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Kommt es zwischen Iwein und Laudine zum Bruch, weil ihrer Ehe von Anfang an auf einem fundamentalen Missverständnis geschlossen wurde?

Seminararbeit 2009 12 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Liebe im Mittelalter
2.1 Die Minne
2.2 Die Ehe

3. Die Eheschließung zwischen Iwein und Laudine
3.1 Iweins Beweggründe
3.2 Laudines Beweggründe

4. Der Bruch zwischen Iwein und Laudine
4.1 Die Eheproblematik

5. Resumée

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein rîter, der gelêrt was

unde ez an den buochen las,

swenner sîne stunde

niht baz bewenden kunde,

daz er ouch tihtennes pflac

(daz man gerne hœren mac,

dâ kêrt er sînen vlîz an)[1]

Diese Begründung für das Entstehen seines höfischen Epos „Iwein“ nennt der Verfasser selbst, Hartmann von Aue, ein Ministeriale aus alemannisch-schwäbischen Adel. Doch steht außer Frage, dass wir es hier mit Auftragsliteratur zu tun haben. Bei „Iwein“ von Hartmann von Aue handelt es sich um einen Artus -Roman aus dem frühen 13. Jahrhundert. Er hat die französische Version „Yvain“ von Chretien zum Vorbild. Über vielerlei mögliche textanalytische und sprachwissenschaftliche Ansätze zur Betrachtung hinaus, führt uns dieser Text auch in die höfische Welt des Mittelalters ein.

Manch Einer mag den Roman als melodramatisches Charakterstück lesen, mit dem edlen Ritter im Zentrum. Auf ihn warten viele unbestrittene Abenteuer und natürlich darf auch zum Beweis seiner Mannhaftigkeit die Herzensdame nicht fehlen. Nur bei näherer Betrachtung des Werkes erkennt man die wirklich wichtigen Themen und deren gesellschaftspolitische Bedeutung, als da wären êre, triuwe und minne.

Für meine Arbeit habe ich mich mit dem hervortretenden Motiv der Minne befasst. Dieser Begriff beinhaltet erstaunlich verschiedene Bedeutungsebenen. Im Roman stellt die Minne eine treibende Kraft der Handlung dar und bestimmt deren Tempo.

Meine Hausarbeit behandelt die „Liebesbeziehung“ zwischen den beiden Hauptfiguren Iwein und Laudine. Besonders hervorheben will ich dabei die Motivationsgründe ihrer Heirat und den baldigen Bruch in ihrer Beziehung. Es soll erörtert werden, ob Missverständnisse zwischen ihnen und/oder aber auch das damalige Verständnis von Ehe und Liebe in der Sicht und Denkweise des Mittelalters zum Ehe-Aus führten.

Auf die Wiedergabe des Inhaltes möchte ich nur im Kurzen eingehen. Auch die durchaus interessante Geschichte des Romans habe ich bewusst ausgeklammert. Die verwendeten Quellentexte sind im Literaturverzeichnis aufgeführt.

2. Lieben im Mittelalter

2.1 Die Minne

Die Minne ist nicht mit unserem heutigen Verständnis von Liebe gleichzusetzen. Sie ist vielmehr eine Bezeichnung für eine emotionale Beziehung zwischen Menschen untereinander aber ebenso auch die Bezeichnung für das herrschende Gefühl zwischen den Menschen und Gott. Minne ist die uneigennützige Beziehung zu anderen. Sie impliziert aber auch das heftige Werben des Ritters/Adligen um eine Dame. Dieses Bemühen muss aber nicht zum Erfolg führen, denn das Werben ist die Erfüllung der Minne.

Liebe im heutigen Sinne gehört nicht zwingend zu einer damaligen Ehe. Für Mann und Frau im Mittelalter war Liebe und Ehe nicht ausgeschlossen, aber auch nicht zwingend notwendig.

In der Minneliteratur wird die Minne häufig personifiziert und als „Frau Minne“ dargestellt. So auch in Hartmann von Aues „Iwein“. Die Minne wir als eine Art Macht beschrieben, die überwältigend und überpersönlich ist. Sie greift immer von außen auf die Protagonisten ein.[2] Die „höfische Liebe“ drückt sich im Bemühen des Mannes der Angebeteten gegenüber aus. Er lässt nichts unversucht um der Dame würdig zu erscheinen, darf dabei aber keinesfalls die „Spielregeln“ verletzten. Er muss sich geduldig zeigen und wahres Körpergefühl beweisen. Die höfischen Umgangsformen und Tugenden dürfen nicht missachtet werden. Die Dame hingegen verhält sich fern und unantastbar.[3]

Allerdings war das Idealbild der Minne und der „höfischen Liebe“ eine Erschaffung der Literatur und wurde nie erreicht. Vor allem der Minnesang trug seinen Teil dazu bei. Unser heutiges Verständnis von Minne basiert ausschließlich auf dem Minnesang. Kaum eine andere literarische Form des Mittelalters ist heute so bekannt.

