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Die Entwicklung des slawischen Schrifttums

Ausgehend von der Entstehung der slawischen Schriftform bis zur Entwicklung der slowenischen Schriftarten ab der Zeit der Reformation bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 28 Seiten

Russistik / Slavistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Entwicklung der slawischen Schriftsprache
1.1 Glagolica
1.1.1 Kyrill und Method
1.2 Cirilica

2. Entwicklung der slowenischen Schriftsprache im 16. Jahrhundert
2.1 Bohoričica

3. Der ABC-Krieg in der Mitte des 19. Jahrhunderts
3.1 Metelčica
3.2 Dajnčica
3.3 Gajica
3.3.1 Die kroatische Gajica
3.3.2 Die slowenische Gajica
3.4 Ogrica

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

Einleitung

In dieser Arbeit wird ausgehend von der Entstehung der ersten Schriftform für die slawischen Sprachen durch den Gelehrten und Slawenapostel Konstantin von Thessaloniki (Kyrill) im 9. Jahrhundert chronologisch die Entwicklung der Schriftformen im Slowenischen vom 16. bis ins 19. Jahrhundert verfolgt.

Weiters wird neben der glagolitischen Schrift auch das kyrillische Alphabet und ihre Ausbreitung im Laufe der Jahrhunderte näher erläutert, wobei auch dem Schrifttum politischer und kirchlicher Einfluss nicht fern stand.

Außerdem ist dem Brüderpaar Kyrill und Method ein eigenes Unterkapitel gewidmet, da diese beiden Personen als die Wegbegründer des slawischen Schrifttums und der slawischen Literatur schlechthin gelten.

1. Entwicklung der slawischen Schriftsprache

1.1 Glagolica

Die älteste slawische Schrift, die Glagolica, wurde ca. um 860 von dem Gelehrten Konstantin von Thessaloniki, der später als Mönch den Namen Kyrill annahm, für Zwecke der ersten slawischen Kirchengründung und für seine Großmährische Mission entwickelt. Aufgrund der eingeschränkten Eignung des griechischen Alphabet für die slawischen Sprachen und der Betonung der kulturellen Eigenständigkeit der Slawen durch ihn, konzipierte er die glagolitische Schrift als sog. „Abstandschrift“.

Konstantin legte ihr zwar das griechische System (Buchstaben mit Laut- und numerischer Funktion) zugrunde, schuf jedoch ein von anderen Schriften formal unabhängiges, neues Alphabet, wobei er sich dem Einfluss anderer Schriften nicht ganz entziehen konnte.

Als Quellen dienten ihm neben den griechischen Minuskeln auch insbesondere das georgische und semitische Schriftsystem. Ebenfalls spielten christliche Symbole wie Kreuz, Kreis oder Dreieck bei der Formgebung eine wichtige Rolle. Aus der sog. Urform der Glagolica entwickelte sich zunächst eine runde, dann auch eine eckige Variante, die vor allem in Kroatien und ab dem 16. Jahrhundert auch für den Buchdruck verwendet wurde. Die runde Variante dominierte hingegen im bulgarisch-makedonisch-serbischen Raum.

Als am Ende des 9. Jahrhunderts auf dem Territorium des bulgarischen Reiches die kyrillische Schrift größtenteils aus der griechischen Schrift entwickelt wurde, sind einige Zeichen der glagolitischen Schrift beibehalten worden, und zwar für Laute, die im Slawischen vorhanden waren, im Griechischen aber fehlten.

Ab dem Ende des 10. Jahrhunderts wurde die glagolitische Schrift von der kyrillischen, der Cirilica, immer mehr und mehr verdrängt, sodass sie schon im späten 12. Jahrhundert allenfalls als Geheimschrift noch eine gewisse Rolle spielte.

In Kroatien hingegen konnte sie sich noch lange halten, auf der Insel Krk und in der nordwestkroatischen Region Istrien sogar bis Anfang des 19. Jahrhunderts.

