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Der Mythos Jim Morrison

Seminararbeit 2011 18 Seiten

Biographien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. „Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals geboren worden zu sein. Das muss eins meiner Black Outs gewesen sein.“1 Jim Morrison

2. „Es gibt Dinge, die man kennt und Dinge, die man nicht kennt, das Bekannte und das Unbekannte; dazwischen gibt es Türen.“2 Jim Morrison

3. „Die Musik spiegelt das wieder, was um dich herum passiert.“3 Jim Morrison

4. „Ich singe nicht, ich schreie.“4 Jim Morrison

5. „Wenn ich das Ganze nochmal machen müßte, würde ich lieber ein bescheidener, unauffälliger Künstler werden, der sich in seinem eigenen Garten abrackert.“5 Jim Morrison

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

Der Mythos Jim Morrison

1. „ Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals geboren worden zu sein. Das muss eins meiner Black Outs gewesen sein. “ Jim Morrison

„ Ich bin erstens Amerikaner, zweitens Kalifornier und drittens Einwohner von Los Angeles. Ideen von einer Revolte gegen die Autorität haben mich schon immer fasziniert.6 Mir gefallen solche Ideen, die etablierte Ordnung niederzureißen und umzustürzen. Ich bin interessiert an allem, was mit Revolte, Unordnung, Chaos zu tun hat von allem an Aktionen, die keinen Sinn zu haben scheinen. Das, scheint mir, ist die Straße zur Freiheit Revolte nach außen ist ein Weg, den inneren Frieden zu erlangen … Die Welt, die wir vorschlagen, ist der Neue

Wilde Westen. Eine sinnliche, böse Welt. Seltsam und qualvoll, der Pfad der Sonne, versteht

ihr? Aufs Ende zu. “ 7 Jim Morrison, 1966

Jim Morrison (1943 1971) ist eine der charismatischsten Persönlichkeiten der Rockgeschichte. Er war nicht nur Frontmann von The Doors, sondern auch Dichter, Filmemacher und nicht zuletzt ein exzentrischer Schauspieler, der neue Formen des Rocktheaters erschuf und die Konzertbühne regelmäßig für spontane Rezitationen seiner Poesie nutzte. Er probierte alle möglichen psychedelischen Drogen aus, um sein Bewusstsein zu erweitern und „nach einem eigenen Vokabular für seine Texte“8 zu suchen. Die Bühne wurde zu seinem Zuhause, die Fans zu seinem Lebenselixier.

„ Der einzige Platz, wo ich wirklich lebe, ist die Bühne. Hier kann ich das; da ist ein Platz, wo ich mich verbergen und zeigen kann. Ich seh das nicht nur als einen Auftritt an, kein einfaches Hingehen, ‘ n paar Lieder singen und Abhauen. Ich nehm das alles sehr persönlich. Ich glaube nicht, daßich etwas richtig gebracht habe, wenn wir nicht jeden im Saal auf einer gemeinsamen Basis gepackt haben. Manchmal halt ich das Stück einfach an und laßein langes Schweigen raus, laßall die vorhandenen Feindseligkeiten, Unruhen und Spannungen raus, ehe wir alle wieder zusammenfinden. “ 9 Jim Morrison

Auf seiner Reise zum Ruhm ist Jim Morrison ständig auf der Suche nach den Grenzen der Realität und den unergründeten Welten abseits der menschlichen Wahrnehmung. Der Tod hat ihn bereits als kleiner Junge fasziniert. Er schreibt über den Tod, singt über den Tod und zelebriert den Tod auf der Bühne. Die unsichtbare Präsenz des Todes ist sein ständiger Begleiter. Doch Jim liebt das Leben und kostet es in all seinen Facetten aus, jedoch nicht risikofrei. Seine größten Vorbilder sind Elvis Presley und Frank Sinatra; seine Lieblingsschriftsteller Nietzsche, Rimbaud und William Blake. In einem Interview erinnert sich Jims Schwester Anne Morrison Chewning daran, wie er einmal den Unterricht verlassen hat, mit dem Vorwand, er müsse sich einer Tumoroperation unterziehen. Doch im Grunde wollte er nur lesen.

