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Analysebereiche beim Unternehmensrating und Implikationen für das Controlling mittelständischer Unternehmen

von Dennis Hinzmann (Autor) Stefan Schoregge (Autor)

Hausarbeit 2011 53 Seiten

BWL - Controlling

Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Mittelstand
2.1 Definition & Abgrenzung
2.1.1 Quantitative Abgrenzungskriterien
2.1.2 Qualitative Abgrenzungskriterien
2.2 Aktuelle Situation des Mittelstands in Deutschland
2.3 Besonderheiten & Problemstellungen in der Unternehmensfinanzierung

3. Das Unternehmensrating
3.1 Gesetzliche Grundlagen (Basel 2)
3.2 Grundsätzliche Analysebereiche
3.2.1 Quantitative Analysebereiche
3.2.1.1 Vermögensstruktur
3.2.1.2 Kapitalstruktur
3.2.1.3 Finanzierungskraft und Liquidität
3.2.1.4 Erfolg und Rentabilität
3.2.2. Qualitative Analysekriterien
3.2.2.1 Branchenentwicklung & Marktumfeld
3.2.2.2 Unternehmenstrategie & Planung
3.2.2.3 Management, Personal & Prozesse
3.2.2.4 Controlling & Risikomanagement
3.2.2.5 Debitoren & Kreditoren
3.2.2.6 Bisherige Bankbeziehung
3.3 Externes Rating(Stefan Schoregge)
3.3.1 Ziele und Aufgaben
3.3.2 Marktakteure
3.3.3 Verfahrensbeispiel anhand der Creditreform Rating AG
3.4 Internes Rating
3.4.1 Ziele & Aufgaben
3.4.2 Marktakteure
3.4.3 Verfahrensbeispiel anhand der Sparkassen Finanzgruppe
3.5 Zwischenfazit

4. Optimierung des Unternehmensratings
4.1. Entwicklung einer Rating-Strategie
4.2. Relationship Banking: proaktive Kommunikation mit der Bank
4.3 Verbesserung der Kapitalstruktur durch „Mezzanine Capital“
4.4 Risikomanagement

5. Fazit / Ausblick

V. Literaturverzeichnis

II. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

III. Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Klassifizierung der Unternehmensgröße nach dem Schema des IfM

Abbildung 2: Klassifizierung der Unternehmensgröße nach dem Schema der Europäischen Kommission

Abbildung 3: Einschätzung der wirtschaftlichen Lage & Entwicklung

Abbildung 4: Entwicklung der EK-Quoten 2007 - 2009

Abbildung 6: 3-Säulen-System von Basel II

Abbildung 7: Ratingtabelle von Standard & Poors's und Moody‘s

Abbildung 8 Ratingprozess der Creditreform Rating AG

Abbildung 9: Beispiel Ermittlung von Risikoklassen anhand der Sparkasse Dortmund

Abbildung 10 Rating-Masterskala des IFD Teil I

Abbildung 11 Rating-Masterskala des IFD Teil II

Abbildung 12: Allgemeiner interner Ratingprozess

Abbildung 13: Wirtschaftliche & Bilanzielle Zuordnung von Mezzanine Capital

Abbildung 14: Renditeerwartung von Mezzanine-Gebern

IIII. Tabellenverzeichnis:

Tabelle 1 Beispiel für die Risikogewichtung von Aktivgeschäften zwecks Eigenkapitalunterlegung

