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Rating mittelständischer Unternehmen

Seminararbeit 2009 32 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Mittelständische Unternehmen
2.1 Definition des Mittelstandes
2.2 Charakteristika mittelständischer Unternehmen
2.3 Finanzierungsmöglichkeiten für den Mittelstand

3. Basel II – Auslöser des Ratingphänomens
3.1. Von Basel I zu Basel II
3.2 Basel II und das Drei-Säulen-Konzept

4. Rating als Chance für mittelständische Unternehmen
4.1 Definition des Begriffes „Rating“
4.2 Externes und Internes Rating
4.3. Ratingsymbolik
4.4 Auswirkungen des Ratings auf den Mittelstand
4.5 Risiken aus Sicht von mittelständischen Unternehmen

5. Vorrausetzungen für ein positives Rating
5.1 Typische Probleme bei mittelständischen Unternehmen
5.2 Optimierungsmaßnahmen für das Rating

6. Fazit

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die drei Säulen von Basel II

Abbildung 2: IFD-Rating-Skala

Abbildung 3: Ratingverteilung eines typischen Mittelstandsportfolios

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Vereinfachte Darstellung der Eigenkapitalunterlegung seitens der Banken für Kredite an verschiedene Kreditnehmer gemäß den Basel I Vorgaben

Tabelle 2: Unterschiede zwischen bankinternen und externen Ratings

Tabelle 3: Ratingskalen von Standard & Poor's

1. Einleitung

Kleinere und mittlere Unternehmen, der so genannte Mittelstand, bilden das Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft. Sie beschäftigen knapp 20,45 Millionen Personen, dies entspricht einer Quote von 79,5 % aller Arbeitnehmer in der privaten Wirtschaft. Insgesamt existieren 3,72 Millionen mittelständische Unternehmen, ihr relativer Anteil an Unternehmen in Deutschland beträgt damit 99,6 %.Sie erwirtschaften ca. 49% der Nettowertschöpfung und bilden über 83% aller Lehrlinge aus.[1] Nationale oder internationale Entwicklungen, die den Mittelstand negativ beeinflussen, können somit schnell zu makroökonomischen Spannungen und schwerwiegenden volkswirtschaftlichen Problemen führen. Das aus betriebswirt-schaftlicher Sicht wahrscheinlich auffälligste Merkmal dieser Unternehmen ist die Art ihrer Finanzierung, die im Vergleich zu großen Unternehmen und Konzernen wesentlich undifferenzierter betrieben wird. Mittelständische Unternehmen finanzieren sich in Deutschland überwiegend über klassische Bankkredite. Sie weisen mit durchschnittlich ca. 8% eine äußerst niedrige Eigenkapitalquote auf, die im Vergleich zu Großunternehmen als gering anzusehen ist. [2] Der für mittelständische Unternehmen schwierige Zugang zum Kapitalmarkt erschwert die Kapitalbeschaffung und führt zu einer recht hohen Abhängigkeit von der Kreditfinanzierung. Unabhängig von der Problematik der Mittelstandsfinanzierung steht im Vordergrund die radikale Veränderung der Bankenaufsicht internationaler Institute. Der Baseler Ausschuss hat eine Anpassung der Eigenkapitalunterlegungsvorschriften, deren bisherige Regelungen im Wesentlichen bereits seit 1988 gelten, eine Rahmenvereinbarung zur „Internationalen Konvergenz der Kapitalmessung und Eigenkapitalanforderung“ erarbeitet, kurz „Basel II“ genannt. Ziel dieser Vereinbarung ist es, das internationale Finanzsystem zu stärken, da die bisherigen Regelungen der Dynamik der Märkte nicht mehr gerecht wurden. Eine tragende Säule dieser Rahmenvereinbarung ist die risikogerechte Unterlegung von Krediten mit Eigenkapital. Anhand von internen oder externen Ratings wird festgelegt in welcher Höhe die Kredite mit Eigenkapital zu unterlegen sind. Für risikoreiche Kredite müssen die Banken mehr Eigenkapital unterlegen als für scheinbar sichere. Demzufolge wird die Kapitalaufnahme für kleine und mittelständische Unternehmen erschwert, da sich die Kreditkosten entsprechend der Risikokosten anpassen.

