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Muster und Trends im Verhandlungsprozess zwischen der VR China und Taiwan

Masterarbeit 2010 93 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1 EINLEITUNG

2 STAND DER FORSCHUNG
2.1 Spieltheoretische Ansätze
2.2 Theorien politischer Denkschulen
2.3 Praktiker-Verfahren

3 THEORETISCHER RAHMEN
3.1 Vorstellung des theoretischen Ansatzes
3.1.ISchlüsselbegriffe
3.1.2 Faktoren
3.1.3 Phasen
3.2 Kritik

4 DER VERHANDLUNGSPROZESS ZWISCHEN DER VR CHINA UND TAIWAN
4.1 Erste Untersuchungsphase: 1991 - 1995
4.1.1 Die Ausgangsposition Taiwans
4.1.2 Die Ausgangsposition der VR China
4.1.3 Die Beijing-Gespräche
4.1.4 Der Konsens von 1992
4.1.5 Die Wang-Koo-Gespräche
4.1.6 Die „Acht Punkte “ Jiang Zemins und die „Sechs Punkte “ Lee Teng-huis
4.1.7 Fazit.
4.2 Zweite Untersuchungsphase: 1998 - 1999
4.2.1 Die Ausgangsposition Taiwans
4.2.2 Die Ausgangsposition der VR China
4.2.3 Die zweiten Wang-Koo-Gespräche
4.2.4 Fazit
4.3 Dritte Untersuchungsphase: 2008 - heute
4.3.1 Die Ausgangsposition Taiwans
4.3.2 Die Ausgangsposition der VR China
4.3.3Die Chen-Chiang-Gespräche
4.3.3.1 Erste Verhandlungsrunde - Beijing
4.3.3.2 Zweite Verhandlungsrunde - Taipei
4.3.3.3 Dritte Verhandlungsrunde - Nanjing
4.3.3.4 Vierte Verhandlungsrunde - Taichung
4.3.4 Fazit.

5 ZUSAMMENFASSUNG

6 LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

Das komplizierte und zeitweise äußerst angespannte Verhältnis zwischen der Volks­republik China und der Republik China auf Taiwan1 mit seinen zahlreichen Dimensio­nen wie z. B. die durch die innen- und außenpolitischen, die wirtschaftlichen bis hin zu den kulturellen Aspekten der gemeinsamen Geschichte definierten Spannungsfelder in den Interaktionen beider Parteien, um an dieser Stelle nur einige der wichtigsten zu nennen, wird in einer breit gefächerten und umfangreichen Literatur thematisiert. Als Beispiele für die oben genannten Kategorien können zum einen Bestimmungsfaktoren im innenpolitischen Leben auf der jeweiligen Seite, welche die politische Haltung ge­genüber der anderen Seite maßgeblich beeinflussen, genannt werden; zum anderen ist auch die direkte oder indirekte Rolle außenstehender Akteure relevant. In der Volksre­publik werden in diesem Zusammenhang Mitglieder der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), die eine Verbesserung ihrer Machtposition vis-a-vis der obersten Par­teiführung bezwecken, oder aber Mitglieder der Volksbefreiungsarmee (VBA), die sich eine großzügigere Ressourcenzuteilung von einer solchen Strategie versprechen, ge- nannt.2 Auf Taiwan wird wiederum die Suche nach einer geeigneten, d.h. die Wahrung der sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Interessen der Insel gewährleistenden China-Politik, welche ihrerseits zwischen einer formalen staatlichen Souveränität und einer weitgehenden Annäherung an die Volksrepublik mit dem expliziten Verzicht auf eine Unabhängigkeitserklärung pendelt, als derjenige Faktor definiert, der das politi­sche und nicht zuletzt wirtschaftliche Leben dominiert. Das Einwirken außenstehender Akteure, hauptsächlich der USA im Rahmen eines Versuchs, ihre relativ zu China schwächer werdende Position in Südostasien zu verbessern und somit ihr Einflussge­biet vor einem neuen lokalen Hegemon zu schützen, auf diese Konstellation, stellt schließlich eine weitere Determinante für die Verschiebungen im wechselseitigen Ver­hältnis dar.

Der wirtschaftliche Aspekt wird einerseits durch die vielfältigen Verflechtungen und Abhängigkeitsverhältnisse zwischen den beiden Volkswirtschaften, andererseits durch die daraus resultierenden sicherheitspolitischen Risiken vor allem für Taiwan als die relativ schwächere Seite bestimmt. Die immer lauter werdenden Bedenken in Be­zug auf die Schaffung einer gemeinsamen Wirtschaftszone, das Economic Cooperati­on Framework Agreement (ECFA), sind der aktuellste Anlass für das Wiederaufflam­men der Debatte über eine Unterwanderung der taiwanischen Wirtschaft durch festlän­dische Unternehmen und die daraus entstehenden Risiken für die Unabhängigkeit und Überlebensfähigkeit Taiwans als ein de facto souveränes und eigenständiges Staatsge- bilde.3 Die Verhandlungen über eine Kooperation beim Bau eines Flugzeugs für die zi­vile Luftfahrt zwischen der taiwanischen Luft- und Raumfahrtgesellschaft Aerospace Industrial Development Corporation (AIDC), die mit der Entwicklung eines taiwani- schen Jagdflugzeugs beauftragt ist, und ihrem Gegenstück auf dem Festland, China Commercial Aircraft Company (COMAC) haben die Bedenken der Kritiker einer In­tensivierung der wirtschaftlichen Beziehungen mit dem Festland nur weiter verstärkt.4 Dieser tendenziell negativen Auslegung der Folgen sich verdichtender ökonomischer Interdependenzen zwischen der VR China und Taiwan stehen die Chancen gegenüber, die eine intensivere Kooperation mit sich bringen würde. Im Kontext der derzeitigen Weltwirtschaftskrise rücken solche Erwägungen umso mehr in den Vordergrund, zu­mal die Vorteile der bisherigen Zusammenarbeit für beide Seiten nicht von der Hand zu weisen sind.

Was die kulturellen Aspekte im Hinblick auf die gemeinsame Geschichte anbelangt, kann festgehalten werden, dass sie sich einerseits auf die friedliche Annäherung und Kooperation zwischen der Volksrepublik und Taiwan durchaus positiv auswirken und diese begünstigen können. Wenn wiederum das Erstarken eines chinesischen Nationa­lismus auf dem Festland, der seinen Ausdruck nicht nur in der Prosperität und der An­hebung des internationalen Status Chinas findet, sondern vor allem die vollständige Wiederherstellung der territorialen Integrität Chinas beinhaltet, deren Verlust als ein Überbleibsel aus einer Zeit innerer Schwäche und Zerrissenheit wahrgenommen wird, der Herausbildung einer relativ neuen taiwanischen Identität, welche sich aus dem Aufstieg der Republik China als Industrienation und gleichzeitig dem erfolgreichen Aufbau einer lebendigen und für andere asiatische Nationen als beispielhaft geltenden Demokratie speist, gegenübergestellt wird, so ist es nicht verwunderlich, das die Span­nung zwischen beiden Seiten der Taiwan-Straße auch eben durch diese kulturelle Ge­meinsamkeiten mehr genährt, denn abgeschwächt wird.

