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Orthodoxie das unbekannte Christentum - Der orthodoxe Gottesdienst als Gesamtkunstwerk

Seminararbeit 2011 15 Seiten

Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärung

3. Kurzer historischer Abriss

4. Das orthodoxe Gotteshaus – Eine Verbindung zwischen Himmel und Erde

5. Der orthodoxe Gottesdienst
5.1 Der Gottesdienst als ein Gesamtkunstwerk
5.2 Wesentliche Anmerkungen zum Ablauf des orthodoxen Gottesdienstes
5.2.1 Die Proskomidie
5.2.2 Die Liturgie der Katechumenen
5.2.3 Die Liturgie der Gläubigen

6. Fazit

7. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Wir wissen nicht: Sind wir im Himmel gewesen oder auf der Erde; denn auf Erden gibt es einen solchen Anblick nicht oder eine solche Schönheit; und wir vermögen es nicht zu beschreiben. Nur das wissen wir, daß dort Gott bei den Menschen weilt.

Und ihr Gottesdienst ist besser als [der] aller anderen [fremden] Länder. Wir aber können jene Schönheit nicht vergessen; denn jeder Mensch wenn er von Süßem gekostet hat, nimmt danach Bitteres nicht mehr an.“[1]

So beschrieben die Abgesandten des Großfürsten Vladimir von der Kiever Rus' im Jahre 988[2] den Gottesdienst in der großen Kathedrale der Hagia Sophia in Konstantinopel. Die Wirkung des Gottesdienstes war so stark, dass durch ihn der Großführst Vladimir zur Annahm des orthodoxen Glaubens veranlasst war.

Doch besonders in der heutigen globalisierten Welt fragen sich spätestens seit dem Griechenland- oder Russlandurlaub viele Menschen aus dem westlichen Raum was das besondere am orthodoxen Glauben ist oder was der orthodoxe Glaube überhaupt bedeutet?

Die Verfasserin versucht daher in dieser Arbeit auf folgende Fragen einzugehen: Was bedeutet orthodoxes Christentum und was ist das Besondere, das den orthodoxen Glauben und den orthodoxen Gottesdienst ausmacht? In wieweit lassen sich die Ursprünge des orthodoxen Glaubens historisch zurückverfolgen?

Die Gewichtung dieser Arbeit liegt jedoch auf dem orthodoxen Gottesdienst, da dieser als wichtige Grundlage des orthodoxen Glaubens verstanden wird.

Eine Ausarbeitung weiterer Inhalte zu diesem Thema ist jedoch in dieser Arbeit nicht möglich, da der Rahmen der Arbeit dies nicht zulässt.

2. Begriffsklärung

Das Wort „orthodox“ kommt aus dem Griechischen und wird mit „rechtgläubig“ übersetzt.[3] Neben „rechtgläubig“ wird der Begriff „orthodox“ auch als: „Gott in der rechten Weise preisend“[4] verstanden. Der rechte und somit „richtige“ Glaube offenbart sich in der richtigen Lobpreisung Gottes oder der richtige Lobpreis geht aus dem richtigen Glauben hervor.

Nach der Tradition der östlichen Kirche steht die „Anbetung des dreifaltigen Gottes und die Verehrung Seiner Engel und Heiligen“ im Mittelpunkt.[5] Die Lehre der Heiligen Dreifaltigkeit ist somit das zentrale Thema der orthodoxen Theologie.

„Kennzeichnend für die Orthodoxe Kirche ist die Trennung von Sakralem und Profanem, die sich zugleich mit den Begriffen von rein und unrein verbindet.“[6] Daher wird die Kirche zu der profanen „unreinen“ Umwelt und dem profanen Leben sehr stark als ein abgrenzender sakraler Raum verstanden in dem Gott gegenwärtig ist.

3. Kurzer historischer Abriss

Seit dem Ausbruch der Schisma (Abspaltung) im Jahr 1054 zwischen der Christenheit des Oströmischen und der abendländischen Christenheit[7] stand im Vordergrund die Entfremdung zwischen Ost und West.So kam in der Ostkirche dem Patriarchen von Konstantinopel der erste Rang zu, den er bis heute inne hat. Er ist heute vorsitzender Patriarch innerhalb der Gemeinschaft aller orthodoxen Kirchen.