Tabelle 2: Ratingkosten

1.Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich im weitesten Sinne mit der in letzter Zeit schwieriger gewordenen Möglichkeit zur Kapitalbeschaffung von Unternehmen. Durch die Beschlüsse des Baseler Ausschusses und deren Umsetzung hat sich der Wettbewerb um das eindeutig begrenzte Gut Kapital (bzw. i.e.S. Fremdkapital) verschärft. Auch für nicht börsennotierte und insbesondere mittelständische Unternehmen, denen der Kapitalmarkt oft weitestgehend verschlossen bleibt, gestaltet sich die Kapitalbeschaffung durch bspw. ihre Hausbanken durchaus schwieriger oder teurer. Dies ist der Entwicklung geschuldet, dass Banken und andere Kapitalgeber die Absicherung ihrer Engagements nun risikogerecht vornehmen müssen. Durch diesen Umstand gewinnt die Bonitätsbeurteilung, also das Rating besonders für den Mittelstand zunehmend an Bedeutung. Trotzdem stellt sich für mittelständische Unternehmer noch oftmals die Frage, welchen Nutzen bzw. welchen Wertbeitrag ein „gutes Rating“ zum Unternehmenserfolg leisten kann. Diese Hausarbeit versucht zum einen, diese Frage speziell im Kontext mittelständischer Finanzierungprobleme zu beantworten und zum anderen konkrete Handlungsfelder aufzuzeigen um das Unternehmensrating zu verbessern. Nach definitorischer Einführung des Begriffs Mittelstand und dessen aktueller Situation in Deutschland wird in das Thema Rating und dessen gesetzliche Grundlagen eingeführt. Nachfolgend werden grundsätzliche Analysefelder der Bonitätsprüfung vorgestellt und der Ratingprozess sowohl am Beispiel einer externen Ratingagentur, als auch anhand eines bankinternen Ratings praktisch dargestellt. Im letzten Kapitel wird dann anhand moderner betriebswirtschaftlicher Verfahren beschrieben, wie Unternehmen Einfluss auf ihr Rating und in der Konsequenz auch Einfluss auf Ihre Finanzierungskonditionen sowie auf die gewährten Kreditlimits nehmen können.

2. Der Mittelstand

Im folgenden Kapitel soll nach der Begriffsdefinition sowie der Abgrenzung, insbesondere zu Großunternehmen, die besondere Rolle des Mittelstands in der deutschen Volkswirtschaft aufgezeigt werden. Anschließend werden potenzielle Schwierigkeiten in der Unternehmensfinanzierung mittelständischer Unternehmen dargestellt.

2.1 Definition & Abgrenzung

Trotz der im täglichen Sprachgebrauch häufig verwendeten Worte „Mittelstand“ oder „mittelständisches Unternehmen“, ist festzustellen, dass es in der Literatur keine einheitliche Definition dieser Begriffe gibt. Drabner spricht gar von über 200 Definitionsversuchen, allein bis 1978.1 Um sich einer einheitlichen Definition zu nähern entwickelten sich verschiedene Abgrenzungskriterien um die mittelständischen Unternehmen vor allem von Großunternehmen zu differenzieren. Um eine Abgrenzung vornehmen zu können, werden in der Literatur zum einen qualitative Kriterien, wie auch quantitative Kriterien beschrieben.2

2.1.1 Quantitative Abgrenzungskriterien

Zur Abgrenzung nach quantitativen Aspekten werden unterschiedliche Größen herangezogen. Wichtig für die Eignung eines Kriteriums zur Abgrenzung von Großunternehmen ist die Verfügbarkeit der jeweiligen Informationsbasis. Als Grundlage können zum Beispiel der Jahressumsatz, die Anzahl der Mitarbeiter oder die Bilanzsumme dienen. Das deutsche Handelsgesetzbuch bspw. klassifiziert mittelgroße Kapitalgesellschaften nach § 267; Absatz 1 und 2 vor dem Hintergrund ihrer Publizitätspflichten mit den Größen Bilanzsumme (3,9 - 15,5 Mio. Euro), Umsatz (8 - 32 Mio. Euro) sowie der Beschäftigtenanzahl (50 - 250 Mitarbeiter).3

Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM), das in der Literatur und nach Striebel auch in der Praxis breite Akzeptanz findet, grenzt nach seiner Systematik anhand von Umsatzklassen sowie der Beschäftigtenzahl ab.

