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Harninkontinenz - Wissen und Einstellung deutscher Pflegekräfte im Pflegeheim

Eine explorative Untersuchung

Masterarbeit 2011 58 Seiten

Gesundheit - Pflegewissenschaft - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Vorwort

1 Einleitung
1.1 Forschungsfragen und Untersuchungsziel

2 Literaturanalyse und theoretischer Bezugsrahmen
2.1 Methodisches Vorgehen bei der Literaturrecherche
2.2 Harninkontinenz und Kontinenzförderung
2.2.1 Der Miktionsablauf
2.2.2 Kontinenz und Harninkontinenz
2.2.3 Formen der Harninkontinenz
2.2.4 Risiken einer Harninkontinenz
2.2.5 Diagnostik und Einschätzung einer Harninkontinenz
2.2.6 Inkontinenzversorgung und Kontinenzförderung
2.3 Wissen, Einstellung und Ansicht in der Pflege inkontinenter Menschen

3 Methodik
3.1 Studiendesign
3.2 Instrument
3.3 Datenerhebung
3.4 Datenanalyse

4 Ergebnisse
4.1 Stichprobe
4.1.1 Alters- und Geschlechtsverteilung
4.1.2 Grundsausbildung, Fort- und Weiterbildung
4.1.3 Berufserfahrung in der Pflege
4.2 Wissen zu Urininkontinenz (UI)
4.2.1 Wissen nach Alter und Geschlecht
4.2.3 Wissen nach Bildung und Berufserfahrung
4.3 Einstellung zu Urininkontinenz
4.3.1 Einstellung zur UI nach Alter und Geschlecht
4.3.2 Einstellungen zu UI nach Aus-, Fort- und Weiterbildung

5 Diskussion und Schlussfolgerung

Zusammenfassung

Summary

Quellenverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tab. 2-1: Geschlechtsabhängige und -unanhängige Risikofaktoren nach Nationalem Expertenstandard, DNQP (2007)

Tab. 2-2: Kontinenzprofile nach Nationalem Expertenstandard, DNQP (2007)

Tab. 2-3: Maßnahmen zu Kontinenzförderung, nach DNQP (2007)

Tab. 4-1: Altersverteilung der Gesamtpopulation

Tab. 4-2: Verteilung der Weiterbildungen in der Gesamtpopulation

Tab. 4-3: Absolvierte Fortbildungen zum Thema Inkontinenz nach Jahr

Tab. 4-4: Verteilung der Fort- und Weiterbildungen nach Pflegeheimen

Tab. 4-5: Berufserfahrungen im Wohnbereich

Tab. 4-6: Einzelauswertung der UI-Wissensfragen

Tab. 4-7: Wissenscore nach Alter und Geschlecht (t-Test)

Tab. 4-8: Score-Werte-Verteilung zu UI-Wissensfragen

Tab. 4-9: Wissensstand zur UI nach Gesamtpopulation und absolvierter Fort- und Weiterbildung

Tab. 4-10: Auswertung der Einstellungen zur UI

Tab. 4-11: Verteilung der geschlechterspezifischen Einstellungen

Tab. 4-12: Einstellung zur Frage 29 nach Fort- und Weiterbildungen

Tab. 4-13: Kategorisierung der Einstellungen nach positiver und negativer Tendenz

Tab. 4-14: Einstellung-Score im Vergleich zum Bildungsniveau (t-Test)

Tab. A-1: Quellennachweis zu den Wissensfragen

Abbildungsverzeichnis

Abb. 2-1: Speicher- und Entleerungsfunktion der Blase, nach APOGEPHA (2011).

Abb. 2-2: Konzeptionsmodell zu Wissen, Einstellung, Überzeugung und Pflegehandlung der UI, nach Henderson und Kashka (2000)

Abb. 2-3: Regressionsanalyse zur Kausalität zwischen Wissen, Überzeugung, Einstellung und Pflegehandlung bei der UI, nach Henderson und Kashka (2000)

Abb. 2-4: Erweitertes Konzeptionmodell zu Wissen, Einstellung und Pflegehandlung zur UI, nach Saxer et al. (2009)

Abb. 2-5: Vergleich der Auswirkungen eines UI-Interventionsprogramms auf die Lebensqualität aus einer Pilot-Studie, nach Williams et al. (2000)

Abb. 4-1: Alters- und Geschlechtsverteilung

Abb. 4-2: Berufserfahrungen in der Pflege

Abb. 4-3: Vergleich zwischen Wissenscore und Grundausbildung

Abb. 4-4: Vergeleich zwischen Wissenscore und Berufserfahrung

Abb. 4-5: Einstellung gegenüber der Fragestellung der selbständigen Ansprache einer UI-Problematik durch die Pflege, nach Altersstruktur ..

