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Ausgewählte finanzwirtschaftliche und steuerrechtliche Fragestellungen der Businessplanung in jungen Wachstumsunternehmen

Bachelorarbeit 2011 59 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problematik und derzeitige Situation junger Wachstumsunternehmen
1.2 Zielsetzung und Konzeption der Bachelorthesis

2 Junge Wachstumsunternehmen
2.1 Begriffsabgrenzung
2.2 Vom Kleinunternehmen zum Mittelstand

3 Steuerliche Kriterien
3.1 Grundlagen der Besteuerung
3.1.1 Einkommenssteuer
3.1.2 Körperschaftssteuer
3.1.3 Gewerbesteuer
3.2 Steuerbelastungseffekte
3.3 Steuerliche Besonderheiten von Venture Capital

4 Finanzwirtschaftliche Kriterien
4.1 Finanzierung junger Wachstumsunternehmen
4.2 Kapitalbedarf junger Wachstumsunternehmen
4.2.1 Liquiditäts- und Finanzplanung
4.2.2 Entwicklung der Kapitalstruktur im Zeitverlauf
4.2.3 Optimale Kapitalstruktur
4.3 Kapitalzugang in Form von Venture-Capital-Finanzierungen
4.4 Basel III
4.4.1 Bedeutung und Ziel von Basel III
4.4.2 Auswirkungen auf den Mittelstand

5 Projektfinanzierung am Beispiel der XXX GmbH
5.1 Grundlagen der Projektfinanzierung
5.1 Konzeption des Investitionsvorhabens
5.2 Aufbau des Projektfinanzierungsplans
5.3 Auswertung und Interpretation der Projektfinanzierung

6 Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellungsverzeichnis

Darst. 1: Gründungsformen

Darst. 2: Kriterien mittelständischer Unternehmen

Darst. 3: Die persönliche Steuerpflicht

Darst. 4: Die sachliche Steuerpflicht

Darst. 5: Berechnungsschema zur Ermittlung des Gewerbeertrages

Darst. 6: Gesamtsteuerbelastung auf Ebene einer Kapitalgesellschaft

Darst. 7: Gesamtsteuerbelastung einer Kapitalgesellschaft mit Gewinnausschüttung (Anteile im Betriebsvermögen)

Darst. 8: Gesamtsteuerbelastung einer Kapitalgesellschaft mit Gewinnausschüttung (Anteile im Privatvermögen)

Darst. 9: Gesamtsteuerbelastung auf Ebene eines Personenunternehmens

Darst. 10: Kontoform des täglichen Liquiditätsstatus

Darst. 11: Finanzierungsphasen und Cashflow-Zyklus junger Unternehmen

Darst. 12: Varianten der weiten Fassung der goldenen Bilanzregel

Darst. 13: Selektionsprozess von Venture-Capital-Gesellschaften

Darst. 14: Projektrisiken

Darst. 15: Phasen einer Projektfinanzierung

Darst. 16: Symbolerklärung zur WACC-Formel

Darst. 17: Ausgangssituation der Projektfinanzierung

Darst. 18: Base Case

Darst. 19: Worst Case

Darst. 20: Worst Case mit Lösungsvorschlag

1 Einleitung

1.1 Problematik und derzeitige Situation junger Wachstumsunternehmen

Liquiditätsengpässe, Unternehmen in kritischen Situationen sowie die gefürchtete Insolvenz, hervorgerufen durch Fehler des Managements, spielten schon vor der New Economy Krise oder der Weltwirtschaftskrise gerade auch bei jungen Unternehmen, den sog. Wachstumsun- ternehmen eine immer wichtiger werdende Rolle.1 Durch die damaligen wirtschaftlichen Kri- sensituationen, die erschwerend hinzu kamen, konnten sich viele junge Unternehmen am Markt nicht mehr behaupten. Auch das Gründerklima bot keine ausreichenden Perspektiven für Gründerinnen und Gründer.

Erst der wirtschaftliche Aufschwung des Jahres 2010 sorgte im Vergleich zum Vorjahr für einen Anstieg von 66.000 Personen, die eine selbständige Tätigkeit aufgenommen haben. Je- doch ist die Anfangssterblichkeit von jungen Unternehmen innerhalb der ersten drei Jahre mit 32 % hoch.2 Laut einer Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie liegen die drei Hauptgründe dafür bei3:

- unzureichenden Startfinanzierungen,
- unerwarteten Marktveränderungen,
- strategischen Fehlentscheidungen.

