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Deutschland in der Spätbronzezeit

Mit Zeichnungen von Friederike Hilscher-Ehlert

Fachbuch 2011 540 Seiten

Archäologie

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

Die Spätbronzezeit in Deutschland Abfolge und Verbreitung der Kulturen und Gruppen

Die Zeit der Unruhestifter Die Urnenfelder-Kultur von etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr

Orakelsteine und Kreisgräben Die ältere Niederrheinische Grabhügel-Kultur von etwa 1200 bis 750 v. Chr

Mit angeschmiedetem Schmuck ins Bett Die Lüneburger Gruppe in der mittleren Bronzezeit von etwa 1200 bis 1100 v. Chr

Stoßlanzen und Kurzschwerter Die Allermündungs-Gruppe in der mittleren Bronzezeit von etwa 1200 bis 1100 v. Chr

Zeichen der Unruhe im Norden Die Stader Gruppe in der mittleren Bronzezeit von etwa 1200 bis 1100 v. Chr

Selbstausstattungen für das Jenseits Die Lüneburger Gruppe in der jüngeren Bronzezeit von etwa 1100 bis 800 v. Chr

Der »heilige Wagen« aus Stade Die Stader Gruppe in der jüngeren Bronzezeit von etwa 1100 bis 800 v. Chr

Mit dem Rasiermesser ins Grab Die Ems-Hunte-Gruppe in der jüngeren Bronzezeit von etwa 1100 bis 800 v. Chr

Die Funde von der Walkemühle Die jüngere Bronzezeit im südlichen Niedersachsen von etwa 1100 bis 800 v. Chr

Regenzauber mit Kesselwagen? Die nordische mittlere Bronzezeit von etwa 1200 bis 1100 v. Chr

Das Seddiner »Königsgrab« Die nordische jüngere Bronzezeit von etwa 1100 bis 800 v. Chr

Geschirr und Menschen als Opfergaben Die Unstrut-Gruppe von etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr

Das Gräberfeld vom Sehringsberg Die Helmsdorfer Gruppe von etwa 1300/1200 bis 600 v. Chr

Die bemalten Steinkisten Die Saalemündungs-Gruppe von etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr

Als Berlin noch ein Dorf war Die Lausitzer Kultur von etwa 1300/1200 v. Chr. bis 500 v. Chr

Anmerkungen

Literatur

Bildquellen

Die wissenschaftliche Graphikerin Friederike Hilscher-Ehlert

Der Autor Ernst Probst

Bücher von Ernst Probst

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der dänische Archäologe Christian Jürgensen Thomsen (1788-1865) hat 1836 die Urgeschichte nach dem jeweils am meisten verwendetem Rohstoff in drei Perioden eingeteilt: Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit.

Vorwort

Rund 500 Jahre Urgeschichte von etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr. passieren in dem Taschenbuch »Deutschland in der Spätbronzezeit« in Wort und Bild Revue. Es befasst sich mit den Kulturen und Gruppen, die in dieser Zeitspanne zwischen Nordseeküste und Alpen existierten. Geschildert werden die Anatomie und Krankheiten der damaligen Ackerbauern, Viehzüchter und Bronzegießer, ihre Siedlungen, Kleidung, ihr Schmuck, ihre Keramik, Werkzeuge, Waffen, Haustiere, Jagdtiere, ihr Verkehrswesen, Handel, ihre Kunstwerke und Religion.

Verfasser ist der Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst, der sich vor allem durch seine Werke »Deutsch- land in der Urzeit« (1986), »Deutschland in der Steinzeit« (1991) und »Deutschland in der Bronzezeit« (1996) einen Namen gemacht hat. Das Taschenbuch »Deutschland in der Spätbronzezeit« ist Dr. Rolf Breddin, Professor Dr. Claus Dobiat, Professor Dr. Markus Egg, Professor Dr. Hans-Eckart Joachim, Professor Dr. Albrecht Jockenhövel, Professor Dr. Horst Keiling, Professor Dr. Rüdiger Krause, Dr. Friedrich Laux, Professor Dr. Berthold Schmidt, Dr. Klaus Simon und Dr. Otto Mat- hias Wilbertz gewidmet, die den Autor mit Rat und Tat bei den Recherchen über Kulturen der Spätbronzezeit unterstützt haben. Es enthält Lebensbilder der wissen- schaftlichen Graphikerin Friederike Hilscher-Ehlert aus Königswinter.

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PAUL REINECKE, geboren am 25. September 1872 in Berlin-Charlottenburg, gestorben am 12. Mai 1958 in Herrsching. Er wirkte 1897 bis 1908 am Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz. 1908 bis 1937 war er Hauptkonservator am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München. 1917 wurde er kgl. Professor. Reinecke teilte 1902 die Bronzezeit in die Stufen A bis D ein. 1902 sprach er von der Straubinger Kultur sowie von der Grabhügelbronzezeit und später von der Hügelgräber-Bronzezeit.

Die Spätbronzezeit in Deutschland

Abfolge und Verbreitung der Kulturen und Gruppen

Heute ordnet man der Spätbronzezeit außer den Stufen Hallstatt A und B (etwa 1200 bis 800 v. Chr.) auch die Bronzezeit D (etwa von 1300 bis 1200 v. Chr.) zu, die vorher als letzte Stufe der Mittelbronzezeit galt. Die Stufenbezeichnung und Inhalte der Bronzezeit D, Hallstatt A und B entsprechen weitgehend der 1902 vorgenommenen Gliederung des damals in Mainz ar- beitenden Prähistorikers Paul Reinecke (1872-1958). Als die wichtigsten damaligen Kulturen in Deutschland gelten die Urnenfelder-Kultur, die Lausitzer Kultur und die nordische Bronzezeit, die sämtlich besonders große Gebiete einnahmen. Daneben gab es etliche kleinere Kulturen und Gruppen.

Baden-Württemberg, Bayern, das Saarland, Rheinland- Pfalz, Hessen, Teile Nordrhein-Westfalens (Nieder- rheinische Bucht) und Südthüringens gehörten von etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr. zum Bereich der Urnenfelder- Kultur (s. S. 17).1 Diese war im Raum nördlich der Alpen verbreitet.

Im Niederrheinischen Tiefland Nordrhein-Westfalens existierte von etwa 1200 bis 750 v. Chr. die Niederrheinische Grabhügel-Kultur (s. S. 123), eine Untergruppe der Urnenfelder-Kultur.

Für Norddeutschland gilt die bronzezeitliche Chro- nologie des schwedischen Prähistorikers Oscar Mon- telius (1843-1921). Ihr zufolge wird in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und im nördlichen Brandenburg die Zeit von etwa 1200 bis 1100 v. Chr. als mittlere Bronzezeit (Periode III) und die Zeit von etwa 1100 bis 800 v. Chr. als jüngere Bronzezeit (Perioden IV und V) bezeichnet. Die durch das Kul- turgefälle in der Frühbronzezeit zwischen dem Süden und dem Norden bewirkte Phasenverschiebung von Bronzezeitstufen setzt sich also terminologisch fort. In die mittlere Bronzezeit fallen in Niedersachsen die Lüneburger Gruppe (s. S. 141), die Allermündungs- Gruppe (s. S. 157) und die Stader Gruppe (s. S. 163), letztere aber nur noch mit wenigen sicher datierbaren archäologischen Funden.