Minne ist allerdings auch eine Rechtsform. Sie steht für die friedliche, freiwillige und gewaltfreie Einigung zweier Parteien. Dabei spielt aber die persönliche Bereitschaft zur Einigung eine wichtige Rolle. Sie ist die Voraussetzung für jede Minnehandlung.

2.2 Die Ehe

Wurde im Mittelalter geheiratet, dann sicher nicht aus Liebe und Treue, sondern viel eher aus Nutzen. Es ging um Ausdehnung des Herrschaftsterritoriums, um die Sicherung des Standes, um Reichtum und auch um das Überleben des eigenen Geschlechts durch die Zeugung von Erben. Die Heirat war eine rationale Zweckgemeinschaft, die meist von den Eltern arrangiert wurde. Bei der Ehe im Mittelalter spricht man von „Ehestand“, also vom rechtlichen Status. Sie wurde damals aus wirtschaftlichen Motiven geschlossen und somit standen soziale und politische Gründe im Vordergrund. Die Adelhäuser nutzen die Institution der Ehe, um nähere verwandtschaftliche Beziehungen miteinander eingehen zu können und somit ihre Machtansprüche zu festigen oder sogar auszudehnen.

Im Mittelalter gab es verschiedene Eheformen. Ein davon war die Muntehe. Bei Schließung einer solchen Ehe ging es darum, dass die Frau aus der sie schützenden Familie dem Mann, der sie von nun an beschützen sollte, übergeben wurde. Die Muntehe war ein Rechtsgeschäft zwischen zwei Familien höheren Standes. Die Familie der Braut und der Bräutigam handelten einen Kaufpreis aus. Der Willen der Frau spielte dabei keine Rolle. Der Kaufpreis, auch Muntschatz genannt, wurde vom Mann bezahlt und war meist hoch, sodass sich nicht jeder eine solche Ehe leisten konnte.

Eine zweite Eheform des Mittelalters ist die Friedelehe. Sie ist weniger bindend, bietet aber gleichzeitig der Frau auch weniger Schutz. Es gab weder Verlobung noch Trauung und sie war nicht standesrechtlich. Besiegelt wurden sie lediglich durch die „Heimführung“ der Braut durch den Bräutigam und durch die Hochzeitsnacht.

Eine weitere Eheform ist die Kebsehe. Sie bestand zwischen einem Freien und seiner Magd. Der Freie hatte dabei die absolute Verfügungsgewalt über seine Frau und konnte sie jederzeit zur Heirat zwingen. Diese Eheform co-existierte oft zur Muntehe.

Das Verlöbnis der damaligen Zeit hatte im Vergleich zu heute eine wesentlich größere rechtliche Wirkung. Es war einem Vertrag gleichzusetzen, denn die Verlobten schworen unter Eid zu heiraten. Wurde dieser Vertrag gebrochen, musste man mit einer schwere Bestrafung rechnen.

Bei allen Eheformen nahmen die Frauen stets den repressiven Part ein. Sie waren rechtsunfähig und besaßen nicht einmal die Verfügungsgewalt über ihre künftigen Kinder. Folgende Quelle soll dies verdeutlichen: „ Er soll Meister sein über sie und über ihren Besitz; sie soll seinem Willen gehorchen“[4]. Daran ist deutlich zu erkennen, dass die Frau eine untergeordnete Rolle in der Ehe spielt.

[...]


[1] Hartmann von Aue, Iwein, V. 21 - 27

[2] Schnell, Causa Amoris, S.225

[3] Vgl. Bumke, Höfische Kultur, S. 527

[4] Mertens

Details

Seiten
12
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656045199
ISBN (Buch)
9783656044710
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181467
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth
Note
2,3
Schlagworte
Iwein Minne Liebe Eheschließung im Mittelalter Hartmann von Aue

Autor

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Titel: Kommt es zwischen Iwein und Laudine zum Bruch, weil ihrer Ehe von Anfang an auf einem fundamentalen Missverständnis geschlossen wurde?