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Die passende Beratung je nach Lebensalter

Hausarbeit 2011 12 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Beratungsrelevante Aspekte in verschiedenen Lebensabschnitten
2.1 Beratung im Kindes- und Jugendalter
2.2 Beratung im frühen und mittleren Erwachsenenalter
2.3 Beratung im hohen Alter

3 Schlussbemerkung

4 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das Leben eines Menschen ist geprägt von zahlreichen Herausforderungen und Gegebenheiten, die es zu bewältigen gilt. Im Laufe des Lebens folgt auf jeden zu Ende gegangenen Lebensabschnitt der nächste, wodurch sich der Mensch stets neu orientieren und anpassen sowie verschiedene Veränderungen meistern muss. Der ständige Begleiter auf diesem Lebensweg ist dabei das vielfältige Beratungsangebot, welches den Menschen bei Entscheidungen hilft, ihnen Hinweise und Ratschläge gibt und sie in schwierigen Situationen unterstützt. Neben den alltäglichen informellen Tipps und Anleitungen hat sich aber auch das professionelle Beratungsangebot enorm etabliert und differenziert. „So gibt es mittlerweile keinen Lebensabschnitt, der nicht von einem speziellen Beratungsangebot erfasst wird“ (Rausch 2008, in Rausch, Hinz, Wagner 2008, S. 145).

Genau dieses spezielle, auf die bestimmten Lebensabschnitte ausgerichtete, professionelle Beratungsangebot soll in dieser Arbeit näher beschrieben werden. Denn gerade die vielen Neuerungen und Umstrukturierungen, welche der Mensch im Lebenslauf durchmacht, führen oft zu vielen Orientierungsproblemen sowie zu Situationen der Hilflosigkeit, die der Unterstützung durch Beratung bedürfen. So werden im Laufe des Lebens erst verschiedene Fähigkeiten erworben, mit denen es umzugehen und die neuen Möglichkeiten zu lernen heißt, während am Ende des Lebens die Bewahrung der Funktion dieser Fähigkeiten sowie der produktive Umgang mit Verlusten im Vordergrund steht (vgl. Schildmann 2010, S. 15f.). Die wechselnden Statuspassagen, die ein Mensch während seines Lebens durchläuft, sind gekennzeichnet von zahlreichen Umbrüchen, die nicht immer reibungslos ablaufen. Diese Statuspassagen sind zum Beispiel jene „… von der Schule in den Beruf, von der Partnerschaft in die Ehe, von der Berufstätigkeit in Krankheit und via Rehabilitation wieder in die Berufstätigkeit oder in Arbeitslosigkeit, in Sozialhilfe bzw. von der Erwerbstätigkeit in die Rente“ (ebd., S. 16).

Mein Anliegen ist es darzustellen, wie die professionelle Beratung Hilfe und Unterstützung in den jeweiligen Lebensabschnitten sowie bei der damit verbundenen Bewältigung der altersabhängigen Statuspassagen leisten kann. Der chronologischen Reihenfolge des Lebenslaufes folgend möchte ich dabei nacheinander auf die spezielle Beratung beziehungsweise auf beratungsrelevante Aspekte in der Kindheit und Jugend, im frühen und mittleren Erwachsenenalter und schließlich im hohen Alter eingehen. Zum Schluss möchte ich noch einen kurzen Ausblick über die Möglichkeiten und Chancen der Beratung je nach Lebensalter geben und zudem meine eigene Meinung mit einfließen lassen.