In der jüngeren Bronzezeit gab es in Niedersachsen ebenfalls eine Anzahl von Regionalgruppen, so die Lüneburger Gruppe (s. S. 169), die Stader Gruppe (s.. S. 179) und die Ems-Hunte-Gruppe (s. S. 195). In anderen Landstrichen Niedersachsens spricht man nur allgemein von der jüngeren Bronzezeit (s. S. 207), obschon auch hier Ansätze für eine regionale Gliederung erkennbar sind.

In Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, im Stader Bereich (Niedersachsen) und im nördlichen Brandenburg behauptete sich von etwa 1200 bis 1100 v. Chr. die nordische mittlere Bronzezeit (s. S. 223) und von etwa 1100 bis 800 v. Chr. die nordische jüngere Bronzezeit (s. S. 243). Das Zentrum der nordischen Bronzezeit lag in Skandinavien.

Im Thüringer Becken existierte von etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr. die Unstrut-Gruppe (s. S. 297). Etwa zur gleichen Zeit gab es in Sachsen-Anhalt die Helmsdorfer Gruppe (s. S. 314) und die Saalemündungs-Gruppe (s. S. 327).

Sachsen und das südliche Brandenburg zählten von etwa 1300/1200 bis 500 v. Chr. zur Lausitzer Kultur (s. S. 337) und zum Kreis ihrer Nachfolgekulturen, zum Beispiel Billendorfer Kultur und Hausurnen-Kultur. Die Lausitzer Kultur war damals in Osteuropa heimisch.

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ERNST WAGNER, geboren am 5. April 1832 in Karlsruhe, gestorben am 7. März 1920 in Karlsruhe. Der Sohn des Stadtpfarrers von Schwäbisch Gmünd war 1861 bis 1863 Erzieher in London und 1864 bis 1875 Erzieher des Erbgroßherzogs in Karlsruhe. 1867 wurde er Leiter der Friedrichschule. Von 1875 bis 1919 leitete er die Großherzogliche Altertümersammlung (das spätere Badische Landesmuseum in Karlsruhe) und war Oberschulrat. Auf Wagner geht der Begriff Urnenfelder-Kultur zurück.

Die Zeit der Unruhestifter

Die Urnenfelder-Kultur

Die Urnenfelder-Kultur gilt in Europa als eine der wichtigsten Kulturen der Spätbronzezeit. Sie bestand von etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr. und vermochte sich vom nördlichen Balkan über die Donauländer bis zur Oberrheinregion auszubreiten. In Deutschland war sie in Baden-Württemberg, in Bayern, im Saarland, in Rheinland-Pfalz, in Hessen, in Teilen Nordrhein-Westfalens (Niederrheinische Bucht) und südlich des Thüringer Waldes hei- misch.

Der Begriff »Urnenfelder-Kultur« fußt darauf, dass damals die Toten auf Scheiterhaufen verbrannt und danach häufig ihre Asche beziehungsweise Knochenreste in tönerne Urnen geschüttet und in Brandgräbern beigesetzt wurden. Gelegentlich bilden die Brandgräber ausgedehnte Urnenfelder mit Dutzenden oder Hunderten von Bestattungen.

Als erster formulierte 1885 der Direktor der Großher- zoglichen Sammlungen in Karlsruhe, Ernst Wagner (1832-1920), die Bezeichnung »Urnen-Friedhöfe«. Seine Publikation »Hügelgräber und Urnen-Friedhöfe in Baden« wurde 1886 durch den Königsberger Prä- historiker Otto Tischler (1843-1891) in der »West- deutschen Zeitschrift« kommentiert. Dabei sprach Tischler von »Urnenfeldern der Bronzezeit«.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Königsberger Prähistoriker Otto Tischler (1843 - 1891) sprach 1886 in einem Beitrag, in dem er die 1885 erschienene Publikation » Hügelgräber und Urnenfriedhöfe in Baden « kommentierte, von » Urnenfeldern der Bronzezeit « .

Karte auf Seite 19:

Verbreitung der Kulturen und Gruppen während der Spätbronzezeit (etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr.) in Süddeutschland und der mittleren Bronzezeit in Norddeutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach Ansicht der meisten Prähistoriker war die Urnen- felder-Zeit ein unruhiger Abschnitt der Urgeschichte. Damals setzten vermutlich in vielen Gebieten Europas große Völkerwanderungen ein, die vielleicht im mittleren Donauraum ihren Ausgang nahmen. Sie erreichten wahrscheinlich nicht nur Süddeutschland, sondern auch den Balkan und die östliche Mittelmeerregion. Sogar die Ägypter mußten sich der Eindringlinge mit Waffengewalt erwehren.

Ihre Ursache hatten die großen Wanderungen der Unruhestifter womöglich in einer erheblichen Bevöl- kerungszunahme, deren Folgen durch ein ungünstiges trockenes Klima verstärkt wurden. Ein weiteres Motiv könnte das Interesse von Anführern der betroffenen Gemeinschaften an Kriegszügen gewesen sein, die bei erfolgreichem Verlauf sowohl Beute als auch Ansehen mehrten. Diese Kriegszüge nun bewirkten vermutlich Ausweichbewegungen jener Stämme, in deren Gebiete die Eroberer zuerst eindrangen.

Es gab aber auch Experten, die derartige Wanderungen bezweifelten. Der Freiburger Prähistoriker Georg Kraft (1894-1944) beispielsweise schloss 1927 nach der Untersuchung süddeutscher Urnenfelder aus, dass eine große Kulturbewegung von Osten nach Westen stattgefunden habe. Im Gegensatz dazu vertrat 1938 der österreichische Prähistoriker Richard Pittioni (1906- 1985) die Ansicht, in der Lausitz zwischen Sachsen, Brandenburg und Schlesien habe im 13. Jahrhundert v. Chr. eine große Abwanderung eingesetzt. Aus der Begegnung der wandernden Gruppen mit den älteren einheimischen Kulturen in verschiedenen Teilen

Europas seien als Folge lokale Urnenfelder-Gruppen entstanden, die sich im 12. und 11. Jahrhundert v. Chr. über fast den gesamten Kontinent verbreitet hät- ten.

Angesichts bestimmter Gemeinsamkeiten bei den ar- chäologischen Funden - etwa immer wiederkehrender ähnlicher Gefäßtypen - meinte Pittioni auch, alle Ur- nenfelder-Gruppen hätten einer Gemeinschaft mit derselben Sprache angehört. Er nahm an, dass die Ur- nenfelder-Kultur mit einer konkreten Einzelsprache, nämlich dem Illyrischen, in Verbindung gebracht wer- den könne, und sprach in diesem Zusammenhang von so genannten Proto-Illyrern. Laut Pittioni waren die Urnenfelder-Leute Alteuropäer, die weite Teile Europas in Besitz nahmen.

Der Tübinger Prähistoriker Wolfgang Kimmig bestritt 1964, dass die einzelnen Urnenfelder-Gruppen einem Volk angehört hätten. Nur die östlichen Gruppen ließen sich dem illyrischen Volkstum zuordnen. Wie Pittioni befürwortete auch Kimmig die Theorie der Wande- rungen, die neben Kulturkontakten und einem Kultur- austausch mit verschiedensten gegenseitigen Beein- flussungen für die Ausbreitung der Urnenfelder-Kultur verantwortlich seien.

