Lade Inhalt...

Klassische und moderne Ansätze der Religionsphänomenologie

Ein Vergleich zwischen Rudolf Otto und Wolfgang Gantke

Hausarbeit 2009 14 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Rudolf Ottos Biographie

III. Rudolf Ottos Betrachtungsweise des Heiligen

IV. Wolfgang Gantkes Biographie

V. Wolfgang Gantkes Betrachtungsweise des Heiligen

VI. Vergleich der Betrachtungsweisen von Otto und Gantke

VII. Schlusswort

I. Einleitung

Das Heilige ist ein umstrittener Begriff in der Religionswissenschaft. Viele haben versucht ihn zu beschreiben und zu konkretisieren, wenige sind sich einig, was er bedeutet. Einer der Ersten, die sich an diese Aufgabe herangewagt haben, war Rudolf Otto, der 1917 mit seinem Buch Das Heilige1 weltberühmt wurde. Hierin führt er den Begriff des Heiligen in die Religionswissenschaft ein und erläutert, was er für ihn bedeutet. In den 80 Jahren seit der Erscheinung des Buches ist jedoch Einiges geschehen, und der Begriff des Heiligen drohte in Vergessenheit zu geraten. In die Diskussion um den kontroversen Begriff kam wieder frischer Wind als 1998 die Dissertationsschrift Der umstrittene Begriff des Heiligen2 des Religionswissenschaftlers Wolfgang Gantke erschien, in welcher er seine problemorientierte Religionsphänomenologie einführt und kritisch Stellung zu anderen das Heilige betreffenden Positionen nimmt. Diese Hausarbeit wird die beiden genannten Werke und Autoren behandeln. Zuerst sollen Biographien von Rudolf Otto und Wolfgang Gantke für Hintergrundwissen sorgen, dann werden ihre Positionen betreffend das Heilige skizziert, und anschließend die Ansätze dieser beiden Religionsphänomenologen im Bezug auf das Heilige miteinander verglichen.

II. Rudolf Ottos Biographie

Rudolf Otto wurde am 25. September 1869 in Peine geboren. 1888 begann er sein Theologiestudium an der Universität Erlangen, wechselte jedoch bald an die theologische Fakultät der Universität Göttingen. 1898 promovierte er mit einer Dissertation über den heiligen Geist bei Luther. Im gleichen Jahr erhielt er eine befristete Lehrbefugnis für einige Themen der Religionsgeschichte und Religionsphilosophie, unter anderem für die Geschichte der Systematischen Theologie. Nach acht Lehrjahren wurde Otto 1906 zum Außerordentlichen Professor in Göttingen ernannt. Neun Jahre später trat er eine Professur für Systematische Theologie in Breslau an, und nur zwei Jahre darauf wechselte er in den Lehrstuhl nach Marburg. Nebenher hatte er das Amt eines Abgeordneten im Preußischen Landtag inne und wurde 1919 sogar Mitglied der Preußischen Landesversammlung. Rudolf Otto reiste viel nach Asien und in den Nahen Osten, wodurch sein Interesse am Hinduismus gefördert wurde. Aus diesem Interesse heraus entstand auch die „Religionskundliche Sammlung“ in Marburg, die er 1927 gründete. Aufgrund gesundheitlicher Probleme wurde Otto bereits im Alter von 59 Jahren emeritiert. 1936 stürzte er aus einem Turm in Staufenberg bei Marburg. Ob dieses ein Selbstmordversuch oder ein Unfall war, wurde nie geklärt, unter anderem weil Rudolf Otto ein halbes Jahr später, am 6. März 1937, in Marburg an einer Lungenentzündung starb.3

III. Rudolf Ottos Betrachtungsweise des Heiligen

Für Rudolf Otto ist das Heilige ein sehr komplexes Gefühl, so dass er versucht es über mehrere Wege zu beschreiben. Wenn eine Sache, die mit rationalen Prädikaten beschrieben wird, automatisch auch rational wäre, dann wäre auch das Göttliche rational, da es mit Prädikaten wie „Geist“, „Allmacht“ oder „Wille“4 beschrieben wird. Weil sich das Übersinnliche jedoch nicht in Worte fassen lässt, bzw. weil diese Prädikate das Göttliche nicht vollends beschreiben können, wird das Unmögliche versucht, nämlich das Irrationale mit rationalen Prädikaten zu beschreiben. Laut Otto seien diese Prädikate synthetisch und könnten nur korrekt verstanden werden, wenn sie als „Träger“5 des Begriffs anerkannt würden, der nur in sich selbst und nicht in den Prädikaten erkannt werden könne. Somit stünden sich Religion und Rationalismus als Gegensatz gegenüber.6

Auch entziehe sich, so Otto, der Begriff des Heiligen dem Rationalen und sei somit ein „ineffabile“7, also begrifflich unerklärbar. Überhaupt etwas als heilig anzuerkennen komme nur in einem religiösen Kontext vor. Im philosophischen und theologischen Sinne wird der Begriff heilig als das „absolute sittliche Prädikat“8 verwendet, in diesem Zusammenhang ist der Ausdruck natürlich auch begrifflich erklärbar. Als Beispiel führt Otto an dieser Stelle Kants heiligen Willen an, welches der Wille ist „der aus Antrieb der Pflicht ohne Wanken dem moralischen Gesetz gehorcht.“9 Auch wenn das Wort heilig hier die sittliche Bedeutung mit einschließt, so ist es damit nicht erschöpft. Für diesen Teil, „das Heilige minus seines sittlichen Momentes minus seines rationalen Momentes,“10 führt Otto den Begriff des Numinosen ein. Das Numinose lebt in allen Religionen als ihr Kernstück, erst hierdurch wird eine Religion zu einer Religion. Um zu erklären was das Numinose sei, könne man nur erklären was es nicht sei, sagt Otto. Es sei auch nicht „im strengen Sinne lehrbar sondern nur anregbar, erweckbar - wie alles, was ‚aus dem Geiste’ kommt.“11 12