Nach dem Gymnasium besucht Jim Morrison drei Colleges, bevor er auf der Filmschule der UCLA10 landet. Doch für eine Karriere als Filmemacher erweist sich damals sein künstlerisches Talent als unzulänglich. Seine Abschlussarbeit „HiWay“ wird bei der Vorführung als zu abstrakt und surrealistisch empfunden und vom Publikum ausgelacht. Jim ist enttäuscht über dieses „Nicht Verstehen“ seines Werkes und beschließt, mit dem Filmemachen aufzuhören. Es ist gerade Sommer 1965. Die Bürgerrechtsbewegung wird immer stärker, der Krieg in Vietnam immer größer und blutiger. Die Jugend schreit nach freier Liebe und Sexualität und erklärt jeden über 30 jährigen zum echten Kulturfeind. Psychedelische Drogen wie LSD sollen die Grenzen der Wahrnehmung erweiter. Amerika erlebt ein kulturelles Erdbeben und das erweist sich geradezu als der perfekte Zeitpunkt für die Geburt der revolutionären Band The Doors.

2. „ Es gibt Dinge, die man kennt und Dinge, die man nicht kennt, das Bekannte und das Unbekannte; dazwischen gibt es Türen. “ Jim Morrison

Als Jim Morrison sein Collage Freund und Musiker Ray Manzarek am Strand von Venice trifft,11 lebt er gerade auf einer Dachterrasse und schreibt Songs über ein Konzert, das er im Kopf hört. Ray weist bereits über Jims dichterischen Talent bescheid und fordert ihn auf, ihm einen dieser Songs vorsingen. Nach kurzem Zögern trägt Jim erste Zeilen von „Moonlight Drive“ vor. Ray ist von der Poetik des Textes beeindruckt und beide beschließen, gemeinsam eine Band zu gründen. Jim hat bereits auch den passenden Namen dazu: The Doors, nach einem Gedicht von William Blake:

„ If the doors of perception were cleansed everything would appear to man as it is: Infinite. ” 12

Für den Anfang zieht Jim bei Ray und dessen Freundin Dorothy Fujikawa ein. Der erfahrene Klavier und Keyboard Spieler Ray, der eine ausgeprägte Vorliebe für Jazz und Chicago Blues hatte, übt mit Jim zunächst das Singen. Als weitere Bandmitglieder kommen John Densmore (Schlagzeug) und Robby Krieger (Gitarre) hinzu, die Ray aus einem Meditationskurs kannte. Die Chemie scheint zu stimmen und obwohl Jim ein unerfahrener Sänger ist, punktet er mit seinen poetischen, wenn auch etwas seltsamen Texten bei den neuen Bandmitgliedern: Robby, der ursprünglich Flamenco auf der Akustikgitarre zu spielen gelernt hatte und erst seit sechs Monaten E Gitarre spielte, und John, ein Jazzfreak und Verehrer von Coltrane und Mingus. Ray mietet ein Haus, in dem die Band den ganzen Sommer lang probt. Jim will mehr Songs und fordert von allen, übers Wochenende einen zu schreiben. Doch nur Robby macht seine Hausaufgaben. Sein erster Song ist „Light My Fire“. Später erreicht dieser Platz eins in den US amerikanischen Charts.

