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Pilgerreisen von Venedig nach Jerusalem im späten Mittelalter - Die Verträge mit dem Schiffspatron

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 29 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Venedig als Ausgangsstation für die Suche nach einem Schiff.

3.Der Vertrag mit dem Patron

4.Verpflichtungen des Patrons

5.Pflichten der Pilger

6.Unterschiede in ausgewählten Verträgen und verschiedene Berichte der Pilger von Hin- und Rückfahrten

7.Schluss.

8.Quellen- und Literaturverzeichnis.

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit versucht anhand von verschiedenen Verträgen der Pilger mit dem Schiffspatron deren Inhalt darzustellen und näher zu analysieren. Die Fragen, die sich dabei stellen, beziehen sich auf die Unterschiede und Übereinstimmungen in den verschiedenen Quellen. Gibt es z.B. bei dem Vertrag mit dem Schiffspatron Übereinstimmungen, die sich bis zu einer Vorlage für Reisende nach Jerusalem zurückführen lassen? Oder weichen bestimmte Verträge in ihrer Ausführlichkeit und in den benutzten Klauseln voneinander ab?

Die Hausarbeit versucht den Ablauf in Venedig zu rekonstruieren und unter besonderer Berücksichtigung der Quellen zu Verträgen die Unterschiede und Übereinstimmungen herauszuarbeiten. Bei den Verträgen mit dem Schiffspatron fließen zudem Überlieferungen mit ein, ob der Patron sich an die im Vertrag festgesetzten Klauseln auch gehalten hat. Dafür werden Quellenteile der Hin- und Rückfahrt von Jerusalem nach Venedig analysiert und in die Beurteilung der Verträge mit einbezogen. Dies dient der spezifischen Beurteilung der Verträge und ihrer problematischen Tragweite, gerade für die Schiffspatrone. Nicht ohne Grund wird in der Wissenschaft von sogenannten „’Knebelverträgen’“1 gesprochen.

2. Venedig als Ausgangsstation für die Suche nach einem Schiff

Venedig hatte sich für die deutschen Pilger des späten Mittelalters als der zentrale Ausgangspunkt für eine Pilgerfahrt nach Jerusalem herausgebildet. Obwohl es Versuche von anderen Hafenstädten gab, Pilgerfahrten nach Jerusalem anzubieten, setzte sich Venedig jedoch über Jahre durch. Andere Häfen (ab dem 11. Jhdt.),2 wie Genua, Pisa, Marseille, Ancona und Ragusa (Dubrovnik)3 konnten dem gezielt durchorganisierten Pilgertransport von Venedig aus kaum Konkurrenz machen. Am Ende des 15. Jhdt. nahmen die Pilgerreisen ins Heilige Land ab. Dies lag unter anderem an den unkalkulierbar gewordenen Kosten im Heiligen Land für die Schiffspatrone. Aber auch die Verträge, die die Pilger mit den Patronen abschlossen, wurden so detailliert ausgearbeitet, dass der Patron kaum noch Spielraum für sich hatte. So wurden im Vertrag von Pfalzgraf Ottheinrich mit Marco Antonio Dandolo Kleinigkeiten aufgenommen, die den Vertrag von üblicherweise 20 Artikeln (z.B. bei Fabri) auf 30 Artikel wachsen ließ. Der Pfalzgraf nahm, wohl aus Angst vor Benachteiligung, Aspekte wie das Abfeuern der Geschütze zur Probe, die Lagerung des Weines „und den Transport des Gepäcks im Falle einer Sinai-Expedition“ auf.4 Der Patron hatte somit immer weniger Handlungsspielraum und versuchte dies mit vermehrten Handelstätigkeiten zu kompensieren.5

Des weiteren stand Venedig im Konflikt mit den Mamluken. Im 16. Jhdt. gab es dann einen Versuch, Venedig als Ausgangsstation der Pilger abzulösen. Der Kaufmann, Reeder und Kapitän Dierick van Paesschen, Bürger von Antwerpen, versuchte sich mit einem Pilgertransport von Antwerpen nach Jaffa.6 Mit der Absicht, damit die Spitzenposition Venedigs beim Pilgerverkehr ins Heilige Land zu brechen. Paesschens Unternehmen wurde jedoch von einigen unkalkulierbaren und unglücklichen Ereignissen gestört und scheiterte.7 Es etablierte sich ein regelrechtes System eines „Pilgertourismus“.8

