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Erlebnispädagogik und ihre Verwendung für WirtschaftspädagogInnen

Wissenschaftlicher Aufsatz 2011 22 Seiten

Didaktik - BWL, Wirtschaftspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was ist Erlebnispädagogik (EP) und wo liegen ihre Wurzeln?
2.1 Antike
2.2 Reformpädagogische Wurzeln der Erlebnispädagogik
2.3 Kurt Hahn - Der Vater der Erlebnispädagogik

3 Erlebnispädagogische Ansätze und ihre Verwendung für WirtschaftspädagogInnen
3.1 Arbeitsfelder von WirtschaftspädagogInnen
3.2 Kooperative Abenteuerspiele
3.2.1 Anwendung für WirtschaftspädagogInnen im Arbeitsfeld Schule
3.2.1.1 Kooperative Abenteuerspiele in der Sportwoche
3.2.1.2 Kooperative Abenteuerspiele am Projekttag
3.2.1.3 Kooperative Abenteuerspiele im Kollegium
3.2.2 Anwendung für WirtschaftspädagogInnen im Arbeitsfeld Erwachsenenbildung
3.3 Ökologische Bildung und Erlebnispädagogik
3.4 Land Art
3.5 Hochseilgarten

4 Schlussbemerkung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Arbeitsfelder von WirtschaftspädagogInnen

Abbildung 2: Land Art mit Steinen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Ziel und Intention dieser Schrift ist es, darzulegen, was unter Erlebnispädagogik verstanden wird, einige ausgewählte erlebnispädagogische Ansätze zu erläutern und im darauf Folgenden darzulegen, wie die Erlebnispädagogik im breiten Berufsfeld von WirtschaftspädagogInnen eingesetzt werden kann.

Außerdem möchte ich diese Einleitung dazu nutzen, meine persönlichen Erfahrungen mit der Erlebnispädagogik zu beschreiben und darzulegen, aus welchem Grund ich dieses Thema gewählt habe.

Meinen ersten Kontakt mit Erlebnispädagogik hatte ich im Jahre 2005, als ich an einem Abschlussprojekt einer Teilnehmerin eines Ausbildungsprogramms für ErlebnispädagogInnen teilnahm. Diese Teilnehmerin legte in ihrem Projekt den Schwerpunkt auf Erlebnispädagogik zur Integration und Kooperation von Nicht-Behinderten und Behinderten, und so übernachtete ich in der Nähe des Obernberger Sees (Gemeinde Obernberg am Brenner) in einem von der Gruppe selbstgebauten Unterschlupf nach gemeinsamer und am offenen Feuer zubereiteter Mahlzeit im Wald.

Zwei Jahre später, also im Jahr 2007, fungierte ich als Betreuerin bei einem Sportwochenprojekt der Wasserrettung meiner Heimatgemeinde. Die Sportwoche fand unter erlebnispädagogischer Anleitung auf der ÖAV-Ferienwiese in Weißbach bei Lofer statt. Diese Woche hat meine positive Haltung gegenüber der Erlebnispädagogik untermauert und zu einem kleinen Teil auch meine Entscheidung für das Studium der Wirtschaftspädagogik mitgetragen.

Die bislang intensivste Beschäftigung mit Erlebnispädagogik stellte ein Seminar am Seehof in Innsbruck im Zuge des Wirtschaftspädagogikstudiums dar. Im Seminar bestand die Möglichkeit, einen erlebnispädagogischen Schwerpunkt auszuwählen und dieser Option bin ich sehr gerne nachgekommen.

In diesem Seminar hatte ich erstmals die Chance in die Perspektive einer Erlebnispädagogin zu wechseln. Bis zu diesem Zeitpunkt war meine Sicht stets die einer Teilnehmerin an einem erlebnispädagogischen Prozess.

Zwar war meine Rolle in diesem Seminar ebenfalls die der Teilnehmerin, doch wurde von den Leitenden des Seminars großer Wert darauf gelegt, auch ihre eigene Rolle darzulegen um so auch einen Perspektivenwechsel für die SeminarteilnehmerInnen zu ermöglichen.

