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Sekten - Darstellung der psychologischen Manipulation

Fachbuch 2009 31 Seiten

Psychologie - Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Einleitung

3. Der Begriff Sekte
3.1 Warum werden Menschen Mitglied einer Sekte?
3.2 Die Situation in Deutschland

4. Methoden
4.1 Emotionen
4.2 Kommunikation
4.3 Sensorische Deprivation
4.4 Autosuggestion/Suggestion
4.5 Konditionierung
4.6 Isolation
4.7 Kognitive Dissonanz

5. Hilfestellung für Aussteiger

6. Schlusswort

7. Literaturverzeichnis

8. Internetquellen

9. Anhang

1. Vorwort

In der vergangenen Zeit gab es immer wieder Situationen, in denen ich mich mehr oder weniger mit dem Thema Sekten auseinander gesetzt habe. Es begann damit, dass vor einiger Zeit in unseren Tageszeitungen ein Artikel von der Sekten-Info NRW veröffentlicht wurde. Hierin wurde über den steigenden Beratungsbedarf für Personen, die mit Sekten in Verbindung gekommen sind, berichtet (siehe Anhang).

Dann gab es vermehrt Berichte über Sekten in den Medien. So sah ich gemeinsam mit meiner Tochter einen Bericht über die Befreiung von 50 Kindern aus einer Polygamisten Sekte in Texas. Kurze Zeit später wurde dann auch noch über eine schwangere Zeugin Jehovas berichtet, die eine Bluttransfusion ablehnte. Das führte dazu, dass sie und ihr ungeborenes Kind starben. Meine Tochter stellte mir etliche Fragen dazu. Sie wollte unter anderem wissen, wer denn die Zeugen Jehovas sind, was sie machen und warum diese Frau keine Rettung durch die Bluttransfusion haben wollte. Ich konnte diese Fragen nur recht oberflächlich beantworten und ihr nur das vermitteln, was im Allgemeinen über die Zeugen Jehovas bzw. was über Sekten generell gesagt wird.

Eine erneute Konfrontation mit dem Thema Sekten erlebte ich, als ich mit dem Bus in eine andere Stadt fuhr. Hinter mir saßen zwei ältere Damen, und an einer der Haltestellen stieg eine Frau und ein junges Mädchen ein, worauf hin ich die Damen hinter mir lauthals sagen hörte: „Ach du meine Güte, das sind Zeugen Jehovas, macht euch breit, damit sie hier keinen Platz finden!“

Nun begann auch ich mir viele Fragen zu stellen, da sich mir dieses Thema ja regelrecht aufdrängte. Mir wurde nämlich klar, das mein Wissen und damit wahrscheinlich auch meine Einstellung zu Sekten sehr begrenzt war, so wie es wohl allgemein verbreitet ist. Ich hatte ja nun viele Gründe, mich intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen. Einerseits wollte ich meiner Tochter in Zukunft besser Auskunft geben können, um sie damit eventuell auch zu schützen, andererseits könnte diese Thematik auch für meinen zukünftigen Beruf wertvolle Informationen enthalten. Außerdem wollte ich natürlich wissen, was hinter der öffentlichen Kritik an einigen Sekten (häufig Scientology oder Zeugen Jehovas) steckt.

2. Einleitung

Sekten können aus vielen Blickwinkeln betrachtet werden, so findet man beispielsweise viele philosophische, religiöse oder psychologische Aussagen zu diesem Thema. Während meiner Suche nach Informationen fiel mir immer wieder auf, wie viel „Psychologie“ hinter dem „System Sekte“ steckt. Ich könnte fast sagen dass alles, was ich während des Studiums zum Psychologischen Berater/Psychologie gelernt habe, hier zur Anwendung kommt. Da auch unter dem Blick der Psychologie das Thema Sekten sehr facettenreich ist, war es wichtig eine Eingrenzung zu finden.

Während meiner Recherche zum Thema „Sekten“ haben zwei Passagen aus dem Buch „Psychosekten Die Praktiken der Seelenfänger“ meine Aufmerksamkeit erregt.

Es heißt es dort, dass das Thema Sekten und Psycho-Gruppen auf den Lehrplänen der Psychologiefakultäten so gut wie nie auftaucht. Es wird dort behauptet, dass viele Fachleute sich nicht mit der dunklen Seite ihrer Wissenschaft, die hier als „schwarze Psychologie“ bezeichnet wird, auseinandersetzen wollen. So wurde auf dem weltweit größten Hypnose-Kongress der Milton Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnose im Oktober 1995 zu einer Podiumsveranstaltung des Sektenexperten Steven Hassan zum Thema Missbrauch der Hypnose eingeladen. Dazu hat sich nur einer von 2000 Psychologen angemeldet. (vgl. Nordhausen/v. Billerbeck 1999 S.65).