Nach Auffassung Kimmigs führten die Wanderungen der Urnenfelder-Leute über Griechenland, die ägäischen Inseln bis nach Syrien, Palästina und Ägypten. Demzufolge wären europäische Fremdlinge in den Mittelmeerraum eingedrungen und hätten dort ähnliche Unruhen ausgelöst wie in Mitteleuropa, Italien, Frankreich, Spanien und sogar England.

Für Süddeutschland und das Ostalpengebiet werden die 1902 durch den damals in Mainz arbeitenden Prähistoriker Paul Reinecke (1872-1958) eingeführten Stufenbezeichnungen Bronzezeit D, Hallstatt A und Hallstatt B verwendet. Davon umfasst Hallstatt A zwei Unterstufen (Ha A 1, Ha A 2), Hallstatt B dagegen drei Unterstufen (Ha B 1, Ha B 2, Ha B 3).

Die Einteilung der Stufen und Unterstufen basiert auf bestimmten Bronzeobjekten und ihrem Formenwandel (Schwerter, Dolche, Messer, Rasiermesser, Nadeln, Fi- beln, Armringe, Tassen) sowie Tongefäßen. Die zahl- reichen kennzeichnenden Formen dieser Stufen und Un- terstufen wurden 1959 durch bis dahin in München tätigen Prähistoriker Hermann Müller-Karpe be- schrieben. Eine genaue Auflistung all jener Objekte ist in einem populärwissenschaftlichen Buch wie diesem nicht möglich.

Nach neuesten Überlegungen wird heute die Urnen- felder-Kultur dreigegliedert.1 Die erste Stufe entspricht der späten Hügelgräber-Bronzezeit (Bronzezeit D) und der frühen Urnenfelder-Zeit (Hallstatt A 1). Die zweite Stufe umfasst die mittlere Urnenfelder-Zeit (Hallstatt A 2 bis B 1) und die dritte Stufe die späte Urnenfelder- Zeit (Hallstatt B 2/3).

Klimatisch gesehen herrschte während der Urnenfelder- Zeit eine Trockenphase. Gegen Ende dieser Zeit um 800 v. Chr. ereignete sich ein Klimasturz, der mit hö- heren Niederschlagsmengen verbunden war. Dies hat- te zur Folge, dass der Wasserspiegel der Seen anstieg und die Seeufersiedlungen (»Pfahlbauten«) in Süd- deutschland aufgegeben werden mussten.

Die archäologischen Funde deuten darauf hin, dass wohl mächtige Häuptlinge, »Fürsten« und Priester das Sagen hatten. Denn nur so sind der arbeits- und zeit- aufwendige Bau von befestigten Höhensiedlungen (»Burgen«) sowie die kultisch motivierten Sach-, Tier- und Menschenopfer zu erklären. Neben Einzelbe- gräbnissen bedeutender Persönlichkeiten in ein- drucksvollen Gräbern und mit reichen Beigaben (Wa- gengräber, s. S. 74) gab es Friedhöfe mit Hunderten von gleichartigen Brandgräbern.

Welche Körpergröße die damaligen Männer erlangen konnten, wird an dem unverbrannten Skelett eines Mannes aus dem Doppelgrab von Frankfurt/Main- Berkersheim ersichtlich. Dieser zusammen mit einer kleinen Frau bestattete Mann maß 1,75 Meter. Bei einer Doppelbeisetzung von Ilvesheim (Rhein-Neckar-Kreis) in Baden-Württemberg war der etwa 20 Jahre alte, athletisch gebaute Mann 1,72 Meter groß. Dagegen erreichte die mit ihm beerdigte etwa 15-jährige grazile Frau nur 1,62 Meter.

Tönerne Spinnwirtel und Webgewichte sowie Gewebereste belegen, dass die Kleidung aus Flachs (Linum usitatissimum) und Schafwolle angefertigt wurde. Spinnwirtel sind nicht nur aus Siedlungen, sondern auch aus vielen Gräbern bekannt.

Von einem Webstuhl stammen elf komplette pyrami- denförmige Webstuhlgewichte und Fragmente solcher Objekte aus Lauf (Kreis Nürnberger Land) in Bayern. Diese Webstuhlgewichte sind in der oberen Hälfte durchbohrt und wiegen zwischen 781 und 989 Gramm. Ihre Funktion bestand darin, senkrecht herabhängende Kettfäden an einem Webstuhl straff zu halten.

Anhaltspunkte über die Garderobe lieferten auch bronzene Nähnadeln mit Öhr, Gewandnadeln zum Zusammenhalten der Oberbekleidung sowie Gürtelhaken und -bleche. Die Gewandnadeln tendierten wieder zu kürzeren und unauffälligeren Formen. Neu waren Nadeln mit Schmuckplatte.

Die Gürtelhaken zum Schließen von Gürteln aus Stoff oder Leder wurden gegossen, gehämmert, aus einem Blechstück geschnitten oder aus Blechdraht zurechtgebogen. Teilweise sind sie mit Ornamenten aus Reihen dicht gesetzter Punzeinschläge versehen. Beschädigte Gürtelhaken wurden häufig repariert.

Als heimische Erzeugnisse gelten zweischneidige bron- zene Rasiermesser mit rechteckigem, doppelaxtähn- lichem und fast kreisförmigem Blatt sowie teilweise durchbrochenem Griff. Dagegen handelt es sich bei den Exemplaren mit trapezförmiger Klinge, einseitiger Schneide und meistens hakenförmigem Griff um Importware aus dem Gebiet der nordischen Bronzezeit. Manche Rasiermesser hat man aus anderen Bronze- objekten geschaffen. So ist ein zweischneidiges kleines Rasiermesser aus Grünwald (Kreis München) aus einem Gürtelhaken angefertigt worden. Reparaturen von stark in Mitleidenschaft gezogenen Rasiermessern sind durch Funde aus Bad Buchau (Kreis Biberach) in Baden- Württemberg und Eberstadt (Kreis Gießen) in Hessen belegt.

Die Rasiermesser wurden in Futteralen aufbewahrt, um ihre Schneiden vor Beschädigungen zu schützen.

Härchen des Futterals hafteten an Rasiermessern von Gemmingen (Rhein-Neckar-Kreis) in Baden-Würt- temberg sowie von Geroldshausen (Kreis Würzburg) und Rehlingen (Kreis Weißenburg-Gunzenhausen) in Bayern. In Gemmingen handelte es sich wahr- scheinlich um Rehhaare von einem Lederfutte- ral.

Experimente des Marburger Prähistorikers Dirk Vorlauf mit der Nachbildung eines zweischneidigen Rasier- messers ergaben, dass sich damit ein Mehrtagebart nur schlecht oder gar nicht rasieren ließ. Eine zufrie- denstellende Rasur wurde erst bei längeren Barthaaren erzielt, wenn man diese festhielt und direkt über der Haut abschnitt. Die Prozedur verlief schmerzlos, und 95 Prozent der abgeschnittenen Haare waren glatt durchgetrennt. Bei den Rasiermessern dürfte es sich um Gegenstände mit mehreren Funktionen handeln. Frisiert hat man sich mit bronzenen Kämmen. Ein solches Toilettegerät aus Hüfingen (Schwarzwald-Baar- Kreis) in Baden-Württemberg trägt blitzartige Griffe, die womöglich stark vereinfachte Vögel darstellen.