Das Ergebnis dieser sicherheitspolitisch, wirtschaftlich und historisch-kulturell be­gründeten Spannungsverhältnissen ist ein fragiles und äußerst empfindliches Gleichge­wicht, dessen Störung ein erhebliches Konfliktpotenzial in sich birgt. Die Auswirkun­gen einer Verschiebung eben dieses Gleichgewichts werden jedoch sehr unterschied­lich eingeschätzt. Auf der einen Seite befinden sich die Vertreter der Position, dass die Konflikt- oder gar Kriegsgefahr zwischen Taiwan und der Volksrepublik deutlich un­terschätzt wird. John F. Copper geht sogar soweit zu prognostizieren, dass aufgrund der innenpolitischen Lage in der VR China und den USA; und der im Text nicht weiter definierten „Natur“ der internationalen Beziehungen, das zukünftige Verhältnis dieser Großmächte eher von Antagonismus und Feindseligkeit geprägt sein und Taiwan die Rolle eines „Stolpersteins“ zukommen wird.5 Die Gründe, die hierfür am häufigsten herangeführt werden, lauten wie folgt: Erstens, der bereits angesprochene Nationalis­mus auf dem Festland besitzt eine völlig neue Qualität im Vergleich zum Nationalis­mus in der Mao-Ära.6 Laut Friedman geht dieser neuartige Nationalismus einerseits aus dem Vorwurf nationalistischen Gedankenguts hervor, das vor 1978 nicht in der Lage gewesen sei, „die Interessen des chinesischen Volkes ausreichend zu schützen“, und andererseits aus der Desillusionierung kompromissbereiter oder moderater Kräfte innerhalb der chinesischen Führung hinsichtlich der Motive und Ziele der China-Poli­tik anderer Nationen, vorwiegend der USA.7 Diese fußen ihrerseits wiederum auf dem Aufkommen der „China Threat“-Theorie im Westen und der in Folge empfundenen Notwendigkeit einer Eindämmungspolitik vis-a-vis China.

Zweitens, wird die Modernisierung der chinesischen Streitkräfte und ihre Ausrich­tung auf eine verbesserte Machtprojektion außerhalb der Grenzen Chinas und eine asymmetrische Kriegsführung als eine direkte Gefahr für Taiwan gedeutet. In seiner Analyse des chinesischen und taiwanischen Militärs geht z.B. Bernard D. Cole davon aus, dass der Ausgang eines bewaffneten Konfliktes zwischen ihnen ausschließlich von Luftwaffe und Marine entschieden werden würde - zwei Domänen, in denen die Volksbefreiungsarmee aufgrund ihrer gezielten Bemühungen und den seit Anfang der 90er Jahre rapide steigenden Militärausgaben inzwischen die Oberhand gewonnen ha­ben dürfte.8 Für Alex Liebman gelten die militärischen Modernisierungsmaßnahmen Chinas an erster Stelle Taiwan und sind hauptsächlich als Teil einer Abschreckungs­strategie zu deuten, welche die Volksrepublik angesichts der Gefahr einer möglichen formalen Unabhängigkeitserklärung seitens Taiwan verfolgt.9 Diese taiwanbezogene Aufrüstung auf dem Festland, die gleichzeitig mit einer Verschiebung des militärischen Gleichgewichts in der Taiwan-Straße verbunden sind, kollidiert zwangsläufig mit den U.S.-amerikanischen Interessen in der südostasiatischen Region und könnte zu einem Konflikt zwischen ihnen führen, in den auch weitere Staaten, vor allem Japan, aber auch Südkorea und Australien in ihrer Funktion als wichtigste Verbündete der USA in der Region, verwickelt werden könnten.10

Drittens wird die Erstarkung einer taiwanischen Identität als ein wesentlicher Faktor für die schrittweise Entfernung beider Seiten voneinander und ihren Antagonismus verantwortlich gemacht.11 Auf sie wird der seit Ende der 90er steigende Einfluss der Demokratischen Fortschrittspartei zurückgeführt, der seinerseits Beijing über die Ge- fahr einer formellen Abspaltung Taiwans alarmiert und dadurch ein Wettrüsten in der Taiwan-Straße ausgelöst hat.12

Auf der anderen Seite lassen sich diese Indikatoren eines bewaffneten Konflikts in der Taiwan-Straße auch in gegenläufiger Weise deuten. Zheng Yongnian führt die Ent­stehung von sogenannter „Anti-China“-Theorien auf ein fundamentales Missverständ­nis des chinesischen Nationalismus im Westen, vor allem in den USA, zurück, das den Aufstieg der Volksrepublik als ein Risiko für die Stabilität und somit den Frieden des internationalen Systems in seiner jetzigen Form erscheinen lässt.13 Aus seiner Sicht entspringt der neue Nationalismus in China nicht zuletzt der Notwendigkeit einer alter­nativen Staatsideologie, die im Angesicht der an Bedeutung verlierenden Marxismus­Leninismus und des Maoismus den Zusammenhalt der Nation sichern und eine stabile Grundlage für die Legitimität des alleinigen Führungsanspruchs der KPCh liefern soll.14 Die falsche Auslegung der Ursachen und Charakteristika des neuen chinesischen Nationalismus und die daraus resultierende Kritik an ihn im Westen lösen ihrerseits eine Art Abwehrreaktion aus, die zu einer Verstärkung seiner Funktion als Gegenpol zu den etablierten, der Volksrepublik ihren als gerecht empfundenen Platz auf der in­ternationalen Bühne verwehrenden Hegemonialmächte, führt.

Im Hinblick auf die Modernisierung der Streitkräfte und die potenzielle Gefahr, die sie für Taiwan darstellen soll, lässt sich die Fixierung auf die Taiwan-Frage und die angeblich damit verbundene hohe Wahrscheinlichkeit eines bewaffneten Konflikts zwischen der VRCh und den USA als das wichtigste Motiv für die militärische Aufrüs­tung auf dem Festland nicht gänzlich nachvollziehen. Erstens, ist China, ähnlich wie Taiwan oder Japan, auf Rohstofflieferungen aus dem Ausland für die Deckung seines stetig ansteigenden Energiebedarfs und die Aufrechterhaltung des Wirtschaftswachs­tums angewiesen. Erdöl ist mit einem Anteil 20% die zweitwichtigste Ressource im chinesischen Energiemix, und ca. 80% dieses Erdöls gelangen nach China über die Straße von Malakka.15 Laut Frank Umbach benutzen die chinesischen Streitkräfte be­reits seit Ende der 80er Jahre die hohe Energieabhängigkeit vom Persischen Golf als Vorwand für die forcierte Modernisierung der eigenen Flotte, „deren Operationen sich zukünftig keineswegs nur auf das Südchinesische Meer und die Straße von Taiwan be­schränken sollen.“16 Drittens, stellt eine moderne VBA einen wichtigen Pfeiler bei der Aufwertung und Verbesserung des chinesischen CNP-Index, der sich neben der militä­rischen Komponente aus der ökonomischen Stärke, Wissenschaft und Technologie, Bildung und Ressourcen zusammensetzt.17 Somit muss der militärische Aufbau in Chi­na nicht unbedingt als eine „chinesische Bedrohung“ für Stabilität und Frieden in der Region oder gar ausschließlich Taiwan gelten. Er ist vielmehr als Teil einer umfassen­den geopolitischen Strategie zur Verbesserung des oben genannten Index zu verste- hen.18

Viertens, die kulturelle Nähe und tiefe wirtschaftliche Verflechtungen zwischen den beiden chinesischen Staaten machen einen bewaffneten Konflikt zwischen ihnen äu­ßerst unwahrscheinlich, wenn nicht gänzlich ausgeschlossen, denn die Kosten für beide Seiten wären untragbar - die Volksrepublik würde die Erfolge der letzten 30 Jahre Ent­wicklung und Fortschritt auf Spiel setzten, und die ökonomischen und eventuellen mi­litärischen Schäden hätten katastrophale Folgen für Taiwan. Laut Chao Chien-min werden einerseits konvergierende Werte- und Glaubenssysteme auf beiden Seite der Taiwan-Straße die bestehenden Feindseligkeiten aushöhlen und schließlich zu einer politischen Annäherung zwischen ihnen führen.19 Desweiteren wird die ökonomische Integration zwischen ihnen spill-over-Effekte in anderen Bereichen der gegenseitigen Beziehungen hervorrufen und eine integrated community entstehen lassen.20

