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Kreatives Schreiben am Berufskolleg

Einsatz des kreativen Schreibens in der Schule

Essay 2009 12 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

1. Kreatives Schreiben

2. Kreatives Schreiben im Lehrplan am Berufskolleg

3. Einsatz vom kreativen Schreiben in der Schule
3.1 Gründe für den Einsatz von kreativem Schreiben
3.2 Erlernbare und verbesserbare Fähigkeiten durch kreatives Schreiben
3.3 Mögliche Probleme beim Einsatz von kreativen Schreiben
3.4 Einsatz im Unterricht

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Kreatives Schreiben

Beim kreativen Schreiben handelt es sich um einen prozessorientierten Vorgang, der durch assoziative, gestaltende und überarbeitende kreative Methoden trainiert wird.[1]

Es herrschen unterschiedliche Meinungen dazu, ob kreatives Schreiben erlernt werden kann. Einige Experten behaupten, dass es einer Begabung benötigt, andere sind der Überzeugung, dass es gelernt werden kann. An amerikanischen Universitäten gibt es bereits seit langem den Studiengang „Creative Writing“, in welchem das kreative Schreiben im Mittelpunkt steht. Mittlerweile gibt es auch im deutschsprachigem Raum einige Universitäten (z.B. Deutschen Literaturinstitut in Leipzig (DLL), Schweizerischen Literaturinstitut in Bielin, Universität Hildesheim) an denen der Studiengang „Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus“ belegt werden kann. Laut einem Artikel der Welt-Online im Juli 2009 ist der Gründer und Leiter des Studiengangs der Universität Hildesheim Hanns-Josef Ortheil begeistert von seinem Projekt, das Kreative Schreiben als Studiengang eingeführt zu haben, und konnte nach eigener Aussage alle Absolventinnen und Absolventen in einem festen Job unterbringen.[2] Dies ist ein positives Beispiel für das Erlernen des Schreibens.

Eine weitere Begründung für die Möglichkeit das Schreiben zu lernen ist, dass jeder Mensch Kreativität von Geburt an in sich trägt. Sie ist bei den verschiedenen Personen nur unterschiedlich stark ausgeprägt. Das Vorhandensein dieser Fähigkeit ist die Grundlage für das kreative Schreiben und natürlich hat nicht jeder Mensch die Begabung Schriftsteller zu werden. Aber es ist jedem Menschen möglich die Grundlagen zu erlernen und vorhandene Fähigkeiten auszubauen.[3] In den Schulen wird die optische Kreativität im Kunstunterricht gefördert, obwohl nicht alle Schülerinnen und Schüler begabte Künstlerinnen und Künstler sind. Es stellt sich die Frage, warum das kreativ-sprachliche Potenzial nicht in den Schulen als eigenes Fach oder als eigenes Themengebiet beispielsweise im Deutschunterricht gefördert wird.

2. Kreatives Schreiben im Lehrplan am Berufskolleg

Für die verschiedenen Bildungszweige des Berufskollegs steht das kreative Schreiben für kaum einen Bildungsgang im Lehrplan. Es ist lediglich als Unterpunkt im Lernbereich „Spiegelung der Arbeitswelt in ästhetisch-kreativen Texten“[4] in dem ab August 2007 gültigen Lehrplan des dualen Systems der Berufsschule zu finden. In weiteren Lehrplänen wie denen für die allgemein bildende Hochschulreife[5] und dem Lehrplan für fächerübergreifenden Unterricht der Fachschule[6] ist das kreative Schreiben nicht explizit vorhanden, wobei es vor allem bei letzterem zu erwarten wäre. In diesem sind die Ansätze des kreativen Schreibens im Schulfach Deutsch im Lernbereich der Texterstellung und -präsentation in den Inhalten „Differierende und wertende Texte“[7] durch den Hinweis auf das Erstellenlassen von Fachaufsätzen, Leserbriefen, Kommentaren oder Arbeitszeugnissen und „Texte mit mehreren Personen bearbeiten“[8] durch den Hinweis auf das Verwenden von Kreativitätsmethoden, der Ideenabstimmung mit Mitschülern und Mitschülerinnen, der Zusammenfassung von Entwürfen und der Überarbeitungsfunktionen von Textverarbeitungssystemen gegeben. Jedoch wird kreatives Schreiben als eigener Lerninhalt weder im Fachbereich Deutsch noch in den anderen Fächern (z.B. Englisch) erwähnt.[9] Es ist lediglich eine Option die der Lehrerperson als Methode zu Verfügung gestellt wird. Wie diese sie umsetzt, wird ihr freigestellt. Aus dieser Nichterwähnung in den meisten Lehrplänen, lässt sich schließen, dass dem Schulministerium die Bedeutsamkeit dieses Lerninhalts bisher nicht klar ist.