Der allererste Auftritt von The Doors ist in London Frog, eine kleine Kneipe in L.A. Jim ist unsicher. Er dreht seinen Rücken zum Publikum und schaut zur Band, wie bei den Proben. Eines Abends kommt die Managerin des Whisky A Go Go13 vorbei. Sie ist begeistert von den Jungs und ihre unkonventionelle Musik und überredet ihren Chef, The Doors als die Hausband des Clubs zu engagieren. Ende des Jahres 1966 sind sie Vorband von The Turtles, Buffalo Springfield und Van Morrison. Man beginnt, über die Band zu sprechen, vor allem über den Sänger Jim Morrison. Auch Jac Holzman, Gründer von Elektra Records, ist von den Jungs sehr beeindruckt und will drei Alben mit ihnen produzieren. Am darauffolgenden Abend taucht Jim nicht im Whisky auf. John und Ray fahren zu seinem Motel und finden ihn dort völlig abgedreht auf LSD. Zurück im Whisky will Jim „The End“ spielen, ein Song über die Trennung von seiner Highschool Freundin. Keiner in der Band weiß damals, was Jim vorhatte. Und es sollte der letzte Abend von The Doors als Hausband von Whisky sein.

Voll in Trance und im Drogenrausch erzählt Jim zum ersten Mal das Ende der Geschichte, an die man sich Jahrzehnte später immer noch mit gemischten Gefühlen erinnern würde:

The killer awoke before dawn, he put his boots on He took a face from the ancient gallery And he walked on down the hall He went into the room where his sister lived and then he Paid a visit to his brother and then he He walked on down the hall and And he came to a door And he looked inside "Father?" "Yes, son?" "I want to kill you" "Mother? I want to... fuck you" Come on, yeah14

Der Besitzer von Whisky nennt Jim einen „kranken Dreckskerl“ und wirft die Band raus. Wenige Wochen später nehmen sie ihr erstes Album auf. In fünf Tagen. Holzman holt den erfahrenen Produzenten Paul Rothchild dazu. Er hat das neuste Equipment, einen 4 Spur Rekorder. Er legt Johns Schlagzeug auf die erste Spur, Rays Keyboard und Robbys Gitarre auf die zweite, Jims Stimme auf die dritte. Die vierte ist für alle Overdubs15. „Light My Fire“ und „The End“ sind über sieben Minuten lang: Eine mutige Entscheidung, wenn man bedenkt, dass damals keine Songs, die länger als 2:30 Minuten waren, im Radio gespielt wurden bzw. werden durften. Es war noch die Zeit der Zweiundhalbminutensongs. Nach Jims Wunsch werden als Verfasser aller Songs einfach „The Doors“ angegeben. Holzman kauft eine Werbetafel auf dem Sunset Strip, um für die Platte zu werben. Sowas hatte davor noch nie jemand getan. „Break On Through“ soll die erste erfolgreiche Singlesein, doch sie erreicht nur Platz 106 in den Charts und Holzman wechselt die Strategie zu „Light My Fire“. Der Produzent Rothchild kürzt die Instrumentale und der Song läuft in den Radios. Im Juli 1967 klettert der Song in den USA auf Platz eins. Mit den ersten Honorarschecks erhält jedes Bandmitglied 50.000 Dollar. The Doors sind jetzt ein Riesenhit und fliegen nach New York City, um dort live bei Ed Sullivan aufzutreten, genauso wie es The Beatles und The Rolling Stones davor getan hatten. Sullivan möchte das Wort „higher“ aus moralischen Gründen durch ein anderes ersetzen lassen und The Doors stimmen zunächst auch zu. Doch Jim ist bekanntlich ein Großer Anti Fan von Regeln, Ordnung und jede Art von Autorität und singt den Song während des Auftritts genauso, wie er im Original auf der Platte zu hören war. Und dafür lieben ihn die Fans.16

„ Die Sinnlichkeit und das Böse geben uns jetzt ein attraktives Image, aber das ist nur eine Schlangenhaut, die einmal abgestreift wird. Bei unseren Auftritten bemühen wir uns um eine Verwandlung. “ 17 Jim Morrison

Die erste Welle des Ruhmes kommt plötzlich und mit voller Kraft. Dabei fällt die meiste Aufmerksamkeit auf den Frontmann Jim Morrison und seine brillant inszenierten Selbstdarstellungen. Ein Jahr zuvor konnte der schüchterne Sänger kaum sein Publikum ansehen. Doch jetzt ist die Verwandlung komplett. Er scheint für den Ruhm geboren zu sein und genießt es geradezu, von so vielen Menschen begehrt zu werden. Dafür distanziert er sich umso mehr von seiner Familie und lässt sie in seiner Bandbiografie als „tot“ eintragen.

