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Die Mesotes-Lehre des Aristoteles

Darstellung und Probleme

Hausarbeit 2011 7 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Klärung des Begriffes ethische Tugend

2. Die Mesotes-Lehre

3. Probleme der Mesotes-Lehre

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Woran können oder sollen wir uns im Handeln orientieren? Wie verhalte ich mich richtig? Auf diese Fragen versucht die Mesotes-Lehre des Aristoteles Antworten zu geben. Aber was genau ist die Mesotes-Lehre? In der folgenden Hausarbeit möchte ich genau darauf eingehen. Ich werde aufzeigen, wie Aristoteles seine Mesotes-Lehre darstellt und wie sie anzuwenden ist. Außerdem beschäftige ich mich mit den Problemen, die das Modell der Mesotes-Lehre aufwirft.

1. Klärung des Begriffes ethische Tugend

Die Mesotes-Lehre ist ein wichtiger Bestandteil der Nikomachischen Ethik und meint „die Lehre von der Tugend als Mitte. Die Mitte stellt den maßvollen Ausgleich zweier Extreme dar; sie ist das erstrebenswerte Ziel des ausgeglichenen Verhaltens. Aristoteles erörtert seine Lehre anhand der ethischen Tugenden.“[1] Bevor ich weiter auf den Begriff der Mitte eingehe, will ich erst einmal klären, was ethische Tugenden (arete) aus der Sicht von Aristoteles sind. Mit der Bezeichnung ethische Tugend ist so etwas wie eine gute Charaktereigenschaft gemeint, deshalb können ethische Tugenden auch als Charaktertugenden bezeichnet werden.[2] Auf die Definition der charakterlichen Tugend geht Aristoteles im vierten Kapitel seines zweiten Buches der Nikomachischen Ethik ein. Für ihn gibt es drei psychische Phänomene. Die „Affekte (pathos), Anlagen (dynamis) und Dispositionen (hexis)“[3]. Als Affekte werden Gefühle wie Liebe, Wut usw. bezeichnet und die Anlagen sind dafür da, dass wir die Affekte ausleben können. Die Dispositionen sind dafür zuständig, dass wir uns in Bezug auf die Affekte richtig verhalten. Für ihn muss Tugend in eine der Kategorien eingeordnet werden. Er macht dies durch das Ausschlussverfahren. Tugend kann für Aristoteles kein Affekt sein, da Affekte aus der Situation heraus entstehen und wir auch nicht aufgrund unserer Gefühle verurteilt werden, „die Tugenden aber sind Akte der Selbstbestimmung oder können von diesem Akt nicht getrennt werden“[4] und dafür können wir sehr wohl gelobt oder kritisiert werden. Zusätzlich werden wir von Tugenden nicht bewegt, was bei Affekten der Fall wäre. Das ist auch ein Grund für Aristoteles warum die Tugenden nicht zu den Anlagen zählen. Nur weil wir die Fähigkeit besitzen Affekte bzw. Gefühle zu spüren, werden wir nicht als gut oder böse eingeordnet oder bekommen eine besondere Anerkennung oder Abneigung entgegengebracht. Anlagen sind naturgegeben, Tugenden aber nicht. Daraus lässt sich schließen, dass die Tugenden zu den Dispositionen zugeordnet werden können.[5] Die Bestimmung der Gattung reicht Aristoteles aber nicht aus, für ihn war es wichtig, auch noch die Art der Tugend festzustellen. „Beim ethischen Habitus [=Disposition, feste Grundhaltung: Anm. J.H.] ist die gesuchte Art eine Mitte (in einem gedachten Kontinuum), und zwar keine arithmetische Mitte, sondern eine Mitte für uns.“[6] Es ist noch wichtig festzuhalten, dass die Tugend nach Aristoteles „eine Disposition (hexis) [ist], die sich in Vorsätzen äußert (prohairetike) […] [und] die bestimmt wird durch die Überlegung (logos), das heißt so, wie der Kluge (phronimos) sie bestimmen würde“[7]. Das bedeutet, dass die ethische Tugend einen zu richtigen Entscheidungen befähigt.

2. Die Mesotes-Lehre

Die Mesotes-Lehre des Aristoteles bezieht sich auf genau diese Definition der Art der ethischen Tugenden. Es ist wichtig zu verstehen, was genau er mit Mitte meint. Wie in dem Zitat von Max Klopfer schon erwähnt, ist nicht die arithmetische Mitte gemeint, sondern eine persönliche und subjektive Mitte, die auch noch situationsabhängig ist. Wenn es eine Mitte gibt, dann muss es auch zwei Seiten geben, zwischen denen die Mitte liegen kann. Die eine Seite wird von Aristoteles als Mangel (elleipsis) und die andere Seite als Übermaß (hyperbole) bezeichnet. Die beiden Seiten Übermaß und Mangel können auch als Laster oder Schlechtigkeiten (kakai) bezeichnet werden. Denn nur wenn beim Handeln die richtige Mitte getroffen wird, handelt man richtig und gut. Und auch wenn festgestellt wurde, dass die ethische Tugend nicht zu den Affekten und Anlagen zählt, so hängt alles zusammen, z.B. ist das wie des Auslebens der Affekte abhängig von meiner Entscheidung in der gegebenen Situation basierend auf meinen ethischen Tugenden.[8] Aber zurück zu dem Verhältnis der Mitte zu den Schlechtigkeiten. Bildlich kann man das so darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1

[...]


[1] Müller, M.: Die Ironie. Kulturgeschichte und Textgestalt. Würzburg 1995. S. 9.

[2] Vgl. Wolf, U.: Die Aristoteles‘ >Nikomachische Ethik<. Darmstadt 22007. S. 66.

[3] Aristoteles: Nikomachische Ethik. Reinbek bei Hamburg 2006. S. 81.

[4] Aristoteles: Philosophische Schriften in sechs Bänden. Band 3 Nikomachische Ethik. Hamburg 1995. S. 33.

[5] Vgl. Aristoteles: Nikomachische Ethik. S. 81f.

[6] Klopfer, M.: Ethik-Klassiker von Platon bis John Stuart Mill. Ein Lehr- und Studienbuch. Stuttgart 2008. S.99.

[7] Aristoteles: Nikomachische Ethik. S. 85.

[8] Vgl. ebd. S.84.

Details

Seiten
7
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656035282
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v180731
Institution / Hochschule
Universität Paderborn – Humanwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
mesotes-lehre aristoteles darstellung probleme

Autor

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