2 Beratungsrelevante Aspekte in verschiedenen Lebensabschnitten

2.1 Beratung im Kindes- und Jugendalter

Beginnen wir mit einer kurzen Betrachtung der Lebenssituation in der Kindheit. Im Mittelpunkt stehen zunächst das Leben in der Familie sowie das Auskommen mit Eltern und (gegebenfalls) Geschwistern. Die erste Loslösung vom Elternhaus und dem Schutzraum der Familie findet für das Kind in der Regel mit dem Besuch des Kindergartens statt. Doch viel wichtiger ist der erste, wirklich große Übergang des Kindes vom Kindergarten in die Schule (vgl. Schildmann 2010, S. 18), da hier die ersten Herausforderungen, zum Beispiel in Form von selbstständigem Arbeiten oder Leistungsbewertung, auf das Kind zukommen. Somit nimmt die Schulzeit, neben der Situation im Elternhaus und der Freizeitgestaltung, eine der wichtigsten Rollen in der Kindheit ein. „… Kinder [geben] als wichtigste Aspekte des Glücklichseins eine gute Familienatmosphäre, Anerkennung, Lob, positive Schulerlebnisse, Freizeit, Freiraum und Freunde an“ (Rausch 2008, in Rausch, Hinz, Wagner 2008, S. 147). Darüber hinaus ist das Kindheitsalter geprägt von vielfältigen Entwicklungen, wie der körperlichen, sprachlichen und kognitiven Entwicklung sowie der Ausprägung des Sozialverhaltens.

Treten nun Probleme oder Störungen dieser Entwicklungen im Kindesalter auf, welche die Lebenssituation des Kindes in stärkerem Maße beeinträchtigen, so wird die professionelle Beratung notwendig. Die häufigsten Anlässe für Beratung in der Kindheit sind familiäre Probleme, schulische Probleme und Entwicklungsprobleme (vgl. ebd., S. 149f.). Bei der Beratung stellen sich jedoch auch Hindernisse in den Weg, die einen erfolgreichen Beratungsprozess erschweren. In der Kindheit bestehen diese Probleme hauptsächlich darin, dass die Eltern meist in das Beratungsgeschehen mit eingebunden werden müssen. Vor allem bei innerfamiliären Problemen, beispielsweise Erziehungsproblemen, müssen die Eltern dann viel Einsicht mitbringen und auch aus eigenem Antrieb die professionelle Beratung für ihre Kinder aufsuchen. Denn es ist wenig förderlich für den Beratungsprozess, wenn die Eltern mit ihren Kindern sozusagen zur Beratung geschickt werden, aber wenig Beratungsbereitschaft zeigen. Das gleiche gilt auch für die Kinder selbst. So müssen sie sich selber auf das Beratungsangebot z.B. durch Beratungslehrer oder Schulpsychologen einlassen, damit ihnen optimal geholfen werden kann (vgl. ebd., S. 149f.). Die professionelle Beratung geht gezielt dahin, das Kind bei seinem jeweiligen Problem zu unterstützen, wobei es immer wichtig ist – je nach Art der Störung – das jeweilige Umfeld des Kindes mit einzubeziehen, damit auch in diesem geholfen werden kann und Eltern, Lehrer oder Mitschüler für das Problem sensibilisiert werden. Auf diese Weise kann man die Problembelastungen für das Kind mindern. „Voraussetzung dafür ist das offene Gespräch, das von fachkundiger Kompetenz der Berater und der erforderlichen Sensibilität für die unterschiedlichen Probleme, die Kinder belasten können, getragen wird“ (vgl. Rausch 2006, zitiert nach Rausch 2008, in Rausch, Hinz, Wagner 2008, S. 152).