Abbildung 1: Klassifizierung der Unternehmensgröße nach dem Schema des IfM4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.2 Qualitative Abgrenzungskriterien

Neben den quantitativen Kriterien werden in der Literatur zusätzlich qualitative Kriterien beschrieben. Diese sind zur weiteren Abgrenzung trotz Ihrer schwierigeren Messbarkeit durchaus sinnvoll. Beispiele für solche Kriterien sind:

- Vereinigung des Unternehmers, Kapitalgebers und Leiters in einer Person
- Selbstständigkeit des Unternehmers (Konzernunabhängigkeit)
- Die Prägung des Betriebes durch den Unternehmer und sein persönliches Beziehungsnetzwerk
- Regional oder hinsichtlich ihrer Marktgröße begrenzte Tätigkeit
- Geringer Diversifizierungsgrad6

In Anlehnung an Kramer (1999, S. 18) wird für diese Hausarbeit folgende Definition verwendet:

„ Ein mittelgroßes mittelständisches Unternehmen ist ein rechtlich und

wirtschaftlich selbstständiges Unternehmen mit 10 bis 499 Beschäftigten, dessen Unternehmensstrategie ma ß geblich von natürlichen Personen als Eigentümern bestimmt wird, die sich auf besondere Weise mit dem Unternehmen verbunden fühlen. “ 7

2.2 Aktuelle Situation des Mittelstands in Deutschland

Der Mittelstand hat für die deutsche Wirtschaft eine große Bedeutung. So fallen laut Berechnungen des IfM Bonn im Jahr 2009ca. 99,7% aller Unternehmen in den Definitionsbereich der KMU. Sie erwirtschafteten 39,1 % der steuerpflichtigen Umsätze der Bundesrepublik und beschäftigen 60,8 % der erwerbstätigen Personen.8 Trotz der Rezession im Jahre 2009 die einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukt i.H.v. real 4,7% zur Folge hatte, hat die deutsche Wirtschaft 2010 eine beeindruckende Erholung gezeigt.9 Mit voraussichtlich 3,7 % realem Wirtschaftswachstum gehört die Bundesrepublik Deutschland zu den am stärksten gewachsenen Ländern in der Euro-Zone. Laut der Diagnose Mittelstand des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands ist dies zu einem Großteil auf de]n stabilen Mittelstand zurückzuführen.10 Weitere Erhebungen ergaben, dass ca. 45 % der mittelständischen Unternehmen von der Krise entweder gar nicht beeinträchtigt wurden oder sogar gestärkt aus der Krise hervorgingen.11 So sanken die erhobenen Ertragsgrößen zwar, die Eigenkapitalausstattung der Mittelständischen Unternehmen hat sich aber eher verbessert.12 Die unter der Regie des Bundesverbands der Industrie (BDI) durchgeführte Befragung „Mittelstandspanel 2011“ bescheinigt, dass der Mittelstand positiv in die nahe Zukunft blickt, auf längere Sicht allerdings mit Einbußen rechnet. Dies ist nicht zuletzt auf die Risiken zurückzuführen, die auf die schwierige finanzielle Lage einiger europäischer Länder zurückgehen.13

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Einschätzung der wirtschaftlichen Lage & Entwicklung14

2.3 Besonderheiten & Problemstellungen in der Unternehmensfinanzierung

Bei der Betrachtung des Mittelstands und dessen Finanzierungsmöglichkeiten fällt zu aller erst auf, dass den meisten mittelständischen Unternehmen der Weg zum Kapitalmarkt oft schon bereits durch die eigene Rechtsform oder durch die geringe Größe versperrt bleibt. Eine Ausnahme hiervon stellt das neue Börsensegment der Börse Stuttgart „Bond M“ dar, welches mittelständischen Unternehmen die Ausgabe von frei handelbaren Unternehmensanleihen ermöglicht.15 Trotz der wachsenden Beliebtheit solcher Mittelstandsanleihen, bleibt die Hausbank doch der Anker in der Finanzierung mittelständischer Unternehmen.16 Doch auch die Finanzierung über Kreditinstitute ist mit Schwierigkeiten verbunden. Im Vergleich zu Großunternehmen sind die geringeren Kreditvolumina schon Ursache für höhere Finanzierungskosten. Auch die Beurteilung der Kreditwürdigkeit der KMU seitens der Banken stellt oft eine schwierig zu überwindende Hürde dar. Als Gründe hierfür werden von den Banken unter anderen genannt:

