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Kompetenz als Mantra neoliberaler Bildungsreform

Die Kompetenzdebatte in ihrer semantischen Weitläufigkeit und inhaltlichen Kurzatmigkeit

Hausarbeit 2011 11 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

INHALT

1. Vorwort

2. Kompetenz- Was ist das?
2.1 Begriffshistorische Bestimmung von Kompetenz
2.2 Abgrenzung und Orientierung des Kompetenzbegriffs

3. Pädagogischer Kompetenzdiskurs: Neoliberale Rationalisierung und kybernetische Subjektivität

4. Schlusswort

Literaturverzeichnis

1. Vorwort

„ Verfassung bedeutet letzten Endes Kompetenz-Kompetenz. Wer hat die Kompetenz-Kompetenz? Übertragen die Nationen die Kompetenz auf Europa oder hat Europa schon für sich die Kompetenz-Kompetenz? (Edmund Stoiber) Eigentlich könnte der Beitrag mit diesem Ausschnitt einer Rede von Edmund Stoiber schon zu Ende sein. Denn anschaulicher kann man die Sinnentleertheit des Begriffs, um den es hier gehen soll, nicht darstellen. Bei dem Wort „Kompetenz“ handelt es sich um ein an allen Ecken und Hecken, in allen Feldern und Nischen der Gesellschaft gebrauchtes Etikett, mit dem behauptet wird, dass man kompetent ist oder sein muss. Die inflationäre Dimension wird deutlich, wenn man den Begriff in Google eingibt und dann 11.800.000 Anzeigen erhält. Dann erfährt man, dass es in Berlin ein „Kompetenzzentrum Wasser“ gibt, in Nordrhein-Westfalen ein „Kompetenznetzwerk Brennstoffzelle und Wasserstoff“ und ein Baumarkt sich „ Kompetenzzentrum Bau“ nennt. Medizin-und Pflegedienste machen auf sich dadurch aufmerksam, dass sie „Brustkrebs-Kompetenz“ oder „Wundkompetenz“ anbieten und eine Selbsthilfegruppe hat sich auf den Weg begeben, um „Liebeskummerkompetenz“ zu vermitteln. Natürlich fehlt auch nicht ein Seminarangebot zur „Gender-Kompetenz“, beispielsweise an der FU Berlin. Mit etwas Sarkasmus könnte man das Motto eines Internetportals als Charakterisierung für den beliebig ausufernden Gebrauch des Zeitgeistwortes „Kompetenz“ ansehen; es lautet nämlich „Kompetent-in-Kontinenz“-so inkontinent sind die Konturen des Begriffs“ (vgl. Hufer 2008,S.12f).

2. Kompetenz- was ist das?

Kompetenz ist heutzutage ein Begriff, der in unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken scheint, da er sich in fast jedem Berufs-als auch Lebensbereich eingeschlichen hat. “Eingeschlichen“ deshalb, weil er sich nicht wie beispielsweise der Bildungsbegriff traditionell bewährt hat, dessen historische bedeutungsmäßige Implikationen besonders in der internationalen Debatte nur schwer anschlussfähig-zu voraussetzungsbeladen sind die spezifisch „deutschen“ philosophischen sowie subjekt-und gesellschaftstheoretischen Diskurse, die im Begriff der Bildung ihren Ausdruck finden ( vgl. Arnold 2002,S.26). Der Begriff Kompetenz ist in aller Munde, doch versprich dieser Begriff auch das was er verspricht?