Abb. A-1-2: Original Fragebogen mit personenbezogenen Angaben (oben) und Wissensfragen (unten)

Abb. A-3-4: Fragebogen mit Fragen zur Einstellung - Fragen 1-15 (oben) und Fragen 16-30 (unten)...

Abb. A-4: Original Erläuterungsbogen zur Mitarbeiterbefragung (oben)....

Vorwort

Im dieser Arbeit wird bei vielen Bezeichnungen die männliche Form gewählt. Dies bedeutet keine Diskriminierung weiblicher Stelleninhaber, sondern dient lediglich der Vereinfachung. Diese Bezeichnungen beziehen sich jeweils auf weibliche und männliche Stelleninhaber.

1 Einleitung

Harninkontinenz stellt ein besonders sensibles Thema in der Pflege von pflegebedürftigen Menschen dar. Als Pflegephänomen gewinnt es in der täglichen Versorgung von Betroffenen immer mehr an Bedeutung.

Ausgehend von einer Prävalenz von 50,1% (Schmitz in Dassen, 2010) stellt sich besonders die Frage nach einer qualifizierten Versorgung.

Besonders deutlich zeigte die bundesweite Prävalenzerhebung einen sich ergebenden Unterschied im Vergleich zwischen Betroffenen aus Pflegeheimen und Krankenhäuser (Schmitz in Dassen, 2010).

Saxer et al. (2008a) fanden zudem heraus, dass sich das Risiko einer Harninkontinenz nach einem einjährigen Heimaufenthalt erhöht, dies stellt zwangsläufig eine besondere Herausforderung für Pflegekräfte in Pflege- und Altenheimen dar.

Seit 2009 wurde, in Deutschland, die Versorgung (harn-)inkontinenter Patienten bzw. deren Kontinenzförderung zusätzlich gesetzlich verankert (§§ 113a, 114 SGB XI in Schulin, 2010). Besonders Pflegeheime werden dazu angehalten einen Nachweis bezüglich der geforderten Qualitätsanforderung und der damit verbundenen Einführung des „Nationalen Expertenstandards zur Förderung der Kontinenz“ nach dem DNQP (2007) zu erbringen.

Durch eine immer älter werdenden Gesellschaft und einer damit zusammenhängenden Multimorbidität in der Bevölkerung, kommt man bei näherer Betrachtung vorliegender Faktoren, unter Berücksichtigung aktueller Rahmenbedingungen im Gesundheitssektor, zur wesentlichen Forderung nach einem aktuellen Praxis- und Theoriewissen deutscher Pflegekräfte. Diese sollten daher besonders geschult sein, um diesen Anforderungen gerecht zu werden.

Die Versorgung inkontinenter Menschen zieht nicht nur ökonomische Aspekte im Sinne von Kosten für Verbrauchsmaterialien mit sich, sondern beinhaltet zudem alle Folgekosten begleitender Morbiditäten sowie zusätzlich entstehender Co- Morbiditäten bzw. Langzeiterkrankungen bei vorliegender Urininkontinenz. Nach Schulenburg et al. (2007) lagen die Gesamtkosten für das Gesundheitssystem im in Deutschland Jahre 2002 bei 223612 Mio. €, davon betrugen die Kosten der Harninkontinenz 396 Mio. € (0,18%). Demnach ergibt sich vonseiten der Kranken- und Pflegeversicherung, eine sich immer stärker orientierende ökonomische Vorgabe, welche sich im Sinne von Rationalität, Effektivität und Effizienz sowie der Qualität pflegerischer Versorgungslandschaften widerspiegelt. Dies verstärkt zusätzlich die Notwendigkeit nach fachspezifischer Professionalität im Pflegesektor.