Als Folge dessen werden die Ratings von Unternehmen immer wichtiger in Verbindung mit der Aufnahme von Krediten. Diese Arbeit soll sich zunächst mit den Vorschriften der Baseler Ausschüsse beschäftigen und dann den Fokus auf die Probleme und Chance des Ratings von mittelständischen Unternehmen legen. Der Verfasser verzichtet hierbei auf die Darstellung der verschiedenen Ratingsystematiken sowie dem Ratingverfahren.

2. Mittelständische Unternehmen

2.1 Definition des Mittelstandes

Im Mittelpunkt dieser Kolloquium-Arbeit stehen die mittelständischen Unternehmen. Mit einer solchen Eingrenzung geht die Vermutung einher, dass sich diese Unternehmen signifikant von anderen Unternehmen unterscheiden – insbesondere von Konzernen. Welsh & White formulieren die Besonderheit mit dem Satz „A small business is not a little big bussiness.“[3]

In der Literatur finden sich zahlreiche, unterschiedliche Definitionen, die eine Abgrenzung mittelständischer Unternehmen vornehmen. Für diese Hausarbeit soll die Definition des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn zu Grunde gelegt werden.

Zunächst kann der Mittelstand auf qualitativer und quantitativer Weise abgegrenzt werden. Das IfM, Bonn definiert auf quantitativer Ebene unabhängige Unternehmen mit bis zu neun Beschäftigten und weniger als 1 Million € Jahresumsatz als kleine Unternehmen und solche mit bis 499 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von bis unter 50 Millionen €, die keine kleinen Unternehmen sind, als mittlere Unternehmen. Die Gesamtheit der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) setzt sich somit aus allen unabhängigen Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten und weniger als 50 Millionen € Jahresumsatz zusammen. [4]

„Die qualitativen Abgrenzungsmerkmale beschreiben Besonderheiten von mittelständischen Unternehmen, die sich vom Wesen her von anderen Unternehmensgrößen differenzieren. Dabei stellt die qualitative Abgrenzung mittelständischer Unternehmen nicht auf eine quantitative Betriebsgröße, sondern auf den ganz besonderen Betriebstyp des mittelständischen Unternehmens ab.“[5] Mögliche Merkmale sind häufig die vorkommende Einheit von Eigentum und Leitung, rechtliche Selbständigkeit, der Autonomiegrad, d.h. die Unabhängigkeit von Konzernen oder Großunternehmen oder das weitgehende Fehlen von Filialbetrieben. Außerdem ist die Dominanz der persönlichen Kontakte zu Kunden, Lieferanten und die für das mittelständische Unternehmen relevanten Öffentlichkeit sowie der geringe Formalisierungsgrad zu nennen.[6] Obgleich diese Merkmale dazu beitragen sollen, Abgrenzungen zwischen mittleren und großen Unternehmen vorzunehmen wird in der Literatur keine eindeutigen Angaben darüber gemacht, wie viele Kriterien letztlich zutreffen müssen, um ein Unternehmen dem Mittelstand zuordnen zu können.[7]

„Der Baseler Ausschuss gibt eine quantitative Eingrenzung vor, die sich bei der Abgrenzung zu kleinen Unternehmen bzw. Gewerbetreibenden implizit durch die Möglichkeit ergibt, Kreditengagements unter einer Höhe von 1 Mio. Euro dem Retailgeschäft zuzuordnen.“[8] Das bedeutet, dass Kredite dieser Größenordnung nicht den relevanten Auflagen der Rahmenvereinbarung zur Messung der Kapitaladäquanz unterliegen.

