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Bilingualer Sachfachunterricht evangelische Religion

Hausarbeit 2009 13 Seiten

Didaktik - Englisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

1. CLIL, bilingualer Sachfachunterricht oder bilingualer Unterricht?

2. Geschichte des bilingualen Sachfachunterrichts

3. Bilingualer Sachfachunterricht Religion

4. Die Arbeitsmaterialien

5. Das Forschungsprojekt

6. Erfahrungen zum bRU

7. Fazit

8. Literatur

Einleitung

CLIL („Content and Language Integrated Learning“), ein Lehr- und Lernkonzept, erfreut sich seit seiner Einführung in den frühen 1970er Jahren großer Beliebtheit (Breidbach 2002: 11). Entstanden aus der politischen Notwendigkeit der Aussöhnung zwischen Franzosen und Deutschen, wurde im Jahre 1963 der deutsch-französische Freundschaftsvertrag geschlossen, der vorsah Schulfächer, vor allem Geschichte, in der jeweils anderen Sprache zu unterrichten (Timm 1998: 201).

Bilingualer Sachfachunterricht, häufig synonym für die Bezeichnung CLIL verwendet, hat sich im Laufe der Zeit zu einem fundamentalen Bestandteil des deutschen Schulsystems entwickelt (Breidbach 2002: 11). Laut Manfred Pirner boten bereits 2007 ca. fünfhundert deutsche Schulen bilingualen Unterricht an (Pirner 2007: 42).

Ziel dieser Hausarbeit ist es, einen allgemeinen Überblick über CLIL als Unterrichtsmethode zu vermitteln und im Speziellen auf die Möglichkeiten zur Implementierung im Religionsunterricht einzugehen. Hieraus resultierend beschäftigt sich das erste Kapitel mit theoretischen Fragen zum Begriff „Bilingualer Sachfachunterrich“ sowie dessen Zielen und Widersprüchlichkeiten. Im Rahmen dessen erscheint es sinnvoll, die geschichtliche Entwicklung des bilingualen Sachfachunterrichts näher zu betrachten, um verständlich zu machen inwieweit die ursprünglichen Ziele und Visionen, die mit diesem Konzept verbunden waren, heutzutage noch Gültigkeit haben.

Der anschließende Hauptteil der Hausarbeit setzt sich mit der Frage auseinander, ob und warum bilingualer Religionsunterricht sich gegenüber dem „normalen“ Religionsunterricht behaupten kann und welche Vor- und Nachteile hieraus entstehen können.

Anhand von ausgewählten Arbeitsmaterialien zum bilingualen Religionsunterricht soll die Mannigfaltigkeit an Möglichkeiten zur Integration weltpolitischer Themen, wie etwa Appartheit oder Gewalt gegen Minderheiten, vorgestellt werden.

Darüber hinaus werden Erfahrungen von Schülern und Lehrern mit bilingualem Religionsunterricht evaluiert und Chancen für die Zukunft aufgezeigt.

Im abschließenden Fazit werden die wichtigsten Punkte erneut kurz aufgegriffen und zusammengefasst.

1. CLIL, bilingualer Sachfachunterricht oder bilingualer Unterricht?

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, erzeugt die synonyme Verwendung der Begrifflichkeiten CLIL, bilingualer Sachfachunterricht und bilingualer Unterricht häufig Verwirrung, da keine klare Abgrenzung erkennbar ist. Der Terminus bilingualer Unterricht beschreibt lediglich die Tatsache, dass Unterricht zweisprachig verläuft, was in vielen Fällen auch für Englischunterricht im Allgemeinen zutrifft (Timm 1998: 201).

