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Das Unbewusste in Bezug auf das 3-Instanzen-Modell

Hausarbeit 2011 10 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Das erste topographische Modell
2.1 Das Bewusste
2.2 Das Vorbewusste
2.3 Das Unbewusste

3. Das zweite topographische Modell (3-Instanzenmodell)
3.1 Das Es
3.2 Das Ich
3.3 Das Über-Ich

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Arbeit werde ich die Frage behandeln, inwiefern das Unbewusste bei den drei Instanzen Es, Ich und Über-Ich von Freuds Persönlichkeitsmodell vertreten ist. Weshalb ist die Frage des Einflusses des Unbewussten auf das 3-Instanzen-Modell überhaupt relevant? Ohne diese Beziehung zu verstehen, könnte man irrtümlich davon ausgehen, dass es in den drei Instanzen jeweils nur eine Bewusstseinsform gibt. Denn warum sollte das Ich, welches als Vermittler die Triebregungen des Es und die Anforderungen des Über-Ichs sowie die der Außenwelt handhaben muss, auch überhaupt unbewusst sein? Impliziert diese Tätigkeit denn nicht ein bewusstes Vorgehen? Diese Fragen werden in der folgenden Arbeit behandelt. Hierfür werde ich folgendermaßen vorgehen: Zunächst handle ich die drei verschiedenen Bewusstseinsstufen des Unbewussten, des Vorbewussten sowie des Bewussten ab. Danach erläutere ich die drei Instanzen und setze das Unbewusste mit ihnen in Beziehung.

2. Das erste topographische Modell

Die menschliche Psyche wird in drei verschiedene Bewusstseinsebenen unterteilt: In das Bewusste, das Vorbewusste und das Unbewusste. Diese "Topographie" rührt von einem psychischen Apparat her, welcher einem fotographischen Apparat ähnelt: „Die psychische Lokalität entspricht dann einem Orte innerhalb eines Apparats, an dem eine der Vorstufen des Bildes zustande kommt." (S.Freud, GW II-III, 541). Dieser Vergleich soll verdeutlichen, dass der psychische Apparat aus unterschiedlichen psychischen Systemen, den verschiedenen Bewusstseinsebenen, zusammengesetzt ist, ebenso wie der fotographische Apparat sich aus optischen Systemen aufbaut (vgl. Schuster, 1997, 34).

Die verschiedenen psychische Systeme habe alle unterschiedliche Funktionen: Das Bewusste gleicht einem Sinnesorgan, welches die unmittelbarsten Vorgänge, sowohl die äußeren als auch die inneren, wahrnimmt und deutet. Das Vorbewusste beinhaltet innere Vorgänge, die nicht momentan bewusst, aber jederzeit bewusstseinsfähig sind. Es wird das deskriptive Unbewusste genannt, welches nur latent unbewusst ist. Das Unbewusste, welches im dynamischen Sinne unbewusst ist, bleibt bewusstseinsunfähig, kann jedoch mit bestimmten Hilfsmechanismen wie der Hypnose, der freien Assoziation sowie der Traumdeutung bewusst gemacht werden (vgl. Heidenreich, 1996, 92ff).

Die verschiedenen Bewusstseinsebenen werden räumlich dargestellt: Freud setzt das System des Unbewussten mit einem Vorraum gleich, in dem sich seelische sexuelle und aggressive Affekte befinden. Neben diesem Vorraum befindet sich ein zweiter Raum, nämlich der des Vorbewussten, in dem Vorgänge stattfinden, die bewusst werden können. Um unerwünschte Regungen aus dem Vorraum nicht in dem Raum des Vorbewussten zu lassen, zensiert ein Wächter alle Regungen und leistet Widerstand gegen diejenigen, die sich bereits Eintritt verschafft haben. Dieser Vorgang wird "Verdrängung" genannt. Durch einen dünnen Vorhang wird das Wahrnehmungsbewusstsein vom Vorbewussten getrennt (vgl. Heidenreich, 1996, 95). „Wir setzen also das System des Unbewussten einem großen Vorraum gleich, in dem sich die seelischen Regungen wie Einzelwesen tummeln. An diesen Vorraum schließt sich ein zweiter, engerer, eine Art Salon, in welchem auch das Bewusstsein verweilt. Aber an der Schwelle zwischen beiden Räumlichkeiten waltet ein Wächter seines Amtes, der die einzelnen Seelenregungen mustert, zensuriert und sie nicht in den Salon einlässt, wenn sie sein Missfallen erregen." (S.Freud, GW XI, 305).