Diese Ambivalenz in der Interpretation der sino-taiwanischen Beziehungen, bzw. deren Richtung, zwischen wahrgenommener Konflikt- oder Kriegsgefahr und dem gra­duellen Zusammenwachsen zu einer weitgehend integrierten kulturellen, wirtschaftli­chen und nicht zuletzt partiell politischen Einheit, lässt sich nur sehr schwer entschär­fen. Das Bestehen eines alle anderen Aspekte der bilateralen Beziehungen beeinflus­senden Konflikts bezüglich des politischen Status der Insel im Verhältnis zum Festland und in der internationalen Gemeinschaft, dessen Relevanz sich weit über die Taiwan­Straße hinaus erstreckt, ist der kleinste gemeinsame Nenner in der Wahrnehmung eines polarisierten Beziehungsgeflechts. Wie jeder andere Konflikt, kann auch dieser unter­schiedliche Entwicklungsrichtungen nehmen, d.h. Gewalt oder Kooperation, abhängig von den einzelnen Handlungen der jeweiligen Akteure oder von der Einmischung einer konfliktexternen Drittpartei. Als konfliktbegrenzend kann eine Handlung bezeichnet werden, die den weiteren Verlauf einer Auseinandersetzung so beeinflusst, dass Ge­waltanwendung als Mittel zur Erreichung einer Konfliktlösung zugunsten friedlicher Verhandlungen immer unwahrscheinlicher wird und an Bedeutung verliert.21 Im Allge­meinen können Verhandlungen im Sinne eines Mediationsinstruments als die erste Phase begriffen werden, in der direkte Interaktionen zwischen den Parteien stattfinden und deren Ergebnisse den weiteren Verlauf dieser Interaktionen maßgeblich beeinflus­sen können.

Die möglichst objektive Darstellung und Analyse der Interaktionen zwischen den in ei­nem Konflikt involvierten Parteien auf unterschiedlichen Gebieten ihrer Beziehungen ist somit unerlässlich für das Identifizieren sich abzeichnender Entwicklungstendenzen und für das weitere Verständnis dieser Trends.

Daraus leitet sich die erkenntnisleitende Fragestellung dieser Arbeit ab, die da lau­tet: Haben die bisherigen Verhandlungsabläufe und -ergebnisse zwischen der VR Chi­na und Taiwan in Bezug auf die Frage nach dem politischen Status der Insel und deren Beziehungen zum Festland die Ausgangspositionen beider Kontrahenten im untersu­chungsrelevanten Zeitraum so verändert, dass ein Prozess der kognitiven Evolution ausgemacht werden kann?

Als untersuchungsrelevanter Zeitraum wird die Zeit von 1991 bis heute angesetzt. Die Auswahl von 1991 als Anfangsjahr des Untersuchungszeitraums begründet sich mit der damaligen Initiierung erster Vorbereitungen für eine Wiederaufnahme der sino- taiwanischen Gespräche. Zu diesen vorbereitenden Maßnahmen zählen z.B. die Zu­sammenlegung vom State Council Taiwan Affairs Office (SCTAO) und dem Central Committee Taiwan Affairs Office (CCTAO) oder die drei Empfehlungen des Vorsit­zenden des CCTAO bezüglich der Taiwan-Politik der Zentralregierung in Beijing.22 Für die weitere Analyse wird dieser Zeitraum in drei Phasen unterteilt, entsprechend der Verhandlungsrunden zwischen Beijing und Taipei. Die erste Phase beginnt 1991 und endet 1995 mit der Reise Lee Teng-huis nach Cornell, die zweite umfasst die Jahre 1998 und 1999, und die letzte wird von 2008 bis heute angesetzt.

Die konkreten Ausprägungen der Ausgangspositionen beider Parteien werden später im Rahmen der jeweiligen Untersuchungsphase herausgearbeitet. Eine Änderung die­ser Positionen kann entweder in Richtung einer intensiveren Kooperation gehen, was durch das Zustandekommen entsprechender Abkommen als Verhandlungsergebnisse markiert wird, oder durch Antagonismus gekennzeichnet sein, wenn der Verhandlungs­prozess einseitig abgebrochen wird.

Bei der Untersuchung dieser Frage wird wie folgt vorgegangen werden: In einem ersten Schritt wird ein kurzer Überblick über die grundlegenden Verhandlungstheorien gegeben. Diese werden in drei Hauptkategorien unterteilt: spieltheoretische Ansätze, Theorien politischer Denkschulen und „Praktier“-Ansätze. Dabei soll es sich nicht um eine bloße Auflistung dieser Ansätze einschließlich ihrer wichtigsten Merkmalen han­deln, sondern Ziel soll es sein, ihre wesentlichen Kritikpunkte aufzuzeigen. Darüber hinaus wird der Forschungsstand in der Literatur bezüglich der Verhandlungsprozesse zwischen der VR China und Taiwan resümiert.

Als nächster Teil wird der gewählte theoretische Ansatz ausführlich vorgestellt und seine Vor- und Nachteile für die Bearbeitung des Untersuchungsgegenstands diskutiert. Zu diesem Zweck werden seine einzelnen Bestandteile systematisch aufgearbeitet, in­dem jeweils eine Definition und kurze Charakterisierung dargeboten wird.

Drittens, wird der ausgesuchte theoretische Ansatz auf den Untersuchungsgegen­stand - den Verhandlungsprozess zwischen der VR China und Taiwan - in den jeweili­gen Phasen und unter Berücksichtigung der erkenntnisleitenden Fragestellung ange­wendet. Innerhalb der einzelnen Untersuchungsphasen werden Verhandlungssetting und -ablauf mithilfe einer Aufspaltung in Akteure, Faktoren und Ergebnisse des Ver­handlungsprozesses analysiert. Abschließend werden die Teilergebnisse zusammenge­fasst, um daraus mögliche Trends in Richtung einer kognitiven Evolution im Verhand­lungsprozess zwischen den beiden Parteien abzulesen.

2 Stand der Forschung

Bei den Verhandlungs- und Konfliktbearbeitungstheorien kann eine Unterscheidung nach spieltheoretischen Ansätzen, Ansätzen politischer Denkschulen und „Praktiker“- Verfahren vorgenommen werden. Im Folgenden werden diese drei Felder vorgestellt, damit der für die Behandlung des Verhandlungsprozesses zwischen der VR China und Taiwan ausgewählte Ansatz, den Strange zurecht als durchaus „idiosynkratisch“ be­zeichnet,23 innerhalb eines breiteren wissenschaftlichen Kontext etablierter Theorien gestellt werden kann. Dadurch soll eine klare Verortung im theoretischen Korpus er­reicht werden. Darüber hinaus wird der Verhandlungsprozess zwischen der VR China und Taiwan unter Berücksichtigung der erkenntnisleitenden Fragestellung mit ihnen in Zusammenhang gebracht.

2.1 Spieltheoretische Ansätze

Die Spieltheorie stellt eine mathematisch-wissenschaftliche Disziplin dar, die ihre Bekanntheit heutzutage vor allem ihrer Erforschung und Anwendung in wirtschafts­ wissenschaftlichen Modellen und in der Entscheidungstheorie zu verdanken hat. Gleichzeitig hat sie aber auch in andere wissenschaftliche Felder, wie der Soziologie, der Philosophie und der Politikwissenschaft Einzug gehalten.24 Als heuristisches Werk­zeug befasst sie sich „mit solchen Situationen, in denen die Erwartungen über das Ver­halten eines Gegners das eigene Verhalten und das des Gegners beeinflussen.“25

Ziel ist es nicht, an dieser Stelle einen lückenlosen Überblick über alle Formen und Ausprägungen der Spieltheorie zu schaffen. Sie wird jedoch häufig bei der Untersu­chung von Verhandlungsprozessen angewendet und die bilateralen Beziehungen zwi­schen der VR China und Taiwan stellen keine Ausnahme dar.