1.1 Forschungsfragen und Untersuchungsziel

Erst wenn Pflegekräfte evidenzbasiertes Wissen in der Praxis verinnerlicht haben und dieses in erforderlichen Pflegesituationen anwenden können, kann neben den vorausgesetzten empathischen Fähigkeiten und Fertigkeiten, von einem qualitativen Pflegesetting gesprochen werden. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob Pflegekräfte die notwendige Qualifikation und Fachkompetenz zur Versorgung von harninkontinenten Bewohnern erbringen können und diese in ihrem Pflegeprozess einbinden können.

Bisweilen steht der deutschen Pflegepraxis, neben internationalen Studien (Saxer et al., 2008b; Vinsnes et al., 2001; Henderson und Kashka, 1999 & 2000; Yuan und Williams et al, 2010; u. a.), der „Nationale Expertenstandard zur Kontinenzförderung“ (DNQP, 2007) als wissenschaftliches Instrument zur Verfügung. Durch die gesetzliche Verankerung des Expertenstandards in der Pflegeversicherung, ergibt sich in der Konsequenz automatisch die Forderung nach Zusatzqualifikationen deutscher Pflegekräfte, um eine adäquate Inkontinenzversorgung und deren Erhebung möglicher bzw. bestehender Risiken zu gewährleisten. Zudem müssen sich professionell Pflegende vermehrt mit der Interpretation wissenschaftlicher Ergebnisse aus der Forschung auseinandersetzen.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Wissen und der Einstellung deutscher Pflegekräfte in Bezug auf Harninkontinenz im Pflegeheim.

Folgende vier Grundfragen sollen im Rahmen dieser Arbeit beantwortet werden:

1. Welches Wissen haben Pflegekräfte bezüglich der Ursachen von Harninkontinenz und deren qualifizierten pflegerischen Versorgung?
2. Gibt es einen Unterschied zwischen dem Wissenstand und der vorliegenden Qualifikation einzelner Pflegekräfte?
3. Zeigen sich bei den Pflegekräften spezifisch gruppierbare] Altersstrukturen und/oder geschlechterspezifisch Merkmalstrukturen zum bestehenden Wissen?
4. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem vorhandenen Wissen und der Berufserfahrung einzelner Pflegekräfte?

Daraus ergibt sich die folgende zentrale Fragestellung dieser Studie:

Welches Wissen und welche Einstellung haben Pflegekräfte zu Urininkontinenz (UI) und ihrer pflegerischen Versorgung bezüglich ihrer Qualifikation, Berufserfahrung, ihrem Alter und ihrer geschlechtsspezifischen Merkmalstrukturen?

In den folgenden Kapiteln wird zunächst der theoretische Bezugsrahmen dieser Arbeit niedergelegt. Dieser soll Definitionen der Harninkontinenz, dem „State of the Art“ der Versorgung inkontinenter Patienten sowie den aktuellen Forschungsstand zu Wissen und Einstellung zur UI wiedergeben.

Anschließend werden die Forschungsmethodik und das Instrument sowie Ergebnisse dieser Erhebung präsentiert.

Die Ergebnisse werden im Abschluss diskutiert und eine Relevanz für die Praxis wird in Form von Schlussfolgerungen formuliert.

2 Literaturanalyse und theoretischer Bezugsrahmen

In Anlehnung an den Standards der International Continence Society (Abrams et al., 2002) und dem Deutschen Netzwerk für Qualität in der Pflege (DNQP, 2007) soll nachfolgend ein bezugstheoretischer Hintergrund zur Thematik der Harninkontinenz in der Pflege hergestellt werden. Ursachen, Klassifizierungen und ableitbare Pflegeinterventionen werden an dieser Stelle kurz erläutert. Ein Hauptfokus dieses Kapitels ist der Zusammenhang zwischen Harninkontinenz und dem theoretischen Hintergrund zum Wissen, der Einstellung und Haltung von Pflegekräften, in Bezug auf die Literatur. Diese Grundlage bildet die anschließende Ergebnisdiskussion und Schlussfolgerung dieser Arbeit.