2.1 Das Bewusste

Das Bewusste als psychisches System hat die Fähigkeit, Informationen aus der Außenwelt wahrzunehmen, die von unmittelbarsten Wahrnehmungen herrühren. Zudem wird das Bewusste auch seiner inneren Vorgänge gewahr, Vorgänge, die als Empfindungen mit Lust- bzw. Unlustcharakter und als wiederbelebte Erinnerungen zu verstehen sind: „Von vornherein bw sind alle Wahrnehmungen, die von außen herankommen (Sinneswahrnehmungen), und von innen her, was wir Empfindungen und Gefühle heißen.“ (S.Freud, GW XIII, 246). Wiederbelebt bzw. wiederempfunden werden die inneren Vorgänge, weil sie sich an Wortresten bedienen, mit deren Hilfe sie zu Wahrnehmungen gemacht werden. Das Bewusste enthält keine Erinnerungsspuren, deswegen kann es selbst Vorgänge nur registrieren und nicht speichern, was dazu führt, dass die Wahrnehmungen nur kurzzeitig bewusst bleiben und sich im nächsten Augenblick wieder im Zustand des Unbewussten befinden (vgl. Köhler, 1993, 326).

2.2 Das Vorbewusste

Das Vorbewusste wird als dasjenige Unbewusste bezeichnet, welches im deskriptiven Sinne unbewusst ist. Es ist latent-bewusstseinsfähig, denn es besitzt von Wortvorstellungen abhängige Erinnerungsreste, die bewusstseinsfähig sind: „Manche Vorgänge werden leicht bewusst, sind es dann nicht mehr, können es aber ohne Mühe wieder werden […]. Alles Unbewusste, das sich so verhält, so leicht den unbewussten Zustand mit dem bewussten vertauschen kann, heißen wir darum lieber bewusstseinsfähig oder vorbewusst.“ (S.Freud, GW XVII, 81 f). Das Vorbewusste enthält einen Zensor, der darüber entscheidet, ob bestimmte Inhalte des Unbewussten zum Bereich des Vorbewussten vordringen dürfen. Daher ist es auch für die Verdrängung verantwortlich, denn der Zensor des Vorbewussten leistet Widerstand gegen diejenigen Regungen aus dem Unbewussten, die sich bereits Zugang zum Vorbewussten verschafft haben (vgl. Schuster, 1997, 39).

2.3 Das Unbewusste

Das Unbewusste im eigentlichen Sinne nennt Freud das dynamische Unbewusste, doch weshalb eigentlich dynamisch? Im Zustand des Unbewussten befinden sich Triebrepräsentanten, die einen Weg zum Bewusstsein einschlagen wollen. Doch mittels der Zensur zwischen dem Unbewussten und dem Vorbewussten gelingt dies nur, wenn diese Triebe den moralischen Ansprüchen der Person entsprechen. Die Triebe beinhalten jedoch meist einen anstößigen Inhalt, daher werden sie von dem Zensor zurückgestoßen, damit ihr Inhalt nicht zum Bewusstsein gelangt. Diese zurückgestoßenen Triebe werden als „das Verdrängte“ bezeichnet und sie stellen einen großen Teil des Unbewussten dar. Die Verbannung der Triebe aus dem Reich des Bewusstseins kann aber nicht von Dauer sein, da diese nach Befriedigung streben und sich immer stärker melden, da ihre Entladung eben nicht befriedigt wird. Die Verdrängung schafft es nie, die Triebe zu vernichten, sondern lediglich zu unterdrücken, doch bei ständiger Unterdrückung schaffen die unerwünschten Triebe es, sich in Form von Ersatzbildungen zu äußern. Diese Elimination und das Wiederauftauchen des Verdrängten ist der Grund, weshalb das Unbewusste in unserem eigentlichen Sinne das „dynamische Unbewusste“ genannt wird (vgl. Gekle, 1986, 192).