Auch in der Jugend treten wieder zahlreiche Veränderungen auf. Diese finden auf körperlicher, kognitiver und sozialer Ebene statt und können wie im Kindesalter wieder zu Problemen führen, die nicht selbst gelöst werden können, wodurch professionelle Beratung erforderlich wird. „Diese Vielfalt [an Entwicklungen und Veränderungen, d. Verf.] kann von den Jugendlichen in einer angemessenen Form bewältigt werden oder in verschiedenen Bereichen unter Umständen auch eine krisenhafte Entwicklung einleiten“ (Rausch 2008, in Rausch, Hinz, Wagner 2008, S. 153). Nicht nur die, durch die Pubertät verursachten körperlichen Entwicklungen, führen bei Jugendlichen immer wieder zu Problemsituationen, sondern auch Anerkennung bzw. Ablehnung unter Gleichaltrigen, Gruppenzugehörigkeit, Partnerwahl, Zusammenleben im Elternhaus oder die Möglichkeit einer Berufsausbildung stellen für die Heranwachsenden oft nur schwer alleine zu meisternde Herausforderungen dar (vgl. ebd., S. 146). Beim Beratungsprozess Jugendlicher kann man als besonders positiv anmerken, dass diese meist selbstständig, ohne Aufforderung, die professionelle Beratung in Anspruch nehmen und sich auch aktiv auf die Hilfe und Unterstützung des Beratungsangebotes einlassen. Für einen optimalen Beratungsprozess im Jugendalter ist es wichtig, dass der Berater sehr genau und sensibel zuhört, um die Ursachen und Hintergründe des Problems eines Jugendlichen auszumachen. Denn die Problemsituationen und Störungen, der in der Identitätsentwicklung befindlichen Jugendlichen, sind oft sehr komplex und für einen Erwachsenen schwer zu ergründen. „Im Mittelpunkt der praktischen Beratungsarbeit stehen deshalb eine genaue Problemerfassung und Analyse“ (ebd., S. 157). Für eine gelungene Beratungsarbeit mit Jugendlichen kann man also festhalten, dass vor allem das genaue Zuhören und Hinterfragen seitens des Beraters von großer Bedeutung sind. Außerdem ist es hilfreich die Selbstreflexionsfähigkeit des jugendlichen Ratsuchenden zu stärken und anzuregen sowie ihm mehrere verschiedene Sichtweisen aufzuzeigen, um eventuellen Identitäts- und Persönlichkeitskrisen entgegenzuwirken.

2.2 Beratung im frühen und mittleren Erwachsenenalter

„Der Übergang zum Erwachsenenalter wird gesellschaftlich und historisch durch den Eintritt ins Berufsleben, die Eheschließung und/oder Familiengründung bestimmt“ (Hetzel, in Schildmann 2010, S. 59). Gerne wird das Erwachsenenalter auch als Reifephase oder Hauptphase des Lebens bezeichnet. Was in der frühen Erwachsenenphase im Vordergrund steht, ist einerseits die Identitätskonsolidierung und die Ausgestaltung der Partnerschaft (vgl. Rausch 2008, in Rausch, Hinz, Wagner 2008, S. 146), aber andererseits vor allem der zweite wichtige Übergang von der Schule ins Berufsleben (vgl. Schildmann 2010, S. 18). Der in der Schule stattgefundene Konkurrenz- und Leistungsdruck hat die jungen Erwachsenen bereits auf die Situation in der Arbeitswelt eingestimmt und die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten können nun zur Ausübung einer beruflichen Tätigkeit und somit zur eigenen Existenzsicherung genutzt werden. Ob Berufsausbildung oder Studium, die konkrete Zukunftsplanung wird im frühen Erwachsenenalter in Angriff genommen. Die private Lebensplanung, in Hinblick auf Partnerschaft und Familiengründung, muss nun in Vereinbarung mit der angestrebten beruflichen Karriere gebracht werden. „Das produktive Tätigsein stellt sich zu Beginn dieser Lebenszeit als relativ entscheidungsfreudiges, risikoreiches, sehr flexibles Handeln dar, das über die Jahre hinweg in bedächtigeres Verhalten im mittleren Erwachsenenalter übergehen kann“ (Rausch 2008, in Rausch, Hinz, Wagner 2008, S. 159).