3. Einsatz vom kreativen Schreiben in der Schule

3.1 Gründe für den Einsatz von kreativem Schreiben

Die Schriftsprache gewinnt in der heutigen Gesellschaft immer mehr an Bedeutung, ist aber laut einer Expertenbefragung. die am Stärksten zurückgegangene Kompetenz unter Jungendlichen. Es ist schwer vorstellbar, dass es viele junge Menschen mit Lese- und Rechtschreibschwächen gibt, da diese Fähigkeiten für die meisten Lebenssituationen gebraucht werden. Die Schriftsprache wird sowohl im öffentlichen Leben als auch privat durch den technischen Fortschritt, da mittlerweile viele Angelegenheiten über den Computer geregelt werden und dieser ein bedeutender Bestandteil des sozialen Lebensraums ist, ständig verwendet. Ein Auskommen ohne die Schriftsprache ist nicht möglich. Deswegen muss die Lese- und Rechtschreibkompetenzen der Schülerinnen und Schüler gefördert werden.[10]

Der Aspekt des technischen Fortschritts hat zwei Seiten durch, welche die Jugendlichen beeinflusst werden. Zum einen ist das Schreiben an sich sehr wichtig geworden, da über den Computer mittels der Schriftsprache kommuniziert wird. Dementsprechend gehört die schriftliche Kommunikation durch E-Mails, Chat und andere Anwendungen zum Alltag der Schülerinnen und Schüler und wird viel stärker genutzt als in Zeiten ohne PCs in jedem Haushalt. Zum anderen jedoch führt es dazu, dass die Qualität der verfassten Texte sinkt, da es sich um eine Verschriftlichung der Mündlichkeit, was für die Schülerinnen und Schüler eine Verschriftlichung der Umgangs- und Jugendsprache bedeutet, handelt. Viele Jugendliche verlieren das Gefühl für die richtige Rechtschreibung und einen angebrachten Stil. Die Chat-Sprache hat Einzug in die deutsche Sprache genommen. Sie ist sehr vereinfacht, da hier geschrieben wie gesprochen wird, ohne Rücksicht auf Groß- und Kleinschreibung, Orthografie, Grammatik oder Stil. Im Mittelpunkt der Konversationen steht die Kommunikation und nicht die Schreibqualität. Die Jugendlichen legen vielfach keinen Wert auf stilistische und grammatikalische Richtigkeit.

Durch den vermehrten Gebrauch der Schriftsprache ergibt sich weiterführend das Problem, dass die Fehler, die die Jungendlichen machen, bereits tief verwurzelt sind und sie nicht nur das Gefühl für die Sprache verlieren, sondern sich die Fehler bereits eingeprägt haben. Sie machen diese tagtäglich am Computer, ohne zu wissen, dass es sich um solche handelt. Ihnen sollte bewusst gemacht werden, dass es Unterschiede gibt zwischen den Texten, die sie im Chat verfassen und denen, die sie in der Schule erstellen. Dass die Abkürzungen, die sie in den Konversationen nutzen, nicht im Duden geregelt sind, und sie diese nicht im täglichen Schriftsprachgebrauch einsetzten können, muss Bestandteil im Unterricht sein.

Weiterhin hat die dargestellte Problematik die gesprochene Sprache als Ursprung, welche ebenfalls an Qualität abnimmt. In der momentanen Jugendsprache herrscht beispielsweise der Trend, Präpositionen auszulassen. Die Schülerinnen und Schüler sind teilweise davon überzeugt, dass sie unnütz sind, oder mehr noch, dass ihre Aussagen ohne Präpositionen richtig seien.

