Lade Inhalt...

Aufbau und Bewertung von Hochschul-Rankings in Deutschland

Die Elite in Deutschland

Studienarbeit 2010 20 Seiten

Pädagogik - Hochschulwesen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einführung und Vorgehensweise

2 Definition des Begriffs „Hochschul-Ranking“

3 Aufbau und Methodik populär-wissenschaftlicher Rankings
3.1 Das Hochschulranking des Magazins DER SPIEGEL
3.1.1 Methode
3.1.2 Kritische Betrachtung
3.2 Gesamtbetrachtung deutscher Hochschul-Rankings

4 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung und Vorgehensweise

Wo hast du studiert? Der Frage nach dem Studienort kommt eine immer größer werdende Bedeutung zu. In diesem Kontext erfahren Hochschul-Rankings eine große Resonanz in der Öffentlichkeit und insbesondere bei Studierwilligen.1 Hochschul- Rankings wollen u.a. aufzeigen, welche Hochschulen in Deutschland zur „Elite“ zählen bzw. an welchen Standorten die bundesdeutsche akademische „Elite“ ausgebildet wird.2

Ursprünglich hat PARETO den Begriff „der Elite“ in die (politik-) wissenschaftliche Diskussion eingeführt, um eine herausgehobene soziale Gruppe zu kennzeichnen.3 Aus historisch-semantischer Sicht erfolgte eine Einteilung der Gesellschaft nach Gruppen bereits in der Antike, z.B. bei PLATO. In der „Politeia“ lag die Führung der Gesellschaft in der Verantwortung der „Elite“.4 Der BROCKHAUS definiert „Elite“ (lat. eligere = auswählen) als ein Synonym für „die Besten“. Angehörige einer Elite verfügen über besondere Qualitäten und befinden sich in politischen, wirtschaftlichen, sportlichen, künstlerischen oder akademischen Spitzenpositionen. Angewandt auf den Sozialbereich werden einer „Eliteuniversität“ überdurchschnittliche Forschungsleistungen, Anforderungen und Auswahlkriterien bescheinigt.5

Vor allem in Deutschland steht die Bevölkerung dem Begriff der Elite oder einer Klassifizierung von Bildungseinrichtungen unter Elitegesichtspunkten mit Skepsis gegenüber.6 Soziologen weisen nach, dass in der Wirtschaft eher die Herkunfts- anstelle der Leistungseliten dominieren;7 d.h. die Leistung eines Hochschulabschlusses spielt weniger eine Rolle für eine Karriere in der Wirtschaft als vielmehr die Herkunft.8 In den angelsächsischen Ländern oder in Frankreich werden „Eliten“ aus den Universitäten rekrutiert. Laut dem Soziologen MÜNCH haben diese Einrichtungen die Tendenz, dass sie ihren Nachwuchs aus den Kindern der älteren „Elite“ rekrutieren und es dadurch zu einer Schließung der Gesellschaft kommt.9

Das in den vergangenen Jahren stark zugenommene, öffentliche Interesse an Informationen über die Qualität von Hochschulleistungen hat zu einer Verbreitung und Entwicklung von Messverfahren wie Hochschul-Rankings geführt.10 So soll zum Beispiel das Wettbewerbsverfahren „Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an Deutschen Hochschulen“ einen offenen Wettbewerb der Universitäten um finanzielle Ressourcen und die Differenzierung der Hochschullandschaft nach Qualitätsaspekten simulieren und stimulieren.11 Derartige Verfahren sollen die Förderung der „Leistungseliten“ in Deutschland voranbringen. Befürworter halten dies für unumgänglich, wenn das deutsche Hochschulsystem und die Wirtschaft im globalen Wettbewerb bestehen sollen.12