2.2 Charakteristika mittelständischer Unternehmen

Die Diskussion über eine sinnvolle Abgrenzung und Definition von mittelständischen Unternehmen deutet bereits auf die Besonderheiten des Mittelstandes hin. Demzufolge soll dieses Kapitel einige Tendenzaussagen hinsichtlich verschiedener Charakteristika des Mittelstandes darstellen. Im Folgenden werden solche Tendenzen aufgeführt, die sich sowohl positiv als auch negativ auf die Bewertung mittelständischer Unternehmen im Rahmen eines Ratings auswirken können. „Anzuführen sind in diesem Zusammenhang Besonderheiten hinsichtlich der

Finanzierungssituation,

Dominanz der Geschäftsführung bzw. des Eigentümers,

Organisationsstruktur

Strategischen Unternehmensführung,

Hohen Flexibilität sowie

Ressourcenknappheit.“[9]

Die Finanzierung in mittelständischen Unternehmen differiert meist von dem der großen Konzerne. So weist der Mittelstand in Deutschland fast schon traditionell eine recht geringe Eigenkapitalquote auf, da deutsche Bilanzvorschriften einen niedrigen Ausweis an Eigenkapital eher begünstigen. Zumindest aus steuerlicher Sicht ist Eigenkapital die teuerste Kapitalqualität.[10] Die durchschnittliche Eigenkapitalquote liegt bei ca. 8%. Unter ökonomischen Gesichtspunkten kommt dem Eigenkapital jedoch sowohl eine Haftungs- als auch eine Verlustausgleichsfunktion zu. Das Eigenkapital soll somit als Puffer in wirtschaftlichen Krisen dienen und soll dazu beitragen Notlagen zu überbrücken. „8% sind hierbei jedoch kaum ausreichend und schon kleine, kurzfristige Krisen oder Veränderungen können zur Unternehmensinsolvenz führen.“[11] Nach wie vor dominiert der traditionelle Bankkredit die Finanzierung. Andere Außenfinanzierungsformen spielen, mit Ausnahme des Gesellschafterdarlehens, eine untergeordnete Rolle. Die Möglichkeit den Kapitalmarkt in Anspruch zu nehmen ist für mittelständische Unternehmen erschwert.

Eine wichtige Position bei mittelständischen Unternehmen nimmt die Geschäftsleitung in Form des Unternehmers ein. So nimmt die Geschäftsleitung üblicherweise recht aktiv am Betriebsgeschehen teil und arbeitet in Funktionsbereichen mit. Der Unternehmer ist intensiv an der Ausarbeitung sowie dem Vorleben der Unternehmenskultur beteiligt. Darüber hinaus nimmt er eine bedeutende Stellung in Entscheidungssituationen ein. Dies gilt ganz besonders, wenn Eigentum und Unternehmensführung zusammenfallen und der Unternehmer ein persönliches Risiko trägt. Hierbei wird von dem Eigentümer-Unternehmer gesprochen. Diese Situation führt grundsätzlich zur Entscheidungszentralisation, die sich bezüglich der Flexibilität durchaus positiv auswirken kann. Diese Chance birgt auch das Risiko der schweren Ersetzbarkeit sowie der Überlastung der Geschäftsleitung. Meist sind mittelständische Unternehmen von den Handlungen der Geschäftsleitung abhängig und damit verbunden ist auch die auf die Geschäftsleitung zugeschnittene Aufbau- und Ablauforganisation des Unternehmens.[12]

Mittelständische Unternehmen weisen häufig eine flache Organisationsstruktur auf. Nur selten gibt es eine mittlere Managementebene zwischen Geschäftsleitung und ausführender Ebene oder Stabstelle zur Unterstützung der Geschäftsleitung. In Verbindung mit der geringen Arbeitsteilung, die zu komplexen Anforderungen des einzelnen Arbeitsplatzes führen, entsteht dabei auch ein erhöhtes Personalrisiko. Daraus ergibt sich ein höherer Anteil eines Mitarbeiters an der Gesamtleistung als in Relation zu stark arbeitsteiligen und spezialisierten Großunternehmen. Mitarbeiterverluste bergen daher ein besonderes Risiko für mittelständische Unternehmen.[13]