- Unzulängliche Informations- & Gesprächsvorbereitung
- Fehlende Sicherheiten
- Schlecht ausgebautes Controlling / Kostenmanagement
- Unausgereifte Zielplanung 17

Einer der Hauptgründe jedoch ist die seit jeher geringe Eigenkapitalausstattungk der deutschen Unternehmen und insbesondere der KMU.17 So schneiden deutsche Unternehmen laut einer Untersuchung im Jahr 2003 von Siemens Financial Services im internationalen Vergleich der Kapitalstruktur eher bescheiden ab. Die durchschnittliche Fremdkapitalquote in Deutschland liegt bei 66%,was wesentlich über der von Frankreichmit 38%, die der USA mit 41% sowie der von Großbritannien mit 43% liegt.18 Dies ist vor allem auf die in Relation günstigen Fremdkapitalkonditionen in Deutschland sowie auf die steuerrechtliche Abzugsfähigkeit der Fremdkapitalzinsen zurückzuführen.19 Des Weiteren herrscht in Deutschland nicht die Beteiligungskultur wie in anderen Ländern.20

Die „Diagnose Mittelstand 2011“ des DSGV kann die weiterhin geringe, jedoch in den letzten Jahren ansteigende Eigenkapitalausstattung der deutschen Unternehmen bestätigen. So liegt der Median der EK-Quoten des Mittelstands 2009 bereits bei 15,6 % im Gegensatz zu den Vorjahren 2008 mit 12,8% und 2007 mit 11,5%.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Entwicklung der EK-Quoten 2007 - 200921

3. Das Unternehmensrating

„Rating“ steht grundsätzlich für „Bewertung“ und „Einstufung“ und ist seit Jahren ein bestimmender Begriff, wenn von Unternehmensfinanzierungen die Rede ist.22 Um die heutige Bedeutung zu erklären (und den Unterschied zwischen externen und internen Ratings), müssen wir zunächst betrachten, wo überhaupt die rechtlichen Grundlagen für ein „Rating“ liegen, um danach zu betrachten, was man unter einem „Rating“ versteht und wie dieses funktioniert.

3.1 Gesetzliche Grundlagen (Basel 2)

Grundlage für die flächendeckende Einführung von Ratings ist „Basel II“. Hierbei handelt es sich um ein Konsultationspapier, welches erstmals im Juni 1999 durch den Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht veröffentlicht wurde. Dieser Ausschuss wurde 1975 von den Zentralbankpräsidenten der G10-Staaten gegründet und hat seinen Sitz bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel. Mitglieder sind Vertreter der führenden zehn Industrienationen, sowie weitere Vertreter wichtiger Industrieländer (u.a. Russland, Brasilien, Spanien).

Ziel des Ausschusses ist „die Harmonisierung des Bankenaufsichtsrechts international voranzutreiben“23. Gemeint ist hiermit, dass für alle Banken einheitliche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen sind und durch diese auch umgesetzt werden sollen. Des Weiteren soll das Bankaufsichtsrecht der entsprechenden Mitgliedsländer auf einen möglichst hohen Standard gebracht werden. Der Ausschuss an sich erarbeitet hier nur Vorschläge, welche für die einzelnen Mitgliedsländer nicht bindend sind. Die gesetzliche Umsetzung erfolgt dann z.B. über Richtlinien, welche die EU herausgibt, um dann in nationales Recht einzufließen.

So geschehen auch bei „Basel II“, welches sich in den EU-Richtlinien 2006/48/EG und 2006/49/EG wiederfindet. Sie beinhalten die in den vergangenen Jahren durch den Baseler-Ausschuss erarbeiteten Eigenkapitalanforderungen für alle Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute der europäischen Union und sind seit dem 01. Januar 2007 für diese verpflichtend (in Deutschland wurden diese im Kreditwesengesetz, in der Solvabilitätsverordnung und der Mindestanforderung an das Kreditgeschäft umgesetzt).

