Lade Inhalt...

Kritik als immanente Kritik

Michael Walzers Konzept von Gesellschaftskritik

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 31 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau der Hausarbeit

2 Begriffsdefintion der Kernbegriffe
2.1 Die zusammengehörigen Kategorien Gemeinsinn und Gemeinwohl
2.2 Gemeinschaft und Gesellschaft in der Moderne
2.2.1 Begriffsdefinition der beiden Termini
2.2.2 Walzers Definition von „politischer Gemeinschaft“
2.2.3 Die Bedeutung von „Zivilgesellschaft“ bei Walzer
2.3 Die Öffentlichkeit in der Moderne
2.3.1 Definition des Begriffs Öffentlichkeit
2.3.2 Die Funktion der Öffentlichkeit im Hinblick auf das Gemeinwohl
2.4 Der Begriff Kritik

3 „Zweifel und Einmischung“
3.1 Gesellschaftskritiker im 20. Jahrhundert
3.2 Nach welchen Kriterien analysiert Walzer seine elf Kritiker?

4 Walzers Konzept von Gesellschaftskritik
4.1 Drei Pfade der Moralphilosophie
4.1.1 Der Pfad der Entdeckung
4.1.2 Der Pfad der Erfindung
4.1.3 Der Pfad der Interpretation
4.2 Immanente Gesellschaftskritik
4.2.1 Walzers Konzept von Gesellschaftskritik
4.2.2 Trifft die Beschreibung seines Gesellschaftskritikers auf ihn selbst zu?
4.2.3 Walzers moralische Welt

5 Die Grenzen immanenter Gesellschaftskritik

6 Die Potentiale des Gemeinsinns für Kritik

7 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Gesellschaftskritik gehört zur sozialen und politischen Fortentwicklung einer Gesellschaft wie auch einer Gemeinschaft dazu, welche möglicherweise zu Veränderungen der gegenwärtigen Institutionen und Organisation führen kann. Ohne kritische Stimmen könnte eine Gesellschaft nicht auf Krisen oder problematische Situationen reagieren und einen notwendigen gesellschaftlichen Wandel vorantreiben. Denn Prozesse, Institutionen oder Strukturen zu kritisieren, deutet darauf hin, dass in der gegenwärtigen Situation etwas falsch, ungerecht oder unsozial abläuft.

Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff Gesellschaftskritik? Gesellschaftskritik bedeutet, als problematisch geltende gesellschaftliche Strukturen zu analysieren und diese durch Reformen oder einen gezielten Wandel in der Praxis zu verbessern. Es geht sozusagen um die Infragestellung der gesellschaftlichen Realität. Gesellschaftskritik kann sich gegen einzelne Mängel einer gesellschaftlichen Ordnung oder gegen die gesamte gesellschaftliche Ordnung richten. Ferner bezieht sie sich auf einen Maßstab, der sich an Werten bemisst. In jedem Fall stellt Kritik den ersten Schritt der Veränderung hin zu einem erstrebenswerten Zustand dar.

Wie kann man eine Gesellschaft ,treffend‘ kritisieren? Prinzipiell ist Gesellschaftskritik sehr verschiedenen, u.a. gibt es unterschiedliche Ausgangspunkte und Kriterien der Kritik. Michael Walzer hat sich bereits gegen Ende 1990 in seinem Buch “Kritik und Gemeinsinn“ mit der Thematik ,Gesellschaftskritik‘ auseinandergesetzt. Er hat ein besonderes Konzept von Gesellschaftskritik und seinem Typus von Gesellschaftskritiker entworfen, wonach ein Gesellschaftskritiker keinen äußeren Standort einnehmen sollte, von dem aus er Kritik übt. Seiner Meinung nach soll der Kritiker aus der Mitte der Gesellschaft kommen, die er kritisiert. Für Walzer stellt die immanente Kritik die verbreitetste Form der Kritik dar – einerseits in Form von Kritik an Institutionen sowie Verfahren und andererseits auch in Form an individuellem Verhalten (vgl. Walzer 1996: 61).