An anderer Stelle wird die Kritik am Heilpraktikergesetz des damaligen Sektenbeauftragten Schleswig-Holsteins Hans-Peter Barthels erwähnt. Er sagt dort, dass es in der Bundesrepublik einen klaren Maßstab zur Beurteilung von Sekten und Psycho-Gruppen gibt und zwar der Artikel des Grundgesetzes, der besagt: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dieses Gesetz kann aber nichts gegen psychische Manipulation ausrichten. Das liegt seiner Meinung nach am Heilpraktikergesetz, welches jedem Laien erlaubt, ohne qualifizierte psychologische Ausbildung, Psychotherapie anzubieten, wenn er keine Gefahr für die Volksgesundheit darstellt (vgl. Nordhausen/v. Billerbeck 1999 S.71).

Diese Aussagen warfen für mich einige Fragen auf. Die größte Frage war natürlich die, was psychologische Manipulation überhaupt bedeutet. Sollte sich diese Frage nicht jeder stellen der in irgendeiner Weise auf psychologischer Basis arbeitet? Ich denke, dass es wichtig ist, sich der Beantwortung dieser Frage zu widmen, um die eigenen Werte und Grenzen als Berater, Therapeut, etc. abzustecken und auch bei seinem Umgang mit Klienten/Patienten zu erkennen, ob eventuell jemand unter Bewusstseinskontrolle steht. Die angestrebte Therapie würde ansonsten nur auf einzelne Symptome ausgerichtet und sozusagen die „falsche Hilfe“ geleistet. Es ist mir wichtig, darzustellen, dass Bewusstseinskontrolle ein Thema ist, das jeden betreffen kann, dass dies aber nur durch das Zusammensetzen der einzelnen psychologischen Bausteine möglich ist. Das es eine Form der „dissoziativen Störung“, ausgelöst durch „Gehirnwäsche“ , als Krankheitsbild gibt, die im DSM (Diagnostisches und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen) aufgenommen wurde, zeigt mir die Wichtigkeit dieser Thematik.

Es soll hier verdeutlicht werden, dass die einzelnen therapeutischen Methoden, die Menschen mit psychischen Problemen helfen sollen, auch zum Machtmissbrauch und zur Manipulation angewendet werden können.

Psychische Manipulation wird auch in anderen Bereichen angewendet, aber um die Grundzüge darzustellen, habe ich mich für „ totalitäre Sekten“ entschieden, da sie sich hier sehr gut darstellen lässt.

Ich möchte keine Wertung der einzelnen Glaubensrichtungen oder Praktiken abgeben, da ich die Glaubensfreiheit als ein wichtiges Menschenrecht empfinde, aber es ist zur Veranschaulichung nötig, gewisse Sekten oder deren Praktiken zu erwähnen.

3. Der Begriff Sekte

Bei dem Versuch, eine eindeutige Definition des Wortes Sekte zu finden, wird sehr schnell deutlich, dass es keine klare eindeutige Definition gibt.

Etymologisch wird das Wort Sekte aus dem lateinischen secta= Richtung/ Schule/ Lehre/ folgen hergeleitet. Diese Bedeutung wird aber beeinflusst durch die zweite Herleitung aus dem lateinischen secare = trennen/abschneiden.

Der ursprünglich wertfreie Begriff sollte die Abspaltung einer Gruppierung von einer Mutterkirche bezeichnen.

Die erste genannte Sekte wäre somit die der Nazarener, als Abspaltung der Christen vom Judentum. Zu Beginn des 5.Jahrhunderts, bedeutete Sekte soviel wie Irrlehre.

Erst die Kirche des Mittelalters hat den Lateinischen Begriff Secta=Sekte übernommen[1].

In der heutigen Zeit wird der Begriff in der allgemeinen Literatur und im allgemeinen Sektenverständnis für totalitäre bzw. vereinnahmende Gruppierungen verwendet. Das wurde auch durch die Massenmedien gefördert. In den 1970er Jahren gab es immer mehr Fernsehberichterstattungen über Massenselbstmorde. So z. B. 1978 der Massenselbstmord (in diesem Falle auch Massenmord) der Peoples Temple in Jonestown, oder den Giftgasanschlag in der U-Bahn von Tokio durch die AUM-Sekte. Diese Attentate stellen oft das „typische“ Sektenbild im allgemeinen Sprachgebrauch dar. Es sollte aber in der Öffentlichkeit nicht außer Acht gelassen werden, dass es auch Sekten oder Glaubensgemeinschaften gibt, die sich als religiöse Gemeinschaft von Andersdenkenden zusammengefunden hat, die aber nicht die Freiheit des einzelnen Anhängers einschränken oder dessen Persönlichkeit und Identität angreifen, wie es in destruktiven Kulten der Fall ist.