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Inhalte des Unbewussten nicht bewusstseinsfähig sind, was es somit vom System des Vorbewussten unterscheidet. Jedoch wird stets versucht, an das Bewusstsein zu gelangen, um die Bedürfnisse zu entladen, doch werden die Wunschregungen meistens verdrängt. Das Verdrängte ist nicht identisch mit dem Unbewussten, es ist nur ein Teil von ihm „Alles Verdrängte muss unbewusst bleiben, aber wir wollen gleich eingangs feststellen, daß das Verdrängte nicht alles Unbewusste deckt. Das Unbewusste hat den weiteren Umfang; das Verdrängte ist ein Teil des Unbewussten.“ (S.Freud, GW X, 264).

Bei ständiger Unterdrückung der unerwünschten Inhalte zeigen diese sich in Gestalt von Ersatzbildungen. Hierzu werden vier Wege gezählt, die es den unterdrückten Regungen erlauben, sich zu entladen: Der erste Weg führt durch die Träume, denn im Schlafzustand ist die Zensur etwas gelöster, was den verdrängten Elementen das Bewusstwerden vereinfacht. Die zweite Möglichkeit bietet sich in den Witzen, denn durch die Technik des Witzes ist eine vorübergehende Entladung unbewusster Affekte möglich. Der Genuss eines Witzes resultiert aus der Lust durch die Befriedigung der verbotenen Impulse (vgl. Schuster, 1997, 36). In seiner Arbeit „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten“ führt Freud die Technik des Witzes aus: „Ein vorbewusster Gedanke wird für einen Moment der unbewussten Bearbeitung überlassen, und deren Ergebnis alsbald von der bewussten Wahrnehmung erfasst.“ (S.Freud, GW VI, 189). Der dritte Weg gründet in Fehlleistungen, bei denen es um alltägliche Missgeschicke wie zum Beispiel Vergessen oder Versprechen geht. Diese Missgeschicke kommen durch ein teilweises Versagen der Zensur zustande, wodurch unbewusste Prozesse an bewussten Handlungsabläufen teilhaben und diese stören. Als Ergebnis kommen sinnlose Handlungen und Versprecher zustande, die den Sprecher entlarven oder ihn demütigen (vgl. Schuster, 1997, 37). Solche Versprecher werden auch „Freudsche Versprecher“ genannt (vgl. Heidenreich, 1996, 93). Verdrängte Regungen, die einfach zu stark sind und sich entladen wollen, durchbrechen den Widerstand des Zensors und erkämpfen sich ihr Bewusstwerden. Der Zensor schafft es nur noch, dass sich die unerwünschten Regungen entstellt zeigen, so dass aus ihnen nicht der wahre Inhalt zu erkennen ist. Die daraus resultierenden Symptombildungen haben dann keine Ähnlichkeit mit den ursprünglichen und unerwünschten Regungen. Diese Methode des Bewusstwerdens stellt den vierten Weg dar (vgl. Schuster, 1997, 37).

Im System des Unbewussten herrscht eine bestimmte Funktionsweise vor, nämlich die des Primärprozesses. Hierbei streben die Triebe nach sofortiger Entladung ihrer Wünsche und Affekte und dulden keinen Triebaufschub. Wenn ein bestimmter Wunsch vorliegt, dann muss er unmittelbar befriedigt werden. Dieses wird auch als das Lustprinzip definiert, denn es wird danach gestrebt, Lust ohne zeitliche Verzögerung zu erlangen und Unlust zu vermeiden. Diese Funktionsweise ist bereits im Kindesalter vorhanden, in dem nur Instinkte, Wünsche und Reize vorliegen. Mit der Zeit tritt immer mehr sekundärprozesshaftes Denken in den Vordergrund, welches im System des Vorbewussten vorliegt.

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Details

Seiten
10
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656069980
ISBN (Buch)
9783656070139
Dateigröße
613 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182423
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Institut für Philosophie
Note
1,0
Schlagworte
Ich Es Über-Ich Sigmund Freud Das Unbewusste

Autor

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Titel: Das Unbewusste in Bezug auf das 3-Instanzen-Modell