Wu Hemao, bekannt als der „Vater der Spieltheorie auf Taiwan“, charakterisiert die Situation in der Taiwan-Straße als ein Nullsummenspiel, das sich jedoch durch geziel­te Maßnahmen, die eben die Ursachen für diesen Charakter des Spiels berücksichtigen, in eine win-win-Situation verwandeln lässt.26 Schneider führt weitere Beispiele für die Anwendungen spieltheoretischer Ansätze bei der Untersuchung der Beziehungen in der Taiwan-Straße an. So unterteilen die von ihm aufgeführten Autoren die Phasen der bi­lateralen Beziehungen anhand der unterschiedlichen Spielarten, die sie definiert haben und diskutieren überwiegend die politischen Folgen der jeweils gewählten Spielstrate- gie.27 Lü Xiaowei bietet eine systematische Erweiterung dieser Beiträge, indem er sich die Arbeit von Martin zunutze macht und die von ihr vorgeschlagenen vier Spielarten auf die Taiwan-Frage anwendet: Kollaborationsspiele (collaboration games), Überzeu­gungsspiele (suasion games), Koordinationsspiele (coordination games) und Versiche­rungsspiele (assurance games), wobei Lü die Koordinations- und Versicherungsspiele unter dem Begriff der kooperativen Spiele zusammenfasst.28

2.2 Theorien politischer Denkschulen

Dieses Feld bietet eine Fülle an theoretischen Ansätzen, die sich nach Krell grund­sätzlich in drei Kategorien unterteilen lassen: epistemologisch geprägte Theorien, die auf der subjektiven Wahrnehmung und Interpretation objektiver Sachverhalte basieren, wie der Positivismus, Rationalismus oder Konstruktivismus; die Ontologie des inter­nationalen Systems betonende Ansätze, wie Realismus, Institutionalismus oder Libera­lismus, die als ihren Forschungsgegenstand dessen tatsächliche Beschaffenheit ange­ben; normative Theorien, wie die politische Philosophie oder das Völkerrecht, die einen entsprechenden Soll-Zustand des internationalen Systems als ihren Ausgangs­punkt wählen.29 An dieser Stelle werden zwei Haupttheorien der Internationalen Bezie­hungen behandelt: der (Neo)-Realismus und der Konstruktivismus. Unter den Prämis­sen der ersten Theorie erübrigt sich die Untersuchung von Verhandlungen als Lernpro­zesse, da diese im Realismus keine wesentliche Rolle spielen. Im Konstruktivismus hingegen führen zwischenstaatliche Interaktion, also auch Verhandlungen, eben zu sol­chen Lernprozessen, die ihrerseits Akteure zur Einnahme einer kooperativen oder ant­agonistischen Haltung veranlassen können.

Der Realismus ist vordergründig durch das Konzept der Macht als zentraler theore­tischer Bestandteil geprägt. Während diese im klassischen Realismus einem natürli­chen menschlichen Trieb entspringt, wird sie im Neorealismus auf die anarchische Struktur des internationalen Systems zurückgeführt, in dem jeder Staat auf sich alleine gestellt ist und für seine eigene Sicherheit Sorge zu tragen hat.30 Aus realistischer Per­spektive kann Kooperation zwischen zwei oder mehreren Staaten nur dann zustande kommen, wenn einerseits Sanktionsmöglichkeiten vorhanden sind und andererseits die Kooperation für alle Parteien vorteilhaft ist, ohne gleichzeitig eine von ihnen relativ besser zu stellen.31 Somit verengt sich Kooperation im Realismus, egal ob in seiner klassischen oder modernen Lesart, zu einem Macht- und Nutzenkalkül, das sich haupt­sächlich mit dem Sicherheitsbedürfnis von Staaten beschäftigt. Deswegen würde eine unter seinen Prämissen durchgeführte Untersuchung des Verhandlungsprozesses zwi­schen der VR China und Taiwan zu keinen neuen oder substanziellen Erkenntnissen über die ihm zugrunde liegenden Kausalmechanismen führen, vor allem wenn zusätz­lich die weitgehende Irrelevanz von Lernprozessen im Realismus berücksichtigt wird.

Der Konstruktivismus hingegen basiert zum einen auf den Wechselwirkungen „zwi­schen kollektivem sozialen Handeln und sozialen Strukturen.“32 Hierbei geht es um die relative Stabilität auf Grundlage durch soziales Handeln geschaffener Tatsachen, die dann als feste und nur schwer veränderliche Elemente einer sozialen Realität wahrge­nommen werden. Zum anderen wird Ideen einen deutlich höherer Stellenwert beige­messen als in anderen Theorien, denn durch sie können kulturelle Faktoren ins soziale Handeln hineingebracht und interpretiert werden.

Die konstruktivistische Theorie kann generell in vier Spielarten unterteilt werden: Sozialkonstruktivismus (die Präferenzen einzelner Staaten werden durch ihre im Rah­men zwischenstaatlicher Interaktionen herausgebildete Identität maßgeblich beein­flusst), Kommunikationskonstruktivismus (Kommunikation im internationalen System als Brückenkopf zur Vertiefung von Kooperation), Völkerrechtskonstuktivismus (Kon­zentration auf die Rolle von Normen und Normwandel für die Funktionsfähigkeit der internationalen Gemeinschaft) und Informationskonstruktivismus (Lernen im Sinne ei­ner durch neues Wissen geänderten Präferenzordnung kann die Kooperationsbereit­schaft im Internationalen System erhöhen).33 Das untersuchungsrelevante Element ist vor allem im Kommunikations- und Informationskonstruktivismus angesiedelt, denn Lernprozesse kommen hier am deutlichsten zur Geltung. Im konstruktivistischen Sinne wird Lernen wie folgt definiert:

„Lernen oder kognitive Evolution meint in der Sprache des Konstruktivismus die Aneignung einer neuen Interpretation der Wirklichkeit. Es ist ein kreativer Prozess, der die Fähigkeit und die Motivation erhöht, Alternativen zu vorherr- sehenden Interpretationen zu entwickeln und auf dieser Grundlage Präferenzen und Interessen umzudefinieren.“34

Durch die Betonung von Lernprozessen und ihre Bedeutung für die Kooperations­bereitschaft von Staaten bieten konstruktivistische Ansätze geeignete Anhaltspunkte für die Untersuchung von Verhandlungsprozessen vor dem Hintergrund der Konflikt­bewältigung. Eine strikte analytische Fixierung auf sie würde jedoch wichtige Kompo­nenten von Verhandlungen unberücksichtigt lassen und somit kein vollständiges Bild liefern.

2.3 Praktiker-Verfahren

Die hier als Praktiker-Verfahren bezeichneten Ansätze basieren auf einer Mischung aus mathematischen Modellen, die sich jedoch keiner spieltheoretischen Elementen bedienen, sondern vielmehr bei dem mathematischen Ausdruck von Verhandlungspro­zessen verbleiben, ohne einen in sich schlüssigen Lösungsweg zu liefern; hinzu kom­men unterschiedliche Konstellationen von Theorien der Internationalen Beziehungen, überwiegend Realismus und Konstruktivismus, und den praktischen Erfahrungswerten ihrer Autoren, welche diese während ihres Berufslebens zu sammeln in der Lage wa- ren.35 Als Vertreter dieser Ansätze können hier, neben L. N. Rangarajan, auch Arthur Lall und in geringerem Maße James A. Wall, Jr. Genannt werden.36 Die Vorteile dieser Praktiker-Ansätze liegen vor allem in der Breite der abgedeckten Aspekte eines Ver­handlungsprozesses. In seiner durchaus kritischen Rezension von Rangarajans Theorie nennt Peterson die Miteinbeziehung von Faktoren wie Zeit und Erinnerung, die „übli­cherweise keine Beachtung in der gängigen Literatur über Verhandlungstheorien fin­den“ als wichtiger Beitrag zum bestehenden theoretischen Korpus.37 Gleichzeitig aber verortet man gerade hier der Hauptkritikpunkt solcher Arbeiten: während sie versu­chen ein möglichst breites Spektrum relevanter Faktoren abzudecken und die analyti­schen Bestandteile ihrer Theorien unter Zuhilfenahme zahlreicher praktischer Fallstu­dien herauszudestillieren, versäumen sie es die Zusammenhänge zwischen diesen Be­standteilen klar auszuarbeiten. Dieser Kritikpunkt findet sich nicht nur bei Peterson, sondern auch bei Hill in seiner Rezension zu Lalls „Modern International Negotiation: Principles and Practice“.38

