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Warum funktioniert Aufstellungsarbeit?

Wissenschaftlicher Aufsatz 2011 5 Seiten

Psychologie - Beratung, Therapie

Leseprobe

Abstract: Die Aufstellungsarbeit, die ursprünglich von Bert Hellinger entwickelt wurde, findet vielfältige und erfolgreiche Anwendung in der Familien- und Systemischen Therapie sowie Beratung. Verschiedene Formen werden eingesetzt, von der eigentlichen Aufstellung bis hin zum sog. „Beziehungsbrett“. Jedoch sind die Wirkmechanismen der Aufstellungsarbeit unbekannt – man weiß nur, „dass sie funktioniert“, aber nicht wirklich, „warum sie funktioniert“. Erst die Berücksichtigung von Erkenntnissen der quantenphysikalischen Forschung vermag eine mögliche Antwort auf diese Frage zu geben. Der vorliegende Artikel erläutert zunächst in Kürze die Aufstellungsarbeit und stellt anschließend die wesentlichen Erkenntnisse der Quantenphysik vor. Schließlich werden diese direkt auf die Aufstellungsarbeit übertragen und damit eine mögliche Antwort auf die Frage, warum sie funktioniert, gegeben. Der Artikel schließt mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte und einem Ausblick.

Keywords: Systemische Beratung, Aufstellungsarbeit, Beziehungsbrett, Quantenphysik, bewusster Beobachter, Resonanz

Why Does Constellation Work Actually Work?

Abstract: Constellation Work, first introduced by Bert Hellinger, is commonly used in Family and Systemic Therapy and counselling. Various forms are carried out, from the original Constellation to a board-based version. But the mechanisms of Constellation Work are unknown – it is only known that it works but not really why. The latter question cannot be answered until findings of quantum physics are considered. The present article gives a brief explanation of Constellation Work before describing the essential findings of quantum physics. Finally, they are applied to Constellation Work in order to give a possible answer to the question of why it actually works. The present article ends with a summary and an outlook.

Keywords: Systemic Counselling, Constellation Work, board-based constellation, quantum physics, conscious observer, resonance

1. Die Grundzüge der Aufstellungsarbeit

Die Aufstellungsarbeit ist eine Methode aus der Systemischen Therapie oder Beratung. Sie sieht interpersonelle Beziehungsgeflechte bzw. Interaktionen innerhalb eines betrachteten Systems, wie z. B. der Familie, als Grundlage jeglichen Handelns. Auch die Lösung einer evtl. vorhandenen Problematik wird innerhalb des Systems gesucht.

In ihrer ursprünglichen Form findet die Aufstellungsarbeit in einer Gruppe statt. In einem ersten Schritt bittet der Berater seinen Klienten, sein Anliegen zu schildern. Sofern Personen Gegenstand der Thematik sind, kann das vom Klienten vorgebrachte Anliegen mit einer Aufstellung bearbeitet werden. Hierzu wählt der Klient Personen aus der anwesenden Gruppe aus und fragt sie, ob sie jeweils bereit wären, sich z. B. als Familienmitglieder oder Kollegen aufstellen zu lassen. Jede in die Aufstellung einbezogene Person übernimmt sozusagen im zu konstruierenden Setting die Rolle eines bestimmten vom Klienten festgelegten Mitmenschen. Auch der Klient selbst kann aktiv an der Aufstellung teilnehmen, indem er sich selbst repräsentiert (Schäfer, 1997 sowie Schiepek, 1999).

Der Berater achtet darauf, dass auch ignorierte oder aus anderen Gründen abwesende Personen im betrachteten System nicht übergangen werden. Im nächsten Schritt stellt der Klient die Personen nach eigenem Ermessen im Raum auf, wobei er auch Aspekte wie Blickrichtung, Körperhaltung und Gestiken berücksichtigt.

Nun wird die gestellte Situation durch den Berater mit Hilfe verschiedener (Systemischer) Fragetechniken evaluiert.

