Lade Inhalt...

Der Zusammenhang zwischen Kleists "Prinz Friedrich von Homburg" und dem Epochenumbruch in Form einer Erörterung

Referat / Aufsatz (Schule) 2011 4 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Prinz Friedrich von Homburg ein Stück des Epochenumbruchs?

In dieser Arbeit erörtere ich die Frage, ob das Drama „Prinz Friedrich von Homburg“ von Heinrich Kleist aus dem Jahr 1806 ein typisches Stück des Epochenumbruchs des 18./19. Jahrhundert ist.

Der deutsche Historiker Reinhart Kosalleck beschreibt einen Epochenumbruch als ein Ergebnis der menschlichen Erkenntnis, bei dem sich ein Mensch in der Gegenwart mit den schlechten Erfahrungen der Vergangenheit, gleichzeitig aber auch mit den Erwartungen an die Zukunft beschäftigt. Zudem gibt es Kriterien für einen Epochenumbruch. Dies sind „die Beschleunigung“, „die offene Zukunft“, „die Selbstreflexion der Zeit“, „die Perspektivität jeder Erkenntnis“, „die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ und „das Bewusstsein des Übergangs“ Kleists Werk „Prinz Friedrich von Homburg“ handelt von dem Prinzen von Homburg, der auf dem Schlachtfeld von Fehrbellin eine Anweisung des preußischen Kurfürsten missachtet um die Schlacht des Krieges gegen die Schweden zu gewinnen. Trotz des Sieges stellt der Kurfürst den Prinzen vor ein Kriegsgericht, wo dieser wegen Missachtung der Kriegsordnung zum Tod verurteilt wird. Friedrich möchte zwar nicht sterben, wird aber nur begnadigt, wenn er dem Kurfürsten mitteilt, dass das Kriegsgericht unfair gehandelt habe. Da dies aber gegen sein Ideal gegenüber des Militärs verstößt. Am Ende wird der Prinzen doch noch vom Kurfürsten begnadigt, rechnet aber mit seinem Tod, mit den er schon fest gerechnet hat. So wird Prinz Friedrich vom preußischen Staatsoberhaupt tyrannisiert, nur damit dieses seine Autorität nicht verletzt sieht.

Zunächst beginne ich mit den Pro-Argumenten nach Berücksichtigung der Definition des Begriffes „Epochenumbruch“ sowie den im Unterricht bearbeiteten Kriterien. So könnte das Drama ein Stück aus dem Epochenumbruch sein, da im ihn eine Beschleunigung stattfindet. Die Idee der Beschleunigung ist es, dass man sich einer Gruppe anschließt und mit dieser versucht, zu revolutionieren. Alleine hat man kaum eine Chance, aber mit vielen Personen kann man mehr bewirken. Der Kurfürst ist gewillt, den Prinzen von Homburg hinzurichten, da dieser nicht einsieht das Urteil des Gerichts als unfair zu bezeichnen. Nun schließen sich aber alle Admiräle zusammen, weil sie das Oberhaupt des preußischen Staates davon überzeugen wollen, dass der Prinz nicht hingerichtet wird. Das scheint ihnen auch zu gelingen, denn der Prinz wird später nicht umgebracht. Das ist also ein Zeichen dafür, dass eine Beschleunigung durch die Gruppe in diesem Stück stattfindet, was dafür spricht, dass es sich um ein Drama des Epochenumbruchs handelt.

Ein weiteres Argument dafür, dass es sich bei Kleists Werk um ein Stück des Wandels handelt ist „die Perspektivität jeder Erkenntnis“. Dieses Kriterium besagt, dass jeder Mensch eine Situation anders einschätzt, anders betrachtet und anders bewertet. Auch dieses Kriterium ist in diesem Stück gegeben, da Prinz von Homburg den Sieg Preußens auf dem Schlachtfeld von Fehrbellin und den damit verbundenen Ruhm höherrangig betrachtet hat als die Anweisung des Kurfürsten. Letzterem ist das Halten an seine Pflichten wichtiger als letztendlich der Sieg, da er nicht möchte, dass seine Autorität missachtet und missbraucht wird. Dieses Verhalten der „Oberhäupter“ war typisch im Epochenumbruch des 18./19. Jahrhunderts. Allerdings muss man bedenken, dass die Schlacht von Fehrbellin nicht im oben genannten Zeitraum stattgefunden hat, sondern knapp 190 Jahre vorher im „Dreißigjährigen Krieg“. Dennoch handelt es sich hierbei um ein Pro-Argument, da Kleist hier nur ein vorher geschehenes historisches Ereignis verwendet hat um 1809 einen Missstand darzustellen.

