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Staatszerfall - Begriffsanalyse, Ursachen und Verlauf am Beispiel Somalias

Seminararbeit 2011 15 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Die politikwissenschaftlichen Relevanz und der Untersuchungsgegenstand
1.2. Untersuchungsziele, Methode und Leitfragen

2. Begrifflichkeiten des Staatszerfalls

3. Beispiel Somalia
3.1. Ursachen des Staatszerfalls
3.1.1. Interne Dimension
3.1.2. Externe Dimension
3.2. Verlauf und Konsequenzen des Staatszerfalls in Somalia
3.3. Externes Eingreifen und Lösungsversuche

4. Zum Umgang mit zerfallenen Staaten

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Die politikwissenschaftliche Relevanz und der Untersuchungsgegenstand

Dem Phänomen des Staatszerfalls kommt in den Sicherheitsüberlegungen vor allem der USA eine entscheidende Rolle zu, nachdem die Terroranschläge vom 11. September 2001 gezeigt haben, dass transnationale Terroristen schwache Staaten wie Afghanistan als Basis zur Planung verheerender Terroranschläge erfolgreich nutzen (vgl. Schneckener 2004: 23; Büttner 2004: 10). Dieser Verbindung zwischen failed states und einer globalen Bedrohung durch Terroristen setzten die USA im September 2002 eine neue National Security Strategy (NSS) entgegen; in der es heißt: » America is now threatened less by conquering states than we are by failing ones « (Bush 2002: 1).

Staatszerfall tritt in Europa, Asien, Südamerika und besonders in Afrika auf. In Europa gab es zwei Wellen des Staatszerfalls, 1919 nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und 1991 nach dem Untergang der Sowjetunion, dessen Folgen bis in die Gegenwart deutlich wahrnehmbar sind (Wolffsohn 2008: 26). Die größte mediale Aufmerksamkeit erregen die failed states Afghanistan und Irak durch das andauernde Engagement internationaler Streitkräfte in diesen Ländern sowie Somalia, aufgrund der von dort aus operierenden Piraten. Tatsächlich liegt die Mehrheit der failed states auf dem afrikanischen Kontinent1. Der frühere US- Präsident George W. Bush, US-Verteidigungsminister Robert Gates und US- Präsident Barack Obama haben stets betont, welch hohen Stellenwert die Prävention von Staatszerfall in Gegenwart und Zukunft einnehmen wird2. Wie groß die Gefahr tatsächlich ist, die vom Zerfall dieser Staaten für die USA und ihre Verbündeten ausgeht, ist in der wissenschaftlichen Diskussion umstritten (Vgl. Schneckener 2004: 24).

Eine Sonderstellung unter den zerfallenen Staaten nimmt Somalia ein. Es befindet sich seit der erstmaligen Berechnung des Failed State Index (FSI) 2005 unter den ersten sieben failed states des Indexes3. Der Zerfall der Staatlichkeit scheint dauerhaft zu sein; Somalia ist der einzige Staat in Afrika, in dem sich nach seinem Zerfall keine neue staatliche Ordnung etablieren konnte (Büttner, 2004: 17). In der wenig systematisierten theoretischen Forschung zum Phänomen des Staatszerfalls hat sich noch keine einheitliche Terminologie herausgebildet. Es besteht keine Einigkeit über die Anwendung von Begriffen wie fragile state, crisis state oder failed state und weiteren Kategorisierungen und Begrifflichkeiten 4 . Die Forschungsansätze und -bemühungen in der Literatur reichen von quantitativ- deskriptiven Verarbeitungen bis zu den Grundzügen einer Staatszerfalltheorie (vgl. Büttner 2004: 233-242). Es ist offensichtlich, dass in dem Phänomen des Staatszerfalls ein Problem für die internationale Politik gesehen wird. Regierungen, allen voran die der USA, halten es für eine starke Gefährdung der nationalen und internationalen Sicherheit (Bush 2002: 1). »Noch vor einigen Jahren wurden kritische Stimmen vom Hinweis auf die sogenannte ›Dritten Welle der Demokratisierung‹ und dem aus ihr herrührenden Optimismus überlagert« (Büttner 2004: 13). Diese Einschätzung ist nicht mehr zu finden, die Dritte Welle der Demokratisierung gilt als gescheitert und hat großen Sorgen über die Stabilität vieler Staaten in der Dritten Welt Platz gemacht5. In der Forschung dominiert der Pessimismus bezüglich der Möglichkeiten, Staatszerfallsprozesse aufzuhalten und umzukehren (Büttner 2004: 13). Dennoch wird diese Position nicht uneingeschränkt geteilt, v.a. wird der Anspruch kritisiert, die einzige Möglichkeit, menschliches Zusammenleben in großem Maßstab zu organisieren, bestehe darin, einen Staat nach westlichem Vorbild zu unterhalten6. Einigkeit besteht darüber, dass Staatszerfall in Zukunft zunehmen und nicht nur aus diesem Grund ein wichtiges Thema in Politik und Forschung bleiben wird. Nicht zuletzt leidet auch die wirtschaftliche Entwicklung nicht nur der Industrieländer unter schwachen Staaten, deren Unfähigkeit eine innere Ordnung aufrecht zu erhalten zur Gefahr für die globalen Handelsrouten werden kann7.