Während eines von mir besuchten Deutschunterrichts sagte eine Schülerin zu einer anderen, welche ein Bild von ihrem zukünftigen Zimmer anfertigte: „Ey, wo ist Haus?“ Die Lehrerin reagierte direkt auf diese Aussage und fragte sie, was das bedeuten solle und ob ihr klar sei, dass diese Äußerung falsch war. Die Schülerin war über diese Kritik sichtlich überrascht und sagte zur Verteidigung: „Wieso, man sagt doch auch: Bist du Solarium?“ Was heißen soll, ob sie sich gerade in einem Sonnenstudio befindet. An diesem kurzen Beispiel lässt sich deutlich erkennen, wie schwerwiegend die Fehler der Jugendlichen sind und wie unbewusst ihnen dieser Missbrauch unserer Sprache ist.

An eben Dargestelltem lässt sich erkennen, dass die Schriftsprachkompetenz der Schülerinnen und Schüler immer weiter abnimmt. Natürlich haben nicht alle Lernenden so gravierende Probleme wie eben beschrieben, jedoch wird immer deutlicher, dass die Schülerinnen und Schüler zu einem bewussten Umgang mit Sprache erzogen werden müssen. Dieses Problem müssen die Schulen in erster Linie erkennen und dagegen ankämpfen. Momentan lernen die Jugendlichen zwar, wie Sprache richtig zu gebrauchen ist, das Problem besteht aber häufig darin, dass sie nur den Anweisungen der Lehrperson folgen, jedoch das Gelernte nicht verinnerlichen und nicht transferieren können. Sie wissen meistens, dass es einen Unterschied zwischen der von ihnen verwendeten Sprache und Hochdeutsch gibt, jedoch sehen vor allem die Klassen mit niedrigerem Bildungsniveau keinen Sinn darin, sich gewählt ausdrücken zu müssen, da es in ihrer alltäglichen Umgebung nicht von Nöten ist. Sie müssen allerdings lernen, dass gewählte Ausdrucksformen von Bedeutung sind, wenn sie in der heutigen Gesellschaft die Freiheit haben möchten, ihr Leben selbst zu gestalten, da das Bildungsniveau im Allgemeinen steigt und eine gute Schriftsprachkompetenz eine Vorraussetzung für jedes selbst gesetzte Ziel ist. Sie sollten sich alle Möglichkeiten offen halten können, wobei der richtige Gebrauch der Landessprache von höchster Priorität ist. Es ist eine Erziehung zur Selbstständigkeit der Jungendlichen.

Damit die Schülerinnen und Schüler wieder ein Gefühl für Sprache und ihre Bedeutung entwickeln können, wäre es sinnvoll, auf das kreative Schreiben zurück zu greifen. Momentan befassen sie sich in der Schule mit Inhalten, die ihnen von den Lehrkräften vorgegeben werden. Allerdings tun sie dies häufig aus Zwang und nicht aus eigenem Wunsch. Durch kreatives Schreiben wäre eine heterogene Schulbildung vor allem im Bereich der Sprachen gegeben, indem sie zu selbst gewählten Themen kreativ werden, die aus ihren Interessenbereichen stammen, sie selbst sehen, wie schwer es ist, einen Text ohne Vorgaben zu verfassen und wie wichtig die richtige Wortwahl und der Stil sind. Sie können durch das kreative Schreiben einen Grundstein in Bezug auf ihren individuellen Umgang mit der Sprache setzen und darauf aufbauend ihre Fehler erkennen und korrigieren Lernen, da zum kreativen Scheiben sowohl das Schreiben der Texte an sich als auch die Überarbeitung dieser gehört. Die Art und Weise, wie Schrift und Schreiben verstanden werden, spielt die entscheidende Rolle dafür, wie sie genutzt werden’[11]. Dementsprechend müssen Schülerinnen und Schüler erst ein Verständnis und Gefühl für die Sprache entwickeln, damit sie diese bewusst einsetzen können. Für diesen Prozess ist das kreative Schreiben die beste Methode.

3.2 Erlernbare und verbesserbare Fähigkeiten durch kreatives Schreiben

Durch den häufigen Einsatz von kreativem Schreiben im Unterricht können die Schülerinnen und Schüler nicht nur ihre häufig mangelhafte Schriftsprachkompetenz verbessern, sondern darüber hinaus weitere Fähigkeiten erwerben.