„Die strategische Unternehmensführung, die über die Festlegung, Sicherung und Steuerung der Unternehmensentwicklung die langfristige Bestandserhaltung zum Ziele hat, ist üblicherweise nicht stark ausgeprägt.“[14] Die Planung ist beispielsweise eher kurzfristig orientiert sowie das Fehlen einer Controlling Abteilung ist in der Regel charakteristisch für den Mittelstand. Entscheidungsgrundlagen sind daher zum Teil oberflächlich ausgeprägt. Verstärkt wird dies durch mangelndes Berichtswesen, welches eben auch zu einer erschwerten Ergebniskontrolle führt. In Ergänzung dazu ist ebenfalls ein recht hoher Grand an Intransparenz zu nennen. Traditionell wird dem Mittelstand eine geringere Risikobereitschaft unterstellt, Investitionen werden meist zögerlich durchgeführt.[15]

Kurze und häufig informelle Informationskanäle sowie die exponierte Stellung des Unternehmers ermöglichen eine schnellte Entscheidungsfindung und –durchsetzung. Dementsprechend kann im Allgemeinen von einer kurzen Reaktionszeit und hoher Flexibilität ausgegangen werden. „Durch Improvisationsvermögen und Intuition kann eine Anpassung an konjunkturelle Schwankungen, Umweltveränderungen und Marktbedingungen relativ schnell geschehen.“[16]

Der Mangel an Ressourcen gilt als charakteristisch für den Mittelstand. Insbesondere werden Engpässe in Verbindung zu Kapital, Personal und die Informationsversorgung festgestellt. Mittelständische Unternehmen verfügen meist nur über eine geringe Kapitalausstattung, der Zugang zum Kapitalmarkt ist häufig nicht gegeben und das finanzielle Risiko ist vergleichsweise hoch, da Verluste nicht über andere Unternehmensbereiche aufgefangen werden können. Die Knappheit bezüglich der Ressource Personal erschwert die Abstellung von Personal zu wichtigen Projekten außerhalb des Tagesgeschäftes. Hinzu kommt, wie bereits genannte, die Knappheit an adäquatem Personal, welches von elementarer Wichtigkeit für den Unternehmenserfolg ist.[17]

2.3 Finanzierungsmöglichkeiten für den Mittelstand

Zur Deckung des Finanzierungsbedarfs dominiert nach wie vor der klassische Bankkredit. „Begründet wird dies durch den meist schwierigen und aufwändigen Zugang zum Kapitalmarkt, der zumindest mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen, zu kostenintensiv ist.“[18] Wie bereits beschrieben repräsentiert der deutsche Mittelstand weit aus über 90% der deutschen Unternehmen. Folglich sind Finanzierungsprobleme dieser Unternehmen von beachtlichem Interesse. Insbesondere in Krisenzeiten neigen Banken und Sparkassen dazu, Kredite sehr restriktiv zu vergeben. Die Institute rechtfertigen diese Vorgehensweise mit erhöhtem Risiko bei der Kreditvergabe an Mittelständler. Als Resultat dessen sinken die Gewinnmargen und die Kreditvergabe an KMUs wird für Banken unrentabel.[19] Es stellt sich die Frage, welche Alternativen den kleinen und mittelständischen Unternehmen bleiben, wenn sie keine Kredite mehr bekommen. In vielen Fällen wird das Leasing als Lösung zur Finanzierung von Vermögensgegenständen gesehen. Diese Finanzierung ist oftmals zwar teurer als die herkömmliche Kreditfinanzierung, schont aber dafür die Liquidität des Unternehmens.[20] Als eine weitere Lösung zur Finanzierung des Mittelstandes wird die Mezzanine-Finanzierung genannt. Als Mezzanine-Finanzierung werden Darlehen bezeichnet, die sich durch die Nachrangigkeit gegenüber den Bankengläubigern, einem rückzahlbaren Hauptbetrag und eine Tilgung am Ende der Laufzeit auszeichnen. Die typische Laufzeit solcher Darlehen beträgt 5 bis 8 Jahre. Die primäre Vergütung besteht aus einer Zinskomponente und einer Option auf Geschäftsanteile oder eine gewinnabhängige Zuschlagszahlung, die dem Mezzanine-Geber die Möglichkeit gibt, an dem Wertschöpfungspotential des Unternehmens teilzunehmen. Im Wesentlichen werden Equity-Mezzanine und Debt-Mezzanine differenziert, deren Eigenschaft jeweils dem Eigen- bzw. Fremdkapital näher sind. Bei Mezzaninen handelt es sich jedoch immer um nachrangiges Kapital, das im Insolvenzfall nachrangig bedient wird. Bedeutende Instrumente sind stille Beteiligungen, Nachrangdarlehen sowie Genussrechte und Wandelanleihen. In der Praxis wird das höher zu verzinsende Mezzanine Idealerweise ergänzt durch niedriger zu verzinsende klassische Kredite (Mischfinanzierung). [21] Die Abwicklung erfolgt über institutionelle Investoren, vergleichbar mit dem Bankkredit. Die Transaktionsstruktur des Bankkredits ist jedoch auf die Direktfinanzierung festgelegt, während Mezzanine auch fondsfinanziert sein können. Hierbei kann von einem Zugang zum Kapitalmarkt über Umwege gesprochen werden. „Um das Vertrauen der Kapitalmärkte zu gewinnen, werden externe Ratings eingefordert. Besonders die fehlende Besicherung macht die Notwendigkeit einer eingehenden Analyse deutlich. Meist sind als Voraussetzung Ratings bestimmter Agenturen gefordert.“[22]