Die Urnenfelder-Leute wohnten in unbefestigten und befestigten Flachland-, Seeufer-, Insel- und befestigten Höhensiedlungen (»Burgen«). Auch manche Höhlen dienten als vorübergehende Aufenthaltsorte. Bei Rettungsgrabungen, die unter Leitung des Münchener Prähistorikers Erwin Keller vom 17. April bis zum 1. August 1980 in Unterhaching (Kreis München) vorgenommen worden waren, stellte sich heraus, wie groß damals teilweise die unbefestigten Flachlandsiedlungen waren. Das Dorf von Unterha- ching umfasste einst schätzungsweise etwa 80 Häuser, von denen 51 untersucht werden konnten, und erstreckte sich wohl auf einer Fläche von zehn bis 15 Hektar. Die Häuser in Unterhaching bestanden aus einem Gerüst von mindestens vier Eckpfosten sowie - je nach Wandlänge - bis zu sieben Seitenpfosten. Bei breiteren Gebäuden kamen Firstbäume hinzu, welche die Hauptlast des Daches trugen. Die Gebäude hatten quadratische, kurze und langrechteckige Grundrisse und bildeten überwiegend drei- und vierteilige, aus Haupt- und Nebengebäuden bestehende Gruppen.

Im Laufe der Zeit schadhaft gewordene Pfosten wurden durch neue ersetzt. Wenn es nötig war, ein Haus abzureißen, hat man das neue Gebäude im Bereich des Vorgängerbaues errichtet. Zu diesem Dorf gehörte wohl ein bereits 1934 entdeckter Friedhof mit Brandgräbern, in denen man die Toten jener Siedlung bestattete.

Mehr als 40 Bauten unterschiedlicher Größe wurden von 1987 bis 1991 bei den archäologischen Untersu- chungen im Bereich der neuen Straßen- und Bahntrasse südöstlich von Zuchering (Stadt Ingolstadt) in Bayern entdeckt. Die größeren, zweischiffigen Bauten hatten zwischen 70 und 120 Quadratmeter Nutzfläche, die kleineren rechteckigen oder quadratischen, einschiffigen Bauten zwischen vier und 20 Quadratmeter. Vermutlich bildeten jeweils mehrere beieinanderliegende Gebäude, die als Wohnhäuser, Stallungen, Vorrats- und Arbeits- hütten dienten, eine Hofgemeinschaft.

Aus Eching2 (Kreis Freising) in Bayern kennt man zwei kleinere Flachlandsiedlungen. Das aus 16 Häusern bestehende Dorf Eching 1 war durch einen Graben und eine Pfostenreihe gesichert. Im Gegensatz dazu verfügte das etwa 1200 Meter entfernte, nur teilweise ausgegrabene Dorf Eching 2 über keinen Schutz. Auch dort wurden 16 Häuser festgestellt, ursprünglich dürften es nach Erkenntnissen des Münchener Prähistorikers Stefan Winghart jedoch mehr gewesen sein. Die Gebäude in Eching 2 waren fünf bis zehn Meter lang und einen bis neun Meter breit.

In Dietfurt3 (Kreis Neumarkt) in Bayern wurde beim Bau des Rhein-Main-Donau-Kanals eine unbefestigte Flachlandsiedlung entdeckt. Dort gruppierten sich 23 Gebäude um einen Dorfplatz, auf dem sich zwei Straßen kreuzten. Die Gebäudegrundrisse bedeckten Flächen von fünf bis sieben Meter Länge sowie drei bis vier Meter Breite. Größere Gebäude hatten ein Gerüst aus drei parallelen Pfostenreihen mit je drei Pfosten, kleinere nur zwei Reihen mit jeweils drei Pfosten.

In Riesbürg-Pflaumloch4 (Ostalbkreis) in Baden- Württemberg konnten Grundrisse von 17 Pfosten- bauten verschiedener Größe in mehreren Gruppen freigelegt werden. Ein besonders großes Gebäude war 22 Meter lang und 7,50 Meter breit. Vermutlich handelte es sich hierbei um ein kombiniertes Wohn- und Wirtschaftsanwesen. Andere Häuser waren bis zu 18,50 Meter lang und 8,50 Meter breit. Kleinere Bauten dienten vermutlich zu Vorrats- und Speicherzwecken. Zehn maximal zehn Meter lange und 2,25 Meter breite Häuser umfasste die Siedlung von Künzing5 (Kreis Deggendorf) in Bayern. Andere unbefestigte Flach- landortschaften bestanden lediglich aus drei bis sechs Häusern.

Eine der seltenen befestigten Flachlandsiedlungen wurde in Enzweiler bei Idar-Oberstein6 (Kreis Bir- kenfeld) in Rheinland-Pfalz entdeckt. Der dortige Ge- bäudekomplex war auf einer Terrasse der Nahe angelegt und durch eine Mauer, bestehend aus Holzbalken, Lehm- und Steinfüllung, geschützt. Vor der Mauer verlief ein ausgehobener Graben, der als weiteres Hindernis diente.

Am Bodensee und am Federsee bei Bad Buchau lagen in der Urnenfelder-Zeit noch Seeufersiedlungen (»Pfahlbauten«) und Moorbauten. Sie mussten gegen Ende dieses Abschnittes aufgegeben werden, weil der Pegel dieser Gewässer wahrscheinlich aufgrund erhöhter Niederschlagsmengen stark anstieg. Die letzten Uferdörfer am Bodensee existierten um 850 v. Chr. Zu den urnenfelderzeitlichen Ortschaften auf baden- württembergischer Seite des Bodensees gehören die Fundorte Hagnau-Burg7, Konstanz-Langenrain8, Süßenmühle9 und Unteruhldingen10.

Reste der befestigten Siedlung von Hagnau (Boden- seekreis) werden jeweils bei Niedrigwasser sichtbar. Immer dann erscheint vor Hagnau eine Insel im Bodensee, die so genannte Untiefe Burg. An deren Ufern sind zwischen Grundkieseln hölzerne Pfähle, Spülsäume aus Pflanzenfasern, Hölzern und Holzkohlen sowie Keramikreste der Urnenfelder-Kultur zu erkennen. Einst schützten Palisaden im Norden, Osten und Süden den 130 Meter langen und 100 Meter breiten Komplex. Die Anlage von Unteruhldingen (Bodenseekreis) wurde an der Seeseite durch Palisaden aus Eichen-, Buchen- und Erlenholz vor dem Wellenschlag geschützt. Die

Baumstämme waren meistens nicht entrindet. Diese Palisaden hat man nach einer gewissen Zeit immer wieder erneuert. In zwei Phasen der Besiedlung wurden gleichzeitig eine innere Eichenreihe und eine äußere Weichholzreihe errichtet.

Die Häuser der Seeufersiedlung von Unteruhldingen sind in Zeilen angeordnet gewesen. Dieses Dorf am Bodensee existierte mit Unterbrechungen etwa 120 Jahre lang. Es konnten drei übereinanderliegende Siedlungen mit einer Fläche von einem bis zwei Hektar nachgewiesen werden. Für die Pfosten der dortigen Häuser verwendete man fast in 90 Prozent der Fälle Eichenholz. Die Pfosten wurden rundum behauen.