Über den Ablauf einer Pilgerfahrt nach Jerusalem wissen wir aus mehreren Quellen Bescheid. Die wesentlichen und in dieser Hausarbeit benutzten Quellen sind die Pilgerberichte von Bernhard von Breydenbach, Bernhard von Hirschfeld, Hans und Peter Rot, Hans von Mergenthal, Felix Fabri, Dietrich von Kettler, Arnold von Harff und Sigmund Thunger. Etliche Verträge mit dem Schiffspatron, die meist ähnlich verfasst wurden, jedoch in einigen Details voneinander abweichen, sind überliefert.9 Darin sind die Verpflichtungen des Patrons aufgelistet. Aber auch die Pflichten der Pilger werden teilweise erwähnt. Gab es Unstimmigkeiten bei der Einhaltung der Verträge, so wurde dies ebenfalls von den Pilgern in ihren Berichten erwähnt (siehe dazu die Kapitel in dieser Hausarbeit zum Vertrag, zu den Pflichten des Patrons/ Pilgern und den Unterschieden in den Verträgen). Auch die Einkäufe in Venedig und das Rahmenprogramm vor der Abfahrt nach Jerusalem sind gut überliefert.10 Insgesamt konnten die Pilger auf Anweisungen heimgekehrter Pilger zurückgreifen. Felix Fabri hatte seine Informationen z.B. vom Grafen Eberhard von Württemberg.11

In Venedig versuchten die Pilger, neben den zu erledigenden Einkäufen und Besichtigungen, ein geeignetes Schiff für ihre Überfahrt zu bekommen. Meistens wurden sie dabei von Dolmetschern, den sogenannten tolomazi, Anwerbern oder direkt vom Patron, der sie sogar auf das Schiff einlud,12 unterstützt. Die tolomazi arbeiteten mit der Erlaubnis der cattaveri13 und halfen auch bei Vertragsverhandlungen.14 Der Markusplatz war ein beliebter Treffpunkt für solche Schiffsverhandlungen.15 Überliefert sind folgende Schiffspatrone, die jedoch zu unterschiedlichen Zeiten lebten (14. bzw. 15. Jhdt.): Ludovico Barbo, Conaro, Andreas Contarini, Augustino Contarini, Sebastian und Bernhard Contarini, Andreas Curmelissi, Petrus Landauer,16 Andreas Lauredano, Prioli, Peter Veneuri und Hansen Wasschall.17 Felix Fabri nennt z.B. Petrus Landauer und Augustino Contarini.18

Es ist nur einmal für das Jahr 1493 belegt, dass Adlige (Herzöge von Sachsen und Bayern) zwischen 1480 und 1522 ein ganzes Schiff für sich allein charterten.19

Neben der üblichen Besatzung konnten die Schiffe 70 bis 80 Pilger aufnehmen: „Und ist die rechte zaill inn eyner galleyenn ubber zu farenn LXX person und wass dar ubber ist, dass ist zu fyll“.20 Dass es auch mehr sein konnten, berichtet uns Felix Fabri. Er gibt 110 Pilger an. Insgesamt würden sich damit 330 Mann auf der „Galee“21 befinden:

So we all of us, pilgrims and others, went on board the galley, and the number of pilgrims was one hundred and ten, and that of all the people who embarked in the galley altogether was three hundred and thirty.22

Die Überschreitung dieser Zahl ist unter anderem ein Grund zu den vorhandenen Beschwerden seitens der Pilger gegenüber dem Patron.23 Aufgrund der Enge, die bei jeder Überfahrt durch zusätzliche Waren und Personen entstand, wurden von den Pilgern die „Galeen“ gegenüber den kleineren „Galeazzen“ bevorzugt: „Bei der Ueberfahrt nach dem h. Lande, sind die Galeen stets den Galeazzen vorzuziehn“.24

Einige Pilger versuchten sich in Absprache mit dem Patron die besten Plätze zu sichern. Als guter Ort für den Schlaf galt der Mast, also die Mitte der Galee. Der Seegang war dort „weniger heftig spürbar (...) und eine Luke“ sorgte „für frische Luft.“25 Einige Reisende zahlten dafür sogar 70 oder 80 Dukaten pro Person.26

Die Schiffsgewalt liegt bei dem Patron. Fabri schildert, dass der Patron über die Rangordnungen entscheidet und das Schiff nach seinen Prinzipien lenkt:

The third is the despotic rule, being that whereby a master rules his servants, and this kind of discipline is most elaborate and orderly in a nautical household, wherein the noble captain, who is the first mover and teacher, appoints for the rest different orders and degrees of authority over one another, but remains himself immovable as the king and governor, at whose bidding a ship is carried whithersoever he will. He does not interfere with the art of navigation, nor does he understand it, but merely orders the ship to be sailed hither or thither. All who are in the ship stand in awe of him, and all grave disputes either between the pilgrims or the crew are referred to him. No one is appointed captain of a galley, especially of one which carries pilgrim knights, unless he be noble, powerful, rich, wise and honourable.27

Hatte man sich für einen Patron und sein Schiff entschieden, so musste nur noch der Vertrag, also die Absicherung für die komplette Pilgerreise, abgeschlossen werden.

3. Der Vertrag mit dem Patron

Bevor ein Pilger seine Reise ins Heilige Land antreten konnte, brauchte er eine Erlaubnis vom Papst oder von einem beauftragten Legaten (gegen Gebühr). Im Notfall konnte die Erlaubnis auch noch vom Abt der Franziskaner in Jerusalem eingeholt werden.28 Die Erlaubnis hatte anscheinend den Sinn, dass Pilger nicht vor Pflichten und Strafen, die ihnen in ihrer Heimat auferlegt waren, fliehen konnten. Der Papst konnte die Pilger, die ohne Erlaubnis zur Pilgerfahrt aufbrachen, sogar exkommunizieren.29 Auch die Schiffe in Venedig könnten ähnliche Vorschriften wie die Schiffe in Pisa und Genua gehabt haben. Der Patron durfte keine Personen aufnehmen, die keine geistliche Erlaubnis hatten bzw. irgendwo in Streitigkeiten standen.30

Auf dem Markusplatz konnte zu Fabris Zeiten lediglich zwischen zwei Schiffspatronen gewählt werden: Petrus Landauer und Augustino Contarini.31 Aufgrund der damaligen Monopolstellung, was die Pilgerfahrten nach Jerusalem anbelangte, mussten sich die Pilger mit einem geringen Angebot zufrieden geben. Um dem fehlenden Wettbewerb und der damit verbundenen Machtstellung der Patrone entgegen zu wirken, wurden die Verträge mit den Patronen besonders akribisch, ausführlich und detailliert ausgearbeitet. Eventuelle Nachteile sollten von vornherein ausgeschlossen sein. Fabri fuhr bei seiner ersten Fahrt auf der Galee des Augustino Contarini mit. Mit dem Patron hatte er gute Erfahrungen gemacht. Trotzdem wählte er bei der zweiten Überfahrt das Schiff des Petrus Landauer, der allerdings nicht so zuverlässig in der Einhaltung seiner Pflichten war. Dies erwähnt jedenfalls Bernhard von Breydenbach, der auch positiv über Contarini berichtet:

(...) unsers patroney her Augustinus Conterenj hielt unss alles, wass er unss zugesegt hatt, aber Petrus Landawe der hylt synenn pilgerannen eyns aber keyns nye und warent froe, dass sy mit dem lebenn dar vonn kament, (...).32

Der Vertrag, der meist einem vorgefertigten Formular glich,33 wurde von allen Parteien unterschrieben und im Dogenpalast von den Notaren ratifiziert und hinterlegt:

When we had made our contract, he took us all to St. Mark's, to the Doge's palace, and brought us before the protonotaries of the city, who, when they heard the reason for which we were presented to them, wrote down our names and stations in life in a great book, on which my name had been written before, when I went on my former pilgrimage; and so our contract and agreement was ratified.34

Ratsam war es, dass noch mehrere venezianische Bürger dafür bürgten. So empfiehlt es z.B. Bernhard von Breydenbach:

(...) sollche punct und artikell sollenn stedt und veste gehaltenn und verborget vonn etlichenn borgern zu Venedigenn, aibe yme nit gehaltenn wurde, dass eyner wuste, woe eyner dess synenn und vermessen schades erhabenm mochte, sust magk eyner keynn zu recht bekommenn zu Venedigenn.35

Dass es jedoch auch zu Vertragsverletzungen kam, wird deutlich, wenn Bogislaf X. z.B. berichtet, dass das Schiff nicht genügend armiert gewesen sei. Andere Berichte sprechen von schlechten Nahrungsmitteln und einem deutlich erhöhten Aufenthalt im Hafen.36 Um solche Dinge zu vermeiden, wurden meist Schlussklauseln mit folgendem Wortlaut gewählt:

Twentieth. - That if in this instrument of contract anything has been left out or insufficiently expressed and provided for, which, nevertheless, by law and custom it is the captain's duty to do, then it shall be held to be expressed in this instrument, and shall be held to have been written down therein.37

Diese Klausel diente dem Schutz der Pilger. Durch ihre weite Reise nach Venedig waren sie bereit, die Pilgerfahrt anzutreten und sie nicht mehr abzubrechen. Die Patrone konnten dies für sich ausnutzen. Um auftretende Nachteile auf der Fahrt gen Jerusalem zu vermeiden, diente diese Klausel dem Schutz der Pilger vor etwaiger Benachteiligung.

Beschwerden, die den Vertrag betrafen, konnten bei den Behörden in Venedig oder in den venezianischen Kolonien („stato da mar“) vorgetragen werden. So beschwerten sich z.B. die Pilger, die mit Landgraf Wilhelm dem Älteren von Hessen reisten, in „Famagusta bei den Capitanienn der Stadt über das Verhalten ihres Patrons“.38 Der Patron hatte länger, als im Vertrag vorgeschrieben, im Hafen verbracht. Bernhard von Breydenbach urteilt sogar vollends schlecht von den Patronen: „Die Patrone machen doch, was sie wollen.“39

Insgesamt mussten 50 bis 60 Dukaten für solch eine „Pauschalreise“ (darin enthalten war: „die Miete für einen Platz im Schiff, die Geleitgelder im Heiligen Land und die Kosten für die Verpflegung an Bord“)40 einkalkuliert werden.41 Der Preis entspricht ungefähr dem Jahreseinkommen eines Zimmermanns oder Matrosen in Venedig des 15. Jhdt.. Ein Ruderer, der die Passagiere auf einer Galee gen Jaffa brachte, hätte sogar fünf Jahre dafür sparen müssen (ohne irgendwelche Ausgaben zu haben).42

4. Verpflichtungen des Patrons

Als grundsätzliche Pflicht des Patrons lässt sich die Sorge um eine sichere und angemessene Reise ins Heilige Land anführen. Felix Fabri, dessen Vertrag hier überwiegend zitiert wird, vereinbarte in seinem 1. Artikel, dass der Patron sie von Venedig nach Jaffa und von Jaffa wieder nach Venedig bringen sollte:

First Article. - That the captain shall take us pilgrims from Venice to Joppa, a port in the Holy Land, and shall bring us back again from thence to Venice, for which purpose he shall be ready in fourteen days at the outside, and shall not stay here more than fourteen days after this day.43

Für die Sicherheit (Seetauglichkeit) der Schiffe sorgte ab 1392 der Magistrat der cattaveri. Erwähnt wird eine Untersuchung auf die Seetüchtigkeit bei Sigmund Thunger.44 Ebenfalls sorgten sie für eine „Prüfung und Lizenzierung der patroni“.45 Sie stellten auch den Geleitschutz, der die Pilger vor Angriffen durch Piraten oder muslimischer Schiffe schützen sollte. Darüber hinaus wurde dafür Sorge getragen, dass das Schiff über eine ausreichende Bewaffnung zur Selbstverteidigung verfügte.46 Zwischen 1480 und 1522 kamen lediglich sechs Personen (auf dem Schiff der Reise von Bogislaf X. von Pommern) auf einer Pilgerfahrt bei einem Konflikt mit den türkischen Piraten ums Leben. Auch durch sonstige Ereignisse wie Schiffsbrüche oder andere Gewalttaten kam keine Person ums Leben. Lediglich die hygienischen Zustände an Bord der Schiffe dezimierten immer wieder die Anzahl der Besatzung und Pilger.47

Auf die 14 Tage Frist zum Auslaufen des Schiffes nach Vertragsabschluss ließ sich Petrus Landau nicht ein:

(…) for the second part of the article, he could not agree to it, and alleged many reasons on account of which it is impossible to sail during the month of May. Therefore he could not set out with us in fourteen days, nor yet in twenty-six days; but when twenty-six days were past, he would start at any hour when he had a fair wind.48

Gemäß einer anderen Quelle legt der Patron auch nicht sofort ab, obwohl es das Wetter erlaubte. Er füllte das Schiff sogar noch mit zusätzlichen Pilgern.49

