72] Vgl. Hurrelmann, Klaus: Lebensphase Jugend. Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung. Juventa Verlag. Weinheim und München, 1997. S.291f.

[73] Gansel, Carsten: Moderne Kinder- und Jugendliteratur. Ein Praxishandbuch für den Unterricht Cornelsen. Berlin, 1999. S.115

[74] Vgl. Böhnisch,Lothar: Männliche Sozialisation. Eine Einführung. Juventa Verlag. Weinheim und München, 2004. S.189

[75] Gansel, Carsten: Der Adoleszenzroman. Zwischen Moderne und Postmoderne. In: Lange, Günter: Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur. Band 1. Schneider Verlag. Baltmannsweiler, 2000. S.359

[76] Vgl. ebd. S.365

[77] Vgl. Ewers, Hans-Heino zitiert nach Lange, Günter (1991): Erwachsen werden. Jugendliterarische Adoleszenzromane im Deutschunterricht. Schneider Verlag. Hohengehren, 2000. S.2

[78] Vgl. Ewers, Hans-Heino in: http://user.uni-frankfurt.de/~ewers/index.htm (Stand: 26.01.2009)

[79] Vgl. Gansel, Carsten: Der Adoleszenzroman. Zwischen Moderne und Postmoderne. In: Lange, Günter: Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur. Band 1. Schneider Verlag. Baltmannsweiler, 2000. S.365

[80] Vgl. ebd. S.359

[81] Vgl. Ewers Hans-Heino: Kinder- du Jugendliteratur im Modernisierungsprozess. In: Wild, Reiner: Gesellschaftliche Modernisierung und Kinder- und Jugendliteratur. Röhrig Universitätsverlag. St. Ingbert, 1997. S.45

[82] Vgl. Lange, Günter: Erwachsen werden. Jugendliterarische Adoleszenzromane im Deutschunterricht. Schneider Verlag. Hohengehren, 2000. S.2

[83] Die Erstveröffentlichung von Salingers „The catcher in the rye“ war in den USA im Jahr 1951. Die deutsche Übersetzung „Der Fänger im Roggen“ erschien im Jahr 1956 und wurde sowohl in der BRD als auch in der DDR mit Begeisterung rezipiert.

[84] Vgl. Lange, Günter: Erwachsen werden. Jugendliterarische Adoleszenzromane im Deutschunterricht. Schneider Verlag. Hohengehren, 2000. S.10

[85] Vgl. ebd. S.11

[86] Ebd.

[87] Vgl. Gansel, Carsten: Moderne Kinder- und Jugendliteratur. Ein Praxishandbuch für den Unterricht Cornelsen. Berlin, 1999. S.106

[88] Vgl. Lange, Günter: Erwachsen werden. Jugendliterarische Adoleszenzromane im Deutschunterricht. Schneider Verlag. Hohengehren, 2000. S.3

[89] Vgl. ebd. S.4

[90] Vgl. ebd. S.5

[91] Vgl. Gansel, Carsten: Moderne Kinder- und Jugendliteratur. Ein Praxishandbuch für den Unterricht Cornelsen. Berlin, 1999. S.113

[92] Dieses Schaubild wurde anhand Gansels Abgrenzungsversuchen des Adoleszenzromans im gesamten Literatursystem eigenständig erstellt.

[93] Vgl. Gansel, Carsten: Moderne Kinder- und Jugendliteratur. Ein Praxishandbuch für den Unterricht Cornelsen. Berlin, 1999. S.113

[94] Vgl. Scheiner, Peter zitiert nach Lange, Günter (1984): Erwachsen werden. Jugendliterarische Adoleszenzromane im Deutschunterricht. Schneider Verlag. Hohengehren, 2000. S.4

[95] Gansel, Carsten: Moderne Kinder- und Jugendliteratur. Ein Praxishandbuch für den Unterricht. Cornelsen. Berlin, 1999. S.113

[96] Vgl. Scheiner, Peter: Realistische Kinder- und Jugendliteratur. In: Lange, Günter: Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur. Band 1. Schneider Verlag. Baltmannsweiler, 2000. S.169f.

[97] Ebd. S.171

[98] Lange, Günter: Erwachsen werden. Jugendliterarische Adoleszenzromane im Deutschunterricht. Schneider Verlag. Hohengehren, 2000. S.14

[99] Scheiner, Peter: Realistische Kinder- und Jugendliteratur. In: Lange, Günter: Taschenbuch der Kinder- und jugendliteratur. Band 1. Schneider Verlag. Baltmannsweiler, 2000. S.177

[100] Ebd.

[101] Vgl. Scheiner, Peter: Realistische Kinder- und Jugendliteratur. In: Lange, Günter: Taschenbuch der Kinder- und jugendliteratur. Band 1. Schneider Verlag. Baltmannsweiler, 2000. S.178

[102] Vgl. Gansel, Carsten: Moderne Kinder- und Jugendliteratur. Ein Praxishandbuch für den Unterricht Cornelsen. Berlin, 1999. S.116

[103] Vgl. ebd. S.119

[104] Vgl. Gansel, Carsten: Moderne Kinder- und Jugendliteratur. Ein Praxishandbuch für den Unterricht. Cornelsen. Berlin, 1999. S.127

[105] Vgl. ebd. S.115f.

[106] Duden. Das Fremdwörterbuch. Dudenverlag. 9. Auflage. Mannheim, 2009. S.455

[107] Vgl. Freese, Peter: Die Initiationsreise. Studien zum jugendlichen Helden im modernen amerikanischen Roman. Stauffenberg Verlag. Tübingen, 1998. S.153

[108] Ebd. S.154

[109] Vgl. ebd. S.154

[110] Vgl. ebd. S.155

[111] Die nachfolgende Motivik basiert auf Peter Freeses Ausführungen der literarischen Initiationsreise.

[112] Vgl. Seibert, Ernst: Themen, Stoffe und Motive in der Literatur für Kinder und Jugendliche. Facultas Verlag. Wien. 2008. S.35

[113] Ebd. S.117

[114] Vgl. Seibert, Ernst: Themen, Stoffe und Motive in der Literatur für Kinder und Jugendliche. Facultas Verlag. Wien. 2008. S.63

[115] Ebd.

[116] Seibert, Ernst: Themen, Stoffe und Motive in der Literatur für Kinder und Jugendliche. Facultas Verlag. Wien. 2008. S.64f.

Details

Seiten
165
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656062776
ISBN (Buch)
9783656062905
Dateigröße
3.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182482
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Note
1,5
Schlagworte
veränderte adoleszenz gesellschaft literatur berücksichtigung homosexualitätsthematik deutschunterricht Homosexualität

Autor

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Titel: Veränderte Adoleszenz in Gesellschaft und neuerer Literatur unter besonderer Berücksichtigung der Homosexualitätsthematik - interessant auch für den Deutschunterricht?