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich einerseits mit Walzers Konzept von Gesellschaftskritik sowie seinem Bild eines Gesellschaftskritikers, aber auch mit den Grenzen seines Konzepts. Ferner geht es darum, darzustellen, welche Bedeutung und Potentiale der Gemeinsinn für Gesellschaftskritik beinhaltet.

1.2 Aufbau der Hausarbeit

Im ersten Kapitel werden die Kernbegriffe definiert, insbesondere geht es hierbei um die Termini Gemeinsinn, Gemeinwohl, Gemeinschaft und Gesellschaft, Öffentlichkeit sowie Kritik – immer mit dem Fokus auf die Rolle der Gesellschaftskritik sowie die Potentiale des Gemeinsinns für Kritik.

Das anschließende zweite Kapitel dreht sich um Michael Walzers Buch „Zweifel und Einmischung“, in dem er elf Kritiker des 20 Jahrhunderts ausgewählt hat, um sie auf ihre Praxis der Gesellschaftskritik hin zu überprüfen und um ihren Standpunkt der Kritik aufzuzeigen, ohne dabei auf ihre gesamte Hintergrundphilosophie einzugehen.

Walzers drei Pfade der Moralphilosophie sind Gegenstand des dritten Kapitels. Hierbei werden zunächst seine drei Wege der Moralphilosophie umschrieben, bevor im vierten Kapitel auf seine Definition von Gesellschaftskritik und wie nach Walzer ein Gesellschaftskritiker sein soll, eingegangen wird.

Im fünften Kapitel geht es um die Grenzen von Walzers Konzept von immanenter Gesellschaftskritik. Und abschließend wird im sechsten Kapitel erklärt, welche Potentiale der Gemeinsinn für Kritik beinhaltet, bevor im Fazit erläutert wird, welchen Stellenwert die immanente Kritik in der Moderne hat.

2 Begriffsdefinition der Kernbegriffe

2.1 Die zusammengehörigen Kategorien: Gemeinsinn und Gemeinwohl

Bei den beiden Begriffen Gemeinsinn und Gemeinwohl handelt es sich semantisch betrachtet, um Begriffe deren Bedeutungen nie eindeutig festgelegt waren – ihr Ursprung liegt bereits in der Antike (vgl. Münkler/Bluhm 2001: 9). Allgemein betrachtet stellen Gemeinwohl und Gemeinsinn zusammengehörige Kategorien dar (vgl. ebd.: 12), d.h. sie gehören nicht nur zusammen, sondern bedingen sich auch gegenseitig.

Wie kann man die beiden Begriffe definieren und inwiefern sind die beiden Begriffe zusammengehörig? Bei Gemeinsinn handelt es sich nach Münkler und Bluhm um eine motivierte Handlungsdisposition von Bürgern sowie politisch-gesellschaftlichen Akteuren, die allein nur eine knappe sozio-moralische Ressource bedeutet (vgl. ebd.: 13). Anders gesagt, verbirgt sich hinter dem Begriff Gemeinsinn die Bereitschaft bzw. Motivation der sozial Handelnden, sich am Gemeinwohl als ein normatives Ideal zu orientieren und den eigenen Anspruch auf soziale Verbindlichkeit in Verhalten und Handeln umzusetzen (vgl. Münkler/Fischer 2002: 9).

Gemeinwohl stellt somit ein normatives Ideal dar, welches uns implizit zu verstehen gibt, wie viel Gemeinsinn man aufbringen muss, um die im Gemeinwohlbegriff enthaltenen Ergebnisse des politischen Prozesses zu erzielen (vgl. Münkler/Bluhm 2001: 13). In der Moderne verfolgt das politische Gemeinwohl vor allem die folgenden Pflichten bzw. Ziele: Prosperität und Vollbeschäftigung, Bildung und Gesundheit, interner und nationaler Frieden, soziale, militärische und zivile Sicherheit sowie Nachhaltigkeit der Nutzung natürlicher Ressourcen (Offe 2002: 71).

