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Russisch-Sibirische Reise Alexander von Humboldts

Essay 2008 18 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsangabe:

1. Einleitung

2. Kurze Biographie Alexander von Humboldts

3. Die Russisch-Sibirische Reise
3.1. Reisevorbereitungen
3.2. Von Berlin über Petersburg nach Kasan zum nördlichen Uralgebirge
3.3. Reise vom Ural über den Altai bis zur chinesischen Grenze
3.4. Rückreise vom Altai über den südlichen Ural nach Astrachan, Petersburg und Berlin
3.5. Versuch einer Bilanzziehung der Russisch-Sibirischen Reise

4. Zusammenfassung

5. Literatur

1. Einleitung

In der Zeit zwischen 1750-1850, die man in Deutschland auch oft als die „Goethezeit“ bezeichnet, war kein Wissenschaftler erfolgreicher und in seinem Ruf angesehener als Alexander von Humboldt. Er war erster und zugleich wichtigster deutscher Reiseforscher, der zu Beginn der Moderne sowohl nach Südamerika als auch später nach Russland Forschungsreisen unternahm. Im Anschluss an seine Reisen veröffentlichte er zahlreiche Werke, die eine breite Fülle verschiedenster Wissenschaftsbereiche belebten. Humboldt gilt bis heute als absolutes Universalgenie und genießt, in dem er die Reisewissenschaft stets aufs Neue inspiriert, bis heute unsterblichen wissenschaftlichen Ruhm.

Dieses Essay möchte dem Leser zunächst einmal Alexander von Humboldt in einer kurzen biographischen Zusammenfassung vorstellen. Über die Biographie gelangen wir dann zu dem eigentlichen Thema dieser Arbeit, der Russisch-Sibirischen Reise, die in Humboldts fortgeschrittenem Leben einen besonders wichtigen Abschnitt darstellt. Wir werden uns dieser Reise zunächst einmal über die allgemeinen Reisevorbedingungen annähern, die den Sinn und Zweck der Reise sowohl aus Humboldts persönlicher Sicht als auch aus der Sicht der Wissenschaft diskutieren. Im Anschluss beschreibe ich dann den Reiseverlauf, in dem ich ihn chronologisch in drei Abschnitte unterteile. Im letzten Teil des Essays versuche ich dann die Reise in eine Art Bilanzaufstellung zu bewerten, wobei ich mich hierbei sowohl auf den Ausgangspunkt der Russisch-Sibirischen Reise, den Reiseverlauf als auch ihren wissenschaftlichen Ertrag beziehe.

Da ich mich für ein „Essay“ als Form entschieden habe und meinen Schwerpunkt deshalb auf allgemeine Diskussionen über die Vorbedingungen der Reise sowie auf den allgemeinen Ertrag der Russisch-Sibirischen Reise beschränken werde, verzichte ich weitgehend auf Fußnoten. Diese werden nur dann eingesetzt, wenn ich dem Leser die Gelegenheit gewähren will, über bestimmte Zusatzinformationen und Zitate einen tieferen Einblick in das Thema zu erhalten.

