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Die verhaltenswissenschaftliche Kritik am Modell des Homo Oeconomicus

Wie viel Rationalität ist realistisch?

Hausarbeit 2011 17 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 „Homo Oeconomicus“

3 Die verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie
3.1 „Homo Organisans“
3.2 Mechanismen der Organisation
3.3 Der Zielbildungsprozess
3.4 Das „Papierkorbmodell“

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Von Organisationen wird gemeinhin erwartet, Prozesse, Ziele und Abläufe derart zu planen, dass durch Organisieren Ordnung geschaffen wird. In der Realität zeigt sich aber, dass dieses Ziel oftmals verfehlt wird und aus vielfältigen Gründen Unordnung entstehen kann. Dieses Spannungsverhältnis zwischen Plan und Chaos findet sich auch in einem ausschlaggebenden Aspekt der Organisation, nämlich dem des Entscheidens wieder. Gemeinhin bestehen Organisationen aus Individuen, die die organisationalen Zwecke und Ziele zumindest der Intention nach rational verfolgen (vgl. JANSEN 2006, S. 8 ff). Aus diesen Prämissen ergibt sich für die vorliegende Arbeit folgende Fragestellung:

Wie rational können Entscheidungen in Organisationen sein?

Die Analyse findet auf der Mikroebene der Organisation statt, individuelleWahlhandlungen dienen als Erklärungsfigur (vgl. JANSEN, S. 19). Demnach istdas Modell des "homo oeconomicus", auch als Rational-Choice-Modell bekannt,so etwas wie der "Urmensch" der Wirtschafts- als auch der Sozialwissenschaften.Auf ihm und vor allem auf der Kritik an ihm bauen weitergehende Betrachtungender wissenschaftlichen Forschung auf. Die Fundamentalkritik an der vom "homooeconomicus" angestrebten vollkommenen Rationalität bildet die Grundlage für die "Verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie", einer Forschungsrichtung innerhalb der Organisationssoziologie. Mithilfe dieser Theorie soll die o.g. Frage beantwortet werden.

Im Anschluss an die Beschreibung des„homo oeconomicus“, wird in die"Verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie" eingeführt, die Kritik am"homo oeconomicus" konkretisiert und das alternative Modell des "homoorganisans" vorgestellt. Im weiteren Verlauf werden Entscheidungsregeln undBeeinflussungsmechanismen von Organisationen erläutert, die auf das Handelnihrer Mitglieder einwirken. Unter dem Gesichtspunkt der Rationalität wird danachuntersucht, wie Ziele und Erwartungen der Organisationsteilnehmer in Ziele derOrganisation umgesetzt werden. Schließlich wird mit dem Papierkorb-Modelleine Methode für organisationales Entscheiden diskutiert, das von derursprünglichen Rationalitätsanforderung nicht mehr viel übrig lässt. Dasabschließende Fazit fasst die gesammelten Erkenntnisse zusammen.

2 "Homo Oeconomicus"

Grundlage für das Modell des "homo oeconomicus" ist die Annahme, dass "Individuen dadurch handeln, dass sie aus den ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten eine rationale Auswahl treffen, wobei sie sich in ihren Entscheidungen an den (erwarteten) Konsequenzen ihres Handelns orientieren" (KIRCHGÄSSNER 1991, S. 2).

Dem Individuum wir unterstellt, dass es sich in einer Situation der Knappheitbefindet, es ihm deshalb nicht möglich ist, alle Bedürfnisse gleichzeitig zubefriedigen und es folgerichtig aus einer der Alternativen wählen muss. Dabeiwird erwartet, dass die Wahl rational, sprich nutzenmaximierend erfolgt. Umdieses Ziel zu erreichen, stellt der "homo oeconomicus" in einerEntscheidungssituation eine Präferenzordnung auf: Präferenzen werden durchIntentionen gebildet, die durch die im Sozialisationsprozess entwickeltenWertvorstellungen geprägt sind. Auf Grundlage dieses Präferenzsets bewertet dashandelnde Individuum die zur Verfügung stehenden Wahlmöglichkeiten undentscheidet sich schließlich für diejenige Alternative von der es sich den größtenNutzen bei Kostenminimierung verspricht. Die Einschätzung der möglichenzukünftigen Konsequenzen der jeweiligen Alternativen fließen in denEntscheidungsprozesse mit ein. Der Handlungsspielraum, also die Vielfältigkeitder Handlungsoptionen, wird durch Restriktionen begrenzt; z.B. individuellesEinkommen, rechtliche Rahmenbedingungen, intendierte Reaktionen anderer(KIRCHGÄSSNER 1991, S. 14-16).