Zu den Ursachen der Schisma trug im Wesentlichen bei, dass im Westen nur ein apostolischer Sitz existierte, nämlich Rom, und so konnte sich dort ein zentralistisches Prinzip eher durchsetzen als im Osten, wo es mehrere apostolische Sitze gegeben hat. Auch der Gebrauch der lateinischen Kirchensprache war ein nicht zu unterschätzender Faktor der die Trennung der beiden Kirchen voranschreiten lies.

Der Höhepunkt der Entfremdung fand in der Zeit der Kreuzzüge statt. Überfälle der Kreuzritter auf orthodoxe Christen und ihre geistlichen Zentren verstärkten diese Entwicklung der Abspaltung.

Während der letzten Jahrhunderte entwickelten die orthodoxen Landeskirchen und ihre Glaubensgemeinschaften ihren eigenen unverwechselbaren Stil.Die führenden orthodoxen Glaubenszentren sind derweil Griechenland und Russland.

Im Handbuch der großen Weltreligionen aus dem Jahr 2006 wird weltweit von ungefähr 250 Millionen[8] orthodoxen Christen gesprochen.Trotz der kulturellen Einflüsse vereint der gleiche Glaube, der gleiche Ritus, die gleiche Kirchenverfassung die unterschiedlichen orthodoxen Glaubensgemeinschaften.

Als Grundlagen des orthodoxen Glaubens gelten die Heilige Schrift des Alten und des Neuen Testaments und die Heilige Tradition (Hiera Paradosis).[9] Die Überlieferung und Tradition ist nach orthodoxer Auffassung im Leben der Kirche selbst enthalten, das heißt in ihren Gottesdiensten und in ihrem liturgischen Leben.

4. Das orthodoxe Gotteshaus – Eine Verbindung zwischen Himmel und Erde

Der Gottesdienst findet in einem heiligen Raum statt der zwar selbst voller Symbolik ist aber auch ganz bestimmte Funktionen erfüllt. Das Gotteshaus selbst weist eine spezielle Unterteilung auf. Der Innenraum ist aufgeteilt in den sogenannten Narthex (Eingangshalle), in dem das Taufbecken positioniert ist und das Schiff der als Platz für die Gläubigen dient.

Im östlichen Teil ist der erhöhte Ambon[10] dem Klerus sowie dem Chor vorbehalten. Wie bereits erwähnt ist eine Orgel nicht vorhanden ebenfalls sind keine Sitzplätze für die Gläubigen vorgesehen. „Hinter dem Ambon erhebt sich die Bilderwand (…), die das Allerheiligste (…) mit dem steinernen Altar verbirgt; auf ihm befinden sich ein liegendes Kreuz, das Evangelienbuch und ein Schrein (...).[11]

In dem Altarraum befindet sich ein Tisch auf dem die Abendmalelemente ausgebreitet sind. Gen Süden ist die Sakristei[12] ausgerichtet und zu diesen beiden Räumen führen drei Türen der Bilderwand, die über den Ambon zu erreichen sind. Die mittlere Tür die zum Altar führt wird auch die „heilige Tür“ oder auch „Königstür“ genannt.

Die Bilderwand mit den abgebildeten Heiligen erstreckt sich durch den ganzen Raum. An der rechten Seite von der heiligen Tür ist ein Bild Christi dargestellt und an der linken Seite ein Marienbild. An den Seitentüren sind die Erzengel, Propheten, Apostel und Heiligenbilder in einer festen Anordnung abgebildet. Die Ikonen vertreten die Heiligen und werden von den Gläubigen verehrt.

Sowohl die Gläubigen als auch die Heiligenbilder werden vor jedem Gottesdienst mit Weihrauch bedeckt. Diese Handlung verdeutlicht die Wichtigkeit der Ikonenverehrung bei den orthodoxen Christen, denn „jeder Christ ist geschaffen zum Gleichbild Gottes und soll (…) Christus in sich Gestalt gewinnen lassen.“[13]

Somit hat die Bilderwand auf der einen Seite eine abgrenzende Funktion zum irdischen Leben und auf der anderen Seite öffnen sich durch sie die heiligen Pforten zum Himmel.[14]

Auch die Kuppel hat eine liturgische Funktion, denn sie schafft einen abgrenzenden Raum über den Gläubigen. Die heiligen Motive an der Kuppeldecke repräsentieren den Himmel und stellen eine Verbindung zu der irdischen Welt her. Somit spiegelt das Innere der orthodoxen Kirche Himmel und Erde wider und die goldenen oder blauen Kuppeln symbolisieren die Himmelspähre und das Schiff das Irdische.