Am Federsee bei Bad Buchau (Kreis Biberach) hat der zunächst in Tübingen und später in Berlin tätige Prähistoriker Hans Reinerth (1900-1990) in den Jahren 1920, 1928 und 1936 zwei Seeufersiedlungen der Urnen- felder-Kultur freigelegt, die aus unterschiedlicher Zeit stammen. Ihre Entdeckungsgeschichte begann damit, dass sich ein Landwirt während der zwanziger Jahre in trockenen Perioden über ständig neu auftauchende Pfahlköpfe auf seiner Wiese ärgerte. Die Pfähle wurden durch Schrumpfung der austrocknenden Schichten an die Oberfläche gepresst.

Die Erkenntnisse Reinerths über die beiden Dörfer von Bad Buchau sind heute teilweise überholt. Er meinte, diese Siedlungen hätten auf einer Halbinsel oder Insel gelegen und seien rundum von Palisaden geschützt gewesen. Reinerth deutete beide Siedlungen irrtümlich als »Wasserburgen« mit Wehrtürmen, Wehrgängen, Brücken, einem Herrengehöft und hufeisenförmigen

Zeichnung auf Seite 31: Rekonstruktion der » Wasserburg « bei Bad Buchau am Federsee in Baden-Württemberg aus der jüngeren Bauphase. Die Rekonstruktion stammt aus einer Publikation von 1936 des damals in Berlin arbeitenden Prähistorikers Hans Reinerth (1900 - 1990).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anwesen. Wie er sich die »Wasserburg« vorstellte, veranschaulichen Rekonstruktionselemente im Freilichtmuseum Unteruhldingen.

1941 wies der Stuttgarter Prähistoriker Oscar Paret (1889-1972) nach, dass die vermeintliche »Wasserburg« nicht auf einer Insel, sondern inmitten eines Flach- moorgebiets nahe beim Federsees lag. Die angeblichen Palisaden definierte er nicht als Palisadenring mit Wehrgängen, sondern als Reste eines mehrfach aus- gebesserten Dorfzauns.

Heute geht man davon aus, dass die ältere Siedlung bei Bad Buchau aus der Zeit um 1100 v. Chr. aus 38 ein- räumigen und ebenerdigen Häusern bestand. Sie waren in Blockbauweise errichtet, hatten Flechtwände und verfügten über eine Wohnfläche von 16 bis 20 Qua- dratmetern. Ein größerer zweiräumiger Bau im Zent- rum könnte dem Häuptling vorbehalten gewesen sein. Als der Spiegel des Federsees stieg, befestigte man das nahe Seeufer mit einem Steinpflaster und schützte die Siedlung mit einer Palisade aus 15.000 Pfählen, die teilweise als Wellenbrecher dienten. Zur Seeseite hin gab es drei Reihen von Palisaden, zur Landseite hin nur eine. Die Außen- und Innenpalisade wurden innerhalb von je vier Jahren errichtet.

Die jüngere Siedlung existierte um 900 v. Chr. Während dieses Abschnittes standen neun Häuser enger beiein- ander, und manche von ihnen waren zu U-förmigen Gehöften angeordnet. Flechtwände gliederten das Innere der Häuser in mehrere Räume. Das Dorf wurde bei einem Brand zerstört, vielleicht infolge eines Überfalls.

In den beiden Siedlungen bei Bad Buchau lebten vermutlich zeitweise bis zu 200 Menschen. Eine sechs bis acht Zentimeter dicke Schicht verbrannten Getreides aus einem Gebäude der jüngeren Siedlung sowie Knochenreste von Haustieren weisen darauf hin, dass es sich um Bauern handelte. Wo die Einwohner ihre Toten bestatteten, weiß man nicht.

Inselsiedlungen aus der Urnenfelder-Zeit sind von Säckingen11 (Kreis Waldshut) in Baden-Württemberg, von der Roseninsel im Starnberger See12 (Kreis Starnberg) und im Altmühltal bei Kelheim13 (Kreis Kelheim) in Bayern sowie aus Groß-Rohrheim14 (Kreis Bergstraße) in Hessen bekannt. In Säckingen lag die Siedlung auf einer ehemaligen Rheininsel, heute wird das Gebiet von der Altstadt überzogen. Auf einer ehemaligen Insel der Altmühl bei Kelheim befand sich ein mehr als 20 Meter langes Haus, das von zwei Palisaden umgeben wurde.

Die befestigten Höhensiedlungen (»Burgen«) wurden teilweise rundum von Ringwällen geschützt, mitunter aber nur an besonders gefährdeten Abschnitten durch Wälle abgesichert. In letzterem Fall spricht man von einer Abschnittsbefestigung. Nach den vielen Befesti- gungen der Urnenfelder-Kultur zu schließen, war diese Phase der Urgeschichte eine »große Zeit der Bur- genbauer«. Die zahlreichen »Burgen« spiegeln ein Schutzbedürfnis während Unruhezeiten wider.

Zu den Befestigungen in Baden-Württemberg gehören die Fundorte Burgberg bei Burkheim15 (Kreis Breisgau- Hochschwarzwald), Dreifaltigkeitsberg bei Spaichin- gen16 (Kreis Tuttlingen), Runder Berg bei Urach17 (Kreis Reutlingen) und Zargenbuckel bei AschhausenSchöntal18 (Hohenlohekreis).

Auf dem Lemberg bei Stuttgart-Weil im Dorf19 beispielsweise hat man an den etwa 450 Meter voneinander entfernten Querseiten vier bis fünf Meter breite Abschnittswälle mit Graben davor errichtet. Besonders viele befestigte Höhensiedlungen konnten in Bayern aufgespürt werden. Im Regierungsbezirk Schwaben liegen die Befestigungen Katzensteig bei Mergenthau20 (Kreis Aichach-Friedberg), auf dem Stadtberg von Neuburg21 und Stätteberg bei Un- terhausen22 (beide im Kreis Neuburg-Schrobenhau- sen).

Die Befestigung auf dem Stätteberg bei Unterhausen wurde teilweise von der Donau und von der hier einmündenden Paar umflossen. Rund um die 300 Meter lange und 180 Meter breite Bergkuppe lag ein Wall, der Reste einer drei Meter dicken Mauer enthielt. Der Wall dürfte schätzungsweise 2,50 Meter hoch gewesen sein. In Oberbayern befinden sich die Befestigungen Große Birg bei Kochel23 (Kreis Bad Tölz-Wolfsratshausen), in Niederbayern der Bogenberg bei Bogen24 (Kreis Straubing-Bogen), in der Oberpfalz der Schlossberg von Kallmünz25 (Kreis Regensburg).

Quer durch das 300 Meter lange und 110 Meter breite Plateau des Bogenberges bei Bogen verlief ein in den Fels eingetiefter, bis zu 3,50 Meter breiter Graben, zu dem ein Wall gehörte. Außerdem waren zwei urnenfelderzeitliche Wälle vorgelagert. Auch ein benachbartes Areal von 400 Meter Länge und l00 Meter Breite wurde von einem Wall geschützt.

Etwa 110 Meter hoch über der Vils und der Naab lag die Befestigung auf dem Schlossberg von Kallmünz. Die Hänge zu diesen beiden Flüssen hin waren besonders steil. Einen Kilometer von der äußersten Spitze entfernt wurde der Berg durch einen 800 Meter langen Wall abgeriegelt, der offenbar aus der frühen Urnenfelder-Zeit stammt.