Eines der ältesten und bekanntesten Kulturdenkmäler der slawischen Sprache und Geschichte in glagolitischer Schrift ist die um das Jahr 1100 verfasste Tafel von Baška.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das glagolitische Alphabet mit lateinischer Transliteration[1]

Um die Wende zum 20. Jahrhundert erschien ein katholisches kirchenslawisches Messbuch in glagolitischer Schrift und im Jahre 1976 wurde im nördlichen Istrien ein Denkmal für die Glagolica errichtet, die glagolitische Allee, die über 6 Kilometer von Roč nach Hum führt.

1.1.1 Kyrill und Method

Das Brüderpaar entstammte der Familie eines hohen byzantinischen Staatsbeamten in Thessaloniki, das zu jener Zeit von slawischen Siedlungen umkränzt war, aus denen das Slawische in vielfältiger Weise auch in die Stadt vordrang. Kyrill, der jüngere und anfangs bedeutendere der beiden wichtigsten Missionare im slawischen Raum, und Method standen im Spannungsfeld zwischen griechisch-byzantinischen und römisch-deutschem Einfluss und erreichten trotz vieler Widerstände eine echte Inkulturation des Christentums bei den Slawen.

Die beiden Brüder wurden anfangs des 9. Jahrhunderts als Konstantin und Michael in Thessaloniki geboren und sie wuchsen in einem gebildeten griechischen Milieu griechisch-slawisch zweisprachig auf. Ihre höhere Ausbildung erhielten sie in Konstantinopel im Umfeld des Patriarchen und des Kaiserhauses. Method, der ältere Bruder, schlug die Beamtenkarriere ein, stieg zum Statthalter einer slawischen Provinz auf, quittierte schließlich den Dienst und trat in ein Kloster ein.

Konstantin vertiefte sich in die theologischen, philosophischen und philologischen Studien, wobei er auch noch Griechisch, Latein sowie Syrisch und zum Teil Hebräisch lernte. Nach dem Abschluss seiner Studien an der kaiserlichen Universität in Konstantinopel und seiner Weihung zum Diakon im Jahre 848 wurde er deren Bibliothekar, Archivar und Sekretär von Ignatius (847-857), dem Patriarchen von Konstantinopel.

Nach einem halbjährigen Aufenthalt in einem Kloster wurde er an der Universität in Konstantinopel Philosophieprofessor, in dessen Zeit auch die Kontroverse mit dem abgesetzten ikonoklastischen Patriarchen Johannes fiel. Als einer der theologisch gebildetsten Männer seiner Zeit wurde Konstantin „der Philosoph“, wie er in Anerkennung seines herausragenden Wissens bald genannt wurde, vom Kaiser wiederholt mit diplomatischen politisch-theologischen Missionen beauftragt, so zu den islamischen Arabern und den judaisierenden Chasaren jenseits des Schwarzen Meeres.

Seine Mission (850-851) am arabischen Hofe des Kalifen Al Mutawakkil in der Stadt Samarra war nicht nur wegen der Eintreibung von Abgaben und Unterdrückung der Christen seitens der Araber gedacht, sondern auch als ein intensiver theologischer Disput mit den mohammedanischen Gelehrten und Mönchen, wobei es vor allem um den dreieinigen Gott ging, dessen Existenz die islamischen Gelehrten nicht anerkennen wollten. Angeblich wollten die Araber ihn sogar vergiften, da er sich auch als sehr guter Kenner des Korans erwies.

Auf Einladung des Herrschers der Chasaren machte Konstantin dann etwa 860 eine Mission bei diesem nördlich des Kaukasus sesshaften Volk, dessen jüdischer König ein friedliches Zusammenleben von Juden, Moslemen und Christen ermöglicht hatte. Auf dem Weg dorthin hielt er sich einige Zeit in der Stadt Cherson auf, in der er die hebräische, chasarische und gotische Sprache sowie den Dialekt und die Schrift der Samariter lernte. Dort fand er auch die sterblichen Überreste des um 101 verstorbenen heiligen Klemens, über dessen Entdeckung er drei griechische Schriften verfasste, und die er dann später bis nach Rom brachte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Kyrill und Method[2]

Bei den Chasaren führte er erfolgreich theologische Dispute mit jüdischen Gelehrten und Rabbinern und es ließen sich immerhin etliche Chasaren taufen. Die Mission war somit ein voller Erfolg und der Herrscher der Chasaren schrieb dem byzantinischen Kaiser später einen Dankesbrief, in dem er die Mission lobte und die Freundschaft seines Volkes zusicherte.