Es wird immer wieder versucht, eine neue Begrifflichkeit zu finden um möglichst wertfrei mit der Thematik umzugehen. So versucht man es mit „neue religiöse und ideologische Gemeinschaft“ oder „neue religiöse Bewegung“.

Im deutschen als auch im englischen Sprachgebrauch hat sich die Bezeichnung destruktiver Kult/ destructive cult, also zerstörerischer Kult, durchgesetzt, um die Gruppierungen zu bezeichnen, die eine vereinnahmende Tendenz haben. Auch die Bezeichnung Psycho-Kult/-Sekte/-Gruppen beschreibt diese Gruppen.

Psychogruppen können durch ihre Konzepte (vgl. Nordhausen/v. Billerbeck 1999, S.62ff) unterschieden werden:

1. Psycho-Gruppen und Psycho-Sekten mit einem religiösen Konzept.

Darunter fallen Gruppen der New Age Tradition (engl. „Neues Zeitalter“) wie die Bhagwan-Osho-Bewegung oder Heavens Gate.

Diese Psycho-Gruppen wenden Psycho-Techniken an, um ihre religiösen Vorstellungen und ihren Glauben zu verbreiten. Hierbei handelt es sich meistens um den Glauben an Ufos, ein kosmisches Bewusstsein, etc. Hieraus hat sich in den letzten Jahren der Esoterik-Boom entwickelt und dadurch auch viele Selbsterfahrungsanbieter auf den Markt gebracht. Selbsterfahrungskurse sollten nicht pauschal verurteilt werden, aber auf diesem Markt haben sich genügend selbsternannte Therapeuten gefunden, die den Suchenden das Geld aus der Tasche ziehen wollen und die das Bewusstsein der Anhänger beeinflussen, indem sie sich unter dem Deckmantel Mystik und Magie tarnen.

2. Psycho-Gruppen und Psycho-Sekten zur „menschlichen Optimierung“ ohne religiöses Konzept.

Bei diesen Gruppen z.B. Lifespring oder Scientology stehen therapeutische Methoden, die der Psychotherapie entlehnt sind, im Vordergrund. Sie wollen den Menschen dazu zu verhelfen, das Denken und Fühlen zu kontrollieren und zu verbessern. Das bedeutet in der Sprache der Psycho-Gruppe: Erfolg durch Persönlichkeitsentwicklung oder durch psychologische Menschenkenntnis.

Die Persönlichkeitsentwicklung ist aber nur in die Richtung möglich, die die Gruppe vorgibt. Dies wird in der Regel mit Methoden der Bewusstseinskontrolle, z.B. Hypnosetechniken (bei Scientology das Auditieren) erreicht. Auch hier steht Geld und Macht im Mittelpunkt und meistens ist keine religiöse Vorstellung vorhanden.

3. Sektenähnliche Wirtschaftsunternehmen

Hier geht es nur noch darum, Geld zu verdienen. In diesen Gruppen vermischen sich Psycho-Kult, Psychotherapie und Marketing. Hierunter fallen Psychotrainings. Pyramidenspiele und Strukturvertriebe, die ihren „Mitarbeitern“ und „Mitgliedern“ großen Erfolg und schnellen Reichtum versprechen. Um neue Kunden zu finden, werden die Verkäufer mit Psycho-Techniken trainiert. Auch hier findet eine Manipulation statt, die durch die Erzeugung von Angst- und Schuldgefühlen zu einer Abhängigkeit führt.

Trotz dieser Ausführungen ist es oftmals schwierig, die Gruppen einzuordnen, da sich die Schwierigkeit ergibt zu erkennen, ob eine Sekte nun einen religiösen Hintergrund hat oder eine Psycho-Sekte ist.

Für mich besteht auch eher die Wichtigkeit darin, zu unterscheiden, ob die Anhänger eines Kultes ihren Glauben oder ihre Vorstellungen frei entfalten können, oder ob sie durch Bewusstseinskontrolle vereinnahmt werden und ihrer Individualität und insbesondere ihrer freien Persönlichkeitsentwicklung beraubt werden.