Warum ist Gemeinsinn für Gemeinwohl notwendig? Gemeinsinn ist gleichzeitig die Voraussetzung, dass man überhaupt Interesse für ein normatives Gemeinwohl-Ideal hat (vgl. ebd.: 13). Der Gemeinwohlbegriff will gemeinsame Ziele, Kooperationseffekte und ein Handeln erreichen, welches auf das Aufrechterhalten der jeweiligen Gemeinschaft sowie die Reproduktion ihrer Voraussetzung gerichtet ist (vgl. ebd.: 13). Außerdem ist das Gemeinwohl stets auf eine bestimmte Gemeinschaft bezogen und von dieser nicht trennbar (vgl. ebd.: 15). Das Gemeinwohl verweist explizit auf ein Ziel, das allen zugute kommt und daher als Maßstab für die Güte einer kollektiv bindenden Entscheidung gelten kann (vgl. Hellmann 2002: 104).

Äquivalent zur Bezeichnung Gemeinwohl gelten auch die folgenden Begriffe: Allgemeines Interesse, Interesse aller, Interesse der Allgemeinheit, Interesse der Öffentlichkeit, Wohl des Ganzen, Wohl des Landes usw. (vgl. Neidhardt 2002: 168).

Aber erst durch die Gegenbegriffe, wodurch sich der Begriff Gemeinwohl abgrenzen lässt, kann er inhaltlich bestimmt werden. Zu diesen Gegenbegriffen gehören: Partikularinteressen, Interessen der Einzelnen, die Interessen einer bestimmten Klientel usw. (vgl. ebd.: 168). Auf der individuellen Ebene der Handlungsmotivationen werden die Gegenbegriffe in Form von Egoismus, zunehmendem Individualismus und dem Kult zur Selbstverwirklichung deutlich (vgl. ebd.: 168).

Die Probleme hinsichtlich der Eingrenzung des Begriffs Gemeinwohl zeigen sich vor allem darin, dass man beispielsweise im Allgemeinen nicht determinieren kann, welches Wohl welcher Gemeinschaft gemeint ist. Aus diesem Grund ist immer ein bestimmter Verwendungskontext nötig (vgl. Münkler 2002: 92). Ferner sollte auch die Art des Wohls berücksichtigt werden – d.h. ob es sich um materielle Güter oder geistig-kulturelle Güter handelt und um welche Art der Verteilung es sich handelt (vgl. ebd.: 93).

Trotzdem werden in den klassischen wie den modernen Vorstellungen von Gemeinwohl drei Grundmodelle unterschieden: das objektivistische, das Schnittmengenmodell und das deliberative Modell (vgl. Buchstein 2002: 217). Worin unterscheiden sich diese drei Modelle? Beim objektivistischen Modell soll das Gemeinwohl nicht nur erkennbar sein, sondern auch als Orientierung für praktische Politik dienen (vgl. ebd.: 218). Währenddessen es beim Schnittmengenmodell darum geht, dass das Gemeinwohl aus der Schnittmenge aller vorhandenen Interessenlagen besteht und von allen Angehörigen eines politischen Systems geteilt wird (vgl. ebd.: 218). Je differenzierter und pluralisierter die Interessen der Mitglieder eines politischen Gemeinwesens sind, desto kleiner werden auch die Schnittmengen und somit auch das Interesse an Gemeinwohl sein (vgl. ebd.: 218). Das deliberative Modell hat zum Ziel eine kommunikative Allgemeinheit (vgl. ebd.: 218). Hierbei bilden die gegebenen Interessen den Ausgangspunkt für einen Prozess der argumentativen Auseinandersetzung mit einem Ergebnis, welches alle Beteiligten akzeptieren (vgl. ebd.: 218).

Alles in allem bedeutet die Gemeinwohlidee, dass der Bürger ein umfassend informierter Politikkonsument ist und sich gelegentlich politisch und gemeinnützig engagiert (vgl. ebd.: 96) – zum Beispiel in Form eines Ehrenamtes oder einer gemeinnützigen Tätigkeit. Somit setzt Gemeinwohl ein gemeinsinniges Verhalten, d.h. ein tugendhaftes Verhalten voraus (vgl. Münkler/Bluhm 2002: 9). Die Schlüsselbegriffe sind Gerechtigkeit und Solidarität (vgl. ebd.: 10). Gemeinwohl muss immer wieder neu definiert und temporär immer wieder mit substantiellen Gehalten aufgefüllt werden (vgl. ebd.: 10). Beim Gemeinwohl geht es auch um ethische Fragen, somit zählen vom Gemeinsam geteilte Überzeugungen hinsichtlich bestimmter Wertmaßstäbe zu den Gemeinsamkeiten, welche die Bürger, die sie teilen, sie auch gleichzeitig miteinander verbinden und somit als Mitglieder einer Gemeinschaft ausweisen (vgl. Tietz 2002: 60).

