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Die Pflegeabsicherung für das Alter. Aktuelle Diskussion der künftigen Ausgestaltung und Beurteilung aus Sicht der Kunden

von Eike Tammo Menke (Autor)

Studienarbeit 2011 15 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die soziale Pflegeversicherung: Entwicklung, Versicherte und Leistungen
2.1 Entwicklung
2.2 Versicherte (§ 1 Abs. 2 SGB XI;§ 20 Abs. 1 SGB XI;§ 26 SGB XI)
2.3 Pflegestufen (§ 14 Abs. 2ff SGB XI) 2-
2.4 Leistungen (§ 28ff SGB XI)
2.4.1 Ambulante Pflege
2.4.2 Stationare Pflege

3 Kritikpunkte an bisheriger Regelung bzw. entstandenen Problemen

4 Ideen zur Reformierung in der Politik
4.1 Daniel Bahr (FDP), Gesundheitsminister 6-
4.2 Jens Spahn (CDU/CSU), Vorsitzender der Arbeitsgruppe Gesundheit und Gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion
4.3 Aygul Ozkan (CDU), Sozialministerin Niedersachsen
4.4 Horst Seehofer (CDU), Ministerprasident Bayern

5 Beurteilung der Reformvorschlage aus Sicht des/der Kunden

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

1 Einleitung

,,Lebenserwartung in Deutschland emeut leicht gestiegen“ (Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 20.09.2011). Diese Aussage vermag zunachst fur den Einzelnen erfreulich klingen, allerdings hat diese Erkenntnis auch weitreichende Einflusse auf unser sozialstaatli- ches System, in dessen Kernpunkten die Absicherung der Gesellschaft nach wie vor primar auf einem solidarischen System basiert. Besonders die Thematik des demographischen Wan- dels und die somit brockelnde Solidargemeinschaft, die zunehmend mehr diskutiert wird und auch Losungsansatze bereits umgesetzt, z.B. die Riester-Rente, oder in der Diskussion sind, gewinnt in Anbetracht derjahrelangen Entwicklung besonders ein Themenbereich an Bedeu- tung: die Absicherung der Pflegebedurftigkeit.[1] War es in der Vergangenheit so, dass Genera- tionen sich in einem Haushalt aufhielten und somit die Pflege der Alteren ein zu bewaltigen- des Ubel schien, ist es aus heutiger Sicht zunehmend belastend die Pflege der Eltern oder Grofieltern zu ubernehmen, sei es in finanzieller oder auch psychischer Hinsicht.[2] De Facto ist zu erkennen, dass in der Gesellschaft die Falle der Pflegebedurftigkeit stark ansteigen und diese Entwicklung auch in gesellschaftspolitischer Hinsicht zum Kernproblem der heutigen Zeit wird.[3] Besonders die mangelnde Absicherung bei Demenzkranken ist ein Kernpunkt der derzeitigen politischen Diskussion. Waren es im Jahr 2000 noch ca. 900.000 an Demenz er- krankte Personen, werden es im Jahr 2030 prognostiziert bereits fast 1,7 Millionen sein.[4] Der Staat scheint dieses Problem erkannt zu haben und versucht durch eine im Jahr 2012 anste- hende Pflegereform die Finanzierung, als auch die generelle finanzielle Hilfe fur Betroffene und Angehorige und die Beurteilung der Pflegebedurftigkeit neu zu strukturieren. Diese Ver- anderung vermag sowohl aus staatlicher Sicht, als auch fur private Versicherungsunterneh- men, die die Produktgeber in der individuellen Vorsorge darstellen, von Bedeutung sein. Es stellt sich also die Frage, welche Veranderungen den „Kunden“ in welcher Weise beeinflus- sen und welche Folgen dies fur Ihn aus personlicher Sicht hat. Dieser Bericht wird sich folg- lich zum Einen mit der momentanen Situation der Absicherung der Pflege und den offen- sichtlichen Schwachpunkten befassen und zum Anderen die aktuelle Diskussion in der Politik zur anstehenden Pflegereform und die Beurteilung aus Kundensicht implizieren.