2.1 Methodisches Vorgehen bei der Literaturrecherche

Vorliegende Literaturanalyse schließt alle Quellen aus den Jahren 1990-2011 ein. Eingeschlossen wurde englisch- wie deutschsprachige Literatur. Recherchiert wurde diese in Datenbanken Cinahl®, Medline® (pubmed), The Cochrane Library und Google Scholar®.

Zur Recherche wurden folgende Suchbegriffe (in Kombination) eingegeben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Um Ergebnisse der Literatur nur auf die Berufsgruppe der Pflege zu beschränken, wurden alle Begriffe mit „NOT patient“ kombiniert.

Eine zusätzliche Handrecherche über zitierte Quellen und Fachbücher in öffentlichen Bibliotheken rundete die Recherche ab.

2.2 Harninkontinenz und Kontinenzförderung

Harninkontinenz kann verschiedene Ursachen haben. Wie auch das spezifische Assessment im Eingang des Pflegesetting, spielt der professionelle Umgang mit erworbenen und intuitiven Fachwissen in der Handlungskompetenz, für die Pflegepraxis, eine wichtige Rolle.

2.2.1 Der Miktionsablauf

Die Miktion und damit verbundene Blasenentleerung erfolgt bei gesunden Menschen und bei passender Gelegenheit in der Regel alle 4-5 Stunden am Tage und seltener in der Nacht (Newman und Wein, 2009). Der Blasenmuskel ist dabei im entleerten Zustand entspannt, der Schließmuskel angespannt (Abb. 2-1-a). Bei Füllung der Blase bleibt der Blasenmuskel entspannt, der Schließmuskel weiterhin verschlossen (Abb. 2-1-b). Ist die Blase halbvoll, wird das erste Bedürfnis der Entleerung registriert. Die Blasenentleerung wird bewusst zurückgehalten, bis sich eine passende Gelegenheit bietet. Beim Vorgang der Blasenentleerung entspannt sich der Schließmuskel, der Blasenmuskel spannt sich an und der Urin kann abfließen (Abb. 2-1-c).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2-1: Speicher- und Entleerungsfunktion der Blase, nach APOGEPHA (2011)

2.2.2 Kontinenz und Harninkontinenz

Unter Kontinenz versteht man die Fähigkeit, die Blase willkürlich, zu einer passenden Zeit und an einem geeigneten Ort zu entleeren (DNQP, 2007). Es gibt unterschiedliche Definitionen und Klassifizierungen der Harninkontinenz. Folgende Definition richtet sich nach der, im Jahr 2002 vom Standardisierungs- Subkomitee der ICS, neu gefassten Version. Demnach ist Harninkontinenz ein Sammelbegriff für ein Symptom, der mit einem unfreiwilligen Harnverlust einhergeht (Abrams et al., 2002). Harninkontinenz beinhaltet also eine Dysfunktion im regulären Miktionsablauf und stellt ein weit verbreitetes pflegerelevantes Problem dar.

2.2.3 Formen der Harninkontinenz

Harninkontinenz lässt sich in verschiedene medizinische Formen unterteilen, die sich nach der Speicher- und Entleerungsfunktion differenzieren. Neben diesen steht die funktionelle Harninkontinenz (Hayder et al., 2008). Nach der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (Niederstadt et al., 2007) sind die am häufigsten vorkommenden Formen der Speicher- und Entleerungsfunktion, die Drang- und Stressinkontinenz sowie eine Mischform dieser beiden. Die Funktionelle Inkontinenz ist die Unfähigkeit eines normalerweise kontinenten Menschen, die Toilette rechtzeitig zu erreichen, um einen unwillkürlichen Urinabgang zu vermeiden. Diese liegt vor, wenn die Kognition und/oder die Mobilität eingeschränkt sind, jedoch keine Störung des Urogenitaltrakts vorliegt Von einer Stress- oder Belastungsinkontinenz spricht man wenn ein unfreiwilliger Urinverlust gleichzeitig mit einer körperlicher Belastung einhergehend (z. B. Husten, Niesen) auftritt. Die Dranginkontinenz bezeichnet den unfreiwilligen Urinverlust, mit einen plötzlich auftretendem, nur schwer unterdrückbarem Harndrang. Als Mischinkontinenz wird der unfreiwillige Urinverlust, der sowohl einen Zusammenhang mit dem Harndrang als auch mit der körperlichen Belastung aufweist, definiert (Hayder et al., 2008; DNQP, 2007; Niederstadt et al., 2007).