Aus Mittelfranken sind die Befestigungen Gelbe Bürg bei Dittenheim26 (Kreis Weißenburg-Gunzenhausen) und Hesselberg bei Wassertrüdingen27 (Kreis Ansbach) bekannt.

Der Hesselberg bei Wassertrüdingen überragt seine Umgebung um mehr als 200 Meter. Die auf seinem Plateau errichteten Wälle dürften teilweise während der Urnenfelder-Zeit entstanden sein. Außer Resten von Holz-Erde-Mauern am Rand konnten dort auch Hausgrundrisse, Töpferöfen und eine Bronzegießerei festgestellt werden. 1939 wurde der Hesselberg sogar als »heiliger Berg der Franken« bezeichnet.

In Oberfranken entdeckte man die Befestigungen Ehrenbürg bei Schlaifhausen28 (Kreis Forchheim) und Heunischenburg auf dem Wolfsberg bei Gehülz29 (Kreis Kronach).

Auf dem 250 Meter hohen, mehr als 1,5 Kilometer langen und bis zu 350 Meter breiten Berg Ehrenbürg (im Volksmund Walberla genannt) bei Forchheim thronte in der Urnenfelder-Zeit vermutlich eine stadtähnliche Siedlung. Deren Bewohner haben eine große Menge Keramik, viele Bronzeobjekte und drei Depots mit Zierteilen von Pferdegeschirr (Phaleren) hinterlassen. Zahlreiche Halbfabrikate und ein Guss- tiegel weisen auf die Herstellung von Bronzegeräten hin. Die Größe der Höhensiedlung, Funddichte und -qualität sowie die Bronzewerkstätten belegen nach Ansicht des Ausgräbers Björn-Uwe Abels aus Bamberg, dass es sich um ein bedeutendes politisches und wirtschaftliches Zentrum handelte.

Den Bewohnern der Heunischenburg bei Gehülz ob- lag im 10. und 9. Jahrhundert v. Chr. wohl der Schutz einer wichtigen Verkehrsverbindung in den Osten Oberfrankens. Wo Steilhänge auf natürliche Weise die Befestigung sicherten, hatte man nur eine Palisade er- richtet. Dagegen wurde die ungeschützte Flanke durch eine 110 Meter lange, 2,60 Meter breite und 3,50 Meter hohe Steinmauer abgeriegelt, die in einer etwa 30 Meter langen Torgasse endete. Der Mauer war eine 3,60 Meter breite und einen Meter hohe Steinanhäufung (Berme) vorgelagert.

Eine nahe dem Tor angelegte, einen Meter breite Ausfallpforte (Poterne), über die man einen Holzturm gesetzt hatte, erlaubte es den Verteidigern, etwaige in die Torgasse drängende Angreifer auch von hinten unter Beschuss zu nehmen. Als Vorbild für die Ausfallpforte auf der Heunischenburg könnten Poternen von Burgen im Mittelmeergebiet gedient haben.

Noch im Mittelalter wirkte die Heunischenburg so eindrucksvoll auf die damaligen Menschen, dass diese ihre Erbauer irrtümlich für sagenhafte Hünen oder die Hunnen hielten. Darauf ist ihr Name zurückzuführen. Brandspuren und mehr als 100 bronzene Pfeilspitzen werden als Indizien einer kriegerischen Ausein- andersetzung erachtet, die nach Ansicht des Prähi- storikers Björn-Uwe Abels die ganze Befestigung als eine Art Garnison erscheinen lassen.

In Unterfranken liegen die Befestigungen Bullenheimer Berg bei Bullenheim30 (Kreis Kitzingen) und Großer Knetzberg31 (Kreis Haßberge).

Auf dem 1200 Meter langen und maximal 400 Meter breiten Bullenheimer Berg, der seine Umgebung um etwa 50 Meter überragt, gliederten drei quer verlaufende Wälle die Berghochfläche an ihrer schmalsten Stelle. Die acht Meter langen und vier Meter breiten Häuser der Siedlung standen an der Innenseite der Wälle. Ackerbau wurde wohl in der Umgebung des Berges betrieben. Von den Befestigungen im Saarland ist diejenige auf dem Großen Stiefel bei Sankt Ingbert32 (Saar-Pfalz- Kreis) besonders erwähnenswert. Dieser Berg verdankt seiner stiefelähnlichen natürlichen Gestalt den Na- men.

In Rheinland-Pfalz gab es neben anderen die Befesti- gungen auf dem Dommelberg bei Koblenz33 und auf dem Langenberg bei Ernzen34 (Kreis Bitburg-Prüm). Auf dem zwischen dem Rhein und der Mosel gelege- nen Dommelberg bei Koblenz konnten mehrteilige Wallanlagen festgestellt werden. Den Wall sicherte zu- sätzlich ein 7,50 Meter breiter und fünf Meter tiefer Graben. Auf dem Langenberg bei Ernzen zeugen ver- kohlte Eichenholzbalken von einer Brandkatastrophe. Aus Hessen kennt man die Befestigungen auf dem Bleibeskopf bei Bad Homburg35 (Hochtaunuskreis), dem Glauberg bei Glauburg36 (Wetteraukreis) und dem Haimberg bei Haimbach37 (Kreis Fulda).

Zeichnung auf Seite 39: Die eindrucksvolle Befestigung Heunischenburg auf dem Wolfsberg bei Gehülz (Kreis Kronach) in Bayern wurde an der ungeschützten Flanke durch eine Steinmauer mit Torgasse und an Steilhängen nur durch eine hölzerne Palisade geschützt. Zeichnung von Friederike Hilscher-Ehlert, Königswinter, für das Buch » Deutschland in der Bronzezeit « (1996) von Ernst Probst

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf dem Glauberg umgab der entlang des Randes verlaufende Wall eine Fläche von etwa 20 Hektar. Der Wall besteht aus einer von innen leicht ansteigenden Erdrampe, die an der Außenfront durch eine Trockenmauer aus Basaltsteinen gehalten wird. Bei Grabungen auf dem Glauberg und dem Haimberg stieß man auf Steinfundamente von Häusern.

Aus Thüringen sind die beiden Befestigungen auf den Gleichbergen bei Römhild38 (Kreis Meiningen) bekannt. Davon ist vermutlich diejenige auf dem Großen Gleichberg die ältere und jene auf dem Kleinen Gleichberg (Steinsburg genannt) die jüngere. Der Schutz der Befestigung auf dem Großen Gleich- berg bestand aus einer 2,50 Meter breiten Mauer (»Rentmauer«), deren einstige Höhe sich nicht mehr ermitteln lässt. Bei dieser Mauer handelte es sich um eine zyklopische Fassade mit großen Basaltblöcken, die mit Geröll hinterschüttet und innen durch Pfosten abgestützt wurde. Die Befestigung auf dem Kleinen Gleichberg war vermutlich von einer Ringmauer aus aufgeschichteten Basaltsteinen umgeben. Manche der befestigten Höhensiedlungen wurden durch Feuersbrünste zerstört. Das war bei den Be- festigungen Buigen bei Herbrechtingen und auf dem Burgberg nahe Burkheim in Baden-Württemberg, bei der Heunischenburg auf dem Wolfsberg in Bayern und auf dem Langenberg bei Ernzen in Rheinland-Pfalz der Fall.