Sind Hochschul-Rankings jedoch auch wissenschaftlich fundiert oder handelt es sich nur um einen Ausdruck reiner „Expertenmeinungen“? Denn wird die Qualität der Leistungen einer Hochschule zu schlecht bewertet, kann es zu einer Verschlechterung der Hochschulleistungen der falsch bewerteten Hochschule kommen, da sich u.a. qualifizierte Studienberechtigte an anderen Hochschulen bewerben.13 Im Rahmen dieses Referates ist aufzuzeigen, ob populär-wissenschaftliche Hochschul-Rankings geeignete Indikatoren für die Bewertung auswählen und einen entscheidungsunterstützenden Informationsgehalt aufweisen können. Von dieser Untersuchungsfrage leitet sich die Gliederung der Arbeit ab. Im folgenden Abschnitt wird zunächst der Begriff „Hochschul-Ranking“ definiert. Im Abschnitt 3 wird die Methode des Hochschul-Rankings des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL näher beschrieben und anschließend kritisch bewertet. Das Ranking des SPIEGELS wird als Untersuchungseinheit ausgewählt, da das Nachrichtenmagazin u.a. aufgrund der Auflagenstärke und der Leserstruktur die Meinungsbildung in der Öffentlichkeit erheblich beeinflusst.14 Darauf folgt eine Gesamtbetrachtung von in Deutschland veröffentlichten Hochschul-Rankings. Abschließend wird zusammenfassend auf die Frage eingegangen, welche Aussagekraft das Vorgehen und die Ergebnisse von Hochschul-Rankings haben.

2 Definition des Begriffs „Hochschul-Ranking“

Ein Ranking stellt den Prozess der Entwicklung einer Rangfolge dar15 und kann als Index definiert werden, d.h. als „eine bestimmte Funktion auf der Objektmenge einer Zielgruppe, deren Funktionswerte zu einer die Präferenzrelationen der Zielgruppe repräsentierenden Rangfolge führt“.16 „Dabei werden Objekten […] numerische Werte zugeordnet, die einen Vergleich der Objekte […] erlauben sollen“.17

Ein Hochschul-Ranking bewertet die Qualität der Lehre, die Qualität der Forschung oder allgemein das Image von Hochschulen oder Fakultäten anhand eines Kriterienkataloges, der durch ein Kennzahlensystem operationalisiert wird. Eine 6. Dezember 2005, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Berlin. Altana Forum für Bildung und Wissenschaft, Berlin 2006, S. 30.

vergleichende Klassifikation der bewerteten Objekte soll entscheidungsunterstützende Informationen für die Zielgruppen wie Studieninteressierte, Hochschulleitungen oder Unternehmen generieren.18 In Deutschland wurden Hoschul-Rankings u.a. von DER STERN (1993), DER STERN (1999 und 2004) in Kooperation mit dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) und von FOCUS (1993, 1997, 2002, 2004) veröffentlicht.19

3 Aufbau und Methodik populär-wissenschaftlicher Rankings

3.1 Das Hochschulranking des Magazins SPIEGELS

DER SPIEGEL veröffentlichte 1989 sein erstes Hochschul-Ranking. Durch die Veröffentlichung und das große öffentliche Interesse an vergleichenden Informationen über die Leistungen der Hochschulen hat das Magazin dazu beigetragen, dass die Diskussion um die Qualität der Lehre wieder aufgenommen wurde.20 Seitdem sind 1993, 1999 und 2004 drei weitere Ranglisten deutscher Hochschulen erschienen. Im folgenden Abschnitt wird das 2004 bisher letzte, veröffentlichte Ranking unter dem Namen „Die Elite von morgen“ des Magazins vorgestellt. Dieses wurde in Zusammenarbeit mit ARMINGER und DREISTLER, dem Internet Provider AOL und der Unternehmensberatung MCKINSEY erarbeitet.21

3.1.1 Methode

Wie der Titel des Hochschul-Rankings vermuten lässt, soll die zukünftige Elite Deutschlands ermittelt werden. Das Ziel der Untersuchung ist es, den Werdegang und die Qualifikationen sowie die Erfahrungen und Kenntnisse der Studenten an deutschen Hochschulen zu messen. Die Studie bezieht sich nur auf Universitäten und private Institutionen, ausgeschlossen sind Fachhochschulen und jegliche andere Bildungseinrichtungen. Über 80.000 Studenten nahmen an der Online-Befragung teil. Lediglich die 15 meiststudierten Studiengänge22 und nur Studierende des Hauptstudiums werden in die Bewertung aufgenommen, um eine gesicherte statistische Datenbasis zu erhalten. Bachelor- und Masterstudiengänge bleiben 2004 aufgrund zu geringer Fallzahlen unberücksichtigt. Die Studierenden fanden Fragen23 mit teils vorgegebenen Antwortmöglichkeiten zur akademischen Laufbahn, Praxis- und Berufserfahrung sowie zu Sprach- und EDV-Kenntnissen vor. Zudem wurden persönliche Daten abgefragt, damit ein individuelles Ranking für jeden teilnehmenden Studierenden generiert werden kann.