Als Reflex auf die Begegnung mit dem Numinosen spricht Otto vom Kreaturgefühl, „das Gefühl der Kreatur die in ihrem eigenen Nichts versinkt und vergeht gegenüber dem was über aller Kreatur ist.“13 Weil das Numinose nicht begrifflich erklärt werden kann, ist es nur möglich es durch die Beschreibung der Gefühlsreaktion die es auslöst zu verdeutlichen. Für Otto ist hierbei das Kreaturgefühl die sekundäre Gefühlsbestimmung nach der primären, objektbezogenen, die im Folgenden erläutert wird. Das Unterste jeder Gefühlsregung ist das „Gefühl des mysterium tremendum, des schauervollen Geheimnisses.“14 Auch an dieser Stelle betont Otto jedoch wieder, dass mit diesem Begriff etwas gesagt wird, was sich eigentlich begrifflich nicht verdeutlichen lässt.15

Als körperliche Auswirkung des Tremendum führt Otto die Gänsehaut an, welche für ihn eine körperliche Reaktion auf ein übernatürliches Erlebnis ist. Nach dem Tremendum, der Scheu, „bleibt mystisches Erschauern, und es löst als Begleit- reflex im Selbstgefühl das beschriebene Kreatur-gefühl aus, das das Gefühl ist eigener Nichtigkeit, eigenen Versinkens gegenüber dem in der ‚Scheu’ objektiv erlebten Schauervollen und Großen selber. [sic]“16 Um das Tremendum so gut wie möglich zu beschreiben fehlt jedoch noch „das Moment von ‚Macht’ ‚Gewalt’ ‚Übergewalt’,[sic]“17 welches Otto majestas tauft, um sodann das „Moment des tremendum [...] als ‚tremenda majestas’“18 näher zu beschreiben. Im Mysterium Tremendum sind allerdings nicht nur das Moment des Tremendum enthalten, sondern auch das des Mysteriösen. „Das Mysterium minus des Momentes des Tremendum können wir näher bezeichnen als das Mirum oder das Mirabile.“19 Es ist auch möglich, dass das Mirum und das Tremendum getrennt voneinander auftreten.20

Der „qualitative Gehalt des Numinosen“21 ist also nun das Moment des Tremendum mit der Majestas. Zusätzlich ist da aber noch etwas „Faszinierendes“22, das mit dem Tremendum in eine „Kontrast-harmonie tritt.“23 Dieses Moment nennt Otto das Fascinans. Seine rationalen Prädikate sind unter anderem Liebe, Erbarmen und Mitleid, welche das Fascinans jedoch begrifflich natürlich nicht ausschöpfen.24 Das Numinose lässt sich zwar nicht weitergeben jedoch anregen. Es ist der Hinter- und Untergrund von Religion, welche, bis auf den Teil das Numinose betreffend, lehrbar ist. Der Erkenntnis, was das Numinose ist, kann man aber ein Stück näher kommen, wenn man weiß wie es sich ausdrückt. Die Wiedergabe heiliger Situationen in anschaulicher Schilderung sind das beste Mittel um das Gefühl des Numinosen zu erklären. Alle weiteren „Darstellungs- und Anregungsmittel des numinosen Gefühls [sind] indirekte.“25 Das erste Ausdrucksmittel ist das bereits bekannte Tremendum, das Fürchterliche. Das zweite Ausdrucksmittel ist das ebenfalls bekannte Mirum, das Erhabene. Als drittes Ausdrucksmittel nennt Otto das Wunder. Das „ m ä chtige Unverstandene und das furchtbare Unverstandene“26, also eine Kombination der ersten beiden Ausdrucksmittel mit dem Wunder, sind eine doppelte Entsprechung des Numinosen und können somit am wahrscheinlichsten seine Gefühle anregen.27

[...]


1 Otto, Rudolf. Das Heilige. Ü ber das Irrationale in der Idee des G ö ttlichen und sein Verh ä ltnis zum Rationalen. München 1963.

2 Gantke, Wolfgang. Der umstrittene Begriff des Heiligen. Eine problemorientierte religionswissenschaftliche Untersuchung. Marburg 1998.

3 Alles, Gregory D.: Rudolf Otto (1869-1937). In: Michaels Axel (Hg.): Klassiker der Religionswissenschaft. Von Friedrich Schleiermacher bis Mircea Eliade. München 1997.

4 Otto 1

5 Otto 2

6 Der Absatz ist eine Zusammenfassung von: Otto 1-2

7 Otto 5

8 Ebd.

9 Otto 5

10 Otto 6

11 Otto 7

12 Der Absatz ist eine Zusammenfassung von: Otto 5-7

13 Otto 10

14 Otto 13

15 Der Absatz ist eine Zusammenfassung von: Otto 8-14

16 Otto 19f

17 Otto 22

18 Ebd.

19 Otto 29

20 Der Absatz ist eine Zusammenfassung von: Otto 18-29

21 Otto 42

22 Ebd.

23 Ebd.

24 Der Absatz ist eine Zusammenfassung von: Otto 42-43

25 Otto 80

26 Otto 83

27 Der Absatz ist eine Zusammenfassung von: Otto 79-83

Details

Seiten
14
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656040897
ISBN (Buch)
9783656041191
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181176
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Institut für Religionswissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
klassische ansätze religionsphänomenologie vergleich rudolf otto wolfgang gantke

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Klassische und moderne Ansätze der Religionsphänomenologie