In der entscheidungstheoretischen Literatur finden sich verschiedene Modelle mitderen Hilfe das Idealbild des perfekt rationalen Entscheides bzw. demEntscheidens unter Untersicherheit abgebildet werden soll. SCHIMANK z.B.untergliedert den Entscheidungsvorgang in die Komponenten: Problemdiagnose,Kriterienformulierung, Alternativensuche, Alternativenbewertung und -auswahl,Implementation und Evaluation. Er versteht dabei im Gegensatz zu anderenAutoren die Komponenten nicht als strikte lineare Phasenabfolge, sondern alslogische Bestandteile des Entscheidungsprozesses, in dem Komponentenübersprungen oder auch wiederholt werden können (SCHIMANK 2005, 174 ff).

Die auch als normativ-präskriptiv bezeichnete neoklassische Entscheidungstheorie versucht Empfehlungen darüber abzugeben, wie ein Akteur in einerEntscheidungssituation die möglichst optimale Lösung findet. Sie stößt dabei auf eine breite Kritik, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Wirtschaftswissenschaften, und wird im Folgenden aus der Perspektive der verhaltenswissenschaftlichen Entscheidungstheorie betrachtet (vgl. SCHIMANK 2005, S. 224 ff; KIRCHGÄSSNER 1991, S. 27 ff).

3 Die verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie

In der verhaltenswissenschaftlichen Organisationstheorie dienen Entscheidungsprozesse als zentraler Ausgangspunkt für die Organisationsanalyse.Demnach bestehen Organisationen hauptsächlich aus Entscheidungen, diewiederum von menschlichen Individuen getroffen werden. Die Leitfragen dieserTheorie gehen den Gründen von individuellen Entscheidungen unterEinbeziehung der Beeinflussung durch Organisationen nach. Das Fortbesteheneiner Organisation manifestiert sich im richtigen Entscheidungsverhalten ihrer Mitglieder. Die Motive und die kognitiven Fähigkeiten der Organisationsmitglieder stehen im Vordergrund des Interesses dieserForschungsrichtung. Zentrale Grundannahmen sind die begrenzte Bereitschaft sich in Organisationen zu engagieren und die begrenzte Informationsverarbeitungskapazität des Menschen (BOGUMIL / SCHMID 2001,S.33).

Da der Fokus dieser Arbeit auf Entscheidungen in Organisationen liegt, wird imweiteren Verlauf die erste Grundannahme, also der motivationale Aspekt, nichtweiter verfolgt. An dieser Stelle sei angemerkt, dass Barnard wichtige Vorarbeitenzu diesem Thema geleistet hat. Seine Ausgangsthese, dass Organisationen nichtaus Menschen sondern Handlungen bestehen, beeinflusste die Herausbildungeiner neuen Organisationstheorie maßgeblich. Sein vielbeachtetes Konzept desAnreiz-Beitrags-Gleichgewichts beschäftigt sich mit den Motiven von Individuensich in Organisationen zu engagieren (vgl. BANARD 1970). SIMON knüpfte andie Überlegungen Barnard an und beschäftigte sich seit Anfang der 40er Jahre des 20.

[...]

Details

Seiten
17
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656052104
ISBN (Buch)
9783656052340
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181911
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Soziologie
Note
2,0
Schlagworte
homo oeconomicus homo organisans garbage can Papierkorbmodell verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie bounded rationality begrenzte Rationalität satisficing

Autor

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Titel: Die verhaltenswissenschaftliche Kritik am Modell des Homo Oeconomicus