Zwei der drei genannten Hauptgründe resultieren u.a. aus fehlenden resp. mangelhaften Kenntnissen in den Bereichen Steuern und Finanzwirtschaft. Dies unterstreicht die Relevanz von steuerlichen und finanzwirtschaftlichen Kriterien in jungen Unternehmen, um als Mana- gement bzw. Geschäftsleitung die richtigen Entscheidungen zu treffen und in Folge dessen die Existenz der Unternehmung zu sichern.

1.2 Zielsetzung und Konzeption der Bachelorthesis

Die Problematik und die Situation des deutschen Gründerklimas ergeben die Zielsetzung die- ser Bachelorarbeit. Die Inhalte sind ausgewählte steuerliche und finanzwirtschaftliche Frage- stellungen der Businessplanung, um grundlegende Fehler seitens der Geschäftsführung zu vermeiden. Die Herangehensweise erfordert eine dynamische Betrachtung der Unternehmung, die im konkreten Fall am Beispiel der XXX GmbH durchgeführt wird.

Die XXX GmbH ist ein junges Wachstumsunternehmen, das den Sprung vom Kleinunter- nehmen zum Mittelstand trotz wirtschaftlichen Krisensituationen erfolgreich gemeistert hat.

Zunächst werden die betriebswirtschaftlichen Grundlagen und Besonderheiten in jungen Wachstumsunternehmen dargestellt. Hierbei wird die Wichtigkeit des Gründerklimas für den Klein- und Mittelstand durch ihre regionale und volkswirtschaftliche Bedeutung veranschau- licht.

Im weiteren Verlauf der Arbeit finden sukzessiv steuerliche Grundlagen und Effekte ihre Anwendung, die jeweils rechnerisch hinterlegt und an strategischen Unternehmens- entscheidungen maßgeblich beteiligt sind. Ebenso wird berücksichtigt, dass Venture Capital einen hohen finanzwirtschaftlichen und steuerlichen Stellenwert bei jungen Wachstumsunter- nehmen inne hat.

Die finanzwirtschaftliche Situation ist äquivalent an einer möglichen Unternehmensentwick- lung dargestellt und offeriert dem Entrepreneur mögliche Handlungs- und Finanzierungsalter- nativen. In Anlehnung an die Folgen der Weltwirtschaftskrise in Form von Basel III werden dadurch entstehende Probleme gerade auch im Hinblick auf Wachstumsunternehmen und Mittelstand diskutiert, um letztlich Lösungsvorschläge zu erörtern.

Die Abrundung der Arbeit erfolgt durch eine Projektfinanzierung am Beispiel der XXX GmbH. Die Projektfinanzierung stellt unter Verwendung der zuvor herausgefilterten Kernaus- sagen bzw. möglichen Lösungsalternativen einen praxisorientierten Bezug dar.

2 Junge Wachstumsunternehmen

Dieses Kapitel beschäftigt sich mit betriebswirtschaftlichen Grundlagen, um den Lesern ein einheitliches Fundament zu schaffen. Das entstehende theoretische Grundgerüst ist von Nö- ten, da der Bereich der Existenzgründung sehr vielfältig und weit umfassend ist.

2.1 Begriffsabgrenzung

Für den Begriff Entrepreneurship, zu Deutsch das Unternehmertum, gibt es in der Literatur zahlreiche Definitionen und Begriffserklärungen, welche eng mit der Bedeutung des jungen Unternehmens verbunden sind.4 Nach § 507 des Bürgerlichen Gesetzbuches wird der Exis- tenzgründer als natürliche Person, die eine gewerbliche oder selbstständige berufliche Tätig- keit aufnimmt, bezeichnet. Jedoch beschreibt der Begriff der Unternehmensgründung, einen durchlaufenden Prozess5, der sich auf eine Vielzahl von Entwicklungsschritten in einem be- stimmten Zeitraum bezieht. Ein konkreter Zeitraum ist hier nur schwer zu nennen, da sämtli- che Unternehmensgründungen branchenspezifisch und hoch individualisiert zu betrachten sind. Im Allgemeinen geht man von einem Zeitrahmen von fünf bis acht Jahren aus.

„In der gründungsspezifischen Literatur wird häufig nicht explizit zwischen Gründungs- und Wachstumsphase differenziert. Vielmehr werden Unternehmen in der Gründungphase und Unternehmen in der Wachstumsphase zur Gruppe der „jungen Unternehmen“ zusammenge- fasst.“6

Desweiteren unterscheidet man zum einen bei Existenzgründungen zwischen originären bzw. derivativen Gründungen, was so viel bedeutet wie „generell neu“ resp. „abgeleitet“ und zum anderen zwischen unselbständigen- und selbstständigen Gründungen.