Zur Inneneinrichtung der Häuser auf dem Bogenberg bei Bogen gehörten runde zwei- und einschichtige Backherdplatten mit Wulstrand aus Lehm. Ein schadhaft gewordener Backherd wurde dicht mit Scherben belegt und durch einen zweiten Lehmestrich erneuert.

[...]


1 Die Zusammenstellung dieser Ubersicht uber die Verbreitung und Zeitdauer von Kulturen der Spat- bronzezeit entstand mit Hilfe der Prahistoriker Fried­rich Laux vom Hamburger Museum fur Archaologie, Hamburg-Harburg, Berthold Schmidt vom Landes- museum fur Vorgeschichte, Halle/Saale, und Rolf Breddin vom Brandenburgischen Landesmuseum fur Ur- und Fruhgeschichte, Potsdam.

1 Die Gliederung der Urnenfelder-Zeit in drei Stufen (erste Stufe: spate Hugelgraber-Bronzezeit [Bronzezeit D] und fruhe Urnenfelder-Zeit [Hallstatt A 1, zweite Stufe: mittlere Urnenfelder-Zeit [Hallstatt A 2 bis B 1, dritte Stufe: spate Urnenfelder-Zeit [Hallstatt B 2/3 wurde erstmals 1988 von den Prahistorikern Beate Grimmer-Dehn aus Freiburg/Breisgau, Patrice Brun aus Paris und Walter Torbrugge (1923—1994) aus Regensburg vertreten.

2 In Eching wurde vom 26. August bis zum 3. Okto- ber 1980 vor einer Industriebebauung durch das Lan- desamt fur Denkmalpflege eine Rettungsgrabung durchgefuhrt. Dabei hat man das Dorf Eching 1 ent- deckt. 1983 wurde das Dorf Eching 2 durch das Lan- desamt fur Denkmalpflege ausgegraben.

3 Die Flachlandsiedlung von Dietfurt wurde 1979 durch den Prahistoriker Bernd Engelhardt aus Lands- hut entdeckt und noch im selben Jahr teilweise aus- gegraben.

4 Die Hausgrundrisse von Riesloch-Pflaumloch ka- men 1989 beim Bau des neuen Sportplatzes zum Vor- schein.

5 Die Siedlung von Kunzing wurde 1958 bis 1966 bei Ausgrabungen im Bereich des romischen Kastells Quintana freigelegt.

6 Die Flachlandsiedlung von Enzweiler bei Idar- Oberstein wurde 1958 durch den Prahistoriker Lothar Kilian aus Trier ausgegraben.

7 Die Seeufersiedlung von Hagnau-Burg wurde im Februar 1866 durch den Konstanzer Domanenver- walter und Ritter des Zahringer Lowenordens, Alex­ander Walter (1817—1887), entdeckt, dessen Funde seit 1870 in dem damals gegrundeten Rosgarten-Museum in Konstanz deponiert sind. 1933 wurde die Seeufer­siedlung in wilden Grabungen durchwuhlt. 1950 hat man Teile der Siedlung zur Uferauffullung verwendet. 1984 und 1986 erfolgten mehrwochige Tauchsondie- rungen des Landesdenkmalamtes.

8 Die Seeufersiedlung von Konstanz-Langenrain (Woll- matingen) wurde 1882 von dem Apotheker, Stadtrat, Natur- und Heimatforscher sowie Prahistoriker Ludwig Leiner (1830—1901) aus Konstanz entdeckt. Er hat 1870 das Rosgarten-Museum in Konstanz gegrundet.

9 Die Seeufersiedlung von SuBenmuhle wurde bereits im 19. Jahrhundert entdeckt. Die spatbronzezeitlichen Funde, die ein Taucher beim Verlegen der Saugleitung fur die Bodenseewasserversorgung gefunden haben will, sind bis heute noch nicht verifiziert.

10 In Unteruhldingen wurde 1864 ein Pfahlfeld ost- lich des Hafens entdeckt. Anhand von Luftbildern und Erkundungen unter Wasser hat man 1980 erstmals zahlreiche Palisadensysteme festgestellt, die mindestens drei, in unterschiedlichen Bauphasen angelegte Sied- lungsareale erfassen.

11 Der Fundort der Inselsiedlung von Sackingen ge- hort seit 1830 durch Abdammung des nordlichen Rheinarmes zum Festland. Die urnenfelderzeitlichen Siedlungsfunde von dort wurden im Laufe von etlichen Jahrzehnten geborgen und 1958 publiziert.

12 Auf der Roseninsel im Starnberger See wurden seit 1850 bei Bauarbeiten fur das konigliche Kasino und bei Schurfungen durch verschiedene Privatleute Funde geborgen. 1864 glaubte der schweizerische Geologe und Naturforscher Edouard Desor (1811—1882) aus Neuen- burg, Uberreste von Pfahlbauten auf der Roseninsel entdeckt zu haben. Von 1864 bis 1874 fuhrten Moritz Wagner (1813—1887), Konservator der ethnologischen Sammlung des Staates in Munchen, und spater Sigmund von Schab (1817—1887), Landrichter aus Starnberg, um- fangreiche Grabungen durch. 1895 unternahm die Pra- historische Staatssammlung Grabungen und 1915 Prinz Ferdinand Maria von Bayern (1884-1958). 1943 und 1944 wurden auf dem umgebenden Seegrund an der Sud- und Ostseite der Insel GefaBscherben gefunden.

13 Die Inselsiedlung im Altmuhltal bei Kelheim wurde im Zuge der Kanalgrabungen 1976 entdeckt und bis 1981 von Bernd Engelhardt (s. Anm. 3) untersucht.

14 Im August/September 1936 wurden bei Meliora- tionsarbeiten auf einer ehemaligen Rheininsel von GroB-

Rohrheim Scherben aus einer Siedlung und ein Grab aus der Urnenfelder-Zeit freigelegt.

15 Der Schuldirektor Karl Sebastian Gutmann (1854­1932) aus Breisach sah 1916 durch GefaBreste und Herd- stellen auf dem Burgberg bei Burkheim seine Annahme bestatigt, dass sich dort eine Befestigung befand.

16 Auf dem Dreifaltigkeitsberg bei Spaichingen wurden in der ersten Halfte dieses Jahrhunderts verschiedene kleine Sondagen durchgefuhrt, die nicht genau zu lokalisieren und deren Funde meist verschollen sind. 1958 fuhrte der Stadtarchivar Rudolf Strobel (1910— 1972) aus Schwenningen am Neckar eine groBere Untersuchung durch.

17 Die Befestigung Runder Berg bei Urach wurde 1967 bis 1974 von dem Heidelberger Prahistoriker Vladimir Milojcic (1918—1978) ausgegraben.

18 Auf dem Zargenbuckel bei Aschhausen-Schontal haben 1914 der damals an der Altertumersammlung in Stuttgart tatige Prahistoriker Gerhard Bersu (1889— 1964) und 1968 der Prahistoriker Hartwig Zurn aus Stuttgart gegraben.

19 Auf dem Lemberg bei Stuttgart-Weil im Dorf hat der damals als Altertumsforscher an der Stadtsamm- lung in Stuttgart tatige Peter GoeBler (1872—1956) ge- graben.