Das Grundkonzept bildet hierbei das folgende „Drei-Säulen-System“:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung:5-3 Säule- system von banel24

1. Säule: Mindestkapitalanforderung

Bis zur Einführung von „Basel II“ galt gemäß der Empfehlung von „Basel I“, dass alle Kredite, welche ein Institut verleiht, mit 8 % Eigenkapital unterlegt werden müssen.25 Diese pauschale Annahme von einheitlichen Risiken bei zum Großteil ganz und gar unterschiedlichen Engagements der Kreditinstitute, wurde nun deutlich differenziert. Ziel ist es nun, dass unterschiedlich riskante Kredite auch mit einem unterschiedlichen Eigenkapitalansatz versehen werden. Dieser Eigenkapitalansatz richtet sich nun nach der Bonität und der Kreditausfallwahrscheinlichkeit eines Unternehmens. Um dieses darzustellen sollen Ratingverfahren genutzt werden. Hierbei haben die Banken die Möglichkeit sowohl auf externe, als auch auf bankinterne Ratings zurückzugreifen. Die Praxis hat gezeigt, dass Banken sich nur sehr ungern auf fremde Urteile verlassen und somit selbst interne Ratingprozesse geschaffen haben. Diese müssen jedoch durch die BaFin regelmäßig überprüft und zertifiziert werden. Je nach Ratingnote reduziert (bei guten Noten) bzw. erhöht (bei schlechten Noten) sich der risikorelevante Kreditbetrag und es muss somit mehr oder weniger Eigenkapital hinterlegt werden (weiterhin 8 % -> jedoch jetzt vom risikorelevanten Betrag).

Tabelle 1 Beispiel für die Risikogewichtung von Aktivgeschäften zwecks Eigenkapitalunterlegung26

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Folge davon sind unterschiedliche Kreditzinsen, da ein höherer Eigenkapitalansatz für die Banken erhöhte Kosten nach sich zieht.

2. Säule: bankaufsichtsrechtlicher Überwachungsprozess

Hiermit ist gemeint, dass die Bankenaufsicht die Eigenkapitalausstattung der Banken anhand des durch Ratings ermittelten Risikoprofils kontrolliert und auch beurteilt, ob das verwendete Ratingsystem zuverlässige Daten liefert. Sollte dies nicht der Fall sein, können erhöhte Eigenkapitalzuschläge verlangt und verschärfte Kontrollen angeordnet werden.27

3. Säule: erweiterte Offenlegung

Durch diese Offenlegung soll erreicht werden, dass Außenstehende einen transparenten Einblick in das Risikoprofil einer Bank erhält. Dadurch soll eine erhöhte Marktdisziplin erreicht werden, in Folge dessen die Kreditinstitute eine vorsichtige und solide Geschäftspolitik umsetzen. Die Offenlegungspflicht bezieht sich dabei auf die Bereiche Anwendung der Eigenkapitalvorschriften, Eigenkapitalstruktur, eingegangene Risiken und Eigenkapitalausstattung.28

3.2 Grundsätzliche Analysebereiche

3.2.1 Quantitative Analysebereiche

Grundlage für die quantitativen Analysebereiche sind die Jahresabschlüsse eines Unternehmens der letzten zwei Jahre (oftmals werden aber auch die Abschlüsse von bis zu fünf Jahren in die Analyse mit einbezogen), sowie ggfs. noch unterjährige und aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertungen. Die ermittelten Daten fließen dann in einen Kennzahlenkatalog ein, welcher einen Überblick über die Entwicklung eines Unternehmens gibt. Wichtig ist hierbei zu erwähnen, dass es sich bei der Auswertung der Jahresabschlüsse um eine rein vergangenheitsorientierte Betrachtung des Unternehmens handelt. Um den Kennzahlen eine bessere Aussagekraft zu verleihen, werden sowohl Zeitvergleiche (Vergleich der Kennzahlen eines Unternehmens über mehrere Jahre), Branchenvergleich (Vergleich erfolgt mit Kennzahlen von anderen Unternehmen der gleichen Branche -> schwierig bei stark spezialisierten Unternehmen) und Normenvergleichen (statistisch abgeleitete Werte aus der Insolvenzforschung) durchgeführt.29 Das Ergebnis dieses „Finanz-Ratings“ fließt am Ende zu einem bestimmten Prozentsatz in das Gesamtratingergebnis mit ein.