Nach der Zerschlagung der Awarenherrschaft durch Karl den Großen zu Ende des 8. Jahrhunderts waren im 9. Jahrhundert im östlichen Mitteleuropa im fränkischen Einflussbereich eine Reihe slawischer Fürstentümer entstanden, so auch das Fürstentum von Morawien, das zumeist als Großmährisches Reich geographisch mit der Region Mähren in Tschechien identifiziert wird.

Um sich dem politischen Einfluss der Franken zu entziehen, der sich durch die Missionierung von salzburgisch-bayrischer Seite und die Etablierung einer fränkischen Kirchenhierarchie verstärkt hatte, richtete 862 Fürst Rastislav von Morawien an Kaiser Michael III. von Byzanz die Bitte, dieser möge ihm Lehrer entsenden, die sein Volk in slawischer Sprache im Glauben unterrichten können.

Michael betraute mit dieser Aufgabe den in politisch heiklen Missionsreisen schon bewährten und des Slawischen kundigen Konstantin. Im Jahre 863 kamen er und Method in Großmähren an, wobei sie ihre ersten Übersetzungen mitbrachten, das Symbol des byzantinischen Doppelkreuzes (das heute im slowakischen Staatswappen steht) sowie die Reliquien einer der ersten Bischöfe von Rom, des heiligen Klemens.

Dort gründeten sie die sog. Großmährische Akademie, in der künftige slawische Priester und Verwaltungskräfte ausgebildet wurden, und die zum Zentrum der slawischen Literatur wurde (im Jahre 885 hatte sie ca. 200 Absolventen).

Die beiden Brüder missionierten mehrere Jahre in Großmähren, wobei sie von Anfang an als Vertreter des östlichen, griechisch-byzantinischen Christentums gegen die Kritik der bayrischen Priester zu kämpfen hatten, die als Vertreter des westlichen, lateinischen Christentums ihren Einfluss schrumpfen sahen und behaupteten, dass der Gottesdienst nur in den drei Sprachen abgehalten werden dürfte, die die Pilatus-Inschrift auf dem Kreuz von Jesus enthält, nämlich Latein, Griechisch und Hebräisch.

Um dem von Seiten der deutsch-lateinischen Geistlichkeit immer wieder erhobenen Vorwurf der Illegitimität ihrer Tätigkeit, sowohl was die Sprache als auch das Territorium betraf, zu begegnen, begaben sie sich 867 mit den Schülern, die zu Priestern geweiht werden sollten, auf die Reise nach Rom und sie trugen mit sich nicht nur die slawischen Kirchenbücher sondern auch die Reliquien des Hl. Klemens, um die Zustimmung des Papstes zur Liturgiesprache Altkirchenslawisch zu erhalten.

Unterwegs noch hielten sie in Venedig und stellten sich einer Versammlung von Bischöfen, Priestern und Mönchen, die der Dreisprachendoktrin anhingen, nach der man Gott schriftlich nur in den Kreuzessprachen Hebräisch, Griechisch und Lateinisch verherrlichen dürfe, zur Disputation. Dort erhielt Konstantin auch die offizielle Einladung des Papstes Nikolaus I. nach Rom und im Winter 867 wurden sie dort feierlich empfangen und ihre gesamte Mission in Großmähren gebilligt. Die Akzeptanz seitens Roms wurde symbolisch zu Weihnachten gezeigt, als sogar die Bibelübersetzungen auf dem Altar der Peterskirche in Rom und die Übersetzungen der liturgischen Texte auf den Hauptaltar der Basilika Santa Maria Maggiore feierlich gelegt wurden.

Im Februar 868 wurden Method und drei Schüler zu Priestern bzw. zwei von ihnen zu Diakonen geweiht und im März wurde schließlich das Altkirchenslawische als vierte Liturgiesprache in der Westkirche zugelassen. Dies war ein überaus bedeutendes Ereignis, da erst im 20. Jahrhundert wieder eine Liturgiesprache außer Latein, Griechisch und Hebräisch von Rom zugelassen wurde. Ende 868 erkrankte Konstantin in Rom, wurde Mönch in einem Kloster, wo er auch wahrscheinlich den Namen Kyrill annahm, und starb im Februar 869. Er wurde in der St. Klemens Basilika in Rom begraben und umstritten bleibt, ob er noch zum Bischof geweiht wurde.

