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Fair Trade als Ansatz nachhaltiger Entwicklung?

Eine kritische Betrachtung vor dem Hintergrund der Umweltdebatte

Hausarbeit 2011 15 Seiten

Soziologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklungsethnologie

3. Nachhaltigkeit

4. Fair Trade als Ansatz nachhaltiger Entwicklung
4.1 Geschichte und Aufbau von Fair Trade Organisationen
4.2 Verwirklichung von Fair Trade in der costa-ricanischen Kaffeindustrie
4.3 Kritik

5.Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Fair Trade Ansatz und überprüft, inwiefern das Konzept der Nachhaltigkeit dadurch realisiert werden kann. Der Fair Trade Ansatz verspricht nicht nur Gerechtigkeit für die armen Produzenten eines Produktes, die einen fairen Preis für ihre geleistete Arbeit erhalten sollen, sondern auch ökologisch nachhaltige Anbau- oder Herstellungsweisen. Dabei wird im Folgenden zuerst das Themenfeld der Entwicklungsethnologie abgegrenzt, das Konzept der Nachhaltigkeit erläutert und dann das Fair Trade Konzept vorgestellt. Am Beispiel der costa-ricanischen Kaffeeindustrie wird ein einzelnes Beispiel vorgestellt, an dem sich die Zusammenarbeit von lokalen Produzenten mit westlichen Organisationen detailliert veranschaulichen lässt. Dabei werden auch mögliche Problemfelder aufgedeckt. Die Basis dieser Betrachtung liefert die Studie „Brokering Fair Trade - Relations between Coffee Cooperations and Alternative Trade Organizations - A View From Costa Rica“, die 2006 von Peter Luetchford veröffentlicht wurde. Auf Basis seiner Betrachtungen und der Selbstvorstellungen von Fairtrade Organisationen selbst, soll abschließend eine Einschätzung der Bedeutsamkeit ökologischer Aspekte erörtert werden. Die Datenlage dazu ist allerdings eher dünn, da bislang wie auch von Luetchford beschrieben, meist nur euphorisch über das Konzept gesprochen wird und wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Thema noch rar sind.

2. Entwicklungsethnologie

Im Folgenden soll eine kurze Eingliederung des Themenbereichs innerhalb des Fachbereiches gegeben werden.

Besonders in Deutschland steht der eher anwendungsorientierte Bereich der Entwicklungsethnologie innerhalb des Fachbereiches der Ethnologie eher in einer Randposition. Das eher geringe Interesse der Ethnologie an anwendungsbezogenen Fragestellungen, insbesondere Entwicklungsfragen betreffend, kritisiert Christoph Antweiler in seinem Aufsatz „Akademische Ethnologie und Entwicklungsethnologie“. Die Herausbildung der Ethnologie als Wissenschaft ist laut Antweiler besonders von anwendungsorientierten Fragen angetrieben worden und auch die ersten bezahlten Ethnologen arbeiteten in diesem Bereich.

„ Anwendungsorientierte Forschung gab es während der gesamten Geschichte der Ethnologie als Wissenschaft. Auch viele gegenwärtige Probleme und Umorientierungen betreffen gleichermaßen die allgemeine wie die praxisorientierte Ethnologie. Was ist der Gegenstand der Ethnologie der Welt, in der Lokalitäten zunehmend verknüpft sind?. [sic]Können Ethnologen ihre kulturrelativistische Haltung angesichts extremer Ungerechtigkeiten aufrecht erhalten? “

(Antweiler 2004:24)

Hier greift Antweiler bereits zwei Fragen auf, welche die moderne Ethnologie in einer sich stark wandelnden globalisierten Welt beschäftigen. Entgegen der oft von Laien vertretenen Auffassung, ist der Fachbereich der Ethnologie nicht nur an der Erforschung von „primitiven Naturvölkern“ interessiert, sondern kann alle Formen kollektiver menschlicher Lebensführung untersuchen. Der Forschungsbereich beschränkt sich nicht auf entlegene Regionen der Welt. Besonders weltübergreifende Phänomene sind für die Ethnologie interessante Punkte zur wissenschaftlichen Untersuchung.