Die gestellten Personen werden nun aufgefordert, ihre Eindrücke und Empfindungen darzustellen und entsprechend zu interagieren. Es könnte auch zielführend sein, die gestellten Personen nach einem bestimmten Handlungsimpuls zu fragen, so dass sich die Konfiguration der Aufstellung ggf. ändert. Optional kann der Berater ebenfalls eine Veränderung vornehmen. Auch in diesen Fällen evaluiert der Berater das Setting, indem er Fragen stellt.

Die Aufstellungsarbeit, in all ihren praktizierten Formen, weist aus Sicht des Klienten einen hohen Grad an Problemlösungsbeitrag auf, d. h., er kann im Nachhinein mit einer Problemsituation deutlich besser umgehen als vorher. Anscheinend können sich die gestellten Personen sehr gut in die Menschen einfühlen, die sie repräsentieren, und dem Klienten wertvolle Hinweise zur Lösung der Problematik mitgeben. Dies gilt entsprechend auch für das Beziehungsbrett – hier ist nur der Klient vorhanden, es werden keine anderen Personen in die Aufstellung einbezogen; trotzdem gelingt es dem Klienten i. a. sehr gut, sich auf die gestellten (aber physisch nicht vorhandenen) Personen einzustimmen.

2. Die wichtigsten Erkenntnisse der Quantenphysik

Die Ergebnisse aus mittlerweile ca. 100 Jahren quantenphysikalischer Forschung stellen einen klaren Widerspruch zur sog. „klassischen“ Physik dar. Wir wollen im folgenden die wesentlichen von der Quantenphysik aufgedeckten Prinzipien erörtern und sie denen der klassischen Physik gegenüberstellen.

Das erste dieser Prinzipien ist die sog. Superposition. D. h., alle potentiellen Möglichkeiten bzw. Endergebnisse überlagern sich simultan, jedoch nicht additiv – es liegt eine Wellennatur vor, wodurch diese Überlagerung möglich wird, denn Wellen können interferieren. Erst durch den Akt des bewussten Beobachtens würde aus der Superposition ein einzelnes sichtbares Endergebnis resultieren. Die Quantenphysik spricht hier vom „Kollaps der Wellenfunktion“ bzw. etwas anschaulicher von einer „Reduktion“ aufgrund des Beobachter-Effekts. Experimentelle Untersuchungen bestätigen das Konzept – es ist tatsächlich Bewusstsein involviert, das Realität gestaltet und schließlich als die Grundlage allen Seins aufgefasst wird (Zeilinger, 2005 sowie Stapp, 2007).

Die klassische Physik kennt das Konzept der Superposition nicht, denn aus ihrer Sicht existiert ausschließlich das unmittelbar Vorhandene. Auch Bewusstsein ist nicht Gegenstand der klassischen Betrachtung, sondern wird als Epiphänomen betrachtet.

Die Verschränkung und die Nicht-Lokalität sind zwei Prinzipien, die ebenfalls durch quantenphysikalische Experimente aufgedeckt wurden. Man kann sich dies wie folgt vorstellen: Sind zwei Partikel verschränkt, würde alles, was dem einen Partikel geschieht, ohne Zeitverzögerung auch dem anderen geschehen. Es besteht zwischen beiden eine nicht-lokale Verbindung, die von Raum und Zeit unabhängig ist. Auch hierfür existieren experimentelle Beweise (Goswami, 2007 sowie Aspect et al., 1981).

Im Gegensatz dazu vertritt die klassische Physik das Prinzip der Lokalität – jegliche Verbindungen und Interaktionen zwischen beiden Partikeln werden hier klar verneint.

Schließlich vertritt die Quantenphysik das Prinzip der Diskontinuität: Wenn Elektronen, die sich im Orbit um einen Atomkern befinden, auf eine andere Umlaufbahn wechseln, so geschieht dies, ohne dass die Elektronen den dazwischen liegenden Raum durchqueren (dies wäre ein kontinuierlicher Vorgang, wie er aus der klassischen Physik bekannt ist). D. h., ein Elektron ist im ersten Moment an einer bestimmten Stelle und im nächsten Moment an einer anderen (Goswami, 2007).

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Details

Seiten
5
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656060758
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182256
Note
Schlagworte
Systemische Beratung Aufstellungsarbeit Beziehungsbrett Quantenphysik bewusster Beobachter Resonanz

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