Was die Forschung bezüglich der Beziehungen zwischen der VR China und Taiwan angeht, so macht laut Schneider die deskriptive Analyse des China-Taiwan-Konflikts den größten Teil der Forschungsarbeit aus, wobei sie von ihm in vier Kategorien einge­teilt wird: „militärische, ökonomische, politische und wirtschaftspolitische Analysen.“39 Militärische oder konfliktbetonte Studien spielen vor allem verschiedene Konfrontationsszenarien durch, nicht selten unter Miteinbeziehung der USA als ver­meintlicher Sicherheitsgarant in der gesamten ostasiatischen Region.40 Desweiteren be­sitzen solche Werke einen mehr journalistischen als wissenschaftlich fundierten Cha­rakter. Ökonomische Studien befassen sich im Allgemeinen mit den möglichen Aus­wirkungen wirtschaftlicher Interaktionen zwischen beiden Seiten der Taiwan-Straße vor allem auf Taiwan. Während eine Gruppe von Autoren eine Gefahr in der Vertie­fung der wirtschaftlichen Beziehungen sieht, betonen andere den gegenseitigen Nut­zen, namentlich die möglichen Synergieeffekte zwischen den beiden Volkswirtschaf­ten und die tendenzielle Entkopplung von wirtschaftlichen und politischen Fragen.41 Politisch konnotierte Studien hingegen gehen überwiegend auf die mögliche Entwick­lung der Beziehungen zwischen den Regierungen auf dem Festland und Taiwan ein und versuchen dabei die Richtung auszumachen, in die eine Lösung der Taiwan-Frage gehen könnte. Zhao und Sun diskutieren beispielsweise die Vor- und Nachteile einer Konföderation als die geeignetste Form eines politischen Zusammenschlusses Taiwans und Chinas42 Wirtschaftspolitische Studien befassen sich hauptsächlich mit der Diskre­panz zwischen wirtschaftlicher Kooperation und politischem Antagonismus in den bi­lateralen Beziehungen. So verweist Chao z.B. auf das Fehlen einer gemeinsamen poli­tischen Kultur, trotz der intensiven wirtschaftlichen Kontakten und den damit verbun­denen Verhandlungen auf Regierungsebene.43 Zhao und Tong führen eine Analyse der möglichen Auswirkungen des aktuellen Economic Cooperation Framework Agreement (ECFA) durch und weisen auf die Möglichkeiten einer dauerhaften und stabilen Nor­malisierung der Beziehungen auf der politischen Ebene hin, während Kastner die hohe Intensität wirtschaftlicher Interaktionen bei gleichzeitiger politischer Rivalität auf die Einbindung beider Volkswirtschaften in globalisierten Wirtschaftsstrukturen zurück­führt und darin eine Erklärung für diesen vermeintlichen Widerspruch findet44

Trotz ihres Faktenreichtums und empirischer Fundierung, betrachten solche Studien nicht den Verhandlungsprozess zwischen China und Taiwan an sich, sondern aus­schließlich die Ergebnisse, die aus diesen Verhandlungen hervorgehen und stellen die­se in den breiteren Kontext der bilateralen Beziehungen. Studien chinesischer und tai- wanischer Autoren versuchen diese Lücke zu schließen. Dabei findet sich relativ häu­fig das Konzept der asymmetrischen Verhandlungen, vor allem in den Arbeiten taiwa- nischer Wissenschaftler.45 Bei der Konstruktion einer asymmetrischen Struktur in der Beziehungen zwischen dem Festland und Taiwan, zieht Wang Zhengxu fünf Hauptva­riablen und ihren Wechselwirkungen heran - die internationale Umgebung und ihr Einfluss in der Taiwan-Straße, Interaktionen auf der politischen Ebene, Austausch auf der Nichtregierungsebene, die gemeinsame Geschichte und Kultur vor dem Hinter­grund deren divergierender Wahrnehmung und die jeweiligen politischen und wirt­schaftlichen Entwicklungen.46 Laut He Huiqing handelt es sich bei den zahlreichen In­teraktionen zwischen der KPCh und der Guomindang (GMD) in der Vergangenheit um asymmetrische Verhandlungen, die eine identische oder zumindest sehr ähnliche Struktur wie aktuelle Verhandlungsprozesse aufweisen.47 Als Ursachen dieser Asym­metrie führt der Autor folgende Faktoren an: Territorium, Bevölkerungsgröße, sich veränderndes militärisches Kräftegleichgewicht und die daraus resultierende Möglich­keit zur Ausübung militärischen Drucks und Beeinflussung des Verhandlungsprozes- ses.48 In einem weiteren Schritt wird versucht, eine aus taiwanischer Sicht nutzenmaxi­mierende Strategie zu entwickeln, die diese Bedingungen berücksichtigt.

3 Theoretischer Rahmen

Der in dieser Arbeit angewendete Ansatz richtet sich hauptsächlich nach der bereits erwähnten Verhandlungstheorie von Rangarajan. Im Folgenden werden die für die Be­arbeitung der Fragestellung notwendigen Komponenten dieser Theorie vorgestellt und ihre Themenrelevanz herausgearbeitet. In einem ersten Schritt werden die Schlüsselbe­griffe definiert, die das Grundgerüst der Theorie bilden. Des Weiteren werden die für den Ablauf eines Verhandlungsprozesses relevanten Faktoren ausgearbeitet und in Re­lation zu den allgemeinen Verhandlungsphasen gesetzt. An dieser Stelle muss ange­merkt werden, dass die hier vorgenommene Zerlegung der Theorie in die oben vorge­schlagenen Komponenten in dieser Form kein theorieeigener Bestandteil ist. Durch sie wird vielmehr versucht, die Anwendbarkeit des theoretischen Rahmens auf den kon­kreten Fall und vor dem Hintergrund der erkenntnisleitenden Fragestellung, zu verbes­sern.

Abschließend werden die im vorhergehenden Kapitel nur knapp angeschnittenen Kritikpunkte weiter ausgeführt und auf ihre Relevanz für die Untersuchung der Ver­handlungen zwischen der VR China und Taiwan im Hinblick auf die Herausbildung ei­nes Lernprozesses überprüft.

3.1 Vorstellung des theoretischen Ansatzes

Der Ansatz Rangarajans basiert grundsätzlich auf der Untersuchung zweier Erschei­nungen im internationalen Staatensystem - einerseits Konflikte zwischen Staaten und ihre Ursachen, und andererseits die Verhandlungsprozesse, durch welche Staaten ver­suchen solche Konflikte entweder gänzlich zu überwinden oder zumindest in einem als ausreichend wahrgenommenen Maße zu entschärfen. Bei diesen Verhandlungen geht es dann primär nicht um den Nutzen, den Staaten aus ihnen ziehen könnten, sondern um die Unzufriedenheit, die sogar nach als erfolgreich abgeschlossen empfundenen Verhandlungen immer noch bestehen bleibt.49 Hierbei fungiert das so zustande gekom­mene Unzufriedenheitsresiduum als eine Erweiterung des Nutzenkonzepts um den Teil des Verhandlungsergebnisses, der unter realen Bedingungen unerreicht bleibt und eine perfekte Lösung ausschließt.

Als Verhandlung wird ein Prozess definiert, der sich über einen bestimmten Zeit­raum erstreckt und mindestens zwei (Verhandlungs-)Parteien einschließt. In ihm sind keine Sanktionsmaßnahmen oder gar Gewalt gleich welcher Form als Verhandlungsin­strumente enthalten, da diese eine Steigerung der Unzufriedenheit der Partei, auf die sie angewendet werden, nicht berücksichtigen.50 Unter Sanktionen werden Handlungen verstanden, die eine der Verhandlungsparteien unter Zwang agieren lassen, indem ihr Handlungsalternativen von der anderen Seite versperrt werden. Als Gewalt werden Handlungen definiert, die einen physischen Angriff auf eine der Verhandlungsparteien, die Verursachung oder Förderung von gewaltsamen Unruhen, oder einen Krieg zwi­schen den Parteien verursachen.51

Ziel eines Verhandlungsprozesses ist die Erreichung einer gemeinsamen Position in Bezug auf einen oder mehrere Konfliktpunkte, wodurch die davor herrschenden Unzu­friedenheit und/oder Verletzbarkeit erheblich reduziert werden sollen. Dieses Ziel kann einerseits durch ein Übereinkommen zwischen den Verhandlungsparteien erreicht wer­den, oder aber der Prozess wird vorzeitig abgebrochen, ohne eine substanzielle Ent­spannung bewirkt zu haben.52

Die Asymmetrie in der Verhandlungsstärke und somit im Verhandlungsprozess selbst wird vor allem auf den ungleichen Informationsstand der Verhandlungsparteien zurückgeführt, d.h. die bestehende Unsicherheit über die Kosten, welche die Gegensei­te auf sich zu nehmen gewillt ist, um ihr Verhandlungsziel zu erreichen, die Bereit­schaft, zur Verfügung stehende Druckmittel einzusetzen, sowie über die Verfügbarkeit solcher Mittel. Dies führt zu den Schlüsselbegriffen der Theorie, nämlich Unzufrieden­heit, Verletzbarkeit und Unsicherheit.