Des weiteren fühlen sich viele Ethnologen schon durch die angestrebte emische Sichtweise auf den Forschungsgegenstand meist instinktiv und unreflektiert für Probleme der „Dritten Welt“ zuständig (vgl. Antweiler 2004:24). Aus der Nähe der Ethnologie zu Entwicklungsthemen entstehen laut Antweiler neue interessante Ansätze für den Fachbereich, auch wenn „Entwicklung“ für viele Ethnologen ein ungeliebtes Thema ist und Antweiler sogar von einer fachinternen Ausgrenzung der Kollegen spricht, die sich mit Entwicklungsethnologie befassen. Der untersuchte Themenschwerpunkt der Entwicklungsethnologie liegt in der Betrachtung der Eingliederung lokaler Gesellschaften in größere Systeme auf überregionaler, nationaler oder globaler Ebene. Antweiler betont hierbei: „ Entwicklungsethnologie ist nicht nur Entwicklungszusammenarbeitsethnologie “ (Antweiler 2004:35). Der Ansatz „Participating in Developement“ ist nur ein Teil des Arbeitsbereichs. Dabei wird die ethnologische Feldforschung verbunden mit partizipativen Forschungsansätzen. Dies hat den Vorteil, das situated knowledge aus der erforschten lokalen Gesellschaft wissenschaftlich betrachtet und in die Entwicklungsarbeit einfließen könnte, jedoch ist es leider oft der Fall, dass dieses gewonnene Wissen nicht zum Vorteil der Betroffenen genutzt wird, sondern eher der Vermehrung von Wissen der Forscher und ihres Fachbereiches dient.

„ Auf der anderen Seite bietet die ethnographische Methode durch ihre holistische (das ganze kulturelle System erfassende) und emische (aus der Innensicht beschreibende) Herangehensweise wie kaum eine andere sozialwissenschaftliche Feldmethode prinzipiell die Chance, dass mit globalen Diskursen konfrontierte lokale Gruppe ihr Wissen und ihre Kritierien stärker als bisher in den Entwicklungsprozess einbringen können. In der zunehmenden Bedeutung lokalen Wissens in der internationalen Entwicklungsszene steckt die Chance für das Fach Ethnologie, seine Kompetenz zur Inwertsetzung dieses Wissens zu nutzen (Schönhut 2004:106).

Im Zusammenhang der Betrachtung von Fair Trade Organisationen ist also innerhalb der Entwicklungsethnologie von Interesse, wie sie auf die Entwicklung innerhalb der Entwicklungsländer, aber auch innerhalb der Industrieländer Einfluss nimmt.

3.Nachhaltigkeit

Schönhut nennt Nachhaltigkeit als einen wichtigen Punkt des „Participating in Developement“. In diesem Zusammenhang ist das Fortbestehen des errungenen Fortschritts über das Projektende und den Abzug der externen Akteure hinaus, gemeint. D.h. also, dass die lokalen Akteure in der Lage und auch willens sind, die „Entwicklung“ weiterhin bestehen zu lassen und nicht wieder zurück in alte Muster zu fallen.

Der Begriff Nachhaltigkeit fällt aber häufiger noch im ökologischen Kontext und bezeichnet das Konzept einer langfristig umweltverträglichen Ressourcennutzung. Der ursprünglich aus der Forstwirtschaft stammende Begriff wurde in seiner heutigen Bedeutung durch den „Brundtland-Bericht“ bekannt. Dieser Bericht wurde 1987 veröffentlicht und befasst sich mit der Frage nach einer umweltverträglichen Entwicklung und forderte eine Erforschung des Treibhauseffekts und politische Strategien gegen die Klimaerwärmung (vgl. Hunger 2004:19). Schon hier wurde das Thema Umweltschutz und Entwicklungspolitik verknüpft. Die Agenda 21, die 1992 auf der UN-Konferenz in Rio der Janeiro zum Thema Umwelt und Entwicklung unterzeichnet wurde formuliert die Ziele der nachhaltigen Entwicklung aus und benennt Strategien zur Armutsbekämpfung, Schutz der Erdatmosphäre, Bevölkerungsdynamik sowie die Gruppen, welche aktiv an der Umsetzung beteiligt werden sollen.

Im Allgemeinen wird häufig von den drei Säulen der Nachhaltigkeit gesprochen: Soziales, Ökonomie und Ökologie.

Dabei sollen die Bedürfnisse der heutigen Generation befriedigt werden ohne den Lebensstandart und die Möglichkeiten der kommenden Generationen zu gefährden. Länder, die über Ressourcen mit hohem Marktwert (Diamanten, Metalle, Öl) verfügen, können wirtschaftliche Entwicklung steigern, aber wenn sich diese Steigerung nicht auf das Gros der Bevölkerung auswirkt, erfolgt keine Verbesserung des Lebensstandards. Sind die Ressourcen nicht erneuerbar oder werden schlecht verwaltet, werden sie auf Dauer keine Wachstumsquelle mehr darstellen (außer durch Re-Finanzierung in nachhaltige Projekte). Das Ziel ist also auch ein armutsminderndes Wachstum. Die Fair Trade Organisationen orientieren sich an den drei Säulen der nachhaltigen Entwicklung, welche auf der Agenda 21 basieren.

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Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656046301
ISBN (Buch)
9783656045984
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181518
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
1,3
Schlagworte
Fair Trade Nachhaltigkeit Umwelt

Autor

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Titel: Fair Trade als Ansatz nachhaltiger Entwicklung?