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Warum Bamberg? - Die Bistumsgründung unter Heinrich II. und ihre Begründung

Seminararbeit 2006 9 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Formale Akte
2.1 Zustimmung
2.2 Weihungen

3. Antriebskräfte
3.1 Persönliche Motive
3.2 Weitere Motive

4. Schluss

Quellen- und Literaturverzeichnis

Quellen

Literatur

1. Einleitung

Am 7. Juni 1002 wurde Heinrich IV., Herzog von Bayern, als letzter Liudolfinger zum König Heinrich II. gesalbt. Wie bei keinem anderen Herrscher des Mittelalters hat es bei ihm eine intensive „Funktionsgemeinschaft“[1] zwischen König und Bischöfen gegeben - dement­sprechend ist bei ihm ein Wechsel von der Königspfalz zur Bischofsstadt nachzuvollziehen. Dabei griff er selbst in vorhandene Strukturen ein: Als Bischöfe setzte er Mitglieder seiner Hofkapelle ein, das unter Otto II. zurückgesetzte Bistum Merseburg wurde 1004 von ihm wie­der hergestellt[2] und mit Bamberg gründete er 1007 „ein neues religiöses Zentrum seines Kö­nigtums“[3]. Dabei stellt sich die Frage, wie in der Chronik des Bischofs Thietmars von Merse­burg, einem Zeitgenossen Heinrichs II., und in Urkunden zur Gründung das neue Bistum be­gründet wird. Welche Motivationen und Hintergründe liegen dabei den Darstellungen selbst zugrunde?

2. Formale Akte

2.1 Zustimmung

Bereits Otto der Große hatte bei der Gründung des Magdeburger Bistums mit dem Wi­derstand der Bischöfe zu kämpfen gehabt - Heinrich muss bewusst gewesen sein, dass eine Bistumsgründung in Bamberg nicht problemlos ablaufen werden könne.[4] Dementsprechend waren seine Planungen nicht nur langfristig, sondern verliefen auch „insgeheim“, wie Thiet- mar von Merseburg an zwei Stellen[5] schreibt. Entsprechend geheim sei das Ergebnis einer Verhandlung mit dem „ihm sehr nahestehenden Bischof Heinrich von Würzburg“[6] geblieben, in der Heinrich II. um den tauschweisen Erwerb der Pfarreirechte im Regnitzgau gebeten habe. Der Bischof soll unter der Bedingung zugestimmt haben, dass Heinrich dem Bischof „seiner Kirche das Pallium verschaffen und ihm den Hirten von Bamberg unterordnen müsse.“ Dies sei mit der Übergabe des Bischofsstabs bekräftigt worden. Als der Bischof „er­kannte, die Erzbischofswürde werde er keinesfalls erlangen können, verweigerte er die Einlö­sung seines Versprechens“[7]. Warum konnte er nicht diese für ihn so wichtige Würde erlan­gen? Dies hätte eine Schmälerung der Macht des Bistums Mainz bedeutet[8], was sich Heinrich II. nicht hätte leisten können, denn auf die Unterstützung des Bischofs Willigis war er eben­falls angewiesen. Zudem wäre Heinrich II. nicht zur Ernennung eines Erzbischofs berechtigt gewesen.[9] Weshalb er dem Würzburger Bischof trotzdem dieses Versprechen machte, kann nur Spekulation bleiben. Möglicherweise hoffte er, Heinrich bis zur Gründung des Bistums hinhalten zu können, jedoch war dem König Wohlwollen und Unterstützung der Bischöfe wichtig, was er bei einer solchen Taktik verloren hätte. Heinrich II. könnte der Meinung ge­wesen sein, sich über die bestehenden Regeln hinwegsetzen zu können, so wie er auch adlige Gepflogenheiten überging. Eine Ernennung Bischof Heinrichs hätte aufgrund der zu erwarten­den Schwierigkeiten mit dem Mainzer Bischof nicht vor der Bistumsgründung erfolgen kön­nen; Heinrich von Würzburg erwartete eine Ernennung vielleicht vor der Gründung, damit ihm das Bistum von Anfang unterstand.