3.1.1 Schlüsselbegriffe

Der erste wichtige Schlüsselbegriff in Rangarajans Theorie ist die Unzufriedenheit. Zum einen ist sie der Auslöser von Verhandlungen, denn Staaten nehmen diese auf, um die unter ihnen bestehende Unzufriedenheit zu überwinden. Zweitens stellt sie eine Er­weiterung des Nutzenkonzepts dar und eignet sich somit besser zur Beschreibung und Analyse von Verhandlungsprozessen als nutzendominierte Theorien wie z. B. die Spieltheorie oder wirtschaftswissenschaftlich dominierte Ansätze.53

Wenn die Verhandlungsparteien der Auffassung sind, dass die Erzielung eines Übereinkommens ihnen einen höheren Nutzen bringt, als der Wettbewerb zwischen ih­nen, so wird die Durchführung einer integrativen Verhandlung wahrscheinlicher. De­ren wichtigstes Merkmal ist die Annahme, dass nach einem erfolgreichen Abschluss alle Verhandlungsparteien besser gestellt sein werden, als vorher.54 Dies bedeutet je­doch, dass keine der Parteien den Verhandlungsprozess als ein Null-Summen-Spiel betrachten darf.

Lewicki, Barry und Saunders definieren drei Arten von gemeinsamen Zielen, wel­che die Entwicklung solcher Verhandlungen begünstigen oder gar auslösen können: erstens, sind identische Ziele (common goals) vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sie von allen potenziellen Verhandlungsparteien in gleichem Maße geteilt oder verfolgt werden; zweitens, wird der erzielte Nutzen bei der Erreichung geteilter Ziele (shared goals) in irgendeiner, von den Verhandlungsparteien als angemessen betrachtete Form unter ihnen aufgeteilt; drittens, führt die Verfolgung eines integrativen Ziels (joint goals) zur Zusammenschließung einzelner Verhandlungsparteien mit an sich unter­schiedlichen Zielen, die sich aber durch ihre Zusammenarbeit schneller oder leichter erreichen lassen.55

Eine derartige Interpretation von Nutzen in Verhandlungen stellt eine wesentliche Erweiterung des eng gefassten Nutzenkonzepts aus der Spieltheorie dar. Die differen­zierte Betrachtung von unterschiedlichen Zielarten erleichtert ihre Verbindung mit der Unzufriedenheit als der Ausgangspunkt von Verhandlungen, da sie ihre kooperative, konfliktmildernde Wirkung betont.

Unter Unzufriedenheit werden zum einen als Ungleichheit verursachende, unge­recht, oder schlichtweg unfair wahrgenommene Beziehungsmuster zwischen zwei oder mehr Parteien verstanden. Desweiteren kann das von mindestens einer Partei ange­nommene Fehlen eines gemeinsam erreichbaren Ziels zur Entstehung oder Verstär­kung von Unzufriedenheit führen.56 Wichtige Charakteristika von Unzufriedenheit sind: erstens, die völlig subjektive Wahrnehmung und Einschätzung der Unzufrieden­heit der Gegenseite durch jede der Verhandlungsparteien; zweitens, sie kann unter kei­nen Umständen restlos beseitigt werden, d.h. es bleibt immer ein Unzufriedenheitsresi­duum, dessen Behandlung im Rahmen des Verhandlungsprozesses von wesentlicher Bedeutung für den Erfolg ist; drittens, dieses Unzufriedenheitsresiduum wird automa­tisch zum Gegenstand oder Element zukünftiger Verhandlungen; viertens, die Ergrei­fung von Gewaltmaßnahmen gegen eine Verhandlungspartei wird als eine extreme Ausprägung von Unzufriedenheit definiert.57

Das Gefühl der Verletzbarkeit entsteht durch die Wahrnehmung einer stark ausge­prägten Abhängigkeitsverhältnisses, in dem eine Partei die relativ größeren Nachteile erleiden müsste, sollte dieses Verhältnis manipuliert, missbraucht oder beendet wer­den.58 Der Begriff wird einerseits durch seine Rolle als Ergänzung zur Unzufriedenheit und Ableitung aus der fundamentalen Kritik an der Spieltheorie, sie unterstelle allen Teilnehmern im Spiel vollkommene Rationalität, bestimmt. Laut Rangarajan weist je­doch jeder Verhandlungsprozess sowohl rationale, als auch irrationale Handlungen auf, die mit psychologischen Konzepten deutlich besser abgebildet und erklärt werden kön­nen, als mit mathematischen, wie das Nutzenkonzept. Deswegen wird sie als das auf der psychologischen Ebene angesiedelte Gegenstück zur Unzufriedenheit verstanden.59 Außerdem kann sie, wenn nicht ausreichend behandelt, gewaltsame Auseinanderset­zungen zur Folge haben. Letztlich wird nicht näher definiert, welche Ausprägungen die Verletzbarkeit annehmen soll. Deswegen wird im Folgenden angenommen, das sie sich auf den militärischen, ökonomischen als auch politischen Ebenen Beziehungen zweier Verhandlungsparteien auswirken kann.

Die Unsicherheit im Verhandlungsprozess bezieht sich auf die unterschiedliche Wahrnehmung identischer Sachverhalte durch die Verhandlungsparteien. Rangarajan führt diese in Unsicherheit mündende Wahrnehmungsdivergenz auf sprachliche Schwierigkeiten, unterschiedliche Kompetenz bezüglich der Verhandlungsgegenstände und fehlerhafte Interpretation von Handlungen, Aussagen und Abläufe im Verhand­lungsprozess und deren subjektive Deutung zurück.60

Sie wird mit den beiden vorangegangenen Begriffen verknüpft, indem die Auswir­kungen von Handlungen und Strategien, die der Reduzierung von Unsicherheit dienen, auf Unzufriedenheit und Verletzbarkeit untersucht werden. Diese auf den Aufbau ge­genseitigen Vertrauens abzielende Handlungen und Strategien sind zum einen die in­tensivierte Kommunikation zwischen den Verhandlungsparteien, die Reduzierung der Anzahl der Verhandlungsrunden auf einige wenige, die dann in einem festgelegten Rhythmus stattfinden sollen, und die Verbesserung der Verhandlungsfähigkeiten der Teilnehmer in diesen Runden.61 Zum anderen zeichnet sich die Unsicherheit, genau wie die Unzufriedenheit und Verletzbarkeit, durch einen nicht zu eliminierenden Restwert, der unabhängig vom Verhandlungsergebnis bestehen bleibt, aus.62

3.1.2 Faktoren

Die hier als Faktoren bezeichneten Bestandteile des theoretischen Ansatzes bilden einerseits den Rahmen, in dem sich der Verhandlungsprozess im allgemeinen abspielt und andererseits beeinflussen sie diesen erheblich. Genauso wie die oben diskutierten Schlüsselbegriffe sind sie in der Theorie nicht als solche gekennzeichnet, werden hier aber wiederum so aufgearbeitet, dass sie systematisch auf einen konkreten Fall ange­wendet werden können.