„Die meist goldglänzende russische Zwiebelkuppel empfindet man (…) 'gen oben schlagende Flamme, in der die Liebe der Erde dem sich dem neigenden Himmel Antwort gibt.'“[15]

5. Der orthodoxe Gottesdienst

5.1 Der Gottesdienst als ein Gesamtkunstwerk

Die Grundstruktur eines orthodoxen Gottesdienstes und die des abendländischen Gottesdienstes ist an und für sich gleich.

Auffallend ist beim orthodoxen Gottesdienst die durchgehend poetische Gestaltung der gottesdienstlichen Sprache.Liturgische Gesänge, Texte, Handlungen und die Sprache sind aufeinander abgestimmt.[16] Die dichterische Rede ist in einer rhythmischen Prosa gehalten.

Im Vergleich dazu wird sich in einem protestantischen oder katholischen Gottesdienst „in der Prosa der Gebete kunstvoll kurz und dicht ausgedrückt.“[17] Somit ist typisch für einen orthodoxen Gottesdienst dessen variable Länge.

Der orthodoxe Gottesdienst besteht aus aneinanderreihenden biblischen Bildakten,dabei hat jeder Akt einen Eigenwert. In jedem der einzelnen Akte sind „Anrufung, Verkündigung, Lobpreis, Fürbitte, Sakramentales [und, d. Verf.] Segen“ präsent.

Auch wenn ein Gläubiger dem Gesamtablauf eines Gottesdienstes nicht beiwohnen kann, wird er aufgrund der Fülle an gottesdienstlichen Aspekten teilhaftig werden.

In der Regel verläuft der Gottesdienst für die Gläubigen dynamisch, flexibel und sehr frei. Die Menschen können sich im Gotteshaus frei bewegen, sie haben die Möglichkeit während des Gottesdienstes vor verschiedenen Ikonen zu beten sowie zu kommen und zu gehen wann es genehm ist.

[...]


[1] Müller, 2001, S. 133f.

[2] Müller, 2003, S. 254.

[3] Vgl. Müller, 2000, S. 423.

[4] Ebenda.

[5] Orthodoxe Kirchengemeinde Hl. Nektarios v. Ägina. Online im WWW unter URL:http://www.orthodoxe-kirche-bischofsheim.de/wws.html [Letzter Abruf:12.09.2011].

[6] Müller, 2000, S. 425.

[7] Vgl. Ebenda,S. 424.

[8] Partridge, 2006, S. 324.

[9] Vgl. Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland. Online im WWW unter URL: http://hlede.hlerzengel.de/html/stichworte_zur_orthodoxen_kirc.htm [Letzter Abruf: 15.09.2011].

[10] Ambon „(gr.), Bühne, bes. in der alten christlichen Kirche der um 2–3 Stufen erhöhte viereckige Standort im Schiff der Kirche, dicht am Chor, so groß, daß 6–8 Menschen darauf stehen konnten, von welchem herab die biblischen Abschnitte, später von den niedrigen Geistlichen auch Predigten vorgelesen wurden; auch die Sänger hatten ihren Platz darauf; (…).“ Pierer's Universal-Lexikon, Band 1. Altenburg 1857, S. 395.

[11] Nagel, 1970, S. 62.

[12] Sakristei „in den Kirchen der Ort, wo die heiligen Bücher und Gerätschaften aufbewahrt werden, und wo sich die Geistlichen und Kirchendiener an- und auskleiden und aufhalten, solange sie nicht fungieren (…). Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 17. Leipzig 1909, S. 458.

[13] Nagel, 1970, S. 62.

[14] Vgl. Ebenda.

[15] Ebenda.

[16] Döpmann, 2010, S. 134.

[17] Müller, 2000, S. 425.

Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656042068
ISBN (Buch)
9783656041825
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181141
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Schlagworte
Orthodox orthoxidie russisch griechisch jesus

Autor

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