3. Basel II – Auslöser des Ratingphänomens

3.1. Von Basel I zu Basel II

Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht wurde 1974 von den Zentralbankpräsidenten der G-10-Länder vor dem Hintergrund einsetzender Bankenkrisen in den USA, Japan und Europa, sowie einiger teilweise spektakulärer Bankenzusammenbrücke ins Leben gerufen. Ziel war es die Bankenaufsicht zu verbessern und Mindeststandards bei der Kreditvergabe festzulegen. In diesem Zusammenhang veröffentlichte der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht im Juli 1988 den so genannten „Basler Eigenkapitalakkord“ (Basel I). Hierdurch sollte eine einheitliche Begrenzung der Risiken und eine Vereinheitlichung der Wettbewerbsbedingungen erreicht werden.[23] Basel I definiert das Eigenkapital der Banken und unterteilt es in Kernkapital und Ergänzungskapital. Des Weiteren fixiert es den Gewichtungsgrad der Risikoaktiva und legt die Mindestquote der Eigenkapitalunterlegung mit Kernkapital (4%) und Gesamtkapital (8%) fest. Vereinfachend ergab sich für Banken aus diesem Vorschriften folgendes Schema für die Eigenkapitalunterlegung bei der Kreditvergabe, welches in Tabelle 1 dargestellt wird:[24]

Tabelle 1: Vereinfachte Darstellung der Eigenkapitalunterlegung seitens der Banken für Kredite an verschiedene Kreditnehmer gemäß den Basel I Vorgaben

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach Hundt, I., et al.: „Rating als Chance für kleine und mittlere Unternehmen“, München: Vahlen Verlag, 2003, S.6

Im Allgemeinen gelten die beiden zuvor aufgeführten Hauptziele der Basler Eigenkapitalvereinbarung als weit gehend erreicht. Basel I wurde zum internationalen Standard und seine Vorgaben wurden im Bankwesen von mehr als 100 Ländern angewandt.

Für praktisch alle Kredite an Firmenkunden mussten Banken 8% Eigenkapital unterlegen. „ Bei jedem Kredit muss eine Eigenkapitalunterlegung von 8% vorliegen, d.h. bei einem Kredit in Höhe von 1 Mio. Euro 80.000 Euro. Jeder Kredit wird also als gleiches Sicherheitsrisiko behandelt. Im Kreditengagement wird dadurch eine Wachstumsgrenze auf das 12,5fache des Eigenkapitals der Kreditinstitute festgelegt.“[25] Diese 8%-Regel wurde zunehmend kritisiert, da die ökonomischen Risiken der Banken nur sehr ungenau abgebildet wurden. Hinzu kamen neue Finanzierungsinstrumente wie Kreditderivate, die Verbriefung von Aktiva und Nettingvereinbarungen. Diese blieben praktisch unberücksichtigt und die Pauschalisierung der Eigenkapitalunterlegung von 8%, unabhängig von der Bonität führten zu einer Quersubventionierung der Kreditnehmer schlechter Bonität durch die Kreditnehmer guter Bonität.[26]