Es gibt die folgenden Merkmale denen alle totalitären Gruppen unterliegen (vgl. Stamm 1996, S.125)

1. Es gibt einen selbsternannten charismatischen Guru/Messias/Prophet/ Gründer, der an der Spitze der Gruppe steht und somit auch die alleinige Entscheidungsfreiheit besitzt. Er wird als absolute religiöse Autorität anerkannt.
2. Die Gruppe hat eine Heilstheorie mit Absolutheitsanspruch und verspricht durch die Mitgliedschaft, dass man durch die Erkenntnis der einzig gültigen Wahrheit, die Erlösung/Errettung findet.
3. Die Anhänger der Gruppe glauben zu einer auserwählten Elite zu gehören und im Auftrag einer höheren Macht die Menschheit befreien zu müssen. Dabei werden Andersdenkende verachtet.

3.1 Warum werden Menschen Mitglied einer Sekte?

In diesem Zusammenhang wird immer wieder die Frage gestellt, ob Menschen, die einer Sekte beitreten, psychisch krank sind. Es geht dabei immer um das Unverständnis über das oft drastisch veränderte Verhalten des Sektenanhängers. Häufig sind es aber Menschen, die sich in einer Lebenskrise befinden, weil sie sich einsam fühlen, einen geliebten Menschen verloren haben, oder weil eine Umbruchphase in ihrem Leben stattfindet. Die Sekten bieten für jedes „Problem“ einen Weg zur Lösung an. So können sich einsame Menschen in einer harmonischen Gruppe wieder wohl fühlen, oder Sekten bieten die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens, Da Sekten sich aber zum Teil zu Wirtschaftsunternehmen entwickelt haben, sind es oftmals auch Menschen, die z. B. einen „Manager Job“ haben, die von Sekten angeworben werden. Denn aus der Sicht der Sekte werden Menschen gebraucht, die erfolgreich Produkte verkaufen können, oder eine bestimmte Abteilung leiten können. Es werden viele „Manager-Seminare“ angeboten, um dort potenzielle Mitglieder zu werben. Da die meisten Menschen auf der „Suche“ nach Antworten sowohl für die „Alltagsprobleme“ als auch die „spirituelle Seite des Lebens “ oder eben auch nach „beruflichem Erfolg“ sind, ist die „Angriffsfläche“ für Sekten sehr groß. Jeder kann auf die Versprechungen der Gruppierung hereinfallen, denn sie haben gezielte Methoden und geschulte Mitglieder, die die vermeintlichen Defizite des Einzelnen herausfinden und das passende Konzept anbieten, um die Lösung oder die „Wahrheit“ zu finden(vgl. Stamm 1996 S.110/ Rausch 1999 S.50)

Eine weitere Schwierigkeit, eine Sekte zu erkennen, liegt darin, dass diese mit Tarnorganisationen arbeiten, die sich natürlich nicht als Untergruppe einer bestimmten Sekte darstellen. Eines der bekanntesten Beispiele hierfür ist das Nachhilfe-Institut ZIEL (=Zentrum für individuelles und effektives Lernen) von Scientology (siehe Anhang). Hier wird nicht mit den Namen Scientology oder L. Ron Hubbard geworben, sondern lediglich das Konzept des Nachhilfeinstituts erwähnt. Aber auch hinter Yoga- oder Meditationskursen können sektiererische Gruppen stehen, die nicht sofort erkennbar sind. Selbst über den Weg einer Meinungsumfrage zu einem bestimmten Thema kann man angeworben werden.

Es ist also nicht einfach zu sagen: „Das kann mir nicht passieren“ oder „Die Menschen, die einer Sekte beitreten, müssen ja verrückt sein“.

3.2 Die Situation in Deutschland

Eine Statistik über die Mitgliederzahlen in Sekten zu erstellen, ist sehr schwierig. Es fängt bereits damit an, dass nicht jede Sekte ihre Anhänger als Mitglied bezeichnet, sondern z. B. Scientology nur „Kunden“ hat. Außerdem ist auch hier wieder die Problematik, was als Sekte bezeichnet wird. Es ist nicht deutlich zu sagen, ob jemand der z. B. einen Kurs „Transzendentale Meditation“ besucht, auch gleich ein Sektenmitglied ist. Dann kommt die Erfassung der Mitglieder in den so genannten Tarnorganisationen hinzu, auch wegen der Namensänderungen dieser Gruppen. So ist eine Erfassung kaum möglich, aber es gibt Schätzungen über 300-600 Sekten, mit bis zu 2 Millionen Mitgliedern.