2.2 Gemeinschaft und Gesellschaft in der Moderne

Welchen Stellenwert haben die beiden Begriffe Gemeinschaft und Gesellschaft in der Moderne und wie können sie definiert werden? Die beiden Termini Gemeinschaft und Gesellschaft sind Grundbegriffe der Soziologie sowie der Sozialphilosophie (vgl. Riedel 2004: 801).

2.2.1 Begriffsdefinition der beiden Termini

Gesellschaft bedeutet allgemein „eine durch Rede (Sprache) und Handlung bewirkte Verbindung zwischen Menschen, die Gesamtheit miteinander sprechender und zusammen handelnder Individuen und zugleich den Zustand des Verbundenseins, die im Handlungszusammenhang von Bedürfnis, Arbeit und Herrschaft entstehende und an bestimmte Rede- und Handlungsnormen geknüpfte Verbindung selbst, den sozialen Verband“ (Riedel 2004: 801). Demnach hat das Wort zwei Bedeutungen: einerseits das Sinnbild für aktuell-soziales Handeln und andererseits ein soziales Handlungsschema – beispielsweise Familie, Staat oder Schule –, welches in Institutionen oder Gruppen geschichtlich erneuert wird (vgl. ebd.: 801).

Der Begriff Gemeinschaft bezeichnet zum einen „die durch gemeinsames Sprechen und Handeln bewirkte personale Verbindung zwischen Menschen“ und zum anderen „den Zustand des Verbundenseins als soziales Handlungsschema, das der Aktualisierung bedarf – zum Beispiel Ehe-, Berufs- oder Religionsgemeinschaft“ (ebd.: 802). Gemeinschaften sind Kollektive, die auf viele Bereiche des alltäglichen Lebens berührenden solidarischen Beziehungen beruhen und in denen gemeinsame, geteilte Werte, emotionale Bindungen und Solidarität eine entscheidende Rolle spielen (vgl. Gläser 2007: 84).

Im Laufe der Geschichte gab es viele unterschiedliche Definitionen der beiden Termini und die Entwicklung der beiden Begriffe neigt in der deutschen Soziologie zu zunehmender Formalisierung sowie Funktionalisierung (vgl. Riedel 2004: 861). Generell sind die geschichtlichen Bezüge in jedem Fall charakteristisch und notwendig für theoretische Definition der beiden Begriffe (vgl. ebd.: 861). Traditionelle Gesellschaften stehen den modernen Gesellschaften gegenüber und für jede Kultur und in jeder Epoche sind die geschichtlichen Determinanten und Spezifikationen unterschiedlich (vgl. ebd.: 861f.).

In der Moderne haben viele Gemeinschaftsformen einen überwiegend partiellen Charakter, welcher weitere Mitgliedschaften in anderen Gemeinschaften oder anderen sozialen Ordnungen nicht ausschließt, so dass sich Gemeinschaften und alle anderen sozialen Ordnungen überlagern lassen – d.h. man kann gleichzeitig Christ, Mitglied in einem Fußballverein und Wissenschaftlicher sein (vgl. Gläser 2007: 91).

Die moderne Gesellschaft wiederum wird von vielen verschiedenen Gemeinschaften mit potentieller Handlungsrelevanz durchdrungen, welche alle anderen sozialen Ordnungen überlagern sowie deren Wirkungen modifizieren können (vgl. ebd.: 91).

2.2.2 Walzers Definition von „politischer Gemeinschaft“

Für Michael Walzer ist die politische Gemeinschaft gleichbedeutend mit einem besonderen Typ von moralischer Gemeinschaft (vgl. Haus 2000: 114). Moralische Gemeinschaften umfassen nach Walzer alle Gruppen, „durch deren historische Erfahrungen und gemeinsame Praktiken sich unter den Mitgliedern geteilte Verständnisse von ihrer sozialen Welt und dadurch moralische Normen des Zusammenlebens ergeben und die auf der Grundlage dieser geteilten Verständnisse moralische Verpflichtungen untereinander eingegangen sind“ (ebd.: 114f.).