Nach dem Tode Kyrills ging Method, der von Papst Hadrian II. zum Erzbischof von Sirmium und Morawien eingesetzt worden war, nach Pannonien unter Förderung des dortigen Fürsten Kocel, wo er das Missions-, Bildungs- und Übersetzungswerk fortsetzte.

Nach dem Tode Methods gewann wieder die deutsch-lateinische Gegenpartei die Oberhand. Der slawische Gottesdienst wurde eingestellt, die Schüler wurden verfolgt, gefangen genommen und in die Sklaverei verkauft. Einigen aber gelang es zu fliehen - nach Südwesten an das nordadriatische Küstenland und nach Südosten in das benachbarte Fürstentum Bulgarien. Sie trugen das Missionswerk Kyrill und Methods weiter und retteten es so.

Kyrill entwickelte eigens für die großmährische Mission das erste slawische Alphabet, die glagolitische Schrift, und noch im Byzantinischen Reich übersetzten die beiden Brüder einige liturgische und biblische Texte ins Altkirchenslawische, die er auch erst konstruieren musste und ursprünglich ein in der Region um Thessaloniki verwendeter slawischer (altbulgarischer) Dialekt war. Aufgrund der großen Ähnlichkeit der damaligen slawischen Sprachen wählte Kyrill das sog. Altkirchenslawische als die während seiner großmährischen Mission zu verwendende Sprache aus.

In dieser Zeit übertrugen sie dann die ganze Bibel ins Altkirchenslawische, aber auch eine Gesetzessammlung und liturgische Texte und sie gelten somit als Begründer der slawischen Literatur. Diese Übersetzungen sind schöpferisch geniale Leistungen und haben für das Slawische eine vergleichbare Bedeutung wie Luthers Bibelübersetzung für das Deutsche.

Der gemeinsame Gedenktag von Kyrill und Method ist der 14. Februar, sowohl in der katholischen wie der evangelischen und anglikanischen Kirche. Durch ihre Ernennung zu Patronen Europas durch Papst Johannes Paul II. wird er in den europäischen Regionalkalendern zum Fest aufgewertet.

Der 5. Juli ist in Tschechien und der Slowakei ein Nationalfeiertag zum Gedenken an ihr Eintreffen im Großmährischen Reich und in Bulgarien und Mazedonien ist der 24. Mai den beiden Brüdern gewidmet.

1.2 Cirilica

Die kyrillische Schrift, die Cirilica, ist eine Buchstabenschrift, die für zahlreiche, vor allem slawische Sprachen in Europa und Asien verwendet wird, die nach Kyrill von Thessaloniki benannt wurde, aber nicht von ihm entworfen worden ist.

Die Urheberschaft des kyrillischen Alphabets ist immer noch Gegenstand akademischer Diskussion, da die Zuschrift an Klemens von Ohrid, einen Schüler Kyrills, zwar weit verbreitet, jedoch legendär und nicht zu beweisen ist. Andere Theorien vermuten den Ursprung in der Schule von Preslaw in Nordostbulgarien, aber es steht fest, dass die kyrillische Schrift im 10. Jahrhundert in Bulgarien entstand.

Die meisten Buchstaben wurden aus dem griechischen Alphabet, in seiner byzantinischen Schriftform, übernommen bzw. abgeleitet. Für Laute, die im Griechischen nicht vorkommen, wurden Zeichen aus der glagolitischen Schrift zugrunde gelegt, die um 862 von Kyrill entwickelt worden war und folglich nach ihm benannt wurde. Die kyrillische Schrift entwickelte sich als zunächst für die Herstellung von Kirchenbüchern bestimmte Schrift aus der griechischen Unzialschrift, aus der sich auch die meisten heutigen Großbuchstaben entwickelt haben.

[...]


[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Glagolitische_Schrift

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Kyrill_und_Method

Details

Seiten
28
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656051015
ISBN (Buch)
9783656051282
Dateigröße
691 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181206
Institution / Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz – Slawistik
Note
3,0
Schlagworte
Slawische Schriften Glagolica Cirilica Gajica

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