2. Kurze Biographie Alexander von Humboldts

Alexander von Humboldt wurde im Jahre 1769 in Berlin als Sohn adeliger und sehr wohlhabender Eltern geboren. Sein Vater Alexander Georg von Humboldt war preußischer Offizier, der sich durch die Verdienste im Siebenjährigen Krieg (1756-1763), eine Beförderung zum Kammerherrn im Königshaus erlangte. Dort lernte er die Witwe Marie Elizabeth von Holwede, die aus einer reichen Hugenottenfamilie stammte, kennen und heiratete sie. Aus dieser glücklichen, aber nicht langanhaltenden Ehe entstammen die beiden Sös hne, Wilhelm (geb. 1767) und Alexander. Nach dem frühen Tod ihres Mannes (1779) beschloss Marie Elizabeth, die trotz ihres hohen Standes sehr bescheiden lebte, das geerbte Vermögen in die Bildung ihrer beiden Söhne zu investieren. In der Erziehung und im Privatunterricht, der, wie damals bei vornehmen Familien üblich, von mehreren Hausmeistern und Privatdozenten durchgeführt wurde, erkannten alle Beteiligten sehr früh die unterschiedlichen wissenschaftlichen Neigungen der beiden Brüder von Humboldt. Während Wilhelm sich mehr den Geisteswissenschaften zugehörig fühlte, verblieb Alexanders Hauptinteresse von Anfang an bei den Naturwissenschaften. Durch die guten Beziehungen zum Königlichen Hofe Preußens erschlossen sich den Humboldts nach dem Abitur zwei lukrative Berufsmöglichkeiten, die entweder darin bestanden, in die Offizierslaufbahn einzutreten oder nach einem Universitätsstudium Posten im höheren Staatsdienst Preußens zu übernehmen. Beide entschlossen sich, trotz einiger anfänglicher Bedenken1, für den höheren Staatsdienst und begannen ihr Studium, wobei sich Wilhelm für Jura und Alexander für Kameralistik in der Fachrichtung Bergbau entschied. Ungeachtet der unterschiedlichen Studienorte kamen Alexander und Wilhelm des Öfteren zusammen, was insbesondere Alexander zu Gute kam, denn über seinen Bruder lernte er sowohl Wolfgang von Goethe, als auch Friedrich Schiller kennen. Besonders mit Goethe führte Alexander ein sehr inniges Verhältnis, denn beide besaßen eine von der Morphologie geprägte Sichtweise auf die Natur und konnten sich so in ihren Forschungsarbeiten ergänzen. Nach dem Studium trat Alexander, der durch seine zahlreichen Kontakte zu wichtigen Personen und hervorragende wissenschaftliche Arbeiten bereits in Fachkreisen einen exzellenten Ruf genoss, zunächst in den Staatsdienst ein. Dort übernahm er zahlreiche Ämter im Bergbau. Seinen Traum, Reiseforscher zu werden, hat er jedoch nie aufgegeben. Das Ganze wurde erst durch ein trauriges Ereignis, nämlich den Tod seiner Mutter (1796), die an Brustkrebs starb, möglich. Durch das ererbte Vermögen von 90.000 Talern, nach unseren Maßstäben ein mehrfacher Millionenbetrag, war Alexander von nun an finanziell unabhängig und beschloss anschließend eine große Forschungsexpedition nach Südamerika zu unternehmen. Humboldt reiste über Frankreich nach Spanien ein und machte bei dieser Reise neben einigen wichtigen geologischen Untersuchungen auch zahlreiche nützliche Bekanntschaften, die ihm dazu verhalfen, sein Vorhaben zu verwirklichen. Die wohl bis dahin wichtigste Begegnung hatte Humboldt in einem Pariser Hotel mit dem französischen Botaniker Aimé Bonpland, der ihn von nun an bei seinen Reisen begleitete, gemacht. Von Beginn an verband die beiden Forscher sowohl die Liebe für die Wissenschaft, als auch beidseitige Sympathie, aus der bei der langen Reise schnell innige Freundschaft entstand. In Madrid erhielten die Forscher vom Consejo de Indias (Indienrat) einen unbeschränkten Reisepass für alle spanischen Territorien in Westindien, was bis dahin ein einmaliges ungeheures Privileg war, und wohl nur deshalb geschah, weil Spanien sich durch die Erforschung Südamerikas im Nachhinein (möglicherweise durch neue Goldfunde) einen finanziellen Vorteil versprach. Am 4. Juli 1799 brachen Humboldt und Bonpland auf der Pizarro von La Coruña aus über Teneriffa in Richtung Südamerika auf. Bevor wir uns der südamerikanischen Reise selbst widmen, werden wir uns zunächst einmal die Forschungsziele, die Humboldt dort durchsetzen wollte, näher anschauen. Seine Reise zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass sie eine geophilosophische Zielsetzung verfolgte. Die Erde war für Humboldt kein Sammelsurium einzelner biologischer, physischer und chemischer Kräfte, sondern eine lebendige und aktive Ganzheit, die zu den Pflanzen, Tieren, dem Vulkanismus und Neptunismus, sowie zu ihrer Lithosphäre, Hydrosphäre und Atmosphäre in wechselseitiger Beziehung stand. Humboldt wollte alle Bestandteile in einem sogenannten wissenschaftlich ausgearbeiteten „kosmischen Naturgemälde der Erde“ vereinigen, wobei ihn als Spezialaspekte insbesondere die Entstehung der Vegetation und des Magnetismus interessierten. Dank der Ergebnisse dieser Forschungsreise, die er kurz nach Vollendung u.a. in einem seiner Hauptwerke Ansichten der Natur veröffentlichte, sind Teilbereiche, wie beispielsweise die Pflanzengeographie, erst zu eigenen Wissenschaftszweigen geworden. Nicht unerwähnt bleiben sollte dabei die Annäherung an Goethes morphologische Weltsicht, die Alexander von Humboldt stets als eine Art Folie benutzte, um seine eigenen wissenschaftlichen Theorien zu vervollständigen. Die Harmonie der Welt mit empirischen Mitteln zu begreifen und dabei als Humanist stets das „Große“ und „Gute“ vor Augen zu haben, waren Humboldts Ziele bei dieser mehrjährigen episch anmutenden Reise. Wie er diese verwirklichte und auf welche Schwierigkeiten er dabei traf, wollen wir uns nun im nächsten Abschnitt näher anschauen. Wegen des geringen Umfangs dieser Arbeit, kann nicht die gesamte Reise mit allen ihren Ereignissen und Ergebnissen dargestellt werden. In Folge wird deshalb der Versuch unternommen, das Charakteristische an dieser Reise hervorzuheben.

