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Die Moderationsmethode für Seminare und Trainings

Hausarbeit 2010 21 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Moderationsmethode

2. Workshop, Training, Seminar? - Was ist das alles eigentlich?

3. Ausgewählte Methoden
3.1 Die Kartenabfrage
3.2 Das Blitzlicht
3.3 Mindmapping
3.4 Das Punkten
3.5 Das Bearbeitungsszenario

4. Wissen vermitteln
4.1 Das Kurzreferat
4.2 Die Expertenbefragung
4.3 Die Postersession

5. Literaturangaben

6. Anhang

1. Die Moderationsmethode

Die Moderationsmethode wurde Anfang der 70er Jahre von Trainern und Beratern entwickelt. Die Berater arbeiteten damals an der Entwicklung von Großraumbüros und machten die Erfahrung, dass es gegen Veränderungsvorschläge von außen stets massiven Widerstand gab. So entstand die Idee, Betroffene mit einzubeziehen und ihre „Erfahrungen und ihr Wissen für die Beratungs- und Veränderungsprozesse nutzbar zu machen.“[1] Grundgedanke war, „Menschen zusammenzubringen, zu beteiligen, Probleme zu lösen oder Visionen zu entwickeln“[2], kurz: „Betroffene zu Beteiligten [zu] machen.“[3] Es wurden Spielregeln für eine entsprechende Kommunikationskultur sowie für die Gesprächsführung in Gruppen entwickelt. Man diskutierte über die Demokratie in Unternehmen, über Hierarchie und Führung und versuchte schrittweise, den Beteiligungsansatz in der Praxis umzusetzen.

1972 wurde die Beratungsgesellschaft Metaplan gegründet, die in der hauseigenen Publikationsreihe einen Überblick der bis dato entwickelten „Kommunikationswerkzeuge für planende und lernende Gruppen“[4] veröffentlichte. Bis heute stellen diese Werkzeuge die Grundlage für die zahlreichen Moderationsausbildungen dar. 1974 gründeten Karin Klebert, Einhard Schrader und Walter Straub die Beratungsfirma ComTeam, welche im Gegensatz zum pragmatisch-sachlichen Ansatz von Metaplan mehr Wert auf „die persönliche Ebene und gruppendynamische Aspekte“[5] legte.

Da sich die Menschen und ihre Arbeitsbedingungen laufend verändern, müssen sich jedoch auch die Methoden weiterentwickeln und sich den Bedürfnissen der Menschen anpassen. So wurde und wird die Moderationsmethode in der Praxis fortlaufend durch neue Ideen ergänzt, verfeinert und weiterentwickelt. Nach Kießling-Sonntag (2004) sehen sich Moderatoren heute vor allem mit folgenden Veränderungen konfrontiert:

- Veränderung des Ziels: effektive Entscheidungsfindung statt demokratischer Beteiligung der Betroffenen
- Veränderung der Teilnehmer: Teilnehmer sind mit der Moderationsmethode zunehmend vertraut und übernehmen die Initiative und Steuerung
- Veränderung der Dauer: meist eintägige Workshops statt wie früher mehrtägige Veranstaltungen
- Veränderung des Arbeitsstils: zunehmender Ergebnisdruck

Moderation heute heißt also „schnell zum Punkt kommen.“[6] Straub at al. (2009) von ComTeam sehen die Entwicklung optimistischer. Obwohl sich die konkreten Methoden im Laufe der Zeit verändern, bleibt das Prinzip dahinter gleich: Es geht um die Beteiligung von Menschen, um offene Diskussion und Kommunikation, die es ermöglicht, Hintergründe und Beweggründe sichtbar zu machen. So wird eine Arbeitskultur gefördert, „die tragfähige Entscheidungen, Transparenz über unterschiedliche und gemeinsame Sichtweisen und das Lösen von Konflikten ermöglicht.“[7]

Das Thema „Moderationsmethode“ eröffnet ein weites Feld und je nach Abgrenzung sind verschiedene Elemente enthalten. Eppler (2007) zeichnet das „Periodensystem der Moderation,“[8] welches neben den klassischen Moderationsmethoden wie Blitzlicht, Clustering und Mind Map neue innovative Methoden wie Graphic Facilitation („Visuelles, metapherngeleitetes Sammeln, Strukturieren und Dokumentieren der Teilnehmerbeiträge“[9] ) enthält. Darüber hinaus werden Moderationsmaterial und -vorlagen zusammenfassend dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: „Periodensystem der Moderation“ von Eppler (2007)[10]

2. Workshop, Training, Seminar? - Was ist das alles eigentlich?

Der Begriff „Workshop“ ist in den letzten Jahren ein Modebegriff geworden und in aller Munde. Es existieren Koch-Workshops, Bauchtanz-Workshops oder Zielvereinbarungs­Workshops. Der Begriff klingt „positiv, modern und aktiv [...] und droht zum Schicki-Micki- Begriff zu verkommen.“[11] Doch was ist ein Workshop wirklich? Lipp et al. (2009) definieren Workshops als „Arbeitstreffen, in denen sich Leute in Klausuratmosphäre einer ausgewählten Thematik widmen.“[12] Darüber hinaus sind die Teilnehmer meist Spezialisten oder Betroffene und ein Moderator übernimmt die Leitung als Experte für Besprechungsmethodik und Gruppendynamik.

Veranstaltungen, in denen Wissen vermittelt wird, sind Lehrgänge oder Seminare. Liegt der Schwerpunkt auf der Übung des Gelernten, so spricht man von Training.

Verwirrend ist hierbei, dass auch in Workshops Wissen vermittelt wird, jedoch geschieht dieser Input häufig am Anfang, um den Beteiligten das nötige Know-How für die Bearbeitung nachfolgender Aufgaben zu vermitteln.