Da die Ratingagenturen bzw. Ratingtools der Banken unterschiedliche Kennzahlen zur Analyse der Jahresabschlüsse heranziehen und diese auch unterschiedlich bewerten, werden im Folgenden nur einige Ausgewählte, welche häufig Bestandteil eines Ratingprozesses sind, näher erläutert. Bei der Berechnung der Kennzahlen, wurden die Formeln der Creditreform Rating AG zu Grunde gelegt.30

3.2.1.1 Vermögensstruktur

Unter der Vermögensstruktur werden grundsätzlich Kennzahlen abgebildet, welche die Art und Zusammensetzung des Vermögens, sowie die zeitliche Bindung des Vermögens darstellen. Mögliche Kennzahlen sind: Anlagenintensität:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein erhöhter Wert dieser Kennzahl zeigt an, dass ein Unternehmen nicht flexibel auf Marktänderungen reagieren kann, da u.U. zu viel Kapital im Anlagevermögen des Unternehmens längerfristig angelegt ist.

Dieser Kennzahl kann kein fester Zielwert zugeordnet werden, so dass ein Wert immer im Branchenvergleich gesehen werden muss. Eine Möglichkeit zur Verbesserung würde das Leasing von Anlagegütern bieten, da so dass Anlagevermögen reduziert werden kann.

Kapitalumschlag:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Kennzahl zeigt an, wie viel Umsatz aus einem gegebenen Gesamtkapital erwirtschaftet wird. Je höher die Kennzahl ausfällt, umso besser werden die vorhandenen Kapazitäten eines Unternehmens ausgenutzt.

Eine Erhöhung der Kennzahl ist z.B. durch die Reduzierung des Warenbestandes oder den Verkauf von nicht genutzten Anlagegütern möglich.

[...]


1 Vgl.: Drabner, W. (2002), S. 5

2 Vgl.: Striebel, C. (2009), S. 43

3 Vgl.: Legenhausen, C. (1998), S. 20

4 lfM Bonn (2002)

5 Vgl.: Europaische Kommission (2006)

6 Kley, C. (2003), S. 8

7 Kramer, K. (1999), S. 18

8 lfM Bonn (2011)

9 DSGV (2011), S. 12

10 Vgl.: DSGV (2011), S. 13

11 Vgl.: DSGV (2011), S. 67

12 Vgl.: DSGV (2011), S.41

13 Vgl.: BDI (2011), S.4

14 BDI (2011), S. 8

15 Vgl.: Borse Stuttgart (2011)

16 Vgl.: Papenstein, B. (2011)

17 Vgl.: Gorges, J. (2008), S.5

18 Vgl.: Siemens Financial Service (2003), S22

19 Vgl.: Fuest, B. (2007), S. 1

20 Vgl.: Papenstein, B. (2011)

21 DSGV (2011), S. 42

22 Vgl.: Keitsch, D. (2004), S. 214

23

24

25 Vgl.: Keitsch, D. (2004), S. 215

26 Huckmann, C. (2003), S.31

27 Vgl.: Klug, A. (2008), S. 46

28 Vgl.: Huckmann, C. (2003), S. 40

29 Vgl.: Munsch, M./ WeiG, B. (200), S. 48 ff

30 Creditreform Rating AG (2008), S. 23 ff

Details

Seiten
53
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656054528
ISBN (Buch)
9783656054108
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182003
Institution / Hochschule
Hochschule Bochum
Note
1.3
Schlagworte
Rating Rating Advisory Credit Management Bonitätsanalyse Bonität Mittelstand Ratingoptimierung Basel 2 Basel 3 Basel Relationship Banking Banking Relationship Management Mezzanine Mezzanin Kapital Mezzanine Capital Risikomanagement Finanzierung Finanzkommunikation Finanzmarketing Ratinganalyse Controlling Verbesserung der Bonität Ratingprozess

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