Die Südamerikareise lässt sich in insgesamt drei Abschnitte zerlegen: den ersten bezeichnet man als „Orinokoreise“. Er umfasst Humboldts und Bonplands Aufenthalt in Venezuela (16.08.1799 - 24.11.1800), vom Tage seiner Ankunft in Cumaná bis zum Tage seiner Abreise von Nueva Barcelona nach Havanna. Der zweite Abschnitt ist die sogenannte „Zwischenreise“, die als Zielsetzung zunächst das Zusammentreffen mit dem Weltumsegler Baudin, mit dem man über die Philippinen und I]]ndien nach Europa zurückreisen wollte. Da Baudin seine Route jedoch anders als geplant geändert hat, reisten Humboldt und Bonpland von Kuba über Kolumbien und Ekuador nach Peru (24.11.1800 - 5.12.1802). Der dritte Reiseabschnitt, der vorwiegend Mexiko und zum Teil auch den USA gewidmet war, erfolgte von Callao, bis Philadelphia und umfasste insgesamt ein Jahr und vier Monate.

Für diese amerikanische Reise, bei der sich Humboldt und Bonpland unvorstellbaren Strapazen ausgesetzt waren, haben sie insgesamt fünf Jahre gebraucht. Zu Fuß, auf Reittieren, mit dem Einbaum und dem Segelschiff fuhren die beiden Forscher durch Steppen, Wüsten und den Urwald. Von Tieren und Krankheiten bedroht und nicht selten der Lebensgefahr ausgesetzt, durchquerten sie Flüsse, bestiegen Hochgebirge, aktive Vulkane und trotzten der stürmischen See. Umso höher ist deshalb auch die großartige Leistung des Beobachtens, Sammelns und der systematischen Aufarbeitung der Ergebnisse zu bewerten. Magnetische, meteorologische, klimatologische, ozeanographische, geologische und zoologische Daten wurden in einer überwältigenden Fülle gewonnen. Darüberhinaus beschäftige sich Humboldt auch mit der politischen, historischen und linguistischen Erforschung der Neuen Welt. Denkmäler der indianischen Frühgeschichte fanden bei ihm die gleiche Aufmerksamkeit, so wie auch die damals aktuelle Bevölkerungsstatistik, die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse, Fragen des Handels und der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung Lateinamerikas. Eines der absoluten Reisehighlights war der dreiwöchige Aufenthalt beim damaligen US-Präsidenten Thomas Jefferson in Washington. Humboldt präsentierte Jefferson einen Teil seiner Ergebnisse und unterhielt sich mit ihm ausführlich über den Panamakanal und über eine mögliche Aufteilung Gesamtamerikas in drei große Republiken.2 Im Anschluss darauf erfolgte die Abreise zurück nach Europa, wo Humboldt dann in den nachfolgenden Jahrzehnten mit voller Hingabe mehrere monumentale Werke über seine Reiseerlebnisse und die gesammelten Ergebnisse verfasste.3 Die meiste Zeit verbrachte Humboldt dabei in seiner geistigen Wahlheimat Paris. Die Metropole an der Seine war zu Humboldts Zeiten ein kulturelles und wissenschaftliches Zentrum, das die hervorragendsten Künstler und Gelehrte aus aller Welt beheimatete. Unermüdlich studierte Humboldt dort nahezu 30 Jahre lang seine von der amerikanischen Reise mitgebrachten Ergebnisse, bis sich ihm eine neue Herausforderung anbot, nämlich die Russisch-Sibirische Reise.

3. Die Russisch-Sibirische Reise

3.1. Reisevorbedingungen

Wenn wir über die Vorbereitungen Humboldts zur Russlandreise sprechen, müssen wir zunächst an das Jahr 1811 anknüpfen. Der damalige russische Minister Romanzow fügte einem seiner zahlreichen Briefe an Humboldt eine Einladung bei, in der er dem deutschen Forscher eine ausgedehnte mehrjährige Reise nach Russland und Zentralasien bewilligte. Ursprünglich wollte Humboldt damit sein literarisches Vorhaben, das eine vollständige westliche und östliche Erdanschauung beinhalten sollte, verwirklichen.

[...]


1 Da Alexander von Humboldt schon früh den Wunsch entwickelte, Reiseforscher zu werden, wollte er seinem Ziel zunächst durch das Eintreten in eine Offizierslaufbahn näherkommen, denn zur damaligen Zeit brauchten die großen Forscherexpeditionen immer zahlreiche Soldaten als Leibgarde. Auf Grund seiner außerordentlichen intellektuellen Begabung, war er jedoch viel besser für den Staatsdienst geeignet.

2 Damit waren zum einen eine angelsächsische mit USA und Kanada und zum anderen eine spanisch sprechende von Mexiko bis Argentinien-Chile und eine portugiesisch sprechende, also Brasilien, gemeint.

3 Zu den bekanntesten und schönsten gehört sicherlich das Werk Ansichten der Natur, sowie die allgemeinen Beschreibungen der Lateinamerikanischen Länder, deren Bände nach den Ländernamen gegliedert sind.

Details

Seiten
18
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656034025
ISBN (Buch)
9783656034308
Dateigröße
719 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v180603
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
2.7
Schlagworte
Alexander von Humboldt Russland Reisebericht Amerikareise Russlandreise Ural Moskau Astrachan

Autor

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Titel: Russisch-Sibirische Reise Alexander von Humboldts