Somit ist für Walzer die Moral ein entscheidendes Kriterium. Er spricht in diesem Zusammenhang von einer moralischen Gemeinschaft, d.h. für ihn bildet eine politische Gemeinschaft den notwendigen Rahmen für ein moralisches Wertesystem der Mitglieder untereinander. Dort teilen die Bürger gemeinsame Werte und richten sich nach gemeinsamen Normen. Dort sind die Voraussetzungen für einen starken Gemeinsinn vorhanden.

Walzer verfolgt mit seinem Gemeinschafts-Konzept nicht das Ziel, das Vorhandensein des Interessenpluralismus oder die Vielfalt verschiedener Lebensweisen zu leugnen, sondern einen Rahmen für das Verständnis von politisch-moralischen Konflikten zu geben (vgl. ebd.: 116). Moralische Gemeinschaften sind von unterschiedlicher Art und können pluralistisch nebeneinander bestehen (vgl. ebd.: 116). Der Gemeinschaftsbegriff von Walzer ist vor allem auf die pluralistische Verfasstheit der amerikanischen Gesellschaft mit ihrer Vielzahl an kulturellen, ethnischen und religiösen Gemeinschaften bezogen (vgl. ebd.: 117).

Politische Macht innerhalb einer politischen Gemeinschaft stellt für Walzer eine Möglichkeit dar, „autoritative Entscheidungen über Ziele und Risiken gemeinschaftlichen Handelns zu bestimmen, d.h. als Souveränität“ (ebd.: 117). Gleichzeitig ist die Verteilung und Ausübung politischer Macht innerhalb einer politischen Gemeinschaft für Walzer die kritische Komponente bei der Gestaltung des Schicksals ihrer Mitglieder (vgl. ebd.: 117).

Desweiteren setzt Walzer die Begriffe Gemeinschaft („community“) und gemeinsames Leben („common life“) nahezu gleich (vgl. ebd.: 122). Im Hinblick auf das „common life“ in Gemeinschaften werden die wechselseitigen moralischen Verpflichtungen bzw. die Verbundenheit zwischen Mitgliedern einer Gemeinschaft durch Akte individueller Zustimmung begründet (vgl. ebd.: 122). Im Gegensatz dazu sind für Walzer weder das bloße Gefühl eines gemeinsamen Lebens, noch die Tatsache dichter Interaktion ausreichend, um gemeinschaftskonstitutiv zu sein (vgl. ebd.: 123) Aus diesem Grund schließt er die Existenz von „Weltgemeinschaft“ oder einer „Menschengemeinschaft“ aus (vgl. ebd.: 123).

Die Grundlage für das Eingehen moralischer Verpflichtungen in einer moralischen bzw. politischen Gemeinschaft ist die gemeinsame Praxis, d.h. eine poltische Gemeinschaft existiert, wenn die Mitglieder an einer gemeinsamen Praxis partizipieren und somit ihre Zugehörigkeit zur Gemeinschaft zum Ausdruck bringen (vgl. ebd.: 123).

2.2.3 Die Bedeutung von „Zivilgesellschaft“ bei Walzer

Das entscheidende Charakteristikum einer Zivilgesellschaft ist für Walzer das Zusammenkommen von Gemeinschaftlichkeit und Freiwilligkeit (vgl. ebd.: 196). Demnach umfasst der Terminus Zivilgesellschaft „sowohl den Raum von (zwischen)menschlichen Vereinigungen, die nicht erzwungen sind, als auch das Ensemble jener Beziehungsnetzwerke, die um der Familie, des Glaubens, der jeweiligen Interessen und einer bestimmte Ideologie willen gebildet worden sind und diesen Raum ausfüllen“ (Walzer zitiert nach Haus 2000: 196).

[...]

Details

Seiten
31
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656048244
ISBN (Buch)
9783656047902
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181670
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Schlagworte
Politische Theorie Kritik Gesellschaftskritik Michael Walzer
Zurück

Titel: Kritik als immanente Kritik