Zum einen lernen die Jugendlichen den Umgang mit der deutschen Hochsprache, dass heißt wie sie diese bewusst und richtig einsetzen und wie sie sich von anderen Typen wie der Chat-Sprache, der gesprochene Sprache und der Umgangssprache unterscheidet. Dadurch kann ihnen verdeutlicht werden, wann sie welche Form der Sprache angebracht ist.

Zum anderen wird durch das kreative Schreiben ihre Schreibkompetenz erhöht. Die Schülerinnen und Schüler lernen geschriebene Sprache zu produzierten, ihre Kreativität zu nutzen und die Relevanz von Orthographie, Grammatik und Stil für das Textverständnis sind. Es kann ihnen beispielsweise deutlich gemacht werden, dass richtige Groß- und Kleinschreibung und Kommasetzung den Lesefluss vereinfachen. Weiterhin erwerben sie die Fähigkeit, adressatenorientiert zu schreiben und Geschriebenes differenziert beurteilen können. Es ist von Bedeutung, ob der Text für einen ihrer Mitschüler, für ein Kind oder für eine Lehrperson verständlich sein muss, und dass je nach Adressat sowohl der Inhalt als auch der Stil angepasst werden muss.

Abgesehen von der Erhöhung der Schreibkompetenz wird die Sprachkompetenz der Schülerinnen und Schüler weiterentwickelt. Sie erweitern ihren Wortschatz, da sie beim Verfassen der Texte beispielsweise von Synonymen Gebrauch machen, und steigern ihr Sprachgefühl durch Einsatz von rhetorischen Mitteln.

[...]


[1] Vgl. Böttcher, Ingrid: Grundlagen kreatives Schreiben. In: Kreatives Schreiben. Hg. v. Ingrid Böttcher. 4. Auflage. Berlin: Cornelsen Verlag 1999. S.7.

[2] Preissler, Brigitte: Wie gute Texte entstehen. Studiengänge in Hildesheim, Leipzig und Biel bereiten praxisnah auf Berufe in Verlagen und Kulturredaktionen vor. Welt Online. http://www.welt.de/die-welt/article4092947/Wie-gute-Texte-entstehen.html [11. April 2010].

[3] Vgl. Böttcher, Ingrid Grundlagen kreatives Schreiben. In: Kreatives Schreiben. Hg. v. Ingrid Böttcher. 4. Auflage. Berlin: Cornelsen Verlag 1999.

[4] Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen: Lehrplan für das Berufskolleg in Nordrhein-Westfalen. Deutsch/Kommunikation. Fachklassen des dualen Systems der Berufsausbildung. 1.Auflage. Frechen: Ritterbach Verlag 2007. S.19. http://www.berufsbildung.nrw.de/cms/lehrplaene-und-richtlinien/berufsschule/berufsvorbereitung/lehrplaene-und-richtlinien.html (17.April 2010).

[5] Vgl. Lehrplan für den Fachbereich Soziales und Erziehung, Lehrplan für den Fachbereich Technik, Lehrplan für den Fachbereich Wirtschaft und Verwaltung, Lehrplan für den Fachbereich Kunst und Gestaltung. http://www.berufsbildung.nrw.de/cms/lehrplaene-und-richtlinien/berufliches-gymnasium/berufliches-gymansium.html (17. April 2010).

[6] Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes Nordrhein-Westfalen: Richtlinien und Lehrpläne zur Erprobung. Fachschule – fachrichtungsübergreifender Lernbereich -. Deutsch / Kommunikation, Englisch, Politik / Gesellschaftslehre, Betriebs- und Personalwirtschaft, Mathematik, Naturwissenschaften. http://www.berufsbildung.nrw.de/cms/lehrplaene-und-richtlinien/fachschule/fachschule.html (17. April 2010).

[7] Ebd. S. 22.

[8] Ebd. S. 22.

[9] Vgl. Ebd. S. 20 - 28.

[10] Bettina Ehrenthal, Verena Eberhard, Joachim Gerd Ulrich: Ausbildungsreife - auch unter den Fachleuten ein heißes Eisen. Ergebnisse des BIBB-Expertenmonitors. http://www.bibb.de/de/21840.htm. [11.06.2010]

[11] Ebd. S.9.

Details

Seiten
12
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656033318
ISBN (Buch)
9783656033554
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v180584
Institution / Hochschule
Universität Paderborn – Germanistik
Note
Schlagworte
kreatives schreiben berufskolleg einsatz schreibens schule

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