2 Die soziale Pflegeversicherung: Entwicklung, Versicherte und Leistungen

2.1 Entwicklung

Die s.g. Pflegepflichtversicherung wurde am 01.01.1995 eingefuhrt und implizierte eine ein- gefuhrte Pramienzahlung i.H.v. 1% des Bruttoeinkommens bis zur Beitragsbemessungsgren- ze. Seit dem 01.04.1995 werden Leistungen fur hausliche Pflege erbracht und erganzend seit dem 1.07.1996 Leistungen fur stationare Pflege. Gleichzeitig wurde zudem der Beitragssatz von 1% auf 1,7% angehoben. Seit 1.07.2008 gilt der neue Beitragssatz i.H.v. 1,95%. Die Fi- nanzierung der Beitrage folgt in der Regel halftig von Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Seit dem 01.01.2005 zahlen kinderlose Pflichtversicherte zudem einen Zuschlag von 0,25%, der Arbeitgeberanteil bleibt hiervon unberuhrt bei 0,975%.[5] Die Pflegeversicherung versteht sich als funfte Stutze des Sozialversicherungssystems und deckt das bis 1995 vorhandene Risiko der fehlenden staatlichen Absicherung im Pflegefall ab.[6] Bis 1995 war es notwendig alleinig mit seinem Privatvermogen die Pflegebedurftigkeit finanziell abzufedern, oder auf Hilfe vom Sozialamt zu pladieren. Dies hatte sowohl privat, als auch staatlich enorme finanzielle Auf- wendungen impliziert und fuhrte somit nach langwieriger Gesetzgebung zur Einfuhrung der Gesetzlichen Pflegeversicherung. Wie die anderen vier staatlichen Saulen der sozialen Absi­cherung fufit die GPV ebenfalls auf einem Generationenvertrag, der innerhalb der Solidarge- meinschaft getragen wird.[7]

2.2 Versicherte (§ 1 Abs. 2 SGB XI;§ 20 Abs. 1 SGB XI;§ 26 SGB XI):

- Pflichtversicherte in der GKV
- Familienversicherte
- Freiwillig Versicherte in der GKV
- Sonstige (z.B. Zeitsoldaten, Sonderfalle)

2.3 Pflegestufen (§ 14 Abs. 2ff SGB XI):

- Pfleges ufe I erheblich pflegebedurftig

In diese Stufe fallen Personen, die mindestens einmal taglich fur wenigstens zwei Stunden Unterstutzung fur mindestens zwei Verrichtungen benotigen. Dies entspricht einem Zeitauf- wand von 1,5 Std.

- Pflegestufe II schwer pflegebedurftig

Hierunter fallen Pflegebedurftige, die mindestens dreimal taglich im Tagesablauf Unterstut- zung benotigen. Dies entspricht einem Zeitaufwand von 3 Std.

- Pflegestufe III schwerstpflegebedurftig

Diese Stufe umfasst Personen, die rund um die Uhr Betreuung benotigen. Dies entspricht ei­nem Zeitaufwand von 5 Std.

2.4 Leistungen (§ 28ff SGB XI)

2.4.1 Ambulante Pflege:

- Sachleistungen

Die Sachleistungen entsprechen der Erbringung von Pflegediensten durch qualifiziertes Pfle- gepersonal. Die Hohe der ambulanten Sachleistungen wird in der u.a. Abbildung 1 visuali- siert. In besonderen Hartefallen konnen allerdings Sachleistungen bis zu einer Hohe von 1.918€in Anspruch genommen werden.