Am 1. November 1007 fand in Frankfurt ein „allgemeines Konzil [statt], das alle Bischöfe nördlich der Alpen besuchten“[10]. Als alle Erzbischöfe und Suffraganbischöfe versammelt wa­ren, „warf sich der König zu Boden“[11] und bat darum, dass durch die Abwesenheit des Würz­burger Bischofs keine Ablehnung entstehen solle und verwies auf den Würzburger Bischofs­stab als Zeichen gegenseitiger Übereinkunft.[12] Die Kombination aus unterwürfigen Kniefällen und sichtbarer Legitimation durch den Bischofsstab überrascht zunächst, wenn man sich vor Augen hält, dass Heinrich II. sich als Stellvertreter Christi verstand und somit über den Bi­schöfen stehen musste.[13] Doch auch an anderen Stellen sicherte er sich durch Schenkungen die Gunst von Bischöfen[14] und dies hatte einen einfachen Grund: Das Kirchenrecht der Zeit hatte den Päpsten und Synoden konstituierende Funktion zugeschrieben.[15] Heinrich II. tritt zwar als Gründer des Bistums in Erscheinung, angewiesen ist er aber auf die versammelten Bischöfe.

Bischof Heinrichs Kaplan bestätigt, dass sein Herr aus Furcht fern geblieben sei und fordert die Anwesenden auf, im Sinne Heinrichs zu entscheiden.[16] Wie Thietmar schreibt, warf sich der König im Laufe der Verhandlungen mehrmals „demütig zu Boden.“[17] Schließ­lich erhielt Heinrich die erwünschte Zustimmung, das erste Bischofsamt Bambergs wurde „Kanzler Eberhard übertragen, der Erzbischof weihte ihn noch am gleichen Tage.“[18] So blieb das neue Bistum durch den Kanzler an den König gebunden.

2.2 Weihungen

Früh wurde ein Bezug zu Petrus hergestellt, so steht im Tauschvertrag von Mainz zwi­schen Heinrich II. und Bischof Heinrich von Würzburg, dass es zu Ehren des Apostelfürsten Petrus geschehe[19]. Nach der päpstlichen Bestätigungsbulle ist das Bistum „gewidmet zur Ehre des seligsten Apostelfürsten Petrus“[20] und die Synodalurkunde von Frankfurt beschreibt Bam­berg als „Bisthum zur Ehre des heiligen Petrus, des Fürsten der Apostel“[21]. Der Hauptaltar ist Petrus geweiht und liegt im Westen - Weinfurter sieht darin einen Rombezug, da beides eben­falls auf den Petersdom zutrifft.[22] Da der Bamberger Dom als neues religiöses Zentrum seines Königtums gelten kann[23] und seine Herrschaft nördlich der Alpen und damit abseits Roms fo­kussiert war, erscheint dies durchaus folgerichtig.

Nicht nur Petrus wird bedacht - Schenkungen, die auf die Frankfurter Synode folgen, geschehen „zur Ehre der heiligen Gottesmutter Maria und der heiligen Apostel Petrus und Paulus wie der Marthyrer Kilian und Georg“[24]. Der Kreuzaltar im Bamberger Dom schließlich wird nicht nur wie üblich zu Ehren des Heiligen Kreuzes, sondern auch dem heiligen Stephan geweiht - dem ersten Märtyrer, der den Weg zum ewigen Leben wies. Heinrich ließ unweit davon seine Grabanlage vorbereiten.[25] Sein eigenes Seelenheil bedachte der König also bereits bei der Einrichtung der Weihungen.

[...]


[1] Weinfurter: Heinrich II., S.145.

[2] Weinfurter: Kaiser, S.30.

[3] Ebd., S.22.

[4] Schneidmüller: Die einzigartig geliebte Stadt, S.33f.

[5] Thietmar: VI,30; Thietmar: VI,31.

[6] Thietmar: VI,30.

[7] Thietmar: VI,30.

[8] Schneidmüller: Die einzigartig geliebte Stadt, S.36.

[9] Weinfurter: Heinrich II., S.256.

[10] Thietmar: VI,30.

[11] Thietmar: VI,31.

[12] Vgl. Thietmar: VI,31.

[13] Weinfurter: Heinrich II., S.146.

[14] Ebd., S.159.

[15] Schneidmüller: Die einzigartig geliebte Stadt, S.30.

[16] Vgl. Thietmar: VI,32.

[17] Thietmar: VI,32.

[18] Ebd.

[19] Looshorn: Geschichte des Bisthums, S.121.

[20] Ebd., S.123.

[21] MGH D H II. 143; Looshorn: Geschichte des Bisthums, S.127.

[22] Weinfurter: Heinrich II., S.263.

[23] Weinfurter: Kaiser: S.22.

[24] MGH DD H II. 144-171; Looshorn: Geschichte des Bisthums, S.134f.

[25] Weinfurter: Kaiser: S.22.

Details

Seiten
9
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656046387
ISBN (Buch)
9783656046035
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181445
Institution / Hochschule
Technische Universität Berlin – Institut für Geschichte
Note
1,0
Schlagworte
heinrich ii ottonen bamberg Thietmars von Merseburg bistum

Autor

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