In vielen Seminaren und Training wird jedoch mit den sogenannten Workshop- oder Moderationsmethoden gearbeitet. In der folgenden Arbeit werden die wichtigsten Methoden für Workshops, Seminare und Trainings ausführlich dargestellt, sowie ihre Vor- und Nachteile erläutert.

3. Ausgewählte Methoden

Auf den folgenden Seiten werden die Methoden Kartenabfrage, Mindmapping, Blitzlicht, Punkten und Bearbeitungsszenario und ihre Varianten ausführlich dargestellt. Diese Methoden stellen Klassiker in der Moderation dar, trotzdem machen die kreativen Variationen deutlich, dass diese Methoden flexibel genug sind, sich den verändernden Umständen stets anzupassen.

3.1 Die Kartenabfrage

Die Standardversion der Kartenabfrage ermöglicht allen Teilnehmern einer Gruppe gleichzeitig in schriftlicher Form ihre Meinung zu äußern. Sie eignet sich zur Erstellung einer Themenübersicht, zum Sammeln von Informationen, Problemlösungen, kreativen Ideen oder Erklärungen; ist also vielseitig einsetzbar.

Die Kartenabfrage erfolgt in vier Schritten:

1. Erläuterung der Fragestellung

Der Moderator hat sicherzustellen, dass alle Teilnehmer die Fragestellung verstanden und akzeptiert haben.

2. Schreiben der Karten und ungeordnetes Anheften an eine Pinnwand

Alle Teilnehmer schreiben ihre Ideen/ Meinungen auf Karten und heften sie an eine Pinnwand. Hierbei ist von entscheidender Bedeutung, dass leserlich und in ausreichend großer Schrift geschrieben wird. Darüber hinaus sollte jede Karte nur eine Idee enthalten. Hilfreich ist hier eine Musterkarte.

3. „Loreley-Phase“ [13]

Nachdem alle Karten an der Pinnwand angebracht wurden, bilden die Teilnehmer einen Halbkreis um die Pinnwand. Nun werden die Karten kurz vorgelesen und gegebenenfalls erläutert.

4. Clustern der Karten an einer zweiten Pinnwand

Der Moderator ordnet nun jeweils zusammengehörige Karten an einer zweiten Pinnwand an. Bei diesem Prozess sollte die Gruppe eingebunden werden, indem immer wieder gefragt wird, wohin eine Karte gehören könnte. Schließlich werden gemeinsam Überschriften für die Kartencluster gefunden.

CAVE: Um allen Teilnehmern Wertschätzung entgegenzubringen, werden alle Karten angeheftet; doppelte Karten werden untereinander gehängt.

Vorteile:

- Alle Teilnehmer kommen zu Wort, auch sonst weniger dominante Menschen können hier einen Input geben.
- Es entsteht ein guter Überblick, wenn das Thema noch relativ weit gefasst ist.
- Die Methode ist vielseitig anwendbar und es existieren eine Reihe von Variationen.

Nachteile:

- Bei großen Gruppen ist Vorsicht geboten, da mehr als 40 Karten auf der Pinnwand schwer zu verarbeiten sind. Um die Kartenmenge zu reduzieren, können die Karten zum Beispiel in Kleingruppenarbeit entstehen. Wiederholungen können außerdem dadurch vermieden werden, dass die Karten sofort angeheftet werden.
- Durch das gemeinsame Clustern ist die Kartenabfrage relativ zeitaufwendig. Eine Möglichkeit, das Prozedere zu verkürzen ist das „Rosinenpicken.“[14] Hierbei werden nur die Karten weiterverarbeitet, die der Gruppe nach einer kurzen Diskussion oder Punkten (s. unten) besonders wichtig erscheinen.
- In manchen Unternehmen herrscht nach jahrzehntelanger Seminar-/ Workshoptradition bereits eine „Kartenallergie.“[15] Bei zu starker Abneigung auf Seiten der Teilnehmer sollte eventuell zu anderen Methoden gegriffen werden (z.B. Mindmapping, s. unten).

Variation: Kartenabfrage mit Zuruf

Hierbei wird die Fragestellung kurz erläutert und zwei Teilnehmer ausgewählt, die beim Anschreiben unterstützen können. Nach einer kurzen Pause zum Nachdenken können die Teilnehmer ihre Ideen durch Zurufe ohne Wortmeldungen äußern. Die Beiträge werden nicht kommentiert, sondern einfach auf Karten notiert und an die Pinnwand geheftet. Anschließend wird analog wie oben vorgegangen: Unklare Begriffe werden erläutert und die Karten werden geclustert.

Vorteil gegenüber der Standard-Kartenabfrage

- Das Vorgehen ist schneller, da Wiederholungen vermieden werden.
- Ideen können sich gegenseitig kreativ beeinflussen (Vorteil des gemeinsamen Brainstormings).

[...]


[1] Seipel (1999), S. 89

[2] Straub et al. (2009), S. 7

[3] Kießling-Sonntag (2004), S. 54

[4] Seipel (1999), S. 90

[5] ebd.

[6] Kießling-Sonntag (2004), S. 59

[7] Straub et al. (2009), S. 7

[8] Eppler (2007), S. 62

[9] Eppler (2006), S. 89

[10] Eppler (2007), S. 61

[11] Sachsenmeier (2009), S. 13

[12] ebd.

[13] Sachsenmeier (2009), S. 67

[14] Sachsenmeier (2009), S. 70

[15] ebd.

Details

Seiten
21
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656046547
ISBN (Buch)
9783656046165
Dateigröße
971 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181398
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Psychologie
Note
1,0
Schlagworte
moderationsmethode seminare trainings

Autor

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Titel: Die Moderationsmethode für Seminare und Trainings