1.2. Untersuchungsziele, Methode und Leitfragen

Die Zielsetzung der Arbeit ist es, die unterschiedlichen Auffassungen zur Begrifflichkeit des Staatszerfalls zu erläutern, gegeneinander abzugrenzen und dadurch die Operationalisierung des sehr theoretischen Begriffs Staatszerfall zu verdeutlichen. Um den Verlauf von Staatszerfall zu beschreiben, werden Begriffe benötigt, die nach Ursachen, Grad und Ergebnis des Zerfallsprozesses unterscheiden. Am Fallbeispiel Somalia werden Ursachen, Verlauf, Lösungsvorschläge und Konsequenzen des Zerfalls erörtert. Ein Vergleich zwischen den Indikatoren des Fund for Peace und der von Annette Büttner in ihrer Dissertation erarbeiteten Ursachen bietet sich an, um festzustellen, inwiefern Einigkeit bzw. Uneinigkeit bezüglich der verschiedenen Faktoren und ihrer Gewichtung zwischen einem qualitativen und einem quantitativen Ansatz besteht. Es ist sinnvoll, bei der Suche nach den Ursachen staatsinterne und staatsexterne Faktoren zu unterscheiden. Diese Unterscheidung ist sowohl bei Büttner als auch bei Christopher Clapham vorhanden (Büttner 2004: 20; Clapham 2000: 9). Beim FSI liegt der Schwerpunkt klar auf der internen Dimension des Staatszerfalls, nur einer von zwölf Indikatoren bezieht sich auf externe Faktoren8. Lösungsvorschläge präsentieren kann ein Index nicht, er dient vielmehr dazu, eine Momentaufnahme des Zustands eines Staates zu liefern und so über den Vergleich mit früheren Momentaufnahmen eine Tendenz feststellen zu können. Die Lösungsvorschläge von Büttner und Clapham hingegen werden auf ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede hin untersucht.

[...]


1 7 der ersten 10 Staaten auf dem Failed States Index (FSI) befinden sich in Afrika (The Fund for Peace, Washington, D. C., 2011), in: http://www.fundforpeace.org/global/?q=fsi-grid2011; 20.09.2011

2 Traub, James 2011: Failed States are a Threat to U.S. National Security, Only Some of Them, in: Foreign Policy: 187, 51-52.

3 The Fund for Peace, Washington, D. C., 2011, in: http://www.fundforpeace.org/global/?q=fsi- grid2011; 20.09.2011

4 Vgl. Büttner (2004: 10); Vgl. Crisis, Fragile and Failed States Definitions used by the CSRC, (Crisis States Workshop, London, 2006), in: http://www.crisisstates.com/download/drc/FailedState.pdf; 20.09.2011

5 Harbrich (2006: 5), in: http://www.gsi.uni-muenchen.de/forschung/forsch_zentr/publikationen/ arbeitspapier/ap47.pdf; 20.09.2011

6 Vgl. Clapham (2000: 1, 12), in: http://www.comm.ucsb.edu/research/mstohl/failed_states/2000/ papers/clapham.html; 20.09.2011

7 Vgl. Maouche (2010: 26), in: http://www.maritimesecurity.eu/fileadmin/content/news_events/ workingpaper/PiraT_Arbeitspapier_Nr6_2011_Maouche.pdf; 20.09.2011

8 The Fund for Peace (2011: 20), in: http://www.fundforpeace.org/global/library/cr-10-97-ca- conflictassessmentindicators-1105c.pdf; 20.09.2011

Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656060765
ISBN (Buch)
9783656061007
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182251
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg – Institut für Politikwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
failed state crisis state failing state somalia Staatszerfall furg internationale Beziehungen transnationaler Terrorismus

Autor

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Titel: Staatszerfall - Begriffsanalyse, Ursachen und Verlauf am Beispiel Somalias