Im Gegensatz hierzu verweisen die Bezeichnungen CLIL und bilingualer Sachfachunterricht ausdrücklich darauf, dass ein Sachfach, in diesem Falle evangelische Religion, in einer Fremdsprache unterrichtet wird. Sprache wird zum Werkzeug der Erschließung inhaltlicher Aspekte mit dem zusätzlichen Effekt einer Kompetenzsteigerung in der Unterrichtssprache und übernimmt somit eine dienende Funktion. Andere Positionen sehen bilinguales Lehren und Lernen primär als Weg die Fertigkeiten in einer Fremdsprache zu verbessern und legen dementsprechend geringfügigeren Wert auf die Vermittlung von Sachwissen. Nach Vollmer sehen Vertreter einer dritten Position sehen Sprache und Sachfach als gleichgewichtig und sind der Meinung, dass „Spracherwerb innerhalb des bilingualen Unterrichts sich nicht allein überlassen bleiben kann“ (Buchinger 2006: 6).

Buchinger zufolge stellt die Bezeichnung CLIL, welche nach der Kultusministerkonferenz wie folgt definiert wird:

[...] vorrangig nicht als Fremdsprachenunterricht in erweiterter Form, sondern als integrierter Sachfach- und Fremdsprachenunterricht verstanden wird. Dabei stellt das Sachfach nicht nur die vom Lehrplan vorgegebenen Themen und Inhalte bereit, sondern die Behandlung der Inhalte erfolgt zusätzlich auch aus der Sicht des Landes der Unterrichtssprache und ermöglicht so interkulturelles Lernen, das in seiner Qualität über die isolierte Behandlung von Sachfächern und Fremdsprache hinaus geht.

(Sekretariat 2006:7)

die treffendste Terminologie dar, da besonderes Augenmerk auf die Integration von Sprache und Sachfach gelegt wird. (Buchinger 2006: 7)

Zum einen wählte ich diesen Einstieg um mehr Klarheit in den Gebrauch von häufig fälschlicherweise kongruent benutzten Begriffen zu geben, des weiteren lässt sich dokumentieren, dass es keine allgemein gültige Definition des Begriffes bilingualer Unterricht gibt.

2. Geschichte des bilingualen Sachfachunterrichts

Wenn auch meist die Entstehungszeit bilingualen Unterrichts in die sechziger Jahre des 20 Jahrhunderts datiert wird, gab es bereits wesentlich früher Anstöße englische oder französische Literatur in den Unterricht an Klosterschulen zu integrieren, wie das folgende Zitat aus dem Jahre 1846 dokumentiert:

Warum benutzt man nicht ferner die französische und englische Lectüre für den Unterricht in der neueren Geschichte, Länder- und Völkerkunde? Der Gedanke ist so einfach, dass man glauben sollte, er müsse jedem kommen [...].

(Mager 1846 zit. in Klippel 1994: 451 zit. in Butzkamm 2004: 20 zit. in Buchinger 2006: 16)

Als Teilresultat des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages von 1963 wurden im Laufe der Jahre 1969 bis 1973 siebzehn Gymnasien mit französischen und sieben Gymnasien mit englischen Zügen eingerichtet (Finkbeiner / Fehling 2002: 10 zit. in Buchinger 2006: 14).

In der heutigen Zeit hat sich der anfänglich intendierte Gedanke einer Annäherung der Völker Deutschlands und Frankreichs über das Medium Sprache dahingehend gewandelt, dass seit Ende der 1980er Jahre ausschließlich eine Zunahme in englischsprachigen Bildungszügen beobachtbar ist (Breidbach 2002: 23).

Unter Berufung auf das Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister wird bilingualer Sachfachunterricht heute in allen Bundesländern angeboten und weitaus häufiger an Gymnasien als an Realschulen. An Hauptschulen wurde dieses Konzept bis zum Jahre 2006 lediglich in Baden Württemberg erprobt (Sekretariat 2006: 14 zit. In Buchinger 2006).

Besonders gesellschaftswissenschaftliche Fächer wie Geschichte oder Erdkunde scheinen sich besonders gut für bilingualen Unterricht geeignet zu sein, weshalb deren Vetretungsanteil auch überproportional hoch ist (Sekretariat 2006: 14 zit. In Buchinger 2006).