Für die Rückfahrt aus Palästina hatte die venezianische Satzung von 1255 geregelt, dass der Vertrag mit den Pilgern genau eingehalten werden müsse. Die einzige Einschränkung war durch das Wetter gegeben. Würden drei Viertel der Pilger das Schiff verlassen, dann hätte der Patron trotzdem das andere Viertel sicher transportieren müssen. Würden jedoch weniger als ein Viertel mitfahren, so könnte der Patron entscheiden, ob er den Vertrag erfüllt oder die Zahlungen zurückgibt.50

Bei Fabri lesen wir des Weiteren, dass der Patron so wenige Häfen wie möglich anlaufen soll. Unübliche sollen vermieden werden. Da die Luft auf Zypern für Deutsche nicht gesund sei, solle die Insel nicht angefahren werden. Lediglich auf der Rückreise, wenn Adelige den Ritterschlag der Königin von Zypern verlangen, sollte der Patron dort anlegen.51 Der Ritterschlag wurde meistens von den Adeligen verlangt, die schon am Heiligen Grab den Ritterschlag bekommen hatten.52

Im Heiligen Land musste der Patron den Pilgern spezielle Reisemöglichkeiten anbieten. So wollten viele der Reisenden von Palästina zum Berg Sinai und von dort nach Ägypten in die Stadt Alexandria aufbrechen.53

Sixteenth. - If any of the pilgrims wish to go to St. Catharine's, on Mount Sinai, the captain shall be bound to deliver over to every person expressing such a wish ten ducats of the money previously paid to him.

Seventeenth. - That the captain before leaving Jerusalem with the pilgrims shall loyally help those pilgrims who are setting out to St. Catharine's, and shall draw up a friendly agreement between them and their dragoman.54

Wie schon beschrieben, hatte der Patron die Aufgabe, die Pilger zu beschützen. Dies geschah einerseits durch die Bewaffnung an Bord und andererseits durch eine erfahrene Mannschaft, die etwas vom Segeln und Navigieren verstand.

Second. - That he shall well and properly provide a galley with experienced mariners who understand the art of sailing with whatever wind may blow, and shall have on board a sufficient armament for the defence of the galley from the attacks of pirates and enemies, if need be.55

Entsprechend den Verpflichtungen der Pilger, dass sie bei einem Angriff auf das Schiff bei der Verteidigung helfen mussten, mussten auch der Patron und die Mannschaft die Pilger auf dem Schiff und an Land beschützen. Des Weiteren musste der Patron darauf achten, dass die Pilger nicht von der Mannschaft an Bord oder an Land belästigt wurden.

Ninth. - The captain shall be bound to protect the pilgrims, both in the galley and out of it, from being attacked or ill-used by the galley-slaves, or from being thrown off the galley-slaves' benches, should the pilgrims wish to sit upon them with the slaves. He shall also be bound to prevent the slaves from molesting them on land, as far as he is able, and he shall not place any article in the pilgrims' berths.56

An Land musste der Patron für die Eselsmiete auf der Reise, die Zölle und sonstige Ausgaben und Geleitgelder (für den Schutz durch Muslime)57 aufkommen. Die Trinkgelder58 mussten vom Pilger selbst bezahlt werden:

Eleventh. - All dues, all money for safe-conducts, and for asses and other expenses, in whatever names they may be charged, or in whatever place they have to be paid, shall be paid in full by the captain alone on behalf of all the pilgrims without their being charged anything, and he shall likewise pay the great fees; the smaller fees we will see to ourselves.59

Da es auf den Galeen ziemlich eng zuging und unter Deck meist kein Licht vorhanden war, waren die guten Plätze (z.B. in der Mitte des Schiffes) äußerst begehrt und mit Kreide60 gekennzeichnet. An ihren Plätzen durften die Pilger von der Mannschaft nicht beeinträchtigt oder gestört werden. Die Pilger mussten schon unter sich aufpassen, dass sie keine Nachttöpfe umschmissen oder in anderer Weise ihre Mitreisenden störten.