3.2 Basel II und das Drei-Säulen-Konzept

Diese Schwierigkeiten, die in Kapital 3.1. beleuchtet wurden, wurden als Anlass genommen, gravierende Veränderungen vorzunehmen und neue Regelungen auf den Weg zu bringen. Nach der langwierigen Überarbeitung der Eigenkapitalvorschriften wurde letztlich am 26. Juni 2004 die endgültige Fassung der neuen Vorschriften mit dem Titel „Internationale Konvergenz der Kapitalmessung und Eigenkapitalanforderungen“ („Basel II“) veröffentlicht.[27] Die Empfehlungen des Baseler Ausschusses richten sich grundsätzlich nur an die international tätigen Banken und sollen einen einheitlichen Regelungsrahmen schaffen. Die Empfehlungen wurden durch Verabschiedung einer EU-Richtlinie durch die Europäische Kommission in europäisches Recht umgesetzt. Die Umsetzung der Vorschriften wurde in Deutschland mit der Änderung und der Ergänzung des § 25 KWG (Kreditwesengesetz) und der Einführung der Solvabilitätsverodnungen (SolvV) Rechnung getragen.[28]

„Das Hauptziel ist hierbei, die Sicherheit und die Zuverlässigkeit des internationalen Finanzsystems zu verbessern.“[29] Um die gesteckten Ziele zu erreichen, postuliert Basel II die in Abbildung 1 dargestellten drei Säulen „Mindestkapitalanforderung“, „aufsichtsrechtliches Überprüfungsverfahren“ und „Marktdisziplin“. Diese drei Säulen bilden eine Einheit und können nicht isoliert voneinander betrachtet werden. So dürfen Kreditinstitute beispielsweise bankinterne Ratingverfahren nur dann zur Berechnung der Eigenkapitalunterlegung anwenden (Säule I), wenn diese zuvor von der zuständigen Aufsichtsbehörde geprüft (Säule II) und durch das Kreditinstitut veröffentlicht (Säule III) wurden.[30]

In der ersten Säule werden Anforderungen an die Mindesteigenkapitalausstattung formuliert. Nach den neuen Vorschriften des Baseler Akkords soll die Eigenkapitalunterlegung der Kreditinstitute abhängig von der Bonität des Kunden sein. Wie in der Basel I-Regelung muss die Eigenkapitalhinterlegung insgesamt mindestens 8 % betragen.

Abbildung 1: Die drei Säulen von Basel II

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach Hundt, I., et al.: „Rating als Chance für kleine und mittlere Unternehmen“, München: Vahlen Verlag, 2003, S.8 ff.

Zur Bemessung der Eigenkapitalausstattung einer Bank wird folgende Formel eingesetzt:

Dabei bedeuten:

Operationelles Risiko: Die Gefahr von Verlusten, die in Folge der Unangemessenheit oder des Versagens von internen Verfahren, Menschen und Systemen oder in Folge externer Ereignisse eintreten

Kreditrisiko: Das Risiko von Verlusten infolge des Ausfalls eines Gläubigers oder einer Gegenpartei

Marktrisiko: Das Risiko von Verlusten in Handelspositionen bei ungünstiger Preisentwicklung. [31]