- Pflegegeld

Sollte es durch den Anspruchsteller oder Familienangehorige gewunscht sein, dass der oder die Betroffene in hauslicher Umgebung z.B. durch Kinder gepflegt wird, entfallen die Sach­leistungen und es wird ein Pflegegeld fur die hauswirtschaftliche Versorgung gezahlt. Sollten zudem die Pflegenden aus verschiedensten Grunden uber einen gewissen Zeitraum verhindert sein, kann ihnen eine Geldleistung i.H.v. 1.510 € fur maximal vier Wochen im Kalenderjahr ubertragen werden. Die Voraussetzung, dass mindestens 12 Monate lang hausliche Pflege ge- leistet worden sein muss, entfallt bei Anspruch auf Kurzzeitpflege und der Unterbringung im Pflegeheim. Sollte die Pflege im Rahmen der Verhinderung des eigentlich Pflegenden nicht durch eine professionelle Pflegekraft geleistet werden, werden hochstens die Geldleistungen in Hohe der Pflegestufenregelung gezahlt, ansonsten tritt die o.g. Regelung in Kraft. Sollte es sich bei dem Ersatzpflegepersonal allerdings um Verwandte oder Verschwagerte bis zum 2.Grad handeln, kann die erhohte Geldleistung von 1.510 € nicht beansprucht werden. Bei Aufenthalten im Ausland des Anspruchsstellers werden die Leistungen bis zu 6 Wochen wei- ter geleistet, sowie bei vollstationaren Aufenthalten bis zu 4 Wochen. Der Anspruchssteller ist dazu verpflichtet einen regelmafiigen „Pflegeeinsatz“, eine Prufung und Beratung des Pfle­genden, durchzufuhren, da sonst Leistungen gekurzt oder gestrichen werden konnen. Die

Haufigkeit richtet sich nach der jeweiligen Pflegestufe. Das Versterben der Pflegeperson in- kludiert die Leistungserbringung bis zum Ende desjeweiligen Monats.

- Sonderleistungen bei ambulanter Pflege

- Fur Umbaumafinahmen bei hauslicher Pflege konnen Zuschusse i.H.v. 2557 € je Vor- haben beantragt werden.

- Sollte der Pflegende nicht erwerbsmafiig handeln, besteht fur ihn Anspruch auf Ent- richtung der Rentenbeitrage durch die Pflegekassen.

- Pflegehilfsmittel und technische Hilfsmittel, wie z.B. Rollatoren, konnen ebenfalls fi- nanziell geltend gemacht werden.

2.4.2 Stationare Pflege:

- Teils ionare Unterbringung und Kurzzei pflege Bei Unterbringung in Einrichtungen, falls die hausliche Pflege nicht gewahrleistet werden kann, konnen Leistungen bis zu 440 €, 1.040 € bzw. 1.510 € gezahlt werden. Zusatzlich wer­ den Leistungen bei Kurzzeitpflege in vollstationaren Einrichtungen bis zu vier Wochen i.H.v.

- Stationare Unter­bringung

Seit 1.07.1996 haben Pflegende in Hartefallen Anspruch auf vollstatio- nare Unterbringung und einen Gesamtbetrag i.H.v.

3 Kritikpunkte an bisheriger Regelung bzw. entstandenen Problemen

Die Gesetzliche Pflegeversicherung hat seit einigen Jahren mit zwei erheblichen Problemen nicht erhalten, da sie nach bisheriger Rege- lungen, als nicht pflegebedurftig im Sinne der Stufen I bis III gelten.[8] Betrachtet man folglich diejeweiligen Jahressaldi ist des Of- teren ein klares Defizit im Jahresabschluss zwischen Einnahmen und Ausgaben erkenn- bar. Zusatzlich zu dieser ohnehin schweren Finanzierung des Pflegebedarfs wirkt sich der in der Einleitung angesprochene Trend der zunehmenden Lebenserwartung in Deutschland negativ auf die Finanzierbarkeit aus. Berucksichtigt man die aktuellsten Wer- te des Jahres 2011 zur Lebenserwartung (neugeborener Junge 77,51, neugeborenes Madchen 82,59, 65jahriger Mann 17,33, 65- jahriger Frau 20,56 Jahre) und setzt diese in zu kampfen. Dies sind zum Einen die Finanzierung dieser Versorgungsstutze, die zunehmend zum Problem wird, und zum Anderen das Problem, dass viele, die Hilfe benotigen, diese Relation zu der Wahrscheinlichkeit der Pflegebedurftigkeit (siehe Abbildung 2) ist die Pro- blematik der steigenden Lebenserwartung der Bevolkerung und des bekannte demographi- sche Wandel zu einer altemden Ge- sellschaft deutlich zu erkennen. rd. 0.8 Kurz: Die Bevolkerung wird immer rd. 4;2 alter und die nachwachsende Gene- iu. zo,o ration kann immer alter werden. Al- lerdings ist es fur die jungere Gene­ration die somit stark ansteigende Zahl der Alteren in der Bevolkerung durch das Umlageverfahren zu stutzen finanziell nicht moglich bzw. ware mit untragbaren Kosten verbunden. Somit ist das Kernproblem der GPV, wie auch in unseren generellen staatlichen Stutzen, die auf dem Umlageverfahren fufien, die ,,kippende“ Gesellschaft.