Religion auf der anderen Seite findet sich lediglich im bilingualen Kanon der Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg wieder.

Hieraus leitet sich die Frage ab, ob das Fach Religion überhaupt dafür geeignet ist bilingual unterrichtet zu werden und was dafür bzw. dagegen spricht (Sekretariat 2006: 16-17 zit. In Buchinger 2006).

3. Bilingualer Sachfachunterricht Religion

Bilinguale Bildungsgänge erfreuen sich innerhalb des deutschen Bildungssystems immer größerer Beliebtheit. Die Gründe hierfür sind vielfältig und nicht immer frei von kontroversen Diskussionen. In erster Linie erfüllt bilingualer Sachfachunterricht die Anforderung, Lernende in Zeiten zunehmender Globalisierung und Europäisierung mit den sprachlichen Werkzeugen auszustatten, um sich besser und effektiver verständigen zu können. Hieraus resultieren bessere Berufschancen, eine tiefere Beschäftigung mit anderen Kulturen und langfristig ein Ausbau der partnerschaftlichen Beziehung zwischen den Völkern. Trotz der genannten Vorteile bilingualen Unterrichts teilte das hessische Kultusministerium in einem Erlass aus dem Jahre 2006 mit,

„dass die Stellenzuweisung für Schulen mit bilingualem Zweig vom Schuljahr 2006/07 von 0,5 auf 0,3 l Stellen reduziert werden soll. In Zukunft stehen danach statt der bisherigen 13 Stunden nur noch 8 Stunden zur Versorgung des bilingualen Unterrichts zur Verfügung“ (http://lernen.bildung.hessen.de/bilingual/aktuelles/news/1147516965 Zugriff: 20.08.06 zit. Buchinger 2006: 12)

Diese Maßnahme steht in direktem Widerspruch zu den eingangs genannten Vorteilen bilingualen Unterrichts.

Aus religionspädagogischer Perspektive wurden in der Vergangenheit regelmäßig Argumente vorgebracht, die auf den ersten Blick gegen eine Implementierung bilingualen Religionsunterrichtes (bRU) sprechen, jedoch bei genauerer Betrachtung ebenso gut gegenteilig interpretiert werden können. An erster Stelle wäre demnach zu nennen, dass Religionsunterricht in einer Fremdsprache (in diesem Falle englisch) weniger zuträglich sei, da dieses Fach starke Bezüge zur Lebenswelt der Schüler wie etwa den Sinn des Lebens, Trauer oder den Glauben im Allgemeinen herstellt und somit durch die Verwendung einer fremden Sprache eine zusätzliche Entfremdung stattfinden würde, welche fernab von der Lebenswelt der Schüler läge (Pirner & Aichler 2005: 22).

Hierzu führen Pirner und Aichler in ihrem Praxisartikel „ The Roots of Pop Music“ treffend an, dass es obsolet wäre Religionsunterricht bilingual zu unterrichten, wenn die fachdidaktische Perspektive fehle und (bRU) zu einem bloßen Werkzeug der Aneignung fremdsprachlicher Fähigkeiten verkümmerte (Pirner & Aichler 2005: 22). Bilingualer Religionsunterricht muss sich demnach der Herausforderung stellen eine produktive Auswahl an Unterrichtsthemen zu treffen. Themen wie Religion in Popmusik, Missionierung in Afrika oder das Leben Martin Luther Kings lassen es den Jugendlichen aufgrund des authentischen Arbeitsmaterials oftmals plausibel erscheinen diese in englischer Sprache zu behandeln (Buchinger 2006: 20).

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656065364
ISBN (Buch)
9783656065555
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182450
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
14 Punkte
Schlagworte
bilingualer sachfachunterricht religion CLIL

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Titel: Bilingualer Sachfachunterricht evangelische Religion