In der nachfolgenden Abbildung sind die Möglichkeiten der Unternehmensgründungen, wel- che teilweise auch als Start- ups bezeichnet werden, aufgeführt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 1: Gründungsformen

(Quelle: Wittenberg 2006, S. 17)

Genauer betrachtet lassen sich originäre Gründungen nochmals in traditionelle und innovative Gründungen kategorisieren. Die traditionellen Gründungen navigieren zwar zu einen neuem Unternehmen, sie beinhalten allerdings weder eine neue Geschäftsidee noch ein neues Pro- dukt oder eine neue Dienstleistung. Daraus stellt sich die Frage: Ab wann zählt ein Produkt oder Dienstleistung als neu oder innovativ? Da an diesem Punkt keine einheitlichen Definiti- onen vorhanden sind, kann man die Innovation an Hand der Wertschöpfungstiefe bzw. des Erklärungsbedarfes messen.

Prinzipiell weisen innovative Gründungen noch weitere Besonderheiten auf, um sie als solche einzuordnen:

- Forschungsintensität,
- Produktionsintensität,
- Marketingintensität,
- Personalintensität,
- Kostenintensität.

Schlussfolgernd ist ersichtlich, dass die Mehrzahl der Unternehmensgründungen traditionelle Gründungen sind. In Europa liegt der Anteil über 95 %.7 Was sich zum einem auf dem Inno- vationsbegriff selbst zurückzuführen lässt und zum anderen an der hohen Kostenintensität liegt. Die hohe Kostenintensität erzeugt einen erhöhten Kapitalbedarf, der offensichtlich nur durch zusätzliche Beteiligungsfinanzierung in Form von Wagniskapital gedeckt werden kann beispielsweise die Biotechnologiebranche.

2.2 Vom Kleinunternehmen zum Mittelstand

„Die meisten Gründungen sind nach sechs oder sieben Jahren immer noch vergleichsweise kleine Unternehmen. Tatsächlich ist „klein sein“ keine Ausnahme sondern in Europa eher die Regel.“8

Laut HGB § 267 sind Unternehmen als „klein“ zu bezeichnen, wenn ihre Bilanzsumme einen Wert von 4,84 Mio. Euro nicht übersteigt, der Umsatzerlös 9,68 Mio. Euro nicht überschrei- tet, oder die durchschnittliche Mitarbeiterzahl nicht mehr als 50 Arbeitnehmern in einem Ge- schäftsjahr beträgt. Letztlich sind zwei dieser drei Merkmale nicht zu übertreffen, um in Deutschland als „klein“ zu gelten. Dies gilt laut HGB nur für Kapitalgesellschaften.

Hinzu kommt das im Allgemeinen Kleinunternehmen meist in Familienbesitz sind und dem entsprechend nicht von Managern geführt werden. Sie sind ebenfalls weder international tätig noch börsennotiert. Diese qualitativen Merkmale führen dazu, dass es keine eindeutige Ab- grenzung zwischen klein, mittel und groß gibt. Demzufolge definiert sich der Mittelstand eher aus Kleinunternehmen, die sich von nichtmittelständischen Unternehmen, meist Großunter- nehmen, abgrenzen.9

Ein Teil der gegründet Kleinunternehmen wächst mit der Zeit zu einem mittelständischen Unternehmen heran. Mittelständische Unternehmen sind daher schwierig genau abzugrenzen. Wie folgt werden sie ebenfalls anhand von qualitativen und quantitativen Kriterien bestimmt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 2: Kriterien mittelständischer Unternehmen

(Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an De (2005), S. 237)

In den Medien oder auch in der Politik wird der Mittelstand oft als Rückgrat der Wirtschaft bezeichnet.10 Daher stellt sich die Frage an welchen Eigenschaften wird diese Aussage fest- gemacht? Die Antwort fällt jedoch von Region zu Region sehr unterschiedlich aus. Bei- spielsweise wird in Bundesländern mit hoher Arbeitslosigkeit der Beschäftigungsgrad des Mittelstandes herangezogen. Zusätzlich werden weitere volkswirtschaftliche Funktionen zur Beantwortung der Frage betrachtet:

- Innovationsfunktion,
- Wachstumsfunktion,
- Strukturanpassungsfunktion.11

Die Innovationsfunktion wird in mittelständischen Unternehmen dadurch wahrgenommen, dass sie die Voraussetzungen besitzen, Forschung und Entwicklung regelmäßig zu betreiben. Beispielsweise werden neue Prozesse, Produkte oder Herstellungsmöglichkeiten entwickelt oder optimiert. Schließlich führt eine erfolgreiche Innovationsstrategie zu zusätzlicher Wert- schöpfung und damit ist die Wachstumsfunktion eng mit der Innovationsfunktion verbunden. Durch die große Vielfallt potentieller Arbeitgeber des Mittelstandes werden qualifizierte Ar- beitskräfte auf mehrere Unternehmen in einer Region verteilt. Dies senkt das Risiko hoher Arbeitslosigkeit im Vergleich zu großen Monostrukturen in einer Region wie z.B. Volkswa- gen in Wolfsburg.12

Grundlegend kann festgehalten werden, dass junge Wachstumsunternehmen auf ihrem Weg vom Kleinunternehmen zum Mittelstand sinnbildlich für Innovation und Wirtschaftswachs- tum stehen. Ihre Existenz und ihr Beitrag auf regionaler Ebene sind von hoher Bedeutung für die deutsche Volkswirtschaft. Demzufolge ist der Mittelstand völlig zu Recht als Rückgrat der Wirtschaft bezeichnet.

3 Steuerliche Kriterien

Durch die Bedeutung, die den jungen Wachstumsunternehmen im vorherigen Kapitel zu Teil wird, ist es von besonderer Wichtigkeit, die in Kapitel 1.1 angesprochenen Fehler zu vermei- den, um die Existenz des Mittelstandes zu sichern.

In den meisten Fällen von neuen Entrepreneuren wird dem Gebiet der Steuern wenig Beach- tung geschenkt. Jeder unternehmerische oder wirtschaftliche Vorgang ist mit steuerlichen Konsequenzen verbunden. Diese Konsequenzen nehmen unweigerlich Einfluss auf die Liqui- dität, was besonders als junges Unternehmen schwerwiegende Folgen haben kann.

3.1 Grundlagen der Besteuerung

„Steuern sind Geldleistungen, die nicht eine Gegenleistung für eine besondere Leistung dar- stellen und von einem öffentlich-rechtlichen Gemeinwesen zur Erzielung von Einnahmen allen auferlegt werden, bei denen der Tatbestand zutrifft, an den das Gesetz die Leistungs- pflicht knüpft; die Erzielung von Einnahmen kann Nebenzweck sein.“13

Die Grundlagen der Besteuerung bzw. die Steuerarten sollte jeder Unternehmer, in Anbetracht der steuerlichen Bedeutung, ein Höchstmaß an Beachtung schenken.

Folgende Steuerarten, sind für junge Unternehmer sehr wichtig:

- Einkommensteuer,
- Körperschaftssteuer,
- Lohnsteuer,
- Umsatzsteuer,
- Gewerbesteuer,
- Kapitalertragssteuer.

Der weitere Verlauf dieses Kapitels wird auf die Einkommenssteuer, Körperschaftssteuer und Gewerbesteuersteuer näher eingehen. Jene werden als Grundlagen benötigt, um späteren Be- rechnungen am Beispiel der XXX GmbH nachvollziehen zu können.

3.1.1 Einkommenssteuer

Wie der Begriff schon sagt, richtet sich die Höhe der Einkommenssteuer nach dem Einkom- men natürlicher Personen. Die Einkommenssteuer ist eine direkte Steuer, die zu den Ertrags- steuern und zu den Personalsteuern zählt. Ebenso wichtig zu nennen ist, zu welchen Steuerar- ten die Einkommenssteuer nicht zählt. Einkommensteuerzahlungen dürfen die Bemessungs- grundlage nicht mindern, somit ist die Einkommenssteuer keine Aufwandssteuer. Die Bemes- sungsgrundlage stellt den Wert dar, auf den der Steuersatz erhoben wird, um schließlich die Steuerschuld zu ermitteln.14

In Anlehnung an das Einkommenssteuergesetz § 1 Abs. 1 sind natürliche Personen, die im Inland ihren Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort haben, unbeschränkt steuer- pflichtig. Demzufolge lassen sich für die unbeschränkte Steuerpflicht folgende Merkmale ableiten:15