Ninth. - The captain shall be bound to protect the pilgrims, both in the galley and out of it, from being attacked or ill-used by the galley-slaves, or from being thrown off the galley-slaves' benches, should the pilgrims wish to sit upon them with the slaves. He shall also be bound to prevent the slaves from molesting them on land, as far as he is able, and he shall not place any article in the pilgrims' berths.61

Trotzdem gab es Beschwerden über das Schiffspersonal. Häufig verhielten diese sich anscheinend unhöflich gegenüber den Pilgern, gerade wenn es um Wendemanöver oder andere Arbeiten auf dem Schiff ging. Einige Pilger berichten auch von Diebstahl und Gewalttaten.62

Ebenfalls durfte der Patron die Plätze der Pilger nicht durch eingekaufte Waren besetzen oder verengen:63

Nineteenth. - Should any pilgrim on board of the galley happen to fall so ill as not to be able to remain in the stench of the cabin, the captain shall be bound to give such a person some place to rest in on the upper deck, either in the castle, the poop, or one of the rowers' benches.64

Seit dem 14. April 1398 und nochmals ab 8. Juni 1409 war es dem Patron sowieso verboten, Kaufmannsgüter zu befördern.65 Dieser Erlass sollte den Pilgern entgegenkommen. Einige Patrone hielten sich trotzdem nicht an diese Richtlinie. Nachher wurde diese Klausel aufgrund von finanziellen Nachteilen für den Patron wieder aufgehoben.

Der Graf von Löwenstein nahm 1561 ebenfalls in seinen Vertrag auf, dass ein Arzt mit auf das Schiff genommen werden musste. Zusätzlich durfte bei den Kranken ein Licht angezündet werden, obwohl auf dem Schiff wegen der großen Feuergefahr Licht unter Deck strengstens verboten war.66 Felix Fabri reservierte sogar die Schiffsküche, um sie für sich und seine Mitreisenden nutzen zu können. Vermutlich wusste er um das häufig schlecht zubereitete Essen und sicherte sich somit ab: „(…) his cooks shall permit the pilgrims' cook to use their fire for cooking for the pilgrims at their pleasure.“67

Dem Pilger war es zudem erlaubt, neben seinen eigentlichen privaten Reiseutensilien, Hühner mit an Bord zu nehmen, um sich nebenbei mit eigenem frischen Fleisch und Eiern zu versorgen. Der Patron musste laut Vertrag genügend Platz für die Käfige bereitstellen: „Eighteenth - That the captain shall assign to the pilgrims some convenient place on board of the galley for keeping chickens or fowls, (…).”68

Auf dem Schiff, so sah es der Vertrag vor, musste der Patron die Pilger mit Essen und Trinken versorgen. Gingen die Pilger jedoch an Land, so mussten sie sich meist selber verköstigen. Felix Fabri regelte dies so: „Sixth. - That every morning before we eat our food he shall give to each of us a bicker or small glass of Malvoisie wine, as is the custom on shipboard.“69

Des Weiteren hatte der Patron zweimal am Tag gutes Essen und Trinken bereitzustellen. Wenn die Pilger nicht am Tisch des Patrons sitzen wollten, so musste ihnen das Essen an anderer Stelle gegeben werden:

Fourth. - That the captain shall give the pilgrims two meals of food and drink every day without fail. If for any reason any one of us shall not wish to attend the captain's table, or to come to supper in the evening, or if all of us choose to stay in our own berths, nevertheless the captain shall be bound to send food and drink to us without making any dispute.70

[...]


1 Reichert, Folker: Pilger und Patrone. In: Herbers und Schmieder (Hrsg.): Venezia incrocio di culture, S. 27.

2 Im 11. Jhdt. reisten die Wallfahrer überwiegend über dem Landweg ins Heilige Land. Vgl. Hasecker, Jyri: Die Johanniter und die Wallfahrt nach Jerusalem (1480-1522), S. 57.

3 Vgl. ebd., S. 57 (speziell Fußnote 173) und S. 59.

4 Reichert, Folker: Die Reise des Pfalzgrafen Ottheinrich zum Heiligen Land 1521, S. 27 f..

5 Vgl. Hasecker, Jyri: Die Johanniter und die Wallfahrt nach Jerusalem (1480-1522), S. 83 f..

6 Vgl. ebd., S. 84 f.. Speziell zu Dierick van Paesschen: Degryse, Roger: De Palestinaschepen van Dierick van Paesschen (1511-1521). In: Marine Academie Mededelingen 23 (1973-1975), S. 15-45.

7 Näheres dazu bei Hasecker, Jyri: Die Johanniter und die Wallfahrt nach Jerusalem (1480-1522), S. 84 f..

8 Brall-Tuchel und Reichert: Rom - Jerusalem - Santiago: das Pilgertagebuch des Ritters Arnold von Harff, S. 7.

9 Ein Vergleich dieser unterschiedlichen Verträge ist in den folgenden Kapiteln zu finden.

10 Näheres dazu in den speziellen Kapiteln von: Denke, Andrea: Venedig als Station und Erlebnis auf den Reisen der Jerusalempilger im späten Mittelalter.