In der Statistik von REMID (Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst e.V.) kann man sich einen groben Überblick über die Glaubensgemeinschaften und ihre Mitgliederzahl verschaffen[2]. Aber aus den genannten Gründen sollte man auch diese Statistik mit einer gewissen Kritik betrachten.

4. Methoden

Wenn es darum geht, mit welchen Methoden totalitäre Gruppen arbeiten, fallen immer die Begriffe Gehirnwäsche, Bewusstseinskontrolle und Indoktrination.

Aber für mich kommt auch hier wieder die Frage nach der Definition auf, denn oft wird Bewusstseins-Kontrolle/-Manipulation und Gehirnwäsche gleichgesetzt. Bei genauerer Betrachtung sollte man diese beiden Begriffe aber unterscheiden.

Die Gehirnwäsche wird meistens durch Foltermethoden hervorgerufen. So wird in den Medien oft die Gehirnwäsche erwähnt, wenn z. B. jemand durch Gewaltanwendung ein falsches Geständnis abgelegt hat. Die Gehirnwäsche verursacht zwar einen Identitätsverlust bzw. beinhaltet die „Einpflanzung“ einer neuen Identität, dient aber nur zum reinen Selbstschutz. Aus diesem Grund ist die neue Identität auch nicht so tief verankert, als dass die Opfer sie nach einem Entkommen oder nach einer Befreiung aus der Situation, nicht wieder abwerfen können und ihr altes „Ich“ wieder finden.

Ein bekanntes Beispiel für eine Gehirnwäsche findet sich im Fall der Verlagserbin Patty Hearst. Sie wurde 1974 von der SLA (Symbionese Liberation Army- eine terroristische Politsekte) entführt und durch wochenlangen Nahrungsentzug, häufige Vergewaltigungen und sensorische Deprivation einer Gehirnwäsche unterzogen. Durch die ständige Gewaltanwendung, hat sie zum Selbstschutz die Identität der Tania angenommen, um nun auch zum aktiven Mitglied der Gruppe zu werden. Als Gruppenmitglied Tania hat sie Fluchtmöglichkeiten nicht genutzt, sondern sich stattdessen sogar an einem bewaffneten Banküberfall beteiligt. Als Zeuge der Verteidigung in der Gerichtsverhandlung von Patricia Hearst, hat der Psychiater R.J. Lifton bestätigt, dass hier die Methoden für eine Gehirnwäsche angewendet wurden.[3]

Die Bewusstseinskontrolle funktioniert auf viel subtilere Weise. Auch sie hat das Ziel, die Identität (Denken, Fühlen, Überzeugungen und Verhalten) des Individuums zu zerbrechen, und durch eine neue Identität im Sinne der Gruppe zu ersetzten.

Ein extremes Beispiel zeigte sich in einem Projekt der CIA mit dem Decknamen MK-ULTRA, bei dem Experimente mit Drogen, Elektroschocks und Hypnose durchgeführt wurden, um einen Menschen zu erschaffen, der keinen eigenen Willen mehr hat und Befehle ausführt, ohne diese zu hinterfragen. Die CIA nannte als Ziel dieses Projektes, die Erkenntnis über die Vorhersage, Steuerung und Kontrolle menschlichen Verhaltens. Um diese Versuche auszuführen, arbeitete man mit psychiatrischen Kliniken zusammen, da es hier genug Patienten gab, die z. B. wegen Depressionen eingewiesen wurden und dann Opfer dieser Techniken wurden, weil sie ihrem Arzt vertraut haben. Auch in Gefängnissen wurden diese Experimente durchgeführt, weil hier, wie auch in den Kliniken, die Möglichkeiten der Geheimhaltung viel größer waren, als an öffentlichen Stellen[4].

[...]


[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Sekte 18.10.11

[2] http://www.remid.de/index.php?text=info_zahlen 18.10.11

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Lifton 18.10.11

[4] http://de.wikipedia.org/wiki/MKULTRA http://en.wikipedia.org/wiki/Project_MKULTRA 18.10.11

Details

Seiten
31
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656055488
ISBN (Buch)
9783656069539
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v180893
Institution / Hochschule
Fernschule Akademie für ganzheitliche Lebens- und Heilweisen in Haan
Note
1-
Schlagworte
Manipulation Religion Sonstiges Therapie Beratung Bewußtseinskontrolle Gehirnwäsche

Autor

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Titel: Sekten - Darstellung der psychologischen Manipulation