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...über Verständlichkeit - Was ist überhaupt "Verständlichkeit"?

Essay 2009 4 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

…über Verständlichkeit

Was ist überhaupt „Verständlichkeit“?

Die Verständlichkeit, plur. car. die Eigenschaft, da ein Ding, besonders ein Wort oder Rede, verständlich ist, klare und deutliche Begriffe gewähret.

(Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch vgl. Bd. 4, S. 1147)

Hat der Leser einen verständlichen Text vor sich, dann kann er ihn als „klar“, „unkompliziert“ und „nachvollziehbar“ beschreiben.

Umgangssprachlich ausgedrückt: Wir, die Leser, haben den Text „geschnallt“ bzw. „kapiert“ und können seinen Inhalt wiedergeben.

Warum/ Wozu benötigen wir Verständlichkeit in Texten?

Diese Frage mag zunächst etwas seltsam klingen, da uns die Antwort selbstverständlich und logisch erscheint: „ Wie können wir einen Text überhaupt gedanklich begreifen wenn er nicht verständlich ist?“

Aber Verständlichkeit war eben nicht immer selbstverständlich. Ein kleiner Ausflug ins Deutschland des 16. Jahrhunderts zeigt: Die deutsche Schriftsprache in dieser Zeit war stark von der Gelehrten- und Verwaltungssprache geprägt, deren Merkmale wir heute noch in unserer Wissenschafts- und Amtssprache wiederfinden können.

Nun stellen Sie sich mal vor wie es wäre, wenn auch jetzt noch alle Texte in „Beamtendeutsch“ verfasst wären? So gut wie unvorstellbar, oder?

Für den Otto-Normal-Bürger ist eine solche Sprache natürlich eine Zumutung; dieser Meinung war auch Martin Luther. Er erkannte die Notwendigkeit von Verständlichkeit in Texten und wandte verständliche Schreibmittel konsequent an (Dazu später mehr). Das Ergebnis dieser Erkenntnis war die erste Bibelübersetzung fürs Volk: Die Lutherbibel.

Auch heute kennen wir den „Hä? Wie jetzt?“- Effekt noch allzu gut; beispielsweise wenn wir eine Gebrauchsanleitung drei Mal lesen und am Ende immer noch nicht dahinter gekommen sind, wie das Gerät denn nun funktionieren soll.

Dieser Sachverhalt führt uns gleich zur nächsten Frage, die wir uns im Hinblick auf Verständlichkeit stellen können:

Wo /Wann wird Verständlichkeit gebraucht? Wer nutzt sie, wer nicht?

Um diese Frage zu beantworten, ist es wichtig die verschiedenen Bereiche zu benennen, in die wir Texte einordnen können. Die Bereiche geben Aufschluss darüber, in welcher Situation sich ein Schreiber (Textproduzent) und seine Leser (Textrezipienten) befinden.

E. Riesel unterscheidet 5 verschiedene Bereiche („Deutsche Stilistik“ 1975)

Der öffentliche Verkehr: Amtliche Texte, Gesetze, Protokolle, Akten und öffentliche Reden

Wissenschaft: Wissenschaftliche und technische Texte, Vorlesungen und Vorträge

Publizistik/Presse : Alle journalistischen Darstellungsformen; Nachrichten, Kommentare, Reportagen usw.

Alltagsverkehr: Alles, was in den privaten Umgang fällt

Schöne Literatur: Poetik, Lyrik, Drama usw.

Den Bereich der schönen Literatur werden wir hier allerdings nicht berücksichtigen, da er als Kunstform ganz eigene und sehr viele unterschiedliche sprachliche Absichten hat. Diese Absichten haben meist nicht viel mit dem Thema dieses Textes zu tun: Der Verständlichkeit.

Jeder der oben aufgezählten Bereiche nutzt seine eigene Form von Sprache. Grob lassen sich drei Sprachformen unterscheiden:

Fachsprache: Wird in den Bereichen Wissenschaft und öffentlicher Verkehr verwendet

Bildungssprache: Verwendung im Bereich Publizistik/Presse

Umgangssprache: Nutzung im Alltagsverkehr

Unterscheidungspunkte für die verschiedenen Sprachformen sind ihre Funktion und ihr Stil. Im Hinblick auf die vorausgegangene Fragestellung steht zunächst die Funktion im Vordergrund: Was beabsichtigen die jeweiligen Sprachformen? Und wie lassen sich diese Ziele auf Verständlichkeit beziehen?

Die Fachsprache ist darum bemüht, Tatsachen festzustellen, sowie Aussagen zu prüfen und zu belegen; vor allem im wissenschaftlichen Bereich. Im Bereich Wissenschaft bleibt man größtenteils unter sich. Das heißt, der Textproduzent setzt bei seinen Lesern wissenschaftliche Vorkenntnisse voraus. Ihm ist es egal, ob eine breite Masse seine Thesen und Theorien nachvollziehen kann oder nicht, da er für ein anderes Publikum schreibt (z.B. für Menschen seines Faches: Forscher, Akademiker…). Kurz: Die Wissenschaft möchte in erster Regel „Wissen schaffen“, die verständlichen Schreibmittel werden im ökonomischen Sinne verwendet, also nur so weit wie es nötig ist.

Stilzüge sind Abstraktheit, Sachlichkeit, Unpersönlichkeit und eine hohe Informationsdichte.

Die Bildungssprache ist die Sprache des öffentlichen Diskurses. Ihre Funktion ist ebenfalls Wissensvermittlung. Im Gegensatz zur Fachsprache geht es um das Wissen, welches uns bei der Orientierung in unserer Lebensumwelt hilft. Ein Textproduzent aus dem Bereich Publizistik/Presse schreibt für ein relativ breites Publikum. Er muss also sichergehen, dass eine ganze Bandbreite an Menschen seinen Text verstehen kann. Eigentlich gibt es nur eine Vorraussetzung für das Verstehen: Der Leser muss schulisch gebildet sein, lesen bzw. schreiben können. Bei der Bildungssprache spielt die Verständlichkeit also eine sehr viel größere Rolle als bei der Fachsprache.

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Details

Seiten
4
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656057222
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182034
Institution / Hochschule
Universität Mannheim
Note
1,3
Schlagworte
verständlichkeit

Autor

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Titel: ...über Verständlichkeit - Was ist überhaupt "Verständlichkeit"?