Nach der Bereinigung der Datensätze ergibt sich eine Stichprobengröße von rund 50.000 Studenten und 582 Fakultäten.24 Mittels eines fachspezifisch festgelegten Kriterienrasters werden die Punktzahlen für die Kriterien bestimmt, um den Gesamtwert je Datensatz (basierend auf den studentischen Qualifikationen) zu erhalten. Darauf basierend erfolgt eine fachbereichsspezifische Gewichtung und Addition. Einfach Kriterien (z.B. Abiturnote) bekommen einen Punkt, die aus mehreren Komponenten bestehenden Kriterien gewichtete Punkte. Die Kriterien „Examen“, „Vordiplom“, „Abitur“, „Stipendien“, „Preise“, „Veröffentlichungen“ und „Studiendauer“ werden zu 50 % berücksichtigt. Der Rang einer Universität bestimmt sich aus dem arithmetischen Mittel der Punktwerte aller einbezogenen Studierenden. Die Rangliste enthält als zusätzliche Information den relativen und absoluten Anteil der Top 10 Studenten, d.h. derjenigen, die zu den besten 10 % ihres Faches zählen. Mittels „Harmonic Group“- Verfahren wird die Rangliste in drei Gruppen eingeteilt: Spitzen-, Mittel- und Schlussgruppe.

[...]


1 Für 17 Prozent der durch die Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) befragten Erstimmatrikulierten ist eine gute Bewertung in einem Ranking ein entscheidungsrelevantes Kriterium für die Hochschulwahl. Vgl. Heine, Christoph; Willich, Julia; Schneider, Heidrun; Sommer, Dieter: Studienanfänger im Wintersemester 2007/2008: Wege zum Studium, Studien- und Hochschulwahl, Situation bei Studienbeginn. Bd. 16 aus der Serie Hochschulplanung. HIS Hochschul-Informations- System GmbH, Hannover 2008, S. 113.

2 Der Spiegel veröffentlichte 2004 sein Hochschul-Ranking unter dem Titel „Die Elite von morgen“. Vgl. Friedmann, Jan; Hackenbroch, Veronika; Hipp, Dietmar; Klawitter, Niels; Koch, Julia; Lakotta, Beate; Mohr, Joachim; Schmitz, Christoph; Thimm, Katja; Wüst, Christian: Die Elite von morgen. In: Der Spiegel (Hrsg.), Heft 48/2004, 58. Jahrgang, Spiegel-Verlag, Hamburg 2004, S. 178. URL: http://www.studentenspiegel1.de/files/DERSPIEGEL-Studentenspiegel-Story.pdf [Stand: 14.03.2010]

3 Vgl. Pareto, Vilfredo: Ausgewählte Schriften. In: Mongardino, Carlo (Hrsg.): Vilfredo Pareto - Ausgewählte Schriften. Ullstein Verlag, Frankfurt/Berlin/Wien 1976, S. 255/§2025.

4 Vgl. Baudin, Louis: Elite. In: Beckerath, Erwin von; Bente, Hermann; Brinkmann, Carl; Gutenberg, Erich; Haberler, Gottfried; Jecht, Horst; Jöhr, Walter A.; Lütge, Friedrich; Predöhl, Andreas; Schaeder, Reinhard; Schmidt-Rimpler, Walter; Weber, Werner; Wiese, Leopold von (Hrsg.): Handwörterbuch der Sozialwissenschaften. Bd. 3, Fischer Verlag, Stuttgart/Tübingen/Göttingen 1961, S. 199.

5 Vgl. o. V.: Brockhaus. Die Enzyklopädie in 24 Bänden. Bd. 6, 20. Auflage, Stichwort: Elite, Mannheim 1997, S. 312f.

6 Vgl. Wasner, Barbara: Eliten in Europa: Einführung in Theorien, Konzepte und Befunde, VS-Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004, S. 131.

7 Promovierte aus dem gehobenen Bürgertum haben eine ca. 50 Prozent höhere Chance, in Führungspositionen zu gelangen als Kinder aus den Arbeiter- und unteren Mittelschichten.