Um die Mindesteigenkapitalanforderungen zu ermitteln, werden zwei grundsätzliche Ansätze vorgeschrieben: der Standardansatz (für Banken ohne anerkanntes internes Rating), der durch externe Kreditrisikobeurteilungen unterstützt wird und der IRB (Intern Ratings Based)- Ansatz, der auf bankinternen Ratings basiert. Die Verwendung des IRB-Ansatzes muss durch die Bankenaufsicht genehmigt werden. Die Kreditinstitute sind verpflichtet einen der Ansätze zu benutzen. Der Standardansatz stellt eine modifizierte Version der geltenden Risikomessmethode dar. Danach werden die einzelnen Risikogewichte in Abhängigkeit von der Risikokategorie des Schuldners (Staaten, Banken, Unternehmen) bestimmt. Ein Risikogewicht von 100 % bedeutet, dass ein eingegangenes Risiko zu 100 % bewertet wurde und damit eine EK-Quote von 8 % des Risikowertes erfordert. Ein Risikogewicht von 20 % führt hingegen zu einer EK-Quote von 1,6 %.[32] Bei der Zuordnung von Risikogewichten kommen Ratings von anerkannten Ratingagenturen zur Anwendung. Die Nutzung solcher Ratings ist jedoch optional. Liegt bei einem Kredit das externe Rating nicht vor, wird eine Risikogewichtung von 100 % angesetzt.[33]

[...]


[1] http://www.ifm-bonn.org/index.php?id=99 Stand 15.03.2010

[2] Vgl. Schumacher, M.: „Rating für den Mittelstand: Neue Ansätze zur Prognose von Unternehmensausfällen“, Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag / GWV Fachverlag, 2006, S. 1 ff.

[3] Welsh, J. A., White, J. F.: „A small business is not a little big business” In: Harvard Business Review 07/1981, S. 18-32

[4] Vgl. Brinkkötter, C. J.: „Rating im Mittelstand: Eine empirische Analyse qualitativer Kriterien“, Lohmar: Josef EUL Verlag, 2007, S. 11 ff.

[5] Schneck, O.: „ Rating: Wie Sie ihre Bank überzeugen“, 2.Aufl., München: Beck Wirtschaftsberater im Deutschen Taschenbuch Verlag, 2008, S. 9

[6] Vgl. Behringer S.: „Unternehmensbewertung der Mittel- und Kleinbetriebe: Betriebswirtschaftliche Verfahrensweisen“, 4. Aufl., Berlin: Erich Schmidt Verlag, 2009, S. 10 ff.

[7] Vgl. Schneck, O.: „ Rating: Wie Sie ihre Bank überzeugen“, 2.Aufl., München: Beck Wirtschaftsberater im Deutschen Taschenbuch Verlag, 2008, S. 9.

[8] Brinkkötter, C. J.: „Rating im Mittelstand: Eine empirische Analyse qualitativer Kriterien“, Lohmar: Josef EUL Verlag, 2007, S. 12.

[9] Brinkkötter, C. J.: „Rating im Mittelstand: Eine empirische Analyse qualitativer Kriterien“, Lohmar: Josef EUL Verlag, 2007, S. 14.

[10] Vgl. Pleister, C.: „Bedarfsgerechte Finanzierungen für den Mittelstand“, in: Krimphove, D., Tytko, D. (Hrsg.): „Praktiker-Handbuch: Unternehmensfinanzierung“, Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag, 2002, S. 880 ff.

[11] Schumacher, M.: „Rating für den Mittelstand: Neue Ansätze zur Prognose von Unternehmensausfällen“, Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag / GWV Fachverlag, 2006, S. 1 ff.

[12] Brinkkötter, C. J.: „Rating im Mittelstand: Eine empirische Analyse qualitativer Kriterien“, Lohmar: Josef EUL Verlag, 2007, S. 14.

[13] Vgl. Wildemann, H.: „Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Risikoposition von KMU beim Rating unter besonderer Berücksichtigung leistungswirtschaftlicher Risiken“, in: Controlling 17/2005, S. 233 ff.

[14] Brinkkötter, C. J.: „Rating im Mittelstand: Eine empirische Analyse qualitativer Kriterien“, Lohmar: Josef EUL Verlag, 2007, S. 15.

[15] Vgl. Hundt, I., et al.: „Rating als Chance für kleine und mittlere Unternehmen“, München: Vahlen Verlag, 2003, S.1 ff.

[16] Brinkkötter, C. J.: „Rating im Mittelstand: Eine empirische Analyse qualitativer Kriterien“, Lohmar: Josef EUL Verlag, 2007, S. 16.