Weiterhin gibt es die Sonderformen der Extraurethralen Inkontinenz (ständiger Urinverlust über andere Kanäle als die der Harnröhre, wie Blasen-Scheiden-Fistel), der Inkontinenz bei Chronischer Harnretention (Restharnbildung) sowie die Unkategorisierbare Inkontinenz (Symptome oder Befunde können nicht eindeutig zugeordnet werden), (Hayder et al., 2008; DNQP, 2007).

2.2.4 Risiken einer Harninkontinenz

Neben den physiologischen Risikofaktoren besteht nach Boguth und Schenk (2008) ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Erwerb einer Inkontinenz und einem länger als sechs Monaten anhaltenden Heimaufenthalt. Nicht nur, dass die existierenden, eingeschränkten körperlichen und geistigen Fähigkeiten bei Aufnahme, eine Inkontinenzentwicklung fördern, sondern auch der Abbau von Fähigkeiten, der im Laufe der ersten Monate in einem Pflegeheim entsteht, können eine Inkontinenz auslösen.

Die DNQP definiert in ihrem Expertenstandard geschlechtsabhängige und - unabhängige Risikofaktoren einer UI (Tab. 2-1).

Weiterhin bestätigen unterschiedliche Studien den Zusammenhang einer UI mit dem Alter, weisen aber auch darauf hin, dass es nicht als normale Begleiterscheinung betrachtet werden kann (Irwin et al., 2006; Klausner et al. 2003). Das Alter stellt demnach ein Risiko einer UI, dennoch hat nicht jeder der „alte Mensch“ eine UI bzw. kann an dieser Stelle, eine UI im Alter nicht als „normal“ definiert werden, vielmehr nimmt die altersbedingte Morbidität der Betroffenen einen direkten Einfluss auf diesem Faktor.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2-1: Geschlechtsabhängige und -unanhängige Risikofaktoren nach Nationalem Expertenstandard, DNQP (2007)

2.2.5 Diagnostik und Einschätzung einer Harninkontinenz

Neben der ärztlichen Diagnostik, stehen Pflegekräften verschiedene Möglichkeiten zur Einschätzung einer UI zur Verfügung. Im Rahmen eines systematischen Assessments (initial und differenziert), sollten alle pflegerelevanten Risiken und Symptome, zur weiteren Entscheidung von Pflegeinterventionen, erfragt werden (Hayder et al., 2008). Dabei spielen das Setting und der Gesprächsverlauf während der Pflegeanamnese, aber auch die spätere Anleitung zum Versorgungsmanagement eine wichtige Rolle, da damit verbundene Einschränkungen im Alltag für die Betroffenen oft mit Scham, Ekel und Schuldgefühlen behaftet sind (Robinson, 2000).

Nach Aussage der Expertengruppe des DNQP, stellen das Assessment der In- bzw. Kontinenzsituation sowie die Evaluation von Maßnahmen, ein zentrales Problem zum erfolgreichen Inkontinenzmanagement dar.

Für das Assessment der Harninkontinenz stehen verschiedene Instrumente zur Verfügung. Neben verschiedenen (bereits bestehenden) Miktionsprokollen entwickelte die Expertengruppe der DNQP, in Anlehnung an Fonda und Palmer (1990), ein deutschsprachiges Einschätzungsinstrument mit sechs Kontinenzprofilen (Fonda, 1990 und Palmer et al., 1997 in DNQP, 2007). Auf dieser Grundlage kann die Pflegepraxis eine In- bzw. Kontinenzsituation zunächst differenzieren, diese definieren und daraus mögliche Dekompensationen korrigieren bzw. mit dem Einsatz von Ressourcen und Maßnahmen, den Betroffenen in seiner Selbständigkeit fördern (Tab. 2-2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die systematische Einschätzung, eines Risikos oder einer bereits vorliegenden Harninkontinenz, sollte folgende Aspekte beinhalten (Enriquez, 2004a; Hayder et al., 2008; DNQP, 2007):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Anschluss des Assessment sind die Wünsche und Erwartungen an die Therapie, Therapieziele sowie ableitbare Interventionen mit dem Betroffenen zu besprechen und festzulegen.