Der erste Faktor in einem Verhandlungsprozess ist die bereits kurz erwähnte Wahr­nehmung. Hierbei handelt es sich vor allem um die unterschiedliche Interpretation ob­jektiv identischer Sachverhalte. Dieses Phänomen wird entweder auf die eigenen Er­wartungen einer der Verhandlungsparteien bezüglich des Verhaltens ihrer Gegenpartei, oder auf die Verzerrung von Wahrnehmung durch die subjektive Beurteilung eines Sachverhalts zurückgeführt. Rangarajan bietet eine Reihe von empirischen Beweisen aus den internationalen Beziehungen und aus der Medienlandschaft in ausgesuchten Ländern.63

Der zweite Faktor definiert die Grenzen, in denen sich ein Verhandlungsprozess ab­spielt und wird als Umwelt zusammengefasst. Sie definiert den Verhandlungsraum, der seinerseits die Verhandlungsdimensionen umfasst.64 Diese können mit den einzelnen Verhandlungsgegenständen gleichgesetzt werden.

Die Umwelt eines Verhandlungsprozesses weist folgende Charakteristika auf: ers­tens, sie bildet die Arena, in der sich der gesamte Verhandlungsprozess abspielt, d.h. sie gibt den Teilnehmern vor, worüber verhandelt wird; zweitens, sie beeinflusst die Art wie verhandelt wird, indem sie bestimmte Handlungen, wie z. B als überzogen wahrgenommene Forderungen, von vornherein aus dem Verhandlungsprozess aus­schließt und dadurch die Grenzen des Machbaren vorgibt.65

[...]


1 Um vorgreifende Wertungen zu vermeiden und ein gewisses Maß an sprachlicher „Neutralität“ zu gewährleisten, werden im Folgenden beiede Kontrahenten durch ihre offiziellen Namen bezeichnnet, obwohl die VR China die Bezeichnung Republik China nicht anerkennt und ausschliesslich die Be­zeichnung Taiwan verwendet. Vgl. dazu Copper, John F. (1999): The Origins of Conflict Across The Taiwan Strait, in: Zhao Suisheng [Hrsg.]: Across the Taiwan Strait-Mainland China, Taiwan, and the 1995 - 1996 Crisis,Routledge, S. 67.

2 Vgl. dazu Cabestan, Jean-Pierre (2009): Taiwan: An Internal Affair! How China's Domestic Politics and Foreign Policy Interact on the Taiwan Issue?, in: East Asia 1, S. 10. Cabestan nennt konkret Qiao Shi, Li Peng, Li Ruihuan und Liu Huaqing als die Gegenspieler Jiang Zemins,die die Taiwan - Frage als Druckmittel gegen Jiang ausnutzen und seine Taiwan - Politik 1995 als viel zu „weich“ ab­tun, wodurch sie seine Stellung in der Partei destabilisieren und ihn zu Zugeständnissen in Fragen die nicht unbedingt direkt mit Taiwan in Verbindung gebracht werden können bewegen wollen.

3 Vgl. dazu Chung Li-hua (2009): FEATURE: Academics dread long-term impact of ECFA, URL: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2009/06/15/2003446230. Zugriff am 23. 08. 2009, 12:42 Uhr.

4 Vgl. dazu Hsiao Russel L. C. (2009): Taiwan's State - Owned Aerospace Firm to Build Aircrafts in China: Risks and Opportunities, in: China Brief, Nr. 14, S.1- 2.

5 Vgl. dazu Copper, John F. (2006): Playing with Fire: The Looming War with China over Taiwan, Westport, S. 237.

6 Vgl.dazu Friedman, Edward (1999): The Prospects of a Larger War: Chinese Nationalism and the Taiwan Strait Conflict, in Zhao Suisheng [Hrsg.]: Across the Taiwan Strait-Mainland China, Tai­wan, and the 1995 - 1996 Crisis,Routledge, S. 243, eigene Übersetzung.

7 Vgl.dazu Friedman (1999), S. 243.

8 Vgl. dazu Cole, Bernard D. (2006): Taiwan's Security: History and Prospects, Routledge, S. 50 - 51.

9 Vgl. dazu Liebman, Alex (2007): China's Asia Policy: Strategy and Tactics, in: Swaine, Michael D., Yang, andrew N. D., Medeiro, Evan S. und Mastro, Oriana Skylar [Hrsg.]: Assessing the Threat: The Chinese Military and Taiwan's Security, Washington, S. 25.

10 Vgl. dazu Carpenter, Ted Galen (2005): America's Coming War with China: A Collision Course over Taiwan, New York, S. 147.

11 Vgl. dazu Rigger, Shelley (1997): Competing conceptions of Taiwan's Identity: The irresolvable conflict cross - strait relations, in: Journal of Contemporary China 15, S. 309.

12 Vgl. dazu Horowitz, Shale/Tan, Alexander C. (2007): Rising China versus Estranged Taiwan, in: Horowitz, Shale/Heo, Uk/Tan, Alexander C. [Hrsg.]: Identity and Change in East Asian Conflicts - The Cases of China, Taiwan, and the Koreas, New York, S. 115

13 Vgl. dazu Zheng Yongnian (1999): Discovering Chinese Nationalism in China: Modernization, Iden­tity, and International Relations, Cambridge, S. 2.

14 Ibid.

15 Vgl. dazu Wiümann, Katrin (2006): Umweltzerstörungen und Energiesicherheit als Herausforderung für die chinesische Politik, in: China special, Sonderdruck aus Anlass der Reise der Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Volksrepublik China vom 22. bis 23. Mai 2006, Hamburg, S. 63.

16 Vgl dazu Umbach, Frank: Chinas Energiepolitik: Globale Dimensionen und Auswirkungen. URL: http://www.internationalepolitik.de/ip/archiv/jahrgang2001/januar01/chinas-energiepolitik—globale- dimensionen-und-auswirkungen.html. Zugriff am 26. 10. 2009, 19:16 Uhr.

17 Vgl. dazu Kamphausen, Roy D./Liang Justin (2007): PLA Power Projection: Current Realities and Emerging Trends, in: Swaine, Michael D./Yang, Andrew N. D./Medeiro Evan S./Mastro, Oriana Skylar [Hrsg.]: Assessing the Threat: The Chinese Military and Taiwan's Security, Washington, S. 111. Beim CNP - Index, oder Comprehensive-National-Power - Index(chin.: Ш^ШЛ) handelt es sich um eine numerische Zusammenfassung von der materiellen Kraft, der Verbreitung landeseigener Ideen und Werte, und der Möglichkeit der Einflussnahme im internationalen System. Dieser Index wird als ein rein chinesisches Konzept betrachtet, das auf die Traktate über militärische Strategie von Sun Zi, Guan Zhong und Wu Zi aus der Zeit der Streitenden Reiche (475 - 221 v. Chr.) basieren soll und heute als Kennzahl für die Rangordnung der Mächte im internationalen System weiterentwickelt wird. Vgl. dazu http://www.fas.org/nuke/guide/china/doctrine/pills2/part08.htm, http://irchina.org/en/xueren/china/pdf/mhh3.pdf.

18 Ibid, S. 117.

19 Vgl. dazu Chao Chien-min, (2003): Will Economic Integration between Mainland China and Taiwan lead to Congenial Political Culture, in: Asian Survey 2, S. 281.

20 Ibid, eigene Hervorhebung.

21 Vgl. dazu Rangarajan, L. N., (1985): The Limitation of Conflict: A Theory of Bargaining and Nego­tiation, Beckenham, S. 4.

22 Vgl. dazu Swaine, Michael D (2001): Chinese Decsision - Making Regarding Taiwan, 1979 - 2000, in: Lampton, David [Hrsg.]: The Making of Chinese Foreign and Security Policy in the Era of Re­form, Stanford, S. 316.

23 Vgl. dazu Strange, Susan (1987): Review (untitled): The Limitation of Conflict: A Theory of Bar­gaining and Negotiation by L. N. Rangarajan, in: International Affairs (Royal Institute of Interna­tional Affairs 1944-) 63, S. 99.