3. „ Die Musik spiegelt das wieder, was um dich herum passiert. “ Jim Morrison

„ Die Musik der Doors ist eher surreal als psychedelisch, eher Wut als Trip.18 Sie ist nicht nur Rock, sie ist Ritual Ritual eines psychosexuellen Exorzismus. Die Doors sind die

Hexenmeister der Popkultur. “ 19 Gene Youngblood Die Musik von The Doors ist anders. Sie ist fremd und etwas beängstigend. Die Songtexte bewegen sich außerhalb der gewohnten Rockmusik. Es ist Musik für die, die anders sind.

[...]


1 “Actually I don’t remember being born, it must have happened during one of my black outs.” Jim Morrison. Vgl.: Original DVD Cover von Oliver Stone’s Film “The Doors”. USA 1991.

2 “There are things known and things unknown and in between there are the doors.” Jim Morrison. Vgl.: Original DVD Cover von Oliver Stone’s Film “The Doors”. USA 1991.

3 Jim Morrison: Vgl.: Oliver Stone’s Film “The Doors”. USA 1991.

4 Ingeborg Schober: Break On Through Anfänge (1965 1966). In: Martin Sulzer Reichel (Hrg.): Jim Morrison. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2002. S. 45.

5 Ingeborg Schober: Der Poet in Paris. In: Martin Sulzer Reichel (Hrg.): Jim Morrison. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2002. S. 117.

6 “Actually I don’t remember being born, it must have happened during one of my black outs.” Jim Morrison. Vgl.: Original DVD Cover von Oliver Stone’s Film “The Doors”. USA 1991.

7 Ingeborg Schober: Break On Through Anfänge (1965 1966). In: Martin Sulzer Reichel (Hrg.): Jim Morrison. Deutscher Taschenbuch Verlag. München 2002. S. 49.

8 Ebd. S. 41.

9 Jerry Hopkins, Daniel Sugerman: Der Pfeil fliegt. In: Jerry Hopkins: Keiner kommt hier lebend raus. MaroVerlag. Augsburg 1982. S. 139.

10 University of California, Los Angeles. In den 60er Jahren erlebt die Abteilung Film und Kunst ihre Blütezeit an der Filmhochschule. Zu den berühmten Absolventen gehört u.a. auch Francis Ford Coppola.

11 “There are things known and things unknown and in between there are the doors.” Jim Morrison. Vgl.: Original DVD Cover von Oliver Stone’s Film “The Doors”. USA 1991.

12 „Würden die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, erschiene den Menschen alles, wie es ist: Unendlich.“ Vgl.: Oliver Stone’s Film “The Doors”. USA 1991.

13 Ein bekannter Club, in dem damals die großen Stars auftraten.

14 Textausschnitt aus „The End“.

15 Overdub ist die aus dem Englischen übernommene Bezeichnung für die Tonaufnahme über eine bestehende Tonaufnahme (Playback) im Tonstudio. Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Overdub, 24.07.2011.

16 Auch Andy Warhol, der damals zu New Yorker Kunstelite gehörte, ist vernarrt in Morrison und möchte einen Film mit ihm drehen.

17 Ingeborg Schober: Aufstieg (1967). In: Martin Sulzer Reichel (Hrg.): Jim Morrison. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2002. S. 63.

18 Jim Morrison: Vgl.: Oliver Stone’s Film “The Doors”. USA 1991.

19 Ingeborg Schober: Aufstieg (1967). In: Martin Sulzer Reichel (Hrg.): Jim Morrison. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2002. S. 66.

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656034469
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v180588
Institution / Hochschule
Universität der Künste Berlin – Gestaltung: Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation
Note
2,0
Schlagworte
mythos morrison

Autor

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