Das weitere Problem ist die o.g. fehlende bzw. mangelhafte Unterstutzung von Demenzkran- ken. Wie bereits in der Einleitung genannt waren es im Jahr 2000 noch ca. 900.000 an De- menz erkrankte Personen. Diese Zahl wird prognostiziert aufl,7 Millionen im Jahr 2030 stei- gen. Somit ist erkennbar, dass das Risiko Demenz und die resultierende ,,Pflegebedurftigkeit“ nach eigener Einschatzung ein grundsatzliches Problem unserer Gesellschaft darstellen.[9] Die Menschen werden immer alter und mit zunehmenden Alter steigt auch das Risiko an Demenz zu erkranken. Demenziell erkrankte fallen allerdings haufig durch ihre Einschrankung nicht in die klar definierten Begrifflichkeiten der Pflegestufen I bis III und gingen somit bis zur Pflegereform 2008 leer aus. Heute erhalten an Demenz erkrankte, die in die s.g. Pflegestufe 0 fallen einen Grundbetrag von 100 € im Monat, der sich bis zu 200 € je nach Grad der Ein- schrankungen steigern kann. Zusatzlich ist ein Jahreszuschuss von derzeit 460 € pro Jahr moglich.[10] (§ 28ff SGB XI) Summa Summarum ergibt sich also ein Hochstanspruch auf ca. 233,33 € im Monat. Betrachtet man folglich den Aufwand , vielleicht auch durch Erfahrun- gen im Bekanntenkreis, die die Pflege eines Demenzkranken bedarf, vermag der Betrag als deutlich zu gering eingeschatzt werden.[11] Das Kernproblem der sozialen Pflegeversicherung ist folglich die oft kritisierte Struktur einer ,,Teilkaso-Versicherung“.[12]

4 Ideen zur Reformierung in der Politik

Um die oben genannten Probleme der Gesetzlichen Pflegeversicherung zu negieren, sei es die Finanzierbarkeit, als auch die generell mangelhafte Leistungserbringung in einigen Fal­len, ist fur April 2012 eine anstehende Reform der Pflegeabsicherung angedacht. An der Spit- ze dieser Reform, uber die die derzeitige Koalition entscheidet, steht der Gesundheitsminister Daniel Bahr. Im Folgenden werden Meinungen innerhalb der politischen Diskussion zur Re­form, wie auch konkrete Anderungsvorschlage, die teils kontrar zueinander stehen, geschil- dert und abschliefiend aus Kundensicht beurteilt bzw. ausgewertet.

[...]


[1] Vgl. Bundesministerium fur Gesundheit (Hrsg.) (2011), S. 2.

[2] Vgl. Chassioti, Wassiliki (2009), S. 10.

[3] Vgl. Bundesministerium fur Gesundheit (2011), S.3.

[4] Vgl. Dr. Weyerer, Siegfried (2005)

[5] Vgl. Bundesministerium fur Gesundheit (Hrsg.) (2010), S. 16f.

[6] Vgl. ebenda, S. 9ff.

[7] Vgl. Bildungsnetzwerk Versicherungswirtschaft (Hrsg.) (2009), S. 198ff.

[8] Vgl. Egle, Christoph / Zohlnhofer, Reimut (Hrsg.) (2010), S. 4ff.

[9] Vgl. Heringhausen, Gordon (2010), S. 13f.

[10] Vgl. Schneekloth, Ulrich / Wahl, Hans-Werner (Hrsg.) (2009), S. 121f.

[11] Vgl. Nikolai,Marko (2008),S.5ff.

[12] Vgl. Dr. Niederland, Bernd (2010), S. 341f.

Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668177581
Dateigröße
605 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181847
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
Schlagworte
pflegeabsicherung alter aktuelle diskussion ausgestaltung beurteilung sicht kunden

Autor

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    Eike Tammo Menke (Autor)

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