24 Vgl. dazu Schlee, Walter (2004): Einführung in die Spieltheorie, Wiesbaden, S. 4.

25 Vgl. dazu Sieg, Gernot (2005): Spieltheorie, München, S. 2.

26 Vgl. dazu http://www.sciencenet.cn/htmlnews/200812116639221199840.html, Zugriff am 16. 07. 2009,14:33 Uhr

27 Vgl. dazu Schneider (2004), S. 23.

28 Vgl. dazu Lü Xiaowei (2008): Liangan guanxi zhong de boyilun tixian(Spieltheoretische Aspekte in den Beziehungen zwischen der VR China und Taiwan), in: Neimengu dian daxue kan 5, S. 10, Mar­tin, Lisa L. (1999): Interests, Power, and Multilaterism, in: International Organization 4, S. 765 - 792. Bei Martin ist das Kollaborationsspiel identisch mit dem Gefangenendilemma (ein Nash - Gleichgewicht), das Koordinationsspiel bezieht sich auf die gemeinsame Nutzung begrenzter Ressourcen, mit Versicherungsspiel ist die Hirschjagd gemeint (zwei Nash - Gleichgewichte), und das Überzeugungsspiel ist mit dem Beitragsdilemma (Tragik der Allmende) gleichzusetzen.

29 Vgl. dazu Krell, Gert (2004a): Theorien in den Internationalen Beziehungen, in: Brand, Alexander/Knapp, Manfred/Krell, Gert [Hrsg.]: Einführung in die Internationale Politik: Studien­buch, 4. Aufl., München, S. 60.

30 Ibid,S. 63.

31 Vgl. dazu Arndt, Frank (2008): Tausch in Verhandlungen: Ein dynamisches Modell von Tauschpro­zessen, Wiesbaden, S. 147.

32 Vgl dazu Krell (2004a), S. 78 - 79.

33 Vgl. dazu Hasenclever, Andreas (2007/08): Vorlesungsmaterialien zu „Einführung in die Internatio­nalen Bezieuhngen“ - Konstruktivistische Ansätze I, Eberhard Karls Universität Tübingen,, S.7 - 10.

34 Vgl. dazu Krell, Gert (2004b): Weltbilder und Weltordnung. Einführung in die Theorie der Interna­tionalen Beziehungen, 3. Aufl., Baden - Baden, S. 363.

35 Z. B. war L. N. Rangarajan indischer Botschafter in Tunesien, und Arthur Lall indischer UN - Bot­schafter von 1954 bis 1959. Vgl. dazu Peterson, Walter J. (1986): Review on “The Limitation of Conflict: A Theory of Bargaining and Negotiation” by L. N. Rangarajan, in: The American Political Science Review 4, S. 1419, und Crossette, Barbara: Arthur Lall, 87, Indian Diplomat and Scholar. URL: http://www.nytimes.com/1998/09/21/world/arthur-lall-87-indian-diplomat-and-scholar.html, Zugriff am 06. 11. 2009, 13:24 Uhr.

36 Vgl. dazu Lall, Arthur (1966): Modern International Negotiation: Principles and Practice, New York, und Wall, James A, Jr. (1985): Negotiation: Theory and Practice, Glenview.

37 Vgl. dazu Peterson (1986), S. 1419. Eigene Übersetzung.

38 Vgl. dazu Hill, Norman L. (1967): Review on „Modern International Negotiation: Principles and Practice“ by Arthur Lall, in: Annals of the American Academy of Political and Social Science 370, S. 201 und Peterson (1986), S. 1420.

39 Vgl dazu: Schneider, Thomas (2004): Taiwan - China: eine konfliktbeladene Nachbarschaft. Die wirtschaftspolitischen Konsequenzen für Taiwan. Inaugural - Dissertation zur Erlangung des akade­mischen Grades eines Doktors der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Nürnberg.

40 Vgl. dazu Copper (2006), Cole (2006) oder Carpenter (2005), der sogar soweit geht, einen bewaff­neten Konflikt in der Taiwan - Straße zwischen China, Taiwan und den USA komplett durchzuspie­len. Schneider führt Beispiele an, die von einer nuklearen Auseinandersetzung ausgehen. Vgl dazu Schneider (2004), S. 24.

41 Vgl. dazu Clark, Cal (2007): Economic Integration between China and Taiwan: No Spillover into the Identity and Security Realms, in: Horowitz, ShaleHeo, Uk/Tan, Alexander C. [Hrsg.]: Identity and Change in East Asian Conflicts: The Cases of China, Taiwan, and the Koreas, Basingstoke, S. 71 - 90, Schneider (2004), S. 24,

42 Vgl. dazu Hong Zhaohui/Sun Yi (2004): Peace, Reunification, Democracy and Cross - Strait Relati­ons, in: Maryland Series in Contemporary Asian Studies 2, S.2 - 16.

43 Vgl. dazu Chao Chien-min, (2003): Will Economic Integration between Mainland China and Taiwan lead to Congenial Political Culture, in: Asian Survey 2, S. 280 - 304.

44 Vgl. dazu Zhao Hong/Tong, Sarah Y. (2009): Taiwan - Mainland Economic Cooperation Frame­work Agreement (ECFA): Implications for Cross - Strait Relations. EAI Background Brief No. 452. URL: www.eai.nus.edu.sg/BB452.pdf, Zugriff am 20. 07. 2009, 11:43 Uhr und Kastner, Scott L. (2009): Political Conflict and Economic Interdependence Across the Taiwan Strait and Beyond, St­anford, S. 7.

45 Vgl. dazu Wang Zhengxu (2000): Buduichen jiegou xia de duiying:lun 2000 nian yilai de liangan zhengzhi hudong (Alternativen zur asymmetrischen Struktur: Eine Diskussion der politischen Ak­tivitäten zwischen Taiwan und der VR China seit 2000), S. 118 - 134. URL: http://ct100.chihlee.e- du.tw/ezcatfiles/b012/img/img/107/paper1-01.doc. Zugriff am 13. 07. 2009, 19:14 Uhr, und He Huiqing, (2002): Buduicheng jiegou xia de liangan tanpan (Die asymmetrische Struktur der Ver­handlungen zwischen Taiwan und der VR China), in: Guojia fazhan yanjiu 6, S. 103 - 134.

46 Vgl. dazu Wang (2000), S.118 - 119.

47 Vgl. dazu He (2002), S. 105.

48 Ibid.

49 Vgl. dazu Rangarajan (1985), S. 8.

50 Ibid, S. 89.

51 Ibid, S. 89 - 90. Hingegen werden Gewalt- oder Sanktionsandrohungen nicht aus der Definition aus­geschlossen.

52 Vgl. dazu Rangarajan (1985) S. 90.

53 Ibid, S. 47.

54 Vgl. dazu Lewicki, Rov J./Barry, Bruce/Saunders, David M. (2007): Essentials of Negotiation, 4. Aufl., Boston [u. a.]., S. 77.

55 Vgl. dazu Lewicki, Roy J./Barry, Bruce/Saunders, David M. (2007): Essentials of Negotiation, 4. Aufl., Boston [u. a.]., S. 77.

56 Ibid, S. 90.

57 Ibid.

58 Rangarajan (1985), S. 45.

59 Ibid.

60 Ibid, S. 91. Leider werden diese Ursachen vom Autor als selbsterklärend betrachtet und nicht näher definiert. Desweiteren wird implizit angenommen, dass dies all die Quellen von Unsicherheit in ei­nem Verhandlungsprozess sind.

61 Ibid, S. 61, 63 und Wall (1985), S. 108 - 110.

62 Ibid.

63 Ibid, S. 57.

64 Ibid, S. 91.

65 Vgl. dazu Rangarajan(1985), S. 73. Der Autor bezeichnet solche Handlungen als „non - Starter“, schließt aber ihre Nutzung in realen Verhandlungen nicht aus, da sie dazu verwendet werden können,

Details

Seiten
93
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656050445
ISBN (Buch)
9783656235446
Dateigröße
916 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181743
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
2,0
Schlagworte
VR China Taiwan Verhandlung Trend Taiwan-Straße Ein-China-Prinzip Identitaet Wang-Koo-Gespraeche

Autor

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Titel: Muster und Trends im Verhandlungsprozess zwischen der VR China und Taiwan