8 Vgl. Hartmann, Michael: Der Mythos von den Leistungseliten: Spitzenkarrieren und soziale Herkunft in Wirtschaft, Politik, Justiz und Wissenschaft. Campus Verlag, Frankfurt am Main/New York 2002, S.202 ff. Vgl. dazu auch Münch, Richard: Die akademische Elite: Zur sozialen Konstruktion wissenschaftlicher Exzellenz. 2. Auflage, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007.

9 Vgl. Münch: Die akademische Elite, a.a.O., S. 122.

10 Vgl. Bayer, Christian R.: Hochschul-Ranking: Vorschlag eines ganzheitlichen Ranking-Verfahrens. Abhandlungen zu Bildungsforschung und Bildungsrecht. Bd. 14, Duncker & Humblot, Berlin 2004, S. 130.

11 Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.): Bund-Länder-Vereinbarung über die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen, Entwurf vom 7. Juni 2005. O. O. 2005, S. 1. URL: http://www.bmbf.de/pub/pm19_2005-anlage-vereinbarung.pdf [Stand: 13.03.2010].

12 Vgl. Schweickart, Nikolaus: Mehr Freiheit wagen, Wettbewerb zulassen, Gestaltungsspielräume schaffen für ein „deutsches Berkeley“. In: Anz, Christoph; Haberkamm, Thomas (Hrsg.), Schafft unser Hochschulsystem ein „deutsches Berkeley“? Elitebildung an staatlichen Hochschulen. Tagung …

13 Vgl. Bayer: Hochschulranking, a.a.O., S. 18.

14 Vgl. Huhnke, Brigitta: Macht, Medien und Geschlecht: eine Fallstudie zur Berichtserstattung der dpa, der taz sowie der Wochenzeitungen Die Zeit und Der Spiegel von 1980-1995. In: Studien zur Kommunikationswissenschaft. Bd. 7, Westdeutscher Verlag, Opladen 1996, S. 106.

15 Vgl. Alewell, Karl: Beurteilung der Leistungen von Hochschulen. In: Daniel, Hans-Dieter; Fisch, Rudolf (Hrsg.): Evaluation von Forschung: Methoden, Ergebnisse, Stellungnahmen. Universitätsverlag Konstanz, Konstanz 1988, S. 50.

16 Bayer: Hochschulranking, a.a.O., S. 29.

17 Ebenda, S. 26.

18 Vgl. Bayer: Hochschulranking, a.a.O., S. 135.

19 Eine ausführliche Darstellung der zitierten Rankings ist zu finden in: Schmücker, Stefanie: Hochschulranking in Deutschland: Methoden, Veränderungen und Kritik. VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken 2008.

20 Vgl. Hornbostel, Stefan; Daniel, Hans-Dieter: Das Spiegel-Ranking. Mediensensation oder ein Beitrag zur hochschulvergleichenden Lehrevaluation? In: Mohler, Peter Ph. (Hrsg.): Universität und Lehre: Ihre Evaluation als Herausforderung an die empirische Sozialforschung. Waxmann, Münster/New York 1994, S. 29.

21 Vgl. Friedmann et al.: Die Elite von morgen, a.a.O., S. 178.

22 Betriebs-, Volkswirtschaftslehre, Rechtswissenschaften, Mathematik, Chemie, Elektrotechnik, Germanistik, Informatik, Maschinenbau, Medizin, Politologie, Soziologie, Physik, Biologie, Psychologie, Wirtschaftswissenschaften wird wegen der Abschlussvielfalt nicht berücksichtigt.

23 Ein Auszug aus dem Fragebogen dieses Rankings ist der Anlage 1 zu entnehmen.

24 Fakultäten sind erst ab 18 „bereinigten“ Datensätzen Bestandteil der Grundgesamtheit (diese Zahl wird willkürlich und unbegründet gewählt). Vgl. McKinsey & Company (Hrsg.): Methodik des Studentenspiegels. O. O. 2004, S. 2 ff. URL: http://www.studentenspiegel1.de/methodik.pdf [Stand: 16.03.2010].

Details

Seiten
20
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656060819
Dateigröße
721 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182208
Institution / Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1,0
Schlagworte
AKAD SQL04 Wissenschaftstheorie Empirische Forschung Hochschul Ranking Spiegel Ranking Elite in Deutschland Philipp Schmieja

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Aufbau und Bewertung von Hochschul-Rankings in Deutschland