Ein drittes für die Definition positives Argument ist das Kriterium „das Bewusstsein des Übergangs“. Dieses sagt aus, dass man Veränderungen erkennt, sich Bewegungen anschließt etc. Im Jahr 1809 ist die französische Revolution gerade einmal zwanzig Jahre her und Menschen haben erkannt, dass man nur gemeinsam in Bewegungen, zum Teil aber auch nur durch den Widerstand etwas erreichen kann. Prinz Friedrich von Homburg leistet auch in einem gewissen Rahmen Widerstand, als er den Befehl des Kurfürsten missachtet. Sicher wollte er hierdurch nur die Schlacht gewinnen, aber zweihundert Jahre vorher im 16./17. Jahrhundert hätte er sich dieses gewiss nicht getraut, auch wenn er hierdurch den Kampf verloren hätte.

Ein viertes und letztes Pro-Argument ist das Kriterium der offenen Zukunft. Die Menschen fangen an, sich bewusster und intensiver mit den verschiedenen Sachverhalten auseinanderzusetzen und bilden sich eigene Meinungen. Das passiert auch massenhaft beim „Prinz Friedrich von Homburg“. Der Prinz widersetzt sich der Anweisung des Kurfürsten, da er sich auf dem Schlachtfeld selber mit dem Sachverhalt der momentanen Situation auseinandersetzt und sich in dieser Sachlage eine eigene Meinung bildet. Hierfür soll er zum Tode verurteilt werden. Natalie und die Admiräle wollen den Prinzen retten und müssen sich in dieser Situation selbstständig damit befassen, wie sie den Prinzen retten können, bilden sich hierüber eine eigene Meinung und widersetzen sich schließlich auch der Führung des Kurfürsten, sodass ein weiteres Kriterium für den Epochenumbruch erfüllt ist.

Andererseits gibt es auch ein Argumente, das dagegen spricht, dass es sich bei Kleists Werk um ein Drama aus dem Epochenumbruch handelt. So gibt das Kriterium „die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ einen Einblick darüber, was irgendwann mal geschehen ist und immer präsent ist, obwohl es nicht mehr stattfinet. So kann in diesem Fall mit der französischen Revolution argumentiert werden. Zwar ist diese 1806 bei der Entstehung des Dramas schon rund zwanzig Jahre her, jedoch wurden erst in den Zehner-Jahren des 19. Jahrhunderts die Karlsbader Beschlüsse erlassen und 1806 gab es in Preußen noch den Code Napoleon, sodass die Gesellschaft einigermaßen hätte zufrieden sein müssen. Da man durch diesen Kodex schon in einer besseren Zeit lebt, trifft die Definition Kosallecks nicht mehr zu, da man sich nach dieser zwischen dem Gedanken einer schlechten Vergangenheit und einer guten Zukunft befinden muss.

Alles in allem komme zu dem Entschluss, dass es sich bei „Prinz Friedrich von Homburg“ um ein Drama aus der Zeit eines Epochenumbruchs handelt. Zu diesem Entschluss komme ich erstens, das es mehrere stichhaltige Pro-Argumente für diese These gibt und diese zudem in der Überzahl sind. So war 1806 eine Zeit, in der gerade die französische Revolution geendet hat, eine Zeit nach der Aufklärung, in der der bekannte Dichter Emanuel Kant sagte, man solle sich seines eigenen Verstandes bedienen. Genau das ist der Dreh- und Angelpunkt in diesem Werk. Das komplette Buch besteht hauptsächlich auf Auflehnung gegen das Staatsoberhaupt, in diesem Fall ein Kurfürst. Die Generäle schließen sich Bewegungen (bzw. Gruppierungen) an und versuchen zusammen eine Entscheidung des Kurfürsten und der Gerichtsbarkeit zu kippen, denn die Generäle denken an die zum Teil miserable Vergangenheit und haben eine bessere Erwartung an die Zukunft. Das lässt sich ebenfalls, nur halt in einem anderen Kontext auf die Gesellschaft der damaligen Zeit übertragen – und gerade das sagt die Definition aus, die Bestandteil der These und die Grundlage dieser Erörterung ist. Allerdings habe ich auch meine kleinen Zweifel an der Bestätigung dieser These. Zwar gibt es nur ein Kontra-Argument, allerdings ist dieses sehr stichhaltig. Warum sollte sich 1806 eine deutsche Gesellschaft, in der weitestgehend der Code Napoleon angewendet wurde, gegen die Oberhäupter auflehnen, weil der Code Napoleon nicht wenige Vorteile für die Bevölkerung mit sich brachte. Aber das ist gegen die vier Pro- Argument nur ein kleines, minimal erschütterndes Argument, sodass sich „Der Prinz“ als ein Werk des Epochenumbruchs bezeichnen lässt.

Literaturverzeichnis

- von Kleist, Heinrich; Prinz Friedrich von Homburg, Reclam-Verlag, Ditzingen 2001

[...]

Details

Seiten
4
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656039297
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v180862
Note
1,25
Schlagworte
Prinz Friedrich von Homburg Heinrich von Kleist Epochenumbruch 18./19. Jahrhundert

Autor

Zurück

Titel: Der Zusammenhang zwischen Kleists "Prinz Friedrich von Homburg" und dem Epochenumbruch in Form einer Erörterung