Diese vielen lebensbestimmenden Entscheidungen und Handlungen sorgen für den Beratungsbedarf im frühen Erwachsenenalter. Vor allem die zahlreichen unterschiedlichen Möglichkeiten der Lebensplanung und -gestaltung, welche sich dem Menschen unserer Gesellschaft in diesem Lebensabschnitt eröffnen, fördern die Nachfrage nach geeigneter professioneller Beratung. So universell die Möglichkeiten sind, die der junge Erwachsene hat, ist auch das entsprechende Beratungsangebot für diese Lebensphase überaus verschieden und vielseitig: Beratung zum beruflichen Werdegang, Studienberatung, Partnerschaftsberatung, Erziehungsberatung sowie Gesundheitsberatung oder Beratung zum äußeren Erscheinungsbild (vgl. ebd., S. 159f.) umfassen das Spektrum des Angebotes. Der Berater muss in diesen Kontexten vor allem seine Objektivität bewahren und darf keine eigenen Vorurteile in das Beratungsgespräch mit einfließen lassen. Er muss sich in seiner professionellen Tätigkeit in den Klienten hineinversetzen können und versuchen dessen Lebensumstände und Lebensplanung nachvollziehen zu können. Derart ist es möglich, dass Berater und Klient eine gemeinsame Kommunikationsbasis schaffen, Ziele festlegen, und Probleme bewältigen können.

Im mittleren Erwachsenenalter nimmt, wie bereits erwähnt, die Risikobereitschaft und Flexibilität des eigenen Handelns ab und eine Phase der privaten wie auch beruflichen Konsolidierung beginnt. In dieser Lebensphase betreiben die Menschen eine erste Rückschau auf das im Leben Erreichte und sind entweder zufrieden und ausgeglichen, wenn sie ihre Ziele verwirklichen konnten oder aber unzufrieden aufgrund nicht erreichter Ziele und zerrissen vor Zukunftsängsten (vgl. ebd., S. 163). Hierzu zählen Existenzängste wegen eines möglichen Verlustes des Arbeitsplatzes sowie die Angst um die Kinder, vor notwendigen Umorientierungen und vor dem fortschreitenden Alterungsprozess. Im Mittelpunkt steht nun die Lebens- und Sinnperspektive sowie der Wunsch nach der Sicherung des Erreichten (vgl. ebd., S. 147). Denn der bisher im Leben erreichte Status möchte zumindest erhalten werden, auch da sich die Lebenszeitperspektive mit Sicht auf das hohe Alter nun grundlegend ändert. „Aus der Sichtweise, meine Jahre von der Geburt bis zur Gegenwart, wird nun die Überlegung, wie viele Jahre stehen mir noch zur Verfügung“ (ebd., S. 165).

Das Beratungsangebot im mittleren Erwachsenenalter wird gerade im Hinblick auf neue Lebenssinnfindung und Partnerschaftsfragen gut angenommen (vgl. ebd., S. 165). Besonders einschneidend im Lebenslauf ist vor allem der Verlust des Arbeitsplatzes und damit das Abrutschen von der ökonomischen Selbstständigkeit in die Abhängigkeit von Arbeitslosenhilfe, Sozialhilfe usw. In diesem Falle werden die Weiterbildungs- und Qualifizierungsberatung erforderlich. „Existenzsicherung bzw. der Versuch eine Neuorientierung vornehmen zu können, sind die Beweggründe, die Menschen veranlassen, dieses Beratungsangebot zu ergreifen“ (ebd., S. 166). Bei der Weiterbildungsberatung werden die individuellen Weiterbildungsinteressen und -voraussetzungen ermittelt und Hilfe bei der Auswahl geeigneter Weiterbildungsangebote gegeben; bei der Qualifizierungsberatung dagegen geht es um die konkrete Umsetzung der Beratungsergebnisse in Form von interner und externer Weiterbildung sowie einer lernförderlichen Arbeitsgestaltung (vgl. ebd., S. 167). Zusammenfassend kann man sagen, dass die professionelle Beratung im frühen und mittleren Erwachsenenalter vorwiegend Hilfe bei Orientierungs- und Existenzunsicherheiten geben muss und sie dabei im frühen Erwachsenenalter bei der Verwirklichung der Zukunftsperspektiven und im mittleren Erwachsenenalter bei der Erhaltung des Lebensstatus sowie der Existenzsicherung ihre Aufgaben findet.

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Details

Seiten
12
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656051961
ISBN (Buch)
9783656051749
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181709
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät
Note
Schlagworte
Beratung Beraten Lebensalter Lebensabschnitt richtig passend

Autor

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Titel: Die passende Beratung je nach Lebensalter