2.1 Begriffshistorische Bestimmung von Kompetenz

Für den Kompetenzbegriff gibt es drei Ableitungen bzw. metaphorische Verwendungsweisen. Konzeptgeschichtlich findet man ihn 1) in der Biologie, 2) in der (Motivations-)Psychologie und 3) in der Linguistik. In der Biologie beschreibt Kompetenz die Fähigkeit eines tierischen oder pflanzlichen Organismus, der eine bestimmte Entwicklungsreaktion hervorrufen kann. In der Immunologie wiederum wird der Begriff, als die Fähigkeit bestimmter Zellen des Iymphatischen Systems, auf Kontakt mit Antigenen mit der Entwicklung immunologischer Fähigkeiten zu antworten, verstanden. Kompetenz wird dabei ganz im Sinne einer latent vorhandenen Fähigkeit verwendet, für deren Entwicklung bestimmte auslösende Situationen vorhanden sein müssen (vgl. Höhne 2007,S.32). In der Motivationspsychologie wurde der Kompetenzbegriff zuerst von R.W. White eingeführt. Er bezeichnet mit dem Konzept Ergebnisse der Entwicklung von grundlegenden Fähigkeiten, die nicht genetisch festgelegt noch das Produkt von Reifungsprozessen sind. Sie werden vom Individuum selbst hervorgebracht. Das Motiv der optimalen Anpassung an die jeweilige Umgebung und das Ziel der Kontrolle über die Umwelt unterstützen die Entwicklung von Kompetenzen. In der Linguistik wurde der Kompetenzbegriff zusammen mit dem Pendantbegriff der Performanz von Noam Chromsky 1960 in die Linguistik eingeführt. Kompetenz wird hierbei als universalistisch- algorithmisches Prinzip die Fähigkeit von Sprechen und Hören, mit Hilfe eines begrenzten Inventars von Kombinationsregeln und Grundelementen potentiell unendlich viele Sätze bilden und verstehen zu können, verstanden (vgl. Höhne 2007,S.32).

Mit Hilfe der begriffsgeschichtlichen Rekonstruktion lassen sich 7 zentrale Merkmale eines übergreifenden Kompetenzkonzepts identifizieren.1) Die Produktion eines Systems mit Referenz auf eigene Elemente,2) ein universalistisch-algorithmisches Prinzip, welches auch als Generierungsprinzip verstanden werden kann, 3) ein reponsives/reaktives Moment, welches kontextabhängig ist, 4) flexibles Reagieren,5) eine latent/manifeste-Differenz,6) eine aktive Auseinandersetzung und 7) die Basisfähigkeit, als elementares Vermögen.

2.2 Abgrenzung und Orientierung des Kompetenzbegriffs

Der Kompetenzbegriff hat sich gerade in den letzten Jahren in allen Bildungssektoren als „ Der moderne Leitbegriff“ etabliert und damit Begriffe wie Qualifikation, und Bildung von der Bildfläche verdrängt. Der Kompetenzbegriff weist im Hinblick auf seine Eigenschaft, Handlungsmöglichkeiten zur Lösung von Problemen bereitzustellen, Überschneidungen mit einer Reihe anderer Begriffe auf. Gleichzeitig grenzt er sich aber eindeutig von diesen ab.

Qualifikation ist im Vergleich ein Begriff der sich rein auf den Arbeitsbereich spezialisiert. Sie ist „ das formale Ergebnis eines Beurteilungs-und Validierungsprozesses, bei dem eine dafür zuständige Stelle festgestellt hat, dass die Lernergebnisse einer Person vorgegebenen Standards entsprechen“ (Kommission der Europäischen Gemeinschaft 2008, S.11).

Bildung wir entweder als Zustand oder als Prozess verstanden. Sie geht über Kompetenz insofern hinaus, als sie das Dasein des Menschen insgesamt im Blick hat. Sie zielt auf die Befreiung von Zwängen ab und erachtet auch Nutzloses und Zweckfreies als erstrebenswert (vgl. Zürcher 2010,S.2).

Wissen lässt sich kognitionstheoretisch in deklaratives und prozedurales Wissen unterteilen. Als „Kenntnis“ ist Wissen ein konstituierendes Kennzeichen der Kompetenz. Wissen kann allerdings auch als Gesamtheit dessen verstanden werden, wozu ein Mensch fähig ist, weshalb Wissen der Summer der Kompetenzen nahe kommt (vgl. Zürcher 2010,S.3).

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Details

Seiten
11
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656061076
ISBN (Buch)
9783656061120
Dateigröße
853 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182381
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
Schlagworte
kompetenz mantra bildungsreform kompetenzdebatte weitläufigkeit kurzatmigkeit

Autor

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