20 Auf dem Katzensteig bei Mergenthau hat 1967 der Heimatpfleger fur den Landkreis Augsburg, Otto Schneider aus Augsburg, gegraben.

21 Auf dem Stadtberg von Neuburg hat der Ober- lehrer und Heimatpfleger des damaligen Landkreises Neuburg an der Donau, Michael Eckstein (1903—1987), von August bis Oktober 1963 eine Ausgrabung durchgefuhrt.

22 Die befestigte Hohensiedlung auf dem Statteberg bei Unterhausen wurde 1951 — nach mehreren Schur- fungen — durch den damals in Marburg wirkenden Prahistoriker Wolfgang Dehn freigelegt.

23 Die befestigte Hohensiedlung GroBe Birg bei Kochel wurde 1911 durch den Grabungstechniker Josef Maurer (1866—1936) aus Munchen ausgegraben.

24 Auf dem Bogenberg bei Bogen fuhrte 1950/51 der damals in Straubing arbeitende Prahistoriker Hans- Jurgen Hundt (1909—1990) Grabungen durch. 1995 begann der Regensburger Archaologe Alfred Reichen- berger mit Grabungen.

25 Auf dem Schlossberg bei Kallmunz sollen 1917 Reste von Hausgrundrissen innerhalb des Innenwalles zum Vorschein gekommen sein. 1957 nahm der Re- gensburger Prahistoriker Armin Stroh im Innen- und im AuBenwall eine Sondage vor.

26 Die Gelbe Burg bei Dittenheim wurde zwischen 1908 und 1911 sowie 1921 von dem Obermedizinal- rat, Bezirksarzt und Heimatforscher Heinrich Eidam (1849—1934) aus Gunzenhausen untersucht. Er hat den Verein fur Alter tumsfreunde (heute Verein fur Heimatkunde) gegrundet und das Heimatmuseum in Gunzenhausen eingerichtet. 1925 gruben Heinrich Eidam und der damals in Frankfurt/Main arbeitende Prahistoriker Gerhard Bersu auf der Gelben Burg. 1968 und 1970 nahm der damals in Nurnberg arbeitende Prahistoriker Fritz-Rudolf Herrmann eine Untersu- chung vor.

27 Auf dem Hesselberg bei Wassertrudingen fuhrte 1907 der Archaologe Friedrich Hertlein (1865—1929) aus Heidenheim an der Brenz Ausgrabungen durch. Der damals in Mainz arbeitende Prahistoriker Paul Reinecke (1872—1958) beschrieb 1907 Funde vom Hesselberg und fugte in den darauffolgenden Jahren nach eigenen Gra- bungen erganzende Bemerkungen hinzu. 1936 bis 1942 nahm der Gymnasiallehrer Hermann Hornung (1885— 1969) aus Erlangen Untersuchungen vor. Er war von 1936 bis 1945 Obmann und Grabungsleiter der Natur- historischen Gesellschaft Nurnberg Nach dem Zweiten Weltkrieg sichtete der Prahistoriker Christian Pescheck zusammen mit seiner Frau den herumliegenden Inhalt der von Amerikanern zerstorten Grabungshutte Hor- nungs. Beide sammelten die aufhebungswurdigen Objekte, transportierten sie zu FuB mit einem kleinen Anhanger zu ihrem Notquartier in Obermogersheim und uberlieBen sie dann zustandigkeitshalber der Prahistorischen Staatssammlung in Munchen.

28 Die Befestigung auf der Ehrenburg bei Schlaif- hausen wird seit 1987 durch den Prahistoriker Bjorn- Uwe Abels aus Bamberg untersucht.

29 Die Befestigung Heunischenburg auf dem Wolfs- berg bei Gehulz wurde 1983 bis 1987 durch Bjorn-Uwe Abels (s. Anm. 28) ausgegraben.

30 Die Erforschung des Bullenheimer Berges bei Bullenheim reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zuruck. Von Amateur-Archaologen wurden im 20. Jahrhundert bis 1981 zwolf Depots entdeckt. Das zwolfte Depot umfasst 65 Bronzeobjekte (darunter 30 Phaleren und 29 Schaukelringe). Dieses Depot wurde vom Bayerischen Landesamt fur Denkmalpflege, Zweigstelle Wurzburg, und dem Seminar fur Vor- und Fruhgeschichte der Universitat Wurzburg geborgen. 1983 und 1984 nahm der Wurzburger Prahistoriker Georg Diemer (1954—1988) Ausgrabungen vor.

31 Auf dem GroBen Knetzberg wurden seit 1962 Oberflachenfunde geborgen. 1986 wurde der Wall an der Sudspitze untersucht.

32 Im Fruhjahr 1946 und im Herbst 1953 fallten heftige Sturme auf dem GroBen Stiefel bei Sankt Ingbert zahlreiche Baume, die mit ihrem Wurzelwerk Erdreich hochrissen, dieses um ihren einstigen Standort auf- lockerten und Krater hinterlieBen. Damals barg der Heimatforscher Robert Seyler (1922—1987) aus Dud- weiler/Saar Scherben, Steingerate und Werkzeugbruch- stucke.

33 Auf dem Dommelberg bei Koblenz hat 1936 der damals in Bonn arbeitende Prahistoriker Karl Heinz Wagner (1907—1944) gegraben.

34 Auf dem Langenberg bei Ernzen entdeckten im Fruhjahr 1966 Mitarbeiter des Sportflugplatzes Hols- thum Reste eines flachen Befestigungswalles. 1967 erfolgten eine Probeuntersuchung durch den Prahi­storiker Siegfried Gollub (1915—1983) aus Trier und 1969 eine Grabung.

35 Auf dem Bleibeskopf bei Bad Homburg hat 1909/ 10 der Architekt und Baurat Christian Ludwig Thomas (1848—1913) aus Frankfurt/Main gegraben.

36 Auf dem Glauberg bei Glauburg fuhrte 1933 bis 1939 der Geologe und Prahistoriker Heinrich Richter (1895—1970) aus GieBen Grabungen durch.

37 Auf dem Haimberg bei Haimbach wurde 1900 und 1928 gegraben.

38 Auf dem GroBen Gleichberg ist von 1858 bis 1968 durch den Abbau von Balsalt viel zerstort worden. Die »Rentmauer« auf dem GroBen Gleichberg wurde 1904 durch den Berliner Prahistoriker Alfred Gotze (1865— 1948) und 1978 bis 1980 durch den Weimarer Pra­historiker Bernd W Bahn untersucht. Auf dem Kleinen Gleichberg (Steinsburg) hat Gotze 1900 mit Unter- suchungen begonnen. 1929 grundete er das Steins- burgmuseum in Romhild, in dem die Funde von den Gleichbergen aufbewahrt werden.

Details

Seiten
540
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656051473
ISBN (Buch)
9783656051169
Dateigröße
14.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181796
Note
Schlagworte
Bronzezeit Spätbronzezeit Archäologie Urnenfelder-Kultur nordische Bronzezeit Lausitzer Kultur Lüneburger Gruppe Stader Gruppe Allermündungs-Gruppe Niederrheinische Grabhügel-Kultur Ems-Hunte-Gruppe Unstrut-Gruppe Helmsdorfer Gruppe Saalemündungs-Gruppe

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Titel: Deutschland in der Spätbronzezeit