11 Röhricht und Meisner: Deutsche Pilgerreisen, S. 8 (Fußnote 2).

12 Hagen, Christian: Unser Reisender in Venedig, S. 62.

13 „Eine Art Finanzbehörde“ in Venedig. Cladders, Brigitta: Französische Venedig-Reisen im 16. und 17. Jahrhundert, S. 11.

14 Vgl. Hagen, Christian: Unser Reisender in Venedig, S. 62.

15 Ebd., S. 12.

16 Auch Petrus oder Petro de Lando genannt.

17 Die komplette Liste ist bei Röhricht und Meisner: Deutsche Pilgerreisen, S. 12 einzusehen.

18 Fabri, Felix: Evagatorium I. Übersetzt von Aubrey Stewart. http://faculty.colostate-pueblo.edu/beatrice.spade/seminar97/fabri/fabri1.htm und http://faculty.colostate-pueblo.edu/beatrice.spade/seminar97/fabri/fabri1a.htm, 08.03.2011, 10:56 Uhr.

19 Vgl. Hasecker, Jyri: Die Johanniter und die Wallfahrt nach Jerusalem (1480-1522), S. 62 (Dazu näher: Fußnote 195 ebd.).

20 Bernhard von Breydenbach (sein Patron war Augustino Contarini). Abgedruckt von Röhricht und Meisner: Deutsche Pilgerreisen, S. 130.

21 Um verschiedene Typen von Galeeren in dieser Hausarbeit zu unterscheiden, werden die großen Galeeren „Galeen“ und die kleinen Galeeren „Galeazzen“ genannt.

22 Fabri, Felix: Evagatorium I. Übersetzt von Aubrey Stewart. http://faculty.colostate-pueblo.edu/beatrice.spade/seminar97/fabri/fabri1.htm, 08.03.2011, 11:01 Uhr.

23 Siehe das Kapitel „Unterschiede in ausgewählten Verträgen der Pilger“.

24 Schwalbach, Girnand von, S. 97.

25 Hagen, Christian: Unser Reisender in Venedig: Reisevorbereitungen. Sehenswürdigkeiten und Merkwürdigkeiten, S. 62 f..

26 Vgl. ebd., S. 63.

27 Fabri, Felix: Evagatorium I. Übersetzt von Aubrey Stewart. http://faculty.colostate-pueblo.edu/beatrice.spade/seminar97/fabri/fabri2.htm, 08.03.2011, 11:39 Uhr.

28 Vgl. Schröder, Stefan: Um der „sele sellikeyt“ willen?, S. 161; Carlen, Louis: Wallfahrt und Recht im Abendland, S. 122-128.

29 Felix Fabri und andere (Fußnote 2). In Auszügen abgedruckt bei Röhricht und Meisner: Deutsche Pilgerreisen, S. 6.

30 Vgl. Wohlhaupter, Eugen: Beiträge zum Recht der Personenbeförderung über See im Mittelalter. In: Historisches Jahrbuch 57 (1937), S. 346.

31 Fabri, Felix: Evagatorium I. Übersetzt von Aubrey Stewart. http://faculty.colostate-pueblo.edu/beatrice.spade/seminar97/fabri/fabri1.htm und http://faculty.colostate-pueblo.edu/beatrice.spade/seminar97/fabri/fabri1a.htm, 08.03.2011, 10:56 Uhr.

32 Bernhard von Breydenbach. In Auszügen abgedruckt von Röhricht und Meisner: Deutsche Pilgerreisen, S. 127.

33 Unterschiede und Übereinstimmungen werden im Kapitel „Unterschiede in ausgewählten Verträgen der Pilger“ herausgearbeitet.

34 Fabri, Felix: Evagatorium I. Übersetzt von Aubrey Stewart. http://faculty.colostate-pueblo.edu/beatrice.spade/seminar97/fabri/fabri1a.htm, 08.03.2011, 12:46 Uhr.