[17] Vgl. Brinkkötter, C. J.: „Rating im Mittelstand: Eine empirische Analyse qualitativer Kriterien“, Lohmar: Josef EUL Verlag, 2007, S. 17.

[18] Brinkkötter, C. J.: „Rating im Mittelstand: Eine empirische Analyse qualitativer Kriterien“, Lohmar: Josef EUL Verlag, 2007, S. 17.

[19] Vgl. Schneck, O.: „ Rating: Wie Sie ihre Bank überzeugen“, 2.Aufl., München: Beck Wirtschaftsberater im Deutschen Taschenbuch Verlag, 2008, S. 10.

[20] Vgl. Schneck, O.: „ Rating: Wie Sie ihre Bank überzeugen“, 2.Aufl., München: Beck Wirtschaftsberater im Deutschen Taschenbuch Verlag, 2008, S. 10.

[21] Vgl. Ehlers, H.: „Basel II/Rating: Die Hausaufgaben für Mittelstandsunternehmen und ihre Berater“, Herne/Berlin: Verlag Neue Wirtschafts-Briefe, 2003, S.81.

[22] Brinkkötter, C. J.: „Rating im Mittelstand: Eine empirische Analyse qualitativer Kriterien“, Lohmar: Josef EUL Verlag, 2007, S. 19.

[23] Vgl. Pföstl von, G.: „Messung und Modellierung der Ausfallwahrscheinlichkeit von Krediten: Unter besonderer Berücksichtigung der Vorschläge der Neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung und der Vorgehensweise der Ratingagenturen“, 1. Aufl., Hamburg: Verlag Dr. Kovač, 2005, S.35 ff.

[24] Vgl. Hundt, I., et al.: „Rating als Chance für kleine und mittlere Unternehmen“, München: Vahlen Verlag, 2003, S.6 ff.

[25] Ehlers, H.: „Basel II/Rating: Die Hausaufgaben für Mittelstandsunternehmen und ihre Berater“, Herne/Berlin: Verlag Neue Wirtschafts-Briefe, 2003, S. 7.

[26] Vgl. Schumacher, M.: „Rating für den Mittelstand: Neue Ansätze zur Prognose von Unternehmensausfällen“, Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag / GWV Fachverlag, 2006, S. 9.

[27] Vgl. Paul, S.: „Das Konzept des Baseler Akkordes: Ziele – Diskussion – Ausblick“, in Kolbeck, C., Wimmer, R. (Hrsg.): „Finanzierung für den Mittelstand: Trends, Unternehmensrating, Praxisfälle“, Wiesbaden: Gabler Verlag, 2002, S.47 ff.

[28] Vgl. Wolf, M.: „Basel II – ein Überblick“, in Becker, A, et al (Hrsg.): „Praktiker-Handbuch: Basel II“, Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag, 2005, S. 6 ff.

[29] Schumacher, M.: „Rating für den Mittelstand: Neue Ansätze zur Prognose von Unternehmensausfällen“, Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag / GWV Fachverlag, 2006, S. 10.

[30] Vgl. Hundt, I., et al.: „Rating als Chance für kleine und mittlere Unternehmen“, München: Vahlen Verlag, 2003, S.8 ff.

[31] Vgl. Hundt, I., et al.: „Rating als Chance für kleine und mittlere Unternehmen“, München: Vahlen Verlag, 2003, S.8 ff.

[32] Vgl. Hundt, I., et al.: „Rating als Chance für kleine und mittlere Unternehmen“, München: Vahlen Verlag, 2003, S.10 ff.

[33] Vgl. Brinkkötter, C. J.: „Rating im Mittelstand: Eine empirische Analyse qualitativer Kriterien“, Lohmar: Josef EUL Verlag, 2007, S. 22.

Details

Seiten
32
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656051534
ISBN (Buch)
9783656051794
Dateigröße
739 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181658
Institution / Hochschule
BVL Campus gGmbH
Note
Schlagworte
Rating IFRS Basel II Mittelstand Banken

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