Für mich war diese Sicht auf die Erlebnispädagogik durchaus eine inspirierende, was sich nicht zuletzt in dieser Schrift zeigt, in der ich nun die Verwendung von Erlebnispädagogik für WirtschaftspädagogInnen darlegen möchte.

2 Was ist Erlebnispädagogik (EP) und wo liegen ihre Wurzeln?

Erlebnispädagogik verwendet die gezielte Inszenierung von Erlebnissen um pädagogische Ziele zu erreichen. Diese pädagogischen Ziele können sehr vielfältig sein:

Integration

Ausgleichen motorischer Defizite

Soziale Kompetenz stärken

Gruppenzusammenhalt stärken

Konflikte in Gruppen lösen (Mobbing, Cliquenbildung, …)

Motivation erhöhen

Therapie (z.B. bei „Jugendlichen und deren Eltern in chronifizierten Krisen“) (Gasser 2008, S. 4)

Die Erlebnisse in der EP sind inszeniert, das heißt, dass gezielt Voraussetzungen zum Erleben geschaffen werden. Die Schaffung des Raums zum Erleben erfolgt durch PädagogInnen und auch das Erlebnis selbst wird von ihnen begleitet. Nach dem Erleben erfolgen eine Reflexion und ein Transfer auf andere Lebensbereiche.

Der Begriff der modernen Erlebnispädagogik wird an folgenden Merkmalen festgemacht:

„Handlungsorientierung und Ganzheitlichkeit - Erfahrungen werden über das Handeln selbst gemacht in einer Einheit von Körper, Geist und Seele Lernen in Situationen mit Ernstcharakter - das Setting der Lernsituation muss gut geplant sein, Aufgaben und Anforderungen werden als natürlicher Sachzwang wahrgenommen Gruppenorientierung - ein gruppenpädagogisches und gruppendynamisches Angebot zur Förderung sozialer Kompetenzen und Kooperationsfähigkeiten Erlebnischarakter - möglichst außergewöhnliche Lernsituationen, nicht alltäglich, real und ernsthaft, um Grenzerfahrungen zu ermöglichen. Ungewöhnliche und außerordentliche Situationen erhöhen die Chance, dass aus einem Ereignis ein nachhaltig wirkendes Erlebnis wird. Distanz zum Alltag.

Freiwilligkeit - Lernerfolge können nicht erzwungen werden. Aufgabe des Erlebnispädagogen ist, die Teilnehmer zu ermutigen und anzuspornen.

Pädagogisches Arrangement - erlebnisträchtige Situationen müssen pädagogisch instrumentalisiert werden, d.h. gezielte Planung und Realisierung und geschulte Begleitung.

Transfer - konkrete Verhaltensweisen werden soweit verinnerlicht, dass sie auch in anderen Lebenssituationen verfügbar sind. Oder: Problemlösungs- und Konfliktbewältigungsstrategien werden vom erlebnispädagogischen Setting in den Alltag transferiert. Oder: die Lernerfahrungen führen sogar zu Einstellungs- und Verhaltensänderungen.“ (http1, Hervorhebungen im Original)

Es ist allerdings auch festzustellen, dass Erlebnispädagogik kein geschützter Begriff ist. Es existieren vielfältige erlebnispädagogische Strömungen, und es gibt unterschiedliche erlebnisorientierte Konzepte (vgl. Brandt 1998, S. 25).

Nach dem Beltz Lexikon Pädagogik ist

„Erlebnispädagogik [engl. experiental learning“]: heute meist im Anschluss an K. Hahn Bezeichnung für ein pädagogisches Konzept […]. Grundannahme in den sehr vielfältigen, international verbreiteten Mustern ihrer Realisierung zwischen Wandern und Segeln, Rettungsdienst, Expeditionen oder Bergsteigen, auch Spiel und Theater ist, dass aus der authentischen, wenn auch pädagogisch betreuten Erfahrung, also in dem als „ganzheitlich“ stilisierten Erlebnis in Ernstsituationen, Möglichkeiten der Bildung der Persönlichkeit, Selbsterziehung und Intervention bei abweichenden Verhalten entstehen und genutzt werden können, […]“. (Beltz Lexikon Pädagogik 2007, S. 194 f.)