35 Bernhard von Breydenbach. In Auszügen abgedruckt von Röhricht und Meisner: Deutsche Pilgerreisen, S. 131.

36 Vgl. Röhricht und Meisner: Deutsche Pilgerreisen, S. 15.

37 Fabri, Felix: Evagatorium I. Übersetzt von Aubrey Stewart. http://faculty.colostate-pueblo.edu/beatrice.spade/seminar97/fabri/fabri1a.htm, 08.03.2011, 12:55 Uhr. Der 20. Artikel entspricht dem 32. Artikel vom Grafen Löwenstein.

38 Hasecker, Jyri: Die Johanniter und die Wallfahrt nach Jerusalem (1480-1522), S. 66 (siehe auch Fußnote 223 ebd.).

39 Reichert, Folker: Pilger und Patrone, S. 28.

40 Ebd.

41 Vgl. Hasecker, Jyri: Die Johanniter und die Wallfahrt nach Jerusalem (1480-1522), S. 66 f.

42 Vgl. ebd., S. 67.

43 Fabri, Felix: Evagatorium I. Übersetzt von Aubrey Stewart. http://faculty.colostate-pueblo.edu/beatrice.spade/seminar97/fabri/fabri1a.htm, 08.03.2011, 17:17 Uhr.

44 Röhricht: Deutsche Pilgerreisen, S. 50, Fußnote 132.

45 Kimme und Reimann: Die Passage zwischen Venedig und Jaffa, S. 72.

46 Vgl. (dort auch ausführlicher) Hasecker, Jyri: Die Johanniter und die Wallfahrt nach Jerusalem (1480-1522), S. 63 f..

47 Vgl. Hasecker, Jyri: Die Johanniter und die Wallfahrt nach Jerusalem (1480-1522), S. 66.

48 Ebd.

49 Vgl. Schröder, Stefan: Zwischen Christentum und Islam, S. 74.

50 Vgl. Wohlhaupter, Eugen: Beiträge zum Recht der Personenbeförderung über See im Mittelalter, S. 349.

51 Vgl. Fabri, Felix: Evagatorium I, Artikel 3 des Vertrages. Übersetzt von Aubrey Stewart. http://faculty.colostate-pueblo.edu/beatrice.spade/seminar97/fabri/fabri1a.htm, 08.03.2011, 18:25 Uhr.

52 Vgl. Röhricht und Meisner: Deutsche Pilgerreisen, S. 22, Fußnote 5.

53 Dazu ebd., S. 36f..

54 Fabri, Felix: Evagatorium I. Übersetzt von Aubrey Stewart. http://faculty.colostate-pueblo.edu/beatrice.spade/seminar97/fabri/fabri1a.htm, 08.03.2011, 23:25 Uhr.

55 Ebd.

56 Ebd.

57 Vgl. Röhricht und Meisner: Deutsche Pilgerreisen, S. 25.

58 Girnand von Schwalbach listet diese Trinkgelder in seinem Pilgerbuch auf. Siehe dazu: Röhricht und Meisner: Deutsche Pilgerreisen, S. 98 f..

59 Fabri, Felix: Evagatorium I. Übersetzt von Aubrey Stewart. http://faculty.colostate-pueblo.edu/beatrice.spade/seminar97/fabri/fabri1a.htm, 08.03.2011, 23:25 Uhr.

60 Vgl. Denke, Andrea: Venedig als Station und Erlebnis, S. 74.

61 Ebd.

62 Vgl. ebd., S. 74 f..

63 Breydenbach bei Röhricht und Meisner: Deutsche Pilgerreisen, S. 128.

64 Fabri, Felix: Evagatorium I. Übersetzt von Aubrey Stewart. http://faculty.colostate-pueblo.edu/beatrice.spade/seminar97/fabri/fabri1a.htm, 08.03.2011, 23:30 Uhr.

65 Röhricht: Deutsche Pilgerreisen, S. 12 (Fußnote 134).

66 Vgl. Wohlhaupter, Eugen: Beiträge zum Recht der Personenbeförderung über See im Mittelalter, S. 351.

67 Fabri, Felix: Evagatorium I. Übersetzt von Aubrey Stewart. http://faculty.colostate-pueblo.edu/beatrice.spade/seminar97/fabri/fabri1a.htm, 08.03.2011, 23:33 Uhr.

68 Ebd.

69 Ebd.

70 Ebd.

Details

Seiten
29
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656048169
ISBN (Buch)
9783656047834
Dateigröße
583 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181698
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
1-
Schlagworte
Pilgerreisen Venedig Jerusalem späten Mittelalter Verträge Schiffspatron Breydenbach Breidenbach Fabri Rot Tucher Tschudi

Autor

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