2.2.6 Inkontinenzversorgung und Kontinenzförderung

Neben einer Versorgung inkontinenter Patienten mit notwendigen Inkontinenzmitteln, steht die Vorbeugung einer Inkontinenz bzw. die Kontinenzförderung im Vordergrund; geeignete Maßnahmen werden gemäß Expertenstandard zur Kontinenzförderung der DNQP in einer Übersicht (Tab. 2-3) dargestellt, (DNQP, 2007).

Im Vordergrund aller Interventionen steht die individuelle Beratung der Betroffenen durch die Pflegekraft, dabei ist es wichtig, sich aufgrund der sensiblen Thematik, im Vorfeld über die Beratungssituation Gedanken zu machen (ggf. ist der Einbezug von Angehörigen und Bekannten erwünscht oder gar unerwünscht) und diese gut vorzubereiten (ggf. mit Anschauungsmaterial), (Hayder et al., 2008).

Obwohl seit 2006 Handlungsempfehlungen, durch den Expertenstandard der DNQP vorliegen, beziehen sich diese auf alle Pflegesettings. Deshalb ist an dieser Stelle kritisch anzumerken, dass konkrete Handlungsanweisungen noch für unterschiedliche Settings in Deutschland zu definieren sind. Dazu bedarf es zusätzlicher Forschungslandschaften in der Versorgung inkontinenter Pflegebedürftiger.

Nach Schnelle et al. (2002) reicht es hierzu allerdings nicht aus, Forschungsergebnisse zu veröffentlichen, diese müssen für die Praxis übersetzt und mit einem geeigneten Implementierungsmodell bzw. Versorgungstraining hinterlegt sein. Am Beispiel zweier Studien in der stationären Altenpflege, konnten Schnelle et al. (2002) und Enriquez et. al. (2004b) belegen, dass der Einsatz speziell entwickelter Implementierungsmodelle für Pflegekräfte und/oder Patienten (wie das Functional Incidental Training - FIT oder der Einsatz von Wound, Ostomy, Continence Nurses - WOCN), diese zum einen im Umgang mit UI sensibilisiert und in ihrer Expertise fördert. Dies zieht eine bessere Versorgungsqualität und damit verbundene klinischen Outcomes für die Betroffenen nach sich (vgl. dazu auch Kap. 2.3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2-3: Maßnahmen zu Kontinenzförderung, nach DNQP (2007)

2.3 Wissen, Einstellung und Ansicht in der Pflege inkontinenter Menschen

Einige internationale Studien haben sich mit dem Wissen und der Einstellung Pflegender in Bezug auf eine UI beschäftigt (Saxer et al., 2008b; Vinsnes et al., 2001; Henderson und Kashka, 1999 & 2000; Yuan und Williams et al, 2010; u. a.).

Campbel et al. (1991) waren einer der ersten, die in einem quasi-experimentellen Design die Wechselwirkungen zwischen dem Wissen, der Einstellung sowie das Verhalten in der Pflege, nach implementierten Trainingsprogrammen, untersuchten. Sie fanden allerdings keine signifikanten Unterschiede zwischen der Trainingsgruppe und der Kontrollgruppe. Der Wissenstest wurde zu zwei Drittel richtig beantwortet, die Einstellungen stellten sich als mehrheitlich positiv heraus. Sie geben als möglichen Grund der fehlenden Gruppenunterschiede, die geringe Compliance der Teilnehmer und die beschränkte Dauer und Wirkung des Programms, im Vergleich zur vorherrschenden Gewohnheit im Arbeitsverhalten der Pflegekräfte, an.

[...]


Details

Seiten
58
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656053378
ISBN (Buch)
9783656053293
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181997
Institution / Hochschule
Charité - Universitätsmedizin Berlin – Insitut für Medizin-, Pflegepädagogik und Pflegewissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
harninkontinenz-wissen einstellung pflegekräfte pflegeheim eine untersuchung

Autor

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Titel: Harninkontinenz - Wissen und Einstellung deutscher Pflegekräfte im Pflegeheim