- Juristische Personen (AG, GmbH, usw.) sind nicht von der Einkommenssteuer betrof- fen.
- Zusammenschlüsse von natürlichen Personen, sog. Personengesellschaften, sind eben- falls nicht einkommenssteuerpflichtig, lediglich die anteiligen Gewinne der einzelnen Gesellschafter.
- Als Inland wird einkommenssteuergesetzlich das Gebiet der Bundesrepublik Deutsch- land bezeichnet.
- Ein Wohnsitz definiert sich gemäß § 8 AO wie folgt: „Einen Wohnsitz hat jemand dort, wo er eine Wohnung unter Umständen innehat, die darauf schließen lassen, dass er die Wohnung beibehalten und benutzen wird.“
- Nach § 9 AO wird der Ort als gewöhnlicher Aufenthalt bezeichnet, der erkennen lässt, dass eine Person sich dort nicht nur vorrübergehend aufhält. „Entscheidend ist hierbei der zeitliche Aspekt. Bei einem Aufenthalt von mehr als sechs Monaten wird von ge- wöhnlichem Aufenthalt gesprochen. Dieser Zeitraum kann kurzzeitig, z.B. durch Ur- laub unterbrochen werden.“16

Grundsätzlich umfasst die unbeschränkte Steuerpflicht sämtliche Einkünfte aus dem In- und Ausland und wird im Fachjargon als „Welteinkommen“ bezeichnet.

Im Gegensatz dazu bezieht sich die beschränkte Steuerpflicht lediglich auf Einkünfte aus dem Inland. Dies bedeutet das Personen, die weder ihren Wohnsitz noch ihren gewöhnlichen Auf- enthaltsort im Inland haben, beschränkt steuerpflichtig sind, gemäß § 49 Abs. 1 EStG.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 3: Die persönliche Steuerpflicht (Quelle: Hölscher 2010, S. 465)

Die zuvor erwähnte Bemessungsgrundlage ist das zu versteuernde Einkommen. Bei der Be- rechnung des zu versteuernden Einkommens müssen folgende Prinzipien beachtet werden:

- Prinzip der Abschnittsbesteuerung,
- Prinzip der Vernachlässigung bestimmter Privatbezüge,
- Prinzip der Versteuerung der Nettoeinkünfte (objektives Nettoprinzip),
- Prinzip der Berücksichtigung bestimmter Aufwendungen der privaten Lebensführung (subjektives Nettoprinzip).

Die Abschnittsbesteuerung drückt sich dahingehend aus, dass bei der Ermittlung der gesamten Zuflüsse lediglich die Dauer einer Periode betrachtet wird. Die Periode bezieht sich oftmals auf ein Kalender- oder Wirtschaftsjahr.

Das Prinzip der Vernachlässigung bestimmter Privatbezüge (z.B. Liebhaberei, Spielgewinne) ist so zu verstehen, dass steuerbare Zuflüsse (die sieben Einkunftsarten17) bestimmte Bedin- gungen erfüllen müssen, um besteuert zu werden. Zusätzlich sind bestimmte Zuflüsse steuer- befreit, die im §§ 3 und 3b EStG nachzulesen sind.18

Das objektive Nettoprinzip sagt aus, dass ein wirtschaftliches Ergebnis im Zuge einer Er- werbstätigkeit besteuert werden kann, wobei das Ergebnis die Differenz von Erwerbserträgen und Erwerbsaufwendungen darstellt. Da Erwerbsaufwendungen uneingeschränkt berücksich- tig werden können, finden ebenso Verluste in den einzelnen Einkunftsarten ihre Anwen- dung.19

Das subjektive Nettoprinzip umfasst private Abzüge wie Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen und Grundfreibeträge.

[...]


1 Vgl. Wittenberg (2006), S.1.

2 Dynamisches Gründunggeschehen im Konjunkturaufschwung, KfW Gründungsmonitor 2011.

3 Studie des Bundes Ministerium für Wirtschaft (März, 2010), „Ursachen für das Scheiterns junger Unterneh- men in den ersten fünf Jahren ihres Bestehens“.

4 Vgl. Buttler/Herrmann/Scheffler/Voigt (2000), S. 182.

5 Vgl. Wittenberg (2006), S. 16

6 Wittenberg (2006), S. 31 f.

7 Vgl. De (2005), S.59.

8 De (2005), S. 172.

9 Vgl. De (2005), S 173.

10 Vgl. De (2005), S. 236.

11 Vgl. De (2005), S. 242.

12 Vgl. De (2005), S. 245.

13 Abgabenordnung § 3 Abs. 1.

14 Vgl. Hölscher (2010), S 462.

15 Vgl. Hölscher (2010), S 463.

16 Hölscher (2010), S 463.

17 Vgl. Hölscher (2010), S. 464.

18 Vgl. Hölscher (2010), S. 466.

19 Vgl. Hölscher (2010), S. 467.

Details

Seiten
59
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656039198
ISBN (Buch)
9783656040316
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v180905
Institution / Hochschule
Hochschule Merseburg
Note
1,0
Schlagworte
ausgewählte fragestellungen businessplanung wachstumsunternehmen finanzwirtschaft steuerrecht

Autor

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