Das Beltz Lexikon für Pädagogik hält sich in dieser Beschreibung stark an die von Kurt Hahn – dem „Vater“ der Erlebnispädagogik – beschriebenen Ansätze (zu Kurt Hahn siehe Kapitel 2.3). Erlebnispädagogik ist jedoch viel mehr, oder auch weniger, je nach Sichtweise, denn EP nutzt für sich auch gezielt die Langsamkeit und Stille, Aufmerksamkeit und Bedachtheit. Schließlich spricht man nicht von Abenteuerpädagogik, sonder von Erlebnispädagogik.

„Wer die Erlebnispädagogik auf Klettern, Abseilen, Schlauchbootfahren und Höhlentouren reduziert, hat Entwicklungen versäumt. Es ging nie um spektakuläre Aktionen, sondern immer um wirksame Formen des Lernens.“ (Heckmair/Michl 2002, S. Vl)

Einige ausgewählte erlebnispädagogische Ansätze möchte ich im Folgenden darlegen, doch zuerst sollen der historische Hintergrund und die geschichtlichen Wurzeln der Erlebnispädagogik beleuchtet werden.

2.1 Antike

Bereits in der Antike beschäftigten sich Philosophen mit der Frage der optimalen Erziehung, wobei anzumerken ist, dass in der Antike zunächst zwei gänzlich unterschiedliche Theorien zur Beantwortung dieser Frage vorherrschten.

Einerseits sahen die Spartaner den Zweck der Erziehung ausschließlich in der Nützlichkeit für das Staatswesen, andererseits postulierten die Ionier, dass das einzige Ziel einer optimalen Erziehung die der Herausbildung eines Individuums sein kann (vgl. Bauer 1987, S. 6).

Platon führte diese beiden Ansätze einer Synthese zu und erhält dadurch einen ganzheitlichen Ansatz: Die Erziehung soll auf die Herausbildung einer „schönen Seele“ gerichtet und zusätzlich eine Erziehung im Sinne des Staates sein.

Die „schöne Seele“ kann durch den Einsatz von Gymnastik und Musik erreicht werden, diese Methode fördert sowohl Tapferkeit als auch Besonnenheit (ebd., S. 6).

Dieser ganzheitliche Ansatz des Platon - die Verbindung der Ausrichtung zum Staate hin in Kombination mit dem Miteinbeziehen von Elementen wie Gymnastik und Musik - bildet die Wurzel der erlebnispädagogischen Ganzsicht auf den Menschen, eben die Sicht auf „Körper und Geist und Seele, Individuum und Gesellschaft“ (ebd., S. 6, Hervorhebungen im Original).

2.2 Reformpädagogische Wurzeln der Erlebnispädagogik

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bis hinein in das erste Drittel des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die sogenannte reformpädagogische Strömung.

Die Gesellschaft fand sich nach der industriellen Revolution stark verändert wieder, technische Umwälzungen führte zu Folgen wie zur Bedrohung des Handwerks, zunehmend mechanischen Tätigkeiten, Spezialisierung, monotoneren Arbeitsanforderungen, zu einem Mehrbedarf an technischen Fachkräften, Landflucht und bildungsbezogener Verarmung eines wachsenden Proletariats (vgl. Bauer 1987, S. 8).

All dies führte auch zu Veränderungen in Schule, Unterricht und allgemein in der Erziehung. Es wurde zunehmend mehr Wert auf Stoffvermittlung und sogenanntes „Pauken“ gelegt. Außerdem verschärften sich die wirtschaftlichen Konkurrenzverhältnisse und in Schule, Unterricht und allgemein in der Erziehung herrschte Autoritarismus vor.

[...]

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